Kölschgänger

Ramona, Ronald, Elisabeth und Michael – wir sind die Kölschgänger. Wir erzählen gern über unsere Heimat, Köln. Hier findet Ihr die Orte zu unseren Erzählungen. Wir hoffen, Ihr habt ein wenig Freude an uns. Macht gern mit, schreibt uns!
Living in: Köln, Deutschland
  • Aug21

    Vom Brunnen finden in Köln

    August 21 in Germany ⋅ ⛅ 20 °C

    Ihr Lieben, wer meine Beiträge regelmäßig liest, hat wahrscheinlich schon bemerkt, dass ich ab und zu Brunnen vorstelle. Eigentlich habe ich mir früher überhaupt keine Gedanken über unsere Brunnen gemacht. Als Kölschgänger bin ich halt immer auf der Suche nach den kleinen, eher versteckten Sachen in unserer Stadt.
    Manchmal bekomme ich Tipps, einige Sachen kenne ich aus eigenem Erleben, anderes finde ich in Büchern. Meist in älteren Büchern, deshalb bin ich auch immer „auf der Jagd“ nach ihnen. Gerade in den älteren Büchern habe ich schon unfassbar viele spannende „Kleinigkeiten“, oder sagen wir besser vergessene Sachen in Köln entdeckt und darüber berichtet.
    Irgendwann bekam ich dann das Buch „Brunnen in Köln“ aus den 80ern in die Hände. Und sofort war ich fasziniert. All diese Brunnen stehen in unserer Stadt? Klar, einige kannte ich, aber ganz viele eben nicht, und so begann meine Jagd. Ich wollte sie finden, alle, und euch möglichst darüber berichten. So begann eine kleine verrückte Leidenschaft, die mir viel Spaß bereitet, mich „Ecken“ entdecken lies, die mir völlig unbekannt waren.
    Und manchmal, ja, ich kann es nicht leugnen, lief ein wie ein Rohrspatz schimpfender Kölschgänger durch die Straßen, meist, wenn ich wer weiss wohin geeiert bin und feststellen musste, den Brunnen gibt es nicht mehr, wie die Wasseranlage im Klingelpützpark. Kann passieren wenn man sich auf alte Literatur stützen muss. Manchmal bin ich auch enttäuscht und traurig, wenn Brunnen ungepflegt in einer Ecke vor sich hingammeln, so wie der Hänneschenbrunnen in der Südstadt. Der ist total schön, hoffentlich erinnert sich die Stadt bald an ihn. Viele Brunnen sprudeln auch nicht mehr, was schade ist oder werden vernachlässigt wie der Georgsbrunnen, der eine schöne Geschichte erzählt und eine tolle Vergangenheit in seinem Veedel vorweisen kann.
    Ab und an finde ich Brunnen, die heute einen anderen Zweck erfüllen, wie am Finkenplatz und am Drosselweg in Weidenpesch. Diese stehen in ganz kleinen Anlagen und die Brunnenschalen werden mit Blumen bepflanzt. Sieht schön aus, tolle Idee der Menschen dort.
    Andere Brunnen werden privat „in Schuss“ gehalten, wie der Panbrunnen. Toll auch, dass der Brunnen am Ebertplatz wieder läuft, wer mal die spielenden und planschenden Kinder dort gesehen hat, dem wird klar, wie wichtig die jeweiligen Brunnen für die Menschen im Veedel sind.
    Und deshalb werde ich weiter suchen und euch von unseren Brunnen erzählen, den bekannten und den eher kleinen, unscheinbaren im Veedel, über die kaum etwas zu recherchieren ist, sie sind einfach da, gehören zum Stadtbild und ab und an erfreut sich jemand an ihnen.
    So wie am Puttenbrunnen in Lindenthal/Braunsfeld. Auch so eine Geschichte. Da denkst du, kurz hinfahren, anschauen, ein paar Fotos machen. Von wegen. Ich hatte den Straßennamen, also kann das keine großen Probleme geben. Was soll ich sagen, den Ar… habe ich mir abgesucht. Da ich ja nicht sicher sein konnte, dass es ihn überhaupt noch gibt. Schließlich habe ich ihn doch gefunden. Im Innenhof einer Wohnanlage Ecke Brucknerstraße/ Aachener Str./ Clarenbachstr. Super Versteck, vielen Dank.
    Und doch habe ich mich total gefreut, als ich ihn endlich entdeckt habe, Denn er ist sehr hübsch und passt hier prima hin. Gestiftet hat ihn der Gerling-Konzern, gebaut wurde er 1953 von Arnold Breker.
    Unten ist ein schönes großes Becken, leicht erhöht ragt in der Mitte eine schlanke Stele recht hoch hinauf. Unten an der Stele befindet sich ein kleiner Wasserkranz. Oben steht eine Puttenfigur, in jeder Hand einen Fisch. Die Figur steht auf einer Kugel, die mit kleinen Wasserspeiern versehen ist. Wie schon gesagt, keine Sensation, aber hübsch anzusehen und der Brunnen passt hier einfach gut hin. Da er bepflanzt ist, gehe ich davon aus, dass er heute eher als „Deko“ hier steht. Aber wenn ihr mal in der Gegend seid, schaut ihn euch ruhig einmal an. Manchmal sind es die kleinen eigenen Erlebnisse, die entscheiden, ob etwas wichtig oder schön ist.
    Übrigens bin ich für Tipps zu „meinen“ Brunnen immer sehr dankbar. Schreibt mir gerne in den Kommentaren oder auch als persönliche Nachricht. Vielleicht habt ihr ja gerade zu den kleinen, eher unscheinbaren Brunnen etwas zu erzählen. Ich höre euch bestimmt zu, denn ich mag unsere Brunnen, jeden einzelnen. Sie sind ein Stück Veedel und dürfen niemals verschwinden.
    Überhaupt, gerade in den Veedeln etwas außerhalb warten viele Geschichten und Kleinode, die wiederentdeckt und erzählt werden wollen. Helft uns, indem ihr uns berichtet. Wir sind für eure Tipps sehr dankbar. So, jetzt muss ich aber los, der nächste Brunnen will entdeckt werden…

    Euer Ronald
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  • Aug20

    St. Peter bin ich genannt...

    August 20 in Germany ⋅ ⛅ 18 °C

    So lautet die erste Zeile des bekanntesten Spruchs auf der St. Petersglocke, die die Kölner liebevoll "dicker Pitter" nennen. Sie war lange mit einem Gewicht von über 24 Tonnen die größte freischwingend geläutete Glocke der Welt, das heißt, sie wird am geraden Joch aufgehängt geläutet. Abgelöst wurde dieser Rekord von einer 2016 gegossenen und über 25 Tonnen schweren, ebenfalls freischwingenden Glocke, die in der "Kathedrale der Erlösung des Volkes" in Bukarest ihren Platz hat.
    Ihre Faszination verliert unser dicker Pitter dadurch für uns natürlich nicht. Schließlich ist er die Glocke Nr. 1 im Domgeläut des Kölner Domes.

    Die St. Petersglocke hatte allerdings eine Vorgängerin, die "Gloriosa", auch "Kaiserglocke" genannt. Mit einem Gewicht von 27.180 Kilogramm war sie sogar noch schwerer als die heutige. Im Jahr 1875 gegossen, wurde die "Gloriosa" 1918 im ersten Weltkrieg wieder eingeschmolzen. Zum einen, da kriegswichtiges Material daraus hergestellt werden sollte, zum anderen passte wohl ihr Ton nicht zum restlichen Geläut.

    Konrad Adenauer, damals Oberbürgermeister und Karl Joseph Kardinal Schulte sprachen sich dafür aus, dass es für die "Gloriosa" einen Ersatz geben sollte. Nur wollte zuerst niemand die neue Glocke gießen. Vielen Glockengießern aus ganz Europa war das Risiko zu groß, schließlich war allen die misslungene "Gloriosa" bekannt. Am 13. März 1922, nach Anforderung des Domkapitels, fand sich endlich Heinrich Ulrich, Glockengießermeister aus Apolda/Thüringen. Er war letztendlich bereit, den Auftrag zum Guss unserer St. Petersglocke anzunehmen und auszuführen, was gar nicht so einfach war, denn für die angeforderte Größe der Glocke musste zuerst ein neuer Schmelzofen gebaut werden, da der vorhandene die Menge an Metall gar nicht fassen konnte.

