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CCAA - Köln

CCAA - Colonia Claudia Ara Agrippinensium - Köln - Kölle
Wie es war und wie es ist.
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  • Auf Sand gebaut...

    4 juni 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 21 °C

    Auf Sand gebaut...

    ...das ist unser Dom. Gebaut auf den Rheinsanden. Und dennoch steht er fest auf Fundamenten, die, so sagen Statiker, noch viel mehr Gewicht tragen könnten als seine 120.000 Tonnen Gesamtgewicht.
    120.000 Tonnen - unvorstellbar oder?

    Außerdem befindet er sich in einem Erdbebengebiet. Aber selbst, wenn es mal beben sollte, und ich drücke es mal so aus - haut es ihn nicht um. Denn man wusste schon im Mittelalter davon und verwendete zwischen den extrem harten und bruchsicheren Basaltsteinen den weicheren und elastischen Tuffstein, der bei Druck nachgibt. Ich bewundere immer wieder das Wissen und Können Meister Gerhards, der wirklich ALLES bedacht hat.

    Was aber ist jetzt am Fundament des Kölner Doms so besonders?
    Es reicht 16 Meter in die Tiefe. Und es wiegt - 120.000 Tonnen. Der Dom wiegt nämlich unten genausoviel wie oben. Aber woher weiß man das alles? Archäologen haben im Jahre 1946 mit Ausgrabungsarbeiten unter dem Dom begonnen. Dabei kamen aber nicht nur die unterirdischen mächtigen, tragenden Pfeiler zu Tage, sondern auch ein Teil der Geschichte Kölns.

    In den durch die Ausgrabungen entstandenen Gewölben und Gängen fand und findet man Überreste uralter Zeiten und Kulturen. (Im Dom zumindest ist das sicher ein Grund zur Freude, aber wenn bei Bauarbeiten "aus Versehen" etwas ausgegraben wird, schüttet man das in Köln heute am liebsten direkt wieder zu. Denn Funde bedeuten Baustopp).

    Ich habe an einer solchen Führung unter dem Dom teilgenommen und mich packte, gelinde gesagt, die blanke Ehrfurcht. Vor dem, was sich hier vor so vielen Jahrhunderten, gar bis zu über 1.500 Jahren abspielte, ebenso vor dem, was die Archäologen hier geleistet haben. Man steht mitten in den Zeugnissen alter Zeiten.

    Man fand zum Beispiel Reste einer römischen Fußbodenheizung, wunderschön verzierte Fußböden, die aber, als die Gebäude verfallen waren, zugeschüttet wurden. Ebenso wurden Mauern im Bereich unter dem Binnenchor entdeckt, die zu einem kleinen Gebetsraum gehört haben könnten. Leider lässt sich dieses nicht sicher belegen. Hier unten jedenfalls, und das ist sicher, begann die Geschichte unseres Kölner Domes.

    Umgeben von diesen Funden zeigen sich Überreste einer fränkischen Kirche und des karolingischen Doms, dem "Vorfahren" des heutigen gotischen Doms.
    Spektakulär sind die beiden Grabfunde aus der Frankenzeit. Vermutlich eine Mutter und ihr ca. 6 Jahre alter Sohn, samt Grabbeigaben, wie Gold, Schmuck, Holzmöbel, die allerdings inzwischen zerfallen sind, und ein Helm des Jungen.

    Aber was auch immer die Archäologen bisher fanden und nachfolgende Generationen von Archäologen noch finden werden... steht man hier unten unter dem Dom, spürt man den Geist der Vergangenheit auf jedem Meter.
    Ich kann euch eine so eine Führung nur ans Herz legen. Sie wird euch diese unsere einzigartige Kathedrale noch näher bringen.

    Bis bald
    eure Ramona

    Bei Gefallen würde ich mich über ein Teilen sehr freuen, so kann Kölschgänger in unserer Stadt noch weiter verbreitet werden.

    Köln, Dom, Bilder der Ausgrabungen
    © Foto: Ramona Krippner
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  • Der Vingster Hof

    2 juni 2019, Duitsland ⋅ ☀️ 28 °C

    Der Vingster Hof
    Ganz in der Nähe von Unkelshof und Heßhofplatz liegt der Vingster Hof, an der Kuthstraße. Diese ist übrigens nach dem einzigen Bürgermeister, Aloys Kuth, benannt, den Vingst jemals hatte. In den Jahren 1900 bis 1910 gab es dort ein Bürgermeisteramt, welches auch sehr schön anzusehen ist. Es dient heute als Bürger- und Jugendzentrum. Vingst ist eigentlich ein recht wenig bekannter Kölner Stadtteil. Dennoch hat auch Vingst Geschichte und hier und da ein zu entdeckendes Kleinod.
    So wanderte ich eines Morgens durch dieses Vingster "Höfeviertel" und sah 2 Schüler, die auf dem Weg zur Schule stehen geblieben waren und von der gegenüberliegenden Straßenseite den Vingster Hof betrachteten. Ihr Interesse schien recht groß zu sein. Als aus der Hofanlage ein Mann kam, der zu ihnen auf die Straßenseite wechselte, fragte der eine der beiden Jungs: "Was ist das da? Ist das eine Zelle?" Der Mann antwortete: "Das ist ein alter Bauernhof, wo viele Menschen wohnen". Er wünschte den beiden Jungs noch einen schönen Tag und setzte seinen Weg fort. Die beiden blieben weiterhin stehen und sahen sich den Hof an. Ich hatte mittlerweile den kleinen Fußpfad hinter der rechteckigen Hofanlage erreicht und einige Fotos gemacht. Inspiriert durch die Gedankengänge der Jungs, begann ich nun meine Recherche.
    Was hatte der Mann gesagt? Ein alter Bauernhof! Gut, das sieht man eigentlich. Doch wie alt? Immerhin steht der Hof unter Denkmalschutz, wie die angebrachte Plakette wissen läßt. Auch das Kreuz mit der Christusfigur, welches links neben dem Eingangstor zu sehen ist, ist eindeutig älteren Ursprungs. Genau gesagt, soll es seit 1807 zum Hof gehören und ist ebenfalls in die Denkmalliste der Stadt Köln aufgenommen.
    Vingst, was wahrscheinlich vom römischen Wortstamm für Winzer kommt, war früher eine Bauernsiedlung. So wie viele der Ortschaften aus dem rechtsrheinischen Köln. Heute leben dort anteilig sehr viele türkischstämmige Kölner, was man auch an den Geschäften rundum bemerkt.
    Die Hofanlage Vingster Hof ist der älteste Bauernhof dort und wurde früher oft "Hospitalhof" genannt, dessen Begrifflichkeit wohl wieder einmal auf die vielen Behelfskrankenhäuser hindeuten könnte, die es in Köln während Kriegszeiten gegeben hat. Gesichert ist diese Aussage aber leider nicht. Der nahe gelegene Heßhofplatz war dereinst Standort des Heßhofs, im Volksmund auch Judenhof genannt. Allerdings wurde der Heßhof bereits im Jahre 1900 abgerissen.
    Zurück zum Vingster Hof. Erbaut wurde er Anfang des 12. Jahrhunderts. Danach erlebte er eine wechselhafte Geschichte, mal in privater und mal in kirchlicher Hand. Lange Zeit gehörte er zur Deutzer Abtei St.Heribert.
    In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg, bis zu seiner Verwendung als Wohnanlage, soll der Vingster Hof im Besitz der Stadt Köln gewesen sein, was ein sehr eindrucksvolles Wappen an der Vorderseite belegt. Die Stadt ließ den Hof in den Jahren 1910 bis 1960 als Bauernhof bewirtschaften. Danach hatte er weitere Funktionen anderer Art.
    1975 stand die geräumige Anlage plötzlich leer. Wollte man sie erhalten, dann musste etwas geschehen und zwar zeitnah. Damals war man, wie mir scheint, etwas entscheidungsfreudiger, so wurde bereits 1979 mit dem Ausbau der Anlage begonnen. Seit Ende 1980 ist es eine Wohnanlage mit 16 Wohneinheiten, die wie eine Oase mitten in einer Vorort-Wohnsiedlung anmutet. Auch wenn sie kleinen Jungs wie ein Gefängnis erscheinen mag.
    Vielleicht hattet ihr Freude an dieser kleinen Begebenheit und die kurze Beleuchtung dazu. Gerne dürft ihr den Artikel teilen und dem rechtsrheinischen Stadtteil Vingst ein "Gesicht" in der Stadtgeschichte geben.
    Bis zum nächsten Mal!

    Eure Elisabeth
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  • Der Taubenbrunnen

    30 mei 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 15 °C

    Der Taubenbrunnen

    Dieser kleine und eher unscheinbare Brunnen befindet sich vor der Westseite der Domplatte und wurde 1950 vom Bildhauer Ewald Mataré entworfen und 1953 aufgestellt. Wie der Name schon sagt, ist der Brunnen für die „Domtauben“ als Trinkgelegenheit konzipiert worden. Würde man heute vermutlich so nicht mehr machen, aber andere Zeiten - andere Brunnen.

    Übrigens war es der erste neu gebaute Brunnen in unserer Stadt nach dem Krieg und wurde von der BfG gesponsert (16.730 DM), die natürlich auch für den Standort verantwortlich war. Nämlich vor ihrem im selben Jahr fertiggestellten Bankgebäude. Zufälle gibt’s (grins). Heute ist dort das Domforum beheimatet.

    Der Brunnen, ein ovales 540 x 400 cm großes Mosaik besitzt einen spiralförmigen Wasserlauf. In die Mosaikumrandung wurde ein Becken eingelassen, in dessen Mitte sich der Wasserspender befindet. Der Wasserspender selbst sitzt auf einem kleinen Basaltblock. Von dort fließt das Wasser aus drei kleinen Tüllen in die Spirale (wenn es denn mal fließt).

    Über etwas seltsame Riten der Künstler habe ich ja schon häufiger berichtet, ein laufendes Autoradio, während das Auto einbetoniert wurde z.B, ihr erinnert euch sicher. Hier hatte man eine andere, aber nicht weniger skuril-spaßige Idee. Bei der Grundsteinlegung, das allein ist bei der Größe des Brunnens schon ein Spaß für sich, wurde eine sogenannte „unbekannte Taube“ aus Marzipan im Grundboden vergraben. Welch außergewöhnliche Idee. Das Wasser der Tauben schmeckt bestimmt ein wenig nach Marzipan, doch doch, ganz bestimmt. 😂

    Aber es kommt noch besser.
    Bei der Einweihung, die scheinbar einem kleinen Volksfest glich, denn, vom Bürgermeister angefangen, war wohl erschienen, was Rang und Namen hatte, sprach der Erschaffer des Brunnens von „einer reizenden, kleinen frohgemuten Angelegenheit“.

    Man gab sich den wunderbaren Riten einer Einweihung hin, so wurde eine Urkunde gar feierlich von allen Anwesenden unterzeichnet und noch feierlicher versenkt, der Künstler hielt eine Rede, in der den in den Türmen des Domes nistenden Tauben gedacht und gehuldigt wurde, auf das sie nie mehr Durst leiden mögen ...oder so ähnlich, jedenfalls sehr feierlich. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, zur Freude aller wurde noch die erste Strophe von La Paloma geschmettert, dann, als wahrscheinlich schon niemand mehr damit gerechnet hat, wurde die Hülle vom Boden entfernt und es hieß „Wasser Marsch“, oder eher doch nicht, denn das kostbare Taubengesöff kam in drei kleinen Strahlen daher und füllte das Becken mit dem kostbaren Nass.

    Dieses nahm nun anmutig seinen Weg durch die Spirale in der Schale und die Begeisterung kannte kein Halten mehr. Nach Ende dieses Schauspiels schmetterte man noch die fehlenden zwei Strophen von La Paloma, eine Flasche Steinhäger wurde feierlich geleert (nein, nicht in den Brunnen gekippt), denn so eine Einweihung macht durstig. Danach ging man stolz und zufrieden auseinander.

    Was für eine würdige Einweihung, oder?

    Ach ja, Tauben waren bei der Einweihung leider keine erschienen. Schade eigentlich.

    Euer Ronald
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  • Die zwölf Türen

    28 mei 2019, Duitsland ⋅ 🌧 13 °C

    Quod duodecim portae

    Ich möchte euch heute wieder auf einen kleinen Rundgang um unseren Dom mitnehmen, und euch etwas zeigen, was vielen sicher bislang verborgen geblieben ist. Jeder von uns ist schon oft über die Domplatte, den Roncalliplatz oder auch vom Hauptbahnhof her kommend am Dom verbeigegangen. Und jeder weiß um die Portale in der Westfassade, sowie der Nord- und auch Südfassade. Aber wisst ihr auch, wieviele Türen diese Portale haben? "Quod duodecim portae"... die zwölf Türen...

    In Verbindung gebracht wird die Anzahl der Türen mit der biblischen Geschichte des himmlischen Jerusalem, in der die Zahl Zwölf eine große Rolle spielt. Zwölf Tore zur Stadt, zwölf Apostel usw... und wie ich euch ja schon berichtet hatte, war unser Dom als genau das gedacht. Als himmlisches Jerusalem auf Erden.

