Vincenz Statz–„und fertig wird er doch"
2 april 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 7 °C
Vincenz Statz – „und fertig wird er doch“
Heute ist er kaum noch jemandem ein Begriff, dabei hat er eine Menge interessanter Sachen hinterlassen, und als echter Kölner natürlich auch in unserer Stadt. Der neugotische Stil war seiner und gerade in der Neustadt sind einige Kirchen in diesem Stil anzutreffen. Und des Öfteren fällt dann auch sein Name.
Geboren am 09.04.1819 in Köln in der Streitzeuggasse, hat er eine sehr erfolgreiche Laufbahn als Architekt „hingelegt“. So arbeitete er ab 1845 als Werkmeister in der Dombauhütte unter Ernst Friedrich Zwirner, hat den Beginn der Dombauhütte miterlebt und war so gut, dass dieser ihn sogar seine Pläne bearbeiten ließ.1861 wurde er zum Baumeister ernannt und nur zwei Jahre später sogar zum Diözesanbaumeister der Erzdiözese Köln. So war er in fast ganz Europa unterwegs und studierte mit großer Hingabe die Gotik. Und überall hinterließ er Spuren. Neapel, Wien, Linz, Berlin und viele andere Stationen seines Schaffens sind da zu nennen.
Egal ob Altäre, Kanzeln, große Ausstellungsstücke oder ganze Bauprojekte. Überall hatte der umtriebige Statz seine Finger im Spiel. Es ist fast unmöglich, all seine Arbeiten und Stationen zu nennen. Aber einige muss ich natürlich aufführen:
- er war für einige Zeit Dombaumeister in Linz
- er war am Kölner Dombau beteiligt
- noch in der Dombauhütte tätig, plante er die neue Pfarrkirche St. Marien (eigentlich: St. Mariä Himmelfahrt) in Nippes. Diese wurde am 19.11.1882 von Weihbischof Baudri eingeweiht. Statz war mit der Familie Baudri stark verbandelt. Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche leider bis auf die Grundmauern zerstört.
- die Mauritiuskirche in Köln. Kommerzienrat Heinrich Nikolaus Frank war Stifter der neugotischen Kirche. Sie wurde 1865 auf Wunsch des Stifters nach Plänen von Vincenz Statz erbaut. Nach 1945 standen nur noch Teile der Außenmauern und der Turm der Kirche. Erst im Jahre 1956 wurde mit der Errichtung eines jetzt kleineren Kirchenbaus begonnen. Wir können sie also heute leider nicht mehr so bewundern, wie Statz sie bauen ließ.
- die von Vincenz Statz in neugotischen Formen geplante Kirche St. Dionysos in Longerich wurde 1898 bis 1899 errichtet. Der Außenbau hat sich in den 100 Jahren wenig verändert, bis heute präsentiert er sich als neugotische, dreischiffige Backsteinbasilika ohne Querschiff und mit seitlichem Turm im Südwesten.
- er erbaute das alte Ehrenfelder Rathaus an der Venloer Straße zwischen Hansemannstr. und Ehrenfeldgürtel. Im Krieg wurde es zerstört und Ende der 50er Jahre wurden die letzten Reste beseitigt.
- 1849 erwarb der Kölner Kaufmann Johann Adam Jansen das Schloss Weißhaus und beauftragte Statz, eine Schlosskapelle zu entwerfen.
- St. Johannes vor dem Lateinischen Tore in Bocklemünd entstand nach einem Entwurf von Vincenz Statz zwischen 1851 und 1853 als einschiffige Saalkirche mit dreiseitig geschlossenem Chor. Der Westturm wurde im Jahr 1875 errichtet.
- die Sankt-Maternus-Kirche in Rodenkirchen. Vincenz Statz begann 1865 mit dem erst 1867 beendeten Bau der dreischiffigen Hallenkirche aus unverputzten roten Ziegeln. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche, wegen ihrer Nähe zur Rodenkirchener Rheinbrücke, stark beschädigt.
- für Melaten gestaltete Statz Grabmale: meist Hochkreuze, wie für den Juristen Ernst August Reichensperger oder für den Freiherrn von Thimus.
- das Sinziger Schloss, das auf den Resten einer Wasserburg errichtet wurde.
- die Basilika in Rheinbrohl
- dem Altar der Liebfrauenkirche in Trier.
Weitere Bauten, an denen Statz beteiligt war:
- der Neue Dom in Linz in Oberösterreich
- die Marienkirche in Aachen
- die Wallfahrtskirche in Kevelaer.
Des Weiteren steuerte er Entwürfe für die Votivkirche in Wien, den Berliner Dom sowie die Kathedrale von Lille bei.
Mehrere Bücher hat er ebenfalls verfasst. So zum Beispiel das „ Musterbuch der Gotik“. Dieses schrieb er gemeinsam mit August Reichensperger über mittelalterliche Architektur.
Dies ist nur ein sehr kleiner Auszug seines Schaffens.
Das Aquarell „und fertig wird er doch“...
Nun, dieses wirklich sehr bekannte Aquarell muss ich dann doch extra erwähnen, denn es wurde von Statz als Geburtstagsgeschenk für Dombaumeister Zwirner, den er als seinen Ziehvater ansah, gefertigt. Es war ein visionäres Bild, denn es zeigte ein Bild des vollendeten Domes. Dieser war allerdings zu dieser Zeit noch lange nicht vollendet. Es war sein visionärer Blick in die Zukunft. Heute ist es im Wallraff-Richartz Museum zu bestaunen.
Trotzdem trennten sich 1854 ihre Wege. Da Statz durch vielerlei andere Arbeiten sein Schaffen in der Dombauhütte vernachlässigte, wurde ihm von Zwirner gekündigt. So arbeitete er seitdem als Architekt. Später durfte er sich sogar „Privatbaumeister“ nennen.
Vincenz Statz hat Zeichnungen für etwa 150 Kirchen und Kapellen, 47 andere Kirchengebäude, 15 Pfarrhäuser und acht Krankenhäuser sowie mehr als 200 Pläne und Zeichnungen für die Einrichtung von Kirchen (Kanzeln, Altäre, Statuen, Fenster) geliefert. Und es ist noch immer nicht alles entdeckt.
Nun, Statz war ein Netzwerker und Klüngler vor dem Herrn. Egal ob Kirche, Karneval oder Politik, er hatte überall hin unfassbar gute Verbindungen und nutzte diese geschickt. So ließ er mit Vorliebe in Backstein bauen. Das Material lieferte sehr wahrscheinlich die Ziegelei von Johann Wahlen, seinem Schwiegervater.
In Köln-Braunsfeld ist eine Straße nach ihm benannt, die im September 1977 durch die Entführung Hans-Martin Schleyers eine traurige Berühmtheit erlangte.
Nach seinem Tod im August 1898 wurde Vincenz Statz standesgemäß auf der Millionenallee des Melaten-Friedhofs beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht sein letzter und größter Titel: "Königlicher Baurat". Natürlich hatte er das Grabmal selbst entworfen, allerdings weicht der heutige Zustand vom Original ab.
Was für ein Tausendsassa. Er war wirklich sehr aktiv und hat allein in Köln viele Spuren hinterlassen. Schade, dass so ein Mensch fast vergessen ist.
Bleibt neugierig
euer RonaldMeer informatie
Ein zerbrechlicher Riese
31 maart 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 7 °C
120.000 Tonnen wiegt er. Sagt man. Selbst von 160.000 Tonnen habe ich schon gehört. Vermutlich liegt das tatsächliche Gewicht unseres Domes irgendwo dazwischen. Was allerdings feststeht...dass er über der Erde genauso viel wiegt wie darunter. Faszinierend, zu was für baulichen Leistungen man damals bereits fähig war.
Heute wäre das ohne die Hilfe von computerbasierten Berechnungen gar nicht mehr denkbar. Davon abgesehen auch nicht bezahlbar. Man hat mal errechnet, dass der Kölner Dom, würde man ihn heute bauen, ca. 10 Milliarden Euro kosten würde.
Warum aber bezeichne ich ihn als zerbrechlichen Riesen? Wegen seiner Bauweise. Der gotischen Architektur. Ich habe im Dominneren schon oft beobachtet, wie die Blicke der Besucher staunend nach oben gingen. Als würden sie in den Himmel schauen. Und in der Tat ist die Höhe im Innenraum gigantisch. Und auch die Gewölbedecke selbst ist ein Wunderwerk damaliger Zeit. Wenn im Kreuzgewölbe der jeweils letzte Stein, der Schlussstein gesetzt war, wurden die Stützen unter dem Gewölbe herausgebrochen und erst dann wurde ersichtlich, ob die Konstruktion hielt. Und wenn ihr euch den "Himmel" im Kölner Dom etwas genauer anschaut, seht ihr, dass sich diese Frage wohl oft gestellt wurde.
Was aber trägt dieses unglaubliche Gewicht? Tragende Wände gibt es kaum, an ihrer statt befinden sich hohe Fenster, die das Dominnere je nach Wetter in ein wunderschönes Licht tauchen. Die Antwort liegt draußen. Dieses filigran anmutende Strebewerk ist es, dass den Dom davor schützt, einfach in sich selbst zusammenzufallen...
Ohne dieses Strebewerk würden die Kräfte der Gewölbe, die sogenannten Schubkräfte, die auf die Hochschiffwand einwirken, diese nach außen drücken, sie würden irgendwann nachgeben...und weiter brauche ich hier glaube ich nicht über die Folgen zu schreiben.
Die Strebebögen nehmen diese Schubkräfte auf und leiten sie über die Strebepfeiler nach unten in den Boden ab, was dafür sorgt, dass unser Dom dasteht, wie ein Fels in der Brandung. Und ist er nicht genau das für ganz viele von uns?
Und noch etwas wird über dieses Strebewerk vom Dom "weggeführt". Etwas, dem der Dom häufig ausgesetzt ist, nämlich Wind. Wenn wir über die Domplatte gehen und dort schon gegen den oft vorkommenden starken Wind ankämpfen müssen, was für Kräfte wirken dann wohl erst oben am Dach des Domes...
Ihr seht also, dass dieses Strebewerk mit all seinen Türmchen, bildhauerischen Feinarbeiten und Steinblumen nicht einfach nur schmückendes Beiwerk zum Dom selbst ist. Er wäre ohne dieses nicht fähig, stehen zu bleiben. Ein Anlass, einmal mehr all jenen zu danken, die ihre ganze Kraft und ihr ganzes Können in den Erhalt des Domes geben und gegeben haben. Von 1904 bis 1939 zum Beispiel wurde das gesamte Strebewerk am Chor durch die Dombauhütte erneuert.
Zum Schluss noch etwas erstaunliches, hat es auch nicht rein mit dem Strebewerk zu tun, sondern vielmehr damit, schädliches Nass vom Dom fernzuhalten. War es eben der Wind, ist es jetzt der Regen, der auf das Dach des Domes prasselt, oder Schmelzwasser von Schnee und Eis. Denn, dass dieses Wasser zur schnellen Verwitterung des Gemäuers und Schäden auch an den Fenstern führen würde, wusste schon Meister Gerhard. Und so wird dieses auf einem Weg von unglaublichen 50 km!! über Rohre und Rinnen und dann zum Teil über die vielen Wasserspeier vom Dom weggeführt.
Unsere Kathedrale...durchdacht bis ins kleinste Detail. Einfach faszinierend unser zerbrechlicher Riese.
Bis bald
Eure RamonaMeer informatie
Der Börsenbrunnen
30 maart 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 4 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
Der Börsenbrunnen
Heute möchte ich euch ein paar Hinweise zum Börsenbrunnen an der Gereonstraße geben. Ihr findet diesen Brunnen auf dem Börsenplatz, und er ist ja auch nicht zu übersehen.
Nun zum Brunnen selbst. Unten sehen wir eine große Mittelplatte, aus der kreisförmig Wasserstrahlen sprühen, dieses Wasser wird dann in einer Mulde aufgefangen. Mittig erhebt sich eine große Bronzestele, bestehend aus dreißig rechteckigen Elementen, welche auf der Außenseite offen sind. Auch aus diesen Elementen läuft Wasser.
Entworfen wurde dieser Brunnen vom Kölner Bildhauer und Medailleur Heribert Calleen im Jahre 1964. Über diesen Herrn werde ich in absehbarer Zeit einen eigenen Beitrag veröffentlichen.
Aufgestellt wurde der Börsenbrunnen einige Monate später vor der Westfassade der Industrie-und Handelskammer, welche ihn auch gestiftet hat. Er soll den Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg in Köln darstellen. Dafür stehen die aufgeschichteten Elemente.
Aber, wie es ja in unserer Stadt so ist, wir neigen dazu, liebgemeinte Spitznamen zu verteilen und viele Objekte im öffentlichen Raum haben so ihre „stadtinternen“ Namen weg, so auch dieser. Ihn nennt man gerne „SCHASCHLIKBRUNNEN“. Schaut ihn euch genauer an, dann wisst ihr, warum.
Geht mit offenen Augen durch unsere Stadt, es gibt so viel zu entdecken
euer RonaldMeer informatie
Auf den Spuren der Römer
29 maart 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 5 °C
Auf den Spuren der Römer
Hatte euch im Januar Ramona ja schon einiges über die Eifelwasserleitung aus der Römerzeit erzählt, möchte ich das Thema heute noch einmal vertiefen.
Die Römer waren schon clevere Burschen, indem sie das gute Eifeler Quellwasser mittels "Gefälle und Kanäle" nach Köln schafften.
Doch war mehr nötig, als nur eine Leitung zu verlegen, denn das Wasser hatte ja auch allerlei "Unrat", wie Schwebstoffe in sich, auf den 116 Kilometern, von der Eifel bis Köln. Es musste praktisch trinkbar gemacht werden.
So nehme ich euch heute mit zum Absetzbecken im Grüngürtel.
Dieses liegt am Kölnpfad oder auch am Kulturpfad Lindenthal. Mehr noch, es liegt als Punkt 52 am Römerkanal Wanderweg, der direkt aus Nettersheim in der Eifel nach Köln führt. Gefunden wurde das Becken bereits 1927, als der Duffesbach reguliert werden sollte. Dieser fließt auch heute noch dort.
Hier wurde also einst das Wasser geklärt, bevor es weiter Richtung Colonia fließen konnte. So war nämlich ein Römerkanal aufgebaut. In diesem heute kurz vor Köln - Klettenberg liegenden Bauwerk waren gleich zwei Becken installiert, die miteinander verbunden waren. Das größere der beiden Becken war der Schlammfang. Das kleinere Becken diente, um den Schlamm wegzuspülen und war auch notwendig bei eventuellen Reparaturarbeiten als Umlenkbecken. Errichtet wurde es vorwiegend aus Tuffstein und Gussbeton. Ganz schön clever diese Römer.
Ihr wisst ja, dort in der Ecke Klettenberg, Nähe Militärring /Berrenrather Straße war das Tor zum sogenannten Vorgebirge, darum spricht man auch von der Vorgebirgsleitung. Doch wann genau wurde diese errichtet?
Durch Ausgrabungen wurden im Schlemmmaterial der Leitung antike Münzen gefunden, die aus 30 n. Christus datieren. Wahnsinn! So lange hat sich alles im Boden erhalten, damit wir es heute entdecken können.
Doch ausser diesem zum Schutz vor Vandalismus eingezäunten Absetzbecken, steht dort auch ein Teil einer römischen Wasserleitung, wie sie oberirdisch öfter zu sehen ist. Auch in Ramonas Artikel "Die spinnen die Römer", kommt uns ein solches Teilstück einer Leitung entgegen. Dieses hier vor Klettenberg ist allerdings keins aus Colonia, sondern es wurde in Mechernich-Breitenbenden, also in der Eifel, geborgen und hier aufgestellt. Sozusagen als weiteres Schaustück, damit wir etwas mehr über die römische Wasserleitung erfahren können, kam es 1992 hierhin. Allerdings hatte es bereits zuvor einige Jahre in Köln gestanden, nachdem es in der Eifel wegen Straßenbauarbeiten weichen musste.
Man kann dort übrigens wunderbar spazieren gehen, entlang des Duffesbach, mit in der Nähe dem Decksteiner Weiher und dem Geißbockheim. Auch Abstand halten ist bei gesundem Menschenverstand gut möglich.
Habt einen angenehmen Sonntag und bleibt gesund.
Eure ElisabethMeer informatie
Bayenturm
27 maart 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 12 °C
Köln hat so manch ein Wahrzeichen. Der Dom geht zu aller erst voran. Der ist weltbekannt. Dann haben wir den Rathausturm, der als Zeichen für die Macht und den Reichtum der Kölner Bürger aufgestellt wurde. Die Kirchtürme, die so unzählig sind, dass sie uns den Ruf eingebracht haben, die heiligste Stadt nördlich der Alpen zu sein, das heilige Köln, gehören auch dazu. Und dann kann man heute Gebäude wie das „Henkelmännchen“ oder auch den Colonius dazu nennen. Für FC-Fans sicher auch das schönste Stadion der Welt, das hier in Köln steht.
