Ohne Gebeine - kein Dom
16 de junio de 2020, Alemania ⋅ 🌧 17 °C
Also, einen Dom gäbe es vielleicht schon, denn vorher stand ja dort schon der Hildebolddom, oder auch alter Dom genannt. Wie der weitere Werdegang einer Kirche an dieser Stelle gewesen wäre, ist fraglich, aber ohne Bedeutung, denn, wie wir wissen, gab es in der Geschichte Kölns diesen einen Tag, der dafür sorgte, dass es heute diese monumentale Kathedrale, den Kölner Dom, gibt.
Es war der 23.07.1164, als die Gebeine der Heiligen drei Könige in Köln ankamen. Und damit war das "Schicksal" dieser Stadt besiegelt. Ja, das klingt vielleicht etwas dramatisch, aber in diesem Fall darf man das tatsächlich so nennen, denn wie gesagt: ohne Gebeine - kein Dom.
Der damalige Dom konnte irgendwann die Massen an Pilgern nicht mehr aufnehmen, die fortan nach Köln strömten. Im ganzen westlichen Europa gab es kaum ein bedeutenderes Pilgerziel, als der Schrein der Heiligen drei Könige, sei es nun die erstmalige "Behausung" und dann natürlich auch der, den wir alle kennen. Selbst die im Dom zu Aachen gekrönten Herrscher kamen nach der Zeremonie nach Köln, um den Heiligen die Ehre zu erweisen.
Ein neuer, größerer Dom musste her, so wollte es das Domkapitel. Und so kam es, dass am 15. August 1248 Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein zum Bau unserer heutigen Kathedrale setzte. Eine faszinierende Vorstellung, dass irgendwo im Bereich des Domchores dieser allererste Stein existiert. An welcher Stelle genau er sich befindet, vermag ich leider nicht zu sagen.
So, von Hochstaden legte nun den ersten Stein. Aber wer war es eigentlich, der den Grund für diesen Bau geliefert und die Gebeine der drei Heiligen nach Köln gebracht hat? Sein Name: Rainald von Dassel. Ohne ihn hätte die Geschichte dieser Stadt einen völlig anderen Verlauf übernommen, davon bin ich überzeugt. Aber wer war der Mann, dem eine solche Bedeutung zukommt?
Geboren wurde Rainald von Dassel um, man vermutet, 1120, als Sohn des Grafen Reinold I. von Dassel und der Mathilde von Schauenburg. Ausgebildet wurde er in der Domschule von Hildesheim (heute: Bischöfliches Gymnasium Josephinum), woran sich ein Studium in Paris anschloss. Nachdem er Mitte der 1140er Jahre als Subdiakon und Domcellarius (man könnte auch Finanzverwalter sagen) in Hildesheim gewirkt hat, wurde er dort Dompropst.
Er erfüllte im Laufe der Jahre viele Ämter und Aufgaben, die ich hier nicht alle nennen möchte, da diese schlicht zu sehr ins Detail gehen würden und auch sind sie in Bezug auf meine heutige Geschichte nur insofern von Bedeutung, dass sie Rainald letztendlich in die Position brachten, in der es ihm möglich war, die wertvollen Reliquien nach Köln zu bringen.
Da er enge Kontakte zum königlichen Hof hatte, wurde er bald zum engsten Vertrauten Kaiser Friedrich Barbarossas, er wurde sogar Reichskanzler und auch Erzkanzler von Italien (Barbarossa war Kaiser des römisch-deutsches Reiches). Im Jahre 1159 verhalf Barbarossa von Dassel dann zum Posten des Erzbischofs von Köln, nachdem der bisherige Erzbischof Friedrich II. von Berg gestorben war.
Rainald von Dassel charakterlich zu beschreiben, dürfte schwierig sein. Von denjenigen, die den Staufern, von denen Barbarossa abstammte, nacheiferten, wurde er für Treue zum Hofe gelobt, für diejenigen jedoch, den den Papst verehrten und auf dessen Seite standen, war er ein böser Mensch, der die Kirche in Bedrängnis brachte.
Als Erzbischof war Rainald nicht oft in Köln anzutreffen. Und dennoch tat er viel für die Stadt, denn nach einem Kriegszug, in welchem Mailand, wo sich bis dahin die Gebeine der Heiligen drei Könige befanden, erobert wurde, bekam er die Reliquien als Geschenk Barbarossas für seine treuen Dienste als Geschenk. Ich persönlich würde es eher Kriegsbeute nennen, denn freiwillig haben die Mailänder die Gebeine ganz sicher nicht herausgegeben. Aber wie dem auch sei...was für ein Mensch Rainald von Dassel auch gewesen sein mag - ohne ihn würde es unseren heutigen Dom so nicht geben.
Von Dassel starb am 14.08.1167 in Italien an einer Seuche. Seine letzte Ruhestätte hat er im Kölner Dom gefunden. Wo? Das verrate ich hier jetzt nicht, aber ich bin sicher, ihr findet ihn.
Bis bald, eure RamonaLeer más
Ein Krokodil auf dem Rhein
15 de junio de 2020, Alemania ⋅ ☁️ 20 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
Ein Krokodil auf dem Rhein - Abenteuer für die Kleinen
Erinnert ihr euch auch ab und zu an Abenteuer eurer Kindheit? Es sind ebenso schöne, wie auch wertvolle Erinnerungen. Ich durfte früher auf einem alten Aalkutter mitfahren. Nur ein paar hundert Meter den Rhein rauf und runter. Es ist ewig her und die Aalkutter sind längst Geschichte. Aber an guten Tagen, wenn ich am Rhein spazieren gehe, kommen die Erinnerungen zurück. Sie zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht und für ein paar kostbare Augenblicke bin ich wieder Kind und sehe den Rhein wieder mit Kinderaugen. Das ist schön.
Nun, auch Ihr habt die Möglichkeit euren Kindern eine Freude zu bereiten. In Zündorf an der Groov könnt ihr mit einem kleinen Boot, dem Krokodil, auf die andere Rheinseite nach Weiß übersetzen. Kinder im Alter bis 6 Jahren fahren für 1 Euro. Das ist ein wirklich bezahlbarer Spaß.
Ihr könnt sogar ein kleines Abenteuer daraus machen. Es gibt eine kleine weiße Tafel, die man herunterklappen muss, und einen extra Sitzplatz, damit der Kapitän auf dem Schiff auch sieht, dass da jemand wartet. Was glaubt ihr, welche Gefühle bei einem Kind aufkommen, wenn es alle Vorbereitungen getroffen hat und sich das Boot drüben auf der anderen Seite dann in Bewegung setzt. Zappelig wird es sein. Aufgeregt.
Für Kinder ist der Strom noch viel größer und wenn ein Schiff vorbei kommt, das Krokodil ein wenig in den Wellen liegt und das kleine Schiff anfängt leicht zu schaukeln, ist die Aufregung bei euren Liebsten groß.
Gönnt euren Lieben und auch euch selbst dieses Erlebnis.
Kleiner Tipp. Am Abend vorher schon mal erzählen, was ihr machen wollt und dann eine kleine Geschichte erzählen. Die vom Wal, der sich mal in den Rhein verirrt hat, bietet sich da an.
Viel Spaß wünscht euch RonaldLeer más
Die Himmelstänzerin
14 de junio de 2020, Alemania ⋅ ⛅ 21 °C
"Wie wäre denn das Leben ohne Kunst? Es ist deprimierend, wenn man das Leben nur auf das Stillen der Grundbedürfnisse und auf die Funktion reduziert. Kunst fängt dort an, wo es Fülle gibt. Innere oder äußere. Kunst entspannt, regt an und bereichert. Sie ist durchaus lebensbejahend und bewegend. Sie steht über Politik und Grenzen, Sprachbarrieren und Regeln. Diese Sprache ist für jeden offen."
So sagt die Kölner Künstlerin Sasha Kisselkova, die dieses Werk sehr zur Freude der Nippeser erschaffen hat. Wer mit der Linie 13, der sogenannten "Gürtelbahn" fährt, sieht das imposante Kunstwerk auf der Hauswand an der Merheimer Straße 285.
Der Eigentümer hatte sich ein Werk der Künstlerin, die auch schon in der Südstadt ein kleineres Wandbild erstellt hat, gewünscht.
Da sie wegen der Corona Krise viel Zeit übrig hatte, konnte sie diesem Wunsch nachkommen.
Ein wundervolles fröhliches Farbenspiel, mit leuchtenden Pigmenten im Sonnenlicht ist das Ergebnis. Die Hauswand eignete sich besonders von der Größe, der Struktur und der Lage, denn es ist eine Nordwand mit wenig Sonneneinfall, was das Gemälde haltbarer macht. In dieser Dimension zu malen war auch für Sasha Neuland. Auf einem vom Eigentümer gestellten Gerüst(er ließ das Haus renovieren) verbrachte sie 8 Wochen damit, ihr Werk so zu gestalten, wie es ihr am besten gefiel. Dies bedeutete auch ausprobieren und zwischendurch wieder überpinseln, bis sie zufrieden war. Knapp 30 Liter Farbe wurden dabei verwendet. Das Werk bekam den Titel "The Sky Dancer".
Doch was bedeutet es, wie definiert sie selbst dieses Bild. Ich habe sie gefragt.
Inspiriert wurde sie bei diesem lebensbejahendem, fröhlichen Bild durch die buddhistische und schamanische Kultur. Die Himmeltänzerin stellt einen weiblichen Geist dar, welcher in Harmonie mit den Elementen lebt. Eine Botschafterin für Mitgefühl, Segen, Licht und Frieden soll die Tänzerin sein. Für alle Menschen! So Sashas Vision.
Ich habe mich eine Weile mit dem Bild beschäftigt, es genau betrachtet, mich darauf eingelassen und nicht nur mit einem schnellen Blick aus der Hochbahn der Linie 13. Viele kleine Details erkennt der aufmerksame Betrachter.
Vielleicht ist es gar ein Phönix statt der Tänzerin? Man kann alles mögliche daraus ableiten, je länger man seiner Phantasie freien Lauf lässt. Vielleicht ist das ja auch, was Sasha Kisselkova mit ihren Werken beabsichtigt.
Bei meinen Kölschgängen bin ich schon einigen Street- und Mural-Art-Werken begegnet Auch unser Ronald hat schon über das eine oder andere Wandbild berichtet. Mich freut die Bereitschaft mancher Hausbesitzer, ihre Wand für ein buntes Köln bereitzustellen.
Weniger erfreulich sind wild angebrachte Schmierereien, vor allem auch solche, die dann die Arbeit der Künstler zerstören. So musste sie z. B. ihr anderes Gemälde, welches den Titel "Der Waldgeist" trägt restaurieren, da es beschmiert wurde. Dabei resultiert es erst von März diesen Jahres. Doch Kisselkova bleibt gelassen und hofft vor allem ihr neuestes Werk darf lange die Kölner im Original erfreuen.
Vor allem freu ich mich, dass wir von Kölschgänger einer der Ersten sein durften, die über dieses Kunstwerk berichten konnten.
Euch allen einen entspannten Sonntag, eure ElisabethLeer más
Konrad von Hochstaden
13 de junio de 2020, Alemania ⋅ ⛅ 24 °C
Der Arsch vom Rathausturm - sorgt immer wieder mal für Aufsehen. Warum hängen wir uns einen Arsch an den Rathausturm?
Ich zitiere den Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) vom 2. April 2019 dazu: „Das ist ein ganz beliebtes Motiv gewesen“, sagt der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings. „Dabei ging es darum, der Obrigkeit quasi den Arsch hinzuhalten. Mit derber, zur Schau gestellter Sexualität sollte gezeigt werden, dass einem die Moral- oder auch Ordnungsvorstellungen der Obrigkeit wurscht waren.“ Derart spöttische Kommentare wurden von der Staatsmacht – in diesem Fall vom Kölner Stadtrat – durchaus toleriert, ähnlich wie etwa auch im Karneval. – Ende des Zitates.
Das Original dieser Figur hängt dort laut KStA seit dem Jahr 1410. Der Rat der reichen, stolzen Handelsstadt baut im ab dem Jahr 1407 ein Symbol der bürgerlichen Macht, einen der höchsten Profanbauten seiner Zeit und „toleriert“ etwas an seinem Aussehen? Das kommt mir komisch vor.
Der nackte Hintern ist ein „Narrenspiegel“ aus dem Mittelalter. Schon die Darstellung einer nackten Person gilt in dieser Zeit als ein Hinweis auf die Todsünde „Wollust“. Da kann man nicht drüber streiten. Ich finde aber nicht, dass es erklärt, warum der Rat der Stadt das unter der sonst korrekten Darstellung von Konrad von Hochstaden „toleriert“. Selbst wenn er, wie viele Kirchenfürsten, alles andere als ein „sittsames“ Leben führt, ist er die höchste geistliche und weltliche Macht der Stadt.
Konrad von Hochstaden ist von 1238 bis zu seinem Tod 1261 der Erzbischof von Köln. Ihm verdankt die Stadt den Bau des Domes im Jahr 1248 und das Stapelrecht im Jahr 1259, das Köln reich macht. Da „toleriert“ man einen Narren unter seiner Figur, der sich offensichtlich einen bläst?
Die Interessen der Stadt werden im Jahr 1410, recht neu durch die Zünfte, die Handwerker der Stadt, vertreten. Der neue Reichtum macht sie stolz und arrogant. Da wird nichts „toleriert“.
Zuerst läuft es ja ab 1238 prima mit Konrad von Hochstaden. Er ist bestrebt, sein Erzstift zu erweitern und wird von den Kölnern unterstützt. Diese erhalten dafür das Privileg, das Kölner innerhalb der Stadt nur von Kölner Schöffen verurteilt werden dürfen und auch den Bierpfennig, eine einträgliche Steuer.
Im Jahr 1252 macht Konrad von Hochstaden aber einen bösen Fehler: er lässt minderwertige Münzen schlagen, durch die die Kölner Kaufleute ihren Wohlstand bedroht sehen. Es eskaliert, bis Konrad die Stadt beschießen lässt. Der prominente Dominikaner-Mönch Albertus Magnus schlichtet im „kleinen Schied“ im selben Jahr.
Das hält nicht lange. Der bewaffnete Konflikt bricht bald wieder aus. In Frechen kommt es zur Schlacht, in der Konrad von Hochstaden verliert. 1258 wird ein Waffenstillstand vereinbart und der „große Schied“ wieder durch Albertus Magnus gesprochen. Der Stadt werden in der Innenverwaltung viel weitergehende Rechte eingeräumt, aber Konrad von Hochstaden formell als Herr der Stadt in geistlichen und weltlichen Dingen mit wichtigen Kontrollfunktionen belassen.
Ein Jahr später lässt er sich seine Rechte bestätigen. Und weil die Kölner nicht so wollen wie er, spielt er die Zünfte gegen die Patrizier aus und setzt sich wieder mit Waffengewalt dann doch durch.
Ich glaube, man darf sagen, der Narrenspiegel wird da nicht „toleriert“, sondern hängt da aus voller Absicht und soll sagen „Blas dir einen“. Das darf man mal nicht unterinterpretieren.
Michael
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Dä Aasch vum Rodhuusturm – sorg immer widder ens för Opsinn. Woröm hänge mer uns ene Aasch an der Rodhuusturm?
Ich zitiere der Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) vum 2. April 2019: „Das ist ein ganz beliebtes Motiv gewesen“, sagt der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings. „Dabei ging es darum, der Obrigkeit quasi den Arsch hinzuhalten. Mit derber, zur Schau gestellter Sexualität sollte gezeigt werden, dass einem die Moral- oder auch Ordnungsvorstellungen der Obrigkeit wurscht waren.“ Derart spöttische Kommentare wurden von der Staatsmacht – in diesem Fall vom Kölner Stadtrat – durchaus toleriert, ähnlich wie etwa auch im Karneval. – Engk vum Zitat.