    Ich schreibe heute bewusst nur von diesen zwölf Türen. Im Dom gibt es insgesamt über 350 Türen, aber durch die meisten bleibt uns der Durchgang verwehrt. Nur durch einige wenige kommt man bei Führungen hindurch, aber das ist ein anderes Thema. Unsere zwölf Türen aber, die Eingänge in unser irdisches "himmlisches Jerusalem" sind, jede für sich, etwas besonderes, auch wenn die meisten verschlossen sind.

    Beginnen wir mit der Westfassade. Allein der Anblick der beiden in den Himmel ragenden Türme ist schon beeindruckend und hier, durch das Hauptportal, welches 9,30 Meter breit und mit seinem Wimperg (verzierter Giebel) über 28 Meter hoch ist, strömen täglich tausende Menschen in den Dom. Über diesem Portal wird die Zeit vor der Erlösung dargestellt. Überraschenderweise ist genau dieses eine Portal dasjenige, welches keinen eigenen Namen trägt. Denn links daneben zum Beispiel befindet sich das Drei-Königs-Portal. Geschaffen wurde dieses, wie auch viele neugotische Skulpturen für den Kölner Dom, von Peter Fuchs, einem deutschen Bildhauer zwischen 1872 und 1880.

    Rechts sehen wir das Petersportal. Das besondere an diesem Portal ist, dass es das einzige, noch originale Portal aus dem Mittelalter ist, aus der Zeit um 1370/80. Selbst fünf der dort angebrachten Figuren stammen aus dieser Zeit und zwar sind das die ersten drei auf der linken Seite und die ersten beiden auf der rechten Seite. Auf allen Bronzetürflügeln dieser Portale der Westfassade finden wir gotisches Maßwerk, Schrift, Engel und Figuren mit einer bestimmten Symbolik. Sie wurden 1887 - 1890, also nur wenige Jahre nach der Domvollendung von Hugo Schneider aus Kassel entworfen.

    Gehen wir weiter zur Südfassade (Roncalliplatz). Stehen wir hier nun vor den Portalen, befindet sich links das Ursulaportal. Dort im Typanon (Bogenfeld über dem Portal) wird das Martyrium der heiligen Ursula gezeigt, der Bogenlauf zeigt deren Gefährtinnen. Märtyrer, die im Dom verehrt werden, finden sich hier als Standfiguren.

    In der Mitte befindet sich das Passionsportal, in dessen Wimperg Jesus zwischen den vier Evangelisten steht. Im Feld darunter wird sein Leben und Sein gezeigt, daher der Name Passionsportal. DasTypanon des Gereonsportals rechts daneben stellt den heiligen Gereon und sein Martyrium sowie seine treuen Gefährten dar, sowie weitere Heilige. Und jetzt kommt ein in Köln bekannter Name ins Spiel: Ewald Mataré. Kein Geringerer als dieser Bildhauer wurde nach dem zweiten Weltkrieg mit der Neuschaffung eben dieses viertürigen Südportals beauftragt. Aus verschiedenen Gründen wurde die letzte, die rechte Tür aber erst einige Jahre nach dem 700sten Jubiläum der Grundsteinlegung (1248), dem eigentlichen Termin, zu dem das Portal fertig sein sollte, vollendet, nämlich im Jahre 1954. Und auch hier, in der linken Tür, unten rechts, erscheint wieder das Thema des himmlischen Jerusalems, denn ein Relief zeigt das brennende Köln. Inmitten diesen Infernos des zweiten Weltkrieges ragen die beiden Domtürme gen himmlischem Jerusalem, Gottes unzerstörbarer Stadt. Auch Noah, mit zum Gebet erhobenen Händen nach der Sintflut wird gezeigt. Ich verrate euch nicht wo, ich weiß, ihr werdet es finden...

    Zu Mataré möchte ich euch an dieser Stelle den Hinweis geben, dass Ronald am Donnerstag einen Beitrag über den Taubenbrunnen an der Domplatte veröffentlicht, der ebenfalls von diesem Künstler erschaffen wurde. Die Geschichte wird euch gefallen.

    Na, könnt ihr noch? Dann gehen wir weiter, vorbei am Chor und dem Domherrenfriedhof zur Nordfassade. Auch wenn hier die Sicht auf die Portale oftmals versperrt ist, durch notwendige Sanierungsmaßnahmen, versteckt sich hier etwas Imposantes. Die Gründungsgeschichte des Christentums.

    Aber beginnen wir wieder mit dem linken Portal, dem Bonifatiusportal. Auf dem Wimpert (ihr erinnert euch, das ist der Ziergiebel über dem Portal) seht ihr eine Kreuzblume, auf der sich Bilder des Lebens des Apostels Paulus zeigen. Die kleinen Figuren auf dem Wimperg selbst stellen irische Mönche dar, deren Predigt von Waldbewohnern verfolgt wird. Im Tympanon darunter dann wird die Geschichte des heiligen Bonifatius ersichtlich, im Bogenlauf finden wir 30 Schutzheilige in in den Bereichen seitlich der Türen Patrone und Bischöfe der Kölner Kirchenprovinz.
    Die Sterne im Fußboden weisen auf die Menschen hin, die Spenden in größerer Höhe getätigt haben, zugunsten der Kulturstiftung des Domes.

    Im mittleren, dem Michaelsportal erscheint die eben genannte Gründungsgeschichte, beginnend mit der Übergabe des Hirtenamtes an Petrus. Rechts daneben nun sehen wir in unserem Rundgang das letzte Portal, das Maternusportal. Maternus, der erste Bischof Kölns gilt als erster Schüler Petri und er war es, der das apostolische Lehramt auf den Kölner Stuhl übertrug. Die dargestellten Heiligen bezeugen dieses.

    Ich möchte euch zum Ende meines Beitrages gern etwas verraten. Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal etwas bei Kölschgänger über unseren Dom geschrieben habe, dachte ich, dass die Anzahl der Geschichten um diese Kathedrale nicht sehr groß werden würde. Ich habe mich getäuscht, denn auch heute bin ich damit noch lange nicht am Ende...und ich bin mir sicher, ihr werdet bei euerm nächsten Gang um den Dom die Portale mit anderen Augen sehen. Das wäre mein größter Lohn.

    Bis bald, eure Ramona
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  • Die Kelly Bank

    27 mei 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 15 °C

    Die Kelly Bank
    Seit 1998 steht in Köln - Merheim eine Bank mit Tisch, deren Herkunft nur wenige kennen. Niemand anderes als Dan Kelly, der Vater des Kelly Family Clans, ist Stifter dieser Sitzgruppe gewesen.
    Er übergab sie im Sommer 1998 seinem Merheimer Freund Herrn Böhme, der sie auch nach Dan Kellys Tod in ehrendem Andenken hielt. So hat Merheim seit 21 Jahren ein Stückchen "Kelly Family" im Ort. Mich freut das, hab ich doch auch für die Kellys "geschwärmt". Aber mehr wegen ihres unkonventionellen Lebensstils.
    "Unterhalten" wird die Bank auf der Ostmerheimer Straße vom Bürgerverein des Ortes. Es erinnern sich sogar noch Vereinsmitglieder an die Zeiten, wo Papa Kelly und Herr Böhme gemeinsam auf der Bank "schwadronierten".
    Mit diesem kleinen Insider wünsche ich euch allen eine stressfreie Zeit und immer eine Bank zum ausruhen. Entschleunigen sagt man wohl heutzutage dazu.

    Eure Elisabeth
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  • Nonni

    25 mei 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 15 °C

    Vielleicht wird es heute etwas wenig kölsch. Und ich erzähle über einen Mann, den ich selbst kaum kenne, der mich aber seit Jahren immer wieder mal beschäftigt und dann auch fasziniert.
    Vor ein paar Jahren fällt mir das Straßenschild „Nonniweg“ ins Auge. „Komischer Name“ denke ich, unternehme aber nichts weiter, um herauszufinden, warum der Weg so heißt.
    Monate später machte ich Urlaub auf Island und spaziere dabei durch Akureyri. Akureyri ist, wenn man Reykjavik und die Orte, mit denen es fast zusammengewachsen ist als einen Ort betrachtet, mit 18.500 Menschen die zweitgrößte Stadt Islands. Was für uns ein Dorf ist, wirkt nach ein paar Tagen auf Island gigantisch.
    Hier stehe ich abends unvermittelt vor einem Schild „Nonni-Haus“ – auf isländisch natürlich. Ich weiß nicht warum, mir war klar, dass ich hier auf etwas Vertrautes gestoßen bin.
    „Nonni“ ist tatsächlich eine Kosename für „Jón“. Der Mann, nach dem die Straße benannt wurde, hieß „Jón Sveinsson“ und weil das in Europa komisch klingt, nannte er sich hier meist „Svensson“.
    Hier bei Akureyri wird er 1857 als Sohn eines Amtsschreibers geboren. In diesem Haus im Bild verbringt er mehrere Jahre seiner Jugend, die er später stets als „glücklich“ bezeichnet. Aber 1869, als er zwölf Jahre ist, stirbt sein Vater. Was für eine Not! Der kleine, evangelische Nonni bekommt jedoch ein Angebot von einem französischen Adligen, seine Ausbildung zu finanzieren, ein Stipendium. Sein Fortgehen ist für ihn eine recht mutige Entscheidung, gesteht er doch später, dass er vom katholischen Umfeld, das ihn erwartet, glaubt, dass es distanziert und „freudlos“ ist.
    Es scheint nicht so zu sein. Bevor er zur Schulausbildung nach Frankreich kommt, muss er im Jahr 1870 noch ein Jahr in Kopenhagen warten, dass Deutsche und Franzosen ihren Krieg beenden. Bereits hier wird er Katholik, er konvertiert.
    In Frankreich schließlich absolviert er die Lateinschule, studiert dann zunächst in Frankreich, Belgien, Holland und zuletzt in den Jahren 1888 bis 1892 Theologie in England. Hier erhält er als Jesuit als erster katholischer Isländer die Priesterweihe und lehrt daraufhin 20 Jahre in Dänemark.
    Er erzählt dabei stets auch gern aus seiner Jugend auf Island und merkt, dass es viele Zuhörer interessiert. Mit 55 Jahren ist er gesundheitlich so eingeschränkt, dass er die Lehrtätigkeit aufgibt und seine Jugendgeschichte und sein zahlreichen weiten Reisen in ferne Länder aufschreibt. Noch mit 80 Jahren reist er ein ganzes Jahr nach Japan. Die Nonni-Bücher sind nicht nur für Kinder spannend zu lesen. Sein Isländisch ist mittlerweile etwas eingerostet, so dass er die Bücher auf Deutsch schreibt. Sie erscheinen im Herder-Verlag. Diese Bücher begeistern, sie machen ihn und Island bekannt und ich glaube, auch hier sagt jetzt gleich jemand „Ja, klar! Nonni! Kenne ich!“.
    Im hohen Alter wird er so krank, dass er stationär behandelt werden muss. Wir schreiben bereits das Jahr 1944. Das Nahen der Westfront zwingt ihn in ständige Verlegungen von den Niederlanden nach Aachen, dann nach Eschweiler und schließlich ins St. Franziskus Hospital in Köln. Am 26. September 1944 verstirbt er hier mit 87 Jahren und wird wegen der ständigen Bombenangriffe mit kurzer Ehrung auf Melaten eilig beerdigt. Aber darum ist sein Grab heute hier in Köln und auch ein kleines Denkmal vor Sankt Bartholomäus in Ehrenfeld erinnert an ihn.
    Aber warum erzähle ich, dass hier ein isländischer Buchautor verstorben ist? Und was ich an ihm jetzt spannend finde? - Wir reden von einem mutigen Jungen aus einem kleinen Ort auf einer fernen Insel. Dieser kleine Junge lässt sich trotz seiner Ängste auf das große Europa, dass ihm vollständig unbekannt ist, ein und wird hier ein großer Mann, der für die ganze Welt offen ist. Seine Heimat aber, vergisst er nie, trägt sie in die Welt hinaus und begeistert uns für Island. Da, wo er ist, ist Island nah.
    Ich finde, er ist ein Vorbild. Lasst es uns auch so machen. Lasst uns Europa wagen und Kölner bleiben, Europa für Köln begeistern. Sonntag gehen wir Europa wählen.

