CCAA - Colonia Claudia Ara Agrippinensium - Köln - Kölle Wie es war und wie es ist.
  • Sep15

    Museumsstellwerk Dünnwald

    September 15 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C

    Im rechtsrheinischen Köln Dünnwald gibt es viel zu sehen. Der Hornpott, den ich erst kürzlich beschrieben habe, ist nur eine der vielen Sehenswürdigkeiten Dünnwalds.

    Heute widme ich mich einer weiteren, nämlich dem Stellwerk Df auf der Rönsahler Straße. Eine sehr gut erhaltene alte Bahnanlage, in der ein Museumsstellwerk errichtet wurde und dies von sehr jungen Leuten, die sich intensiv mit der Materie Bahn auseinandersetzen. So sorgt auf Nachfrage ein junges Team für eine Führung durch das Stellwerk. Nähere Infos gibt es auf der Homepage des Museumsstellwerks Dünnwald.

    Erbaut wurde das Stellwerk 1929. Es liegt an der Güterzugstrecke Deutz, Düsseldorf, Duisburg. Bis 1970 war es ein mechanisch betriebenes Stellwerk. Dann errichtete man fortschrittlich eine Drucktasten-Relaisstellwerk- anlage, die bis 2010 betrieben wurde. In dem Jahr wurde das Stellwerk stillgelegt und konnte bereits 2011 zum Museum umfunktioniert werden, indem man einen ambitionierten Stellwerksverein gründete. Besonderheit ist u. a. die elektronische Stellwerksanlage, die aus Essen Kupferdreh stammt. Diese ist neben der Drucktastenanlage aus Dünnwald als 2. Anlage aufgebaut. Sogar ein Fahrsimulator ist vorhanden. Ein Museum zum Anfassen, in dem auch Techniker geschult wurden. Man hat die Möglichkeit, den Bahnbetrieb selbsttätig zu realisieren. Dort bekommen Eisenbahnfreunde die Gelegenheit, selber einmal Fahrdienstleiter zu sein.
    Nur der Termin sollte gefunden werden, da viele der jungen Leute des Vereins studieren oder arbeiten.

    Einmal drin, knarren die hölzernen Treppenstufen wie früher. Eine andere, fremde Welt, tut sich auf. Für Bahnfreunde ein Paradies.

    Als ich dort war, waren rundherum Arbeiten der Strabag. Dadurch hatte man ein wenig den Eindruck, da geht nichts mehr. Doch die sehr schön aufgebaute Homepage des Vereins teilt mit, man soll über das Kontaktformular oder die Telefonnummer des Vereins eine Anfrage stellen. Also auf jeden Fall machen.

    Für mich war es ein weiterer interessanter Kölschgänger-Tag durch das rechtsrheinische Dünnwald.
    Nach Hornpott und Stellwerk wird noch einiges aus diesem Ort folgen, denn er ist "reich" an Sehenswürdigkeiten.

    Euch einen schönen Sonntag und lasst uns teilhaben an euren Erfahrungen mit unseren Kölschgängen.

    Eure Elisabeth
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  • Sep14

    Hermann Gryn

    September 14 in Germany ⋅ ⛅ 18 °C

    Wer kennt sie nicht, die Leute zu denen man höflich und freundlich ist, die einen aber ankotzen? Die feine Diplomatie ist ja keine ureigene kölsche Eigenschaft. Wir rühmen uns eher dafür, zu sagen, was wir denken. Das ist vielleicht nicht immer die beste Tugend, aber was dem Hermann Gryn passiert ist, wäre uns damit nicht passiert.
    1262 ist der Rat der Stadt Köln durch Patrizierfamilien besetzt und Hermann Gryn ist ihr Bürgermeister. Erzbischof von Köln ist seit 1261 Engelbert II. von Falkenburg. Und wenn ihr meint, Don Camillo und Peppone seien unterhaltsam, dann hört Euch das an:
    Engelbert II. geht gegen die Patrizier vor, um seine eigene Macht zu festigen. Im Verlauf des Jahres 1262 bricht der Konflikt noch offen aus, aber vorher begegnet man sich mit distanzierter Höflichkeit.
    Die Sage erzählt, dass Engelbert in einem Hof des Domklosters, der von hohen Mauern umgeben ist, einen Löwen hält. Im Jahre 1262 ist dieses Tier eine Sensation. Jeder, der irgendwie kann, möchte diese Bestie sehen, die mit ihren Fängen das Fleisch von Männern spielend vom Knochen reißt und diese zermalmt, wie wir Hühnerknochen brechen.
    Zwei Pfaffen denken sich, das sei die Gelegenheit, unseren Bürgermeister, Hermann Gryn, elegant los zu werden. Neugierig auf dieses Untier ist er selbstverständlich auch, keine Frage. So laden sie ihn zum gemeinsamen Abendessen ins Domkloster und Hermann Gryn nimmt an.
    Als die drei speisen, brüllte der Löwe bereits laut in seinem Hof. Kein Wunder, hat er doch seit Tagen nichts in zu fressen bekommen. Gryn platzt bald vor Neugierde und fragt, ob er das Untier denn auch betrachten dürfe. Natürlich. Die beiden Pfaffen geleiten ihn zu einer Tür mit schweren Eisenbeschlägen und mächtigen Riegeln. Ganz wohl ist dem Bürgermeister nicht, als der eine die Riegel löst und die Tür aufzieht. Zurecht, denn als sich die Tür öffnet, schmeißt sich der zweite Pfaffe mit Schwung gegen seinen Rücken, so dass Gryn in den Hof stolpert. – Rums! Die Tür ist zu!
    So sieht er den zähnebleckenden, zum Sprung bereiten Löwen aus nächster Nähe. Näher als ihm lieb ist und er weiß, er hat nur eine Chance. Schnell nimmt er seinen Mantel und wickelt ihn um die Linke. Als Hermann Gryn sein Kurzschwert zieht, springt ihn der Löwe bereits an un verbeißt sich im Mantel. Vermutlich setzt Hermann jetzt den einen wichtigen Stich, der das Tier so schwächt, dass er den folgenden, kurzen aber heftigen Kampf für sich entscheidet. Hermann Gryn ist schwer verletzt, der Löwe aber tot. So wie die beiden Pfaffen, die am nächsten Tag an dem Querbalken der Pfaffenpforte baumeln.
    Und genau diese Sage ist an unserem Rathaus abgebildet. Direkt vorne an der Rathauslaube. Gibt es eine schönere Sage, die die Wehrhaftigkeit des Rates beschreibt?
    Ich werde sie weiter so erzählen, weil sie so schön spannend ist. Aber ob sie sich im Jahr 1262 so zugetragen hat? In einer Chronik findet sich der Name „Hermannus Greyn“, der zu dieser Zeit Bürgermeister war. Und dazu muss man wissen, dass Engelbert II. von Falkenburg einen Löwen in seinem Wappen führte. Er hatte zu dieser Zeit den nördlichen Kunibertsturm und den südlichen Bayenturm zu Zwingburgen ausgebaut und mit seinen Truppen besetzt.
    Am 8. Juni 1262 vereinen sich Patrizier und Bürger und nehmen die Türme ein, werfen die ungeliebte Besetzung aus der Stadt und Engelbert II. muss sich ihrem Willen beugen.
    Haben wir nicht seit Jahrhunderten tolle Ideen, kölsche Geschichte lebendig zu halten?