Et Orgenal vun dä Figur hängk do zick 1410, säht der KStA. Der Rod vun der gesalvte un stolze Handelsstadt baut av dem Johr 1407 e Symbol vun der bürgerliche Maach, eine vun de hühste Profanbaute singer Zigg un „tolereet“ jet am Ussinn? Dat kütt mer ärg komisch vür.
De bläcke Fott es ene „Narrespeegel“ usem Meddelalder. Ald die Darstellung vun ener nackige Person gild en dä Zigg als ene Hinwies op die Dudsünd „Rösigkeit“. Do kann mer nit drüvver strigge. Ich finge ävver nit, dat et klor mäht, woröm der Rod vun der Stadt dat unger dä söns korrekte Darstellung vum Konrad vun Hochstaden „tolereet“. Selvs wann hä, wie vill Kirchefööschte, alles andere wir e „sittsam“ Leeve föht, es hä de hühste geisliche un weltliche Maach vun der Stadt.
Der Konrad vun Hochstaden es vun 1238 bes zo singem Dud 1261 der Ääzbischoff vun Kölle. Im verdank de Stadt dä Bau vum Dom em Johr 1248 un et Stapelrääch em Johr 1259, dat Kölle rich mäht. Do „tolereet“ mer ene Jeck unger singer Figur, dä sich, wie et ussüht, eine blös?
Die Belange vun der Stadt weede em Johr 1410 rääch neu vun de Zünf, de Arbeidslück vun der Stadt, vertrodde. Dä neue Richdum mäht se huffäädig un huhpöözig. Do weed nix „tolereet“.
Zoeesch läuf et jo av 1238 prima mem Konrad vun Hochstaden. Hä deit alles doför, singe Ääzsteff uszebaue un weed vun de Kölsche ungerstütz. Die erhalde doför et Sonderrääch, dat Kölsche benne vun der Stadt nor vun kölsche Schöffe verurdeilt weede dürfe un och der Bierpenning, en Stüür, die ööntlich Moppe brängk.
Em Johr 1252 mäht der Konrad vun Hochstaden ävver ene fiese Fähler: hä lööt Münze schlage, die Tinnef sin un durch die de kölsche Kauflück ehre Richdum bedroht sinn. Et eskaleet, bes der Konrad de Stadt bescheeße lööt. Dä bekannte Dominikaner-Klusterbroder Albertus Magnus deit dö Strigg em selve Johr em „kleine Schied“ schlichte.
Dat häld ävver nit lang aan. Dä Strigg met Waffe brich baal widder us. En Freche kütt et zor Schlaach, en dä der Konrad vun Hochstaden et Nohsinn hät. 1258 weed ene Waffenstellstand usgemaht un der „große Schied“ widder vum Albertus Magnus gesproche. Der Stadt weede en der Enneverwaltung vill wiggergehende Räächte engeräump, ävver der Konrad vun Hochstaden formell als Häär vun der Stadt en geistliche un weltliche Saache met wichtige Kontrollfunktione belooße.
Ein Johr späder lööt hä sich sing Räächte bestätige. Un weil de Kölsche nit su wolle wie hä, spillt hä de Zünf gäge de Patrizier us un setz sich met Waffegewalt dann doch durch.
Ich gläuve, mer darf sage, der Narrespeegel weed do nit „tolereet“, sondern hängk do us voller Avsich un soll sage „Blos der jet“. Dat darf mer nit ungerinterpreteere.
MechelLeer más
Die Agnetenschule in der Mittelstraße
11 de junio de 2020, Alemania ⋅ ☁️ 17 °C
Die Agnetenschule in der Mittelstraße
Gestern saß ich in der Mittelstraße in einem Cafe, relaxte etwas, schaute mich um, und was entdecke ich? Eine Tafel mit einem Hinweis auf eine Schule. Klar, längst vergangene Zeiten. Hier auf dieser Straße regiert heute der Kaufrausch. Gut versteckt haben sie diese Tafel, halb in einem Hauseingang. Aber ich wäre kein Kölschgänger, wenn mir diese Tafel entgangen wäre. Nun ist natürlich meine Neugierde geweckt. Also erstmal lesen, was auf der Tafel steht, Bild machen, hektisch meinen Kaffee runterspülen und im Netz nach Informationen suchen. Bei solchen Entdeckungen geht mir der Gaul durch, irgendwann mal danach schauen geht nicht. Das muss jetzt sein.
Aber beim „Googeln“ die Ernüchterung, bekomme immer den Vorschlag „Agentenschule“. Im Netz ist so gut wie nichts zu finden. Also alles an Literatur aus dem Regal und Bücher wälzen. Am Ende ist es nicht allzu viel, was ich finden konnte, aber immerhin einiges.
Denken wir uns also ins Köln des Jahres 1814, es ist der Umbruch von der französischen zur preußischen Zeit in Köln. Die Zustände in der Stadt sind alles andere als gut, sehr schön hat es der Kölner Bankier Abraham Schaafhausen ausgedrückt, „Jesses, Maria, Josef, do hierode mer ävver en ärm Familich“.
Die sozialen Zustände in dieser Zeit waren schlecht, es mangelte an allem. Pfarrer Geistmann, an St. Aposteln tätig und gleichzeitig Mitglied der städtischen Armenverwaltung, forderte deshalb die Gründung von „Unterrichtsanstalten für arme Mädchen von 9 bis 14 Jahren in Köln. Durch ihn entstand die Stiftung der Agnetenschule im Jahre 1826. Bis ins Jahr 1841 war die Schule an der Ecke Neumarkt/Gertrudenstr. untergebracht, ehe sie in die Mittelstraße verlegt wurde. Im Jahre 1878 musste die Schule aufgegeben werden, aber ihr Vorstand existierte weiter und verwaltete die Vermögenswerte der Stiftung.
Dann, wir schreiben das Jahr 1891, richtete sich der Vorstand in einem Schreiben an den Kölner Erzbischof und bat um die oberhirtliche Genehmigung, die Agnetenschule wieder eröffnen zu dürfen. Damit die Chancen dazu besser standen, schlug der Vorstand vor, dass Dominikanerinnen die Leitung übernehmen sollen und dort eine Niederlassung zu gründen sei. Durch diesen klugen Schachzug wurde die Eröffnung der Agnetenschule erreicht. Die Schule wuchs beständig und schon bald mussten weitere Gebäude zugekauft werden. Die Anzahl der Schüler und des Personals wurde immer größer. Wurden 1892 „die alleinstehenden weiblichen Personen, die Armenküche, das Taubstummenkinderheim, die Handarbeitsschule, der Kindergarten und das Altersheim“ von fünf Schwestern betreut, so wuchs ihre Anzahl bis 1933 auf 30 Schwestern an. Also eine Erfolgsgeschichte. Spannend finde ich auch, welche „Abteilungen“ es in der Agnetenschule gab. Was für Zeiten.
Bereits 1897 war mit dem Bau eines Klosters mit Hauskapelle, Beetsaal, Schule, Schlaf- und Wohnräumen begonnen worden. Nebenbei wurde in Braunsfeld das Dreifaltigkeitskloster –und Krankenhaus gebaut, welches 1906 als Außenstelle des Agnetenstiftes eingerichtet wurde.
1935 wurde die Schule von den Nazis geschlossen und am 31.05.1942 brannte das Gebäude nach dem Beschuss mit Brandbomben aus. Der Luftschutzkeller allerdings blieb erhalten und sollte 1944 für 71 Menschen zur Todesfalle werden.
Im Jahre 1962 wurde das Richtfest für den Neubau an dieser Stelle gefeiert, Seitdem trägt diese Häusergruppe den Namen „Agnetenhof“. Auch wurde eine bronzene Gedenktafel angebracht. Vom Portal der Apostelkirche wurde ein „Gewändekämpfer“ über der Platte ins Mauerwerk eingelassen. So wird bis heute auf die Verbindung der Agnetenschule zur Apostelkirche hingewiesen. Auf diesen Kämpfer bezieht sich auch der erste Satz des Gedenktextes.
Eigentlich eine längst vergessene Geschichte aus dieser Stadt. Ich bin froh, diese Tafel entdeckt zu haben und konnte so mit diesem Beitrag die Erinnerung an ein altes Stück Köln wieder aufleben lassen. Auch dafür stehen wir Kölschgänger, und darauf sind wir stolz.
Bleibt neugierig und wachsam
euer RonaldLeer más
Ein etwas anderes Köln
9 de junio de 2020, Alemania ⋅ ☁️ 17 °C
Ich bin unterwegs in Köln, wie schon so oft und gerne. Mein Weg führt mich diesmal nun zu einem weiteren "Heiligtum" der Kölner: dem Müngersdorfer Rhein-Energie-Stadion. Ich bin jetzt nicht unbedingt DER Fussballfan schlechthin, aber ich muss sagen, dieser Anblick, wenn man so direkt vorm Stadion steht, hat was. Zumal ich das Ganze in Ruhe genießen kann.
Es ist heiß, ich hab wohl für meinen Besuch hier einen der heißesten Tage überhaupt erwischt. Die Rasenflächen rechts und links von mir werden auch unablässig mit Wasser besprengt.
Ins Stadion direkt rein kann ich zwar nicht, aber immerhin habe ich einen Blick durch eine Absperrung auf das Spielfeld erhaschen können, wo gerade der Rasen für die kommende Saison verlegt wird. Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass es hier während der Saison zuweilen weit weniger beschaulich und sehr viel lauter zugeht, deshalb nutze ich meinen Besuch dort, und kann mich etwas genauer umsehen rund um das Stadion. Wie gesagt, in aller Ruhe.
Bei diesen Temperaturen ist man allerdings froh, irgendwann ein schattiges Plätzchen zu finden und so setze ich meinen Spaziergang fort. Den hinteren Teil des Stadions im Rücken liegt ein Waldgebiet vor mir und das wirkt direkt einladend, um mal aus der Sonne zu kommen. Zu überqueren ist dazu nur die Junkersdorfer Straße, dann sehe ich rechts noch ein Gelände, wo trotz der sengenden Hitze trainiert wird. Etwas weiter liegt dann links der Club Astoria, ein beliebtes Ausflugslokal.
Ich gehe noch einige Meter weiter und mir eröffnet sich ein Panorama, was ich hier so nicht erwartet habe. Ich stehe am Ufer des Adenauer Weihers und habe plötzlich überhaupt nicht mehr das Gefühl, mich mitten in einer Millionenstadt zu befinden. Für mich persönlich ist Köln sowieso nicht die typische Großstadt, aber mehr schreibe ich dazu jetzt nicht, sonst gerate ich wieder zu sehr ins schwärmen. Und hier geht es ja jetzt gerade mal um dieses herrliche Fleckchen Erde. Kaum vorstellbar, dass sich quasi hier um die Ecke das Rhein-Energie-Stadion befindet, dessen Lautstärkepegel während eines Spiels hier vielleicht noch abgeschwächt zu hören sein mag, trotzdem ist das hier eine ganz andere Welt.
Im Schatten auf einer Bank sitzend, genieße ich einfach nur noch den Ausblick auf das Wasser, eingerahmt von Bäumen. Hin und wieder verirren sich hier Jogger oder Radfahrer, die ihrem Bewegungsdrang trotz der hohen Temperaturen nicht widerstehen können. Ansonsten herrscht hier nur Stille. Ein Ort zum ausruhen. Ein Ort, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen und Kraft zu tanken. Denn wo geht das besser als in der Natur und noch dazu in so schöner wie hier.
Entstanden ist dieser Weiher, der im östlichen Teil des Stadtwaldes liegt, und seinen Namen dem damaligen Oberbürgermeister der Stadt Köln, Konrad Adenauer, verdankt, übrigens in den 1920er Jahren, als der Stadtwald erweitert wurde. Adenauer setzte während seiner Amtszeit von 1917 bis 1933 sehr viel daran, Orte zur Erholung zu schaffen.
Rund um den über fünf Hektar großen Weiher, der am Rand des Stadtteils Lindenthal liegt, führt ein Weg, der sich perfekt für einen ausgedehnten Spaziergang eignet.
Und genau das werde ich nächstes Mal mal machen. Wenn es nicht mehr so heiß ist...Leer más
Das Eigelsteintor
8 de junio de 2020, Alemania ⋅ ☀️ 17 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
Das Eigelsteintor
Hi ihr Lieben,
heute möchte ich euch ein wenig vom Eigelsteintor erzählen. Natürlich gibt es darüber noch viel mehr zu berichten, aber ich habe euch mal ein paar interessante Fakten zusammen- getragen.
Das Eigelsteintor ist das Nordtor der mittelalterlichen Stadtmauer. Ab 1180 erbaut und 1881 abgerissen, war dies die römische Verbindung zwischen den beiden alten Städten Neuss und Xanten und weiter in die südlichen Niederlande. Die Stadtmauer war ein starkes Bollwerk und die stärkste Befestigung nördlich der Alpen. In einer Nische des Tores steht ein Abguss des „kölschen Boor“. Er wurde 1891 als Symbol der Treue der Kölner zu ihrem Kaiser Wilhelm II. aufgestellt. Aber erst mit dem Dreigestirn wurde der „kölsche Boor“ wirklich populär. Das Original steht heute im Rathaus.
Im Turmbogen hängt ein halb zerschossenes Schiffswrack, das an den Untergang der „Cöln“ im Seegefecht 1914 erinnern soll. Damals starben 379 Matrosen. Am Jahrestag findet hier immer eine Gedenkfeier statt. Ebenfalls hängt hier, wie an vielen Orten in Köln, das Stadtwappen. Aber was hat es damit eigentlich auf sich? Die Erklärung: Es hat die Farben rot und weiß, die Farben der Hanse. Die Hanse war eine Vereinigung der Kaufleute zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert. Was heute kaum noch jemand ahnt, Köln war zusammen mit Lübeck Mitbegründer eben dieser Hanse und zählt damit zu den ältesten deutschen Hansestädten.
Die drei Kronen im Wappen stehen für die heiligen drei Könige, denn ihre Reliquien wurden 1164 nach Köln gebracht und liegen im goldenen Schrein des Kölner Doms. Seit dem 12. Jahrhundert sind die drei Kronen das Hoheitszeichen unserer Stadt.
Die elf schwarzen Flammen sind seit dem 16. Jahrhundert im Kölner Stadtwappen zu finden. Sie erinnern an die Heilige Ursula. Eigentlich sollten die Flammen Hermelinschwänze darstellen, da diese im Wappen der Bretagne auftauchen, denn Ursula war eine bretonische Prinzessin.
So, das waren mal einige Fakten zum Eigelsteintor. Habt einen schönen Tag.
Euer RonaldLeer más
Der Ort am Grabhügel
7 de junio de 2020, Alemania ⋅ ⛅ 15 °C
Der Ort am Grabhügel
Diesmal machen wir eine kleine Exkursion nach Köln-Libur.
Libur bedeutet soviel wie "am Grabhügel liegend" oder einfach "am Grabeshügel".
Wenn man nun bedenkt wie klein Libur einst war, dann reicht ja auch ein Grabhügel. Doch diese gibt es dort schon lange nicht mehr. Dafür hat das Dorf im Jahre 1650 bereits einen Kirchhof an der Stelle, wo heute die Kirche St. Margareta direkt nebenan steht.
Die alte Friedhofsmauer fällt einem sofort ins Auge, wenn man dort entlang geht. Macht natürlich neugierig. Erkennt man doch gleich der Friedhof sieht aufgegeben, ja offengelassen aus. Da steckt doch garantiert Geschichte drin.
Nun gibt es auf jeden Fall auch einen neuen Friedhof in Libur. Denn Libur hat auch ein Neubaugebiet. Ist also nicht mehr ganz so klein.
Doch was ist denn das für ein Gedenkstein für Hannah? Der ist doch erst ein paar Jahre alt. Überhaupt sieht das hier doch sehr gemischt aus. Kindergräber? Oder doch nicht?
So traurig es klingt, es ist eine Besonderheit, die es für Libur, welches ja zum Amt Porz gehört, erstmals auch nur dort gab.