Und dann ist da noch der Turm, der lange Zeit ein stolzes Symbol für unsere Freiheit war und ein bisschen was vergessen wird, der Bayenturm oder heutzutage der „FrauenMediaTurm“. Und da kam so:
Der Turm wird ab 1217 gebaut. Nur, als der Turm irgendwann nach 1220 fertig ist, ist da nicht nur der Turm. Es ist eine Burg. Heute steht da nur noch der Turm und auf der Westseite schließt sich ein kleines Tor mit einem Stück Mauer an. Es ist eine mächtige Burg, die im Osten mit Hilfe eines „Arks“, einem Bogen, bis in den Rhein hinein gebaut wird und so die mächtige Stadtmauer im Südosten abschließt. Der Ark ist übrigens nicht lange da. Er steht so ungünstig in der Strömung des Rheins, dass sie ihn im 15. Jahrhundert wieder abreißen.
Nun ist es in Köln aus Tradition so, dass wir Streit mit dem Erzbischof haben. An dieser Stelle genau zu beschreiben, warum diesmal, wäre ein bisschen viel. Davon schreiben ich lieber einen eigenen Beitrag. Aber so viel: im Jahr 1261 kommt Erzbischof Engelberg von Falkenburg in sein Amt und schon im Frühjahr 1262 steht er mit seinen Truppen, einem ganzen Heer, vor der Stadt und nimmt den Kunibertsturm im Norden und den Bayenturm im Süden ein. Die beiden strategischen Positionen reichen, um die ganze Stadt in der Gewalt zu haben und zu erpressen. Geld will der Lump haben und das nicht zu knapp. Die Kölner überlegen, was sie tun können und verstehen, dass sie kämpfen müssen, wenn sie nicht für Jahre oder Jahrzehnte zahlen wollen.
Also nehmen sie sich die Waffen und greifen die eigenen Festungen an. Die im Norden, der Kunibertsturm, fällt zuerst. Die im Süden, der Bayenturm, ist aber nicht so leicht einzunehmen. Die Truppen des Erzbischofs sind zäh und wehren sich lange. Es gibt ein Blutbad. Aber am Ende bricht der Widerstand und die Kölner stürmen mit dem Ruf „Köln voran“ oder „Köln über alles“ – „Kölle Alaaf!“ den Turm. Es ist ein wichtiger Sieg. Zwar ist es nicht das Ende des Konflikts, der in der Schlacht von Worringen gipfelt, aber ein wichtiger Etappensieg. Dadurch wird der Bayenturm mit dem Kölner Stadtwappen darauf für lange Zeit ein wichtiges Zeichen der Freiheit der Stadt.
Genutzt haben sie das Symbol für Freiheit aber eher, um den Schurken die Freiheit zu nehmen. Es wird ein Gefängnis. Im Untergeschoss sind die Zellen, darüber die Zimmer der Wachleute. Interessant ist dabei, dass man nicht einfach „gefangen“ ist. Nein! Die Insassen mussten den Lohn der Wachleute zahlen… Was genau sie tun mussten, um das Geld zu verdienen, kann ich nicht sagen, aber schlaue Texte werden sie nicht geschrieben haben.
Im Dreißigjährigen Krieg wird die Festung dann noch weiter ausgebaut. Wir sperren damit zu der Zeit den Krieg aus und die Freiheit ein. Aber das mit Erfolg. Deutz brennt und in Köln treibt man weiter Handel mit dem Kram, den man für einen richtigen Krieg so braucht.
Der Zweite Weltkrieg ist aber zu viel für den Turm. Ausgebombt bleibt nur noch das Fundament stehen und es dauert bis in die 80’er Jahre, bis er wieder aufgestellt wird. Es war mal wieder eine Frage des Geldes. Und wie der Rat hört, dass Alice Schwarzer, die Plage meiner Pubertät, die sicher auch den ein oder anderem Mann im Rathaus gequält hat, dort ein feministisches Archiv unterbringen will, ist die Entscheidung nochmal schwieriger. Aber wir kennen ja Alice. Sie setzt sich durch. Und seit 1994 kämpft sie hier für die Freiheit der Frauen und ist Chefin des „FrauenMediaTurms“.
Und ehrlich? Es ist gut so. Literatur über Frauen zu finden, die ja nie in der ersten Reihe der Geschichtsbücher über Köln stehen, ist nicht so leicht. Hier findet man so ziemlich alles über die Frauen, auch von Köln.
Michael
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Kölle hät su mänch e Wohrzeiche. Der Dom geiht jo zo aller eesch vüraan. Dä es jo weltbekannt. Dann han mer der Rodhuusturm, dä als Zeiche för de Maach un der Richdum vun de kölsche Bürger opgestallt woodt. Die Kirchtürm, die esu vill sin, dat se uns der Rof engebraht han, de helligste Stadt nördlich vun de Alpe zo sin, et hellige Kölle, gehüre för mich dobei. Un dann kann mer hügg Baute wie et „Henkelmännche“ ov och der Colonius dobei dun. För de FC-Fans secher och et schönste Stadion vun der Welt, dat hee steiht.
Un dann es do noch dä Turm, dä lange Zigg e stolz Symbol för uns Freiheit wor un e bessche jet vergesse weed, der Bayeturm ov hüggzedags der „FrauenMediaTurm“. Un dat kom esu:
Dä Turm weed av 1217 gebaut. Nor, wie dä Turm irgendwann noh 1220 fäädig es, es do nit nor ene Turm. Et es en Burg. Hügg steiht do nor noch der Turm un op der Wesssigg schlüüß sich noch en klein Pooz met enem Stück Muur aan. Et es en mächtig Zwingburg, die em Oste met Hölp vun enem „Ark“, enem Boge, bes en der Rhing eren gebaut weed un esu de staatse Stadtmuur em Südoste avschlüüß. Dä Ark es üvvrigens och nit lang do. Hä steiht esu ungeläge en der Strömung vum Rhing, dat se in em 15. Johrhundert widder avrieße.
No es et en Kölle us Tradition esu, dat mer Öschel mem Ääzbischoff han. An dä Stell jetz genau ze beschrieve, woröm dismol, wör e bessche vill. Dovun schrieve ich leever ene eige Beidrag. Ävver su vill: em Johr 1261 kütt der Ääzbischoff Engelbäät vun Falkeburg en et Amp un ald em Fröhjohr 1262 steiht hä met singe Truppe, enem ganze Heer, vür der Stadt un nimmp der Kunibäätsturm em Norde un der Bayeturm em Süde en. Die zwei strategische Positione recke, öm de Stadt en der Gewalt ze han un zo erpresse. Nüsele well dä Schudderhot han un dat nit ze knapp. De Kölsche üvverläge, wat se dun künne un verstonn, dat se kämfe müsse, wann se nit för Johre ov Johrzehnte bleche wolle.
Alsu nemme se sich de Waffe und griefe de eige Festunge aan. Die em Norde, der Kunbäätsturm, fällt zoeesch. Die em Süde, der Bayeturm, es ävver nit esu leich ze krige. De Truppe vum Ääzbischoff sin zih un wehre sich lang. Et gitt e Blodbadd. Ävver am Engk brich der Widderstand un de Kölsche störme met däm Rof „Kölle vüraan“ ov „Kölle üvver alles“ – „Kölle Alaaf“ dä Turm. Et es ene große Seeg. Zwor es et nit et Engk vum Konflik, dä bes en de Schlaach vun Worringe föht, ävver ene wichtige Etappeseeg. Dodurch weed der Bayeturm mem kölsche Stadtwappe drop för lange Zigg e wichtig Zeiche för de Freiheit vun der Stadt.
Genotz han se dat Symbol för Freiheit ävver ihter, för Krade de Freiheit ze nemme. Dä Turm weed en Blech. Em Ungergeschoss sin de Zelle, dodrüvver de Zemmere vun de Waachlück. Intressant es dobei, dat mer nit einfach do „gefange“ es. Enä! De Ensasse müsse der Luhn för de Waachlück berappe… Wat genau se dun müsse, öm de Moppe ze verdeene, kann ich nit sage, ävver gewetzte Texte weede se nit geschrevve han.
Em Dressigjöhrige Kreeg weed die Festung dann noch wigger usgebaut. Mer sperre domet zo dä Zigg der Kreeg us un de Freiheit en. Ävver dat met Erfolg. Düx brennt un en Kölle driev mer wigger Handel met Krom, dä mer för ene richtige Kreeg esu bruch.
Der Zweite Weltkreeg es ävver zo vill för dä Turm. Usgebomb bliev nor noch et Fundament stonn un et doot bes en de 80’er Johre bes hä widder opgestallt weed. Et ging ens widder bloß öm de Moppe. Un wie der Rod hürt, dat et Alice Schwarzer, de Plog vun minger Lällbeckezigg, dat secher och dä ein ov andere Kääl em Rodhus getriez hät, do e feministisch Archiv ungebränge well, es die Entscheidung noch ens vertrackter. Ävver mer kenne jo et Alice. Et setz sich durch. Un zick 1994 kämf et hee för de Freiheit vun de Fraulück un es et der Baas vum „FrauenMediaTurm“.
Un ihrlich? Dat es god esu. Literatur üvver Fraue ze finge, die jo nie en der eeschte Reih vun de Böcher stonn, die sich met der Historie vun Kölle beschäftige, es nit esu leich. Hee fingk mer zemlich alles üvver de Fraulück, och vun Kölle.
MechelMeer informatie
Der Geißbock der Schäl Sick
26 maart 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 7 °C
Düxer Bock? Ja, habe ich schon von gehört. Mit dem FC hat er nichts zu tun. Da bin ich mir ziemlich sicher. Da gibt es doch irgendeine Geschichte zu. So ähnlich wird wohl der eine oder andere überlegt haben, als er die Überschrift las. Und ihr habt Recht. Es gibt eine ganz wunderbare und typisch kölsche Geschichte dazu. Macht es euch gemütlich und lasst sie euch von den Kölschgängern erzählen…
Die Geschichte spielt in Deutz, vor langer Zeit ist sie geschehen, aber bis heute wird sie immer wieder erzählt, denn sie ist einfach zu verrückt. Obwohl, wenn wir uns in der Nachbarschaft umsehen… Egal, los geht’s.
Es begann wie so oft im Leben mit einem an sich völlig harmlosen Streit unter Nachbarn. Also, im hübschen Deutz, in der Siegburger Straße, wohnte ein Schneider. Leider verdiente man zu dieser Zeit mit diesem Handwerk nicht viel. Um seinen Lohn aufzubessern, züchtete er in seiner Wohnung Singvögel und stellte sie in Käfigen im Fenster aus. So konnte er wenigstens ein paar Taler dazuverdienen, und außerdem gefiel ihm das Geträller der kleinen Pieper, denn es brachte etwas Abwechslung in den tristen Alltag.
Leider wohnte gegenüber ein Steuereintreiber, den das Gezwitscher am frühen Morgen auf den Sa... ging, er schlief gerne etwas länger und der Vogelgesang störte da gewaltig, da er morgens, sobald es hell wurde, durch das laute und für ihn gar nicht melodisch klingende Geträller viel zu früh geweckt wurde. Also versuchte er, den Nachbarn zu überzeugen, sich ein anderes Hobby, oder Zubrot, oder wie auch immer zu suchen. Der tat ihm leider den Gefallen nicht, und nach langen und fruchtlosen Diskussionen und Streitereien, verklagte der Steuereintreiber seinen Nachbarn. So kam, was kommen musste. Er zog vor Gericht. Zu seinem Pech hielt sich aber der Richter selbst ein paar Singvögel, und so war das Urteil klar. Der Steuereintreiber verlor vor Gericht.
Nun wollte aber der Steuereintreiber seine Niederlage nicht so einfach hinnehmen, und nach langen und nicht sehr fruchtbaren weiteren Streitereien kam ihm dann eine glorreiche Idee. Er besorgte sich einen Ziegenbock, baute sich einen Käfig für das Tier und platzierte den Bock schön an seiner Hauswand. Da er ihn nur sehr wenig fütterte, meckerte dieser dauernd lautstark. Der Schneider merkte, worauf das ganze hinauslief. Außerdem waren die Nachbarn im Veedel längst aufmerksam auf die beiden Streithähne geworden und verspotteten den Schneider, da er den ganzen Tag das Meckern der Ziege ertragen musste. So riefen sie ihn nur noch
„Schneider meck meck meck“.
Es ist nicht bekannt, ob ihm der hungernde Ziegenbock leid tat, oder ob es andere Gründe waren, jedenfalls wollte er den Frieden in der Straße wieder herstellen und bot dem Steuereintreiber an, seine Singvögel zu verkaufen. Im Gegenzug sollte der Steuereintreiber den Ziegenbock verkaufen. Der Steuereintreiber aber ging nicht darauf ein, er sah sich jetzt als Sieger des Wettstreits und kostete den Erfolg aus. Leidtragender an der Geschichte war der Ziegenbock, denn dieser verstarb nach 14 Tagen.
Nun glaubte der Schneider, dem das Gelächter hinter seinem Rücken mittlerweile zu schaffen machte, die Situation wäre ausgestanden.
Aber weit gefehlt. Der Steuereintreiber setzte noch einen oben drauf. Er ließ einen steinernden Bock anfertigen und diesen über seiner Haustür anbringen. Dies verstärkte den Spott natürlich noch. Nach einer Weile konnte der Schneider dies nicht mehr ertragen und so zog er mit seiner Familie fort.
Was die beiden Streithähne aber nicht wussten, die Schneiderstochter Gertrud und Fritz, der Sohn des Steuereintreibers waren sich schon länger näher gekommen und trafen sich heimlich, denn ihnen war klar, dass ihre Väter mit der Partnerwahl nicht einverstanden wären. Nun, nachdem die Schneidersfamilie fortgezogen war, glaubte Fritz, sein Mädchen verloren zu haben und war sehr unglücklich.
Jahre vergingen, der Steuereintreiber verstarb und das Haus stand zum Verkauf. Die Schneiderstochter aber hatte ihren Fritz ebenfalls nicht vergessen. So kam sie heimlich nach Köln, kaufte das Haus mit dem Bock, heiratete ihren Fritz und sie lebten glücklich noch viele Jahre in diesem Haus.
So ihr Lieben. Das war die Geschichte vom „Düxer Bock“, sie ist bereits sehr alt, denn schon 1512 wurde in der Siegburger Straße ein Haus mit dem Namen „Im Bock“ erwähnt, und 1583 nannte man dieses Haus „Wirt im Bock“, und im Jahre 1795 „Das Haus mit dem Bocksbild“.
Selbst einen Brauch dazu gab es hier in der Gegend im Mittelalter. Ein Schneidergeselle musste nach bestandener Prüfung zu diesem Haus gehen, den Bock küssen und dreimal hochleben lassen.
Später wurde für dieses Haus sogar eine Bockfahne angefertigt, und so kam es langsam zu einem neuen Brauch. Die Düxer Bockfahne wurde jedes Jahr zum Schützenfest in Deutz ausgehangen, heute steht diese Fahne im Kölner Stadtmuseum.
Längst ist der Bock das inoffizielle Wappentier des Stadtbezirks Deutz, viele Vereine führen ihn als Wappentier, Logo oder Maskottchen. Seit 1963 steht in Deutz dieser Bock, vom Kölner Bildhauer Gerhard Marcks, der damit an diese Geschichte erinnerte. Übrigens stammt von Marcks unter anderem auch der Albertus Magnus vor dem Hauptgebäude der Universität.
Der Düxer Bock steht heute an der Lorenzstraße auf einem kleinen Platz.Meer informatie
Ein Name mit Gewicht
24 maart 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 6 °C
Ein Name mit Gewicht
"Reichensperger, Reichensperger...den Namen habe ich schon mal irgendwo gehört..."
Sagt ihr euch das auch gerade? Ja, dieser Name taucht in Köln tatsächlich des Öfteren auf. Unter anderem gibt es da den Reichenspergerplatz in der Kölner Neustadt Nord, das dortige Justizgebäude Reichenspergerplatz, sowie die U-Bahn-Station der Linien 16 und 18 mit gleichem Namen. Aber wer war denn nun dieser Namensgeber?
Nun, (und das folgende bitte mit einem Augenzwinkern verstehen) zu seiner Schande muss man sagen, er wurde nicht in Köln geboren, von echtem kölschen Adel also weit und breit keine Spur. Was also gibt es für einen Grund, über ihn zu schreiben und noch mehr die Frage: was gab es für einen Grund, seinen Namen in Köln zu verewigen? Fangen wir von vorne an...
August Reichensperger wurde am 22. März 1808 in Koblenz geboren. Nachdem sein Vater früh verstorben war, zog seine Mutter ihn und seine drei Geschwister allein auf und er, sowie sein Bruder bekamen sogar die Möglichkeit zu studieren. August machte im Jahre 1827 sein Abitur und studierte danach in Heidelberg, Bonn und Berlin Jura.
Immer noch kein Köln...aber jetzt!
Nach Münster und Koblenz trat er seinen Dienst beim Landgericht Trier von 1844 bis 1848 an.