    Michael

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    Wä kennt se nit, die Lück för die mer höflich un fründlich es, die eine ävver aankotze? De fing Diplomatie es jo kein ureige kölsche Eigeaat. Mer rühme uns ihter doför, dat mer uns Hätz op der Zung drage. Dat es vielleich nit de beste Tugend, ävver wat dem Manes Gryn passeet es, dat wör uns domet nit passeet.
    1262 es der Rod vun der Stadt Kölle durch Patrizierfamillie besetz un der Manes Gryn es ehre Bürgermeister. Ääzbischoff vun Kölle es zick 1261 der Engelbäät II. vun Falkeburg. Un wann Ehr meint, der Don Camillo un der Peppone hätte för god Ungerhaldung gesorg, dann hürt Üch dat aan:
    Der Engelbäät II. geiht gäge de Patrizier vür, öm singe Maach ze festige. Em Verlauf vum Johr 1262 brich der Strigg noch offe us, ävver vürher deit mer sech met distanzeeter Höflichkeit begähne.
    Die Sag verzällt, dat der Engelbäät en enem Hoff vum Domkluster, der von huh Muure ömgevve es, ene Löw häld. Em Johr 1262 es dat Dierche en Sensation. Jeder, dä irgendwie kann, mööch dat Bies sinn, dat met singe Fäng et Fleisch vun Kääls em Rüppche vum Knoche rieß un die zermalmp, wie mir Höhnerknoche breche.
    Zwei Paafe denke sich, dat sei die Gelägeheit, unse Bürgermeister, der Manes Gryn, elegant loss ze weede. Neugeerig op dat Undier es hä selverständlich och, kei Frog. Esu lade se en för e gemeinsam Ovendesse nohm Domkluster en un Manes Gryn nimmp aan.
    Wie die drei am Esse sin, bröllt dä Löw ald laut en singem Hoff. Kei Wunder, hät hä doch zick Dage nix ze fresse kräge. Der Gryn platz baal för Neugier un frög, ov hä dat Undier dann och beluure dörf. Natörlich. De beidse Paafe bränge en noh ener Pooz met schwere Ieserbeschläg un mächtige Rämmele. Ganz wall es dem Bürgermeister nit, wie der ein de Rämmele lüs un de Pooz optrick. Zorääch, dann wie die Pooz opgeiht, schmieß sich dä zweite Paaf met Schmackes gäge singe Rögge, su dat der Gryn en dä Hoff stolpert. – Paaf! De Pooz es zo!
    Esu süht he dä Löw, dä de Zäng bleck un för de Sprung parat es, us nöchster Nöh. Nöher, wie im leev es un hä weiß, dat he nor ein Chance hät. Flöck nimmp hä singe Üvverworf un weckelt in öm de linke Hand. Wie der Hermann Gryn sing koot Schwäät trick, springk in der Löw ald aan un verbieß sich em Mantel. Wie et ussüht, setz der Hermann jetz dä eine wichtige Stech, dä dat Dier esu schwäch, dat hä dä koote ävver rösige Kamf, dä jetz folg, gewennt. Der Hermann Gryn deit sich ärg wih, der Löw ävver es dud. Esu wie die zwei Pasture, die am nächste Dag am Querbalke vum Paafepöözche baumele.
    Un präzis die Sag es an unems Rodhuus avgebeldt. Tirek vürre an der Rodhuuslaub. Gitt et en schönere Sag, die de Wehrhaftigkeit von unsem Rod beschriev?
    Ich weede se wigger esu verzälle, weil se su schön spannend es. Ävver ov se sich em Johr 1262 su zogedrage hät? En ener Chronik fingk sich dä Name „Hermanus Greyn“, der för dä Zigg Bürgermeister wor. Un dobei muss mer wisse, dat Engelbäät II. vun Falkeburg ene Löw en singem Wappe foht. Hä hatt zo dä Zigg dä nördliche Kunibäätsturm un dä südliche Bayeturm zo Zwingburge usgebaut un met singe Truppe besatz.
    Am 8. Juni 1262 dun sich de Patrizier un de Bürger zosamme, nemme de Türm en, werfe de verhasste Besatzer us der Stadt un der Engelbäät II. mus sich ehrem Welle beuge.
    Han mer nit zick Johrhunderte dolle Enfälle, kölsche Geschichte am Levve ze halde?

    Mechel
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  • Sep12

    Die Mülheimia

    September 12 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C

    Die Mülheimia - stolze Wächterin über Mülheim

    Einst war sie die Wächterin ihrer Stadt, lange her, längst gehört Mülheim zu Köln. Und es hat sich wohl viel verändert seitdem. Als ich am Wiener Platz aus der Bahn steige und auf eben diesen Platz komme, ist für mich erstmal nicht viel Hübsches zu entdecken, laut, geschäftig, teils auch etwas schmuddelig ist es hier. Einer von vielen Plätzen in Köln, die keinerlei Ausstrahlung auf mich ausüben. Aber dies ist meine Meinung. Veedelsbewohner mögen das anders sehen, und das ist auch gut so.
    Ich will heute aber ein wenig „altes“ Mülheim schnuppern. Ich werde mir einen Brunnen anschauen, wie schon so oft, aber heute freue ich mich ganz besonders darauf. Denn dieser Brunnen soll nicht nur hübsch sein, nein, er hat auch eine lange Geschichte. Und sowas liebe ich ja, die alten Geschichten unserer Stadt.
    Also, auf geht’s. Ich bewege mich weg vom Lärm des „modernen“ Mülheims, gehe in Richtung Rhein. Schon nach kurzer Zeit wird es deutlich ruhiger, ich nähere mich dem ursprünglichen Mülheim. Die Straßen werden schmaler, alles wird etwas enger, je näher ich dem Rhein komme. Hier ist es auch beschaulicher und es gefällt mir hier gut. Dann biege ich rechts ab und auf einmal sehe ich sie, die Mülheimia. An der Mülheimer Freiheit steht sie und schaut auf ihr Mülheim herab, und das bereits seit 1884, denn in dem Jahr wurde sie geschaffen. Aus Sandstein.
    Lange vor dem Bau des Brunnens war Mülheim nach dem schlimmsten Rheinhochwasser im Jahre 1784 fast komplett ausgelöscht worden. Aber die Bewohner bauten es wieder auf und binnen eines Jahrhunderts war Mülheim wieder ein florierender Handelsstandort, wie auch das auf der anderen Rheinseite liegende Köln. Und eben genau einhundert Jahre nach der schlimmen Katastrophe kam der Mülheimer Bernhard Clostermann, übrigens der letzte Bürgermeister der Stadt Mülheim am Rhein, auf die Idee, einen Stadtbrunnen bauen zu lassen. Die Menschen waren begeistert von der Idee und so wurde der Bildhauer Wilhelm Albermann mit der Planung des Brunnens beauftragt. Übrigens stammt auch der ebenfalls 1884 geschaffene Jan-van-Werth Brunnen von ihm.
    Ich stelle mich in den Schatten eines Hauses und betrachte den Brunnen eine ganze Weile. Hübsch ist er, würdevoll, überraschend groß, etwa 10 Meter hoch. Mülheimia, das hört sich schon so erhaben und prachtvoll an. Er gefällt mir sofort, ja, er begeistert mich, genau die Art von Brunnen, die ich so mag. Und hier plätschert sogar Wasser, erlebe ich auch noch lange nicht bei jedem Brunnen. Aber schauen wir ihn doch einmal genauer an.
    Unten wurde ein dreipassförmiges Becken angelegt. In der Mitte erhebt sich der recht schlank gehaltene Brunnenstock. Um den Brunnenstock sind drei halbrunde Schalen angelegt, die auf verzierten Säulen platziert sind. Aber zurück zur Hauptsäule, da gibt es nämlich einiges zu bewundern. So sehen wir mittig drei Jungen, in mittelalterliche Gewänder gekleidet, aber da stehen nicht nur einfach drei Burschen, sondern diese Figuren sagen etwas aus. Sie stellen die zur damaligen Zeit wichtigsten Erwerbsquellen der Stadt Mülheim dar, denn zur Zeit der Entstehung dieses Brunnens war Mülheim noch eine freie Stadt.
    Wir sehen eine Sense und Korn, dies steht für die Landwirtschaft, beim zweiten Burschen entdecken wir Zahnrad und Kabelrolle für die Industrie und der dritte zeigt ein Paket und ein Buch und steht damit für den Handel. All das war damals sehr wichtig für die Stadt und damit für das Überleben der Mülheimer.
    Über den Figuren sehen wir drei Muscheln, und darauf einen Sockel, der dann die Hauptfigur des Brunnens, die Stadtgöttin in ganzer Pracht trägt. Es gibt an diesem Brunnen so viele hübsche Details und funktionierende Wasserspeier zu entdecken, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Nehmt euch die Zeit und schaut euch diesen herrlichen Brunnen selbst an. Es lohnt sich absolut.
    Mülheimia, stolz steht sie da, ebenfalls in mittelalterliches Gewand gehüllt, in der linken Hand ein Schild mit dem Mülheimer Wappen. Auf dem Kopf trägt sie eine Krone. Sie verkörpert den Stolz der Stadt Mülheim. Sie ist die Stadtbeschützerin wie auch am Schild bereits gezeigt wird. Die rechte Hand der Mülheimia ist beruhigend oder segnend, je nach eigener Empfindung herausgestellt.
    Als ich weiter in Richtung Rhein hinunter gehe, drehe ich mich noch einmal um.
    Die Mülheimia wacht über Mülheim, sie hat alles überstanden, Krieg, viele weitere, wenn auch nicht mehr so furchtbare Hochwasser, die Eingemeindung zu Köln und Autofahrer, die hier direkt vor dem Brunnen nicht die Kurve kriegen und „nähere Bekanntschaft“ mit der Mülheimer Stadtgöttin machten.
    Mülheimia, für mich bist du einer der schönsten Brunnen in unserer Stadt.
    Habt eine gute Zeit und viel Spaß beim Entdecken der vielen kleinen und großen Dinge, die unsere Stadt zu bieten hat.