    Mit der Fertigstellung kam dann ein neues Problem auf. Während der Inflation konnte der Papiergeldentwertung nicht gefolgt werden und auch mit Notgeld konnte das Domkapitel die Glocke nicht einlösen. Das Material für diese kostete damals über eine Million Mark und nach der Inflation fehlten immer noch 5.000 Dollar. Diese allerdings wurden dann von reichen Kölner Bürgern gespendet.

    Nebenbei: Der Guss der St. Petersglocke dauerte gerade einmal 9 Minuten und 32 Sekunden. Und wie wir alle wissen, ist er diesmal gelungen.

    Wer nun denkt, die Glocke wäre nun gleich nach Köln gekommen, der irrt. Weil die Auftraggeber Angst hatten, die Glocke könnte womöglich als Reparationsgut beschlagnahmt werden, blieb sie für anderthalb Jahre in der Gießerei. Erst im November 1924 wurde die Glocke auf dem Schienenweg nach Köln transportiert. Unter Glockengeläut mehrerer Kirchen und auch des Domes und feierlich geschmückt, legte sie am 24. November 1924 unter Begleitung von tausenden Menschen das letzte Stück Weg vom Rheinauhafen zum Dom auf einem Tieflader zurück. Am 30. November wurde sie vor ca. 20.000 Menschen von Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte geweiht.

    Es dauerte mehrere Wochen, bis die Glocke an ihrem Platz im Glockenstuhl hing, der zuerst verstärkt werden musste, um das Gewicht tragen zu können. Um die 3,20 Meter hohe und 3,22 Meter breite Glocke überhaupt in den Dom zu bekommen, musste der Mittelpfeiler des Hauptportals entfernt werden, denn durch die anderen Türen passte sie nicht.

    An Heiligabend sollte sie dann das erste mal erklingen. Aufgrund eines technischen Fehlers aber riss das Seil der Läutemaschine nach den ersten drei Schlägen. Es dauerte nun 10 Monate, bis zum 28. Oktober 1925, 12 Uhr mittags, als der dicke Pitter zum ersten Mal in der Stadt zu hören war. Im Laufe der Jahre folgten einige Reparaturen, unter anderem, als sich 2011 am Dreikönigstag der Klöppel aus der Aufhängung löste und auf die Wartungsebene des Glockenstuhls aufschlug. Am 2. Dezember des selben Jahres erst wurde der neue Klöppel befestigt und die Glocke am 7. Dezember das erste Mal wieder geläutet.

    Einmal noch, im April 2017 wurde der Klöppel für einige Monate wegen Verbesserungsarbeiten abgebaut. Seither aber läutet er wieder für uns - der dicke Pitter. Lauschen wir den besonderen Klängen der Glocken des Kölner Domes.

    bis bald, eure Ramona
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  • Aug18

    Das Autokino

    August 18 in Germany ⋅ 🌧 19 °C

    Im rechtsrheinischen Porz entstand 1967 das einzige Kölner Autokino.
    Ich bin so froh, dass es die Jahre überstanden hat und uns bis heute erhalten geblieben ist. Immerhin gab es einmal an die 40 Autokinos in Deutschland.
    Auf der 15 m hohen und 36 m breiten Leinwand, werden sowohl aktuelle Kinofilme, wie auch Klassiker vorgeführt.
    Sehr zu meiner Freude sogar Grease, bei welchem eine Filmszene ebenfalls in einem Autokino spielt.
    Über die UKW Frequenz 90, 5 hört man dort dem Film zu.
    Wer von euch "Grease" kennt, kann sich vorstellen, wie gerade dieser Kultfilm zum Autokino passt.
    Auf dem großen Parkplatz haben 1300 Autos Platz. Die alten Ruf- und Lautsprechersäulen stehen heute nur noch sporadisch auf dem Platz.
    Dieser ist immer ein wenig schräg, damit der Hintermann auch etwas sieht.
    Manchmal sieht man mehr als man denkt, denn auch heute wird ab und an noch im Autokino gefummelt. Nein, ich war es nicht! Ich gehe ganz brav in der Pause zur Pommesbude und hole mir Currywurst mit Pommes.
    Popcorn und Coke bekommt man natürlich auch vor Ort. Die machen dort übrigens einen hervorragenden Kaffee. Dabei fällt mir ein: "Ja, es gibt WCs!" Alles in allem wie in einem normalen Kino auch. Nur gemütlicher und persönlicher. Ich ziehe es jedem anderen Kino vor.
    An mehreren Wochentagen finden dort Trödelmärkte statt und sonntags manchmal ein Automarkt. Dies stört manch einen Besucher, wie ich erfahren konnte. Warum eigentlich? Nun mich stört es nicht, denn nur so hat das Autokino in Porz, die Zeit überdauern können. Hauptsache, wenn Vorführung ist, ist das typische Autokino Feeling wieder da. Bislang klappte dies problemlos.
    Das Autokino wird sinnigerweise "Drive in" genannt.
    Vor ein paar Jahren war ich mal im Winter dort. Am Ende der Vorstellung wollte unsere Autobatterie nicht mehr. Kein Problem! Man hat dort ein Gerät, welches in 30 Sekunden den Wagen wieder zum Start verhilft.
    Bei meinem Gespräch mit dem Theaterleiter Thorsten Schwiers, (Es ist wirklich die echte Berufsbezeichnung, für den Kinobetreiber, welcher nicht gleich der Inhaber ist. Inhaber ist hier ein Herr Jann.) kam ich auch auf das Gerücht zu sprechen, welches zurzeit im Umlauf ist. So wird der Real in Porz demnächst seine Pforten schließen. Daraus entwickelte sich bei der Bevölkerung die Meinung, auch das Autokino würde dort dann verschwinden.
    Herr Schwiers versicherte mir, dem wird nicht so sein. Im Gegenteil! Zurzeit entsteht ein neuer Eingangsbereich und auch eine 7000 Watt starke neue digitale Projektionsanlage mit Laserlicht wird demnächst installiert.
    Warum sollte man also weiterhin investieren und modernisieren, wenn es wirklich seine Pforte schließen würde?
    Die DWS mit Sitz in Starnberg, die Eigentümer des Kinos ist, wird wohl kaum in ein Lichtspieltheater investieren, wenn es keine Zukunft hätte.
    Nach den Zuschauerzahlen gefragt, bewegen sie sich je nach Tag u Film, zwischen 100 und 1000 Besuchern.
    Übrigens ein Grund warum auch Märkte auf dem Gelände stattfinden müssen, denn nur mit Kino alleine, könnte man die Unterhaltskosten nicht stemmen.
    Im Sommer spielt man dort die "Classic Filme", in warmen Sommernächten nach 22 Uhr.
    Vielleicht habt ihr ja Lust einmal dorthin zu fahren und setzt euch gedanklich zurück in die Anfänge des Autokinos. Trotz moderner Technik ist es dennoch ein gutes Stück Nostalgie, welches den Besuchern geboten wird.
    Im Winter kann man sogar eine kleine Heizung mieten.
    Kommt man tagsüber ohne Betrieb, sieht es etwas verwaist aus. Doch spätestens zu Beginn der Dämmerung wird es lebendig, im Autokino Porz.