Von 1849 bis 1879 wirkte er in Köln als Appellationsgerichtsrat (Appellationsgericht = Berufungsgericht) und schon vorher gab es einen wichtigen Punkt, womit sich Reichensperger schon um Köln verdient gemacht hat. Bereits seit dem Jahr 1840 war er um den Weiterbau des Kölner Domes bemüht, er war sogar Gründungsmitglied des Zentral-Dombau-Vereins zu Köln (1842). Seine weiteren beruflichen Aktivitäten, die auch in anderen Städten stattfanden, erläutere ich hier nicht weiter, lieber gehe ich noch kurz auf seine Bestrebungen in Köln ein. Ein einfacher Mensch schien er übrigens nicht gewesen zu sein, er vertrat seine Meinung in einigen Dingen sehr beharrlich, wenn nicht sogar schon aggressiv bis angriffslustig. Er war politisch sehr engagiert und war einer der Führenden des politischen Katholizismus. Des Weiteren war er auch Kunstliebhaber und ebenso wie für den Kölner Dom setzte er sich dafür ein, dass Baudenkmäler aus dem Mittelalter wieder instandgesetzt wurden. Dabei bestand er allerdings darauf, dass eventuelle frühere Veränderungen wieder in die ursprüngliche Form gebracht werden mussten.
Man sieht, ein streitbarer Geist.
Diesen streitbaren Geist zeigte er auch an anderer Stelle. Um nur zwei Punkte zu nennen:
Die Stadtmauer. Reichensperger war einer derjenigen, die vehement gegen den Abbruch dieser waren. Er galt diesbezüglich als fanatisch. So kam es zu dessen Ausspruch: "die Torburgen wurden wie Leichen behandelt, welche zu begraben man vergessen hatte".
Das Dach des Kölner Domes: der damalige Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner stand für eine Metallkonstruktion im Dachstuhl des Domes. Reichensperger verhielt sich demgegenüber sehr kritisch und konservativ und bestand auf einer traditionellen Holzkonstruktion. Zum Glück konnte Zwirner sich durchsetzen, denn sicherlich hätte unser Dom den zweiten Weltkrieg sonst gar nicht überstehen können.
August Reichensperger war vielleicht kein waschechter Kölner. Aber für sein Engagement für die Stadt Köln in vielen Dingen wurde er im Jahr 1895 zum Ehrenbürger ernannt. Er starb am 16. Juli 1895 in Köln und liegt auf Melaten begraben...
Bis bald und bleibt gesund
eure Ramona
Das Zitat des Herrn Reichensperger habe ich dem Buch "Die Mauer von Cöln" entnommenMeer informatie
Kettenglied Deutzer Brücke
23 maart 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 5 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
Was steht denn da auf der Deutzer Brücke rum?
Diese Frage haben sich bestimmt schon viele gestellt, wenn sie die Deutzer Brücke überquert haben.
Nun, es handelt sich hier um das Teil eines Kettengliedes der zerstörten Deutzer Hängebrücke, sie wurde von 1913-1915 errichtet.
Ab 1935 wurde sie Hindenburgbrücke genannt, nach dem kurz vorher verstorbenen Paul von Hindenburg. Am 28. 02.1945 brach diese Brücke durch Überlastung zusammen.
Dieses Stück, ein Augenstab eines der tragenden Kettenglieder der damaligen Konstruktion, wurde bei Bauarbeiten 1977 gefunden und steht heute als Denkmal auf dem nördlichen Fußgängerüberweg der linksrheinischen Brückenseite.
Das Kettenteil ist 9,2 m lang, 0,9 hoch, 12mm dick und wiegt 925 kg.
Bleibt neugierig und aufmerksam
euer RonaldMeer informatie
Karl Alder
22 maart 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 7 °C
Köln - Flittard und der Nobelpreis
Heute nehm ich euch mit zu einer Grabstätte auf dem Deutzer Friedhof. Dort ruht ein Mann der Wissenschaft, der im Juli 1902 in Oberschlesien geboren wurde.
Nachdem er mit seinen Eltern nach Kiel umgezogen war, studierte er dort Chemie und fand später einen guten Lehrherren. Otto Diels, dem er ein Gros seines Wissens verdankte.
Doch wie es so ist, die Jugend will weiter und so mussten sich ihre Wege trennen. Er ging nach Leverkusen, wo er in der dortigen Farbenfabrik eine Anstellung fand.
Hier beginnt sozusagen der Kölner Weg des Kurt Alder.
Mittlerweile war er bereits zum Professor ernannt worden. In Leverkusen forschte er an der Herstellung von synthetischem Gummi.
An der Kölner Universität bekam er einen Lehrstuhl. Diesen hatte er auch im 2. Weltkrieg inne. Im Jahre 1944 musste dieser Lehrstuhl nach Marburg umsiedeln. Doch auch danach blieb er der Uni Köln treu. Nachdem in Köln wieder alles aufgebaut war, denn dort hatte der Bombenhagel gewütet, kam er zurück nach Köln, obwohl sowohl Berlin als auch Marburg ihn gerne zu sich berufen hätten. Im Jahre 1950 zahlte sich seine Beharrlichkeit, ja sein Forscherdrang, aus. Gemeinsam mit seinem früheren Lehrherren, Otto Diels, wurde den beiden Gelehrten, die für die in der Wissenschaft bekannte "Diels-Alder Reaktion" verantwortlich zeichneten, der Nobelpreis für Chemie verliehen.
Doch damit nicht genug, die Medizinische Fakultät der Uni Köln verlieh ihm im selben Jahr sogar den Ehrendoktor Titel.
Jedoch nicht nur in Köln wurde ihm diese Würde zuteil, sondern auch im spanischen Salamanca.
Ihr erkennt schon, er war ein ganz Großer. Dies wusste man in Köln auch zu schätzen, denn der größte Hörsaal an der Uni ist nach ihm benannt. Sogar eine Straße im rechtsrheinischen Köln- Flittard trägt seinen Namen. Hatte er doch dort gelebt. Die Leverkusener Farbenfabrik lag quasi ums Eck.
Auf der Rückseite des Mondes liegt ein Krater, der ebenfalls ihm zu Ehren "Alder Krater" genannt wird.
Viel Ehrung für einen einzelnen Mann.
Auch Aldrin und Dieldrin sind Insektizide die von Alder und Diel "erfunden" wurden. Um mal etwas zu benennen, was wir als Laien "erfassen" können.
Doch wie ging es nun weiter mit Kurt Alder und Köln?
Leider nicht so gut, denn die Wissenschaft forderte ihren Preis. Er verbrachte zuviel Zeit mit Arbeit, sein Herz wurde immer schwächer.
Es ereilte ihn dann auch plötzlich der Herztod, welcher im Juni 1958 eintrat. So wurde dieser begabte Wahlkölner nur 55 Jahre alt.
Seine Frau Gertrud Alder, geborene Blitzer, die ebenfalls in dieser Grabstelle beigesetzt ist, rief mit der Uni Köln die Kurt Alder Stiftung ins Leben.
Dort wird seit 1994 jährlich der Kurt - Alder Preis an Kölner Nachwuchswissenschaftler der Organischen Chemie vergeben.
So hatte ich mir also einen Besuch auf dem Deutzer Friedhof bei diesem Mann fest vorgenommen. Sein Grab ist auch relativ einfach zu finden. Am Haupteingang, nachdem man den Pförtner freundlich gegrüßt hat, geht es gleich rechts rum und dann ca. 80 Meter geradeaus, dann sieht man links das Grab der Familie Sünner und gleich daneben dort ruht er, der Kölner Nobelpreisträger Kurt Alder.
Auch sonst hat der Friedhof interessante Grabstellen und Grabmale zu bieten. Für Fotofreunde der Bildhauerkunst durchaus zu empfehlen.
Habt einen schönen Sonntag und bleibt gesund!
Eure ElisabethMeer informatie
Ursula Judin / Et Ööschel Judin
20 maart 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 11 °C
Vorige Woche habe ich ja einen recht deftigen Beitrag über das Milieu der Huren in Köln im Mittelalter und der frühen Neuzeit geschrieben. Ich wollte damit beschreiben, in was für einer Welt das Mädchen gelebt hat, um welches es heute geht. Schnell nochmal nachlesen könnt Ihr das, wenn Ihr auf dem Link ganz unten, hinter diesem Text, drückt.
Ursula Judin ist ein Mädchen, das kurz nach 1560 in Friedberg in Hessen geboren wird. Man kann nicht mehr genau sagen, warum genau eine „gute Frau“ sie um 1573 nach Köln bringt. Es liegt aber nahe, dass die Eltern verstorben waren. Sie wird als Jüdin geboren - das lässt der Name ja schon erahnen. Aber das geht zu der Zeit nicht. Also, Jüdin sein ja, aber Jüdin sein und in Köln wohnen, das geht von 1424 bis die Franzosen 1794 kommen, nicht. Ich glaube, da hat man dann mit höchstens 13 Jahren nicht viel beigetragen, wenn man auf einmal als Christenmensch getauft ist. Aber so ist sie hierhin gekommen.
Aufgezogen wird Ursula zur Sicherheit im Konvent „zum Lämmchen“ in der Breite Straße, wo sie auch lesen und schreiben lernt. (Warum sagt man das überhaupt so? Ich kenne keinen, der nur das eine oder das andere kann…) Von dort aus bekommt sie eine Anstellung als Dienstmädchen beim Oberbürgermeister Constantin von Lyskirchen. Nicht schlecht, dieses Dienstverhältnis, für ein langweiliges Leben im Bürgertum. Aber am Ende sprechen bei so jungen Leuten die Hormone ein Wörtchen mit. Es funkt zwischen ihr und einem Gesellen aus Mainz, sie wird schwanger und zieht mit ihm dorthin. – Wissen wir alle, das geht heute meist nicht gut und zu der Zeit auch nicht. Was auch immer war, 1579 ist sie mit dem Kind wieder in Köln und muss zusehen, wie sie allein klar kommt.
Wie macht man das, wenn an eine Anstellung als Dienstmädchen so gar nicht mehr zu denken ist? 1581 steht sie vor Gericht, weil man ihr vorwirft ein unzüchtiges Leben zu führen, zu Männern nett zu sein, so dass sie immer wieder von diesen besucht wird. Das weist sie nicht ab und so wird beschlossen, dass sie bei Sankt Kunibert ins „Loch“ kommt, bis sie wieder züchtig ist. – Denkste, die Kavaliere waren so daran interessiert, dass sie eben nicht „züchtig“ wird, dass sie dort niemals ankommt. Als sie frei ist, reist sie zunächst nach Frankfurt, nimmt dort das Messegeschäft mit und ist kurz drauf wieder in Köln, um sich bei den Stammkunden zu bedanken.
Ich möchte nicht rumalbern, aber das Leben aus den Gerichtsakten über Ursula finde ich echt filmreif. Im März 1582 ist sie wieder schwanger, wird aufgegriffen und kann nicht sagen, wer der Vater ist. Sie beteuert aber ein züchtiges Leben anzustreben und nur Pech zu haben. Der Jurastudent Matheis Bloch hätte ihr in einem Brief, den er mit seinem eigenen Blut geschrieben hat, die Ehe versprochen. Natürlich ist er danach verschwunden. Ob es stimmt? Ist sie ein Opfer der Umstände?
Im selben Verhör kommt heraus, dass sie nicht nur selbst eine unorganisierte Hure, die frei auf der Straße arbeitet, ist, sondern auch andere Mädchen verkuppelt. Katharina, die auch festgesetzt ist, sagt aus, dass sie von ihr sehr kurz gehalten wird und die Hälfte vom Lohn abgeben muss. Und überhaupt, einmal hätte Ursula Katharina gezwungen, fünf Kunden hintereinander weg zu bedienen. Ursula entgegnet, dass das nur so gekommen ist, weil Katharina einfach zu viel Lust gehabt hätte. Kennt ihr die Sendung aus dem Fernsehen von damals „Königlich Bayerisches Amtsgericht“? Irgendwie fällt mir das gerade in den Sinn.
Was 1582 herauskommt, ist nicht klar. Es wird still um Ursula, bis sie 1587 in der der Achterstraße ein Haus kaufen will! Sie hat soviel Geld verdient, dass sie sich ein Haus kaufen kann! Die Nachbarschaft weiß genau, wer da das Haus haben will und sie wehren sich, weil sie Angst um den Wert der Gegend haben. Gut zu wissen, dass es diese Probleme schon damals gab. Man findet vor Gericht einen Mittelweg: die Tochter von Ursula, Christina, kauft das Haus, das Ursula nutzen darf. Nutzen darf, wenn et daraus keinen Puff macht.
Es ist der letzte Wohnsitz von Ursula, den ich kenne. Aber genau da übertreibt sie es. Natürlich ist das ein Puff und 1590 wird sie verurteilt. Sie soll auf einen Karren gestellt und vom Henker und vom Hurenwirt öffentlich auf den „Berlich“ gezogen werden, um dort ein für allemal im Freudenhaus zu verschwinden. Aber auch da hat sie wieder ein Lösung zur Hand: der Buchbinder Niclaiß Anraidt heiratet sie. Damit ist das Urteil aufgehoben.
Vor Gericht kommt sie nur noch einmal. Vier Monate später klagt die Nachbarschaft wieder, weil in dem Haus noch immer keine Ruhe ist. Es gibt wieder eine Schlammschlacht, wie 1582, und die Richter geben auf. Sie ermahnen alle Beteiligten friedlich zu sein und beenden den Prozess.
All dieser Streit hat Ursula aber auch einen Nutzen gebracht. Sie weiß, wie man mit Ärger fertig wird. Sie kümmert sich anscheinend auch um Huren, die in Bedrängnis kommen. Ganz klar wird dies im Februar 1591. Sie hört von einem Mädchen, das vergewaltigt wurde und das jetzt einen Ausgleich dafür haben will. Vor Gericht hilft Ursula ihr, tritt dabei auf wie eine frühe Frauenrechtlerin. Den Prozess verlieren die beiden aber, weil sich wieder mal nicht genug Beweise finden.
Die Spur von Ursula verliert sich danach. In den alten Akten ist nichts mehr zu finden. Wann und wie sie gestorben ist, ist nicht dokumentiert, wie so oft zu dieser Zeit. Aber war das nicht eine spannende Persönlichkeit? In einem Milieu, das meist nur eine Spirale herab ins Elend bedeutet, einen Weg nach oben zu finden?
Daraus kann man doch einen Film machen. Ein kleines Mädchen kommt allein nach Köln, ist ganz fremd und muss viel lernen, bekommt eine Chance, nutzt sie nicht, kommt ganz unten in der Gesellschaft an und boxt sich mit hohem Einsatz und Egoismus durch, immer in Gefahr, bei einem falschen Schritt, alles zu verlieren. Und am Ende hat sie aber irgendwie auch eine soziale Ader behalten.
Michael
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Vürrige Woch han ich jo ene rääch deftige Beidrag üvver et Milieu vun de Klunte en Kölle em Meddelalder un der fröhe Neuzigg geschrevve. Ich wollt Üch beschrieve, en wat för ener Welt dat Weech geläv hät, öm dat et hügg geiht. Flöck noch ens nohless künnt Ehr dat, wann er op dä Link ganz unge, hinger däm Tex, däut .
Et Ööschel Judin es e Weech, dat koot noh 1560 en Friedberg en Hesse gebore weed. Mer kann nit sage, woröm genau ene „gode Frau“ it öm 1573 noh Kölle brängk. Et litt ävver noh, dat de Eldere verstorve wore. Et weed als Jüdd gebore - do lööt jo dä Nohname ald dran föhle. Ävver dat geiht zo dä Zigg nit. Alsu, Jüdd sin jo, ävver Jüdd sin un en Kölle wonne, dat geiht vun 1424 bes de Franzuse 1794 kumme, nit. Ich gläuve, do deit mer met hühstens 13 Johr nit vill bei, dat mer op eimol als Chresteminsch gedäuf es. Ävver su es et heehin gekumme.
Opgetrocke weed et Ööschel zor Secherheit em Konvent „zum Lämmchen“ en der Breid Stroß, wo et och lese un schrieve liert. (Woröm säht mer dat üvverhaup esu? Ich kenne keiner, dä nor dat eine ov dat andere kann…) Vun do us kritt et e Pössche als Deensmädche beim Oberbürgermeister Constantin vun Lyskirche. Nit schlääch, die Position, för e langwielig Levve em Bürgertum. Ävver am Engk spreche bei esu junge Lück de Hormone e Wöödche met. Et funk zwesche im un enem Gesell us Mainz, et weed schwanger un trick met im dohin. – Wesse mer all, dat geiht hügg miets nit god un zo dä Zigg och nit. Wat och immer wor, 1579 es et mem Puut widder en Kölle un muss luure, wie et allein parat kütt.
Wie mäht mer dat, wann an e Pössche als Deensmädche esu gar nit mih ze denke es? 1581 steiht et vör Gereech, weil mer im vörwirf e unzüchtig Levve ze föhre, för Kääls esu nett ze sin, dat et luuter widder vun inne besök weed. Dat deit et nit avwiese un esu weed beschlosse, dat et bei Zint Kunibäät esu lang en et „Loch“ kütt, bes et widder „züchtig“ es. – Am Aasch e Trötche, de Karessante wore esu dran interesseet, dat et evvens nit „züchtig“ weed, dat et do niemols aankütt. Wie et frei es, reis et zonöchs noh Frankfurt, nimmp do et Messegeschäff met un es koot drop widder hee en Kölle, öm sich bei de Stammkunde ze bedanke.