    Euer Ronald
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  • Sep10

    Der Erzbischof in der Tiefgarage

    September 10 in Germany ⋅ ⛅ 16 °C

    Zumindest würde Anno sich in einer solchen befinden, hätte seine Flucht aus einem Loch in der Stadtmauer fast tausend Jahre später stattgefunden...denn dort, wo früher freies Land war, befindet sich heute die Tiefgarage unter der Domplatte des Kölner Domes. Aber nicht nur die. Auch eben genannte Stadtmauer mit dem sogenannten "Annoloch" befindet sich ebenfalls dort. Oder vielmehr das, was an dieser Stelle davon übrig ist.
    Ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man die Treppe des Parkhauses (beim U-Bahn-Abgang) hinunter geht und auf der einen Seite die Reste dieser römischen Stadtmauer vorfindet und auf der anderen Seite die modernen Fahrzeuge. Ich wage mal zu behaupten: sowas gibts auch nur in Köln. Aber diese Stadt ist an Kuriositäten ohnehin kaum zu übertreffen.
    Ich bin aber nicht wegen der Autos hier, sondern um ein "Spektakulum" vergangener Zeit auf mich wirken zu lassen. Denn durch dieses Loch in der Mauer flüchtete damals Erzbischof Anno, dessen Geschichte ich euch heute erzählen möchte...
    Anno II. von Köln, weitere Namen Hanno von Köln, oder Hanno II. und vermutlich gibt es noch einige weitere, wurde um das Jahr 1010 in Schwaben geboren und stammte aus einer Familie mit eher niederem Adelsstand. Etwas werden konnte er also nur über eine kirchliche "Karriere". Am Bamberger Dom besuchte er sodann die Domschule, an der er später selbst auch unterrichtete. Nachdem ihn Heinrich III. als Kaplan an den kaiserlichen Hof geholt hatte und ihn um 1054 zum Dompropst von Goslar ernannte, wurde er ebenfalls durch Heinrich III. zum Erzbischof von Köln.
    Vom Wesen her wird er als diszipliniert und beherrscht in seinem Denken und Handeln beschrieben, des Weiteren allerdings auch als oft skrupellos. Dazu später mehr...
    Veränderungen innerhalb der katholischen Kirche gegenüber war er zwar offen, aber viel wichtiger war es ihm, der Kölner Diözese zu mehr Reichtum zu verhelfen.
    Insgesamt war Anno den Kölnern nicht sehr sympathisch, denn obwohl er auch Gutes tat, wie zum Beispiel den Bau der Kirche Maria ad Gradus oder mehrerer Klöster und Stifte, so war er auf der Gegenseite ein Mann, der von Macht besessen war. So vereinnahmte er den Siegberg (neuzeitlich Siegburg) und entmachtete die rheinische Pfalzgrafenfamilie. Und bei Kaiserswerth lockte er den 11-jährigen König Heinrich, auf ein Schiff und entführte ihn. Dieser versuchte zwar, sich mit einem Sprung über Bord zu retten, aber vergebens, er wurde aus dem Wasser gezogen und wieder auf das Schiff gebracht. So konnte Anno im Namen des kindlichen Königs zusammen mit einigen anderen Fürsten die Herrschaft im Reich ausüben.
    Was er noch alles von Amts wegen gutes oder schlechtes getan hat, lässt sich hier gar nicht alles aufzählen. Den größten Fauxpas aber leistete er sich im Jahre 1074, welcher die Kölner völlig erbost in einen Aufstand gegen ihn trieb. Der Erzbischof ließ nämlich an jenem Abend das Schiff eines Kaufmanns beschlagnahmen, um seinem Gast, Friedrich I., Bischof von Münster, eine Gelegenheit zur Heimfahrt zu beschaffen. Der Kaufmann jedoch ließ sich das nicht gefallen und widersetzte sich. Innerhalb kürzester Zeit war die ganze Stadt in Aufruhr und wollte dem ungeliebten Erzbischof, den die Bewohner der Stadt aufgrund verschiedener Dinge, wie zu hohe Steuern oder seiner Strenge und Rücksichtslosigkeit, sowieso schon ablehnten, an den Kragen.
    Anno flüchtete mit seinen Männern vor der Meute und schaffte es schließlich, durch die, heute Annoloch genannte, Lücke in der Stadtmauer aus der Stadt zu entkommen. Trotz seiner Flucht vermochte es der Erzbischof, bewaffnete Untergebene um sich zu versammeln und nur vier Tage später kehrte er zurück, um Köln zu belagern. Aufgrund der drohenden Gewalt ergaben sich die Aufrührer und öffneten Anno die Stadttore...die Strafen, die der Erzbischof erließ, waren teilweise sehr brutal, zumindest für die, die sich weigerten, Buße zu tun.
    Am 4. Dezember 1075 starb Anno in Siegburg. Drei Tage lang wurde sein Leichnam in einer Prozession in alle Klöster und Stiftskirchen in Köln gebracht und aufgebahrt. In Siegburg schließlich wurde er beigesetzt.
    Als Erzbischof Anno im Jahre 1183 heiliggesprochen wurde, grub man seine Gebeine aus und bestattete sie in einem Schrein, der, so vermutet man zumindest, ebenso wie der Schrein der Heiligen drei Könige, von Nikolaus von Verdun erschaffen wurde. Bis 2016 stand der Anno-Schrein in einer Seitenkapelle der Siegburger Abtei, bevor diese aufgelöst wurde. Seitdem befindet er sich in der Schatzkammer der nahegelegenen Kirche St. Servatius.
    Wenn ihr das nächste Mal in die Tiefgarage unter der Domplatte kommt, verweilt doch mal für einen Augenblick beim Annoloch...und lasst euch in die Zeit von vor fast eintausend Jahren entführen...