    Euro ElLa
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  • Aug16

    Fygen Lutzenkirchen

    August 16 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C

    Fygen Lutzenkirchen - sie steht da oben an der Ostseite des ersten Stocks des Rathausturms. Sie soll für die Frauen stehen, die in der Männerwelt im Mittelalter wirtschaftlichen Erfolg haben. Tja, wenn ich nachschlage, stoße ich auf die immer gleichen Erläuterungen, die schnell umfangreich auf die Stellung ihres Mannes ausschweifen… – Doch eine Quotenfrau, weil es gerade Mode ist?
    Fygen Lutzenkirchen ist eine geborene Bellinghoven. Wann sie geboren ist, wissen wir nicht so genau. Wir vermuten aber, dass um das Jahr 1450 war. Den Namen Lutzenkirchen nimmt sie an, als sie ihren Peter heiratet.
    Peter Lutzenkirchen ist in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Großhändler in Köln. Er kauft Safran in Zargoza in Spanien und zur gleichen Zeit Rohseide in Ravensburg. Er kommt zu Geld und Einfluss. „Handel“ ist vielleicht schon untertrieben. Er lenkt Warenströme. Das Ansehen der Kölner Kaufleute hilft ihm natürlich. Er hat beste Beziehungen nach Flandern in große Handelsstädte wie Brügge und Antwerpen und in die Niederlande.
    Kölner Kaufleute liefern Qualitätsware, das weiß man überall und man kann sich darauf verlassen. Die Kaufleute achten auch sehr darauf, dass die Qualität stimmt. Wie zum Beispiel 1474 der Kölner Kaufmann Johann Westphelinck in Bergen in den Niederlanden minderwertige Seide anbietet, beschweren sich nicht die Bergener, weil sie die ja auch billiger einkaufen können. Nein, die Kölner Kaufleute, unter ihnen auch Peter Lutzenkirchen, lassen ihm den Prozess machen und sorgen dafür, dass dieser erstmal aus dem (Waren-) Verkehr gezogen wird.
    Eng verbunden ist der Kölner Handel auch mit der Stadt Frankfurt, in der große Handelsmessen stattfinden.
    Das alles ist entscheidend wichtig für die großen Handelsgesellschaften des Südens, wie die Große Ravensburger oder die Vöhlin-Welser-Gesellschaft. Sie brauchen das Geschick von Peter Lutzenkirchen, der die Waren aus dem Süddeutschen über Frankfurt und Köln nach Flandern leitet. Ein riesiges Geschäft mit Leinen, Wolle, Damast, Samt, Safran, Purpur und Gewürzen aus dem Orient, Rohseide – ein kompliziertes Netzwerk. Peter Lutzenkirchen bringt es zum Ratsherrn der Gaffel „Wollenhaupt“. Sie ist die vornehmste aller Kölner Gaffeln, die Gaffel der Wollenweber.
    Fygen Lutzenkirchen wird 1474 Meisterin im Seidmacherhandwerk. In der von Männern dominierten Welt gibt es in Köln und sonst überhaupt nur noch in Paris Zünfte, in der Frauen das Sagen haben. Die Seidmacherinnen und die Garnmacherinnen gehören dazu. Bis 1497 bildet Fygen Lutzenkirchen 25 Frauen zur Seidmacherin aus. Ihre eigenen Töchter, Lisbeth und Agnes allerdings nicht. Diese machen ihre Ausbildung bei der Konkurrenz.
    Natürlich hat sie durch ihren Mann Kostenvorteile bei der Beschaffung der Rohseide. Handelt er diese doch in großen Mengen und Köln hat das Monopol in der Herstellung von Seidengewebe. Wenn man böse ist, kann man sagen, dass er sie produzieren lässt, verkauft er doch die fertige Seide am Ende mit großen Gewinn. Aber sie ist eine schlaue Frau, die mehr kann als weben. Sie wird in den Vorsitz des Seidamtes gewählt, in welchen sie sich mehr als 20 Jahre mit ihrem Mann abwechselt. Damit ist sie an der Spitze ihrer politischen Möglichkeiten. Das Seidamt hat keinen Sitz im Rat der Stadt Köln, in dem die Gaffeln der großen Gewerbe regieren. Frauen finden politisch im Mittelalter nicht statt.
    Als 1498 Peter Lutzenkirchen stirbt, zeigt Fygen, was für eine Frau sie ist. Sie gibt die Seidmacherei auf und übergibt das Geschäft an Lisbeth. Sei wickelt über Jahre die Geschäfte ihres verstorbenen Mannes ab, die ja so sehr in den europäischen Handel verwickelt sind und handelt selbst erfolgreich mit Wein und Drugwaren. Das Wort Drugware kommt übrigens vom niederländischen „droog“, was trocken bedeutet. Im Mittelalter sind dies vor allem Gewürze und getrocknete Heilpflanzen. Aus diesem Handel entwickeln sich später unsere Drogerien von heute.
    Wenn man das weiß, ist Fygen nicht die Frau im Kämmerlein, die ihrem Mann die Seide webt. Nein, sie ist ihrem Mann ein Partner auf Augenhöhe, die sich in der Männerwelt behauptet. Durch ihr Tun ist sie zu dieser Zeit eine der reichsten Frauen von Köln.
    Und eigentlich möchte ich noch weiter gehen. Uns Männern ist heute ja bewusst: hinter einem starken Mann, steht meist auch eine starke Frau. Mir bleibt die Frage: Hätte es Peter so in dieser Welt ohne Fygen geben können?
    Fygens Spur verliert sich nach 1515. Ihr Todestag ist unbekannt.

    Michael

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    Et Fygen Lutzenkirchen – et steiht do bovve an der Osssigg vum eeschte Stock vum Rodhuusturm. Et soll för die Fraulück stonn, die en der Männerwelt em Meddelalder wirtschaftliche Erfolg han. Tja, wann ich nohschlonn, stüsse ich op luuter deselve Erläuterunge, die flöck un met voll Wööd op de Stellung vun singem Tuppes kumme… -Doch en Quotefrau, weil et grad Mode es?
    Et Fygen Lutzenkirchen es en gebore Bellinghoven. Wann et gebore es, wesse mer nit esu genau. Mer nemme ävver aan, dat et öm et Johr 1450 wor. Der Name Lutzenkirchen nimmp et aan, wie et singe Pitter hierod.
    Der Pitter Lutzenkirchen es en der zweite Hälvde vum 15. Johrhundert ene Großhändler en Kölle. Hä käuf Safran en Zargoza en Spanie un zor gliche Zigg Rühsigg en Ravensburg. Hä kütt zo Geld un Enfloss. „Handel“ es villleich jet ungerdrevve. Hä lenk Wareström. Et Aansinn vun de Kölsche Kauflück hilf im natörlich. Hä hät beste Beziehunge noh Flandere en große Handelsstädt wie Brügge un Antwerpe un noh Holland.
    Kölsche Kauflück livvere Qualitätswar, dat weiß mer üvverall un mer kann sich drop verlooße. De Kauflück aachte och ärg drop, dat de Qualität stemmp. Wie för e Beispill 1474 dä Kölsche Kaufmann Jan Westphelinck en Bergen en Holland Sigg offereet, die Tinnef es, mokiere sich nit de Lück us Bergen, weil se die jo och belliger enkaufe künne. Nä, de Kölsche Kauflück, unger inne och der Pitter Lutzenkirchen, looße im der Prozess maache un sorge doför, dat dä zoeesch ens (Ware-) Verkehr getrocke weed.
    Eng verbunge es der Kölsche Handel och met der Stadt Frankfurt, en dä große Handelsmesse stattfinge.
    Dat all es mih wie wichtig för die große Handelsgesellschafte usem Süde, wie de Große Ravensburger ov de Vöhlin-Welser-Gesellschaff. Sie wesse, der Pitter Lutzenkirchen e Hängche doför hät, die Ware usem Süddeutsche üvver Frankfurt un Kölle noh Flandere zo dirigeere un bruchen en. E riesig Geschäff met Linge, Woll, Damass, Samp, Safran, Purpur, un Gewööze usem Morgeland, Rohsigg – e komplizeet Netzwerk. Der Pitter Lutzenkirchen brängk et zum Rodshäär vun der Gaffel „Wollenhaupt“. Se es die vürnehmste vun all de Kölsche Gaffele, de Gaffel vun de Wollweber.
    Et Fygen Lutzenkirchen weed 1474 Meisterin em Siggmaacherhandwerk. En dä vun Mannslück domineete Welt gitt et en Kölle un söns üvverhaup nor noch en Pariss Zünf, en dä Fraulück et Regalt han. De Siggemaacherinne un de Garnmaacherinne gehüre dobei. Bes 1497 beld et Fygen Lutzenkirchen 25 Fraulück zo Siggemaacherinne us. Sing eige Dööchter, et Lisbeth un et Nies ävver nit. Die maache ehr Lihr bei der Konkerrenz.
    Natörlich kann et durch singe Tuppes belliger an Rühsigg kumme. Handelt dä doch en masse domet un Kölle hät et Monopol en der Herstellung vun Siggegewebe. Wann mer nitsch es, kann mer sage, dat hä it produzeere lööt, vekäuf hä doch die fäädige Sigg am Engk met großem Gewenn. Ävver et es ene gewetzte Frau, die mih kann wie wevve. Et weed en der Vörsetz vum Siggeamp gewählt, en däm et sich mih wie 20 Johrr met singem Tuppes avwähßelt. Domet es et an der Spetz vun singe politische Möglichkeite. Et Siggeamp hät keine Setz em Rod vun der Stadt Kölle, en däm die Gaffele vun de große Gewerbe et Regalt han. Fraulück gitt et politisch em Meddelalder nit.
    Wie 1498 der Pitter Lutzenkirchen stirv, zeig et Fygen, wat för en Frau et es. Et gitt de Siggemaacherei op un gitt dat Geschäff dem Lisbeth. Et weckelt üvver Johre de Geschäfte vun singem Mann sillig av, die jo su ärg en der europäische Handel verweckelt sin un handelt selver erfolgreich met Wing un Drugware. Dat Wood „Drugware“ kütt üvvrigens vum niederländische „droog“, wat drüg bedügg. Em Meddelalder sin dat vür allem Gewööze un gedrügte Heilflanze. Us däm Handel entweckelt sich späder uns Drogerie vun hügg.
    Wann mer dat weiß, es et Fygen nit die Frau em Kämmerche, die singem Tuppes de Sigg wäv. Enä, et es ene glichwäätige Partner för singe Mann un deit sich en der Männwelt behaupte. Durch si Dun es et zo dä Zigg ein vun de richste Fraue vun Kölle.
    Un eigentlich mööch ich noch wigger gonn. Uns Kääls es hügg jo bewoss: hinger enem starke Kääl, steiht miets och en starke Frau. Mir bliev die Frog: Hätt et der Pitter esu en dä Welt ohne et Fygen gevve künne?
    De Spur vum Fygen verliert sich noh 1515. Singe Dudesdag es nit bekannt.