    Michael

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    Villleich weed et hügg jet winnig kölsch. Un ich verzälle üvver ene Kääl, dä ich selvs kaum kenne, dä mich ävver zick Johre immer widder ens beschäftig un dann och faszineet.
    Vür e paar Johre fällt mer dat Stroßeschild „Nonniweg“ en et Aug. „Komische Name“ denke ich, ungernemme ävver nix wigger, öm eruszefinge, woröm dä Wäg esu heiß.
    Monate späder maache ich Urlaub op Island un spazeere dobei durch Akureyri. Akureyri es, wann mer Reykjavik un die Oote, met denne et beinoh zosammegewahße es als eine Oot aansüht, met 18.500 Minsche de zweitgrößte Stadt vun Island. Wat för uns e Dörp es, wirk noh e paar Dage op Island gigantisch.
    Hee stonn ich ovends jih vür enem Scheld „Nonni-Huus“ – op isländisch natörlich. Ich weiß nit woröm, mir wor klor, dat ich hee op jet Vetrautes gestosse ben.
    „Nonni“ es tatsächlich ene Kosename för „Jón“. Dä Mann, noh däm die Stroß benannt woodt, heeß „Jón Sveinsson“ und weil dat en Europa komisch klingk, nannt hä sich hee miets „Svensson“.
    Hee bei Akureyri weed hä 1857 als Sonn vun enem Ampsschriever gebore. En däm Huus em Beld verbrängk hä e paar Johre vun singer Jugend, die hä hingerdren luuter als „glöcklich“ bezeichnet. Ävver 1869, wie hä zwölf Johr es, stirv singe Papp. Wat för en Nud! Der kleine Nonni, dä evangelisch es, kritt ävver e Aangebodd vun enem französische Adlige, sing Usbeldung ze berappe, e Stipendium. Si Fottgonn es för in en rääch courageete Entscheidung, gesteiht hä doch hingerdren, dat hä vum katholische Ömfeld, dat in erwaadt, gläuv, dat et distanzeet un „ohne Freud“ es.
    Et schingk nit esu ze sin. Bevür hä för de Schullusbeldung noh Frankreich kütt, muss hä em Johr 1870 noch e Johr en Kopenhagen waade, dat Deutsche un Franzuse ehre Kreeg zo Engk bränge. Ald hee weed hä Katholik, hä konverteet.
    En Frankreich schleeßlich durchläuf hä de Latingschull, studeet dann zonöchs en Frankreich, Belgie, Holland un zoletz en de Johre 1888 bes 1892 Theologie en England. Hee weed hä als Jesuit als eeschte katholische Isländer, zom Priester geweiht un leht dodrop 20 Johr en Dänemark.
    Hä verzällt dobei luuter och gään us singer Jugend op Island un merk, dat et ville Zohürer interesseet. Met 55 Johr es hä vun der Gesünde esu engeschränk, dat hä de Lihrtätigkeit opgitt un sing Jugendgeschichte un sing unzällige, wigge Reise en fääne Länder opschriev. Noch met 80 Johr reis hä e ganz Johr noh Japan. De Nonni-Böcher sin nit nor för Pänz spannend ze lese. Si Isländisch es meddlerwiel jet engeross, su dat hä die Böcher op Deutsch schriev. Se weede em Herder-Verlag veröffentlich. Die Böcher begeistere, se maache in un Island bekannt un ich gläuve, och hee säht jetz glich einer „Jo, klor! Nonni! Kenne ich!“.
    Em huhe Alder weed hä esu malad, dat hä em Krankehuus behandelt weede muss. Mer schrieve ald et Johr 1944. De Nöh vun der Wessfront zwingk in alle naslang en Verlägunge vun de Niederlande noch Ooche, dann noh Eschweiler un am Engk en et Zint Franziskus Spidol en Kölle. Am 26. September 1944 stirv hä hee met 87 Johr un weed wäge de Bombardierunge, die luuter stattfinge, met ener koote Ihrung flöck unger die Ääd gebraht. Ävver doröm es si Grav hügg hee en Kölle un och e klei Denkmol vür Zint Bartholomäus om Ihrefeld erennert an in.
    Ävver woröm verzälle ich, dat hee ene isländische Bochautor verstorve es? Un wat ich an im jetz spannend finge? – Mer schwaade hee vun enem courageete Jung us enem kleine Oot op ener fääne Insel. Dä kleine Fant lööt sich, och wann e de Botz voll hät, op et große Europa, dat im ganz fremb es, en un weed hee ene beröhmte Kääl, dä för de ganze Welt offe es. Sing Heimat ävver, vergiss hä nie, dräht se en de Welt erus un begeistert uns för Island. Do, wo hä es, es Island noh.
    Ich finge, hä es e Vörbeld. Loot et uns och esu maache. Loot uns Europa wage un Kölsche blieve, Europa för Kölle begeistere. Sonndag gonn mer Europa wähle.

    Mechel
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  • Panbrunnen am Pauliplatz

    23 mei 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 19 °C

    Der Panbrunnen am Pauliplatz, ein wunderschönes Kölner Fleckchen Erde
    Letztens habe ich im hübschen Braunsfeld einen Brunnen entdeckt, der mir gut gefiel, überhaupt ist der Pauliplatz einfach ein herrliches Fleckchen. Allerdings konnte ich erstmal nichts über diesen Brunnen sagen. Er stellt einen Flöte spielenden Jungen dar, hübsch, aber ich hatte keinen Plan, was dieser Brunnen hier in Braunsfeld zu bedeuten hat. Und das geht ja gar nicht, also habe ich mich ein wenig schlau gemacht und kann euch jetzt etwas zu diesem wirklich hübschen Brunnen sagen, der so gut versteckt auf dem Pauliplatz in einer Siedlung steht.
    Es handelt sich hier um den Panbrunnen. Also erstmal klären, wer ist Pan überhaupt? Nun, da tauchen wir jetzt ein wenig in die griechische Mythologie ein, dort ist er der Hirtengott, ein Mischwesen mit dem Oberkörper eines Menschen und dem Unterkörper eines Ziegenbocks. Er ist der Gott des Waldes und der Natur. Man sagt, er habe Ziegenhörner und Ziegenfüße und sei am ganzen Körper behaart, worüber die Mutter verständlicherweise schockiert war.
    So brachte Hermes den Jungen in den Olymp, die Götter hatten ihre Freude an dem Kleinen, besonders Dionysos. Da er ja "bockähnlich" gebaut ist, mischt er sich unter das Gefolge von Dionysos und stellt wohl recht lüstern den Nymphen nach. Der Legende nach wird die Nymphe Syrinx auf der Flucht vor dem lüsternen Pan von ihrer Schwester in einen Schilfrohrbusch verwandelt. Pan hat dann einige Rohre abgeschnitten, sie an den Mund gelegt und musiziert. So erfindet er die Hirtenflöte, besser bekannt als Panflöte.
    Soviel zu Pan, aber auch dieses kleine Gebiet hier um den Pauliplatz hat etwas zu erzählen. 1913/14 wurde diese Wohnanlage als Modell für beispielhaftes Bauen errichtet. Bereits zu dieser Zeit wurde auch der Brunnen gebaut. Und auf der in Köln stattfindenden Werkbundausstellung war dieses kleine Gebiet der Hit und lockte regelrechte Besuchermassen an. Schöner Wohnen um 1914. Sechs dieser Neubauten waren auf die Familie eingetragen, die dieser Idylle den heutigen Namen gaben, die Paulis.
    Die Familie Pauli ist der Namensgeber für diesen Platz, sie betrieben seit 1731 die kurfürstlichen Postlinien im Rheinland. Anfangs befuhren sie die Strecke von Köln nach Bonn, hierfür besaßen sie sogar das Monopol, später kamen noch viele andere Strecken dazu, so auch die Verbindung nach Venlo. Ihre Posthöfe befanden sich in der Glockengasse und am Waidmarkt.
    Nun aber zum Brunnen selbst. Er besteht aus einem runden Becken, in der Mitte erhebt sich der Brunnenstock, darauf liegt eine Kugel und auf dieser sitzt Pan und spielt auf besagter siebenröhriger Hirtenflöte. Wie in der Legende auch hat er behaarte Beine und Hufe anstatt Füße. Am Brunnenstock befinden sich puttenhafte Masken, aus denen Wasser in das Becken fließt.
    Bauen ließ ihn wohl der Architekt Josef Alsdorff, der auch die sechs Häuser mit der Nummer 36-46 plante und mit dem Modell auf der Ausstellung auch einen Preis gewann. Nur die Bäume, die laut Modell um den Brunnen platziert werden sollten, hat es wohl nie gegeben.
    Seit 1980 ist dieser hübsche Brunnen sogar denkmalgeschützt. Und dies ist ein Verdienst der hier wohnenden Menschen, denn nach seiner Restaurierung im Jahre 2002, wird er durch ein unterirdisches Becken mit Pumpe gespeist. Früher war er an eine Hausleitung angeschlossen. Am Umbau beteiligten sich die Bewohner ebenso, wie sie jetzt auch den Betrieb finanzieren. So sprudelt der Brunnen im Sommer munter vor sich hin und ist hier im Pauliviertel wohl die lauteste Lärmquelle. Aber dafür eine sehr hübsche.
    Warum ausgerechnet Pan hier als Figur ausgewählt wurde, das konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Aber wenn ihr mal in Braunsfeld seid, dann schaut ihn euch an. Ihr werdet überrascht sein, was für einen hübschen Platz es hier in direkter Nachbarschaft zur lauten Aachener Straße gibt.
    Vorgestellt: Der Panbrunnen in Braunsfeld
    Ort: Paulistr. 50933 Köln-Braunsfeld
    Anfahrt: Linie 1, Haltestelle Maarweg
    Teilen erwünscht, erzählt jedem in der Stadt von Kölschgänger, teilt, liked und helft uns damit, unsere Geschichten weiter zu verbreiten. Wir wären euch sehr dankbar.

    Alle Beiträge von uns findet ihr auf:
    www.koelschgaenger.net
    Euch eine gute Woche, bleibt neugierig und aufmerksam,

    euer Ronald
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  • Erzählungen der anderen Art

    21 mei 2019, Duitsland ⋅ 🌧 11 °C

    Kleiner Hinweis vorab: Ich habe versucht, diesen Beitrag so kurz wie möglich zu halten, aber ich fürchte, wirklich gelungen ist mir dies nicht (ich hoffe, er gefällt euch trotzdem)..

    Was macht ein Dombesucher, wenn er den Dom betritt? Vielleicht zündet er, so wie ich, zuerst eine Kerze für seine Lieben an. Vielleicht aber, und ich denke, so ist es in den meisten Fällen, geht er direkt weiter und bekommt diesen wunderschönen Blick durch das Langhaus bis zum Schrein der Heiligen drei Könige zu sehen. Diesen Anblick, von dem man, egal, wie oft man sich im Dom aufhält, nie genug bekommt. Erst dann beginnt man, nach rechts und links zu schauen, nimmt bestimmt vieles wahr, doch ist man zum ersten Mal hier, ganz sicher nicht alles.

    Zum Beispiel Einzelheiten der farbenprächtigen Fenster. In meinem Beitrag "Magie des Lichts" hatte ich davon berichtet, das es ca. 10.000 Quadratmeter Fensterfläche im Kölner Dom gibt. Teils schlicht, teils mit farbigen Ornamenten. Und dann gibt es noch die, die uns Geschichten erzählen. Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, worauf ich hinaus will.

    Wie gesagt, beim hineingehen hat man das Dominnere vor sich und beim hinausgehen ist man gedanklich vielleicht schon bei dem, was der Tag noch so bringt. Aber gerade in diesem Bereich, vor dem Ein- bzw. Ausgang, oder anders gesagt, im Erdgeschoss der Turmhallen können wir etwas ganz besonderes sehen.

    Davon abgesehen, was für ein unglaubliches Gefühl es ist, wenn man sich bewusst macht, dass sich hier 157 Meter Gestein über uns auftürmen...sind euch schon mal die Fenster hier aufgefallen? Wenn man sie zu "lesen" weiß, verweilt man an diesem Ort vermutlich etwas länger. In den acht Fenstern der beiden Turmhallen wird die immerwährende Botschaft der heiligen Schrift dargestellt. In diesem achtteiligen Bilderzyklus finden wir die alttestamentliche Heilsgeschichte in den Fenstern des Nordturmes (zum Ausgang gehend rechts), wohingegen sich die neutestamentliche Heilsgeschichte in den Fenstern des Südturmes anschließt.

    Um zu verstehen, wie man diese Geschichten "lesen" kann, eine kleine Erklärung: Außer auf dem ersten Fenster im Nordturm, zu dem ich gleich komme, welches in Reihe von oben nach unten gelesen wird, werden die Reihen, die jeweils aus 4 Bildern nebeneinander bestehen, immer von unten nach oben gelesen, wobei die unterste Zeile als Stifterzeile des jeweiligen Fensters zu verstehen ist. Stifterzeile deshalb, weil 6 der acht Fenster im 2. Weltkrieg zerstört wurden und dank der Spenden einzelner Leute oder Organisationen nach den Originalentwürfen von Johannes Klein, welcher die Fenster im 19. Jahrhundert entworfen hat, rekonstruiert werden konnten. Bei den Fenstern, die zusätzliche Unterteilungen in ihren Bahnen (jedes Fenster besteht aus 4 Bahnen) beinhalten, weise ich gesondert darauf hin.

    So, nun auf zur Nordturmhalle. Hier beginnen wir mit der Schöpfungsgeschichte, welches im ersten (nur halben) Fenster dargestellt ist. Wir sehen Gott, umgeben von den vier Elementen sowie den zwölf Tierkreiszeichen. In den unteren Reihen wird die Erschaffung Adam und Eva's gezeigt, ihr Verhalten im Paradies und ihre Vertreibung aus diesem. Im Fenster rechts daneben sehen wir die Ordnung der Welt, sprich die Elemente, die Himmelsrichtungen, Jahreszeiten usw. Das nächste Fenster zeigt die Urgeschichte sowie ihre Patriarchen, beginnend bei Kain und Abel, über die Sintflut bis Josef und seinen Vater Jakob (hier sind die beiden linken Bahnen getrennt von den beiden rechten Bahnen zu betrachten).
    Im letzten Fenster ganz rechts zeigt sich die Geschichte des Volkes Gottes, beginnend mit den Israeliten in Ägypten bis zum Wiederaufbau Jerusalems nach der babylonischen Gefangenschaft (na, kommt euch gerade meine kleine Warnung ganz am Anfang in den Sinn?). Ich werde hier nicht alle Bilder erklären, das würde dann wirklich den Rahmen sprengen. Am Ende dieses Beitrages stelle ich euch aber ein Buch vor, dass diese Fenster wunderbar beschreibt.