    Bis bald, eure Ramona
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  • Sep8

    Der Grenzstein

    September 8 in Germany ⋅ ⛅ 16 °C

    Schnurgeradeaus Richtung Westhoven wollte ich fahren, doch etwas zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ein Schild, welches ich nun schon öfter flüchtig wahrgenommen hatte. Kurzentschlossen bog ich ab und das "Abenteuer Kölschgang" konnte beginnen.
    In Poll gibt es für Sportler nämlich eine Adresse, wo man vielerlei Sportarten betreiben kann. So findet man am Poller Weg den Sportspark Cologne, mit Outdoor und Indoor Bereichen. Ob Beach Volleyball, Tennis oder Hallenfußball, oder einfach gemütlich ein Bier trinken und Sky schauen, in Poll geht das.
    Doch damit nicht genug, es befindet sich dort auch das Poller Heimatmuseum, dessen knapp 700 Fotos u Schriften, auf Schautafeln in zwei Hallen verteilt sind. Gegründet wurde es von Hans Burgwinkel aus Poll. Im Jahr 2015 stellte er seine Schautafeln dort auf. Der Inhaber des Sportspark Cologne, Savas Berktas, ermöglicht ihm dies.
    Ich hab mir die Tafeln angeschaut, der Eintritt ist gratis und ich fand sehr interessante Beschreibungen über historische Begebenheiten aus Poll. So richtig was für uns Kölschgänger.
    Ein wenig vermisste ich allerdings echte Exponate. Doch draußen vor den Toren des Sportparks Cologne, wurde ich dank des Grenzsteins entschädigt für den Lesewillen, den man bei den vielen Tafeln braucht.
    Der Grenzstein ist einer der Steine, die die Stadt Porz an ihren Stadtgrenzen stehen hatte, als sie noch nicht zu Köln gehörte. Der Stein vom Sportspark wurde vor einigen Jahren von seinem Ursprungsstandort, der Kölner Straße, an den Poller Weg 1 versetzt.
    So sieht man ihn imposant, direkt neben dem Schaukasten des Poller Heimatmuseums stehen. Es wird einem an dieser Stelle bewusst, daß Porz ja von 1951 bis 1975 Stadtrechte besaß. Am 1.Januar 75 wurde es dann durch Eingemeindung zum größten Stadtteil Kölns. Der alte Grenzstein zeugt von der Zeit als Stadt Porz.
    Für mich war der Besuch des Sportparks Cologne gleich auf 3 Arten spannend, denn mich interessieren viele Dinge.
    Sport - Museum. - Grenzstein
    Ein rundum gelungener Kölschgang. Der mit leckeren Hamburgern und Pommes abgerundet wurde. Ein wenig ließ ich noch all das Gesehene und Gelesene auf mich nachwirken. Gut, dass ich mal abgebogen bin, vom geraden Weg, denn Kleinode liegen oft ein wenig versteckt.
    Habt einen schönen Sonntag, genießt die Fotos und bis nächste Woche.

    Eure Elisabeth
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  • Sep7

    Oberländer Brot

    September 7 in Germany ⋅ 🌧 15 °C

    Das Oberländer-Brot – eine kleine Geschichte einer Migration

    Das Oberländer-Brot kennen alle. Mir fällte keine Bäckerei in Köln ein, die es nicht im Regal hat. Euch? Heute schreibe einfach mal darüber, weil ich mal wieder einen kleinen Laib gekauft habe.
    Mich hat das Oberländer schon das ganze Leben begleitet. Zuerst habe ich es häufig mit zur Schule als Pausenbrot bekommen. Später war einer meiner ersten Jobs der als Fahrer für die „Stadtbäckerei Otten“. Vormittags Brötchen, Teilchen und Brot in die Filialen liefern, das war meine Arbeit. Die Bäckerei gibt es nicht mehr, sie wurde in der Phase des schnellen Wachstums von Kamps übernommen.
    Eine Erinnerung an diese Zeit, ist das Bild der Wand aus Brotkörben, die mich samstags am frühen Morgen gegen 4.00 Uhr empfing. Diese unglaublichen Mengen Brot, mit denen ich die Filialen von Mülheim oder am Wupperplatz beliefert habe, aber auch das Einkaufszentrum in Chorweiler oder auf der Marzellenstraße. Das Oberländer war mit großem Abstand am stärksten vertreten, überall.
    Was mich betrifft, kann man auch sagen, dass das Oberländer ein Brot für alle Fälle ist. Wurst und Käse schmecken darauf genauso wie Honig oder Marmelade. Eintopf, Gulaschsuppe, strammer Max oder Salat gehen immer mit dem Brot.
    Aber wie kamen wir zu ihm? Es heißt ja nicht „Kölner Brot“.
    Das Oberländer kommt 1829 nach Köln. Das ist die frühe Zeit der preußischen Herrschaft. Köln ist zur der Zeit noch recht klein. Von den lange Zeit um die 40.000 Einwohnern, wächst es seit ungefähr 1810 bis 1830 auf 65.000 Einwohner an. Köln ist kurz vor dem Sprung zu einer großen Industriestadt.
    Es ist eng – auch zu dieser Zeit. Die Arbeit ist das, was man Ausbeutung nennt. Die Löhne am Existenzminimum, Kinderarbeit die Regel - Kinderarbeit für Kinder ab vier Jahren, wohlgemerkt. Die Arbeitszeiten genauso lang wie die der Erwachsen, die im Extrem an die 17 Stunden heranreichen. Gut, die Pausen für Kinder waren länger – sie wurden für die Schule genutzt. Dafür war der Lohn auch halb so hoch. Aber was will man machen, wenn der Vater allein es nicht schafft, das Brot für die ganze Familie zu verdienen?
    Diese Zustände gefallen dem preußischen Staat nicht. Dieser braucht kräftige Soldaten, die gesund sind. Eine Maßnahme des Jahres 1829 ist daher, den Brotpreis in Köln vorzuschreiben. Selbstverständlich gefällt das den Bäckern nicht. Sie brauchen einen höheren Preis - und streiken. Der Stadtrat ist aber pfiffig. Er muss sich ja überlegen, wie er mit dem teuren Brot, das er jetzt gegen gar kein Brot getauscht hat, die Bäuche voll bekommt und guckt ins Umland.
    Fündig wird er in der Gegend um Neuwied, Andernach und Koblenz, eben dem Rheinischen Oberland. Zwar stellen die nicht das gewohnte Weizenbrot her, weil durch die Witterung die Bedingungen für den Anbau von Weizen nicht so gut sind. Aber sie mischen eben einen hohen Roggenanteil bei. Dieses Mischbrot hat eine harte Kruste und durch eine dünne Tinktur aus Stärke und Wasser glänzt es schick. Das beste aber ist, dass es dadurch nicht so schnell austrocknet und deswegen auch gut transportiert werden kann.
    So legen im Jahr 1829 aus dem Oberland Schiffe mit diesem neuen Brot an. Es ist von Anfang an ein voller Erfolg, billig und die Kölner schmeckt es ungemein gut. Der Streik der Bäcker verpufft so erfolglos. Sie backen lieber dieses Brot, das so begeistert aufgenommen wird, nach. Und sie tun es bis heute. Sie backen unser täglich Brot, das Oberländer. Guckt mal in die Regale.