Ich mööch nit frech kujaxe, ävver et Levve us de Gereechsakte üvver et Ööschel finge ich ech filmrief. Em Määz 1582 es et widder schwanger, weed opgegreffe un kann nit sage, wä der Vatter es. Et beteuert ävver e züchtig Levve aanzestrevve un nor Pech ze han. Dä Jurastudent Mattheis Bloch hätt im en enem Breef, dä hä met singem eige Blod geschrevve hät, de Ih versproche. Natörlich es hä donoh avgehaue. Ov et stemmp? Sin de Ömständ et schold?
Em selve Verhür kütt erus, dat et nit nor selver en unorganiseete Trottoirschwalv es, sondern och ander Weechter verkuppelt. Et Tring, dat och fassgesatz es, säht us, dat et vun im koot gehalde weed un de Hälvde vum Luhn avgevve muss. Un üvverhaup, eimol hätt et Ööschel et Tring gezwunge, fünf Kunde hingerenein ze bedeene. Et Ööschel säht dodrop, dat dat esu gekumme es, weil et Tring einfach esu vill Loss gehat hätt. Kennt Ehr die Sendung us der Flimmerkiss vun domols „Königlich Bayerisches Amtsgericht“? Irgendwie kütt mer dat grad en der Senn.
Wat 1582 eruskütt, es nit klor. Et weed stell öm et Ööschel, bes et 1587 en der Achterstroß e Huus kaufe well! Et hät esu vill Nüsele verdeent, dat et sich e Huus kaufe kann! De Nohberschaff weiß genau, wä do dat Huus han well un se wehre sich, weil se Angs öm der Wäät vun dä Gägend han. God ze wesse, dat et die Probleme ald domols gov. Mer fingk vör Gereech ene Meddelwäg: de Doochter vum Ööschel, et Stina, käuf dat Huus, dat et Ööschel dann notze darf. Notze darf, wann et dodrus kei Knusperhäusche mäht.
Et es der letzte Wonnsetz vum Ööschel, dä ich kenne. Ävver genau do üvverdriev et et. Natörlich es dat e Knusperhäusche un 1590 weed et verordeilt. Et soll op en Kaar gestellt un vum Scharfreechter un vum Huureweet öffentlich nohm „Berlich“ getrocke weede, öm do ein för allemol em Freudehuus zo verschwinde. Ävver och do hät et widder en Lösung parat: dä Bochbinder Niclaß Anraidt hierod it. Domet es dat Ordeil opgehovve.
Vör Gereech kütt et donoch nor noch eimol. Vier Mond späder klag de Nohberschaff widder, weil en däm Huus noch immer kei Rauh es. Et gitt widder en Schlammschlaach wie, 1582, un de Reechter gevve op. Se ermahne alle Beteiligte friedlich ze sin un beende domet dä Prozess.
All dä Öschel hät dem Ööschel ävver och ene Notze gebraht. Et weiß, wie mer met Brasel fäädig weed. Et kömmert sich schings och öm ander Klunte, die en de Bredouille kumme. Ganz klor weed dat em Februar 1591. Et hürt vun enem Mädche, dat vergewaltig woodt un dat jetz doför ene Usglich han well. Vür Gereech hilf et Ööschel im, tridd dobei op wie en fröhe Frauerechlerin. Dä Prozess verliere die zwei ävver, weil sich widder ens nit genog Bewiese finge.
De Spur vum Ööschel verliert sich donoh. En de aal Akte es nix mih ze finge. Wann un wie et gestorve es, es nit dokumenteet, wie su off zo dä Zigg. Ävver wor dat nit en spannende Persönlichkeit? En enem Milieu, dat miets nor en Spiral erav en et Älend bedügg, ene Wäg noh bovve ze finge?
Do künnt mer doch ene Film vun maache. E klei Weech kütt allein noh Kölle, es ganz fremp un muss vill liere, kritt en Chance, nötz die nit, kütt ganz unge en der Gesellschaff aan un box sich met huhem Ensatz un Egoismus durch, luuter en Gefahr, bei enem falsche Schredd, alles ze verliere. Un am Engk hät et ävver irgendwie och en soziale Oder behalde.
MechelMeer informatie
Das Seidmacherinnengässchen
16 maart 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 12 °C
Drei Straßennamen für eine Straße – Das Seidmacherinnengäßchen
Eigentlich ist diese kleine, kaum 100 Meter lange Straße in der Kölner Altstadt eher als unauffällig im Kölner Straßenbild anzusehen. Gäbe es da nicht eine kleine Besonderheit. Gleich drei verschiedene Straßenbeschilderungen zeigen hier den Namen an. OK, wir sind in Köln, schon klar, hier ist vieles anders, aber das ist schon etwas kurios.
Wenn ihr von Obenmarspforten in die Straße geht, begegnet euch ein Straßenschild mit „Unter Seidmacher“. Von der anderen Seite kommend, habt ihr dann gleich zwei Angebote. Am Haus St. Peter 77 ( Zims) steht in goldener Schrift „Seidmachergäßchen“ und auf der anderen Straßenseite finden wir ein Straßenschild mit „Seidmacherinnengäßchen“. Verwirrend, oder?
Der Name selbst kommt von den Seidenmacherinnen, die sogar eine sehr bedeutsame Zunft bildeten, was schon höchst ungewöhnlich war. Hier muss „Fygen Lutzenkirchen“ hervorgehoben werden, die diese Zunft lange leitete. Michael hat über diese starke Persönlichkeit bereits einen Beitrag verfasst, ihr findet ihn auf unserer Homepage unter https://koelschgaenger.net/2019/08/17/fygen-lut…
Jetzt will ich aber das Rätsel auflösen. Einige Straßen in der Altstadt weisen mit ihrem Namen auf die historischen Gewerbe hin, die hier ausgeübt wurden, in diesem Fall halt auf die Seidenstickerinnen oder auch Seidenmacherinnen. Allerdings war dieses Quartier in zwei kleine Straßen unterteilt. In der Gasse stand im ausgehenden 14. Jahrhundert das Seidhaus. So hieß diese Straße in den alten Zeiten „Unter Seidmacher“ und der untere Teil hieß „Seidmachergäßchen“. Ferdinand Franz Wallraff fasste dann beide Straßen zusammen.
In den 1980ern gründete sich der Frauengeschichtsverein, und dieser hängte damals symbolisch ein Schild mit neuem Namen „Seidmacherinnengäßchen“ auf. Denn die alte Bezeichnung wies ja nicht auf das weibliche Geschlecht hin. Sie stellten auch einen Antrag auf Änderung des Straßennamens, was dann auch offiziell geschah. So wurde aus „Seidmacher“ dann „Seidmacherinnen“.
Etwas kurios das Ganze, weil immer noch alle drei Straßenschilder sichtbar sind, ich persönlich finde aber, es hat Charme und ehrlich gesagt, es fällt auch kaum auf.
euch eine gute Zeit, bleibt aufmerksam
euer RonaldMeer informatie
Vom Tanzlokal zum Tierheim
15 maart 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 12 °C
Vom Tanzlokal zum Tierheim
"Ohne Ehrenamtler läuft fast nichts!"
Diesen Satz kennt man gerade im Tierheim Dellbrück auch. Das 7000 qm große Areal muss, um wirklich umfassend betrieben zu werden, auf diese zurückgreifen. So sind dort wohl an die 100 Gassigänger im täglichen Einsatz, damit den Hunden auch adäquater Ausgang geboten werden kann.
Logistisch gesehen ist so ein Tierheim schon eine Riesenaufgabe. Hinzu kommt noch die Riesenausgabe. Denn Essen und medizinische Versorgung kosten nun einmal Geld. Zumal das Dellbrücker Tierheim das größte in NRW ist
Soviel zu dem, was eigentlich allen klar sein sollte. Doch seit wann gibt es das Tierheim in der Iddelsfelder Hardt, bei Dellbrück? Kurz hinter dem Ostfriedhof gelegen.
Es ist eines der beiden großen Tierheime in Köln. Da gibt es linksrheinisch noch das in Zollstock. Rechtsrheinisch wird viel vom Tierheim Dellbrück abgedeckt. Um Missverständnissen vorzubeugen, nicht aller Tierschutz bzw. aller Tierauffang wird auf dieser Rheinseite vom Tierheim Dellbrück geleistet. Es gibt noch viele andere Instutionen, z. B. in Porz und Ostheim, die sich ebenfalls kümmern.
Doch warum nehm ich euch mit zum Tierheim Dellbrück? Schaut euch das romantische Foto an, dann ahnt ihr es schon. Das inmitten von Wald und Feld gelegene Gebäude ist in der Liste der Kölner Denkmäler, die Nr. 666!
Das denkmalgeschützte Hauptgebäude ist ein ehemaliges Wohnhaus und macht auf mich persönlich immer den Eindruck eines alten Bahnhofs. Dabei war es dereinst sogar ein Tanzlokal, geführt unter dem Namen "Jagdhaus". Sein Erbauer errichtete es 1906 als Sommerwohnsitz.
Zum Waldgasthof "Jagdhaus" wurde es in den Jahren von 1932 bis 1941. Beliebt bei der Kölner und Bergisch Gladbacher Bevölkerung. Im Krieg wurde es übrigens nicht zerstört und konnte somit nach dem 2. Weltkrieg nochmals als Wohnhaus dienen.
Besitzer ist seit 1958 die Stadt Köln, die mit dem Tierheim Dellbrück auch einen Pachtvertrag unterhält. Dort wo früher "Jagdhaus" am Giebel prangte, steht heute im gleichen alten Schriftzug "Tierheim".
Die ersten Tiere zogen 1968 auf das Gelände. Bekannt wurde das Tierheim Dellbrück vor allem durch die 11-teilige WDR Serie "Ein Heim für alle Felle."
Auch Claudia Ludwig, mit der mich einiges an Tierschutz verbindet,war dort öfter für "Tiere suchen ein Zuhause" zu Gast (Foto). Doch sie ist nicht die einzige Prominente, die dort den Tieren Gutes getan hat. Regelmäßig findet sich auch Elke Koska ein, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gerade ganz alten Hunden noch ein Heim zu geben. Ich unterstütze das Heim gelegentlich mit Sachspenden zur Tombola und ab und an einer Teilnahme am jährlich stattfindenden Laternenlauf. Dabei entstand auch das romantische Kerzenfoto.
Wenn ihr also einmal z. B. das Grab der Andreaes im Mielenforst aufsucht, vielleicht auch den neuen Kölner Bürgerwald in Merheim oder den Ostfriedhof besucht, dann spaziert / fahrt doch einmal zur Iddelsfelder Hardt und werft einen Blick auf das schöne Gebäude. Welches übrigens mittlerweile kernsaniert ist.
Habt einen schönen Sonntag, eure Elisabeth.Meer informatie
Auf dem Berlich
13 maart 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 8 °C
Ich möchte Euch von der Straße „Auf dem Berlich“ und von einem kleinen Mädchen aus Friedberg in Hessen erzählen. Dieses tut alles dafür, niemals auf diese Straße zu kommen. Der Grund ist, dass sie ihr Geld als Hure verdient und in der Straße ein Freudenhaus liegt. Klingt widersinnig und - guckt im kölschen Teil- auf Kölsch niedlich, oder? Aber es ist ernst, es geht um das Leben.
Die Straße „Auf dem Berlich“, die heute so etwas zwischen Geschäftsstraße und Verbindung zum und vom Neumarkt ist, ist im Mittelalter und in der frühen Neuzeit eher ländlich – auch wenn die Straße innerhalb der Stadtmauer liegt. Es gibt in der Hauptsache einen Gutshof, das Kloster der Klarissen „Sankt Clara“ und ein paar Häuser. Schweine werden in der Gegend gezüchtet. Das Wort „Berlich“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie „Schweinefeld“.
Im Mittelalter ist es so, dass vielleicht ein Drittel der Bevölkerung eine Ehe schließen und eine Familie gründen kann. Mit Sex Geld verdienen ist da Alltag, wie heute. Und wie heute will keiner offiziell damit zu tun haben. Die Einsicht aber, dass man es nicht verbieten kann (und will), dass Frauen sich verkaufen, ist da. Also versucht man wenigstens es etwas unter Kontrolle zu halten.
Köln ist auch zu dieser Zeit ein riesiger Markt für das Geschäft: Handwerker, nicht nur für den Dom, Kaufleute und Massen von Pilgern wollen versorgt werden: In Badehäusern macht man mehr, als Menschen zu waschen. Es gibt kleine Bordelle, die privat geführt werden. Dienstmägde lassen sich da vermitteln, ob freiwillig oder nicht, es gibt sicher jede Form – vom Wunsch etwas Geld extra zu haben, bis Zwang. In der „Schwalbengasse“ steht das vermutlich älteste Bordell Deutschlands, das „sconevrowe“ (Schönefrauen) – Haus, welches schon im Jahr 1286 belegt ist. Ganze Berufe, wie die Leinenweberinnen haben den Ruf, neben dem Leinen-Weben auch die ein oder andere Gesellin oder Lehrmädchen zu verkuppeln. Hauptsache, es ist auf bestimmte Orte konzentriert, so dass der Stadtrat glaubt, ein wenig Überblick zu haben und man es auch nicht direkt sieht.
Und weil das so ist, nennt man diese Gruppe Huren „Schlupfhuren, die heimlichen Huren. Ganz unten im Rang der „Schlupfhuren“ stehen die „Trottoirschwalben“, die auf die Straße gehen und sich dort Kundschaft suchen. Dat sieht man im Rat aber auch so gar nicht gern.
In der Folge ist ganz unten noch nicht am Ende: Ganz am Ende, das sind die Huren des Bordells „Auf dem Berlich“, dem Stadtbordell. Der Wirt hält seine Mädchen kurz, knöpft ihnen den Lohn ab, gibt ihnen kaum etwas zu Essen und selbstverständlich gibt er immer Schläge. Elend ist das Leben da und am Ende finden diese Frauen nicht mal Trost in der Erlösung: Die Kommunion wird ihren verweigert und der oft frühe Tod wird mit dem Verscharren auf Melaten in ungeweihter Erde vergolten. Ein Leben wie Vieh, kann man sagen.
Aber warum machen diese Frauen das mit? Ganz klar: sie sind erst gar nicht freiwillig dort. Wenn die Büttel eine Hure von der Straße in die Finger bekommen oder eine private Hure „auffällig“ wird, ist eine mögliche Strafe, dass sie öffentlich zum Hurenhaus „Auf dem Berlich“ geführt wird. Sie wird auf einen Karren gestellt und der Henker, der Schinder und der Hurenwirt bringen sie hin. Oft ist das Haus voll belegt – es gibt nur acht Zimmer und das in einer Stadt mit 40.000 Menschen zu dieser Zeit. Damit ist die Frau aber als öffentliche Hure ganz unten in der Gesellschaft angekommen, im sozialen Abseits. Aber ich habe den Verdacht, dass das immer noch besser ist als direkt dem Wirt und seiner Kundschaft ausgesetzt zu sein. Könnt Ihr euch vorstellen, dass da auch „Krieg“ auf der Straße war? Die Berlich-Huren schwärzen an, wer nicht vorsichtig genug ist, damit ihnen die Kundschaft bleibt und die Konkurrenz von der Straße kommt.
Kontrolle und Strafe funktionieren aber auch andersherum, gegen die Männer: wenn die Huren erkennen, dass sie einen verheirateten Mann vor sich liegen haben oder gar einen Mann Gottes, dürfen sie ihn ganz offiziell ausplündern! Und da kannst du dich glücklich schätzen, wenn du am Ende überhaupt noch was am Leib hast.
Und diese Gemengelage stößt nächste Woche das kleine Mädchen aus Friedberg vom Anfang…
Michael
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Ich mööch Üch vun der Stroß „Auf dem Berlich“ un vum enem klei Weech us Friedberg en Hesse verzälle. Dat Weech deit alles doför, nie op die Stroß zo kumme. Dä Grund es, dat et sing Nüsele als Trottoirschwalv verdeent un en dä Stroß e Knusperhüüsche litt. Klingk zwiespäldig un op Kölsch goldig, ne? Ävver et es ääns, et geiht öm et Levve.
Die Stroß „Auf dem Berlich“, die hügg esu jet zwesche Geshäffsstroß un Verbindung nohm un vum Nüümaat es, es em Meddelalder un en der fröhe Neuzigg ihter ländlich – och wenn die Stroß benne vun der Stadtmuur litt. Et gitt en der Haupsaach ene Godshoff, et Kluster vun de Klarisse „Zint Clara“ un e paar Hüüscher. Saue weede en dä Gägend wall gezüch. Dat Wood „Berlich“ kütt usem Meddelhuhdeutsche un bedügg esu vill wie „Schweinefeld“.
Em Meddelalder es et esu, dat villleich e Drettel vun de Lück en Ih schleeße un en Famillich gründe kann. Met Sex Geld verdeene es do Alldag, wie hügg. Un wie hügg well keiner offiziell domet ze dun han. Die Enseech ävver, dat mer nit verbeede kann (un well), dat Frauminsche mem Plumeau lans der Rhing gonn, es do. Alsu versök mer winnigstens nohm Räächte ze luure.