Es nennt sich Sternenfeld und ist eine Art Gedenkstätte für "Sternenkinder", die vor ihrer Geburt bereits verstorben sind. Eine Stele steht dort, die ein wenig Licht ins Dunkel bringt, jedoch auch schon bessere Tage gesehen hat. Wie das ganze Sternenfeld, welches dringend einer Restaurierung bedarf. Doch wie so oft, dafür fehlen die notwendigen finanziellen Mittel und so gammelt wieder ein altes Stückchen "Köln" dahin. (Fotos)
Zugegeben, auch Verfall hat seine Reize, doch irgendwie ist mir gerade beim Anblick des Sternenfeldes doch etwas traurig ums Herz geworden.
Etwas imposanter präsentiert sich das Barockkreuz, welches einem direkt ins Auge fällt.
Natürlich fehlen auch Grabstellen von ehemaligen Priestern nicht.
Und ein Rundblick zeigt noch viele alte Grabsteine, die einfach an der Mauer lehnen. Vielleicht ja auch, damit der Rasen irgendwann einmal gemäht werden kann.
St. Margareta liegt übrigens am Kulturpfad Porz, was dem Kulturwanderer dann ja auch einen Blick auf den alten Friedhof werfen lässt.
Und sonst so? Libur hat eine Tradition. Es wird ein Maipaar gekürt. Heute sah ich dann auch per Zufall wer das Paar vom letzten Jahr war. Das Schild der Maikönigin und des Maikönigs, hing dem Haus am Friedhof genau gegenüber. (Foto) Organisiert wird das Ganze vom Jungesellenverein St. Michael, 1946 e. V.
Eine weitere Besonderheit ist der Margaretenhof. Einst ein typischer Bauernhof mit Acker und Viehzucht, ist er seit knapp 12 Jahren der erste Hof Kölns gewesen, der eine Biogasanlage errichtet hat. Diese wurde vor 3 Jahren sogar erweitert.
Der Margaretenhof wird seit 1899 von der Familie Bulich bewirtschaftet, die den Hof von Familie Eltz-Rübenach gepachtet hat. Somit ist der Hof eine weitere Sehenswürdigkeit in Libur.
Und da lebt noch etwas anderes..... Schaut mal auf die Fotos.
Solltet ihr also einmal Libur anschauen, dann denkt an diesen Beitrag. Libur ist ein Kleinod, welches man kaum kennt.
Und bevor ich es vergesse, Libur hat einen großen Golfplatz, an der anderen Seite, hinter den Äckern. Dieser war Drehort in der TV Serie "Mord mit Aussicht", in der Folge "Tod am 18.Loch".
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Leer más
Scholastika Bolz - et Bolze Lott
6 de junio de 2020, Alemania ⋅ ⛅ 14 °C
Scholastika Bolz, meist nur „Bolze Lott“ genannt, ist eine von den Originalen, die es mir angetan haben. Es ist nur kniffelig über sie einen „schönen“ Beitrag zu machen. Von den kleinen Leuten auf der Straße, die schon lang gestorben sind, ist oft nicht mehr viel zu finden. Es gibt kein Foto, keine Statue und selbst die Stellen in Köln, an der sie gelebt haben, sind weg.
Scholastika Bolz wird am 8. Dezember 1825 in Köln geboren. Der Vater ist ein Rheinarbeiter und die Sorte Mann, die den Lohn eher in der Wirtschaft abliefert, als dass er diesen nach Hause bringt. So lernt die kleine Scholastika in der Kostgasse ihr Leben kennen. Übrigens, „Scholastika“ heißt auf Deutsch „die Schülerin“. Ein Foto der Kostgasse, wie sie heute ist, habe ich Euch beigefügt. Wusstet Ihr, dass der stinkende Streifen am Bahnhof eine alte Straße ist, in der einmal Menschen gelebt haben? Der Bahnhof wurde ja erst ab 1857 gebaut.
Johann Friedrich Steinhausen, der Kerl, den Lotte 1846 heiratet, ist kein bisschen besser. Er ist auch „Rhingroller“ und hat einen Ruf als Raufbold und kommt kurz nach der Hochzeit ins Gefängnis. Ein paar Tage später stirbt er in der Anstalt in Brauweiler und Lotte ist mit 22 schon Witwe.
Um an Geld zu kommen, versucht Lotte als Kerzenmuhme - „Kääzemöhn“ - zu arbeiten. Kerzenmuhmen sind meist alte Frauen, die ein paar Groschen für eine Kerze bekommen, die sie in einer Kirche aufstellen und für den beten, der keine Zeit aber Geld hat. Lotte versteht nicht so ganz, dass sie auch Kerzen kaufen und beten soll, wenn ihr jemand Geld gibt. Dabei hat sie auch einen Ton wie die Hanfenarbeiter am Leib. Als ein Priester, der es gut mit ihr meint, im Winter fragt „Haben sie schon etwas bekommen?“, sagt sie
„Ja, einen kalten Arsch!“. Als „Kääzemöhn“ hat man so keine Zukunft.
Aber sie ist auch gerissen. 1856 tun die Preußen ihr den Gefallen und führen eine „Mahl- und Schlachtsteuer“ ein. Zudem kommt eine neue Mode aus Paris auf: Röcke mit einer „Krinoline“. „Krinolinen“ sind die großen Reifen, die den Stoff vom Rock weit von den Beinen halten. Ich denke da immer an „Sissi“-Filme. Ich darf Euch nur das Foto vom Frauen-Brunnen bieten. Dieses zeigt keine Krinoline, aber eine Preußin, kurz bevor die Mode aufkommt. Eines ist aber klar: darunter kann man viel verstecken. So wird „Bolze Lott“ Schmugglerin. Sie soll viel am Tor der Markmanngasse „gearbeitet“ haben. Dort ungefähr, wo wir heute feiern, steht zu der Zeit eine Brücke aus Nachen nach Deutz.
Zöllner sind aber allgemein nicht dumm. Es ist schwer, mit so einem Teil am Kleid zu gehen. Wenn du kiloweise Mehl und Fleisch unten an der Krinoline hängen hast, wird es nochmal schwerer. Natürlich sehen die Zöllner, dass da etwas nicht passt. Aber wenn sie Lotte aufhalten oder gar anfassen, um nachzugucken, schreit und schimpft die hochaufgeschossene Frau, die früh keine Zähne mehr im Mund hat und gern mal etwas nach billigem Schnaps riecht. Zur der Zeit ist es für Männer genauso unmöglich wie heute, einer Frau unter den Rock zu gucken. Nur heute haben wir Frauen, die das erledigen. Damals gibt es sie nicht. Und Lotte ist hinterhältig! Manchmal tut sie nur so, als ob sie schwer bepackt wäre. Dann lässt sie die Zöllner gewähren und nachschauen – nur um noch mehr zu schimpfen, wenn die Männer feststellen, dass sie hinters Licht geführt sind. Sie wissen nicht, was zu tun ist, um sie dranzukriegen. – Verarscht fühlt sich „Bolze Lott“ selbst nur 1874, als die Preußen die Steuer wieder abschaffen…
Von der Stunde an, geht sie auf Wanderschaft, um vor Kirchen, auf Kirmessen, an Häusern und in Wallfahrtsorten mit Kerzen und allerlei Kleinkram zu handeln. Man muss dazu wissen, dass sie dabei auch nicht anders kann, als zu schimpfen und die Leute zu beleidigen. So wird sie auch im Umland bekannt. Fragt mal in Sechtem nach! Dort ruft sie einem Pastor, der nichts kaufen möchte, nach einer Schimpftirade noch „Pfaffengut – Raffgut, Teufel halt den Sack auf!“ nach.
Aber alt wird sie, wenn man an dieses Leben denkt, 76 Jahre. 1902 stirbt sie in der „Große Spitzengasse“ in der sie zuletzt wohnt. Die „Große Spitzengasse“ lag da, wo heute die „Tel-Aviv-Straße“ ist. Diese ist ein Teil der Nord-Süd-Fahrt. Für das Foto habe ich mich an den Ort gestellt, an dem diese Gasse vermutlich auf die „Kleine Spitzengasse“ traf, die es heute noch gibt.
Auch wenn von „Bolze Lott“ keine Spur mehr zu finden ist, weil kaum noch etwas wie damals aussieht, muss man sagen, dass doch das Eine überlebt hat: die Geschichten, die wir uns über das echte Original erzählen und das Nachdenken über „Bolze Lott“.
Michael
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Et Scholastika Bolz, miets nor et „Bolze Lott“ genannt, es ein vun de Orgenale, die et mir aangedon han. Et es nor diffisil, üvver it ene „schöne“ Beidrag zo maache. Vun dä klein Lück op der Stroß, die ald lang dud sin, es off et nit mih vill ze finge. Et gitt off kei Fotto, kein Statue un selvs die Stelle en Kölle, wo se geläv han, sin nit selde fott.
Et Scholastika Bolz weed am 8. Dezmber 1825 en Kölle gebore. Der Papp es ene Rhingarbeider un die Zoot Mann, die der Luhn ihter en der Weetschaff avlivvere, wie dat hä dä noh Hus bränge. Su liert et klei Scholastika en der Kostgass si Levve kenne. Üvvrigens, „Scholastica“ heiß op Deutsch „die Schülerin“. E Fotto vun der Kossgass wie se hügg es, han ich üch beigedon. Hat ehr gewoss, dat dä möffelige Striefe am Bahnhoff en aal Stroß es, wo ens Minsche geläv han? Der Bahnhoff woodt jo eesch av 1857 gebaut.
Der Johann Friedrich Steinhausen, dä Kääl, dä et Lott 1846 hierod, es kei bessche besser. Hä es och Rhingroller, hät ene Rof als Schlagdrop un kütt koot noh der Huhzigg en de Blech. E paar Dag drop kratz hä en der Aanstalt en Brauwieler av un et Lott es met 22 Johr ald Witfrau.
För an Geld ze kumme, versök et Lott als Käazemöhn zo arbeide. Kääzemöhne sin miets aal Fraue, die e paar Grosche för en Kääz krige, die se en ener Kirch opstelle un för dä bedde, dä kei Zigg ävver Nüsele hät. Et Bolze Lott versteiht dat nit esu ganz, dat et och Kääze kaufe un bedde soll, wenn im einer Geld gitt. Dobei hät et och noch ene Ton am Liev, wie de Rhingroller selver. Wie ene Priester, dä et god meint , em Winter frög „Hatt Ehr ald jet kräge?“, säht et „Eja, en kaal Fott!“. Als Kääzemöhn hät mer esu kein Zokunf.
Ävver et es och gewief. 1856 dun de Preuße im dä Gefalle un föhre en „Mohl- un Schlaachstüür“ en. Zodäm kütt en neu Mode us Paris op: Röck met ener „Krinolin“. „Krinoline“ sin die große Reife, die der Stoff vum Rock wigg vun de Bein halde. Ich denk do luuter an „Sissi“-Filme. Ich darf Üch nor et Fotto vum Fraue-Brunne beede. Dat zeig kein Krinoline, ävver ene Preußin, koot bevür die Mode opkütt. Eins es ävver klor: dodrunger kann mer vill versteche. Su weed et Bolze Lott Schmugglerin. Et soll vill an der Pooz an der Markmannsgass „gearbeidt“ han. Do ungefähr, wo mer hügg fiere, steiht zo dä Zigg en Bröck us Naache noh Düx.
Zöllner sin ävver allgemein nit doof. Et es schwer, met su enem Deil am Wöbche ze gonn. Wann do killowies Mähl und Fleisch unge an su ener Krinolin hänge häs, weed et noch ens schwerer. Natörlich sinn die Zöllner, dat do jet nit pass. Ävver wann se et Bolze Lott ophalde ov esugar aanpacke för nohzeluure, schreit un krakeelt die huh opgeschosse Bunnestang, die fröh kein Zäng mih em Mungk hät un gään ens jet noh Schabau rüch. Zo dä Zigg es et för Kääls genausu unmöglich wie hügg, ener Frau unger der Rock ze luure. Nor hügg han mer Frauminsche, die dat erledige. Domols gitt et die nit. Un et Bolze Lott es verschlage! Mänchmol deit et nor esu, wie wann et schwer bepack wör. Dann lööt et de Zöllner gewähde un nohluure - nor för noch mih zo schänge, wann die Kääls fasstelle, dat et se för der Jeck gehalde hät. Se wesse nit, wat zo dun es, för et draanzekrige. – För der Jeck gehalde föhlt sich et Bolze Lott selver nor 1874, wie de Preuße die Stüür widder avschaffe…
Vun dä Stund an, geiht et op Wanderschaff öm vür Kirche, op Kirmesse, an Hüüser un en Pilgeroote met Kääze un allerlei Fickfacktätcher ze handele. Mer muss dobei wesse, dat et dobei och nie anders kann, wie ze schänge un de Lück eine enzescheppe. Su weed et och em Ömland bekannt. Frogt ens för e Beispill en Sechtem noh! Do röf et ene Pastur, dä nix kaufe well, noh ener Schängerei noch „Paafgod – Raafgod, Düüvel hald der Sack op!“ noh.
Ävver ald weed et, wann mer an dat Levve denk, 76 Johr. 1902 stirv et en der „Große Spitzengasse“, wo et zoletz wonnt. De „Große Spitzengasse“ log do, wo hügg de „Tel-Aviv-Stroß“ es. Die es e Deil vun der Nord-Süd-Faht. För dat Fotto han mich an dä Oot gestellt, wo die Gass vermodlich op de „Kleine Spitzengasse“ getroffe es, die et hügg noch gitt.
Och wann vum Bolze Lott kein Spor mih ze finge es, weil och kaum jet ussüht wie dozomol, muss mer sage, dat doch dat Eine üvverläv hät: die Kreppcher, die mer uns üvver dat ech Orgenal verzälle un jet üvver et Bolze Lott simeliere.
MechelLeer más
Der Märchenbrunnen in Mülheim
4 de junio de 2020, Alemania ⋅ 🌧 15 °C
Direkt am Rand des Mülheimer Stadtgartens steht dieser herrliche Brunnen. Großzügig gestaltet ist die Anlage, wunderbar mit Sitzgelegenheiten. Das ist mir als erstes aufgefallen, eine richtige Oase.
Es ist ein Werk des Kölner Bildhauers Wilhelm Albermann. Warum er den Brunnen als Märchenbrunnen bezeichnet, konnte ich leider nicht herausbekommen, vielleicht können da alteingesessene Mülheimer helfen. Von vielen wird dieser Brunnen als „Tierbrunnen“ bezeichnet, und tatsächlich sind auch viele Tiere zu sehen. Ja, in den Zoo würde er auch sehr gut passen und dort zweifellos mit dem Namen Tierbrunnen durchgehen.
Ich setze mich also auf eine der Bänke und lasse den Brunnen auf mich wirken. Den Mittelpunkt des Brunnens macht eine aus Bronze gegossene Gruppe spielender Jungen aus. Schön, wie die Burschen so erhöht auf einem Sockel stehen. Vielleicht liegt da der Bezug zum Thema Märchen. Ich sehe schon, das wird mich noch beschäftigen.
Aber nun zurück zu dem, was man sehen kann. Unten steht ein großes achteckiges Becken, der Rand ist schön abgerundet und leicht verziert. Aus diesem Becken erhebt sich eine Schale und in ihr steht ein hoher Brunnenstock mit einer sich balgenden Gruppe Kinder.
Drei Jungen stehen auf schilfartigem Gewächs, einer hält eine Muschel in die Höhe, nach der ein anderer Bursche greift. Mit der anderen Hand hält er eine Ente fest. Der dritte Knabe hält sich am Schilf fest, während er versucht, sich auf einen Fisch zu setzen. Jedenfalls sieht es für mich so aus. Einige kleinere Tiere fungieren als Wasserspeier, ebenso wie im unteren Bassin vier Tiere auf Sockeln. Dies sind ein Seehund, eine Schildkröte, eine Echse und ein Fischotter.