    Gehen wir nun zur Südturmhalle. Hier setzt sich der Zyklus mit dem Fenster links außen fort, auf welchem das Leben und Wirken des Jesus von Nazaret zu sehen ist. Daneben findet sich die Offenbarung des Johannes. Ein kleiner Ausblick hier: Der Sieg Erzengel Michaels über den Drachen oder die Schalen des Zorns. Im folgenden Fenster sind die Gleichnisse zu sehen (hier stellen die beiden linken Bahnen ein Gleichnis dar, die beiden anderen Bahnen jeweils eines). Das letzte Fenster, wieder ein halbes, zeigt das jüngste Gericht.

    So Ihr Lieben, jetzt möchte ich euch noch das eben erwähnte Buch nennen:

    "Biblische Geschichten auf Glas. Die Fenster von Johannes Klein im Erdgeschoss der Turmhallen des Kölner Domes".
    ISBN: 978-3-922442-67-7

    Wenn ihr den Dom das nächste Mal besucht, schaut euch mal die Fenster an. Vielleicht entdeckt ihr das ein oder andere wieder.

    Bis bald, eure Ramona

    Über ein Teilen würde ich mich sehr freuen. So kann Kölschgänger in unserer Stadt noch bekannter werden

    Köln, Dom, Bilder des Dominnenraumes
    © Foto: Ramona Krippner
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  • St. Mauritius Kapelle Mülheim

    19 mei 2019, Duitsland ⋅ 🌫 18 °C

    Die Sankt Mauritius Kapelle zu Köln - Mülheim/Buchheim

    Besonders viele gut erhaltene Hochkreuze und Grabmale findet man auf dem alten katholischen Friedhof in Köln Mülheim, an der Sonderburger Straße. Wann genau der Friedhof entstand, ist nicht genau nachvollziehbar. Das älteste noch erhaltene Grab ist aus dem Jahre 1841. Dieses gehört der Familie Keup, denen man in Mülheim auch die Keupstraße gewidmet hat. Ihnen verdankte der Ort damals ein Krankemhaus. Allerdings muss der Friedhof als kirchlicher Ort wesentlich älter sein, denn die darauf erbaute Sankt-Mauritius-Kapelle stammt aus dem 13.Jahrhundert, vielleicht sogar noch früher. Allerdings wurde die Kapelle erst später eine, man geht davon aus, dass die Mauritiuskapelle ursprünglich eine Kirche war und größer als heute. Eine erste Erwähnung als sancti Mauricii in Bucheim datiert aus dem Jahre 1276, wo man der Kapelle Leuchtmittel zur Verfügung stellte.
    Man entkam dem Napolianischen Friedhofsgesetz im 18. Jahrhundert (Napoleon hatte einen Erlass verkündet , der die Friedhöfe aus den Ortschaften verbannen sollte) durch Proteste der Mauritius Gemeinde und Schluderei in der Ausführung...Als man sich lange genug widersetzt hatte, blieb der Friedhof erhalten und bekam dazu später auch eine offizielle Genehmigung. So wurde er nie entwidmet und hat heute einen alten und einen neuen Teil. Allerdings gab es Anfang des 20. Jahrhunderts ein vorübergehendes Verbot für die Neuanlage von Grabstellen. In dieser Zeit wurde der Mülheimer Friedhof auf der Frankfurter Straße, in Höhenberg errichtet.
    Es wurden lange Zeit nur noch bestehende Grabstellen neu belegt und der Friedhof wäre fast verwahrlost. 1955 wurde ein Teil des Friedhofs an die Gemeinschaft der Redemptonisten verkauft. Auf dem verbliebenen städtischen Teil wird nach Einführung der seit 1970 bestehenden neuen Friedhofsordnung auch weiter bestattet. Seit 1989 hat man den Friedhof nebst seiner historischen Kapelle unter Denkmalschutz gestellt. Ein Friedhofsgärtner kümmert sich um die Pflege der Anlage.
    In den Jahren wuchs der Friedhof wieder und so musste man auch das an die Redemptonisten verkaufte Gelände teilweise zurückkaufen. Heute erinnert vor der St. Mauritius-Kapelle eine Wand an die Redemptonisten Gemeinde. Diese wurde 2014 in Köln Mülheim aufgelöst. Mittlerweile leben einige der Mülheimer Patres noch in Bonn.Die St. Mauritius-Kapelle gehört heute zu einer der Sehenswürdigkeiten des Kulturpfades Strunder Bach. Zur Kriegergedenkstätte wurde sie von 1923 bis 1929 innen wie aussen umgestaltet. Am Eingang, der sehr imposant für eine Kapelle wirkt, befinden sich Bildnisse des Hl.Michael und des Hl. Mauritius, inklusive einer die beiden Steinfiguren aus Muschelkalk, verbindenden Inschrift. Dies verdanken die Mülheimer und Buchheimer Bürger dem Kölner Bildhauer Eduard Schmitz, dessen Wirken alleine schon für die Kölschgänge interessant ist. Verdankt Köln doch gerade ihm zahlreiche imposante Steinbildnisse, Figuren und Denkmäler.
    Vom 2.Weltkrieg blieb die Kapelle leider nicht verschont und musste darum in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts restauriert werden.
    Ich hoffe, mein Beitrag hat euch gefallen, freue mich schon auf eure Kommentare und wünsche euch einen schönen Sonntag,

    eure Elisabeth
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  • Abtei Brauweiler

    18 mei 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 17 °C

    Sommersonnensonnenschein - klares Licht, warme Luft, Bewegungsdrang, ab aufs' Rad.
    Die Melodie von Meiers Kättche im Kopf radele ich stillvergnügt durch das Umland im Westen. Zwar bin ich nie ganz allein, oft brausen Autos die Landstraße lang, aber die Landsraßen werden von Radwegen begleitet und so durch die Felder zu fahren und zu sehen, wo unser Korn wächst, die leichte Brise, die über die Ähren streicht zu spüren, Gehöfte und kleinere Ortschaften mal wieder zu entdecken – da kann ich bei entspannen.
    Eine kleine Steigung findet sich - tatsächlich. Die Melodie von Meiers Kättche ist kurz nicht mehr so schwungvoll im Kopf, geht eher in ein verbissenes Stakkato über, als ich auch schon auf der Spitze des Hügelchens bin und feststelle, dass ich "irgendwo" angekommen bin: die Abtei Brauweiler.
    Um die vorletzte Jahrtausendwende ist es für Adelige schicklich, sein Geld für Kirchen und Klöster zu spenden. Pfalzgraf Ezzo-Ehrenfried lenkt im Jahr 1024 die Geschicke so, dass er "sein" Kloster auf seinem Land am wichtigen Weg nach Aachen und Roermond erbauen kann.
    Benediktiner arbeiten und beten hier fast 800 Jahre, schaffen Werte. Bis Napoleon kommt und 1802 mit der Säkularisation das Kloster aufhebt. Die Abteikirche ist jetzt Pfarrkirche. Soviel gesteht er den Katholiken zu.
    Zur Klosteranlage fällt den Franzosen 1811 ein, dass man hier gut arme Leute unterbringen kann - die armen Leute von Köln.
    Kurz darauf kamen die Preußen. Ganz preußisch veränderten sie diese - nennen wir es mal - Verwahranstalt, in eine Arbeitsanstalt. Das ist eigentlich das gleiche, nur schweißtreibender. Natürlich finden sich hier auch wieder die Armen wieder - die von Köln.
    Ein Jahrhundert später wird man hier direkter. Das ehemalige Kloster wird zum "Zellengebäude" für die Justiz - die Kölner Justiz.
    1933, der Tiefpunkt, ist die altehrwürdige Abtei kurz ein Konzentrationslager - für Juden aus Köln.
    Danach findet sich 1944 sogar Konrad Adenauer hier wieder, als Inhaftierter der Gestapo. Es ist wieder eine Haftanstalt - für die Gestapo von Köln.
    1954 bis 1978 nutzt der Landschaftsverband Rheinland (LVR) das Kloster, um psychisch- und Abhängigkeitskranke zu behandeln. - Die Kranken von Köln.
    Irgendwie dunkel, das alles. Mir kommt das Wort "abschieben" in den Sinn.
    Heute ist die Nutzung gefälliger: hauptsächlich ein Archiv und das Amt für Denkmalpflege des LVR ist hier angesiedelt - auch für die Denkmäler von Köln.
    Und wenn ich heute so bei lichtem Sonnenschein auf der Bank im gepflegten Garten des alten Klosters sitze, nach Osten in Richtung Köln schaue, kommt in mir eine Frage auf: Ist dies nicht auch ein Stück Köln?
    In den Wirtschaften in meinem Rücken hinter dem Kloster geht es auch nach bester Kölner Tradition zu: es gibt ein wenig zu essen und ein gepflegtes Kölsch.
    Radelt mal hin.

    Michael

    -

    Sommersonnesonnesching - klor Leech, wärm Luff, Bewägungsdrang, av op et Räddche.
    De Melodie vum Meiers Kättche em Kopp radele ich stellvergnög durch et Ömland em Weste. Zwor ben ich nie ganz allein, off brause Jöckemobile de Landstroß lans, ävver de Landstroße weede vun Raddwäge gesüümp un esu durch de Felder ze fahre un ze sinn, wo uns Koon wähß, de leichte Bris, die üvver de Ähre strich ze spöre, Buurehüüscher un klein Öötcher ens widder ze entdecke – do kann ich bei entspanne.
    E klein Knipp gitt et - ungeloge. De Melodie vum Meiers Kättche es koot nit mih esu schwungvoll em Kopp, geiht iher en e verbesse Stakkato üvver, wie ich och ald op der Spetz vum Hüvvel ben un fassstelle, dat ich "irgendwo" aangekumme ben: de Abtei Brauwieler.
    Öm de vörletzte Johrtausenwend scheck et sich för Adelige, ehr Penunse för Kirche un Klüster ze stefte. Der Falzgraf Ezzo-Ehrenfried lenk em Johr 1024 de Geschecke, esu dat hä "sing" Kluster op singem Land am wichtige Wäg noh Ooche un Roermond baue kann.
    Benediktiner arbeide un bedde hee baal 800 Johr, schaffe Wääte. Bes der Napoleon kütt un 1802 met der Säkularisation et Kluster ophivv. De Abteikirch es jetz en Farrkirch. Esu vill gesteiht hä de Kathollicke zo.
    Bei der Klusteraanlag fällt de Franzuse 1811 en, dat mer hee god ärm Lück ungerbränge kann - de ärm Lück vun Kölle.
    Koot drop kome de Preuße. Ganz preußisch dun se de - sage mer ens - Verwahraanstalt, en en Arbeidaanstalt verändere. Dat es eigentlich datselve, nor mehr kütt mih en et Schweißte. Natörlich finge sich hee och de Ärme widder - die vun Kölle.
    Ein Johrhundert späder weed mer hee konkreter. Dat fröhere Kluster weed ene "Zellebau" för de Justiz - de Justiz vun Kölle.
    1933, der Deefpunk, es de aldihrwürdige Abtei koot e Konzentrationslager - för Jüdde us Kölle.
    Donoh fingk sich 1944 sugar der Konrad Adenauer hee widder, hä es ene Häffling vun der Gestapo. Et es widder en Haffanstalt - för de Gestapo vun Kölle.
    1954 bes 1978 notz der Landschaffsverband Rheinland (LVR) dat Kluster för psychisch Kranke un Avhängige ze behandele. - De Malade vun Kölle.
    Irgendwie düster, dat all. Mer kütt dat Wood "avschiebe" en der Senn.
    Hügg es de Notzung schöner: haupsächlich en Archiv un et Amp för Denkmolfläg vum LVR es hee dren - och för de Denkmöler vun Kölle.
    Un wann ich hügg esu bei leechtem Sonnesching op der Bank em geflägte Gaade vun däm aale Kluster setze, noh Oste en Richtung Kölle luure, kütt en mir en Frog op: Es dat hee nit och e Stöckelche Kölle?
    En dä Weetschafte en mingen Rögge hingerm Kluster geiht et och noh bester kölscher Tradition zo: et gitt jet ze müffele un ze süffele.
    Faht ens mem Räddche hin.

    Mechel
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  • Die größte Eistüte der Welt?

    16 mei 2019, Duitsland ⋅ ☀️ 13 °C

    Wer kennt sie nicht die Eistüte auf dem Dach der Neumarkt- Galerie. Fast könnte man meinen sie wäre ein Wahrzeichen von Köln. Informiert man sich im Internet oder in einem Buch, immer wird sie genannt. Manchmal habe ich mich darüber geärgert sie in einem Atemzug mit den alten Schätzen wie den Stadttoren oder unseren romanischen Kirchen genannt zu bekommen.

    Jeder scheint die Eistüte zu kennen, was ja auf der einen Seite kein Wunder ist, findet man sie doch sehr Zentral am Neumarkt, noch dazu in luftiger Höhe und gut sichtbar, ist mit zwölf Metern Höhe und knapp 6 Metern Breite ja auch sehr groß für eine Eistüte. Eigentlich trägt die Skulptur den Namen „Dropped Cone“, aber ich sage der Einfachheit weiter „Eistüte“.