    Michael

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    Et Oberländer-Brud – e klei Kreppche vun ener Migration

    Et Oberländer-Brud kenne mer all. Mer fällt kei Backes en Kölle en, dat et nit em Regal hät. Üch? Hügg schrieve ich einfach ens dodrüvver, weil ich ens widder e Brud gekauf han.
    Et Oberländer es met mir ald durch et ganze Levve gegange. Zoeesch han ich et alle naslang met en de Schull kräge. Hingerdren wor ei vun minge eeschte Pösscher dat vun enem Fahrer för de „Stadtbäckerei Otten“. Vörmeddags Brüdcher, Deilcher un Brud en de Filiale livvere, dat wor ming Arbeid. Dat Backes gitt et nit mih, et woodt en dä Zigg, wo der Kamps flöck expandeere dät, vun im üvvernomme.
    Ich han noch dat Beld vun dä Wand voll Brudkörv vör Auge, die mich samsdags am fröhe Morge gäge 4.00 Uhr emfing. Su unwahrscheinlich vill Brud, met däm ich de Filiale vun Müllem ov am Wupperplatz belivvert han, ävver och et Enkaufszentrum en Chorwieler ov et Backes op der Marzellestroß. Et Oberländer wor met großem Avstand am stärkste vertrodde, üvverall.
    Wat mich aangeiht, kann mer och sage, dat et Oberländer e Brud för jede Gelägeheit es. Woosch un Kis schmecke dodrop genausu wie Hunnig ov Marmelad. Deftige Zupp, Gulaschzupp, stramme Max ov Schlot gonn immer met däm Brud.
    Ävver wie kome mer drann? Et heiß jo nit „Kölsch Brud“.
    Et Oberländer kütt 1829 noh Kölle. Et es de fröhe Zigg vun der preußische Herrschaff. Kölle es zö dä Zigg noch rääch klein. Vun dä lange Zigg öm de 40.000 Minsche, wähß et zick ungefähr 1810 bes 1830 op 65.000 Minsche aan. Kölle es koot dovör en große Industriestadt zo weede.
    Et es eng – och zo dä Zigg. De Arbeid es dat, wat mer Usbeutung nennt. De Lühn recke grad för et Brudnüdige, Kinderarbeid de Regel – Kinderarbeid för Pänz av veer Johr, wohlgemerk. De Arbeidszigge genausu lang wie die vun de Große, die bes an de 17 Stunde eraanrecke. God, de Pause för Pänz wore länger – se woodte för de Schull genotz. Doför wor der Luhn och halv esu huh. Ävver wat well mer maache, wann der Papp et nit schaff, et Brud för de ganze Famillich ze verdeene?
    Die Zoständ gefalle dem preußische Staat nit. Dä bruch kräftige Zaldate, die gesund sin. Eine Maßnahme usem Johr 1829 es et dröm, der Brudpries en Kölle vürzeschrieve. Selvsverständlich gefällt dat de Bäcker nit. Se bruche ene hühere Pries – un streike. Der Stadtrod es ävver op Zack. Hä muss sich jo üvverläge, wie hä met däm düüre Brud, dat hä jetz gäge gar kei Brud getuusch hät, de Büch voll kritt un luurt en et Ömland.
    Finge deit hä jet en der Gägend öm Neuwied, Andernach un Kovvelenz, evvens dem Rheinische Oberland. Zwor stelle die nit et gewennte Weizebrud her, weil et Wetter do kein gode Bedingunge för der Aanbau vun Weize schaff. Ävver se mische evvens ene huhe Aandeil Rogge bei. Dat Mischbrud hät en hadde Koosch un durch en dönn Tinktur us Stärk un Wasser blänk et aadig. Et beste ävver es, dat et dodurch nit esu flöck drüg es un deswäge och god transporteet weede kann.
    Su läge em Johr 1829 usem Oberland Scheff met däm neue Brud aan. Et es vun Aanfang an ene volle Erfolg, bellig un de Kölsche schmeck et ärg god. Dä Streik vun de Bäcker verpuff esu ohne Erfolg. Se backe leever dat Brud, dat esu begeistert opgenomme weed, noh. Un se dun et bes hügg. Se backe uns däglich Brud, et Oberländer. Luurt ens en de Regale.

    Mechel
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  • Sep5

    Kardinal Frings

    September 5 in Germany ⋅ ⛅ 16 °C

    Kardinal Frings - Der rheinische Kardinal

    Es gibt ja Beiträge, die machen richtig viel Arbeit, man tut sich schwer mit dem Thema und irgendwie bleibt die ganze Zeit das Gefühl, der Beitrag wird irgendwie nicht "rund", wie wir immer sagen. Und dann gibt es Themen, da läuft es wie von selbst, man ist sofort im Thema und das einzige Problem ist die Länge des Beitrages, denn man könnte schreiben, schreiben, schreiben...

    Dies ist so ein Beitrag, der mir selbst unwahrscheinlich viel Freude gemacht hat, die Recherchearbeit war ein einziges Vergnügen und nach der Fertigstellung des Beitrages konnte ich mich gar nicht mehr von diesem Thema lösen. Er hatte mich längst in den Bann gezogen, der Frings. Und vielleicht geht es euch ja auch so.

    Josef Frings empfing am 10. August 1910 in Köln durch Weihbischof Joseph Müller das Sakrament der Priesterweihe. Er war zunächst bis 1913 als Kaplan in Köln-Zollstock tätig. Von 1915 bis 1922 war er Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien in Köln-Fühlingen und von 1924 bis 1937 Pfarrer an St. Joseph in Köln-Braunsfeld.

    Das Amt des Erzbischofs von Köln, in das er am 1. Mai 1942 überraschend berufen wurde, bekleidete Josef Frings von 1942 bis 1969. Sein Wappenspruch lautete: Pro hominibus constitutus (lat.: „Für die Menschen bestellt“).
    1958 war er Initiator und Mitbegründer des Hilfswerks Misereor. Auch das Hilfswerk Adveniat geht 1961 auf seine öffentliche Anregung zurück.
    Im Jahre 1967 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Köln ernannt.

    Berühmt wurde Kardinal Frings durch seine Silvesterpredigt, die er am 31.12.1946 in der Kirche St. Engelbert in Köln - Riehl hielt. Zu dieser Zeit war die Versorgungslage in der Domstadt katastrophal und die durchfahrenden Kohlenzüge wurden regelmäßig geplündert. In seiner Predigt sagte er folgenden Satz, der in die Geschichte eingehen sollte:

    „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“

    Damit war für das "Beschaffen" von Lebensmitteln und Heizmitteln für den Eigenbedarf in größter Not durch Stehlen oder Unterschlagen ein Wort geboren, das man hier im Rheinland bis heute kennt, das

    "fringsen".

    Die große Popularität des stets in rheinischer Dialektfärbung sprechenden Kardinals schlug sich in zahlreichen Anekdoten nieder. Beispiele gefällig?

    Zusammen mit dem Bischof von Münster, Graf von Galen, reiste Frings im Winter 1946 nach Rom zur Kardinalserhebung. Das englische Militärflugzeug konnte wegen widrigen Wetters nicht starten, deshalb wurden sie zunächst von britischen Soldaten im Auto gefahren, bevor es dann mit dem Zug weiterging. Nachdem man mehrfach im Schlamm der schlechten Straßen steckengeblieben war, zwischendurch im Auto übernachtet hatte und dann der geplante Zug ab Karlsruhe ausfiel, sagte Frings entnervt zu dem begleitenden Offizier: „Herr General, ich kann leben, ohne Kardinal zu sein. Ich bitte Sie, bringen Sie mich nach Köln zurück.“ Das machte Eindruck, plötzlich ging alles besser.