Kölle es och zo dä Zigg ene riesige Maat för dat Geschäff: Arbeidslück, nit nor för der Dom, Kauflück un Masse vun Pilgere wolle versorg weede: En Badehüüser deit mer mih, wie de Lück ze wäsche. Et gitt klein Bordelle, die privat gefoht weede. Deensmäd looße sich do vermeddele, ov freiwillig ov nit, et gitt secher jede Form – vum Wunsch e paar Grosche dobei ze krige, bes Zwang. En der „Schwalvegass“ steiht et – wie mer aannimmp- äldste Bordell vun Deutschland, et „sconevrowe“ (Schönefrauen) - Huus, dat ald em Johr 1286 nohgewese es. Ganze Berofe, wie de Lingeweberinne han der Rof, dat se nevve Ling och de ein ov andere Gesellin ov su mänch Lihrmädche verkuppele. Haupsaach, et es op bestemmte Oote konzentreet, su dat der Stadtrod gläuv jet Üvverbleck ze han un mer et och nit tirek süht.
Un weil dat esu es, nennt mer die Grupp Klunte och „Schlupfhuren“, de heimliche Hure. Ganz unge em Rang vun de „Schlupfhuren“ stonn de Trottoirschwalve, die op de Stroß gonn un sich Kundschaff söke. Dat süht mer em Rod ävver och esu gar nit gään.
En der Rangordnung es „ganz unge“ noch nit am Engk: Ganz am Engk, dat sin de Hure vum Bordell „Auf dem Berlich“, dem Stadtbordell. Der Weet häld sing Mädcher koot, knöpp inne der Luhn av, gitt inne kaum jet ze Esse un selvsverständlich gitt et luuter Kasalla. Älend es dat Levve do un am Engk finge die Frauminsche nit ens Trus en der Erlösung: De Kommelion weed inne verweigert un dä off fröhe Dud weed mem Verscharre op Melote en ungeweihter Ääd vergolde. E Levve baal wie Veeh, kann mer sage.
Ävver woröm maache die Fraulück dat met? Ganz klor: se sin eets gar nit freiwillig do. Wann de Ordnungshöder en Trottoirschwalv en de Fingere krige ov en private Hur „opfällig“ weed, es en mögliche Strof, dat se öffentlich noh däm Hurehuus om Berlich gefoht weed. Se weed op en Kaar gestellt un der Scharfreechter, der Schinder un der Hureweet bränge se hin. Off es et Huus ald voll belaht – et gitt nor aach Zemmere un dat en ener Stadt met 40.000 Minsche zo dä Zigg. Domet es die Frau ävver als Hur, die öffentlich es, ganz unge en der Gesellschaff aangekumme, em soziale Avseits. Ävver ich han der Verdaach, dat dat luuter noch besser es wie tirek dem Weet un singer Kundschaff do usgesetz ze sin. Künnt Ehr üch vürstelle, dat do och „Kreeg“ op der Stroß wor? Die Berlich-Hure schwätze aan wä nit vürsichtig genog es, domet inne Kundschaff bliev un de Konkerrenz vun der Stroß kütt.
Kontroll un Strof funktioneere ävver och anderseröm, gäge de Kääls: Wann die Rüfcher erkenne, dat se do ene Kääl lige han, dä verhierodt es ov gar ene Goddesmann, es et zolässig, dat se in usplündere! Un do kanns do dich glöcklich schätze, wann do am Engk üvverhaup noch jet am Liev häs.
Un en dat ganze Gedöns stüss nächste Woch dat klen Weech us Friedberg vum Aanfang…
MechelMeer informatie
St. Gereon - Legenden ohne Ende
12 maart 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 10 °C
St. Gereon - Legenden ohne Ende
Die Kirche St. Gereon gehört zu den zwölf großen romanischen Kirchen in Köln. Zum Bau dieser Kirche gibt es natürlich auch wieder einige Legenden.
Angeblich war Gereon der Anführer einer thebäischen Legion, der den Auftrag hatte, die Christen zu verfolgen. Da er sich weigerte, diesen Auftrag auszuführen und in Köln seine Waffe dem Kaiser zu Füßen legte, wurde er selbst und seine 318 Männer geköpft. Eine andere Legende sagt, dass an dieser Stelle der Brunnen gestanden haben soll, in den die Körper der Märtyrer geworfen wurden. Tatsächlich konnte aber nie ein Brunnen nachgewiesen werden.
Auch die Geschichte, dass die hl. Helena den Bau der Kirche auf Gereons Grabstätte veranlasste, ist allein zeitlich gesehen schon eher unwahrscheinlich. Erwiesen ist allerdings, dass die Geschichte St. Gereons bereits zu Zeiten des römischen Reiches seinen Anfang nahm.
Einer anderen Legende zufolge, ließ der Erzbischof Anno II. die Kirche erweitern, nachdem ihm die Gefährten Gereons im Traum erschienen waren. In diesem Traum sollen sie dem armen Mann Prügel angedroht haben, wenn er nicht dafür sorge, dass ihre Gebeine in einer für Helden angemessenen Umgebung begraben lägen.
Übrigens ist Gereon auch der Schutzpatron der Soldaten und, man höre und staune, auch der gegen Kopfschmerzen. Diese Ehre hat er allerdings nicht seiner späteren Kopflosigkeit zu verdanken, sondern der Legende, dass ein Bischof von seinen Kopfschmerzen befreit wurde, nachdem er den Staub aus dem Brunnen von St. Gereon eingeatmet hat.
Wenn wir St. Gereon von außen betrachten, stellen wir fest, dass um die Kirche herum viel Grün ist und dass man schon fast das Gefühl bekommt, in einem Park zu sein. Direkt daneben im “Gereonsdriesch” finden wir dann tatsächlich noch einen kleinen Park. Mitten drin steht die 1858 gestaltete Mariensäule. Diese stand früher mitten auf der Gereonstraße. In diesem Park stehen drei Linden, die der bekannte Künstler aus der verbotenen Stadt, Joseph Beuys, 1985 mit Basaltsteinen hier aufstellte. Dazwischen liegt die bekannte Kopfskulptur des Märtyrers Gereon auf dem Boden. Hergestellt wurde diese 2005 von Iskender Yediler.
euch eine gute Zeit
euer RonaldMeer informatie
Ein unwiederbringlicher Verlust
10 maart 2020, Duitsland ⋅ 🌧 9 °C
Ein unwiederbringlicher Verlust
Stolz stand sie einst da, unsere Stadtmauer. Erbaut, um die Stadt zu schützen vor allem Ungemach...was nicht immer funktionierte, denn mal als Beispiel gesehen, als die Franzosen Köln belagerten, hieß es bei den Stadtsoldaten nicht: "Da simmer dabei", sondern "da simmer mal weg"...
Dieser Beitrag spukt mir schon lange im Kopf herum und es ist mit einigen Emotionen verbunden, ihn zu schreiben. Emotionen wie Traurigkeit über den Verlust eines Teiles der Geschichte Kölns, der unwiederbringlich verloren ist, Wut darüber, dass vielen Menschen im Köln des 19. Jahrhunderts eben diese Geschichte völlig gleichgültig gewesen zu sein schien, und darüber, dass für eine Stadterweiterung die Mauer nicht hätte niedergelegt werden müssen. Dazu aber später mehr...
Kehren wir zum Ursprung dieses monumentalen Werkes aus dem Mittelalter zurück. Nachdem im ersten bis dritten Jahrhundert die römische Stadtmauer erbaut worden war, welche wir aber hier nun vernachlässigen werden, entstand die erweiterte Stadtmauer, um die es heute geht. Von 1180 bis 1259 halbkreisförmig errichtet, betrug die Länge der Mauer ca. 7,5 Kilometer und war im Durchschnitt 7,50 Meter hoch. Und wenn man jetzt denkt, das wäre ähnlich wie heute vonstatten gegangen, dass man lange auf eine Baugenehmigung wartet, der irrt. Die Kölner beschlossen 1180 den Bau der Stadtmauer und begannen zu bauen. Erstmal ohne den damaligen Erzbischof Philipp von Heinsberg um Erlaubnis zu bitten. Kölsche Selbstverständlichkeit eben. Aber zur Beruhigung, die Erlaubnis des Erzbischofs kam natürlich trotzdem, denn auch ihm war ja am Schutz seiner Stadt gelegen.
Allerdings wurde hier nicht einfach eine Stadtmauer gebaut...hier wurde ein Werk geschaffen, das als größte Stadtmauer deutscher Nation des römischen Reiches in die Geschichtsbücher einging. Sie verfügte über 36 Tore, sowie 52 Wehrtürme (wobei sich hier die Geister scheiden, es tauchte diesbezüglich auch auf, dass es 84 Wehrtürme gewesen sein sollen).
Kennt ihr eigentlich alle Torburgen? Nur für den Fall, dass nicht, ich schreibe sie mal auf, im Süden beginnend nach Norden, in der Reihenfolge, wie sie einst dort standen, oder die wenigen, die heute noch da sind:
Bayenturm
Severinstor
Ulrepforte
Pantaleonstor
Bachtor
Weyertor
Schaafentor
Hahnentor
Ehrentor
Friesentor
Gereonstor
Gereonswindmühle
Eigelsteintor
Kahlenhausener Pforte
Kunibertstor
Besonders schön klangen die Bezeichnungen der Tore im Mittelalter, als sie noch lateinische Namen trugen. So hieß beispielsweise das Eigelsteintor "Nova Porta Eigelis" oder das Severinstor "Porta Sancti Severini".
Im Laufe der Jahrhunderte gab es natürlich die ein oder andere bauliche Veränderung. So wurden einige Tore, sowie ein Turm zu Windmühlen umgebaut, unter anderem die Pantaleonsmühle, die das Bachtor als "Krönung" bekam.
19. Jahrhundert...nach jahrelangen Verhandlungen hatte die Stadt Köln den Preußen für 12 Millionen Mark die Stadtmauer abgekauft. Und das, obwohl diese seit vielen Jahrhunderten Köln sowieso gehörte und den Preußen unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden war. Das Ganze hatte aber den Hintergrund, dass nur aus Grundstücken großes Kapital geschlagen werden konnte, die man vorher selbst dem Staat abgekauft hatte. Und diese sollten ja schließlich verkauft werden. Die Geldgier der Stadtverwaltung muss wohl sehr groß gewesen sein, denn nach einer eindringlichen Fürsprache des Zentrumsabgeordneten August Reichensperger im Berliner Reichstag, standen die Chancen gut, dass die Grundstücke der Festungsanlage vergütungsfrei an die Stadt Köln zurückgegangen wären.
Kommen wir jetzt zu dem Punkt, an dem ich schrieb, die Stadtmauer hätte zum Zwecke der Stadterweiterung nicht niedergelegt werden müssen. Am 11. Juni 1881 sagte der damalige Oberbürgermeister Dr. Hermann Becker (der rote Becker) den Mitbürgern in einer Rede folgenden Satz: "Was unsere Altvorderen bauen mußten, damit Cöln groß würde, das müssen wir sprengen, damit Cöln nicht klein werde" und schloss mit einem "Alaaf Cöln". Die Menge jubelte. An diesem Tag begann das westfälische Pionierbataillon 7 mit dem Abriss der Weyertorburg und bis auf die wenigen, uns bekannten Überreste, war die Stadtmauer nach vier Jahren der Niederlegung Geschichte...
100 Jahre nach dieser ersten Sprengung erklärte die damalige Stadtkonservatorin, Dr. Hiltrud Klier, dass es beim Abreißen oder Erhalten der Mauer gar nicht um die Stadterweiterung ging. Diese war nämlich nur deshalb möglich, weil die "Rayonbeschränkungen" aufgehoben worden waren. Diese besagten einst, dass das Schussfeld (ca. 1 Kilometer) vor der Mauer nicht bebaut werden dürfe.
Dass es vielleicht unmöglich wäre, ein solches Bauwerk wie die Stadtmauer Kölns komplett zu erhalten und zu pflegen, allein aus finanzieller Sicht, ist noch nachvollziehbar. Aber wieviele Geschichten mehr könnte diese Stadt erzählen, wenn man von ihrer einstigen "Trutzburg" mehr erhalten hätte...erfühlen kann man es nicht mehr bei deren Anblick. Nur noch in Geschichtsbüchern lesen. Hoffen wir, dass uns wenigstens die wenigen Zeugnisse alter Zeit erhalten bleiben, um die sich glücklicherweise vier große Traditionskorps kümmern. Herzlichen Dank an dieser Stelle den Kölsche Funken rut wieß, den Blauen Funken, der EhrenGarde und der Prinzen-Garde für ihren Einsatz.
Eure RamonaMeer informatie
Ehrenfelder Geschichte als Kunstobjekt
9 maart 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 8 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
Ehrenfelder Geschichte als Kunstobjekt
Heute möchte ich euch kurz ein Kunstobjekt in einer Ehrenfelder U-Bahnstation näherbringen. Es befindet sich in der Zwischenebene der Haltestelle Ehrenfeldgürtel/Venloer Str.
In der Zwischenebene der 1989 eröffneten Station findet ihr eine etwas groß geratene Bibliothek aus Aluminium. Insgesamt stehen dort 24 Bücher aufgereiht wie in einem Regal. Teilweise sind diese herausgezogen und zeigen Fotos aus den verschiedenen Ehrenfelder Epochen. Egal, ob Heliosturm, Bürgergarde oder das Siegel Ehrenfelds, es gibt einiges zu bestaunen. Dazu sind die Buchrücken der Bücher mit Daten und Fakten der Ehrenfelder Geschichte mit Themen wie: Gründung Ehrenfelds 1845, Bürgergarde, Rheinische Glashütte, St. Mechtern und vielen anderen Titeln beschrieben.
Die Idee dazu stammt von Gerhard Wilczek. Der Hobbyhistoriker war Ehrenvorsitzender der Ehrenfelder Bürgervereinigung und Verfasser mehrerer Bücher über Ehrenfeld. Er baute damals ein Karnevalsmuseum auf, das, so sagt man, den Grundstock für unser heutiges Karnevalsmuseum in Köln legte. So gibt es in Ehrenfeld auch einen nach ihm benannten Platz in unmittelbarer Nähe zum Ehrenfelder Bahnhof.
Hier wurde ein kleines Kunstwerk geschaffen, das einige Informationen zum Stadtteil preisgibt und hübsch anzusehen ist. Einziger Wermutstropfen ist die schlechte Beleuchtung in der Zwischenebene. Trotzdem allemal besser, als die tristen Fliesen, die man sonst immer zu sehen bekommt.
Tja, es gibt immer wieder Kleinigkeiten, an denen man vorbeiläuft, so wie diese. Dabei lohnt es sich, hier und da mal stehenzubleiben und genauer hinzuschauen.
Euch eine gute Zeit
euer RonaldMeer informatie
Die Kleinode von Rath-Heumar
8 maart 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 11 °C
Die Kleinode von Rath-Heumar
Kleinode? Jedes für sich ist eigentlich schon eine Sehenswürdigkeit. Doch ob man wegen dieser einen hinfährt?
Wenn ich sie euch nun gebündelt vorstelle, dann macht es ein großes Ganzes und ihr wisst, warum gerade Rath-Heumar eine Reise wert ist.
Den Königsforst haben wir euch bereits teilweise vorgestellt. Die Hügelgräber, die Wassertretstelle, den Monte Troodelöh.... . Doch was hat dieser zusammengewürfelte Ort Rath-Heumar sonst so zu bieten? Rath gehörte seit 1910 zu Köln, Heumar zu Porz. Und davor waren es einfach 2 Orte mit dem Namen Rath und Heumar, die zum Herzogtum Berg gehörten. Nach der Einverleibung, sorry, Eingemeindung, wurde das Ganze zusammengefasst und ein Stadtteil von Köln.
Fangen wir also an mit dem "Alten Bahnhof Porz Heumar"(Fotos). Seit 1996 steht das ehemalige Bahnhofsgebäude unter Denkmalschutz. Ein echtes Kleinod in der Denkmalliste der Stadt Köln.
Erbaut wurde er 1910 und erst 2017 hat man gehofft, ihn reaktivieren zu können. Doch es wurde noch nichts daraus, der Bahnhof ist mittlerweile Wohnort eines Künstlers. Immerhin, so gammelt dieses schöne Gebäude wenigstens nicht einfach vor sich hin. Wie es ja leider an vielen alten Bahnhöfen zu beobachten ist.
Die Regionalbahn hält zwar nicht mehr, aber sie fährt vorbei, am dort zweigleisigen Bahnhof Heumar.
Weiter geht es zur nächsten Sehenswürdigkeit in Rath Heumar, der Schmitzebud (Foto). Legendärer geht es kaum! Es ist wohl das älteste bekannte Büdchen, später Frittenbude, im rechtsrheinischen Köln. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts trafen sich dort Profi- und Amateurradler, um von dort jeden Sonntag zum Radrennen "Bergischer Kreisel" zu starten. Der bekannte Kölner Radprofi Rolf Wolfshohl war dort oft zu Gast. Auch heute ist die Schmitzebud noch Treffpunkt vieler Radler. Ihren Namen bekam sie aber erst nach dem Krieg. Eigentümer war damals die Familie Schmitz. Auch als diese später nicht mehr Inhaber war, blieb es die Schmitzebud.