    Aber wenn ich nachfrage kann mir kaum jemand etwas über sie erzählen. Sie gehört zum Stadtbild, aber das war es dann auch schon. Moderne Kunst sei es, wird mir gesagt. Manche Leute, meist jüngere halten sie sogar für einen Werbegag einer Eidiele. Na ja, um ehrlich zu sein, ich war mit meinem Latein auch sehr schnell am Ende. Also habe ich mich mal informiert und dabei ganz erstaunliche Dinge erfahren.

    Satte drei Tonnen schwer ist sie. Eine Pop-Art Skulptur, vom Künstler Claes Oldenburg geschaffen und zur neu entstandenen Neumarkt-Galerie bereits 2001 von San Francisco nach Köln gebracht worden. Wie jetzt, so lange ziert dieses knatschbunte Teil bereits unser Stadtbild? Da hätte ich mich aber sauber verschätzt wenn mich jemand gefragt hätte seit wann sie da steht.

    Dann erfahre ich den Preis. Drei Millionen Mark. Sauberer Preis für ein Eis. Vanille übrigens. Und wie viel Eis man für das Geld bekommt kann ich auch nicht sagen, denn es sind keine Eiskugeln sondern das süße etwas wurde nach alter Tradition aufgespachtelt, wahrscheinlich im doppelten Sinne. Angeblich soll die Spitze des Hörnchens an die Kölner Skyline erinnern, soll Oldenburgs Ehefrau und Kollegin gesagt haben. So sieht also unsere Kölner Skyline aus. Oha. Anhand von Postkarten habe man entdeckt dass Köln die Stadt der Kirchtürme sei, deshalb diese Spitze. Eigentlich sollten es sogar zwei Eistüten werden, wegen der beiden Domspitzen. Ja ne, is klar. Unterhaltsam war meine Recherche ja, das steht fest. Das die Tüte an unsere Skyline erinnern soll, ja, da wäre ich direkt als nächstes drauf gekommen. Ist klar. Hatte das schon vermutet, ehrlich.

    Spaß beiseite. Hier am Neumarkt regiert der Konsum. Und für mich persönlich ist diese Eistüte eher eine Art Navi zu den Konsumtempeln der Neuzeit als ein Hinweis auf Dom und Kirchturmspitzen. Aber so ist das mit der Kunst. Der Künstler selbst sagte einmal: „Ich bin für eine Kunst, die ihre Formen aus dem Leben nimmt, die spuckt und tropft und süß ist und stupide wie das Leben selbst."

    Mit diesen Worten möchte ich meine Recherche beenden. Egal wie man über die Eistüte denkt, sie sorgt jedenfalls für Aufmerksamkeit und Gesprächsstoff, auch heute noch. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf eure persönliche Meinung.

    So, und jetzt gehe ich mir jetzt ein Eis kaufen.

    Bis die Tage, euer Ronald.
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  • Parkdeck 6

    14 mei 2019, Duitsland ⋅ ☀️ 13 °C

    Wo muss ich hin, um DIESE Fotos zu machen...?

    Sie zeigen den Dom in voller Breitseite, also muss dieser Ort schon etwas höher gelegen sein. Irgendwann kam mir der Zufall zu Hilfe und ich sah im Internet - wieder bei einem solchen Panoramafoto - den Schriftzug an eben jenem Gebäude: Galeria Kaufhof. Warum kommt man auf die naheliegendsten Dinge eigentlich nicht selber?

    Also machte ich mich auf den Weg. Ich musste dazu auf den höchstgelegenen Punkt des Kaufhauses, was bei einer leichten Höhenangst nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Für mein "Bahnhofskapellchen" machte ich allerdings auch eine Ausnahme, als ich die Führung über das hohe Dach mitmachte, was ich an dieser Stelle nur empfehlen kann. Das aber nur nebenbei. Außerdem - wie sagte mir mal jemand? Für schöne Fotos muss man Opfer bringen. Also suchte ich nach dem Parkdeck, von wo aus man diesen großartigen Blick haben sollte. Ich fand es auch, nur zu meinem Leidwesen führte ausgerechnet ein gläserner Außenaufzug bis ganz nach oben. Sehr hilfreich. Einfach nicht nach unten sehen, sagte ich mir...
    Endlich oben angekommen, trat ich auf das Parkdeck und...Fehlanzeige. Hier konnte ich unmöglich richtig sein, denn die Aussicht, die ich erwartet hatte, fand ich nicht.

    Es war aber doch dieses Kaufhaus, gab es da noch eine andere Möglichkeit? Also wieder nach unten. Mit geschlossenen Augen versteht sich. Wieder festen Boden unter den Füssen ging ich nun direkt ins Kaufhaus, um mich dort nach diesem Parkdeck zu erkundigen. Eine sehr freundliche und hilfsbereite Mitarbeiterin beschrieb mir zwar den Weg nach oben, aber dass man von dort den Dom in seiner vollen Pracht sehen sollte, war auch ihr neu.
    Allerdings war sie nun selbst auch so neugierig geworden, dass sie nach Feierabend dort hoch und nachsehen wollte. Und was soll ich sagen? Sollte sie tatsächlich gucken gegangen sein, ist sie sicher überrascht und nicht enttäuscht worden. So wie ich auch. Endlich!
    Für meine Fotos hätte das Wetter zwar besser sein können, aber man kann ja nicht alles haben.

    Nur mal am Rande: dort oben angekommen, sah ich, dass es eine Art Verbindungstunnel gibt, der beide Parkhäuser verbindet. Ich hätte es also auch leichter haben können. Aber so kam wenigstens die freundliche Verkäuferin des Kaufhauses auch zu dieser Aussicht. Das tröstete mich etwas.

    Trotz alles Freude braucht man nun nicht denken, dass ich nach unten gesehen hätte, aber zum Glück musste ich das auch gar nicht. Der Ausblick von diesem doch sehr großen, aber zu diesem Zeitpunkt wenig frequentierten Parkdeck war umwerfend. Ist er natürlich immer noch.
    Schaut man nach Osten, erblickt man die Kranhäuser. Mal aus einer völlig anderen, untypischen Perspektive, ebenso, wie die Rheinbrücken. Und dann Richtung Norden...den Dom.
    Ich hatte es geschafft.

    Und jetzt eine Frage an euch. Ich habe da oben noch etwas anderes entdeckt. An einem Haus sind, fast so weit oben, wie ich mich dort befand, zwei römische Soldatenstatuen angebracht. Von unten würde die da wohl niemand vermuten. Wen stellen diese Figuren dar?

    Faszinierend, wo überall in dieser Stadt man auf die alte römische Geschichte trifft. Köln ist voller Geheimnisse, und ich hoffe, noch einige davon für mich (und euch) zu entdecken.

    Solltet ihr auch mal das Parkdeck 6 besuchen wollen...genießt es. Es lohnt sich!

    Bis bald
    Eure Ramona
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  • Lans Schmitz Backes

    11 mei 2019, Duitsland ⋅ 🌧 10 °C

    Samstag war es wieder so weit. Eng ist es, das Spiel. Und doch, der FC schießt das Eins – Null. Wir liegen uns in den Armen... Auf einmal räuspert sich mein Freund und sagt trocken "Mer sin noch nit lans Schmitz Backes." und setzt sich wieder.
    Ich muss schmunzeln. Nein, "wir waren noch nicht an der Bäckerei Schmitz vorbei". Schmunzeln muss ich, weil er einen meiner Lieblingsausdrücke verwendet, den ich nur noch selten höre.
    Jetzt mal ehrlich, gibt es einen kölscheren Ausdruck als diesen? Gut," Kölle Alaaf". Aber noch einen? Ich meine, wer einige Zeit im Rheinland wohnt, kennt ihn und weiß ihn zu deuten. Den Ausdruck in seiner Dramatik eine Dritten zu erklären, ist doch aber schwierig und die direkte Übersetzung ist, vorsichtig gesagt, unverständlich. Am besten geht es über die Geschichte hier:
    Im ersten Bild siehst du die Bäckerei Brochmann in der Severinstraße. Genau an dieser Stelle war bereits "schon immer" eine Bäckerei. Früher wurde sie nur von Schmitzens geführt. Und hier gab es ein Klientel, dass gern schnell an der Bäckerei Schmitz vorbei rannte, aber nicht hinein. Auf dem zweiten Bild siehst du den Blick, wenn Du Dich vor der Bäckerei stehend, nach links drehst: die Severinstorburg. Da wollen diese immer ganz gern recht schnell hin und durch und weg von Köln. Manchmal schafften sie das nicht. Warum?
    In Köln ist im Mittelalter, wie in anderen Städten auch, die körperliche Bestrafung üblich. Es werden Köpfe abgeschlagen, Arme und Beine durch Räder geflochten, Menschen ersäuft und verbrannt, Körperteile wie Hände, Ohren, Nasen und was weiß ich alles, abgeschnitten und wenn man Glück hatte, nur ein wenig rumgeschlitzt, zum Beispiel Ohrringe aus den Ohrläppchen gerissen. Es geht eben etwas - sagen wir - körperlicher zu als heutzutage.
    Nun gibt es aber auch die, die für vogelfrei erklärt werden. Diese sind frei von allen Rechten und werden vom Gefängnis, dass sich damals am nördlichen Ende der heutigen Frankenwerft befindet, über die Severinstraße aus der Stadt getrieben. Das sind ungefähr über zwei Kilometer und "getrieben" ist nett formuliert. Jeder darf mal zuschlagen. Sie haben ja keine Rechte, dieser Abschaum. Und schlagen tu ich ja nicht mit der Faust - da kann ich mir ja selbst weh tun. Nein, ich nehme mir natürlich einen Knüppel, wenn ich mir nichts Gemeineres leisten kann.
    Selbstverständlich brechen bei solch einer Behandlung schon mal Deine Rippen, Arme und Beine, oder Du bekommst keine Luft mehr und brichst zusammen. Tja, und wenn Du nicht laufen kannst, bleibst Du liegen und wenn Du liegst, gibt es Gnade oder eben nicht. Und wenn Du bis zur Hälfte der Severinstraße Glück hast - oder Geschick-, das Tor schon vor Dir siehst, kann Dir immer noch der nächste Knüppel das Bein brechen, oder den Schädel einschlagen. Erst wenn Du an der Bäckerei Schmitz vorbei bist, ja dann hast Du es geschafft.

    Michael

    -

    Samsdag wor et widder su wigg. Eng es et, dat Spill. Un doch, der FC schüüß dat Eins – Null. Mer lige uns en de Ärm... Op eimol hemsch minge Fründ räuspere un säht drüg "Mer sin noch nit lans Schmitz Backes" un setz sich widder.
    Ich muss griemele. Nä, "mer wore noch nit am Backhuus Schmitz vörbei". Griemele muss ich, weil hä eine vun minge Lieblingsusdröck gebruch hät, dä ich nor noch selde hüre.
    Jetz ens ihrlich, gitt et e kölscher Wöödche wie dat? God, "Kölle Alaaf". Ävver noch ene andere Usdrock? Ich mein, wä e Wielche em Rheinland wonnt, kennt en un weiß et ze dügge. Dä Usdrock en singer Dramatik enem Drette ze verklöre, es doch ävver vertrack un de Üvversetzung es, vürsichtig gesaht, nit zo verstonn. Am beste geiht dat üvver dat Kreppche hee:
    Em Beld sühs do et Backes Brochmann en der Vringsstroß. Genau an dä Stell wor "ald luuter" e Backes. Fröher woodt et nor vun Schmitzens gefoht. Un hee gov et e Klientel, dat gään flöck am Backes Schmitz elans laufe dät, ävver nit eren. Om zweite Beld sühs do der Bleck, wann do vürm Backes steihs un dich noh links driehs: de Vringspooz. Do wollte die immer ganz gään hin un durch un fott vun Kölle. Manchmol dät inne dat nit fluppe. Woröm?
    En Kölle es em Meddelalder, wie en ander Städt och, de körperliche Strof gängig. Et weede Köpp avgeschlage, Ärm un Bein durch Rädder geflääch, Minsche versäuf un verbrannt, Körperdeile wie Häng, Ührcher, Näscher un wat weiß ich nit all, avgeschnedde un wann mer Glöck hatt, nor e bessche erömgeschletz, för e Beispill ene Uhrring usem Uhrläppche geresse. Et geiht evvens e bessche - sage mer - körperlicher zo wie hüggzedags.
    No gitt et ävver och die, die för vugelfrei erklärt weede. Die sin frei vun alle Räächte un weede vun der Blech, die sich dozomol am nördliche Engk vun der hüggige Frankewerf befingk, üvver de Vringsstroß us der Stadt gedrevve. Dat sin wall üvver zwei Kilometer un "gedrevve" es fründlich formuleet. Jeder darf ens zohaue. Se han jo kein Räächte, dä Avschuum. Un schlonn dun ich jo nit met der Fuus - do kann ich mer jo selver wih dun. Nä, ich nemme mer natörlich e Knöppelche, wann ich mer nix Fieseres leiste kann.
    Selvsverständlich breche bei su enem Trakteer schon ens ding Rebbe, Ärm un Bein, ov do kriss kein Luff mih un klapps zesamme. Tja, un wann do nit mih laufe kanns, blievs do lige un wann do liss, gitt et Gnad ov evvens nit. Un wann do bes bei der Hälvde vun der Vringsstroß Glöck gehatt häs - ov Aki -, dat Pöözche ald vür dir sühs, kann dir luuter noch der nächste Knöppel et Bein breche, ov der Heenskaste enschlonn. Eesch wann do lans Schmitz Backes bes, jo dann häs do et geschaff.