    Einmal auf sein schlechtes Augenlicht angesprochen, soll Frings in Kölsch geantwortet haben: „Jot lure kann isch schläch, ävver schläch hüre, dat kann isch jot.“ („Gut sehen kann ich schlecht, aber schlecht hören, das kann ich gut“).

    Ein andermal zog er als Kardinal ins Essener Münster ein und flüsterte dem jungen Bischof süffisant zu "was für ein nettes Kathedrälchen!", vielleicht dachte er da gerade an "seinen" Dom.

    1961, es war Gründonnerstag und innerhalb der Liturgie hatte er gerade 12 alten Männern die Füße gewaschen, seufzte der Kardinal: "Im Himmel haben wir es gut. Dort brauchen wir uns nicht mehr zu waschen!"

    Eigentlich war es üblich, dass die Gläubigen niederknieten, wenn der Kardinal den Dom verließ, außer an Karfreitag. Da viele trotzdem niederknieten, winkte Kardinal Frings ab: "Heute gibts nichts. Ich darf nicht."

    Auf ein Lob, er habe zu Ehren der englischen Königin eine sehr gute Rede in perfektem Englisch gehalten, sagte der Kardinal: "Das will ich meinen, schließlich hat ein Professor die Rede aufgesetzt und der englische Botschafter hat sie mir danach auf Band gesprochen. Ich habe sie dann nur noch auswendig gelernt."

    Es gibt noch viele Anekdoten dieses äußerst beliebten Kardinals, der schon sehr früh den Wunsch hegte, ein einfacher "Leutepriester" zu werden. Eben ein Priester für die Menschen.
    Dies ist ihm zweifellos gelungen, denn er lebt bis heute in den Herzen der Menschen weiter.

    Frings starb am 17. Dezember 1978 mit 91 Jahren. Er wurde in der erzbischöflichen Gruft im Kölner Dom beigesetzt.

    Der "rheinische Kardinal". Unvergessen.

    Habt einen schönen Tag,

    euer Ronald
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  • Sep3

    Asterix und Obelix mal anders

    September 3 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C

    Asterix und Obelix mal anders - Unser Köln, das Gallien Deutschlands :-)
    So ein bisschen erinnern Köln und seine Bewohner tatsächlich an dieses gallische Dorf, welches wir sicher seit unserer Kindheit alle kennen. Ein Völkchen, so ganz anders, allerdings äußerst liebenswert. Allein DAS unterscheidet Köln ja schon vom Rest der Nation. Nicht, dass es andernorts keine liebenswerten Menschen gibt...anders eben.
    Sturheit und Verbissenheit sucht man hier vergebens. Einen Topf mit Zaubertrank, aus dem jeder seine Portion Kraft schöpft, um sich dem Leben zu stellen, gibt es hier zwar nicht, aber das ist auch gar nicht nötig. Was woanders vielleicht ein Problem wäre, wird hier mit Humor angegangen, frei nach dem Motto: "et hätt noch immer jot jejange"...
    Aber was ist das eigentlich, was die Kölner wie eine einzige große Familie wirken lässt? Ist es die Offenheit und Toleranz der Menschen?...die kölsche Sprache?...das gemeinsam feiern können, oder die unzähligen kölschen Lieder?
    Ich denke, man könnte immer weiter aufzählen, aber eines ist allem gemeinsam: es ist einfach ein Lebensgefühl, anders kann man es nicht beschreiben.
    Etwas gibt es aber doch, was unser Dorf um den Dom rum von Gallien unterscheidet. Fremde sind hier jederzeit willkommen und werden nicht, wie die Römer, nach Asterix und Obelix-Art mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt :-).
    Im Gegenteil. Fremde werden hier schnell zu Freunden, werden ohne Vorbehalte aufgenommen.
    Ich habe diese Stadt kennen- und lieben gelernt und kann es nur immer wieder sagen. In Köln ist einfach alles...nein, nicht leichter, besser oder aufregender...aber anders. Ich bezeichne es gerne als ein Universum für sich und das trifft es, denke ich, ziemlich gut und jeder, der hier schon einmal war, wird verstehen, was ich meine...
    Nun könnte man meinen, ich sehe das ein wenig durch eine rosarote Brille. Aber nein... ich weiß, dass Köln auch nicht so schöne Seiten hat. Aber dieser Stadt verzeiht man so manche Macke, wird man doch auf so vielfältige Art und Weise wieder dafür entschädigt. Sei es durch die Herzlichkeit der Menschen, durch einen Spaziergang durch die alten Gassen, den Blick auf den Rhein oder, ja, auch ihn muss ich wieder erwähnen, einen Besuch im Dom. Und nirgendwo anders kann man auf eine so lange und dramatische Geschichte eines Bauwerkes zurückblicken, wie hier.
    All das ist Köln...
    Bis bald, eure Ramona

    -

    Asterix un Obelix ens anders - Uns Kölle, et Gallie vun Deutschland. :-)

    Esu e bessche erennert Kölle un si Bewonner ungeloge an dat gallische Dörp, wat mer secher sigg uns Kindheit all kenne. E Völkche, esu ganz anders, ävver üsserst leev. Allein dat ungerscheid Kölle jo ald vum Ress vun der Nation. Nit, dat et woanders keine leeve Minsche gitt... anders evvens.

    Klotzköpp un verbesse Minsche sögk mer hee ömesöns. Ebe Pott met Zauberdrank, us däm jeder singe Schlag Kraff schepp, öm sich dem Levve zo stelle, gitt et hee zwor nit, ävver dat es och gar nit nüdig. Wat woanders villleich Brasel wör, weed hee met Humor aangegange, frei nohm Motto: "Et hät noch immer god gegange"...

    Ävver wat es dat eigentlich, wat die Kölsche wie ein einzig Famillich wirke lööt? Es et, dat se all offe un tolerant sin?... et zesamme fiere künne ov de unzällige kölsche Leeder? Ich denk, mer künnt immer wigger opzälle, ävver eins, dat verbingk all die Erklärunge: et es einfach e Levvensgeföhl, ein einzig Erklörung heeför gitt et nit.
    Jet gitt et ävver doch, wat uns Dörp öm der Dom eröm vun Gallie ungerscheid. Fremde Lück sin hee luuter wellkumme un weede nit, wie die Römer, noh Asterix- un Obelix-Aad met Blam un Schand us der Stadt gejag ;-) .
    Em Gägedeil. Fremde weede hee flöck zo Fründe, weede ohne Vürbehalde opgenomme.

    Ich han die Stadt kenne- un leeve geliert kann et nor immer widder sage. En Kölle es einfach alles... nä, leider nit leichter, besser ov oprägender...ävver anders. Ich dun dat gään för e Universum för sich nööme un dat triff et, denk ich, zemlich god un jeder, dä hee schon ens wor, weed verstonn, wat ich mein...

    No künnt mer meine, ich sinn dat e winnig durch e rusarud Brell. Ävver nä... ich weiß, dat Kölle och nit esu schön Sigge hät. Ävver die Stadt deit so manch en Mack verzeihe, weed mer doch op su villfäldige Aat un Wies widder doför avgefunge. Sei et durch de Hätzlichkeit vun de Minsche, durch en Promenad durch die ahle Gasse, dä Bleck op der Rhing ov, jo, och in muss ich widder erwähne, ene Besök em Dom. Un nirgendwo anders kann mer op ein su lang un dramatisch Historie vun e Bauwerk zoröckblecke, wie hee.

    All dat is Kölle...