Essen kann man dort immer noch ganz gut. Das Hauptaugenmerk liegt heute auf Pizza & Co. Pommes und Currywurst gibt es aber nach wie vor. Ihr merkt, ich hab es getestet.
Bleiben wir noch kurz bei kulinarischen Genüssen. Wer es klein, kommod und familiär mag, der sollte mal einen Blick auf und ins "Geheimrath" werfen.
Auf der ehemaligen Grenze zwischen Porz und Köln gelegen, ist das Cafe Geheimrath, geradezu ein Geheimtipp und ein echter Hingucker. Das Gebäude ist nämlich rund. Es ist der Rest einer ehemaligen Tankstelle, die dort in den 40er Jahren stand.
Weiter geht es in die Götterwelt. Denn direkt am Königsforst liegen die nach nordischen Gottheiten benannten Straßen der Göttersiedlung und ihre Villen (Foto). Vor einigen Jahren habe ich diese Siedlung, die zum Großteil unter Denkmalschutz steht, für Wiki Monuments und der Denkmal Liste Rath- Heumar abgelichtet. Absolut sehenswert!
Der Ort besitzt 2 katholische Kirchen, die Pfarre St. Cornelius und die Pfarre "Zum Göttlichen Erlöser". Erstere gehört zu Heumar, die dann auch im September das Patronatsfest des Cornelius mit einer Pilgeroktav feiern. Zu früheren Zeiten üblich, gab es dort ein großes Volksfest, welche rechtsrheinisch mitunter die größte Kirmes stellte.
Eine Sehenswürdigkeit ist der sogenannte "Alte Turm". Ein Restbestand der ersten ehemaligen romanischen Kirche St. Cornelius, die nah der neuen Kirche gestanden hatte. Auf der Eiler Straße. Überhaupt befinden sich viele historische Bauten von Rath und Heumar auf der Eiler Straße. Uralte Gehöfte und Gestüte umgeben den Ort. Besonders bekannt ist das Gestüt Röttgen, mit seiner 8 Kilometer langen "Mühlens Mauer", wie der Volksmund sie nennt. Diese umgibt das Areal des Schlosses Röttgen, was größer als Monaco sein soll. Doch über das Gestüt möchte ich euch heute nicht weiter berichten, das will ich ein anderes Mal machen.
Allerdings lässt sich damit gerade prima überleiten zum Friedhof von Rath Heumar, der natürlich auch einige Besonderheiten zu bieten hat. Dort ist auch der ursprüngliche Eigentümer des Schlosses Röttgen, Peter Mühlens beerdigt. Und natürlich Maria Mehl-Mülhens (Foto). Noch heute ist Mehl-Mühlens ein Begriff im Pferderennsport und ich habe jedes Jahr eine Einladung zum legendären Mühlens Rennen in der Post. In diesem Jahr wird es das 35.Rennen der Mehl-Mühlens Stiftung.
Doch nun zum Friedhof, dieser ist teilweise gelegen an einem alten Rheinarm, der Fock. Dieser wurde zugeschüttet und dient heute als Teil des Friedhofs. Neben vielen bekannten Rath-Heumarer Bürgern, Gutsbesitzern und Adeligen, gibt es dort einiges an sakraler Kunst zu bewundern. So findet man dort einige Interessante Hochkreuze.
Das älteste Bauwerk in Rath soll die Kapelle am Haus Rath sein. Im Barockstil erbaut, wurde sie dort 1741 errichtet. Sie war sozusagen die Burgkapelle von Burg Rath. Letztere ist leider abgebrannt. Aber die Kapelle gibt noch Zeugnis dieser Epoche. Burg Rath wird den Grafen von Berg zugeschrieben, wie so vieles in unserer Region. Es war eine Wasserburg und auf dem heutigen Gelände derer von Stein, kann man noch ein wenig davon erahnen. Die Familie von Stein betreibt dort seit 1990 einen Gutshof mit Reitpferden. Rath-Heumar ist wirklich der Inbegriff für den Reitsport.
Was man auch am Hof Maarhausen immer noch erkennen kann, denn dieser gehörte ebenfalls viele Jahre als Pferdezuchtbetrieb zum Gestüt Röttgen. Heute ist er renoviert und beherbergt Büros und Ateliers. Ein sehr eindrucksvolles Bauwerk.
Bestimmt hab ich noch dies oder das vergessen. Denn Rath und Heumar haben schon einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Doch das macht nichts, denn ihr sollt ja auch noch was zum Entdecken haben.
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Meer informatie
Die, ohne die es keinen Karneval gibt
7 maart 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 6 °C
Ich bin ja mit dem Kopf immer noch ein bisschen im Karneval. Am Rosenmontag nehme ich mir mein Kölsch mit hinaus und hocke mich neben die Tür der Kneipe. Das Mädchen, das mir das Kölsche gegeben hat, kommt kurz darauf auch heraus, hockt sich neben mich, zündet sich eine Zigarette an und sagt „Ich kann nicht mehr…“.
Ich habe Respekt vor dem Job. Ich hatte ja viele Arbeitsstellen gehabt, als ich so in dem Alter war, aber die Arbeit an der Theke, nein, die war nie etwas für mich. – Obwohl es ja im Karneval auch ordentlich Trinkgeld gibt, wenn der Wirt nicht exakt zwei Euro für das Glas Kölsch nimmt.
Am nächsten Tag, Veilchendienstag, begegnet mir die Truppe auf dem Bild nach dem Zug in Sülz, die orangen Funken der „Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt Köln“ – AWB. Auch so ein undankbares Geschäft im Karneval. Die können den ganzen Mist wieder schnell aufräumen.
Ich meine, sie laufen dort ja nicht herum und kehren ein wenig die Straße. Nein, wenn man eine Weile zuguckt, sieht man, dass die Bewegungen alle geplant sind. Seit ein paar Jahren gucke ich gern mal kurz zu. Ich habe eine Freundin aus Finnland. Sie stand mal mit mir da und guckte ganz fasziniert auf die Wagen mit den drehenden Bürsten und sagte „Nein, das gibt es bei uns nicht“. Ich meine, wir schauen uns den Zug an, feiern, haben Spaß und sie sieht die Truppe und kommt ins Staunen… Ist klar, dass ich jedes Jahr dastehe und ein wenig vor mich hinlächele.
Richtig mit Disziplin müssen sie nach dem Rosenmontagszug kehren. Habt Ihr Euch das mal überlegt? Wir stehen da ja noch mit Kölsch und feiern. Aber sie müssen um die Menschen herum den Dreck wegkehren. Das geht nur in Formation, quasi in Reih und Glied und der Chef des Einsatzes hat das zu koordinieren wie ein Offizier. Und guckt mal erst auf der Severinstraße zu. Dort liegt ja noch Sand für die Pferde und wir stehen ja noch alle ganz eng zusammen.
Und wir haben ja nicht nur den Rosenmontagszug und den in Sülz. Es sind ja ungefähr 70 Umzüge. Wie lang gehen die wohl im Durchschnitt? Vielleicht fünf Kilometer? Dann wären das 350 Kilometer Straßen, die die zusammen 780 Straßenfeger, die die Stadt hat, fegen müssen. Aber wir sind ja auch überall in der Stadt, wie Bazillen, und sauen einen großen Teil von unseren 476.230 Kilometern Straßennetz mit 400 Tonnen Abfall ein.
Wie ich so über die AWB lese, stelle ich fest, dass es diese erst seit 2001 gibt. Wer würde das dann machen, wenn es sie nicht gäbe? Gut, in meiner Jugend, in den Siebzigern, gab es auch Straßenfeger. Nur war das kein eigenes Unternehmen, sondern eine Abteilung der Stadt. Aber wisst Ihr, dass es die erst seit 1890 gibt? Der Rosenmontagszug ist älter, der läuft seit 1823…
Davor haben wir selbst die Straßen gefegt. Im Mittelalter, weiß man ja, haben wir den Abfall und Kot einfach auf die Straße gekippt. Erst im 15. Jahrhundert kamen sie auf die Idee, dass das nicht gut sein kann und haben den Bürgern verboten, den auf die Straßen zu schippen. Es gab auch Verträge mit den Bauern, dass sie den Abfall abholten und auf die Felder streuten. Aber schippen mussten du und ich.
Dann kamen die Franzosen, die da 1801 mehr Ordnung hineinbrachten. Da mussten du und ich den Dreck nur noch von der Mitte der Straße an die Hauswand schippen. Den Rest machten dann Fuhrleute, die den Dreck aufnahmen und an die Bauern verkauften. Im Grunde blieb das so, bis die Stadt so groß war, dass das alles nicht mehr funktionierte und die Preußen seit 1871 diskutierten, wie man es besser lösen könnte. Aus diesem Einfall, den die Preußen da hatten, hat sich seit 1890 eben das entwickelt, was heute unsere AWB ist. – Sonst würden wir heute noch schaufeln…
Habt Ihr auch solche Menschen, wo Ihr froh seid, dass es sie im Karneval gibt?
Michael
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Ich ben jo mem Kopp immer noch esu e bessche em Fastelovend. Am Rusemondag nemme ich mir mi Kölsch met erus un hucke mich jet nevve de Pooz vun der Weetschaff. Dat Weech, dat mir dat Kölsch gegovve hät, kütt koot drop och erus, huck siche nevve mich, stich sich en Zigarett aan un säht „Ich kann nit mih…“.
Ich han Respek vür däm Job. Ich hatt jo vill Pösscher gehat, wie ich esu en däm Alder wor, ävver de Arbeid an der Thek, enä, dat wor nie jet för mich. - Ovschüns et jo em Fastelovend och ööntlich Drinkgeld gitt, wann der Weet nit präzis zwei Euro för et Glas Kölsch nimmp.
Am nächste Dag, Veilchedinsdag, begähnt mir die Trupp om Beld nohm Zog en Sölz, de „orange Funke“ vun de „Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt Köln“ - AWB. Och esu en undankbar Geschäff em Fastelovend. Die künne jo der ganze Dress widder flöck oprüüme.
Ich meine, se laufe do jo nit eröm un kehre jet de Stroß. Enä, wann mer e bessche zoluurt, süht mer, dat die Bewägunge all geplant sin. Koot zoluure dun ich zick e paar Johre gähn. Ich han en Fründin us Finnland. Se stundt ens met mir do un luurte ganz faszineet op die Wage met dä Bööschte, die sich drihe, un saht „Nä, dat gitt bei uns nit“. Ich meine, mer luure der Zog, fiere, han Spass un et süht die Trupp un kütt en et Staune… Es klor, dat ich jedes Johr do stonn un jet vür mich hingriemele.
Richtig met Zoch müsse se nohm Rusemondagszog kehre. Hat Ehr Üch dat ens üvverlaht? Mer stonn do jo noch met Kölsch un fiere jet. Ävver die müsse öm de Minsche eröm unse Dress fottkehre. Dat geiht nor en Formation, quasi en Reih und Gleed un der Baas vum Ensatz hät dat ze koordineere wie ene Offizier. Un luurt ens eesch op der Vringsstroß zo. Do litt jo och noch Sand för de Päädcher un mer stonn jo noch all ganz eng zosamme.
Un mer han jo nit nor der Rusemondagszog un dä en Sölz. Et sin jo ungefähr 70 Zög. Wie lang gonn die wall em Durchschnedd? Villleich fünf Killometer? Dann wöre dat 350 Killometer Stroße, die die zesamme 780 Stroßefäger, die de Stadt hät, fäge müsse. Ävver mer sin jo och üvverall en der Stadt, wie de Bazille, un saue ene große Deil vun unse 476.230 Kilometer Stroßenetz met 400 Tonne Avfall en.
Wie ich esu üvver de AWB lese, stelle ich fass, dat et die eesch zick 2001 gitt. Wä dät dat dann maache, wann et die nit göv? God, en minger Jugend, en de Sibbziger, gov et och Stroßefäger. Nor wor dat kei eigen Ungernemme, sondern en Abteilung vun der Stadt. Ävver wesst Ehr, dat et die eesch zick 1890 gitt? Der Rusemondagszog es älder, dä läuf zick 1823…
Dovür han mir selvs de Stroße gefäg. Em Meddelalder, weiß mer jo, han mer der Avfall un Dress einfach op de Stroß gekipp. Eesch em 15. Johrhundert kome se op die Idee, dat dat nit god sin kann un han de Bürger verbodde, der Dreck op de Stroß ze scheppe. Et gov och Verdräg met de Buure, dat die dä Dress avhollte un op de Felder streute. Ävver scheppe moote do un ich.
Dann kome de Franzuse, die do 1801 mih Oodnung erenbrahte. Do moote do un ich der Dreck nor noch vun der Medde vun der Stroß an de Huuswand scheppe. Der Ress mahte dann Fuhrlück, die der Dreck opnohme un an de Buure verkaufte. Em Grund blevv dat esu, bes de Stadt zo groß wor, dat dat all nit mih fluppte un de Preuße av 1871 diskuteete, wie mer dat besser löse künnt. Us däm Enfall, dä de Preuße do hatte, hät sich zick 1890 evvens dat entweckelt, wat hügg uns AWB es. – Söns wöre mer hügg noch am Scheppe…
Hat Ehr och su Minsche, wo Ehr fruh sid, dat et die em Fastelovend gitt?
MechelMeer informatie
Auf einer Schiene durch Köln
5 maart 2020, Duitsland ⋅ 🌧 6 °C
Auf einer Schiene durch Köln – der Kölner Torpedo
Heute möchte ich euch die Geschichte der ALWEG-Bahn erzählen. Im Kölner Norden, genauer, in Fühlingen, gab es einmal eine Versuchstrecke für eine Einschienenbahn. Und ja, sie ist in Köln sogar gefahren.
Basierend auf Vorarbeiten des deutschen Erfinders E. K. Roscher aus den 1930er Jahren wurde bereits seit den 1940er Jahren, also schon deutlich vor der am 2. Oktober 1951 in Köln erfolgten Gründung der „ALWEG-Forschungsgesellschaft“ in Hamburg das Konzept einer Einschienen-Hochgeschwindigkeits-Schnellbahn für den Städteschnellverkehr entworfen. In Köln wurde diese Idee dann weiterverfolgt. Zu verdanken hatten wir dies dem schwedischen Multimillionär Axel Lennart Wenner-Gren, er war der Initiator und Hauptgeldgeber und ließ in Fühlingen eine Teststrecke von etwa einer Meile Länge bauen. Und das kam so…
Der Grund war das schon damals drohende Verkehrschaos in Nordamerika. Dort suchte man nach Lösungen und hatte sich sogar schon die Schwebebahn in Wuppertal angesehen. Die Senatoren hatten einen Multimillionär in der Hinterhand, alles was fehlte, war die Idee. Und die hatten die deutschen Eisenbahnbauer. Nur sahen diese keine Möglichkeit, ihre Idee in Europa umzusetzen. Mit dem Geld Wenner-Grens aber änderte sich das, denn dieser lenkte damals etwa 50 große Wirtschaftsunternehmen weltweit und so spielte Geld nur eine untergeordnete Rolle. Die andere Seite der Glücksmedaille war der Bruder des Millionärs. Hugo Wenner-Gren war der Vorsitzende des Vorstandes der Kölner Studiengesellschaft. So wurde Köln zur Keimzelle des Überlandverkehrs von morgen.
Fast jedenfalls. Dipl.-Ing. Georg Holzer vom Zentralamt der Bundesbahn leitete neben Dr.-Ing. Hinsken in Köln den technischen Expertenstab, der aus einem Team von Eisenbahn-Spezialisten und Flugzeug-Sachverständigen bestand, denn die Eisenbahn der Zukunft sollte die Vorteile des Schienenfahrzeugs und die Vorteile des Flugzeugs nutzen. Der an Oberbaurat Holzer und Dr. Hinsken gegebene Entwicklungsauftrag hatte zwei Ziele.
Zum einen sollte die Entwicklung eines reibungslosen Nahverkehrs mit einer Stundengeschwindigkeit von mindestens 100 km erreicht werden (es wurden sogar 150 km erreicht). Des Weiteren sollte die Erprobung einer auch für die Beförderung von Massengütern geeigneten Eisenbahn mit einer Spitzengeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern erreicht werden. Also gingen die Beiden mit ihrem Team an die Ausarbeitung und bald musste irgendwo im Kölner Umland eine Teststrecke entstehen, um die Ideen in die Praxis umzusetzen.
Der Standort war schnell gefunden, die Fühlinger Heide. So baute man eine Teststrecke, versuchte dies aber möglichst geheim zu halten, was allerdings misslang. Am 11.09.1952 war es dann soweit, man gab eine Pressemitteilung heraus. Laut dieser sollte ab Ende September in der Fühlinger Heide der erste Testzug starten. Die Bahn fuhr auf Rollen auf einem schmalen Laufbalken aus Eisenbeton, in etwa 1,5 Meter Höhe. Sie sollte irgendwann einmal bis zu 350 km/h fahren, so der Plan. Der Modellversuch wurde im Maßstab 1:2,5 durchgeführt. Neben dieser Bahn gab es sogar noch ein kleineres Versuchsmodell im Maßstab 1:10.