    Mechel
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  • Der rote Becker

    9 mei 2019, Duitsland ⋅ 🌧 12 °C

    Im Friesenviertel, genauer gesagt, am Haus der Friesenstr. 61, sehen wir in der ersten Etage eine Büste. Ich schätze, die fällt kaum jemanden auf, wer schaut schon die Fassaden hoch, wenn er hier vorbeigeht. Irgendwann ist sie mir dann doch aufgefallen, aber natürlich hatte ich keinen blassen Schimmer, um wen es sich handeln sollte. Also mal wieder Recherchearbeit angesagt. Gesagt, getan. Jetzt kann ich euch ein wenig über diesen Herrn erzählen. Und ich sage es gleich, ich war schwer überrascht. Viel Hoffnung, etwas zu erfahren, hatte ich nicht. Oft sind es Büsten, die aus irgendwelchen eher privaten Gründen hergestellt wurden. Hier nicht.

    Dieser Herr ist in der Kölner Geschichte als der rote Becker bekannt und war Oberbürgermeister hier in unserer Stadt. Dä. Der Mann in feinem Zwirn mit Schnurrbart, einer Art Ordenskette (die hätte mich eigentlich stutzig machen müssen), stellt Hermann Becker dar. Der rote Becker, zum einen wegen seiner roten Haare so genannt, zum anderen wegen seiner politischen Gesinnung.

    Bereits vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister hatte er eine höchst spannende Vita vorzuweisen. Gerade was die politische Seite anbelangt. So gehörte er im Kölner Arbeiterverein zu den Führungspersönlichkeiten, gerade um 1848 war er hier sehr aktiv. So mischte er auch bei der "Neue Rheinische Zeitung" mit, ihr erinnert euch, die von Karl Marx, ich berichtete ja bereits davon. Nun, diese wurde ja verboten, und so gründete er die "Westdeutsche Zeitung".

    Natürlich gab es auch hier regelmässig Ärger mit den Behörden, genau wie vorher bei der Zeitung von Karl Marx. Majestätsbeleidigung und Aufstachelung der Bevölkerung waren nur zwei der schweren Vorwürfe der Justiz an ihn. Im berühmten "Kommunistenprozess" saß auch Hermann Becker auf der Anklagebank. So saß er für fünf Jahre in Festungshaft und wurde danach in Köln zur unerwünschten Person erklärt und durfte die Stadt nicht betreten. Während dieser Zeit lebte er in Dortmund. Dann passierte durch politische Veränderungen etwas sehr außergewöhnliches. Er wurde in Abwesenheit zum Kölner Oberbürgermeister gewählt und durfte nun wieder zurück nach Köln.

    Während seiner Amtszeit war er maßgeblich für die Schleifung der mittelalterlichen Stadtmauer verantwortlich, versuchte alles um diese voranzutreiben. Er wollte mit aller Macht die Stadterweiterung, was nur ohne die Stadtmauer gelingen konnte. Ebenfalls hatte er ein Auge auf einige Orte außerhalb geworfen und wollte diese gerne der Stadt zuführen. Wachstum war angesagt.

    Die Büste ist hier am Haus angebracht, weil er von 1875 bis 1885 hier lebte. Nach 10-jähriger Amtszeit starb Hermann Becker im Alter von 65 Jahren. Sein Nachfolger als Oberbürgermeister war übrigens wieder ein "Becker". Es wurde der Düsseldorfer Wilhelm Becker zum Nachfolger gewählt. Er wurde der "lange Becker" gerufen. Aber das ist eine andere Geschichte...

    Vorgestellt: Hermann Becker Büste
    Ort: Friesenstr. 61, 50670 Köln
    Anfahrt: Friesenplatz, Linien 3,4,5,12,15

    Teilen erwünscht, erzählt jedem in der Stadt von Kölschgänger, teilt, liked und helft uns damit, unsere Geschichten weiter zu verbreiten. Wir wären euch sehr dankbar.

    Euch eine gute Woche, bleibt neugierig und aufmerksam,
    euer Ronald
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  • Lommi - Von der Gaststätte zur Legende

    7 mei 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 10 °C

    Siegesstr. 18, 50679 Köln. Wir schreiben das Jahr 1959. Ein junger Mann übernimmt mit seiner Frau die Gaststätte von seinen Eltern, die diese seit 1945 geführt hatten. Ihre Namen: Hans und Annemie Lommerzheim...
    Wie gesagt - eine ganz normale Gaststätte. Dass diese aber bereits nach wenigen Jahren schon Kultstatus besitzen würde, davon ahnten die beiden zu Beginn sicher nichts. Und bei meinem letzten Besuch in Köln kam ich dann endlich auch in den Genuss.
    Ich dachte, ich sei vorbereitet. Aber im Nachhinhein muss ich gestehen...auf DAS konnte ich gar nicht vorbereitet sein. Öffnungszeit (offiziell): 16:30 Uhr. Bereits um 16:15 Uhr standen ca. 30 Leute vor der Tür. Und das hübsch in Reih und Glied und unglaublich geduldig.
    16:25 Uhr. Die Schlange hinter mir ist mittlerweile länger als die vor mir. Da stehen tatsächlich um 16:30 Uhr zwischen 60 und 70 Leute, die darauf warten, dass geöffnet wird. Sowas kannte ich bisher höchstens vom Sonderpostentag bei Aldi. Nur mit dem Unterschied, dass hier nicht geschubst und gedrängelt wird.
    Man kommt in Köln ja, wenn man in der Stadt unterwegs ist, mit dem einen oder anderen schon mal ins Gespräch (was hier nicht wirklich ein Problem darstellt) und viele, nein, eigentlich so ziemlich jeder wußte was zu erzählen, wenn das Gespräch auf Lommi kam. Dabei ist mir aufgefallen, dass die einzelnen Erzählungen sich allesamt deckten. Völlig unabhängig voneinander erzählten die Leute über diese Kneipe und ihren Wirt dasselbe. Ich hatte das Gefühl, jeder, der davon sprach, wurde in eine andere Zeit versetzt. Und jeder musste immer noch lachen über das, was er dort schon erlebt hatte. Ebenso erzählte wirklich jeder, dass Lommi eher sehr wortkarg war, für ihn aber seine Gäste an erster Stelle kamen und jeder gleich war. Ob Kölner oder Immi, ob einfacher Gast oder Präsident. Schade, dass ich ihn nicht kennengelernt habe, aber dafür war ich schon beim ersten Mal wohl mindestens 20 Jahre zu spät in dieser unglaublichen Stadt. So, weiter...
    Selbst als dann geöffnet wurde, ging es noch mit Ruhe zu und jeder, der einen Sitzplatz ergattern konnte, durfte sich glücklich schätzen, denn der ca. 50 qm große Raum war schnell gefüllt. Und trotz dessen, selbst, wenn man mal kurz an die Luft wollte, oder ganz profan, schlicht zur Toilette musste, man wurde durchgelassen, ohne, dass da irgendein böses Wort fiel. Man geht freundlich miteinander um. Einfach nur schön. Wenn man sich hier umschaut, glaubt man, die Zeit wäre irgendwann einfach stehen geblieben. Aber genau das macht es ja aus. Man hält sich hier stundenlang auf und auch für einen selbst bleibt irgendwie die Zeit stehen. Man genießt einfach nur.
    Wer keinen Platz mehr bekommen hat, ob nun im Keller oder oben im Gastraum bleibt eben einfach entweder an der Theke oder draußen vor der Tür stehen. Denn das wichtigste, ob nun sitzend oder stehend, drinnen oder draußen: es gibt Kölsch. Deswegen sind wir ja schließlich alle hier. Was ich wirklich klasse finde, sind die Köbesse. Trotz Hochbetrieb bester Laune, freundlich und vor allem...schnell. Das eine Kölsch ist noch nicht weg, da steht das nächste schon vor mir. Meinen Respekt und ein ganz großes Dankeschön an dieser Stelle an euch.
    Kleine Bemerkung am Rande: das Essen hier schmeckt genial. Leid tun mir nur die armen Löwen, Tiger und Geparden im Zoo, denn wenn ich die Koteletts sehe, die hier auf Tellern an mir vorbeigetragen werden, dann können die nur aus dem Zoo entwendet worden sein und waren eigentlich zur Raubtierfütterung gedacht.
    Wenn man dann noch das Glück hat, so wie ich, die Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, macht das Ganze doppelt Spass.
    Zum Glück hat man die Möglichkeit überhaupt noch, denn es gab mal die irrwitzige Idee zweier Museen, das Lommerzheim ausstellen zu wollen, was sich aber zerschlagen hatte. Am 31.12.2004 um 14:25 Uhr verließ das letzte geleerte Fass Kölsch die Kneipe. Die Eheleute schlossen ihre Gaststätte aufgrund gesundheitlicher und altersbedingter Gründe. Ein halbes Jahr später starb der Wirt dieser legendären Gaststätte. Nachdem das Lommi vier lange Jahre leer stand, wurde es im März 2008 im Beisein von Annemie Lommerzheim unter der Führung eines neuen Wirtes wiedereröffnet. Und wenn ich mir Bilder anschaue von damals, hat sich nicht viel verändert. Und das ist gut so.
    Wegen genau solcher Erlebnisse und der Tatsache, dass es in Köln einige Menschen gibt, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, fällt es mir jedesmal schwerer, hier wieder wegzufahren. Um so größer ist die Vorfreude aufs nächste Mal. Um diese Stadt, ihre Menschen und liebgewordene Freunde wiederzusehen.

    Bis bald
    eure (inzwischen wieder nüchterne) Ramona
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  • Ein Bogen um Meschenich

    4 mei 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 7 °C

    Um Meschenich muss man einen Bogen machen.
    Machen wir ja auch. „Ich wohne in Mechernich, nicht Meschenich!“ oder „Wir kommen aus Rondorf, nicht aus dem asozialen Meschenich.“ Was man in der Zeitung liest, wiederhole ich hier nicht. Kriegsberichterstattung scheint eine neue Erfahrung für mich zu werden. Ich möchte es wissen.
    Verfehlen kann man Meschenich nicht. Der „Kölnberg“ weist den Weg schon von weitem. Der interessiert mich aber nicht. Ich will ja unser Veedel „Meschenich“ sehen. Ich versuche, mich mit dem Rad im Grünen zu halten, was bis Höningen gut gelingt. Danach muss ich parallel zur B51 fahren. Große Bäume säumen sie, eine schöne Allee, schnurgerade. Leider begünstigt das hohe Geschwindigkeiten und wenn der dichte Verkehr nicht fließt, Abgase. Immer dabei: der Lärm. Es fängt an, wie erwartet.
    Im Ort selbst, ist die B51 die Hauptstraße. Da gibt es wirklich wenig Schönes zu sagen: Lärm, Gestank und schmale Bürgersteige, auf denen offiziell auch die Radfahrer fahren sollen. Notgedrungen kann man hier Einkäufe erledigen. Aufenthaltswert finde ich für mich hier nicht. Komisch, dabei ist es eigentlich eine ganz typische Orts-Hauptstraße: alte Gebäude, oft schön, aber ungepflegt. Mir kommt sofort ein Gedanke: Verkehr heraus, Bäumchen herein. Dann könnte man hier etwas nettes gestalten. Abends ein Feierabendbierchen oder einfach mal entlang bummeln mögen, wie in vielen Veedeln auch, kann doch nicht so schwer sein. - Mir fällt auf, dass man im Konflikt Rücksicht aufeinander nimmt. Die Meschenicher haben offensichtlich Übung mit der Enge, mein Eindruck.
    Aber Meschenich ist ja keine Erfindung der Neuzeit. Eine Urkunde aus dem Jahr 1166 erwähnt den Ort „Meschingin“ zum ersten Mal. Hier müssen aber noch früher Menschen gelebt haben. Die Römerstraße nach Süden verlief hier entlang eines alten Rheinarmes. Im Jahr 1820 hat man hier zwei römische Sarkophage gefunden. Die zentrale Kirche, Sankt Blasius, wurde 1891 errichtet. Zu der Zeit war die alte romanische Kirche, die auf Fundamenten einer römischen Villa gebaut wurde, so baufällig, dass sie abgerissen werden musste. Diese war eine der ersten Kirchen in weitem Umfeld. Wir reden also von einem sehr alten Ort, der im Kern seit Jahrhunderten hier steht.
    So biege ich von der Hauptstraße ab – und finde ein Idyll. Es ist Frühling! Überall duftet es nach Blumen, die blühen - und diese Farbenpracht! Kinderlachen von Kindern, die hier noch unbesorgt auf sauberen Straßen spielen können. Mit dem Fahrrad fährt man besser etwas verhalten. Die Grills in den Gärten laufen schon. Geschirrgeklapper und die Gerüche machen Appetit. Familien sitzen im Garten und wirken fröhlich entspannt. Komisches Kriegsgebiet. Die Menschen, die mir begegnen, sind ausgesprochen freundlich. „Oh, jetzt bin ich wohl im Weg. Entschuldigung.“ Was kann er dafür, dass ich gerade ein Bild der Straße machen möchte?
    Ein kleiner Friedhof mit einzelnen Kreuzen aus dem 18. Jahrhundert, finde ich. Die Gräber sind gepflegt, auch wenn ein paar dabei sind, bei denen das Holzkreuz langsam verwittert, weil sie seit Jahren nicht durch einen Stein ersetzt werden.
    Die Gegend um den Reiterhof und den „Alt-Engeldorferhof“ ist einen Spaziergang wert. Am Hof entdecke ich Rehe und ein Naturschutzgebiet. Zum Beispiel der „Kulturpfad Rodenkirchen, Tour 6“ steht bei mir jetzt recht weit oben.
    Meschenich hat mich so positiv überrascht, dass ich überzeugt bin, dass die Meschenicher seit Jahren darüber schmunzlen, dass 85 andere Veedel um sie einen Bogen machen. Nur, einen Bogen müsste man wirklich um sie machen, eine Umgehungsstraße.