Der Brunnen wurde 1914, wie bereits erwähnt, von Wilhelm Albermann aus Sandstein geschaffen. In der Innenstadt die beiden Statuen von Richartz und Wallraf, der Jan-von-Werth-Brunnen auf dem Alter Markt und der Hermann-Joseph-Brunnen am Waidmarkt sind ebenfalls von ihm. Sein Grab befindet sich auf Melaten, aber das nur nebenbei.
Am Brunnen fand ich eine Plakette mit folgendem Text: "Patenschaftsbrunnen der KG Mülheimer Narrenzunft“. Seit Juli 1980 steht dieser Brunnen unter Denkmalschutz. Dankeschön an dieser Stelle an alle Menschen, die ihren Teil beitragen, damit unsere schönen Brunnen weiter bestehen und funktionieren.
Tja, hier stimmt alles, ein schöner großer Brunnen aus dem es plätschert. Sitzgelegenheiten, Bäume, ein Park… Herz, was willst du mehr. Schaut euch dieses herrliche Fleckchen Erde ruhig mal an, es lohnt sich.
Bleibt aufmerksam und neugierig
euer RonaldLeer más
Finstere Zeiten
2 de junio de 2020, Alemania ⋅ ⛅ 24 °C
Finstere Zeiten
Es gab einst eine Zeit, von der man, zumindest teilweise, eine romantische Vorstellung hat. Denn wer kennt sie nicht, die Geschichte von Robin Hood und Lady Marian, die Artussage oder die von Merlin, dem Zauberer.
Wurden uns diese doch oft schon von früher Kindheit an in Form von Filmen oder Büchern in zigfacher Neuauflage präsentiert. Doch schaut man ein wenig hinter die Kulissen, merkt man schnell, dass diese Zeit, das Mittelalter, mit Romantik herzlich wenig zu tun hatte. Im Gegenteil, es war eine oft dunkle Zeit, geprägt von Gewalt und Brutalität. So wie in der Geschichte, die ich euch heute erzähle. In diesem Fall handelt es sich zwar um eine Sage, aber wir wissen ja, dass sich auch bei einer solchen dahinter eine gewisse Wahrheit verbirgt.
Unsere Geschichte trägt sich in der Glockengasse zu. Heute bringt man diese mit „4711“ in Verbindung, dem „Urparfüm“. Damals aber stand diese Gegend für Wohlstand und Ansehen. Doch lest…
Köln, irgendwann im 15. Jahrhundert, in der Nähe von St. Maria im Kapitol…
„Es ist Nacht. Die Hebamme Ida war bereits zu Bett gegangen, als es an ihrer Tür klopfte. Wer konnte das sein? Keine ihrer Schwangeren, die sie betreute, stand unmittelbar vor der Niederkunft. Was also…
Sie ging zur Tür, öffnete diese und erschrak, denn vor ihr standen zwei vermummte Gestalten, die sie schroff aufforderten, ihnen sofort zu folgen und über das, was sie erwartete, niemanden etwas zu erzählen, dann würde sie reichlich entlohnt werden. In keinster Form kam dieses einer Bitte gleich.
Ida hatte Angst, aber ihr blieb keine Wahl. Hebammen gehörten nicht zum angesehenen Volk, vielmehr wurden sie oft genug verdächtigt, Teufelswerk zu betreiben, eine Hexe zu sein. Und viele bezahlten ihren Beruf mit dem Leben.
Sie packte schnell ihre Geburtstasche und ließ heimlich ein Säckchen mit Erbsen in eine Tasche ihres Rockes fallen. Nun bekam sie von den Männern die Augen verbunden, welche sie dann durch die Straßen führten. Unbemerkt ließ Ida alle paar Meter eine Erbse fallen…
Sie waren angekommen. Nachdem die Männer mit ihr in ein Haus gegangen waren, kam noch jemand herein und nahm ihr die Augenbinde ab. Ida fand sich in einem kleinen Raum wieder. In einem Bett lag ein junges Mädchen und die Geburt stand offensichtlich unmittelbar bevor.
Keiner sprach, auch das Mädchen nicht, nur ein herzzerreißendes Weinen war von ihr während der schweren Geburt zu hören.
Es war geschafft. Mit Hilfe der Hebamme hatte das Mädchen einen Jungen zur Welt gebracht. Nachdem Ida das Kind gebadet hatte, und es gerade der jungen Mutter in den Arm legen wollte, fiel ihr Blick auf etwas unter dem Bett. Dort stand ein Sarg. Ida gab dem Mädchen das Kind und ging. Entsetzt wollte sie jemanden suchen, der ihr erklärte, was hier vorging, als ihr plötzlich ein Mann mit einem Schwert in der Hand gegenüberstand. Die beiden Männer, die sie hergebracht hatten, waren Zeugen dieser Begegnung geworden und herrschten Ida an, sie sollte nur Stillschweigen bewahren, sonst…Sie verbanden ihr wieder die Augen, brachten sie nach Hause, bezahlten sie mit Goldmünzen und entfernten sich.
Ida kam nicht zur Ruhe. Als es langsam hell wurde, ging sie der Spur nach, die sie des Nachts mit den Erbsen gelegt hatte. Die Spur endete vor dem Haus einer geachteten Familie in der Glockengasse. Was sollte sie nun tun? Sie ging ein paar Schritte weiter zur Kirche St. Kolumba und fragte dort den Küster, der gerade die morgendliche Messe vorbereitete, ob letzte Nacht jemand im Viertel gestorben und unmittelbar in die Kirche gebracht worden sei. Der Küster erschrak und wollte Ida fortschicken, ohne ihr eine Antwort zu geben. Aber sie war standhaft und beharrte weiter auf einer solchen.
Der Küster nun, ein frommer Mann, kam nicht mehr umhin und zeigte ihr die Tote. Es war das Mädchen von letzter Nacht. Ihr eigener Vater hatte sie enthauptet. Das Kind hatte man erwürgt und bei der toten Mutter gelassen. Ein „Femegericht“ hatte das Mädchen zum Tode verurteilt, weil es nicht verheiratet war, als es schwanger wurde.
Ida ging noch am selben Tag zu Gericht und zeigte das Geschehene an. Der Vater des Mädchens wurde daraufhin selbst zum Tode verurteilt.“
Zur Erklärung: Femegerichte waren geheime Gerichte. Sie „wachten“ über die Einhaltung der Ehre in der Gesellschaft. Ihre Urteile waren oft erbarmungslos.
Daher kann ich mir gut vorstellen, dass es solche Vorfälle wirklich gegeben hat.
Bis bald, eure RamonaLeer más
Große Huldigung a. d techn. Zeitalter
1 de junio de 2020, Alemania ⋅ ☀️ 22 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
Das Kunstwerk „Große Huldigung an das technische Zeitalter“
Ich laufe ja bei meinen Recherchen und Fototouren für die Beiträge in vielen Ecken herum, wo ich wirklich vorher noch nie war und sehe dadurch auf einmal viele Dinge, von denen ich ehrlich gesagt auch nie etwas gehört habe. So eine Wundertüte ist für mich die Kunst im öffentlichen Raum. In Köln steht echt alle paar Meter irgendwo ein Kunstwerk herum, nur dieses zu erkennen, das ist zumindest für mich zugegebenerweise nicht immer ganz einfach.
Oftmals erkenne ich es halt gar nicht als Kunst. So kommt es vor, dass ich jetzt auf einmal über Sachen schreibe, an denen ich seit vielen Jahren vorbeilaufe und erst jetzt darauf aufmerksam werde. So, wie vor kurzem bei den fallenden Büchern, die ich immer für Werbung des Buchladens hielt (peinlich) oder auch jetzt dieses Kunstwerk an der Fassade des VHS-Gebäudes.
Unsere Kölner Volkshochschule ist nach der Münchener VHS die zweitgrößte im Land, und hier direkt am Neumarkt, genauer gesagt im Josef-Haubrich-Hof, finden wir besagtes Kunstwerk. Eigentlich kaum zu übersehen bei einer Größe von
24 x 8 Metern, aber da es nicht irgendwo im Raum steht, sondern die Wand ziert, läuft man schnell daran vorbei.
Hergestellt hat es der italienische Künstler Arnaldo Pomodoro, der 1961 den internationalen Künstlerwettbewerb der Stadt Köln gewann, im Jahr 1964. Pomodoro huldigt hier dem technischen Zeitalter, in dem es normal wurde, komplexe Systeme zu ordnen und zu organisieren. Mit diesem Werk hat Pomodoro versucht, das auszudrücken. Als Material wurde gefärbter Zement und Bronze verwendet.
Schaut es euch ruhig einmal an, wenn ihr beim nächsten Bummel am Neumarkt seid.
Bleibt aufmerksam und neugierig
euer RonaldLeer más
Der umstrittene Wehrturm
31 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☁️ 18 °C
Der umstrittene Wehrturm
Umstritten ist der Wehrturm im historischen Zündorf, jenem Örtchen von Köln-Porz, von dem die einen sagen, es sei ein ehemaliges Fischerdorf, die anderen behaupten, es sei ein Zolldorf.
Besonders strittig ist darum gerade dieser Turm, den ich euch heute vorstellen möchte. Oftmals wird er nämlich Zollturm genannt, was sogar einer örtlichen Apotheke zu ihrem Namen verhalf.
Dabei ist er nie Zollturm gewesen, wie mir Hans Burgwinkel vom Poller Heimatmuseum andernortens glaubhaft versicherte. Es war früher ein Wehrturm, der bereits im 12. Jahrhundert dort gestanden hat. Genutzt wurde er auch als Wohnturm. So dürfte sich wohl manch einer wie auf einer Burg gewähnt haben, wenn er Hab und Gut verteidigen musste. Immerhin wird er trotz Runderneuerung als einer der ältesten Gebäude im Ort gesehen.
Die Höhe des Turmes nebst Säulendach beträgt 20 Meter. Natürlich kann man hier nicht erwarten, noch den Ursprungs Turm zu sehen. Dazu hat es zuviele Kriege gegeben und auch vor Bränden war er nicht sicher. Dennoch war den Zündorfern ihr Wehrturm wohl immer wichtig. So wichtig, dass Graf von Wolff-Metternich 1771 dort sogar ein Herrenhaus errichten ließ. So wurde er mehrfach restauriert und im 19. Jahrhundert Teil der Hofanlage des Gutes Turmhof.
Im Jahre 1972 verkauften die damaligen Eigentümer den Turm an die Stadt Porz, die noch bis 1975 über den Wehrturm frei verfügen konnte. Danach wurde Porz, so natürlich auch Zündorf, in Köln eingemeindet. Doch vorher machten sie aus dem Turm noch ein Heimatmuseum.
Heute würde mir fast übel bei dem Gedanken. Denn das hätte natürlich auch das Ende dieses Turms bedeuten können. Immerhin verursachte er Unterhaltskosten. Da wissen wir ja, es wird dann schnell mal was entfernt. Zunächst sah aber die Stadt Köln anderen Handlungsbedarf und es wurde wieder einmal restauriert und ausgebaut. 1980 wurde dann das "Kölnische Stadtmuseum-Zündorfer Wehrturm" eröffnet. So blieb der Turm den Zündorfern erhalten. Mit der Zeit ließ seine Rentabilität nach. Aber sie waren clever, in dem Dörfchen an der Groov. Ein Förderverein sorgte fortan für den Fortbestand. Kulturprogramme wurden mit ins Boot geholt, Kunstausstellungen, Aufführungen, Lesungen.
Doch eins bleibt noch zu überdenken, die Sache mit dem Zollturm. Irgendein Quentchen Wahrheit muss doch dran sein? Gefunden hab ich z. B. eines, es wurde das Stapelrecht der Kölner geschickt umgangen. Denn die Kaufleute ließen in Zündorf ihre Waren von den Schiffen laden, diese dann über den Landweg weitertransportieren. Vielleicht ist darum die Bezeichnung Zollturm entstanden. Denn irgendjemand muss ja auch an dieser Dienstleistung verdient haben.
So besagt aber eine Quelle des LVR folgendes: Die Grafen von Berg verliehen im 15. Jahrhundett kurzzeitig dem Ort Zündorf einen Rheinzoll, da es Handelsort war. Daraus soll später irrtümlich der Begriff Zollturm für den Wehrturm resultieren. Damit wäre das dann wohl geklärt.
Heute kann man, statt Zollturm oder Wehrturm, eigentlich schon vom Zündorfer Kulturturm sprechen. Eine feste etablierte Adresse in der Kunstwelt. Und dies nicht nur regional, sondern international.
Einen sonnigen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Leer más
Die KD
30 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☀️ 20 °C
Die „Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt GmbH“, kurz „Köln-Düsseldorfer“ und eigentlich sagen wir nur ganz kurz „KD“. Ab und an eine Tour mit einem Bötchen machen, ist doch fein. Zugegeben „Bötchen“ ist untertrieben, das sind Schiffe. Aber: das Sönnchen scheint, man sitzt oben an der frischen Luft, trinkt sich ein Kölsch und lässt das Panorama vorbeiziehen. Göttlich, oder? Da denkt man nicht mehr über solche Fragen nach und lässt sich treiben.
Was mich nur stört, ist der Name. Muss das sein, dass ein Unternehmen, das so fest mit Köln verbunden ist, ausgerechnet „Düsseldorf“ im Namen hat? Ist das nicht eine Strafe? Wie konnte das so kommen? Das wollte ich mal wissen.
Am Anfang eines Unternehmens ist immer ein Mensch, der bestimmt, dass es das Unternehmen jetzt gibt. In diesem Fall ist das Peter Heinrich Merkens. Er lebt von 1777 bis 1854. Geboren wird er in Mülheim am Rhein, das damals noch nicht zu Köln gehört. Der Vater, Matthias Daniel Merkens, war dort Bäcker und evangelischer Diakon. „Reich“ waren sie sicher nicht. Aber ich glaube, ein bisschen Vermögen hatten sie doch, weil der Vater schon im Jahr 1780 stirbt und sein Sohn, Peter Heinrich, trotzdem an einer Handelsschule in Mülheim lernen darf. Das muss man ja erstmal bezahlen können.
Als Peter Heinrich Merkens 14 Jahre alt ist, wechselt er geschickt zum großen Handelshaus Everhard Casper Schüll in Köln und lernt dort weiter. Als der damit fertig ist, fängt er bei Johann Jakob Schüll im Gewürz und Wein-Handel an. Das ist ein wichtiger Schritt für seine Karriere, weil er damit ganz nah beim Gründer des ersten Handelsvorstandes Kölns ist. Der Handelsvorstand ist der Vorläufer der „Industrie- und Handelskammer“. Kurz und gut: aus dem Bäckersohn wird ein Mann mit Einfluss. Er ist ein geschickter Händler. Am Bankhaus Seydlitz & Merkens ist er beteiligt, wie der Name schon sagt. Eine Versicherungsgesellschaft, aus der am Ende die Agrippina-Versicherung wird und auch die Colonia-Versicherung gründet er. Er hat auch die erste Präsidentschaft der neuen Industrie- und Handelskammer und vertritt Köln gegenüber den Preußen im neuen Provinziallandtag in Düsseldorf. Aber das erzähle ich nur, damit man eine Vorstellung bekommt, wer der Mann war, der im Jahr 1825 die „Preußisch-Rheinische Dampfschifffahrt-Gesellschaft“ ins Leben ruft.
Am 1. Mai 1827 fährt mit der „Concordia“ das erste Dampfschiff für diese Firma mit Handelsgut von Köln nach Mainz und schon am 8. Juni 1827 folgt die „Friedrich Willem“. Das Unternehmen wächst rasch und wird ab 1832 an der Kölner Börse notiert.
Dann geschieht etwas, das gefährlich wird: Kaufleute aus Mainz, Elberfeld-Barmen und Düsseldorf wollen 1838 ein Stück vom Kuchen abhaben und gründen 1836 die „Dampfschifffahrtsgesellschaff für den Nieder- und Mittelrhein“. Die Konkurrenz bedeutet Krieg: Wettfahrten auf dem Rhein und Preiskrieg. In den 1840’er Jahren haben die Kapitäne sogar die Schiffe der Konkurrenz gerammt! So kann man nicht vernünftig wirtschaften.