Am 06.10.1952 fuhr der Kölner Torpedo das erste Mal durch die Heide und später sogar über die B9, denn genau zwischen dem 3. und 4. Pfeiler überquerte der Testzug die Bundesstraße.
Am 23.07.1957 wurde die ALWEG-Bahn erstmals einem großen Publikum vorgestellt. Natürlich war dies ein Riesenereignis und alles war auf den Beinen. Entsprechend groß war der Menschenauflauf. Der aus zwei Wagenteilen bestehende Zug erreichte zu dieser Zeit eine Geschwindigkeit von etwa 80 km/h. Natürlich war an diesem Tag auch der schwedische Millionär und Sponsor selbst vor Ort. Der Zug fuhr übrigens fast geräuschlos, fast wie die KVB, die jeden Tag gefühlt 100 Mal ihre Linie 13 durch meine Niehler Wohnung fahren lässt (Spaß). Ich bin ja ein Kind des Kölner Nordens, und schon oft, wenn ich durch Fühlingen fuhr, habe ich mir ausgemalt, wie es dort wohl zugegangen ist.
Im November 1954 besuchte sogar der Kaiser von Äthiopien Haile Selassie I. (1892-1975), der als erstes ausländisches Staatsoberhaupt überhaupt der jungen Bundesrepublik einen Staatsbesuch abstattete, die Anlagen.
Übrigens war unser Multimillionär auch der Namensgeber. Die Bahn nannte sich ALWEG-Bahn. ALWEG = (Axel Lennart Wenner-Gren) Aber zurück zur Bahn. Sie sollte ja rund 300 Stundenkilometer schnell sein, musste natürlich eine eigene Trasse haben und wäre damit unabhängig vom restlichen Verkehr der Stadt gewesen. Auch sollte sie kreuzungsfrei angelegt werden und sie sollte durch ihre Bauart in der Lage sein, Kurven in voller Geschwindigkeit zu fahren. Später sollte die Teststrecke in die Eifel verlegt werden, um dort diese Ziele zu erreichen, aber dazu kam es nie.
So blieb es bei den beiden in Fühlingen gebauten Strecken. Die 1952 gebaute, ein Oval mit stark überhöhten Kurven und die 1957 gebaute gerade Bahn, die ja auch die Neusser Landstr (B9) querte. Zur Versuchsstrecke gehörten ein Verwaltungsgebäude, Konstruktionsbüros, Werkstätten und Fahrzeughallen. Auch ein kleines Kraftwerk für die Stromversorgung wurde gebaut, sowie ein Kontrollturm, von dem aus der Versuchszug gesteuert wurde.
Eines der Ziele war, die ALWEG-Bahn für Nahverkehrsverbindungen zwischen Köln, Leverkusen, Opladen und Niehl, Merkenich und Dormagen einzusetzen, auch eine Anbindung der „Neuen Stadt“ Chorweiler oder des Flughafens Köln/Bonn wurde diskutiert. Kölns Oberstadtdirektor Max Adenauer gehörte zu den wenigen Kommunalvertretern, die das Potenzial der Bahn erkannten. Er schlug vor, die Kölner Innenstadt mit Leverkusen und Opladen per Hochbahn zu verbinden. Ein Modell zeigte damals den Wiener Platz in Mülheim mit einer auf Stützen stehenden Trasse, darunter schlängelten sich Straßenbahnen und der Autoverkehr. Ein schöner Traum, mehr nicht. Leider. In Deutschland kam es leider nie zu einer Umsetzung des ALWEG-Konzepts im öffentlichen Schienenverkehr. Hier wurden nur vereinzelt kürzere Strecken erbaut, die sich allerdings nur in Vergnügungsparks befinden.
Aber auch, wenn sich der Traum hier in Köln nicht erfüllt hat, so war die Arbeit nicht umsonst. Filmproduzent und Micky-Maus-Erfinder Walt Disney sicherte sich 1958 eine Nachbau-Lizenz für sein erstes Disneyland in Kalifornien, in dem eine ALWEG-Bahn im kleineren Maßstab bis heute fährt. Auch in Frankfurt wurde überlegt, zwei Linien durch das ALWEG-System abzudecken, man entschied sich dagegen, da ein Netz aus U-Bahn und Straßenbahn schrittweise zu realisieren war und damit besser umgesetzt werden konnte.
Die DDR hatte eine Trasse in Jena ins Auge gefasst, aber hier scheiterte es an der Beschaffung. Erst 1971 wurden die Pläne dort aufgegeben und auf der damals vorgesehenen Strecke fahren heute Straßenbahnen. Weitere Städte, die sich mit der Alwegbahn beschäftigten, waren Wien und Turin - hier fuhr sogar eine Bahn, die zur Ausstellung „Italia 61“ installiert worden war. Die Stadt Essen war ebenfalls an der Bahn interessiert und so kamen die Stadtväter nach Fühlingen, um sich das Ganze anzuschauen.
Weiterentwickelte Bahnen wurden gebaut in Tokio als Anbindung zum Flughafen, in Osaka und in Singapur. Seit 1962 fährt auch in Seattle eine Bahn, gebaut zur Weltausstellung 1962. Sie verbindet die Innenstadt mit dem Ausstellungsgelände. Eine ganz neue Variante der Alwegbahn gibt es seit 2015 in Daegu in Südkorea.
Die Teststrecke wurde leider 1967 abgebaut. Nun, sichtbar ist heute kaum mehr etwas davon. Eine kleine Betonmauer neben dem Fühlinger Ortseingangsschild an der Neusser Landstraße im Süden des Stadtteils, sie ist vielleicht 40 Zentimeter hoch und 25 Meter lang, niemand beachtet den unscheinbaren grauen Riegel am Straßenrand. Die kleine Betonmauer am Fühlinger Ortseingangsschild soll zum Eingangsbereich des ALWEG-Geländes gehört haben. Dazu ein kleines Hinweisschild und ein sehr schön bemalter Baumstamm, hergestellt von Wolfgang Schieffer. Ihr findet ihn im Netz unter www.waldmaler.de
Möglicherweise existieren noch Pfeiler der Hochbahn. Wenn es sie gibt, dann stehen sie allerdings unter Wasser. Denn dort, wo einst Deutschlands Nahverkehr revolutioniert werden sollte, entstand später die Erweiterung des Fühlinger Sees.
Natürlich gab es viele Gründe, warum sich die Idee nicht durchsetzte. Das Auto war auf dem Vormarsch, die Reifen machten Probleme durch große Verschleißprobleme, die Fahrt war holprig, der Energiebedarf war zu groß. Bei Störungen war die Bergung der Passagiere ein aufwendiges Problem, sicher gab es noch mehr ungelöste Probleme zur damaligen Zeit. Und doch war es ein riesiges Abenteuer, das sich abspielte, hier im Norden, in der Fühlinger Heide.
Spannend, was hier in Köln so alles passiert ist.
So, das soll es heute gewesen sein. Ich muss jetzt los, durch unsere Stadt streifen und neue Geschichten in Erfahrung bringen, über die ich dann berichten werde.
Bis die Tage
euer RonaldMeer informatie
Über den Tod hinaus
3 maart 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 7 °C
Jede Kirche hat ihre eigene Geschichte zu erzählen. Bei meinen bisherigen Besuchen in den großen romanischen Kirchen Kölns oder natürlich auch des Domes habe ich schon einiges darüber erfahren dürfen. Aber sie haben nicht nur ihre Geschichte. Jede einzelne, in der ich war, wirkt auch auf ihre eigene Art. Im Dom zum Beispiel fühle ich schon beim Betreten ein Geborgensein, ein Nachhausekommen. Oder St. Gereon...hier nimmt mich beim Betreten des Dekagons, also des zehneckigen Kuppelbaus mit seinen Farben, Nischen und Fenstern etwas gefangen, was ich nur sehr schwer in Worte fassen kann. Einfach nur wunderschön. Groß St. Martin...von außen mächtig und erhaben, so spürte ich im eher schlichten Innenraum so etwas wie Einsamkeit und Traurigkeit.
Was mir aber in keiner Kirche passiert ist, ist das, was ich in St. Maria im Kapitol gefühlt habe. Kurz zur Kirche selbst: Sie ist die größte (früh)romanische Kirche Kölns mit einer Länge von ca. 100 Metern und einer Breite von ca. 40 Metern. "Im Kapitol" bedeutet, dass die Basilika auf einer einst sich dort befindlichen römischen Tempelanlage erbaut wurde. Diese Tempelanlage wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. für die in der Römerzeit bedeutendsten Götter Jupiter, Juno und Minerva errichtet. Zum Anlass des Baus nahm man die Erhebung zur Colonia römischen Rechts.
Aber weiter: Der Besuch dieser Kirche gestaltete sich für mich persönlich mehr als merkwürdig. Schon beim Eintreten bemerkte ich, dass ich mich dort nicht so wohl fühlte, wie in anderen Kirchen. Als ich dann aber durch die Kirche ging und in den hinteren Bereich mit dem Chorumgang kam, beschlich mich ein sehr unangenehmes Gefühl, ein fast schon angstmachendes, sodass ich meinen Rundgang dort beendete und die Kirche verließ. Wieder draußen, fragte ich mich natürlich, was das denn jetzt war und kam zu dem Schluss, dass ich mir das eingebildet haben muss.
Trotzdem ließ mir das Ganze keine Ruhe und ich begann, mich noch einmal näher mit St. Maria im Kapitol zu befassen. Im Zuge dessen stieß ich auf eine der Kölner Legenden und ich muss sagen, für mich die traurigste.
Wir befinden uns im Frankenreich. Aufgeteilt in drei Unterreiche, wurde jedes der drei Reiche von den mächtigsten Geschlechtern regiert. Und jeder wollte noch mächtiger als der andere sein. Morde, Hass und Verrat bestimmten alles. Selbst die eigene Familie wurde nicht verschont. War ein Vater endlich König, wurde das Reich unter den Söhnen neu aufgeteilt und die Kämpfe begannen von vorn. Auch untereinander. Der mächtigste Mann erhob sich zum "Hausmeier", zum Majordomus, das ist der lateinische Begriff dafür. Sollte vornehmer klingen. Das aber nur nebenbei.
Im 8. Jahrhundert schließlich, der bis dahin regierende Hausmeier Pippin II. war gerade gestorben, fürchteten sich die Bürger Kölns nun vor dessen Witwe, Plektrudis. Sie, als strenge und fromme Christin, führte ein Kloster, direkt hinter dem Palast gelegen. Ihre eigenen Söhne lebten nicht mehr, und so setzte sie ihren kleinen Enkel als Nachfolger ihres Mannes ein. Bis dieser aber alt genug war, wollte sie die Herrschaft übernehmen. Dabei im Weg war ihr einzig ihr ungeliebter Stiefsohn Karl, der Sohn Pippins, der aus einer Liebschaft Pippins mit einer anderen Frau hervorgegangen war. Für die herrschsüchtige Plektrudis kam dieser Karl natürlich überhaupt nicht als Regent in Frage, obwohl dieser der direkteste Nachkomme Pippins war, also ließ sie ihn kurzerhand in den Kerker werfen. Wochen vergingen. Nur der Gedanke an ein Mädchen, welches Karl kurz, bevor er weggesperrt wurde, ein einziges Mal in der Nähe von Plektrudis gesehen hatte, gab ihm Kraft durchzuhalten, denn dieser eine Moment hatte gereicht, um sein Herz an das Mädchen zu verlieren.
Dieses Mädchen war Ida, die Nichte der Plektrudis. Dieser war der kurze Moment zwischen Karl und Ida ebenfalls nicht entgangen. Sie jedoch hatte andere Pläne mit ihrer Nichte, die auf ihr Geheiß hin von Nonnen erzogen wurde. Ida sollte dem Mann gehören, den ihre Tante selbst auszuwählen gedachte. Aber Karl saß ja im Kerker, die Gefahr war also gebannt. Oder etwa nicht? Der Kerker nämlich lag zum Garten des Klosters hin, in dem Ida sich oft aufhielt. Und so hörte sie ihn eines Tages fluchen. Sie ging der Stimme nach, suchte unter den Büschen und fand schließlich den mit Gitterstäben gesicherten Kerker.
Sie versprach, ihn zu befreien und in einem unbeobachteten Moment brachte sie ihm einen Dolch, um das schon poröse Mauerwerk um die Gitterstäbe weiter lockern zu können, und ein Seil, an welchem sie ihm half, sich nach oben zu ziehen. Er war frei.
Frei, musste aber in den Krieg ziehen, um die ihm zustehende Herrschaft zurückzugewinnen. Plektrudis, die von Ida`s Tat erfahren hatte, befahl, dass Ida zur Strafe nun selbst Nonne werden mußte und das Kloster nicht mehr verlassen durfte. Karl, der Ida versprochen hatte, so schnell es geht zurückzukehren, kam nach 4 langen Jahren, und seinem Sieg zurück, um seine geliebte Ida zu holen, doch er kam zu spät. Ida, die jeden Tag im Klostergarten auf ihren Liebsten gewartet hatte, war an gebrochenem Herzen gestorben, nachdem ihre Tante ihr die Lüge vom Tode Karls überbracht hatte.
War nun mein Gefühl in dieser Kirche wirklich nur Einbildung? Denn die Gründerin von St. Maria im Kapitol war niemand anderes als: Plektrudis. Und hier lag sie einst begraben.
Eure RamonaMeer informatie
Turboverdichter der CFK
2 maart 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 8 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
In unserer Stadt gibt es viele Denkmäler, Gedenkplatten, Hinweistafeln und dergleichen mehr. Heute möchte ich euch einmal auf ein Industriedenkmal aufmerksam machen. Es steht in unmittelbarer Nähe zum Kalker Stadtgarten und der U-Bahnstation Kalk Kapelle an der B55, ist also leicht zu erreichen.
Wie so oft in Kalk, dreht es sich um ein Stück Geschichte der CFK (Chemische Fabrik Kalk). Wer sich für diese Dinge interessiert, sollte also einen kleinen Abstecher hierhin nicht scheuen.
Gezeigt wird ein Turboverdichter aus der Sodaproduktion. An diesem Verdichter ist eine Tafel angebracht, auf der folgendes steht:
Turboverdichter aus der Sodaproduktion der vormaligen Chemischen Fabrik Kalk
Im Turboverdichter, der den vorherigen Kolbenkompressor ersetzte, wurde das bei der Sodaherstellung in den Kalköfen anfallende CO² –Gas verdichtet.
Die Turbine stammt von Blohm & Voss aus Hamburg; das Getriebe von der Fa. Renk.
Der Turboverdichter war bis zur Produktionseinstellung im März 1994 bei der Chemischen Fabrik Kalk GmbH im Einsatz.
In den 1960er Jahren beschäftigte die 1858 gegründete CFK als bedeutendes Kalker Unternehmen 2.400 Mitarbeiter.
Durch ehrenamtliche Arbeit ehemaliger Beschäftigter der CFK wurde der Turboverdichter mit anderen ausgewählten Maschinenanlagen aus dem Abbruch gesichert.
Aufgestellt als Zeugnis der Kalker Industriegeschichte im Rahmen des Kalk-Programms im Dezember 2002.
Schaut sie euch ruhig mal an, ein kleines Stückchen Kalker Vergangenheit wurde hier bewahrt.
Bleibt neugierig und geht aufmerksam durch die Stadt. Es gibt so viel zu entdecken,
euer RonaldMeer informatie
Schloss Wahn
1 maart 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 9 °C
Schloss Wahn
WahnSinn! Köln Porz Wahn wird der Ort genannt, an dem sich das Schloss Wahn befindet. Die Porzer werden sagen, lass das Köln ruhig weg. Doch es ist wie es ist, das Schloss Wahn gehört zu Köln. Auch liegt es schon fast auf der Grenze zu Bonn. Schauen wir uns also heute einmal genauer diese aus dem 18.Jahrhundert stammende Flügelanlage an. Erbaut als Lusthaus, im Spätbarock. Ursprünglich befand sich dort bereits ein Adelsitz seit dem Jahr 1100.
Eigentümer ist seit 1820 die Familie Eltz - Rübenach, jedoch hat diese das Schloss bereits nach dem 2.Weltkrieg an die Universität Köln verpachtet.
Eine weise Entscheidung. Zum Wohle der Kultur! Denn hier befindet sich seit 1955 die Theaterwissenschaftliche Sammlung. Eine der umfangreichsten der Welt. Mehr als 100.000 Bände der Theaterliteratur sind dort untergebracht. Historische Stücke, bereits beginnend im 16.Jahrhundert, findet man dort. Doch was uns Kölschen viel wichtiger ist, es wird dort der Nachlass von Willy Millowitsch bewahrt und in einer Sonderabteilung findet man Werke aus dem Hänneschen Theater, aus dem Nachlass Christoph Winters.