    Michael

    -

    Öm Meschenich muss mer ene Boge maache.
    Maache mer jo och. „Ich wonne en Mechernich, nit Meschenich!“ ov „Mer kumme us Rondörp, nit usem asoziale Meschenich.“ Wat mer en der Zeidung liss, widderholle ich hee nit. Bereechte us enem Kreegsgebiet es jet Neues för mich. Ich mööch et wesse.
    Verfähle kann mer Meschenich nit. Der „Kölnberg“ wies der Wäg ald vun wiggem. Dä intresseet mich ävver nit. Ich well jo uns Veedel „Meschenich“ sinn. Ich versöke, mich mem Räddche em Gröne ze halde, wat bes Höninge god flupp. Donoh muss ich lans de B51 fahre. Große Bäum süüme se, en schön Allee, schnorgrad. Leider es dat god för schnell ze fahre un wann der Verkehr nit flüüß, Avgase. Luuter dobei: der Radau. Et fängk aan, wie erwaadt.
    Em Oot selvs, es de B51 de Haupstroß. Do gitt et wirklich winnig Schönes ze sage: Krach, Möff un schmal Trottoire, op denne offiziell och de Raddfahrer fahre solle. Nudgedrunge kann mer hee Enkäuf erledige. Ich finge nix, wovör et sich luhnt, sich hee opzehalde. Komisch, dobei es et eigentlich en ganz typsiche Oots-Haupstroß: aale Baute, off schön, ävver ungefläg. Mer kütt tirek ene Gedanke: Verkehr erus, Bäumche eren. Dann künnt mer hee jet aanläge, dat aadig es. Ovends e Fierovendbierche ov einfach ens jet gängele gonn wie en vill andere Veedele och, dat kann doch nit esu schwer sin. – Mer fällt op, dat mer bei brenzlige Situatione Röcksich openander nimmp. Minge Endrock es, dat mer dran föhle kann, dat de Meschenicher met dä Engde Übung han.
    Ävver Meschenich es jo kein Erfindung vun der Neuzigg. En Urkund usem Johr 1166 erwähnt der Oot „Meschingin“ et eeschte Mol. Hee müsse ävver noch fröher Minsche geläv han. De Römerstroß Richtung Süde verleef hee lans ene aale Rhingärm. Em Johr1820 hät mer hee zwei römische Sarkophage gefunge. Die zentrale Kirch, Zinter Blasius, woodt 1891 erreech. Zo dä Zigg wor die aal romansche Kirch, die op Fundamente vun ener römische Villa gebaut woodt, esu kapodd, dat se avgeresse weede moot. Se wor ein vun de eeschte Kirche en wiggem Ömfeld. Mer schwaade alsu vun enem ärg aale Oot, dä em Kään zigg Johrhunderte hee steiht.
    Esu beege ich vun der Haupstroß av – un finge en Idyll. Et es Fröhjohr! Üvverall döff et noh Blome, die blöhe – un die Färvepraach! Puutelaache vun Pänz, die hee noch unbesorg op saubere Stroße spille künne. Mem Radd fäht mer hee leever jet höösch. De Grills en de Gääde laufe ald. Postelingklappere un de Geröch maache Kennwasser. Famillie setze en de Gääde un wirke löstig enspannt. Komsich Kreegsgebiet. De Minsche, die mer begähne, sin ärg fründlich. „Oh, jetz ben ich wall em Wäg. Pardon.“ Wat kann hä dozo, dat ich grad e Beld vun der Stroß maache mööch?
    Ene kleine Friedhoff met einzele Krütze usem 18. Johrhundert, finge ich. De Gräver sin gefläg, och wann e paar dobei sin, bei denne et Holzkrütz langsam verwittert, weil se zick Johre nit durch ene Stein ersatz weede.
    Die Gägend öm der Reiterhoff un der „Alt-Engeldorferhof“ sin e Gängelche wäät. Am Hoff finge ich Rihe un e Natorschotzgebiet. För e Beispill der „Kulturpfad Rodenkirchen, Tour6“ steiht be mir jetz rääch wigg bovve.
    Meschenich hät mich esu positiv üvverrasch, dat ich üvverzeug ben, dat de Meschenicher zick Johre drüvver grielaache, dat 85 andere Veedel öm sei ene Boge maache. Nor, ene Boge mööt mer tatsächlich öm se maache, en Stroß, die drömerömgeiht.

    Mechel
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  • Geschichten um die Stadtbefestigung

    2 mei 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 10 °C

    Geschichten und Kuriositäten um die mittelalterliche Kölner Stadtbefestigung

    Was einst gebaut wurde, damit Köln groß werden kann, das musste später eingerissen werden, damit Köln nicht klein wird. Hört sich seltsam an, ist aber so. Die Stadtmauer sorgte damals für Sicherheit und Wachstum, später konnte die Stadt wegen der Mauer nicht weiter wachsen. Der „rote Becker“, ich berichte nächste Woche über ihn, sagte es ähnlich vor dem Kölner Rathaus in seiner Ansprache als Oberbürgermeister, bevor man sich auf den Weg zur Stadtmauer am Gereonshof machte, um den Abriss unter begleiteten Klängen einer Militärkapelle zu beginnen.

    Nachdem Becker den Beginn des Abrisses an den Kaiser per Telegramm mitgeteilt hatte, bekam er folgende Antwort: „Ich wünsche der altberühmten Stadt neues Glück und Gedeihen im erweiterten Spielraum.“ Das Problem damals war klar. Köln konnte innerhalb der Mauern längst nicht mehr wachsen, außerhalb der Mauern durfte man nicht bauen. Die Vorstädte wie Ehrenfeld, Nippes und Kalk dagegen freuten sich über zahlreichen Anstieg ihrer Bevölkerung.

    Natürlich wurde auch damals schon gerungen, ob überhaupt, und wenn ja, wie viel von Mauer und Toren erhalten werden soll. Dies war ja auch eine Geldfrage, denn der Erhalt belastete natürlich das „Stadtsäckel“. Und so kam es zu wilden Auseinandersetzungen. So empörte sich zum Beispiel der Reichstagsabgeordnete August Reichensperger, seineszeichen ein klarer Befürworter und Kämpfer für den Erhalt einiger Tore und Mauerstücke: “Die Torburgen werden wie Leichen behandelt, ohne sie zu begraben“.

    Heute erzählen die erhaltenen Torburgen uns Geschichten, und wir sind froh und dankbar, dass es sie gibt... so, wie der stolze Bayenturm. Übrigens war er damals viel wehrhafter als das, was wir heute wieder aufgebaut haben. Direkt am Bayenturm war noch ein Turm angeschlossen, optisch ähnlich wie der alte Römerturm an der Zeughausstraße. Dazu steht er auch als Symbol für die Bürgerfreiheit. So hieß es damals, wer den Turm hat, hat die Macht.

    Oder unsere Severinstorburg. Jeder kennt den Spruch “Du bist noch nicht an Schmitz Backes vorbei“, was heute ein lockerer Spruch ist, bedeutete damals für viele den Lauf auf Leben und Tod. Wer den berüchtigten Staupenschlag, das laufen durch ein Spalier von Menschen, die mit Knüppeln auf den Verurteilten einschlugen überlebte und an Schmitz Backes, der Bäckerei vor dem Severistor vorbeikam, der war frei, durfte und musste die Stadt durch das Severinstor verlassen. Auch wurden hier viele Kaiser und Könige feierlich in Empfang genommen.

    Oder die Ulrepforte. Damals gab es direkt an der Mauer ein Gasthaus, „Zur guten Bierquelle“. Ebenso gab es ja von hier den Überfall auf die Stadt, der in einem üblen Gemetzel endete. Auch gab es auf einem Turm der Ulrepforte im 14. Jahrhundert eine Mühle, die Karthäusermühle. Diese stand bis ins Jahr 1885.

    Dann gab es damals das Pantaleonstor, und direkt hinter der Kirche wurde der erst zweite Bahnhof in Köln gebaut. Der erste war kurz vorher unweit der heutigen Bastei entstanden. Das Pantaleonstor war schon lange nicht mehr offen, ihre Durchfahrt 1585 sogar zugemauert worden. Für den Bahnhof wurde es dann wieder geöffnet und der „Feurige Elias“, so nannte man die Dampflok damals, fuhr durch das alte Pantaleonstor. und dann mitten über die Luxemburger Str.

    Auch das Hahnentor hat einiges erlebt, hier marschierten die französischen Truppen ein, hier startete 1877 die erste Kölner Pferdebahn. Die stadtbekannteste Schmugglerin, die „Bolze Lott“, wie Scholastika Boll genannt wurde, hatte hier ihr Revier.

    Das Eigelsteintor, auch eine der Attraktionen der Stadt, weist ja durch den Kölschen Boor und der „Cöln“ bereits auf Geschichten hin. Unweit gab es auch eine Zeit lang einen Sicherheitshafen, den Bau hatte Napoleon befohlen. Heute gibt es nur noch einen kleinen Weiher am Ebertplatz. Und dann gibt es ja noch die Geschichte der Weckschnapp, die wohl jeder Kölner kennt.

    Und es gibt noch viel mehr im Zusammenhang mit der alten Stadtmauer zu erzählen. Geschichten über Geschichten, wir Kölschgänger freuen uns, euch diese regelmäßig erzählen zu dürfen.

    Euer Ronald
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  • Provisorium und Blickfang

    30 april 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 13 °C

    Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit dem Zug über die Hohenzollernbrücke Richtung Hauptbahnhof fuhr, lag sie vor mir, die Skyline, die wohl jeder kennt, ob nun vom Fernsehen, dem Internet oder von Postkarten. Mit ihren markanten Wahrzeichen, wie dem Dom, die romanische Kirche Groß St. Martin, die Kranhäuser usw.
    Aber im Jahre 1996 hat sich hier noch etwas dazugesellt, was die einen lieben, die anderen würden es eher lieber dem Erdboden gleich sehen...

    Die Rede ist vom Musical Dome, dem wohl derzeit langjährigsten Provisorium Kölns. Und im Gegensatz zur sonstigen Gepflogenheit betrug die Bauzeit hier tatsächlich gerade einmal 6 Monate.

    Bevor es dazu kam, wurde das Grundstück lange Zeit als Busbahnhof und Parkplatz genutzt. Und eigentlich sollte das Provisorium auch eines bleiben, denn in den 90er Jahren war eigentlich angedacht, den Breslauer Platz städtebaulich zu verändern, weil das Gelände, um es milde auszudrücken, nicht wirklich Wohlfühlcharakter hatte. Aber wie das mit Plänen so gehen kann, wissen wir alle, oft auch aus dem eigenen Leben.

    Das Musical "Gaudi", für welches der Musical Dome bis zur geplanten Umgestaltung des Platzes vorübergehend als Spielstätte dienen sollte, war allerdings alles andere als ein Erfolg und so musste der Betreiber bereits zwei Jahre später Konkurs anmelden. Nun sollte man meinen, das wars schon mit dem "Provisorium", aber nun begann es erst richtig, denn zwei Produzenten kauften dieses im selben Jahr aus der Konkursmasse.

    Im September 1999 lief das Musical "Saturday night fever" dort als deutsche Erstaufführung und blieb auch erstmal, bevor weitere Musicals kamen, wie "Jekyll & Hyde", welches von 2003 bis 2004 lief oder "We will rock you" (Queen), das sogar von 2004 bis 2008. Dieses Musical wurde zum erfolgreichsten seinerzeit und konnte eine Zahl von ca. 2 Millionen Besuchern vorweisen, in sage und schreibe 1.400 Vorstellungen.

    Danach folgten Produktionen wie Monty Pythons "Spamelot", dem Musical "Hairspray" oder "Vom Geist der Weihnacht", inzwischen unter der Führung anderer Produzenten.

    Dann bekam das Wort "Provisorium" wieder mehr Gewicht, denn ab März 2012 sollte der Musical Dome wieder als ein solches dienen, nämlich als Ersatz für das Opernhaus am Offenbachplatz. Fortan trug es den Namen "Oper am Dom". Für über dreieinhalb Jahre, denn im November 2015 verließ die Oper den Musical Dome wieder.

    Einmal war ich selbst dort, im Dezember 2015 habe ich mir das Musical "Bodyguard" angesehen, und ich muß sagen, obwohl ich nicht so der Musicalgänger bin, war ich doch begeistert.