    Mechel
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  • Aug15

    Vom Rhein in die Südstadt

    August 15 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Der erste Spaziergang in unserer wunderbar verrückten Stadt führt uns vom Rande der Altstadt ein Stück am Rhein entlang in Richtung Bayenthal und in die Südstadt.
    Genießen wir ein leckeres Kölsch im “Brauhaus Im Roten Ochsen” oder auf der Hafenterrasse im “Biergarten am Malakoffturm”. Weitere Möglichkeiten bieten sich im “Bürgerhaus Stollwerk” und in der urigen “Ubierschänke”.
    Wir werfen einen Blick in die „Schifferkirche“ St. Maria Lyskirchen und in unsere historische Kölner Senfmühle, wenden uns dann dem Denkmal des Tauziehers zu und gehen über Kölns älteste Brücke, die über Rheinwasser führt.
    Dann spazieren wir ein wenig durch das Gebiet des neuen Rheinauhafens, denn hier hat sich in den letzten Jahren unglaublich viel verändert. Wir erfahren etwas kölsche Geschichte über den Malakoffturm, die Bottmühle und den Bayenturm. Ein schöner und informativer Spaziergang durch unsere schöne Stadt - denn Köln hat was zu bieten.

    Wir starten am Thurnmarkt, vor dem Brauhaus im Roten Ochsen, nur ein paar Meter von der Altstadt entfernt. Dieses Brauhaus kann auf eine lange Tradition zurückschauen, die bis ins Jahr 1798 zurückreicht. Leider wurde 1916 der Braubetrieb eingestellt und das Traditionshaus von dieser Zeit an als Gasthaus weitergeführt. Hier haben wir die Möglichkeit, die Tour mit einem leckeren Reissdorf Kölsch zu beginnen, natürlich vom Fass gezapft. Dazu vielleicht etwas typisch Kölsches zum Essen, etwa einen „halven Hahn?".

    Es gibt viele Legenden, wie es zu diesem kulinarischen Leckerbissen kam. Hier ist eine davon: Ein Köbes serviert dem Kunden ein Roggenbrötchen mit Käse. Dieser beschwert sich allerdings, er hätte nur ein halbes Brötchen bestellt. „Ävver isch wollt doch bloß ne halve han“, daraufhin schnitt der Köbes das Brötchen durch und nannte es von da an „Halver Hahn“. Ja, so sind sie, die Köbesse.
    Bei schönem Wetter bietet sich der kleine Biergarten vor dem Haus an. Dieser liegt zwar direkt an der Straße, ist aber trotzdem einigermaßen ruhig gelegen.

    Nachdem wir uns gestärkt haben, setzen wir unsere Tour fort. Aus dem Brauhaus kommend gehen wir rechts die Straße hinunter und biegen wieder rechts ab in den Filzengraben. Hier führten früher die Filzer ihr Handwerk aus und nutzten den hier entlang laufenden Bach für ihre Filzerzeugnisse, wie z.B. Hüte. Wenige Meter danach gehen wir links in die Straße an Lyskirchen und erreichen unser nächstes Ziel, die Kirche St. Maria Lyskirchen. Sie ist die kleinste der zwölf großen romanischen Basiliken, entstand etwa um 1220. Besonders schön sind die Gewölbefresken über dem Eingang. Diese wurden ab 1879 wieder freigelegt und sind größtenteils erhalten geblieben. Die Kirche hat auch den Beinamen „Schifferkirche“, weil hier die spätgotische Schiffermadonna verehrt wird. Dies ist kein Wunder, bedenkt man die unmittelbare Nähe zum Rhein. Außerdem befand sich hier am Rhein die Holzwerft. Bau -und Brennholz wurde hier entladen und gehandelt. Daran erinnert der Name des benachbarten Platzes, der Holzmarkt. Aber zurück zur Kirche. Bei genauer Betrachtung stellen wir fest, dass diese Kirche nur einen Turm hat. Der geplante linke Turm hat nur zwei Geschosse und da Lyskirchen immer nur Pfarrkirche war und deshalb zu wenig Geld zur Verfügung stand, wurde er nie fertig gestellt. An der Westfassade sind einige Hochwassermarkierungen zu erkennen. So z.B. eine Markierung aus dem Jahre 1784, als Köln von einem schlimmen Hochwasser mit Eisgang heimgesucht wurde. Neben der Kirche geht es einige Treppenstufen hoch und wir befinden uns auf dem ehemaligen Kirchhof. Er ist heute eine kleine Grünanlage im Schatten der Kirche. Hier fehlt jetzt nur noch eine hübsche Bank, um diese feine Anlage in Ruhe genießen zu können.

    Verlassen wir nun die Grünanlage und überqueren die Große Witschgasse. Übrigens der älteste nachgewiesene Straßenname in Köln. Bereits 948 wurde die Witschgasse urkundlich erwähnt, vermutlich benannt nach einem Grundstückseigentümer Namens Wizechinus.
    Wir stehen nun direkt vor dem Schaufenster der historischen Senfmühle. An manchen Tagen steigt einem der Senfgeruch auch bereits in die Nase. Die historische Kölner Senfmühle ist über 200 Jahre alt und damit eine der ältesten in Europa. Sie wurde 2009 wieder in Betrieb genommen. Hier können wir die altertümliche Herstellungsweise in seiner vollen Bandbreite bewundern. Pro Tag werden etwa 360 kg feinster Gourmetsenf in neun verschiedenen Geschmacksrichtungen von süß über mittelscharf bis scharf hergestellt. Hierzu werden alte Rezepte aus dem 15. Jahrhundert und aus dem Jahr 1820 verwendet, wie es dem Baujahr der Senfmühle entspricht.

    Nehmt Euch ein wenig Zeit und nutzt die Gelegenheit, dem Senfmüller bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen. Mehrere Führungen täglich geben dazu reichlich Gelegenheit. Und natürlich muss man den Senf auch probiert haben, denn er ist von höchster Stelle prämiert worden. Hier wird Klasse statt Masse geboten. In vielen Kölner Metzgereien und Gasthäusern wird dieser Senf verköstigt, auch im Roten Ochsen. Nach diesem kulinarischen Highlight käme jetzt eine kleine Erfrischung in einem schönen Biergarten gerade richtig. Und dä, wie der Kölsche sagt, brauchen wir nur die vor uns liegende Straße zu überqueren und stehen direkt vor dem Malakoffturm mit Biergarten. Mutter Colonia meint es heute sehr gut mit uns. Also einen schönen Platz gesucht. Die meisten Plätze bieten eine schöne Sicht auf den Rhein.