Im Jahr 1853 einigen beide Seiten sich auf eine Betriebsgemeinschaft. Die „Kölnische und Düsseldorfer Gesellschaft für Rhein-Dampfschifffahrt“ teilt sich den Rhein von Straßburg bis Rotterdam auf und beschließt einen gemeinsamen Fahrplan. Im Verlauf der Industrialisierung wollen sich immer mehr Menschen erholen und der Wunsch kommt auf, zum Vergnügen auf dem Rhein fahren zu können. Ab 1867 teilt man sich auch das Geschäft. Mit der „Humboldt“ und der „Friede“ fahren die beiden ersten Schiffe, die nur für dieses Vergnügen da sind.
Nur, das Geschäft mit dem Rhein wird durch den Ausbau von Straßen und Schienen, die ja auch eine Konkurrenz sind, immer schwieriger. So beschließen die beiden Gesellschaften, die ja immer noch voneinander unabhängig sind, im Jahr 1925 die Verwaltung zusammen zu legen und so Kosten zu sparen. Die „Dampfschifffahrtgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein“ aus Düsseldorf geht nun in der „Preußisch-Rheinische Dampfschifffahrt-Gesellschaft“ auf – das ist mir wichtig zu sagen. Seitdem heißt die Firma aber auch „Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt GmbH“.
Man kann jetzt sagen „Siehst du, nur Ärger mit den Düsseldorfern, versuchen sie doch Merkens das Unternehmen zu zerstören.“ oder „Einen guten Kompromiss haben sie da gemacht.“. Es ist egal. Jetzt, wo ich mir das genau erklärt habe, dass die Gesellschaft nicht anders kann, als dieses „Düsseldorf“ im Namen zu haben, macht es mir wieder viel mehr Freude, im Netz nach der nächsten Tour zu gucken.
Michael
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De „Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt GmbH“, koot „Köln-Düsseldorfer“ un eigentlich sage mer nor ganz koot „KD“. Av un zo esu en Tour mem Böötche maache, es doch fing. Zogegovve „Böötche“ es ungerdrevve, dat sin Scheff. Ävver: et Sönnche schingk, mer setz bovve an der fresche Luff, drink sich e Kölsch un lööt et Panorama vürbeitrecke. Göddlich, oder? Do denk mer nit mih üvver su Froge noh un lööt sich drieve.
Wat mich nor stürt, es dä Name. Muss dat sin, dat e Ungernemme, dat esu fass met Kölle verbunge es, usgerechent „Düsseldorf“ em Name hät? Es dat nit en Strof? Wie kunnt dat esu kumme? Dat wollt ich ech ens wesse.
Am Aanfang vun enem Ungernemme es luuter ene Minsch, dä bestemmp, dat et dat Ungernemme jetz gitt. En däm Fall es dat der Pitter Hein Merkens. Hä läv vun 1777 bes 1854. Gebore weed hä en Müllem am Rhing, dat dozomol noch nit bei Kölle gehürt. Der Vatter, der Mattes Daniel Merkens, wor do ene Bäcker un evangelische Diakon. „Rich“ wore se secher nit. Ävver ich gläuve, e bessche jet an de Föß hatte se doch, weil der Vatter ald em Johr 1780 stirv un singe Sonn, der Pitter Hein, trotzdäm an ener Handelsschull en Müllem liere darf. Dat muss mer jo eesch ens berappe künne.
Wie der Pitter Hein Merkens 14 Johr ald es, wähßelt hä gescheck nohm große Handelshuus Everhard Casper Schüll en Kölle un liert do wigger. Wie hä domet fäädig es, fängk hä beim Jan Köbes Schüll em Gewööz und Wing-Handel aan. Dat es ene wichtige Schredd för sing Karrier, weil hä domet ganz noh beim Gründer vum eeschte Handelsvürstand vun Kölle es. Der Handelsvürstand es der Vürläufer vun der „Industrie- und Handelskammer“. Koot un god: us däm Bäckersonn weed ene Mann met Enfloss. Hä es ene Händler met Aki. Am Bankhuus Seydlitz & Merkens es hä beteilig, merk ens jet. En Versicherungsgesellschaff, us dä am Engk de Agrippina-Versicherung weed un och de Colonia-Versicherung gründ hä. Hä hät och de eeschte Präsidenschaff vun der neue Industrie- un Handelskammer un vertridd Kölle gägeüvver de Preuße em neue Provinziallanddag en Düsseldorf. Ävver dat verzälle ich nor, domet mer en Vürstellung dovun kritt, wä dä Mann wor, dä em Johr 1825 de „Preußisch-Rheinische Dampfschifffahrt-Gesellschaft“ en et Levve röf.
Am 1. Mai 1827 fäht met der „Concordia“ et eeschte Damfscheff för die Firma met Handelsgod vun Kölle noh Mainz un ald am 8. Juni 1827 folg de „Friedrich Willem“. Dat Ungernemme wähß flöck un weed av 1832 sugar an der Börse en Kölle noteet.
Do passeet jet, dat gefährlich weed: Kauflück vun Mainz, Elberfeld-Barmen un Düsseldorf wolle 1838 e Stöck vum Koche avhan un gründe 1836 die „Dampfschifffahrtsgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein“. Die Konkurrenz bedügg Kreeg: Weddfahte om Rhing un Prieskreeg wor der Alldag om Rhing. En de 1840’er Johre han de Kapitäne esugar de Scheff vun der Konkurrenz gerammp! Su kann mer nit vernünftig weetschafte.
Em Johr 1853 einige beidse Sigge sich op en Betriebsgemeinschaff. Die „Kölnische und Düsseldorfer Gesellschaft für Rhein-Dampfschifffahrt“ deilt sich der Rhing vun Straßburg bes Rotterdam op un beschlüüß ene gemeinsame Fahrplan. Em Verlauf vun der Industrialisierung wolle sich luuter mih Minsche erholle un dä Wunsch kütt op, zom Vergnöge om Rhing fahre zo künne. Av 1867 deilt mer sich och et Geschäff. Met der „Humboldt“ un der „Friede“ fahre zwei eeschte Scheff, die nor för et Vergnöge do sin.
Nor, dat Geschäff mem Rhing weed durch der Usbau vun Stroße un Schinne, die jo och en Konkurrenz sin, luuter diffisiller. Su beschleeße die zwei Gesellschafte, die jo immer noch vunenander unavhängig sin, em Johr 1925 de Verwaltunge zosamme zo läge un su Koste ze spare. De „Dampfschifffahrtgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein“ us Düsseldorf geiht no en de „Preußisch-Rheinische Dampfschifffahrt-Gesellschaft“ op - dat es mir jetz wichtig zo sage. Zickdäm heiß die Firma ävver och „Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt GmbH“.
Mer kann jetz sage „Sühs do, nor Knies met de Düsseldorfer, versöke se doch dem Merkens et Ungernemme kapodd ze maache.“ ov „Ene gode Kompromiss han se do gemaht“. Et es egal. Jetz, wo ich mir bes op et i-Pünkelche klorgemaht han, dat die Gesellschaff nit anders kann, wie et „Düsseldorf“ em Name zo han, mäht et mer widder vill mih Freud, em Netz noh der nächste Tour ze luure.
MechelLeer más
Die Deutzer Drehbrücke
28 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☀️ 17 °C
Heute lag ein schöner Spaziergang entlang der Poller Wiesen an, und zum Schluss dann mein heutiges Highlight. Die Deutzer Drehbrücke. Als ich mich ihr nähere fällt mir auf dass ich sie irgendwie viel größer in Erinnerung hatte. Mein letzter Besuch liegt Jahre zurück. Vielleicht deshalb.
Etwas abgelegen an einer kleinen Landzunge, dem Eingang zum Deutzer Hafen steht sie, und markiert das vordere »Einfahrtsbecken« vom hinteren größeren Hafenbecken. Hübsch sieht sie aus, im Jugendstil erbaut, die genietete Gitterträgerkonstruktion mit dem aufgesetzten aus Stahlblech erbauten Steuerhaus, in dem die komplette elektrische Steuerung der Brücke untergebracht ist macht was her.
Ihre Geschichte reicht weit zurück. Im Jahre 1888 wurde die Erlaubnis erteilt die „Schäl Sick“ ans Wassernetz anzuschließen. Denn nun war Deutz eingemeindet und kein Konkurrent mehr für die Stadt Köln. Nachdem man sich einig war, dass hier am Schnellert der Deutzer Hafen entstehen sollte, da es hier ein natürliches Becken gab, welches man gut nutzen konnte, gab es allerdings erst noch ein paar Probleme zu lösen. Es mussten erst rund 1000 private Parzellen durch Enteignung der Stadt zugeführt werden, dies dauerte bis 1904.
Dann endlich konnte die Brücke nach dreijähriger Bauzeit zeitgleich mit dem Bau des Hafens fertiggestellt werden. Konstruiert wurde sie von der Duisburger AG, die Mechanik stammt von der Düsseldorfer Firma Haniel & Lueg.
Die Brücke wird hydraulisch angehoben und mit Elektromotor in die gewünschte Position geschwenkt. Ähnlich wie die Brücke am Rheinauhafen. Ihre Spannweite beträgt 31,29 Meter und ihre Breite 10 Meter. Ihr Gewicht beträgt 177 Tonnen. Das Hafenbassin hat eine Größe von etwa 12 Hektar.
Seit Juli 1980 steht die Drehbrücke unter Denkmalschutz und 2014 wurde sie aufwendig saniert, der Fahrbahnbelag wurde erneuert, die Elektrotechnik stammte noch aus den 50er Jahren und war marode, außerdem wurde die Brücke 2008 durch ein Schiff gerammt und dabei wurde ein Träger stark verbogen.
Übrigens ist sie ein gern gefilmter Blickfang für den Kölner Tatort. Unsere Drehbrücke, eine von nur noch 16 Stück in Deutschland. Und ein hübscher Ort. Ich stehe am Geländer, links liegen die Boote der Feuerlöschbootstation Köln, auf der anderen Seite wendet gerade ein Schiff. Ich höre das Knattern des Dieselmotors, ansonsten ist es ruhig hier. „Wie lange noch“, denke ich. Die Stadt hat großes vor in dieser Ecke, ein neuer Stadtteil soll entstehen. Was wohl mit dieser hübschen Brücke geschehen mag?. Hoffentlich haben die Stadtplaner genug Fingerspitzengefühl und halten sie in Ehren. Leben ist eben Veränderung, auch an diesem Flecken, den ich sehr mag.
RonaldLeer más
Eine altehrwürdige "Dame"
26 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ⛅ 18 °C
Eine altehrwürdige "Dame"
Alter Stammheimer Weg. Unter dieser Anschrift finden wir den Botanischen Garten Kölns, die Flora. Wer nun glaubt, dieser wäre schon immer hier an dieser Stelle gewesen, der irrt. Wo aber befand er sich?
Sagen wir so, wachsen tut an ursprünglichem Ort seit vielen Jahren nur die Zahl Reisender. Um genau zu sein, die Zahl Zugreisender. Denn dort, wo sich heute der Kölner Hauptbahnhof befindet, existierte einst der Botanische Garten der städtischen Universität. Selbst, als es diese Universität nicht mehr gab, die Anlage blieb bestehen. Bis - ja, bis das Gelände anderweitig gebraucht wurde.
Die Dombrücke (Hohenzollernbrücke), noch neu, sollte sich bald in direkter Nachbarschaft eines großen Bauwerkes befinden. Nein, nicht des Domes, der stand ja schon...also fast.
Warum ich das erwähne? Nun, ich habe tatsächlich einmal gelesen, dass sich darüber empört wurde, wie man denn nur den Dom so nah an den Hauptbahnhof hätte bauen können. Aber Spaß beiseite. Tatsächlich war es jener neue Zentralbahnhof, wofür die Stadt Köln das Gelände des Botanischen Gartens zur Verfügung stellte.
Drei Jahre später...
Im Herbst des Jahres 1862 wurde von Eduard Oppenheim, einflußreicher Bankier in Köln, Adolph Rautenstrauch, sowie einiger weiterer Größen Kölns die "Aktien-Gesellschaft zur Anlage eines Botanischen Zier- und Lustgartens" ins Leben gerufen.
Seinen Segen zur offiziellen Gründung dieser AG gab Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen am 3. März 1863 höchstselbst, da hatten die Arbeiten aber bereits begonnen. Schirmherrin wurde im Mai desselben Jahres seine Gattin, Kaiserin Augusta.
Für 22.130 Taler wurde ein Areal von umgerechnet 5,5 Hektar Größe zwischen den Ortschaften Riehl und Nippes gekauft, damals noch reines Ackerland. Heute schwer vorstellbar oder? In einen "Garten" verwandelte dann Julius Nieprasck das Ganze, er wurde auch der erste Gartendirektor. Er war ein Schüler des preußischen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné und dessen Pläne waren es auch, die Nieprasck umsetzte.
Der älteste Teil der Gartenanlage der Flora (denn das sich im Mittelpunkt befindliche Gebäude trägt den gleichen Namen) wurde im Jahre 1864 eingeweiht und ist der dem Zoo am nächstgelegenen Teil. Und nur am Rande - im Gegensatz zu heute waren Zoo wie Flora zum damaligen Wohlbefinden der höheren Gesellschaft gedacht.
Nun besteht die Flora nicht nur aus der Parkanlage, sondern, wie eben schon erwähnt, auch aus einem prunkvollen, schlossähnlichen Gebäude, damals auch "Glaspalast" genannt, da sich Architekt Max Nohl an verschiedenen Bauwerken von Paris und London orientierte.
Die Jahre vergingen, es wurde spazierengegangen, oder wie man es damals nannte, lustgewandelt, es fanden sogar verschiedene Ausstellungen statt...aber wie es so oft kommt, kam es auch hier: die Finanzen gerieten in Schieflage und die Aktien gingen im Jahr 1909 gezungenermaßen in den Besitz der Stadt Köln über. In den Jahren 1912 bis 1914 erhielt die Gartenanlage dann Gewächshäuser für allerlei tropische Pflanzen. Selbst Orchideen waren damals noch etwas exotisches.
Durch die Erweiterungen wuchs die Anlage auf eine Größe von 11 Hektar. So kennen wir sie auch heute.
Die Gewächshäuser wurden im zweiten Weltkrieg nahezu vollkommen zerstört, aber wir wissen ja, die Kölschen haben sich nicht unterkriegen lassen und so wurde Ende Dezember 1949 wiedereröffnet.
Seit nun 156 Jahren also ist Köln im Besitz dieser besonderen Anlage, in welcher wir an die 12.000 Pflanzenarten in und außerhalb der Gewächshäuser bestaunen können, oder einfach nur einen ausgedehnten Spaziergang unter teils uralten Bäumen in einer wunderschön angelegten Umgebung genießen können.
Wer weiß, vielleicht begegnen wir uns dort ja mal.
Bis bald, eure RamonaLeer más
Der Nonnibrunnen in Ehrenfeld
25 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ⛅ 17 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
Der Nonnibrunnen in Ehrenfeld
Ihr findet ihn auf dem Melatener Weg, vor der Kirche St. Bartholomäus. Lambert Schmitthausen hat ihn hergestellt. Dieser schnitzte in den 1930er Jahren die Heilige Familie und die Hirten, die wir in St. Gereon bewundern können.
Dieser Brunnen wurde 1965 erbaut. Hier sehen wir eine Bronzefigur, einen verträumt lesenden Jungen, der hier sitzend an einem kleinen Wasserbecken dargestellt ist. Leider ist dieses Wasserbecken schon lange mit Steinen verfüllt und damit der Brunnen außer Betrieb gesetzt.
Den Brunnen hat man damals zum Gedenken an den isländischen Jugendbuchautor Jon Svensson gebaut. Dieser wurde überall nur Nonni genannt, daher der Brunnenname.