Weiter geht es mit z. B. den Strümpfen von Enrico Caruso, die er in "Verdis Maskenball" getragen hat. Oder ganz witzig, das berühmte Dreirad Karl Valentins, dessen Werke in Köln untergebracht sind. Auch Bios Bahnhof im Miniaturformat ist dort zu finden.
Theater ist ja bekanntlich eine sehr flüchtige Kunst, die vom Moment des Augenblicks lebt Dieser Kunst gibt Schloss Wahn auf 4000 qm Raum, mit diversen Mottozimmern, Sammelobjekten und vor allem natürlich Archivmaterial ohne Ende. Abertausende Theaterkritiken und Fotos warten dort auf Studenten, die sie gerne lesen oder anschauen möchten.
Klingt wie ein Museum! Ist es aber nicht. Ganz wichtig ist dem "Herr der Sammlung" Peter Marx , der diese seit 2012 für die Uni Köln, als Theaterwissenschaftler bewahren darf, die Tatsache, dass es sich hier nicht um eine Schausammlung handelt. Sie ist wissenschaftlich zu sehen und für alle Studiengänge der Theaterwissenschaft unverzichtbar.
Das besondere an der Kölner Sammlung ist auch die Bandbreite der Sammlung. Dort wird nicht nur den großen Theatern, sondern auch den kleinen Volksbühnen, den Wanderbühnen oder Puppenbühnen Raum gegeben.
Zum Schloss gibt es noch zu sagen, man kann dort seit einigen Jahren auch heiraten. Es ist sogar möglich, den ein oder anderen historischen Raum zu mieten.
Die Uni Köln führt dort Konzerte, Seminare und Bildungs- u. Kulturveranstaltungen durch. Ab und an gibt es auch Führungen im Schloss. Welches mittlerweile schon fast zu klein wird für die umfangreiche Sammlung. Woher ich das weiß? Nun, wenn selbst in den sanitären Anlagen schon Vitrinen stehen, dann wird es langsam eng. Oder?
In unmittelbarer Nähe liegt auch der Eltzhof, den ich euch gerne ein anderes Mal vorstellen möchte. Der Name verrät natürlich schon, auch dieser hat etwas mit Schloss Wahn zu tun. Überhaupt ist die Adelsfamilie von Eltz weitverzweigt. Sicher kennen die meisten von euch die Rheinburg Schloss Eltz, welche ebenfalls zum Besitz der Familie gehört.
Ein "Sprösschen" ist sogar im Filmgeschäft. Die 1978 geborene Theresa von Eltz wurde Filmregisseurin. In Bergisch Gladbach aufgewachsen, lebt und arbeitet sie heute in Berlin. Da schließt sich dann der Kreis zur Kunst wieder.
Einen angenehmen Sonntag wünsche ich euch.
Eure ElisabethMeer informatie
Das Bettenhaus der Uni-Klinik Köln
29 februari 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 11 °C
Was ein Klotz. Ich gebe zu, anfangs hat er mich abgestoßen. Aber auch schon ein wenig fasziniert und dann wieder abgestoßen. Wichtig ist er ja, erschlägt aber Lindenthal etwas.
Das Bettenhaus der Uni-Klinik Köln ist immerhin 70 Meter hoch und hat 18 Geschosse. Die umliegende Wohnbebauung, also die kenne ich in Lindenthal in der Regel als höchstens viergeschossig. Könnt ihr Euch vorstellen, wie dieser Koloss da aus diesem Veedel herausragt?
Vielleicht kann man sogar sagen, dass er angemessen herausragt. „Universitäts-Klinik“ bedeutet ja auch, dass hier geforscht und gelehrt wird. Im Kern führt dies sogar auf das Jahr 1248 zurück. Ein wichtiges Jahr für Köln. Es ist ja das Jahr der Grundsteinlegung des Domes. Aber auch Albertus Magnus hat in diesem Jahr begonnen, im Auftrag der Dominikaner-Mönche zu lehren. Neben Philosophie, Theologie und Recht eben auch Medizin - der Ursprung unserer Universität. Seit diesem Jahr wird in Köln Medizin in universitärer Form mit Unterbrechungen gelehrt.
Die Kliniken selbst, beginnen ihre Geschichte im Jahr 1871. Die Stadt Köln kauft in diesem Jahr die „Heilanstalt für Gemüths- und Nervenkranke des A.J. Maasen auf der Lindenburg bei Köln“. Der Begriff „Lindenburg“ geht dabei auf ein Landgut zurück, dass dem Antoniter-Orden gehörte und zwischen Bachemer- und Gleueler Straße lag. Längst vergessen, aber der Name „Lindenburg“ hält sich so selbstverständlich, dass die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) bis heute nur die Haltestelle „Lindenburg“ kennt und diese mit dem Zusatz „Universitätskliniken“ ergänzt hat. Versucht mal einem nicht Ortskundigen, vielleicht sogar auf Englisch, klar zu machen, wo er hin muss, wenn es diesen Zusatz nicht gäbe. Oder?
Im Jahr 1908, also vor 111 Jahren, wird dieses Gelände zur Großklinik ausgebaut. Es hat damals bereits 1108 Betten. Ab dem Jahr 1919 wird Medizin hier gelehrt. Im Jahr 1953, als die Universität zu Köln von Land NRW getragen wird, wechselt auch das städtische Krankenhaus Lindenburg als Universitätsklinik in diese Trägerschaft.
Im Jahr 1964 gewinnt dann das Architekturbüro Heinle und Wischer aus Stuttgart den Wettbewerb mit dem Entwurf zum Bettenhaus. Dieses wir im Jahr 1972 fertigstellt und sieht zu dieser Zeit wesentlich filigraner aus, als dieser glatte, verglaste Koloss. – Das Wort meine ich nicht negativ, aber die alten Kölner werden wissen, was ich meine. Das alte Gebäude hatte klar sichtbare Balkone, was dem Gebäude tatsächlich eine freundlichere Struktur gab. Diese Glasfassade gibt es erst seit der Sanierung, die im Jahr 2012 abgeschlossen wurde – und nicht immer steht der Brocken so dekorativ im Sonnenlicht.
Aber egal. Die Funktion ist wichtig für die Menschen in Köln. In ungefähr 1500 Betten werden jährlich um die 63.000 Patienten stationär behandelt. Das zählt, finde ich. Da ist Eleganz irgendwie Nebensache.
Abends in den Wirtschaften, da kann man sich übrigens sicher sein, dass einer der fast 11.000 Angestellten, meist sogar ein Arzt und mehrere Schwestern im direkten Umfeld anwesend sind. Das ist doch gut, wenn der Fisch schlecht ist! Den ein oder anderen Patienten, den es nach der Operation zu einem frischen Kölsch treibt, findet man hier natürlich auch regelmäßig und hat etwas Mitleid.
Wen stört da schon das Knattern des Rettungshubschraubers? Mich nicht.
Michael
-
Wat ene Klotz. Ich gevve zo, aanfangs hät hä mich avgestosse. Ävver och e bessche faszineet un dann widder avgestosse. Wichtig es hä jo, erschleiht ävver Lindenthal jet.
Et Bettenhuus vun der Uni-Klinik es immerhin 70 Meter huh un hät 18 Etage. De Hüüscher drömeröm, alsu die kenne ich en Ling normalerwies met hühstens vier Etage. Künnt Ehr Üch vürstelle, wie dä Kaventsmann do us däm Veedel erusrag?
Villleich kann mer sugar sage, dat hä aangemesse erusrag. „Universitäts-Klinik“ bedügg jo och, dat hee geforsch un geleht weed. Em Kään föht dat sugar op et Johr 1248 zoröck. E wichtig Johr för Kölle. Et es jo et Johr, en däm der Grundstein vum Dom gelaht woode es. Ävver och der Albertus Magnus hät en däm Johr aangefange, em Opdrag vun de Dominikaner-Mönche ze lihre. Nevve Philosophie, Theologie un Rääch evvens och Millizing - der Aanfang vun unser Universität. Zick däm Johr weed en Kölle Millizing en der Aat un Wies vun ener Universität met Ungerbrechunge geleht.
De Klinike selvs, läge ehre Aanfang en et Johr 1871. De Stadt Kölle käuf en däm Johr de „Heilanstalt für Gemüths- un Nervenkranke des A.J. Maasen auf der Lindenburg bei Köln“. Der Begreff „Lindenburg“ geiht dobei op e Landgod zoröck, dat dem Antoniter-Orde gehürte un zwesche Bachemer- un Gleueler Stroß log. Längs vergesse, ävver der Name „Lindenburg“ häld sich su selvsverständlich, dat de Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) bes hügg nor de Haltestell „Lindenburg“ kennt un die met däm Zosatz „Universitätskliniken“ ergänz hät. Versök ens einem ze verklöre, dä der Wäg nit kennt, villleich esugar op Englisch, wo hä hin muss, wann et dä Zosatz nit göv. Oder?
Em Johr 1908, alsu vör 111 Johre, weed dat Terrain zom Großspidol usgebaut. Et hät domols ald 1108 Bedder. Av dem Johr 1919 weed Mellizing hee geleht. Em Johr 1953, wie die Universität zo Kölle vum Land NRW gedrage weed, wähßelt och et städtische Krankehuus Lindenburg als Universitätsspidol nohm Land.
Em Johr 1964 gewennt dann et Architekturbürro Heinle un Wischer us Stuttgart der Wettbewerv mem Entworf för et Bettenhuus. Dat weed em Johr 1972 fäädigestallt un süht zo dä Zigg vill filigraner us, wir dä glatte Koloss us Glas. – Dat Wood meine ich nit schlääch, ävver de aale Kölsche weede wesse, wat ich meine. Dä aale Bau hatt Balkone, die mer god erkenne kunnt, wat däm Bau wirklich en fründlichere Struktur gov. Die Fassad us Glas gitt et eesch zick der Saneerung, die em Johr 2012 fäädig wor – un nit immer steiht dä Brocke esu schön em Sonneleech.
Ävver egal. De Funktion es wichtig för de Minsche en Kölle. En ca. 1500 Bedder weede em Johr ca. die 63.000 Patiente behandelt. Dat zällt, finge ich. Do es de Eleganz irgendwie Nevvesaach.
Ovends en de Weetschafte, do kann mer sich üvvrigens secher sin, dat eine vun dä baal 11.000 Aangestellte, miets sugar ene Aaz un en paar Krankeschwestere tirek öm dich eröm sin. Dat es doch god, wann der Fesch schlääch es! Der ein ov andere Patient, dä et noh der Operation noh nem fresche Kölsch driev, fingk mer hee natörlich dann och rägelmäßig un weed jet beduurt.
Wä stürt do dä Radau vum Rettungshubschrauber? Mich nit.
MechelMeer informatie
Agneskirche - entstanden aus Liebe
27 februari 2020, Duitsland ⋅ 🌧 3 °C
Agneskirche, entstanden aus Liebe
Eigentlich steht sie in der Neustadt-Nord, unsere Agneskirche. Aber natürlich sagt das so niemand. St. Agnes steht im Agnesveedel. So und nicht anders. Deshalb heißt es ja auch Agnesveedel. Logisch. Weit sichtbar ist sie von vielen Punkten in Köln. Klar erkennbar, der Turm hat eine Höhe von etwa 62 Metern. Stattlich. Im Jahre 2018 wurde der Platz vor der Kirche in Roeckerathplatz umbenannt. Bis dahin war der Vorplatz Teil des Neusser Platzes.
Im neugotischen Stil erbaut, ist sie das Zentrum des Veedels. Schön ist sie. Unverwechselbar, die Kirche der Liebe, wie ich sie so gerne nenne. Warum "Kirche der Liebe"?
Peter Joseph Roeckerath hat diese Kirche, die zweitgrößte Kölns, im Jahre 1895 gestiftet. Der Liebe wegen.
Agnes, übrigens eine geborene Schmitz (muss ich doch direkt an die "Schmitz- Säule" denken), so hieß die Ehefrau Roeckeraths, entstammte einer Kappesbauerfamilie. Mit der Heirat brachte sie große landwirtschaftlich genutzte Flächen mit in die Ehe.
Stadtnah außerdem und damit sehr begehrt und finanziell wertvoll. Dies sollte sich 1880 in barer Münze niederschlagen. Im Zuge der Stadterweiterung verkauften die Roeckeraths ihre Grundstücke und kamen so zu beträchtlichem Reichtum.
Jedoch verstarb Agnes, mittlerweile stolze Mutter von zwölf Kindern bereits 1890. Roeckerath, inzwischen Grundstücksmakler und Bauunternehmer, ließ St. Agnes 1896 nach Plänen des Architekten Carl Rüdell zu Ehren seiner Gemahlin errichten. Sie sollte den Namen seiner Ehefrau tragen, aus Liebe, geweiht allerdings wurde sie der heiligen Agnes. Es wurde die zu dieser Zeit größte Pfarrkirche Kölns und eine Hallenkirche mit Querschiff im Stil der Neugotik. Auch der Turm wurde nach seinen Wünschen "ohne Helm" gebaut, die Plattform zu erklimmen lohnt sich bestimmt, auch ist der Turm für uns leicht von anderen Kirchtürmen zu unterscheiden. Leider ist mir nicht bekannt, ob es möglich ist,hier herauf zu kommen.
Bereits 1902 wurde St. Agnes fertiggestellt und eingesegnet. 1910 wurde der Anbau der Sakristei beschlossen und 1913 vollendet und durch den Erzbischof geweiht. Roeckerath selbst verstarb 1905 und wurde in einer der Seitenkapellen bestattet. Seine Ehefrau hingegen liegt nass und kalt auf Melaten begraben, übrigens ebenso der Architekt Carl Rüdell.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer zerstört und zwischen 1950-58 wiederhergestellt. Von der neugotischen Ausstattung aus dem Jahr 1902 sind der Hochaltar, das Taufbecken und der Petrusaltar erhalten.
In den Schlagzeilen war St. Agnes, als bei der Renovierung der Opferstöcke 50 Millionen Mark in Ritzen und doppelten Böden gefunden wurden. Leider war das Geld längst nichts mehr wert.
Ja, und wenn ihr sie mal besucht, das Veedel hat Flair. Nette Einkehrmöglichkeiten sind genügend vorhanden und St. Agnes ist einen ausgiebigen Besuch wert.
euer RonaldMeer informatie
Stürzende Bücher auf der Ehrenstraße
20 februari 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 9 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
Stürzende Bücher auf der Ehrenstraße
Wie jetzt? Ist was passiert auf der Ehrenstraße? Ja, schon, aber das ist schon lange her. So lange, dass sich wohl kaum noch jemand daran erinnert, oder es wahrnimmt, und das, obwohl wir permanent daran vorbeilaufen. Dabei sind es wirklich große Bücher, die da die Hauswand herunterstürzen. Aber für diese Fälle von vergessen habt ihr ja uns. Wir graben diese Dinge wieder aus und erzählen euch die Geschichten. So wie diese auf der Ehrenstraße 4, mitten in der City.
Es war 1981, als der Kunstbuchhändler Walther König in Paris eine Skulptur entdeckte, die es ihm sofort angetan hatte. Und wie es sich für einen Buchhändler gehörte, hatte das Teil natürlich etwas mit Büchern zu tun. Das Kunstobjekt zeigte aufgeschlagene Bücher, die mit flatternden Seiten nach unten stürzten. Sowas wollte er haben, aber nicht diese kleine Skulptur, sondern das ganze in groß. Oder nein, lieber in größer, viel größer.
König hatte gerade eine Buchhandlung auf der Ehrenstraße eröffnet und hatte sich jetzt in den Kopf gesetzt, diese Skulptur an der Hausfassade seines Ladens anzubringen. Er nahm Kontakt zu dem Künstler Julian Opie auf, überzeugte ihn von diesem Projekt und so nahm die Idee von den „Falling Books“ für Köln Fahrt auf.
Julian Opie fertigte Modelle von insgesamt 4 großen Büchern an und lies diese dann als Stahlblechbücher schmieden, bemalte diese und brachte sie an der Fassade an. Leider hat das Projekt heute etwas an Farbe verloren, aber außergewöhnlich cool ist es immer noch.
Es sollte sogar ein fünftes Buch geben, welches bereits unter dem Gehweg liegt, sichtbar durch eine Glasscheibe. Leider bekam er dafür von der Stadt keine Genehmigung, dafür gab es aber 1985 den Kölner Architekturpreis für die stürzenden Bücher.
An der Fassade seht ihr eine weitere kleine Besonderheit. Jede Menge Figuren, die dort aneinandergereiht entlanglaufen. Auch dies ist eine Skulptur und nennt sich „Kings Parade“. Um dies zu entdecken, müsst ihr aber schon etwas genauer hinschauen.
Tja, wieder etwas entdeckt, das es nur hier in Köln gibt. Kunst im Vorbeigehen erleben kann man hier, mitten auf der Ehrenstraße.
Übrigens habe ich auf dieser Straße noch etwas gefunden, davon berichte ich euch demnächst. Also haltet die Augen auf, es gibt immer etwas zu entdecken,
euer RonaldMeer informatie































