    Seit 2005 befindet sich dieser schön gelegene Biergarten mit 200 Sitzplätzen auf der Hafenterrasse und lädt bei schönem Wetter zu einem süffigen Sion Kölsch ein. Essen wird nicht angeboten, aber direkt vor dem Biergarten befindet sich eine Imbissbude. Wir dürfen das Essen mit in den Biergarten nehmen. Ein Schild vor dem Biergarten weist sogar extra darauf hin, dass nach einer Biergartenverordnung König Ludwigs aus dem 19. Jahrhundert mitgebrachte Speisen im Biergarten verzehrt werden dürfen. So mag es der Kölsche. Also genießen wir die Zeit und betrachten uns den Malakoffturm schon einmal in Ruhe und erfahren etwas über seine Geschichte.

    Als im Jahre 1848 die rheinseitige Stadtbefestigung ausgebaut wurde, entstand vor der südlichen Altstadt ein neuer Sicherheitshafen. Um diesen zu schützen, wurde im Jahre 1855 der Malakoffturm als Geschützturm gebaut. Die Anlage lag damals noch an der Nordspitze der „Rheinau“. Seinen für uns etwas seltsamen Namen hat der Turm von der Eroberung des Fort Malakow in Sewastopol durch französische Truppen im Jahre 1855. Durch die Berichterstattung während des Krimkrieges wurde der Name Malakoff mit Stärke, Größe und Belastbarkeit in Verbindung gebracht.
    Nachdem diese Verteidigungseinrichtung später nicht mehr gebraucht wurde und das Areal zum Rheinauhafen umgestaltet wurde, entstand ein neues Hafenbecken und der Turm wechselte die Seite und steht jetzt auf der Stadtseite. Im Jahre 1880 wurde dann eine hydraulische Druckwasserpumpe in den Turm eingebaut, um das Bewegen der nebenan liegenden Drehbrücke zu ermöglichen. Diese befindet sich direkt neben dem Biergarten und deshalb schauen wir sie uns jetzt an. Übrigens ist sie Kölns älteste Brücke, die über Rheinwasser führt.

    Die Drehbrücke am Malakoffturm wurde 1888 gebaut, um einen weiteren Zugang zum Rheinauhafen zu schaffen. Als Antriebstechnik war die damals sich entwickelnde Elektrizität zu schwach und die Dampfkraft zu unattraktiv und aufwendig. Deshalb entschied man sich damals für Druckwasser. Dieser Druck wird in der Pumpstation erzeugt, die im Malakoffturm untergebracht ist. Mittels unterirdischer Rohre ist die Pumpstation mit den Bewegungseinheiten der Brücke verbunden. Zu festen Zeiten wird die Brücke für den Schiffsverkehr gedreht. Wer Gelegenheit hat, sich das anzusehen, sollte es machen. Es lohnt sich.

    Direkt rechts neben der Brücke sehen wir uns noch ein Denkmal an, den Tauzieher. Diese Skulptur aus Muschelkalk wurde im Rheinauhafen 1911 aufgestellt. Man hat sie dann 1980 unter Denkmalschutz gestellt. Sie hat eine Höhe von etwa 6,50 Meter, wobei der Sockel etwas mehr als die Hälfte davon einnimmt. In Köln übrigens eine der ganz seltenen Figuren, die einen körperlich arbeitenden Menschen zeigen. Nun spazieren wir über die Drehbrücke. Direkt vor uns liegt das Schokoladenmuseum.

    Wir biegen aber nach rechts ab in das Gebiet des Rheinauhafens und schauen uns ein wenig um. Wir gehen auf die ersten Häuser zu und kommen automatisch auf die Straße Im Zollhafen. Direkt als erstes haben wir auf der linken Seite das Sport- und Olympiamuseum. Kurz danach lohnt es sich immer wieder, mal ein paar Meter Richtung Rhein zu gehen, da hier einige sehr schön restaurierte Kräne stehen, die erahnen lassen, dass es hier früher ein wenig robuster zuging.
    Hier auf dem Rhein gab es früher eine kleine vorgelagerte Insel, eine Werth. Diese war wirklich klein und wurde deshalb nur das Werthchen genannt. Die Insel erstreckte sich etwa vom Bayenturm, den wir gleich noch sehen werden, bis kurz vor St. Maria Lyskirchen. Im 13. Jahrhundert taucht die Insel in Aufzeichnungen erstmals auf, damals als Hinrichtungsstätte. Später wurde sie von Fischern und Schiffsbauern genutzt, im 19. Jahrhundert dann in einen Park umgewandelt. Wir gehen gemütlich weiter und lassen den Rheinauhafen auf uns wirken. Nach einiger Zeit taucht rechts ein imposanter Turm auf, der Bayenturm.

    Der Bayenturm ist ein mittelalterlicher Wehrturm, der um 1220 als Teil der acht Kilometer langen Stadtbefestigung entstand. Er war der südliche Eckturm der Stadtmauer, die Köln 700 Jahre lang umschloss. Mit seinen 35 Metern Höhe und 2,50 Meter dicken Mauern ist er schon sehr imposant anzuschauen. Ebenfalls konnte von hier aus der „Treidelbetrieb“ (das Ziehen der Kähne stromaufwärts durch Pferde) überwacht werden. Dem Turm vorgelagert war eine Schleuse, durch die der Graben vor der Stadtmauer geflutet wurde. Während des zweiten Weltkrieges wurde der Turm erheblich beschädigt und fristete lange Zeit sein Dasein als Ruine. Erst 1987 wurde er wieder aufgebaut, eigentlich unglaublich. Heute ist er Sitz der von Alice Schwarzer initiierten gemeinnützigen Stiftung „Frauen Media Turm“. Im Turm befindet sich auch ihr Büro und die Redaktion der Zeitschrift „Emma“. Eine alte Kölner Weisheit sagt „Wer den Turm hat, hat die Macht“. Ein prima Streitthema für gesellige Runden in unseren schönen Brauhäusern, finde ich. Stimmung garantiert.

    Wir verlassen jetzt den Rheinauhafen und überqueren die B 51. Bayenthal war übrigens der erste Stadtteil, der mit einer Pferdebahn an die Innenstadt angeschlossen wurde.
    Aber zurück zu unserer Tour. Wir biegen in den Ubierring ein. Wenn wir uns die Namen der hier beginnenden Ringstraßen genauer ansehen, stellen wir fest, dass diese nach den Herrschergeschlechtern benannt sind. Beginnend mit den Ubiern, dann den Sachsen, Karolingern, Saliern und den Preußen. Wir folgen nun dem Straßenverlauf, bis wir die Ubierschänke erreichen.
    Die wohl traditionsreichste Kneipe in der Südstadt, urig und typisch kölsch. Und da in urigen Kneipen immer alles etwas anders ist, gibt es hier auch ein eigenes Bier, nämlich Böll Bier. Benannt wurde das Bier nach dem Szenewirt Clemens Böll, der nur wenige Schritte von hier das “Chlodwig Eck“ betrieben hat. Neben Kölsch könnt ihr hier je nach Saison auch Maibock, Helles oder den Roten Bengel trinken. Diese Biere werden in der Sünner Brauerei im Lohnbrauverfahren unter Aufsicht nach eigener Rezeptur gebraut. Da es in kleinen Brauchargen hergestellt wird, kann auf groß industrielle Stabilisierungsmethoden verzichtet werden und wir bekommen ein absolut natürliches Bier. Auch Konzerte finden hier regelmäßig statt.

    So, nach einer Erfrischung in der Ubierschänke gehen wir jetzt den Ubierring einige Meter zurück, bis es links in die Straße “An der Bottmühle” abgeht. Dieser folgen wir bis an ihr Ende. Nun liegt links die Bottmühle.

    Die Bottmühle liegt zwischen Bayenturm und Severinstorburg, war aber kein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Etwa 1552 wurde hinter der Stadtmauer eine „Bott“ (Wallplattform) angelegt. Eigentlich war geplant, hier eine Geschützstellung einzurichten. Gebaut wurde später eine Bockwindmühle. Um 1678 wurde diese durch eine steinerne Turmwindmühle ersetzt. Sie war lange in Privatbesitz und gehört erst seit 1921 der Stadt Köln. Seit 1970 ist sie der Sitz der „Sozialistischen Jugend der Falken“.