    Bes baal
    Üür Ramona
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  • Sep1

    Wasserturm von Stammheim

    September 1 in Germany ⋅ ⛅ 18 °C

    Der Wasserturm von Stammheim
    Als ich vor 2 Wochen in Stammheim zu Gast war, auf der Suche nach spannenden Geschichten, fand ich u.a.auch den Stammheimer Wasserturm.
    Dazu konnte man mir viel erzählen. Doch zuallererst fiel mein Blick auf ein Straßenschild, dem Ali -Kurt Weg. Sofort wusste ich wer dieser "Ali Kurt " gewesen ist. Ein Held, ein mutiger couragierter Mann! Geboren in Istanbul und gestorben 2014 in Köln Stammheim, beim Versuch 2 Kinder aus dem Rhein zu retten. Und hinter diesem Weg liegt der alte Wasserturm, am südlichen Rand von Stammheim.
    Er wurde 1881 erbaut und hatte ursprünglich eine Höhe von 40 m. Heute sind noch ca.24 m erhalten.
    Mehrere kohlebetriebene Dampfmaschinen haben dereinst in einem Nebengebäude Grundwasser aus Brunnenschächten gefördert um Mülheim und seine Bezirke , ja auch Kalk mit Trinkwasser zu versorgen. Ein Teil des Turmes wurde leider abgetragen. Seit 1.7.1980 steht der Stammheimer Wasserturm, von manchen auch als Mülheimer Turm bezeichnet, unter Denkmalschutz.
    Über dem verschlossenen Eingang erkennt man noch die Inschrift des früheren Eigentümers, der "Rheinischen Wasserwerks Gesellschaft" Der Backsteinturm ist leider alles, was von dem Wasserwerk noch erhalten geblieben ist.
    Einige Fenster sind heute zugemauert. Damit sich eben nicht mehr jeder unbefugt Zugang verschaffen kann. So war einst auch ein Junge beim spielen in den Turm geklettert und in die Tiefe gestürzt. Dabei zog er sich schwere Verletzungen zu. Zur Bergung musste die Feuerwehr Höhenretter einsetzen.
    2007 wurde der Turm einem privaten Investor verkauft. Dieser bekam für diverse Bauvorhaben wohl keine Genehmigung und auch die jüngsten Pläne lassen nicht gerade Hoffnung aufkommen. 2016 wurde er darum laut Anwohner erneut verkauft.
    Irgendwie scheitert wohl jede weitere Nutzung stets. So wurde in den 90 er Jahren des letzten Jahrhunderts, auch der Plan, den Turm zum Museum umzubauen verworfen. Schuld war wie so oft, das fehlende Kapital.
    Wie es auch immer mit ihm weitergehen mag, es ist eine schöne Ecke , an der man bei einer Kölnpfad Wanderung vorbei läuft. Der Turm ist auch vom linksrheinischen Niehler Rheinufer sichtbar und man möchte am liebsten von dort hinüberrufen : "Rapunzel lass dein Haar herunter!"
    Doch bevor ich nun in die Märchenwelt eintauche , sag ich mal:
    "Allen Lesern einen besinnlichen Sonntag"

    Eure Elisabeth
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  • Aug31

    Friedrich Wilhelm III.

    August 31 in Germany ⋅ ☀️ 27 °C

    „Unter dem Schwanz treffen.“ Ui, das sage ich besser direkt auf kölsch: „Loss mer ungerm Stätz treffe“.
    Wo trifft man sich mit einem Menschen, den man vorher noch nie gesehen hat? Da kam mir nur eine Stelle in den Sinn. Wo kann man sich nicht verfehlen? Klar, auf dem Heumarkt unter dem Reiterdenkmal von Friedrich Wilhelm III., „Ungerm Stätz“.
    Für mich ist es die Stelle in Köln die mich am meisten an Berlin erinnert. Das ist kein Lob. Ich mag Berlin nicht. Es ist mir zu groß, wirkt mir zu künstlich und überhaupt Preußen... Eine schlauere Begründung habe ich nicht. Aber diese Aversion gegen Berlin ist kölsch. Also kann ich ja auch gar nicht anders.
    1815 kommen ja die Preußen unter König Friedrich Wilhelm III. im Zuge der Verhandlungen im Wiener Kongress an die Macht im Rheinland und damit auch in Köln. Das Rheinland wollen sie dabei ja erst gar nicht mal haben, sondern sich lieber Sachsen vollständig aneignen. Man macht ihnen aber klar, dass sie den Mittelrhein als Bollwerk gegen Frankreich auszubauen haben, dass ja gerade erst 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig frisch geschlagen wurde. Das Kräftegleichgewicht, das da entstanden ist, gilt es mit dem Bollwerk zu wahren. Tja, und Militär, das können die Preußen. Koblenz und Köln werden Festungsstädte und mit Soldaten überhäuft.
    Fühlt Ihr Euch noch wohl? Ich nicht. Spielball der großen Politik - von Mächten, die so groß sind, dass man nicht mal gefragt wird. Und das uns stolzen Kölschen, auf dem Papier weitergereicht. Kein Wunder, dass uns Kölschen eine Berlin-Aversion vererbt wird, oder?
    1859 wird ja die alte Rheinquerung für die Bahn, die Dombrücke, gebaut. Ein paar Leser werden gleich kommentieren „Jo, de Muusfall!“ (Mausefalle). Das östliche Ende zieren seit 1862 die Reiterstatuen von König Friedrich Wilhelm IV. und König und Kaiser Wilhelm I. Das gehört sich ja auch so. Immerhin unterstützen die Preußen den Dombau entscheidend – Fertigstellung darf man nicht sagen, fragt Ramona - und setzen uns die Eisenbahnbrücke in dieser unmöglichen Lage vor den Dom. Also hat man die beiden eben da aufgestellt.
    Jetzt jährt sich 1865 die preußische Regierung zum 50. Mal. Und für wen haben wir noch kein Denkmal? Richtig, genau der fehlt, der Köln hat preußisch werden lassen, Friedrich Wilhelm III.. Also gebietet es der Anstand, dass der auch irgendwo steht. Das ist soweit der Politik klar.
    Bei der Finanzierung wird es dann schon echt eng. Wer gibt denn Geld für etwas, was er eigentlich nicht möchte? Ich selbst bin da auch knauserig. Auch die Künstler weigern sich. So einen Auftrag will hier keiner ausführen. Einzig der Kölner Bildhauer Gustav Blaeser hat da eine Idee…
    1878 wird das Denkmal enthüllt, das Tuch fällt und was sich zeigt, ist so unmilitärisch, dass er preußische Hof äußert: Es ist nicht königlich. Geschafft! Da steht die Version eines preußischen Königsdenkmals, über das die Preußen sich ärgern, es aber nicht ablehnen können.
    Was hat Blaeser getan? Er hat dem preußischen König, der sich über das Militär definiert, schlicht die wirtschaftlich und kulturell bedeutenden Personen seiner Zeit zugeordnet. Mendelsohn, Beethoven als Komponisten, der Schriftsteller Lessing, der Philosoph Hegel und der Forscher Humboldt sind da unter anderem vertreten. Von den 16 Figuren am Sockel sind mal gerade 6 Generäle. Den Ärger versteht ihr jetzt nicht? Seht Ihr, genauso war das schon immer mit dem gegenseitigen Verständnis.
    Und praktisch ist das Teil ja irgendwie auch. „8.00 Uhr ungerm Stätz“. Reicht. Das erkennen die Kölner auch schon bald nach dem Aufstellen. Es ist ein beliebter Treffpunkt. Und wenn man sich so die ersten Male trifft, kann man sein Gegenüber auch ein wenig „testen“. Fragt einfach mal „Was stellt das Pferd vor?“. Die Frage versteht keiner richtig, sie glauben, du hast einen leichten Sprachfehler und überlegen, wer denn da oben drauf sitzt – wissen die wenigsten. Wenn das Gegenüber sich genug gequält hat, dich für einen Klugscheißer hält, sagst du mit einem Schmunzeln „Na, den rechten Vorderlauf…“. Also, ich als „Opfer“ habe gelacht.
    1944 zerfetzt eine Fliegerbomber das Reiterstandbild und niemand denkt mehr an es, bis man 1980 Bruchstücke findet, sich erinnert und diskutiert, ob man den Reiter wieder aufstellen soll. Hier in Köln zieht sich das mit dem Denken ja immer so und zieht sich… Dem Künstler Herbert Labusga platzt der Kragen – glaube ich. 1985 baut er die Figur aus Styropor nach und stellt sie einfach auf den Sockel. Natürlich ist so eine Konstruktion nicht standsicher genug. Aber danach lautet die Entscheidung „ja“, wie wollen sie wiederhaben.
    Raimund Kittl bekommt den Auftrag sie, unter Einbeziehung der Bruchstücke, die man gefunden hat, wieder aufzustellen. 1990 ist er fertig, Nur ist in der Eisenlegierung der Beine des Pferdes zu viel Blei enthalten. Das macht sie zu weich und die Figur ist nicht standsicher, wird 2007 wieder abgebaut und repariert.
    Aber seit 2010 ist alles gut. Sicher können wir uns jetzt wieder sicher „ungerm Stätz“ treffen und schmunzeln, wenn wir uns ein wenig veräppeln oder eben an die gute alte Zeit denken, damals, wie wir die Preußen veräppelt haben.