Wenn euch dieser kleine Hinweis neugierig gemacht hat, kein Problem. Michael hat darüber schon einmal einen sehr schönen Beitrag geschrieben.
Link zum Beitrag auf Hochdeutsch und Kölsch:
koelschgaenger.net/2019/05/25/nonni-aus-island/
Kommt gut in die Woche
euer RonaldLeer más
Der Pferdebahnhof Mülheim
24 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☀️ 15 °C
Der Pferdebahnhof Mülheim
Zwischen 10 und 25 Pfennig kostete früher eine "Bahnfahrt" mit der "Päädsbahn" .
Diese fuhr auch im damals noch nicht zu Köln eingemeindeten Mülheim. Bis zum Jahre 1907 verkehrten in den heutigen Kölner Veedeln als Vorortbahnen, auch die Pferdebahnen. Sozusagen Vorläufer unserer heutigen KVB.
Der ehemalige Pferdebahnhof in Köln Mülheim ist mittlerweile zwar kein Pferdebahnhof mehr, jedoch kann man an diesem immer noch interessantem Gebäude erkennen, was es einmal war. Okay, wenn man es denn weiß. Denn die 2 Pferdeköpfe an der Hausfront könnten ja auch auf einen ehemaligen Pferdemetzger hinweisen. Tun sie aber nicht! Denn das Haus an der Krahnenstraße, fast am Rheinufer gelegen, direkt beim Brunnen der Mülheimia, Ecke Mülheimer Freiheit, war einst der Pferdebahnhof von Mülheim.
Mir gefällt das Gebäude und gedanklich sehe ich die Pferdebahn um den Brunnen kreisen. Vielleicht hat ja sogar das durstige Pferd mal einen Schluck Brunnenwasser genommen.
Auch wenn ich so rechts und links die Straße rauf und runter schaue, sehe ich historische Gebäude.
Was für eine fantastische Ecke Kölns. Hier lebt gedanklich das alte Köln auf. Na gut, das alte Mülheim. Denn dieses besaß ja Stadtrechte. Erst 1914 kam diese zum Bergischen Land gehörende Stadt zu Köln.
Seit 1877 verkehrten die Pferdebahnen im Kölner Raum. So konnten 30 Jahre die Pferde das Stadtbild prägen. Ganz kurz denke ich dabei an meinen Urgroßvater, der eine der Kölner Postkutschen fuhr. Aber die Post war ja ein anderer Betrieb als die Betreiber der Pferdebahnen. Die Uniformen hatten aber wohl alle irgendwie Ähnlichkeit. Preußisch halt!
So eine Päädsbahn war mit einem Fahrer und einem Schaffner besetzt. Doch wer nun glaubt, es sei ein leichtes gewesen, mal eben in Mülheim in die Bahn zu steigen und dann auf die andere Rheinseite zu fahren, der irrt sich. Durch die verschiedenen Betreiber, u. a. hatte ein Belgier in die Pferdebahnen von Köln investiert, war es notwendig, die Mülheimer Bahn an der Stadtgrenze zu Deutz zu verlassen. An der Deutz Mülheimer Straße befand sich der Umsteigebahnhof.
Was für eine spannende Geschichte, die sich mir als Bahnfan dort offenbarte.
So stand ich eine Weile vor dem ehemaligen Pferdebahndepot, schaute auf die verglaste Einfahrt und überlegte, ob diese nicht zu niedrig war, um dort die Pferdebahn hineinzulenken. Gab es dort, wo heute das Glas ist, ein Tor oder nur einen Torbogen? War das Tor vielleicht grün oder braun gestrichen? Möglicherweise weiß es einer unserer Leser und hat noch Fotos in alten Alben. Zeigt sie uns gerne in den Kommentaren.
Doch was und wie auch immer, diese ehemalige Remise ist sehr schön restauriert worden und passt so wunderbar mit der Stadtpatronin von Mülheim zusammen. Der Mülheimia Brunnen prägt diese Ecke und ist ebenso einen Besuch wert, wie die Gegend rundherum.
Übrigens, den Brunnen hat auch unser Ronald schon einmal beschrieben. Vielleicht mögt ihr es ja nochmal lesen.
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Leer más
Ein Heinzelmännchen in der Wahner Heide
23 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☁️ 24 °C
„Klack, klack, klack, klack, klack.”- Pause – “Klack, klack, klack, klack, klack”. Dieses Klackern, als wenn kleine Hölzchen aneinanderschlagen, ist das Geräusch, welches ich höre, wenn ich durch die Wahner Heide spaziere. Ich höre es nicht immer, aber ab und an doch. Meist ist es weit fort und in der Nähe des Flughafens oder der Autobahn, so dass man es nicht genau ausmachen kann. Heute, heute jedoch, habe ich Glück. Da ist es! Direkt neben mir, hinter einer Hecke…
Ich ducke mich etwas und schleiche mich an die Hecke an. Dort sehe ich kleine Kegelchen kreuz und quer liegen, die kurz darauf verschwinden, nur um dann wieder dort ordentlich aufgereiht dort zu stehen. Auf einmal kommt eine Kugel angeflogen und die Kegelchen fallen wieder durcheinander. „Verrückt“, denke ich „hier kegelt doch jemand… Aber wo ist er?“. Als die Kegel wieder dort stehen, hüpfe ich hinter dem Grünzeug hervor, schnappe mir zwei von diesen kleinen Kegelchen, halte sie in die Höhe und sage „So, und nun, wer kegelt hier? Zeig Dich!“
„Gib mir meine Kegel wieder!“ schreit eine hohe Stimme, die sich fast überschlägt.
„Ich will doch nur sehen, wer du bist und etwas reden“, versuche ich die Stimme etwas zu beruhigen. Und dann, was soll ich sagen, steht direkt vor mir ein kleines Männchen, welches ein Gesicht hat, als wenn es über 1000 Jahre als ist. In seinem rechten Händchen hält es einen Hut, der so lang ist, dass beide Enden über den Boden schleifen. Das Männchen kneift die Augen zusammen und guckt fies aus der Wäsche. Ich bin wie vom Donner gerührt und bekomme fast Angst. „Hup… Huppet Huhhot!? Ist das wahr!? Das letzte Heinzelmännchen?“
Er kreischt „Mein Name ist nicht Huppet Huhhot! Mit dem schrecklichen Namen hat mich immer Peterchen, der garstige Bengel vom Brunnenhof aufgezogen, weil ich nicht richtig laufen kann und es aussieht, als wenn immer ein bisschen hüpfe, weil ich humpeln muss.“
„Ja,“ sage ich „Kinder können sehr gemein werden. Da hast du recht.“
„Was heißt hier Kinder? Die Menschen sind schlecht. Immerhin hat die Schneidersfrau Erbsen auf die Treppe gestreut, als wir gerade zur Arbeit gingen. Wir sind alle fies hingeschlagen und seitdem ist mein Fuß kaputt, so dass ich bleierne Schuhe tragen muss, damit ich sicher stehen kann. Und die Alte ist es auch schuld, dass ich meine Freunde nicht mehr gefunden habe. Und du hat immer noch meine Kegel in der Hand!“
„Ja, da hast du auch recht“, sage ich etwas verschämt und halte ihm einen der Kegelchen hin. „Aber es heißt, dass du auf dem Hof auch nicht nett warst und die Knechte und Mägde sehr gezankt hast.“
„Zugegeben, aber weißt du, wie wütend ich war? Kannst du dir das vorstellen? Wir wollten doch nur das tun, was ihr Kölschen ja nicht gerade erfunden habt: arbeiten. Und dann sowas! Kommt die Alte und bewirft uns mit Erbsen!“
„Ja, aber man sagt, das kannst Du auch ganz gut. Das steht in einem Buch über den Brunnenhof am Bayenturm geschrieben“, provoziere ich ihn etwas.
„Ja, von wem habe ich das gelernt? Von euch. Wenn einem etwas nicht passt, mit Erbsen werfen. Das könnt ihr ganz gut. Und klar, da habe ich Peter dann auch mal eine Hand voll ins Gesicht geschmissen. Der freche Lümmel.“
„Ich kann dich beruhigen, mittlerweile sind wir bei Bonbons angekommen. Aber ist das richtig, dass man dann versucht hat, dich wie einen Geist auszutreiben, um dich los zu werden?“
„Ja, hat direkt wieder eine Faust Erbsen gegeben. Aber das habe ich doch vor ein paar Jahren Margareta Schumacher erzählt. Sie wollte das doch klarstellen und eine kleine Geschichte dazu schreiben. Hat sie das nicht getan? Da war doch der Pastor, der auf einmal im Garten stand und er war ein echt feiner Kerl! Der Erste, der mich mal gefragt hat, was los ist und wie er mir helfen könnte. Und er hat mich aus der Stadt hierhin gebracht. Er hat mir auch das Kegelspiel und meine neuen Schuhe geschenkt. Er hat mich gefragt, was ich gern tun würde. Mit dem konnte man reden! Ihm konnte ich sagen, dass ich Wald und Heide mag.“
„Ja und jetzt?“, frage ich.
„Ja und jetzt! Ja und jetzt! Das siehst du doch! Ich kegele und warte, dass die anderen Heinzelmännchen wiederkommen.“
„Och!“, sage ich „Das tun wir Kölschen auch! Warten, dass die Heinzelmännchen zurückkommen. Falls du sie triffst, sag ihnen, es gibt viel zu tun und die Kölschen sind sicher zu faul, um euch nochmal zu belästigen.“ und halte ihm dabei den letzten Kegel hin. Den greift er sich behände, wird unsichtbar und gibt mir einen Stoß – mit was auch immer – an dem Hintern. Danach verschwinden auch die anderen Kegelchen und alles ist ganz still. Ich bin wieder allein.
„Das war jetzt aber ungeschickt. Du weißt immer noch nicht, wie er wirklich heißt!“ Es ist aber klar, dass ich Euch einfach erzählen muss, was mir da beim Spaziergang widerfahren ist. Von wegen Grinkenschmied in Höhenhaus, über den Ronald und Elisabeth schon erzählt haben. Das letzte Heinzelmännchen lebt in der Wahner Heide. Das weiß ich jetzt.
Als ich nachschlage, finde ich die Erzählung auch in einem alten Buch, des hier im Regal steht. Ach, Margareta Schumacher gibt die Ereignisse so wieder, wie das Heinzelmännchen et mir selbst erzählt hat. Interessant. Den Namen „Huppet Huhhot“ schlage ich nach und stoße bei Adam Wrede darauf, dass „Huppet“ ein altes Wort für den Hintern ist. Stellt Euch vor, wie gemein Peterchen vom alten Brunnenhof in der Nähe des Bayentors wirklich war! Ich mag den Namen „Huppet Huhhot“ nicht mehr schreiben oder sagen.
Liebe Leute, falls Ihr in der Wahner Heide auch mal auf das Heinzelmännchen trefft – man muss ja nur auf das Klackern der Kegelchen hören -, bitte zeigt Euch von Eurer besten Seite, damit er bei den anderen Heinzelmännchen bloß gut über die Kölschen spricht. Wir können sie brauchen.
Michael
-
„Klack, klack, klack, klack, klack“– Pause – “Klack, klack, klack, klack klack”. Dat Klackere wie wann klein Hölzcher anenein schlage, es dat Geräusch, wat ich hüre, wann ich durch de Wahner Heid e Gängelche maache. Ich hüre et nit immer, ävver av un an doch. Miets es et wigg fott, kaum ze hüre un en der Nöh vum Floghafe ov der Autobahn, esu dat mer et nit genau usmaache kann. Hügg, hügg ävver, han ich Glöck. Do es et! Tirek nevve mir, hinger ener Hegg…
Ich ducke mich jet un schleiche mich an de Hegg aan. Do sinn ich klein Kägelcher krütz un quer lige, die koot drop fott sin, nor öm donoh do widder ööntlich opgereiht zo stonn. Op eins kütt en Kugel aangefloge un de Käglecher falle widder durchenein… „Jeck“ denke ich „hee kägelt doch einer... Ävver wo es hä?“. Wie die Kägele widder do stonn, höppe ich hingerm Gröns hervür, schnappe mir zwei vun denne klein Kägelcher, halde se en de Hüh un sage „Esu, un no, wä kägelt hee? Zeig Dich!“
„Gevv mer ming Kägele widder!“ schreit en huh Stemm, die sich fass üvverschleiht.
„Ich well doch nor sinn, wä do bes un jet schwaade“, versöke ich die Stemm zo beruhige. Un dann, wat soll ich ich sage, steiht tirek vür mir e klei Männche, dat e Geseech hät, wie wann et üvver 1000 Johr ald es. En singem räächte Hängche häld et ene Hot, dä esu lang es, dat hä met beidse Engde üvver der Boddem schleif. Dat Männche knief die Auge zesamme un luurt fies us der Wäsch. Ich ben wie vum Donner gerührt un krige fass jet Angs „Hup... Huppet Huhhot!? Es dat wohr!? Et letzte Heinzemännche?“
Hä kriht „Minge Name es nit Huppet Huhhot! Met däm schreckliche Name hät mich luuter et Pitterche, dat dreckelige Blag vum Pötzehoff opgetrocke, weil ich nit rääch laufe kann un et ussüht, wie wann ich luuter e bessche höppe, weil ich humpele muss.“
„Jo,“ sage ich „Pänz künne ärg fies wääde. Do häs do Rääch.“
„Wat heiß hee Pänz? De Minsche sin all schlääch. Immerhin hät die Schniedersfrau Ääze op de Trapp gestreut, wie mir grad noh der Arbeid gingke. Mir han all fies de Gick geschlage un zickdäm es minge Foß kapodd, esu dat ich bleie Schohn trage muss, domet ich fass stonn kann. Un die Aal es dat doch schuld, dat ich ming Fründe nit mih gefunge han. Un do, do häs luuter noch ming Kägele en der Hand!“
„Jo, do häs do och rääch“, sage ich jet verschammp un halde im ein vun der Kägelcher hin. „Ävver et heiß, dat do op däm Hoff och nit nett wors un die Knäächte un Mähde ärg gezänk häs.“
„Zogegevve, ävver weiß do, wie wödig ich wor? Kanns do dir dat vürstelle? Mer wollte doch nor dat dun, wat ehr Kölsche jo nit grad erfunge hat: arbeide. Un dann sujet! Kütt die Aal un bewirf uns met Ääze!“
„Jo, ävver mer säht, dat kanns do och ganz god. Dat steiht en enem Boch üvver der Pötzehoff am Bayeturm geschrevve“, provoziere ich in jet.
„Jo, vun wäm han ich dat dann geliert? Vun üch. Wann einem jet nit pass, met Ääze werfe. Dat künnt ehr ganz god. Un klor, do han ich däm Pitter och ens en Hand voll en de Visage geschmesse. Dä drecklige Panz.“
„Ich kann dich beruhige, meddlerwiel sin mer bei Kamelle aangekumme. Ävver es dat richtig, dat mer dann versök hät, dich wie ene Geis uszedrieve, öm dich fott zu krige?“
„Jo, hät tirek widder en Fuus Ääze gegovve. Ävver dat han ich doch vür e paar Johr dem Margareta Schumacher verzällt. Dat wollt dat doch klorstelle un e Kreppche dovun maache. Hät et dat nit gedon? Do wor doch der Pastur, dä op eins em Gaade stundt un hä wor ene ech finge Kääl! Dä Eeschte, dä mich ens gefrog hät, wat loss es un wie hä helfe künnt. Un dä hät mich us der Stadt heehin gebraht. Hä hät mer och dat Kägelspill un ming neu Schohn geschenk. Dä hät mich gefrog, wat ich gään dät. Met däm kunnt mer schwaade! Im kunnt ich sage, dat ich Bösch un Heid mag.“
„Jo un jetz?“ froge ich.