    Wir überqueren nun die Straße und gehen jetzt die Karl-Korn-Straße hinunter. Nach einer Weile kommen wir automatisch zu unserem letzten Ziel des Spaziergangs, dem Trude-Herr-Park.
    Dieser Park ist der beliebten und unvergessenen kölschen Volksschauspielerin gewidmet. Lange Zeit hatte Trude Herr ein eigenes Theater mitten in der Südstadt. Mit ihrem Talent für komische Auftritte sorgte sie auf der Bühne für ausgelassene Stimmung. So flog sie auch schon mal als komischer Engel über die Bühne. Musikalisch hatte sie mit dem Lied “Ich will keine Schokolade” einen Riesenhit. Von ihrer ernsten Seite zeigte sie sich mit dem Hit “Niemals geht man so ganz”, den sie mit Tommy Engel und Wolfgang Niedecken sang. In über 30 Filmen spielte sie ebenfalls mit, so z.B. als Fahrlehrerin an der Seite des ebenfalls unvergessenen Heinz Erhardt.
    Nach dem Abriss der Schokoladenfabrik Stollwerk wurde dieser Park mit Grünflächen und Skulpturen angelegt. Direkt am Rand des Parks steht das Bürgerhaus Stollwerk. Bei schönem Wetter lohnt es sich, ein wenig im Biergarten Platz zu nehmen und die Ruhe zu genießen. Immerhin sind wir gerade mal 2000 Meter vom Dom und der hektischen Betriebsamkeit dort entfernt.

    Wenn wir rechts am Bürgerhaus vorbei gehen, erreichen wir wieder die B 51. Diese überqueren wir, wenden uns nach links und gehen am Rhein entlang zurück zu unserem Ausgangsort, den wir nach kaum fünf Minuten auf der linken Seite erblicken.

    Viel Spaß auf dieser Tour wünscht euch Ronald
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  • Aug13

    Fratzen, Engel und Dämonen

    August 13 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C

    Himmlisches Jerusalem auf Erden werde ich genannt. Ein Gebirge aus Stein werde ich genannt. Und tatsächlich bin ich das auch. Und wen meine äußere Erscheinung schon fasziniert, ist ergriffen, wenn er mich schließlich betritt und umgeben ist von meinen gewaltigen Säulen, den kunstvollen Fenstern, darüber den Gewölbedecken, meine mich tragenden Fundamente, um nur einiges zu nennen. Außen dieses unglaublich filigran wirkende Strebewerk. Aber wer dort genauer hinsieht, findet noch etwas anderes. Kennt ihr diese Wimmelbilder? So ähnlich verhält es sich auch mit diesen "Wesen". Manche sind schon etwas schwer zu entdecken, da sie nicht, wie andere ihrer Artgenossen weiter unten, direkt zu sehen sind. Sie schauen von weiter oben auf uns herab.

    Wovon ich euch erzähle? Von den vielen, vielen kleinen und großen Figuren, mit denen man mich verschönert hat. Ok, verschönert trifft es nicht unbedingt, denn außer den Engeln, wovon sich übrigens gleich 8 allein an meinem Vierungsturm tummeln, jeder einzelne über 4 Meter groß und über 2 Tonnen schwer, Heiligen und Aposteln, trifft man auch auf recht schräge Gestalten. Mischwesen mit hässlichen Fratzen, Dämonen, Hexen, hundeähnlichen Tiergestalten, Geißböcken (oder ähnliches) und ja, selbst Teufel bevölkern mich geradezu.

    Aber was, und ich sage bewusst, "um Himmels Willen" haben solche Kreaturen auf einer Kathedrale wie mir zu suchen? Das passt doch nicht - könnte man meinen. Aber...und jetzt kommt der Himmel wieder ins Spiel...viele dieser Wesen aus Stein sind Wasserspeier, die das in Rinnen gesammelte Regen- und Schmelzwasser von mir fernhalten sollen. Ohne diese Wasserspeier würden meine Mauern sehr viel schneller verwittert sein und auch die sensiblen Fenster, die teils sehr alt sind, hätten gelitten. All die Menschen, die ihre ganze Kraft daransetzen, mich zu erhalten, kämen ja mit ihrer Arbeit gar nicht mehr hinterher und das wäre sehr schade, denn stellt euch Köln mal ohne Dom vor...wahrlich kein schöner Gedanke, also schnell weg damit.

    Einige dieser Wasserspeier wurden schon sehr früh an meinem gerade vollendeten Chor angebracht, andere erst später, zum Teil erst im 19. und 20. Jahrhundert. Einige stammen sogar aus diesem Jahrhundert, sind also noch relativ jung. Erstaunlich, an was schon meine ersten Baumeister so alles dachten.

    Manche Speier mussten allerdings schon erneuert werden, weil der Zahn der Zeit an ihnen nagte. Einige Originale bzw. Gipsmodelle der Originale befinden sich heute im Depot der Dombauhütte, während andere längst verschollen sind.

    Warum aber nahm man nun solch dämonische Kreaturen, die doch dem Liebreiz der Engel so widersprachen? Im Mittelalter (und ihr wisst ja, der Grundstein für mich wurde bereits 1248 gelegt), glaubte man noch sehr an Dämonen. Eine Möglichkeit, was man sich also bei der Wahl dieser Kreaturen dachte, ist die, dass man glaubte, damit Böses von mir fernhalten zu können, sogar, dass bei Unwettern dämonische Kräfte am Werk waren. So heißt es, dass der Teufel in einer Sturmnacht im Oktober 1434 aus Zorn über die Wallfahrt der Menschen zu den drei Heiligen einen schweren Stein nach dem Schrein geworfen, aber knapp verfehlt haben soll. Seltsam, daran kann ich mich gar nicht erinnern.

    Des Weiteren dienten Wasserspeier auch dazu, auf Moral und Sitte hinzuweisen, indem man Bildnisse menschlicher Ausschweifungen an mir anbrachte. Übrigens nicht nur an mir, auch andere Bauten wurden auf diese Weise verschand..."verschönert". Noch dazu kommen hunderte von Mini-Zierwasserspeiern. Die haben, wie einige ihrer großen Brüder und Schwestern keine weitere Funktion, außer einfach nur da zu sein.

    Sehenswert sind sie allesamt. Wenn ihr mich das nächste Mal besucht, schaut mich mal etwas genauer an. Ihr werdet überrascht sein

    Eure Ramona
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  • Aug11

    Der Hornpott

    August 11 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C

    Friedlich grast ein fremdartiges Rindvieh am Ufer des Sees. Es ist ein schottisches Galloway Rind, wie die Schautafel mir später Auskunft gibt. Mehrere Libellenarten fliegen wie kleine Helikopter an mir vorbei. Fette Erdkröten kreuzen meinen Weg.
    Da!
    Huschte dort ein Salamander?
    Aus den Wipfeln der verschiedenen Laubbaum Arten, zwitschern viele Singvögel.
    Ich befinde mich irgendwo in der Wildnis.
    Oder nicht?
    Hatte man mir nicht gesagt, du gehst jetzt nach Kunstfeld? Dorthin wo es 7 denkmalgeschützte Toilettenhäuschen in einer Reihe gibt. So richtig alte Holzbüdchen mit dem Herz in der Türmitte. Doch jetzt stand ich 55 m über NN, verriet mir auch diesmal wieder die Schautafel. Ich war am Hornpott angekommen. Jenem Naturschutzgebiet Kölns, welches noch zu Köln Dünnwald gezählt wurde, ja auch zu der alten Siedlung Kunstfeld. Angrenzend befindet sich die Stadtgrenze zu Leverkusen Schlebusch. Die mitunter auch Hornpott genannte Kunstfeldsiedlung wurde 1823 angelegt und ist die älteste Arbeitersiedlung im Rheinland. Und diese mitten im Grünen gelegene Siedlung, mit ihrem Baumbestand schließt sich direkt mit dem Naturschutzgebiet zusammen.
    Man wähnt sich auch hier, wieder einmal mehr in einer ganz anderen Welt Kölns. Fernab von Dom und Großstadtlärm.
    Doch warum sagen die Einen Kunstfeld und die Anderen Hornpott?
    Begonnen hat diese abgeschiedene Ecke Dünnwalds als Waldsiedlung Im Kunstfeld. Entstanden durch eine chemische Fabrik. Eine weitere Fabrik kam hinzu. Letztere produzierte Horn - u. Knochenmehl zum Düngen. So entstand der Name Hornpott.
    Diesem wurde übrigens ein hölzernes Denkmal gesetzt, in Form einer Ruhebank mit einem "Hornpott".
    Das Naturschutzgebiet, welches aus einer ehemaligen Kiesgrube entstanden ist, wurde 1983 unter Naturschutz gestellt. Eine Wanderung rund um das Biotop dauert ca.90 Minuten. Unterbrochen von den Aussichtspunkten, die dort angelegt wurden. Sehr zu meiner Freude, denn so nimmt man sich Zeit, um Flora und Fauna näher zu betrachten. Etwas was ich ausgiebig gemacht habe.
    Falls Eure Neugier geweckt ist, es ist Sonntag und warum nicht einen Spaziergang im Hornpott unternehmen?
    Einen schönen Sonntag wünscht Elisabeth.
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  • Aug10