    Michael

    -

    „Loss mer ungerm Stätz treffe.“
    Wo triff mer sich met enem Minsch, dä mer vürher noch nie gesinn hät? Do es mer nor ein Stell en der Senn gekumme. Wo kann mer sich nit verfähle? Klor, om Heumaat ungerm Reiterdenkmol vum Friedrich Willem III., „Ungerm Stätz“.
    För mich es et die Stell en Kölle, die mich am mieste an Berlin erennert. Dat es kei Lob. Ich mag Berlin nit. Et es mer zo groß, wirk mer zo künslich un üvverhaup Preuße… En gewetztere Begründung han ich nit. Ävver de Messguns gägenüvver Berlin es kölsch. Alsu kann ich och gar nit anders.
    1815 kumme jo de Preuße ungerm Künning Friedrich Willem III. an et Regalt em Rheinland un domet och en Kölle, weil et em Wiener Kongreß esu beschlosse woodt. Et Rheinland wollte se dobei eesch jo gar nit ens han, villmih wollte se Sachse vollständig üvvernemme. Mer mäht inne ävver klor, dat se der Meddelrhing als Bollwerk gäge Frankreich uszebaue han, dat jo grad eesch 1813 en der Völkerschlaach bei Leipzig fresch geschlage woodt. Dat Kräftegleichgeweech, dat do enstande es, gilt et met däm Bollwerk ze wahre. Tja, un Militär, dat künne de Preuße. Kovvelenz un Kölle weede Festungsstädt un met Kommisköpp üvverhäuf.
    Föhlt Ehr Üch noch god? Ich nit. Spillball vun der große Politik – vun Määch, die esu groß sin, dat mer nit ens gefrog weed. Un dat uns stolze Kölsche, om Papier wiggergereck. Kei Wunder, dat uns Kölsche en Berlin-Messguns vererv weed, oder?
    1859 weed jo de aale Rhingbröck för de Bahn, de Dombröck, gebaut. E paar Lücke, die dat hee lese, weede tirek kommentiere „Jo, de Muusfall!“. Et össliche Engk ziere jo zick 1862 de Reiterstatue vum Künning Friedrich Wellem IV. un vum Künning un Kaiser Wellem I.. Dat gehürt sich jo och esu. Immerhen ungerstötze de Preuße der Dombau entscheidend – Fäädigstellung darf mer nit sage, frogt et Ramona – un setze uns de Ieserbahnbröck en dä unmögliche Lag vür der Dom. Alsu han mer die zwei evvens do opgestallt.
    Jetz jöhrt sich 1865 de preußische Regierung et 50. Mol. Un för wä han mer noch kei Denkmol? Richtig, genau dä fählt, dä Kölle hät preußisch weede looße, der Friedrich Wellem III.. Alsu es et nor rääch, dat dä och irgendwo steiht. Dat es esuwigg der Politik klor.
    Beim Sammele vun de Moppe doför weed et dann ald ech eng. Wä gitt Geld för jet, wat hä eigentlich nit han well? Ich selvs ben do och kniepig. Och die Künsler weigere sich. Su ene Opdrag well hee keiner usföhre. Allein dä kölsche Beldhauer Gustav Blaeser hät do ene Enfall…
    1878 weed dat Denkmol enthüllt, et Doch fällt un wat sich zeig es esu unmilitärisch, dat der preußische Hoff säht: Et hät nixt vun enem Künning. Geschaff! Do steiht die Version vun enem preußische Künningsdenkmol, üvver dat de Preuße sich ärgere, et ävver nit avlähne künne.
    Wat hät der Blaeser gedon? Hä hät bei dä preußische Künning, dä sich üvver et Militär bestemmp, einfach die Persone gestivvelt, die en dö Zigg wirtschafflich un kulturell wichtige wore. Der Mendelsohn un der Beethoven als Komponiste, dä Schreffsteller Lessing, dä Philosoph Hegel un dä Forscher Humboldt sin do unger anderem vertrodde. Vun dä 16 Figure am Sockel sin grad ens 6 Generäl. Der Verdross verstoht Ehr nit? Seht ehr, genau esu wor dat ald immer mem gägesiggige Verständnis.
    Un praktisch es dat Deil jo irgendwie och. „8.00 Uhr ungerm Stätz“. Reck. Dat erkenne de Kölsche och ald baal nohm Opstelle. Et es ene beliebte Treffpunk. Un wann mer sich su de eeschte Mole triff, kann mer si Gägeüvver och e bessche „teste“. Frogt einfach ens „Wat stellt dat Pääd vür?“. Die Frog versteiht keiner richtig, se gläuve, do häs leichte Knubbele en der Sproch un üvverläge, wä dann do bovve sitz – wesse de winnigste. Wann et Gägeüvver sich genog gequält hät, dich för en Schwaadschnüss häld, sähs do met enem Grielaache „No, der räächte Vodderlauf…“. Alsu, ich als „Offer“ han gelaach.
    1944 zerfetz en Fliegerbomb dat Reiterstandbeld un keiner denk mih an et, bes mer 1980 avgebroche Deile fingk, sich erennert un diskuteet, ov mer dä Reiter widder opstelle soll. Hee en Kölle trick sich dat mem Denke jo luuter su un trick sich… Dem Künsler Herbert Labusga platz der Krage – gläuve ich. 1985 baut hä die Figur us Styropor noh un stellt se einfach op der Sockel. Natörlich es die Konstruktion nit standsecher genog. Ävver donoh säht mer „jo“, mer well die Figur widderhan.
    Der Raimund Kittl kritt dä Opdrag se nohzebaue. Hä soll dobei die Brochstöcke, die mer gefunge hät, met nötze. 1990 es hä fäädig. Nor es en der Ieserlegierung vun de Päädsbein zo vill Blei dren. Dat mäht se zo weich un die Figur steiht domet nit secher. Se weed 2007 avgebaut un repareet.
    Ävver zick 2010 es alles god. Secher künne mer uns jetz widder „ungerm Stätz“ treffe un grielaache, wann mer uns e bessche för der Jeck halde ov evvens an de gode aale Zigg denke, domols, wie mer de Preuße op de Schöpp genomme han.

    Mechel
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