„Jo un jetz! Jo un jetz! Dat sühs do doch! Ich kägele un waade, dat die andere Heinzemänncher widderkumme.“
„Och!“ sage ich „Dat dun mir Kölsche och! Waade, dat de Heinzemänncher zoröckkumme. Falls do sei triffs, sag inne, et gitt vill ze dun un de Kölsche sin secher zo fuul, öm üch noch ens ze belästige.“ un halde im dobei der letzte Kägel hin. Dä grief hä sich stantepee, weed unsichbar un gitt mer ene Däu – womet och immer – an der Fott. Donoh sin och die ander Kägelcher fott un alles es ganz stell. Ich ben widder allein.
„Dat häs do jetz ävver nit grad mem Höhnerkläuhe kräge. Do weiß jo jetz och nit, wie hä wirklich heiß!“ Et es klor, dat ich Üch dat einfach verzälle muss, wat mer bei däm Gängelche passeet es. Vun wäge Grinkeschmidd en Höhehuus, üvver dä der Ronald un et Elisabeth ald verzallt han. Et letzte Heinzemännche läv en der Wahner Heid. Dat weiß ich jetz.
Wie ich nohschlonn, finge ich dat Kreppche och en enem aale Boch, dat em Regal steiht. Ach, dat Margareta Schumacher gitt die Ereignisse esu widder, wie dat Heinzemännche et mir selver verzallt hät. Intressant. Dä Name „Huppet Huhhot“ schlonn ich noh un stüsse beim Adam Wrede drop, dat „Huppet“ en ald Wood för de Fott es. Stellt Üch vür, wie fies dat Pitterche vum Pützehoff en der Nöh vum Bayetoon wirklich wor! Ich mag dä Name „Huppet Huhhot“ nit mih schrieve ov sage.
Leev Lück, wann Ehr en der Wahner Heid och ens op dat Heinzemännche trefft -mer muss jo nor op dat Klackere vun de Kägelcher hüre -, sid esu god un zeigt üch vun Üürer beste Sigg, sudat hä bei de Heinzemäncher nor god üvver de Kölsche sprich. Mer künne se bruche.
Mechel
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Teilt gern, wenn Euch die Geschichte gefällt.
Die Geschichte vom Höhenhauser Grinkenschmied, die ich anspreche, findet ihr von Elisabeth erzählt hier: https://koelschgaenger.net/2019/10/19/koelns-le…
Ronalds Version findet sich hier: https://findpenguins.com/koelschgaenger/footpri…
Wer diese kleine Geschichte über Huppet Huhhot im schöneren Original lesen möchte, findet sie im Buch von Margareta Schumacher „Kölsche Lück un Hellije“, erschienen 1994 im Greven Verlag, ISBN´: 3774302790. Achtung! Das Buch ist auf kölsch geschrieben.
Das Buch ist ganz sicher in der Bibliothek der Akademie för uns kölsche Sproch zu finden. Wo diese ist, seht ihr hier: https://www.koelsch-akademie.de/contentinfo/foo…Leer más
Weinfest in Niehl am Rhein
21 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☀️ 21 °C
Weinfest in Niehl am Rhein
Ein Weinfest in Niehl? Was um alles in der Welt hat Niehl mit Wein zu tun? Nun, eigentlich nichts, aber es gab hier einmal ein „ungeplantes Weinfest“. Lasst euch erzählen…
Wir schreiben den 05.06.1926 und befinden uns im schönen Niehl. Alles ist ruhig, die Menschen gehen ihrem Tagwerk nach, nichts deutet auf Hektik oder etwas außergewöhnliches hin. Noch, denn nur einige Kilometer rheinauf bewegt sich ein Schiff auf Köln zu, das hier heute für einen denkwürdigen Tag sorgen wird.
Die Rede ist von der „In nomine Dei“ einem Moselkahn, der sich, voll beladen mit etwa 100 Fässern und vielen Flaschen Moselwein als Anhangkahn, in einem Schleppzug von Koblenz aus unserer Heimatstadt nähert. Dort soll er in Nähe der Südbrücke anlegen und entladen werden. So der Plan. Doch dann passiert dies…
11:30 Uhr. Langsam kommt die Südbrücke in Sicht, der Kahnführer gibt lautstark die Kommandos, um die „In nomine Dei“ aus dem Schleppzug zu lösen, er will die schwache Drift des Rheines nutzen und den Kahn langsam an die Verladerampe antreiben lassen.
Alles Routine bis hierhin. Doch damit ist kurz darauf Schluss, denn nun überschlagen sich hier die Ereignisse. Der Kahnführer lässt den Anker fallen, dummerweise beginnt sich der Kahn zu drehen und die Ankerkette reißt, auch der Notanker bringt nichts, so treibt der Kahn nun quer auf die Südbrücke zu und knallt ungebremst gegen den linksseitigen Strompfeiler der Südbrücke, dumm gelaufen. Der Kahn bricht in der Mitte auseinander, kentert und übergibt seine Ladung nun Vater Rhein. Nichts war es für die Fässer mit Weiterverladung auf die Bahn.
11:55 Uhr. Während an der Südbrücke totale Hektik aufkommt, machen sich die Weinfässer gemütlich schunkelnd im Wasser auf den Weg rheinabwärts. Unter dem Motto „auf zu neuen Ufern“. Eines dieser Ufer, übrigens ein wunderschönes noch dazu, befindet sich in Niehl.
13:25 Uhr. Die Niehler Fischer, die am Ufer ihre Netze und Nachen pflegen, bekommen nun Besuch vom etwas aufgeregten Vorarbeiter der Strombauabteilung namens Jakob Etheber, hier in Niehl besser als Kauchs Jakob bekannt, denn er ist gleichzeitig auch Gastwirt, und solche Leute kennt man halt. Er berichtet von dem Unfall und meint, die Fässer würden sicher bald Niehl erreichen und falls hier Fässer stranden, müssten die unbeschädigt zurückgegeben werden, es drohten ansonsten empfindliche Strafen.
„Dann loss kumme, wat kütt, m‘r dunn, watt m’r künne“ sagt der Görges Wickes und alle stimmen treuherzig zu. Nach wenigen Minuten sehen sie auch schon die ersten Fässer auf Höhe des Cranachwäldchens auftauchen. Ruckzuck sind die Fischer mit ihren Kähnen unterwegs, 5, dann 10, dann 15 Fässer tauchen auf. Am Niehler Damm bricht die Hölle los, alles ist mittlerweile auf den Beinen. Inzwischen findet hier am Rhein ein kleiner „Wettstreit“ statt. Die Wasserpolizei versucht die Fässer zu beschlagnahmen, sogar berittene Polizei macht sich auf den Weg, um angeschwemmte Fässer zu sichern, notfalls bis Neuss und Düsseldorf, so heißt es.
Aber da haben sie die Rechnung ohne die Niehler gemacht. Diese haben längst die ersten „Weinausgabestellen“ eingerichtet und so den leckeren Inhalt zum Verzehr freigegeben.
Ein herrliches Bild muss das gewesen sein. Überall offene Fässer, die Leute strömten ans Ufer und das erste Niehler Weinfest war eröffnet und das Schicksal nahm seinen Lauf. Auch die Polizeibeamten sollen wohl nicht durch Zurückhaltung oder größeren Diensteifer aufgefallen sein, sondern haben sich tatkräftig an der Weinprobe beteiligt. Was da alles so abging, darüber schweige ich mich jetzt aus, aber lustig war es am Niehler Ufer an diesem Tag, soviel steht fest.
Aus zugegeben unsicheren Quellen war zu erfahren, es hätte auf diesem „Fest“ sogar eine kurze Eröffnungsrede gegeben, aber, na ja, dies halte ich jetzt für etwas übertrieben.
19:00 Uhr (etwa, so genau konnte sich niemand mehr erinnern) wurde dann eine Hundertschaft der Polizei zum Niehler Strand geschickt, um an Fässern zu retten, was zu retten war und das Fest nun aufzulösen. Jedenfalls erstmal.
Als der Kommandant kam und seine Leute sammeln wollte, um sich zurückzuziehen, denn der Versuch war recht kläglich gescheitert, kam ihm ein Teil seiner Truppe laut „“Oh du wunderschöner deutscher Rhein“ singend entgegen.
Bis spät in die Nacht sah man Niehler in kleinen Prozessionen zum Rhein und zurück ziehen, ausgerüstet mit allerlei Gefäßen.
Rückblickend war das erste Niehler Weinfest ein Riesenerfolg. Über 4.000 Liter Wein wurden ausgeschenkt.
Offizielle Mitteilung: Das Wrack „In nomine Dei“ konnte problemlos geborgen werden. Sehr viel Wein sei durch den Unfall verloren gegangen oder ungenießbar geworden.
PS: Es halten sich Gerüchte, nach denen in den Niehler Wirtschaften noch sehr lange von diesem ungenießbar gewordenen Wein ausgeschenkt worden sei.
Tja, so sitze ich hier auf der Terrasse im Linkewitz , direkt am Rhein in Niehl, habe mir ein paar Kölsch gegönnt und im unten genannten Buch geschmökert, die Sonne genossen und auf einmal war diese Geschichte aufgeschrieben. Sowas passiert einfach…
Dies war die SEHR frei erzählte Geschichte vom Niehler Weinfest. Quelle: Das Buch „Niehl“ von Robert Christ und Josef Dollhoff
Diese Geschichte enthält Werbung
Nachtrag: Bei diesem Gelage kamen insgesamt 5 Menschen ums Leben. Dies zeigt, wie "heftig" es zugegangen sein muss. Bei allem Spaß an der Geschichte möchte ich auch darauf hinweisen.
Herzlichen Dank an Joachim Brokmeier für diese Info und das zusenden des Zeitungsartikels.
euer RonaldLeer más
Der drüje Pitter
19 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ⛅ 17 °C
Der drüje PitterUnser Kölner Dom steht unter dem Patrozinium (Schutzherrschaft) des Apostels Petrus. Auch die erste Domglocke trägt den Namen des Heiligen. Und außerhalb des Domes finden wir in unmittelbarer Nähe etwas, das ebenfalls den Petrus im Namen hat. Den Petrusbrunnen, auch "drüje Pitter" genannt.
An der Südseite des Domes, auf der Papstterrasse, hat er seit 2010 seinen festen Platz, nachdem er schon einige Umzüge überstehen musste.
Ursprünglich wurde er im Mai 1870 am Domchor aufgestellt. Für fließendes Wasser war die Stadt Köln zuständig, nur hat genau das nicht funktionert. Es gab zuerst keine Leitungen, und später wurden solche nicht richtig angedreht und der Erfolg der Wasserversorgung ließ zu wünschen übrig, da er auch dann lediglich nur getropft haben soll. So blieb er also ein Brunnen ohne Wasser, was ihm den Spitznamen "der drüje Pitter" einbrachte. Aber wie heißt es so schön? Einem geschenkten Gaul usw...
Nachdem kein Geld für den erdachten Brunnen da war, stiftete nämlich Königin Augusta, Gattin Wilhelm I. den Kölnern den Brunnen. Dieser wurde, nach einem Entwurf des damaligen Dombaumeisters Richard Voigtel, von dem Dombildhauer Peter Fuchs gefertigt. Zunächst sollte der Brunnen von Fantasiewesen, wie dem Greif, getragen werden. Als königliches Geschenk erschien das aber nicht angemessen, so dass man sich statt für diese Gestalten nun für Löwen entschied. Aber weiter in der Zeitleiste...
Als mehr oder weniger nicht zu gebrauchender Wasserspender stand der Petrusbrunnen dennoch bis zum Jahr 1960 an seinem Platz am Domchor (erinnert mich gerade ein kleines bißchen an den Dombau seinerzeit, sprich, an seine Zeit als Bauruine), bevor er auch dort weg musste. Dort wurde jetzt die Domplatte gebaut und die Treppenanlage beim Brunnen abgerissen. Der Brunnen konnte dort also nicht bleiben und wurde an eine andere Stelle verfrachtet, nämlich zwischen den Domchor und die Sakristei.
1999, also 39 Jahre, in denen der Petrusbrunnen auch dort nutzlos herumstand, begannen dort Baumaßnahmen, im Zuge derer er nun wieder einmal weichen musste, außerdem hatte das Material inzwischen sehr gelitten, Stein und Leitungen waren stark angegriffen. Der Petrusbrunnen wurde im Depot eingelagert. Für mehr als 10 Jahre.
Im Jahr 2010 wurde dann dank einer Spendensammlung der "Bürgergesellschaft Köln 1863" der restaurierte, neugotische Brunnen an seinem heutigen Standort zwischen Lang- und Querhaus
auf der Papstterrasse aufgestellt, wo er heute munter sprudelt.
Wenn ihr euch fragt, warum der Brunnen in seiner ganzen Optik und den Figuren dem Dom so ähnelt, das liegt daran, dass bei dessen Entwurf natürlich darauf geachtet wurde, dass er zur mittelalterlichen, gotischen Bauweise passte.
Vielleicht hätte man einen Platz finden können, an dem der drüje Pitter noch besser zur Geltung kommen würde, dennoch ist hier ein schöner Platz, um kurz innezuhalten und dem Spiel des Wassers zuzuschauen.
Ich wünsche euch schöne Momente am Petrusbrunnen an unserem Kölner Dom.
Eure RamonaLeer más
Die Trauernde im Lichhof
18 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☁️ 18 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
„Die Trauernde“ im Lichhof
Eine Skulptur von Gerhard Marcks, der eine Zeit lang in Müngersdorf als freier Bildhauer arbeitete. Von ihm finden wir allein in Köln noch eine Menge anderer Werke, so beispielsweise den Düxer Bock, Albertus Magnus und die beiden Gaea Plastiken. Aber heute geht es um seine Skulptur „Die Trauernde“.
Die Stadt Köln erteilte Marcks 1946 den Auftrag, eine Skulptur zu erschaffen, die an die Schreckensjahre des zurückliegenden Krieges erinnern und mahnen sollte. Köln lag in Trümmern, unzähligen Menschen war großes Leid widerfahren und so schuf Marcks diese Skulptur. 1949 war sie fertig und wurde am Allerseelentag im Lichhof an St. Maria im Kapitol der Öffentlichkeit übergeben.
Bis heute steht sie hier auf dem Platz auf einem großen Sockel. Das Kunstwerk, aus Muschelkalk gefertigt, ist knapp drei Meter hoch und kommt hier sehr gut zur Geltung. Wie eine Säule steht sie dort, durch die Stille und die nahe Kirche zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich. Die hochaufgeschossene Skulptur lässt durch ihre gut festgehaltene Gestik und Gestalt den Betrachter die Trauer spüren. Das Gewand verstärkt das Gefühl der Größe dieser Skulptur sehr gut und lenkt nicht ab. Sehr gut gelungen.
Ich kann nur jedem empfehlen, diesen Platz einmal aufzusuchen. Hier steht Geschichte. St. Maria im Kapitol, das Dreikönigenpförtchen, die Säule zur Erinnerung an die Aids-Toten und natürlich die Trauernde.
Setzt euch auf eine der nahen Bänke, lasst den Blick über den Platz schweifen und schaut euch die Trauernde in Ruhe an. Dieser Platz ist eine eigene, ruhige Welt, die zum Nachdenken anregt, kaum drei Minuten vom Lärm des Heumarktes entfernt.
Bleibt aufmerksam und neugierig
euer RonaldLeer más
Gut Schönrath
17 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☀️ 14 °C
Gut Schönrath
Seit 1980 steht das Gut Schönrath unter Denkmalschutz. Spät! Bedenkt man das Alter dieser Hofanlage in Köln - Höhenhaus. Immerhin datiert Gut Schönrath erstmals bereits im 13. Jahrhundert.
Das heutige Wohnhaus, mit wildem Wein überwuchert, wurde 1870 erbaut. Es steht praktisch vor der eigentlichen Anlage, mit der Mauer und den Wirtschaftsgebäuden. Ein richtiges Schmuckstück, zum verlieben schön. Besonders gefallen hat mir auch die Haustür. (Foto)
Einst gehörte es zur Abtei Altenberg bei Odenthal. Dies blieb so bis zum Jahre 1803. Wow!!!