    Volksgarten / Volksgaade

    August 10 in Germany ⋅ ⛅ 23 °C

    Heute möchte ich Euch von einem recht unbekannten Kölner erzählen, der aber mit einer kleinen Tat etwas Wichtiges für uns heute hier getan hat.
    Ich habe letzte Woche ja geschrieben, dass die Stadt Probleme hatte, um den Rathenauplatz Grundstücke zu erwerben. Der Grund war, dass die Besitzer merkten, dass die Grundstücke, die in einem sumpfigen Gebiert vor der Stadtmauer lagen, durch die Schleifung der Mauer im Wert steigen würden. Von diesem Kuchen wollten sie ein Stück abhaben und trieben die Preise in die Höhe. Damit war es um den Volksgarten, der am Rathenauplatz geplant war, geschehen.
    Einen Volksgarten haben wir aber ja nun in der Stadt. Etwas weiter südlich direkt vor der „Neustadt Süd“ liegt er.
    Einen großen Anteil daran hat Wilhelm Kaesen. Wilhelm Kaesen ist 1816 in Köln geboren und verdient sein Geld als Kaufmann. Aus heutiger Sicht kann man ihn wohl als „Juniorpartner“ von keinem Geringeren als Johann Heinrich Richartz bezeichnen. Johann Heinrich Richartz hat ja so viel Erfolg mit seinem Handel von Leder und Wildhäuten, dass er uns eher als Kunstmäzen bekannt ist. Immerhin kann er damit das wohlbekannte Wallraf-Richartz-Museum finanzieren.
    Nun kann ich schlecht über das Motiv von Herrn Richartz zu philosophieren. Ich meine aber, dass etwas Selbstlosigkeit dazu gehört, wenn man sein Vermögen für die Kunst hergibt.
    Wilhelm Kaesen muss die Art seines Senior-Partners beeindruckt haben. Neben seiner Tätigkeit als Kaufmann, ist Wilhelm Kaesen Mitglied des Rates der Stadt Köln. In dieser Funktion setzt er sich stets für den Abriss der mittelalterlichen Mauer ein, weil Köln Platz braucht. Vor den Toren der südlichen Stadt liegt das Fort IV des inneren Festungsringes, „Erbherzog Paul von Mecklenburg“. Dieses Fort, als eines der ersten im Jahr 1825 von den Preußen fertiggestellt, ist schon vor dem Abriss der Mauer militärisch nutzlos, weil in den 1870’er bis 1880’er Jahren vorgezogene Forts und ein großer Schutzwall gebaut wurden – der äußere Festungsring. Das Areal um das Fort ist längst an viele kleine Landbesitzer verkauft – auch recht nutzlos. Das weiß er. Ab 1886 kauft er daher dieses mehr als 60 kleine Landparzellen den Eigentümern ab, ohne großes Aufsehen darum zu machen. Das kostet ihn 582.000 Mark.
    Diese zehn Hektar, die zusammenhängen, sind jetzt natürlich viel mehr wert. Und was macht Wilhelm Kaesen? Er ist ein kölscher Junge, er strebt hier nicht nach dem großen Gewinn. Er überlässt das Grundstück der Stadt Köln, zu dem Preis, den er selbst bezahlt hat. Er macht aber zur Auflage, dass sie um das Fort einen „Garten für jedermann“ anlegen soll.
    Die Stadt hält sich daran, fügt sogar noch 5 Hektar bei und legt zwischen 1887 und 1890 den Volksgarten an. Und dieser ist bis heute ein wichtiges Stück Kölner Naherholung. Ein kleiner See, der mit Kähnen befahren werden kann, eine Wasserfontäne, die, wenn sie mal läuft, es auf stattliche 28 Meter Höhe schafft, ein Biergarten, ein kleiner Wasserfall und Steingarten und ein kleines Theater in der ehemaligen Orangerie, die für die kälteempfindlichen Pflanzen im Volksgarten gedacht war, findet man hier neben alten Bäumen, die herrlich anzusehen sind und großen Wiesen zum Sonnen und Picknicken. Ach! Und nach dem Zweiten Weltkrieg habe uns die Schweden das „Haus Gotland“ spendiert, damit hier auch ein Kindergarten stehen kann. – Tack så mycktet, kära Sverige.
    Wir alle haben etwas von ihm – alle, bis auf einen. Wilhelm Kaesen stirbt 1877 und erlebt die Fertigstellung 1890 nicht mehr. Doch, einen Nutzen hat er davon. Er wollte etwas bleibendes für Köln schaffen, vielleicht, damit wir ab und an über ihn reden. Das ist ihm gelungen.

    Michael

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    Hügg mööch ich Üch vun enem Kölsche verzälle, dä nit vill Lück kenne, dä ävver met ener kleine Tat, jet Wichtiges för uns hügg hee gedon hät.
    Ich han letzte Woch jo geschrevve, dat de Stadt en Brasel kom, wie se öm der Rathenauplatz Grundstöck kaufe wollt. Der Grund wor, dat de Besetzer merkte, dat die Grundstöck, die en enem sumfige Gebeet vür der Stadtmuur loge, durch et Schleife vun der Muur em Wäät steige däte. Vun däm Koche wollte se e Stöckelche avkrige un drevve de Priese en de Hüh. Domet wor et öm der Volksgaade, dä am Rathenauplatz geplant wor, passeet.
    Ene Volksgaade han mer ävver jo no en der Stadt. Jet wigger südlich tirek vür der „Neustadt Süd“ litt hä.
    Ene große Aandeil dodran hät der Wellem Kaesen. Der Wellem Kaesen es 1816 en Kölle gebore un verdeent sing Moppe als Kaufmann. Hüggzedags dät mer en wall als „Juniorpartner“ vun keinem Geringer wie dem Jan Drickes Richartz bezeichne. Der Jan Drickes Richartz hät jo esu vill Erfolg met singem Handel met Ledder un Weldhügg, dat mer en ihter als Kunsmäzen kenne. Immerhin kann hä domet et Wallraf-Richartz-Museum finanzeere, dat mer hügg noch kenne.
    No kann ich schlääch üvver et Motiv vum Herr Richartz philosophiere. Ich meine ävver, dat mer jet selvsloss sin muss, öm si Vermöge för de Kuns herzegevve.
    Der Wellem Kaesen muss die Aat vun singem Senior-Partner beendrock han. Nevven singem Berof als Kaufmann, es der Wellem Kaesen Metgleed em Rod vun der Stadt Kölle. En dä Funktion es hä luuter för der Avress vun der Muur usem Meddelalder, weil Kölle Platz bruch. Vür de Pooze vun der südliche Stadt litt et Fort IV vum innere Festungsgöödel, „Erbherzog Paul von Mecklenburg“. Dat Fort, als eins vun de eeschte em Johr 1825 vun de Preuße fäädiggestallt, es ald vürm Avress vun der Muur militärisch unnötz, weil en de 1870’er un 1880’er Johre vürgetrocke Forts un ene große Schotzwall gebaut woodte – der üssere Festungsring. Et Gebiet öm dat Fort es längs an vill kleine Landbesetzer verkauf – och rääch unnötz. Dat weiß hä. Av 1886 käuf hä doher die mih wie 60 kleine Landparzelle de Eigedümer av, ohne groß Opsinn dröm ze maache. Dat koss in 582.000 Reichsmark.
    Die zehn Hektar, die zesammehänge, sin jetz natürlich vill mih wäät. Un wat mäht der Wellem Kaesen? Hä es ene kölsche Jung, hä well hee keine Raibach maache. Hä üvverlööt dat Grundstöck der Stadt Kölle, för der Pries, dä hä selvs berapp hät. Hä mäht ävver zur Oplag, dat se öm et Fort ene „Gaade för jeder“ aanläge soll.
    De Stadt häld sich draan, deit noch fünf Hektar dobei un läg zwesche 1887 un 1890 der Volksgaade aan. Und dä es bes hügg e wichtig Stöck kölsche Noherholung. Ene kleine Sie, dä met Naache befahre wääde kann, en Wasserfontän, die, wann se ens läuf, et op staatse 28 Meter Hühde brängk, ene Biergaade, ene kleine Wasserfall un Steingaade un e klei Theater en der fröhere Orangerie, die för de Flanze em Gaade gedaach wor, die Käld nit god avkünne, fingk mer hee nevve aal Bäum, die herrlich aanzesinn sin un große Wiese för et Sonne un Picknicke. Ach! Un nohm Zweite Weltkreeg han uns de Schwede et „Haus Gotland“ spendeet, domet hee och ene Kindergaade stonn kann. - Tack så mycktet, kära Sverige.
    Mir all han jet vun im – all, bes op einer. Der Wellem Kaesen stirv 1877 un erläv nit, wie der Gaade em Johr 1890 fäädig weed. Doch, eine Notze hät hä dovun. Hä wolllt jet en Kölle schaffe, dat bliev, villleich, domet mer av un an üvver in schwaade. Dat es im gelunge.