Kurz darauf wurde das Gut Schönrath an den Adel verkauft. Der Eigentümer war der Freiherr Theodor von Fürstenberg. Ihr wisst schon, die Linie, die auch das Schloss Stammheim besaß. Für ihn war das praktisch, denn der Hof hatte neben fruchtbaren Feldern auch einen Eichenwald. Der Hof lag früher mittig, umgeben von seinen Ländereien. Heute wird er eher bedrängt von Straßen, Schienen und der A3.
Früher gehörte das Gut Schönrath geografisch gesehen zu Dünnwald. Doch nach 1934 wurde diese Ecke dem Stadtteil Köln - Höhenhaus zugeschrieben. Damit hat Höhenhaus eine weitere Sehenswürdigkeit bekommen. Weitere? Ja! Erinnert ihr euch vielleicht an meine schöne Geschichte vom Grinkenschmied? Wenn nicht, lest sie doch noch einmal nach.
1928 kam dann die Stadt Köln in den Besitz des Gutes und seiner Liegenschaften. Sie erwarben es von der Familie Fürstenberg-Stammheim.
Die Geschicke auf Schönrath lenkten seit eh und je allerdings nicht die Eigentümer, sondern die Pächter. In den 50er Jahren war Schönrath ein Pferdezuchtbetrieb, der aber nicht so lange geführt wurde. Man verdiente bereits in den 70ern sein Einkommen wieder mit Ackerbau. Und das heute bereits in der 5. Generation. Denn niemand anders als ein Nachfahre des Wohnhauserbauers, mit Nachnamen Litz, bewirtschaftet auch heute noch den Hof. Nur eines ist anders, die Ländereien schrumpfen, durch Baumaßnahmen der Stadt Köln. Denn nach wie vor, ist diese Eigentümer.
Wenn ihr also einmal nach Höhenhaus kommt, vielleicht dem Grinkenschmied einen Besuch abstattet, oder den Friedhof Schönrather Hof besucht, dann schaut doch auch mal am Gutshof vorbei. Alleine schon um den wilden Wein am Haus zu bewundern.
Ich wünsche euch einen angenehmen Sonntag.
Eure ElisabethLeer más
Katharina Henot
16 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☀️ 15 °C
Der 19. Mai. Ist einer der traurigeren Tage für Köln. Der 19. Mai 1627 ist der Todestag von Katharina Henot. Katharina Henot wurde ermordet. Von wem, ist so klar wie ungeklärt.
Der Vater von Katharina, Jacob Henot, wandert im 16. Jahrhundert aus den Niederlanden nach Köln ein. Als gläubiger Katholik kommt er nicht als Glaubensflüchtling – die Calvinisten vertreiben im 16. Jahrhundert viele Katholiken, die sich oft hier in Köln niederlassen – nein, der wohlhabende Patrizier wird zum kaiserlichen Postmeister berufen. Ein einträgliches Geschäft.
Natürlich hat er Neider. Johann von Coesfeld ringt ihm das Amt zeitweise ab und als Jacob Henot im Jahre 1625 stirbt, wird es von Coesfeld endgültig zugesprochen. Katharina, deren Geburtstag nicht mal auf das Jahr bestimmt werden kann, ist zu diesem Zeitpunkt wohl bereits um die 50 Jahre alt und selbstverständlich wirtschaftet sie an der Seite ihres Vaters und führt einen langwierigen Rechtsstreit gegen Johann von Coesfeld.
Kaum ist ihr Vater verstorben, wird Katharina wie aus dem Nichts von einer Näherin, die gerade im Klarissenkloster exorziert wird, beschuldigt, ihr den Teufel angehext zu haben. Das mutet heutzutage wie ein geisteskranker Scherz an, in dieser Zeit endet so etwas schnell tödlich.
Katharina hat aber auch Freunde und wird schnell informiert. Den aufkommenden Gerüchten tritt sie früh entschieden entgegen, wird entlastet und freigesprochen.
Vielleicht ist die erste Anschuldigung Zufall, vielleicht auch nicht. Vielleicht entspringen die neuerlichen Gerüchte der Eigendynamik eines Gerüchtes, das bereits einmal gestreut ist, vielleicht auch nicht. Fakt ist, das sie ein zweites Mal beschuldigt wird und sich jetzt dem Gericht stellen muss.
Der herrschenden Männerwelt kommt dies gerade recht, behaupte ich mal. Im Frankenturm sitzend richtet sie Eingabe um Eingabe, Appell um Appell an die Obrigkeit. Selbst ihr Bruder, Hartger Henot, immerhin Domkapitular, scheitert mit einer Bittschrift an Kurfürsten Ferdinand von Bayern. Der gesteht ihr nicht einmal einen Verteidiger zu. Auch den Namen des Klägers erfährt sie nie.
Katharina wird dreimal gefoltert, ist krank und mittlerweile verkrüppelt – und gesteht nicht. Das Recht sagt zu dieser Zeit, dass sie, wenn sie unter der Folter nicht gesteht, unschuldig ist.
Natürlich tauchen jetzt schnell neue Indizien auf. Sie wird ein viertes und fünftes Mal gefoltert – und gesteht nicht. Was nützt alles Recht, wenn es nicht angewandt wird? Sie wird zur verstockten Sünderin erklärt und am 19. Mai 1627 hingerichtet. Üblicherweise werden Hexen lebendig verbrannt. Man gesteht ihr allerdings zu, dass sie vorher erdrosselt wird. Wie gnädig.
Die Zusammenhänge werden trotz aller Forschung nie ganz aufgeklärt. Auf der Hand liegt, dass sie unbequem ist und weg muss…
Es mag sein, dass ihr Tod ein wichtiger für die weitere Entwicklung der Hexenprozesse ist. Der Jesuit Friedrich Spee beobachtet das Geschehen und kritisiert als erster massiv die Praktiken. Es ist vielleicht ein kleiner Baustein, aber der Beginn der Zweifel. Und zudem ist Katharina Henot keine einfache Bauersfrau. Das erste Mal treffen die Hexenprozesse eine der führenden Familien. Was eine Idee! Im Jahr 1629 bezichtigt die Angeklagte Christina Plum ungefähr zwanzig Honoratioren der Stadt eineb Hexensabbat gefeiert zu haben. Was soll ich sagen? Ab dem Jahr 1630 kommen Hexenprozesse allmählich aus der Mode.
Der 19. Mai es eine vun de schläächtere Dage för Kölle. Der 19. Mai 1627 es der Dudesdag vum Kathring Henot. Et Kathring Henot woodt ömgebraht. Vun wäm, es esu klor wie ungeklärt.
Der Vatter vum Kathring, der Köbes Henot, wandert em 16. Jorhhundert us Holland noh Kölle en. Hä es zwor Katholik, kütt ävver nit als Religionsflüchling – de Calviniste verdrieve em 16. Johrhundert vill Katholike, die sich off en Kölle nidderlooße – nä, dä riche Patrizier weed als kaiserlicher Possmeister berofe. En endräglich Geschäff.
Natörlich hät he Neider. Der Jan vun Coesfeld ringk im dat Amp met Zigge av un wie der Köbes Henot em Johr 1625 stirv, weed et dem vun Coesfeld ein för alle Mol zogesproche. Et Kathring, däm singe Gebootsdag nit ens op et Johr bestemmp weede kann, es zo dä Ziggp wall ald öm de 50 Johr ald un selvsverständlich weetschaf et an der Sigg vun singem Vatter und föht ene lange, zihe Räächsstrigg gäge der Jan vun Coesfeld.
Kaum es singe Vatter dud, weed et Kathring wie ussm Nix vun ener Nihersch, die grad em Klarissekluster exorzeet weed, beschuldig, ehr der Düüvel angehex ze han. Dat hööt sich hüggzedags wie en bekloppte Jeckerei aan, en dä Zigg engk sujet flöck mem Dud.
Et Kathring hät ävver och Fründe un weed baal informeet. Dä Gerüchte, die opkumme, tridd et fröh entgäge, weed entlass un freigesproche.
Villeich es die eeschte Aanscholdigung Zofall, villeich och nit. Villeich entstonn die neu Gerüchte bloß, weil ald ens esu Gerüch en der Welt wor, villeich och nit. Wat ävver stemmp, es, dat et noch ens aangeklag weed un jetz vör et Gereech kütt.
En ener Welt, wo de Kääls meine, de Botze aanhan ze müsse, kütt dat jetz grad rääch. Et setz em Franketurm un reech Aandrag öm Aandrag, Appell öm Appel an de Obrigkeit. Selvs si Broder, der Hartger Henot, immerhen Domkapitular, versag met enem Aandrag beim Kurföösch Fädenand vun Bayern. Dä gesteiht im nit ens ene Avekat zo. Och der Name vum Kläger erfährt et nie.
Kathring weed dreimol gefoltert, es malad un meddlerwiel verkröppelt – un gesteiht nit. Et Rääch säht zo dä Zigg, dat et, wann et unger Folter nit gesteiht, unscholdig es.
Natörlich tauche jetz flöck neu Hinwiese op. Et weed et veete und fünfte Mol gefoltert – un gesteiht nit. Wat nötz all dat Rääch, wann et nit aangewandt weed? Et weed för en „verstockte Sünderin“ erklärt un am 19. Mai 1627 hingereech. Gewöhnlich weede Hexe lebendig verbrannt. Mer gesteiht im ävver zo, dat et vürher erwürg weed. Wie gnädig.
De Zosammhänge weede trotz aller Forschung nie ganz opgeklärt. Op der Hand litt, dat et unbequäm es un fott muss…
Et mag sin, det singe Dud ene wichtige es för de Entwicklung vun de Hexeprozesse donoh. Dä Jesuit Friedrich Spee beobaach de Vürfäll un kritiseet als eeschter massiv die Praktike. Et es villeich ene kleine Baustein, ävver der Aanfang vun Zwiefele. Un zodäm es et Kathring Henot kein ordinäre Buur Frau. Et eeschte Mol treffe de Hexeprozesse ein vun dä Famillie, die der Ton aangevve. Wat en Futzidee! Em Johr 1629 bezichtig de Aangeklagte Christina Plum öm de zwanzig Honoratiore vun der Stadt ene Hexesabbat gefiert ze han. Wat soll ich sage? Av dem Johr 1630 kumme Hexenprozesse peu á peu us der Mode.
Gut, Katharina selbst nützt das nichts. Aber wir wahren mahnend ihr Andenken. Unter anderem mit dieser Figur im Bild am Ratsturm aus dem Jahr 1989. Es gibt aber auch den Roman von Wolfgang Lohmeyer „Die Hexe“ und auch die Bläck Fööss singen mit dem Titel „Katharina Henot“ ein sehr eindringliches Lied über sie. Immerhin ist dieses Unrecht, das man ihr angetan hat, bis heute nicht vergessen.
Michael
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God, dem Kathring selver nötz et nix. Ävver mer wahre si Aandenke un dun mahne. Unger anderem met dä Figur em Beld am Rodsturm usem Johr 1989. Et gitt ävver och der Roman vum Wolfgang Lohmeyer „Die Hexe“ un och de Bläck Fööss besinge et unger däm Titel „Katharina Henot“ en enem ärg äänste Leed. Immerhin es dat Unrääch, dat mer im aangedon hät, bes hügg nit vergesse.
MechelLeer más
Wer hat Angst vor bösen Geistern?
12 de mayo de 2020, Alemania ⋅ ☀️ 9 °C
Wer hat Angst vor bösen Geistern?
Schließt einmal für einen kurzen Moment eure Augen und stellt euch unser linksrheinisches Stadtpanorama vor. Mit z. B. Groß St. Martin, dem Rathaus, dem Rheinufer und...dem Dom. Richtig. Und jetzt das Ganze ohne Dom. Denn der steht ja ganz woanders, vielleicht sogar auf der rechtsrheinischen Seite. Unvorstellbar? Tja, für uns heute schon, aber fast wäre es so gekommen. Aber lest...
Alles begann zu Beginn des neunten Jahrhunderts. Der Erzbischof zu Köln entschloss sich, auf dem Hügel im Nordosten der Stadt, ganz in der Nähe des Rheins, einen Dom zu bauen. Groß sollte er werden und zu Ehren Gottes sollte er errichtet werden. Die Bürger Kölns aber versuchten, den Erzbischof davon abzubringen, den Dom an dieser Stelle bauen zu wollen. Dom ja, überall, aber nicht auf diesem Hügel. Regelrecht panisch vor Angst versuchten einige Männer, den Erzbischof davon zu überzeugen, dass dies kein guter Platz für den Dom sei, schließlich standen dort aus der heidnischen Zeit noch Mauerreste, es gäbe Steine mit Inschriften, die sich nicht erklären ließen und dergleichen mehr. Es heiße zudem, dass es des Nachts dort spuke und die verlorenen Seelen dort ihr Unwesen trieben. Seltsame Geräusche drangen von dort herab. Ebenso habe man Lichter flackern sehen.
Nein, da wollte keiner von ihnen an einem neuen Dom arbeiten.
Der Erzbischof aber ließ sich nicht beirren, er versuchte, die aufgebrachte Meute zu beruhigen, indem er erklärte, dass Gott doch längst alle Heidengötter vernichtet hätte. Und selbst die letzte böse Seele würde vom Domhügel verschwinden, wenn der Dom erst geweiht wäre.
Die Männer wussten nichts mehr zu entgegnen und zogen von dannen. So war es also beschlossen. Es dauerte nicht lange und aus dem ganzen Land kamen Zimmerleute, Steinmetze und Baumeister nach Köln und die Arbeiten begannen.
Bei jedem ausgegrabenen Stein, den man nicht etwas Harmlosem zuordnen konnte, musste ein Priester mit Weihwasser kommen, mit welchem der Fundort "bearbeitet" wurde. Dadurch zogen sich die Bauarbeiten an der Grube über die Monate.
Es war inzwischen Herbst, es wurde früh dunkel und auch kalt. Doch es gab noch einen anderen Grund, warum den Leuten kalte Schauer über den Rücken liefen. Angeblich hatten sie Stimmen gehört, klagende, wehleidende Stimmen. Von Lichtern und seltsamen Unfällen ganz zu schweigen.
Für die Kölner Bürger und sämtliche Arbeiter konnten nur die bösen Geister vom Domhügel schuld sein, die sich rächten, weil man es wagte, sie zu stören und vertreiben zu wollen.
So wurde die Weiterarbeit am Dom verweigert, was zu Streit mit dem Erzbischof führte, bis...ja bis dieser selbst vorschlug, vierzig Tage und Nächte zu fasten und zu beten, dass Gott ihnen beistehen möge. In der Nacht nach der vierzigsten wolle er dann den Hügel von allem noch dort hausenden Bösen befreien.
So geschah es.
In der einundvierzigsten Nacht ging der Erzbischof zum Hügel, begleitet von Blitz und Donner, von Sturm und Regen. Er ließ sich jedoch nicht einschüchtern und setzte seinen Weg fort. Er umrundete den Hügel einmal...dann ein zweites Mal, immerzu Gebete sprechend und mit Weihwasser den Boden besprengend. Da kamen drohend dunkle Schatten und drohten, ihn zu vernichten, sollte er die dritte Runde vollenden. Doch im festen Glauben an den Schutz Gottes tat er genau das.
Kaum hatte er den Hügel zum letzten Mal umrundet, fuhr der Sturm in die Grube, zog Geister und alles Böse heraus und schleuderte sie auf die andere Seite des Rheins. Dann war der Sturm vorbei.
Die Arbeiten am "Alten Dom", wie wir ihn heute nennen, konnten weitergehen und nichts seltsames war jemals wieder geschehen...
Köln deine Legenden...einzigartig, wie du selbst.
Bis bald
eure RamonaLeer más





















































