    Mechel
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  • Aug8

    Der Helenenturm

    August 8 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C

    Wenn von der römischen Stadtmauer die Rede ist, wird immer der Römerturm an der Zeughausstraße genannt, er ist ja auch schön. Ich möchte heute aber auf einen anderen Turm aufmerksam machen, der mitten in der City steht, als Ruine, zugegeben, aber trotzdem schön und es lohnt sich, mal einige Augenblicke stehen zu bleiben und ihn zu betrachten, denn auch er ist ein altes Stück Geschichte aus der Römerzeit.

    Vom Römerturm nur 120 Meter entfernt, an der Straßenecke Helenenstraße und St.-Apern-Straße, steht die Ruine. Gut erhalten von dem Turm ist nur die westliche Hälfte, wobei wohl nur der untere Teil noch aus römischer Zeit stammt.

    Der Helenenturm war ein 10 Meter hoher Halbturm. Als Wehrturm angelegt, schloss er an den in südwestlicher Richtung liegenden Römerturm an und war Teil der römischen Stadtmauer und wurde erst zum Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt und freigelegt.
    Zwischendurch gehörte er wahrscheinlich, wie auch der Römerturm, zum Gebäudekomplex des 1802 aufgelösten Klarissenklosters.

    Eine Bank stiftete zu ihrem 300-jährigen Bestehen Bäume für die Grünanlage und mit Hilfe der Stiftung "Kölner Grün", sowie dem Grünflächenamt der Stadt konnte die Sanierung des Areals finanziert werden, denn bis zum Ende der 50er Jahre war das Gelände ein Trümmergrundstück. In den 60ern wurde der westliche Bereich wenigstens mit Rasen und einigen Bäumen etwas ansehnlicher gestaltet. Im Herbst 2012 wurde die Fläche klarer strukturiert. So wurde der Boden am Turm mit Natursteinen eingefasst, um den Wildbewuchs des Turmes eindämmen zu können. Seitdem ist die Fläche im Turm geschlossen.

    Es lohnt sich, mal einen Spaziergang dorthin zu unternehmen. Er ist gut zu erreichen und viele Cafes in der Nähe laden hinterher zum Besuch ein. Ich wünsche euch viel Spaß dabei.

    Euer Ronald
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  • Aug6

    St. Gereon und die wissende Säule

    August 6 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C

    St. Gereon und die wissende Säule

    Sie ist schon von außen eine Erscheinung. St. Gereon. Ich bin zu Fuß unterwegs in Köln, unweit des Domes, als ich auf diese Basilika stoße. Sie gehört zu den zwölf großen romanischen Kirchen in Köln, wobei sie nicht einfach eine Kirche ist, nein, St. Gereon erhielt 1920 einen höheren Rang, als sie durch Papst Benedikt XV zu einer Basilica minor erhoben wurde, was die Bindung an den römischen Bischof und die Bedeutung dieser Kirche für ihre Umgegend betont. Das aber nur am Rande, denn das für mich persönlich wirklich faszinierende ist, dass die Entstehung dieser Kirche bereits im 4. Jahrhundert begann und sie damit eine der ältesten Kirchen Deutschlands ist, die noch Bestand hat.

    Ich öffne die Eingangstür, trete ein und befinde mich zunächst in einem Vorraum. Allein schon dort findet man unter anderem eine kleine Kapelle für sich, in der sich eine Figur der Maria mit dem Leichnam des gekreuzigten Jesus im Arm befindet. Ich setze mich kurz und lasse diese Szene auf mich wirken... Man kann, insofern Ruhe um einen herum ist und man sich auf dieses Bildnis einlassen kann, förmlich das Leid der Mutter spüren.

    Ich gehe auf das große Portal zu und habe Glück, der Kirchenraum ist geöffnet. Bilder von diesem kenne ich bereits aus Büchern und dem Internet, aber was mich beim Eintreten dann wirklich erwartet, ist unbeschreiblich. Ich betrete eine andere Welt. Der mehreckige Kuppelbau (Dekagon) mit seinen Farben an der Decke, so hoch, dass er förmlich in den Himmel zu wachsen scheint, der höhergelegene Chor, aus dessen Perspektive das Dekagon fast noch einmal imposanter wirkt, die bunten Fenster, ebenso wie das Alter dieser Kirche, welches man beim Anblick dieses Raumes regelrecht spüren kann, läßt mich andächtig oder besser gesagt, eher demütig werden.

    Direkt neben dem Eingang befindet sich etwas, bei dem man sich - laut einer Legende - gut überlegen sollte, näher zu kommen. Die Blutsäule. In dieser Legende heißt es, diese Säule weiß zu unterscheiden, ob jemand gut oder böse ist. Die Inschrift der über der Säule angebrachten Tafel scheint dies zu bestätigen, denn übersetzt steht dort sinngemäß, dass man es glauben soll, über diese Säule lief vor langer Zeit Blut und wer Schlimmes getan hat, wird dort seine Strafe erhalten. Man hatte also den Glauben, diese furchterregende Steinsäule werde diejenigen, die schwere Sünden begangen haben, richten.

    Wie aber kam es dazu...in dieser Legende soll über diese Säule das Blut der heiligen Märtyrer geflossen sein, welche zur Legion des heiligen Gereon gehörten. Und tatsächlich heißt es weiter, dass der merowingische König Thiederich plötzlich tot umfiel, nachdem er in einer Schlacht seinen Bruder Theudebert besiegte, seinen Bruder und seinen Neffen tötete, um an die Macht zu gelangen, und sich dann, seine ihn warnenden Ratgeber noch verhöhnend, vor diese "wissende" Säule stellte. Man fand lediglich eine Stichwunde bei ihm, aber niemand konnte erklären, wo diese herkam...

    Nicht, dass es für mich einen Grund gäbe, Angst zu haben, nun vor dieser Säule zu stehen, aber ein seltsames Gefühl ist es bei dem Gedanken an diese Legende dennoch...

    Immer noch von dem Gefühl erfüllt, was diese wunderschöne Basilika, welches für mich persönlich die schönste der 12 großen romanischen Kirchen in Köln ist und für mich direkt nach dem Dom kommt, in mir ausgelöst hat, trete ich wieder nach draußen und setze meinen Spaziergang fort.

    Ich kann euch einen Besuch dort wirklich nur empfehlen.

    Aber Vorsicht bei der Blutsäule...

    Eure Ramona
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