    Wenn auch die äußere direkte Umgebung vielleicht nicht so ansprechend wirkt, so bin ich persönlich der Meinung, dass der Musical Dome ein Gewinn für Köln war und ist. Die Stadtverwaltung beabsichtigt, ihn bis zum Jahr 2022 betreiben zu lassen, bevor ihn das Staatenhaus am Rheinpark in Deutz als Musical-Theater ablösen soll. Aber warten wir es ab. Pläne sind schließlich da, um geändert zu werden. Und wenn wir mal ehrlich sind...würde das abends blau leuchtende Ungetüm nicht auch fehlen? Mir schon...

    Bis bald, eure Ramona
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  • Pferderennbahn Weidenpesch

    27 april 2019, Duitsland ⋅ 🌧 10 °C

    17.200 Menschen zu Besuch in Weidenpesch. – Rekordbesuch für die Pferderennbahn im Viertel. Ein quirliges Vergnügen in der Frühlingsonne und so modern, wie es eine Tradition ist.
    "Warum haben wir keine Rennbahn?", fragte sich 1896 Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm von Becker. Es gab Zeiten in Köln, da kam Bewegung in solch eine Sache, wenn ein solcher Mann sich eine solche Frage stellte.
    1897 wurde der "Kölner Rennverein" gegründet, vor jetzt 122 Jahren. 1898 wurde unsere Rennbahn angelegt. Architekt Otto March ließ die Gebäude errichten. Damals imposant, heutzutage fühlst du dich ein wenig in der Zeit zurückversetzt. Schon 1899 ging es los. Die ersten Pferde liefen vor 16.000 Zuschauern um die Wette.
    Mit Höhen und Tiefen hat sich bis heute nichts verändert. Mit Eintritten ab 12 Euro ohne Rabatte, ist es immer noch eine Show für uns, ob Du arm bist oder reich.
    Du triffst Menschen der Rennszene: Eigner von Pferden, Jockeys, Investoren und die vielen namenlosen Helfer, damit so ein Renntag gelingt. Gut, es gibt aber nicht nur Gesichter des Pferdesports. Viele Bekannte aus anderen Sportarten machen sich hier ein paar spannende Stunden. – Vor allem, wenn der 1.FC Köln den Renntag sponsort. Es ist tatsächlich auch das Sehen und manchmal das Gesehen werden. Auch wenn man nicht prominent ist, zieht ein schönes Kleid oder ein spektakulärer Hut die Blicke auf sich.
    Natürlich lebt die Spannung der Rennen vom Wetten. Der Veranstalter macht das Wetten nicht schwer. Geduldig und anschaulich werden Dir die auf dem ersten Blick verwirrenden Wettscheine erklärt. Wetten sind ab 50 Cent Einsatz möglich. Und das geht neuerdings vor Ort sogar mit dem Smartphone. Da riskierst Du doch mal ein oder zwei Euro, oder?
    Es hat ja auch jeder so seine Methoden. Viele gucken sich die Pferde an: wie wirken sie? Wieder andere schauen in die Statistiken: welches Pferd ist auf ähnlichem Boden schon vorn mit dabei gewesen? Ganz andere gucken in die Empfehlungen der Presse. Tja, und einige gucken eher darauf, welcher Jockey auf dem Pferd sitzt. Keiner findet "sein" Pferd wie ein anderer. Du triffst Leute, die sagen dir, das Pferd hätte ihnen zugeblinzelt!
    Und ist das Geld erst gesetzt, ist es um dich geschehen. Erst hörst du mal hin, was der Moderator für Informationen in die Menge wirft und dann... ...Du hörst den Namen des Pferdes, auf das du gesetzt hast, richtest deinen Blick zur Rennbahn, schaust nach rechts, um mit eigenen Augen zu sehen, wer sich als Erster dem Ziel nähert. Liegst du richtig? Oder dein Freund neben dir? Wer darf jubeln? Jubel und Enttäuschung entladen sich gemeinsam in der Zehntelsekunde, in der die Ersten durch das Ziel laufen. Ist es weniger laut, weißt du, dass du auf das Zielfoto warten sollest, bevor du Ihn auf ein Kölsch einlädst... Herrlich.

    Michael

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    17.200 Minsche zo Besök en Weidenpesch. – Rekordbesök för de Päädsrennbahn em Veedel. E kreel Vergnöge en der Fröhjohrssonn un esu modern, wie et Tradition es.
    "Woröm han mer keine Rennbahn?", hät sich 1896 der Oberbürgermeister Friedrich Willem von Becker gerfrog. Et gov Zigge en Kölle, do kom Bewägung en su en Saach, wann su ene Kääl sich solch en Frog stallt.
    1897 woodt der "Kölner Rennverein" gegründt, vür jetz 122 Johr. 1898 woodt uns Rennbahn aangelaht. Dä Architek Otto March leet die Baute erreechte. Dozomol imposant, hüggzedags föhls do dich e bessche en der Zigg zoröckversatz. Ald 1899 ging et loss. De eeschte Päädcher leefe vör 16.000 Lück öm de Wedd.
    Mem Op un AV hät sich bes hügg nix verändert. Met Entreddsgrosche av 12 Euro ohne Rabatte, es et luuter noch en Show för uns, ov Do ärm bes oder rich.
    Do triffs Minsche vun der Rennszen: Minsche, denne de Pääder gehüre, Jockeys, Investore un die ville Helfer ohne Name, die mer bruch, domet su ene Renndag jet weed. God, ävver et gitt nit nor Geseechter vum Päädssport. Vill Bekannte us ander Sportaate maache sich hee en paar spannende Stunde. – Vür allem, wann der 1.FC Kölle för der Renndag de Moppe springe lööt. Et es tatsächlich och et Sinn un manchmol et Gesinn wääde. Selvs wann mer nit prominent es, trick e schön Wöbche ov ene spektakuläre Hot de Blecke op sich.
    Natörlich läv de Spannung vum Wedde. Der Veranstalter mäht et Wedde nit schwer. Gedoldig un aanschaulich weede dir die op der eeschte Bleck vertrackte Weddsching verklört. Wedde kanns do av 50 Cent Ensatz. Un dat geiht zick Neuestem op der Rennbahn sugar mem Smartphone. Do deis Do doch ene Euro ov zwei reskeere, oder?
    Et hät jo och jeder su sing Method. Vill luure sich de Pääder aan: wie wirke se? Widder andere luure en de Statistike: wat för e Pääd es op ähnlichem Boddem ald vürre met dobei gewäs? Ganz andere luur en de Emfählunge vun de Zeidunge. Tja, un en Rötsch luurt ihter drop, wä der Jockey es, dä om Pääd setz. Keiner fingk "si" Pääd wie der andere. Do triffs Lück, die sage dir, dat Pääd hätt inne zogekniep!
    Un sin de Nüsele eesch gesatz, häs de Blod gleck. Eesch hürs do ens hin, wat der Moderator an Informatione en de Menge blös un dann... ...Do hürs der Name vum Pääd, op dat do gesatz häs, reechs dinge Bleck noh der Rennbahn, luurs noh rähts, öm met eige Auge zo sinn, wä sich als Eeschter dem Ziel nöhert. Liss Do richtig? Ov dinge Fründ nevven dir? Wä darf jubele? Jubel un Enttäuschung entlade sich zosamme en dä Zehntelsekund, wann de Eeschte durch et Ziel laufe. Es et winniger laut, weiß do, dat do op et Zielfotto waade solls, ich dat do in op e Kölsch enläds... Göddlich.

    Mechel
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  • Das Poller Milchmädchen

    25 april 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 16 °C

    Heute möchte ich raus und ein paar Fotos machen. Es geht mal wieder am Rhein entlang. Nach einer Weile erreiche ich die Südbrücke und mir kommt die Idee, auf die schäl Sick rüber zu gehen und dann weiter nach Poll.

    Ich hatte mal was von einem Milchmädchenbrunnen gelesen und in Poll war ich noch nie. Poller Fischerhaus, ja, Poller Wiesen, klar, aber den Ort habe ich mir noch nicht angesehen. Und ich denke, so geht es vielen Kölnern. Heute kann ich sagen, das ist schade, denn es ist dort sehr hübsch. Von Stadt merkt man nicht wirklich viel, eher von beschaulichem Dorfcharakter, und das ist auch kein Wunder, schließlich handelt es sich um ein Fischerdorf mit langer Tradition in diesem Bereich. Gerade für seinen Maifisch war Poll sehr bekannt.

    Eine weitere Tradition war die Viehhaltung, und ein wichtiger Teil davon war die Milchproduktion. Poll galt als wichtiger Milchlieferant für die Kölner Bürger. So zogen die Poller Mädchen in ihren traditionellen Trachten mit den Milchkübeln beladenen Eselskarren los und verkauften diese auf den größeren Kölner Märkten und lieferten auch zu den Menschen nach Hause. Daher wurden die Mädels „Poller Milchmädchen“ genannt. Logisch eigentlich.

    An diese Zeit erinnert das „Milchmädchen – Denkmal“. Diese Bronzeplastik entstand etwa um 1922 und wurde 1929 auf dem Efeuplatz in Poll errichtet. Das Denkmal zeigt ein Mädchen im groben Rock, welches zwei Kannen Milch schleppt. Im Gesicht erkennt man die Anstrengung des Tages, sie sieht müde aus. Im Hintergrund ist ein Esel zu sehen, am Sockel ein Fisch, die beiden Traditionen, für die Poll steht.

    Mir gefällt das Denkmal, es zeigt die Wirklichkeit, die harte Arbeit. Nichts wird beschönigt. Ähnlich wie bei den Fischweibern in der Altstadt.

    Übrigens gibt es hier auch eine „Milchmädchensiedlung“ in unmittelbarer Nähe. Jedenfalls wird eine um die 1920er Jahre erbaute Siedlung immer noch liebevoll so bezeichnet. Auch einige Straßennamen erinnern an diese Vergangenheit, so etwa „Zum Milchesel“, oder „In der Kanne“ und „Im Butterfass“. So bleibt die Tradition und Geschichte des Örtchens lebendig. Gut so.

    Vorgestellt: Das Poller Milchmädchen-Denkmal
    Ort: Efeuplatz, 51105 Köln (Poll)
    Anfahrt: Raiffeisenstr., Linie 7
    Euch eine gute Zeit, bleibt neugierig und aufmerksam.

    Euer Ronald.
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  • Magie des Lichts

    23 april 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 17 °C

    Ja, magisch ist er...unser Dom. Aber was hat es mit dem Licht auf sich?

    Unser Dom - ein Dom aus Licht. Es gibt im gesamten Dom keine einzige Wandzone, in der kein Fenster verbaut ist und das macht ihn so einzigartig.
    10.000 qm Fensterfläche insgesamt, davon 1.500 qm noch aus dem Mittelalter, machen unseren Dom zu einem "Dom aus Licht".

    Das älteste und zugleich auch ranghöchste Fenster ist das 2-bahnige Bibelfenster in der Dreikönigskapelle im Chor. Dieses 1260 vollendete Fenster wurde wahrscheinlich sogar noch von Meister Gerhard gesehen oder vielleicht sogar mitgestaltet, bevor er kurz danach unter mysteriösen Umständen zu Tode kam.

    Was für ein Gefühl ist das, mit dem Wissen darüber, nun vor diesem Kunstwerk zu stehen. Die Kunst, ein solch bildgewaltiges, monumentales Fenster zu erschaffen, war damals gerade erst am entstehen. Mittelalterliche Glasmeister verbanden die einzelnen farbigen Glaselemente mit Bleiruten und so entstanden Glasfenster in nie gekannter Größe und Schönheit.

    Aber wie war es möglich, eine Kathedrale dieser Größe zu erschaffen, die nicht nur aus Stein besteht, um diese gewaltige Kraft tragen zu können ?

    Die Gotik, die man auch die Zeit der Lichtmystik nennt, brachte es, im wahrsten Sinne des Wortes "ans Licht". Mit ihr kam eine ganz neue Art des Bauens auf, nämlich das Bauen mit Strebewerken. Über diese konnten die riesigen, auf dem Bauwerk lastenden Kräfte in die Erde abgeleitet werden. Ein solches Strebewerk ermöglichte es also, in die Wände unseres Domes so große Glasflächen einbauen zu können, ohne dass die Gefahr eines Einsturzes bestand.

    Ein weiteres besonderes Fenster im Dom ist das Südquerhausfenster, das sogenannte "Richterfenster". Richterfenster deshalb, weil es vom Dresdener Künstler Gerhard Richter entworfen wurde. Die 11.263 Farbquadrate, jedes 9,6 cm x 9,6 cm auf einer Fläche von 106 Quadratmetern, beinhalten 72 Farben, die in den ca. 800 Farben all der anderen Fenster im Dom vorkommen.

    Die besondere Wirkung dieses Fensters entwickelt sich mit der Wanderung der Sonne. So entsteht ein wunderschönes Lichtspiel, was man mit etwas Glück bei Sonnenschein im Dom genießen kann.

    Licht verzaubert. Und unser Meister Gerhard war ein Genie. So hat er bei all seinen Berechnungen auch an etwas besonderes gedacht und etwas wunderbares möglich gemacht. Ein Schauspiel, welches zweimal im Jahr im Dom sichtbar wird. Allerdings nur bei schönem Wetter. Denn er hat bei der Vorbereitung zum Bau dieser wunderschönen Kathedrale so genau gemessen, dass jeweils zur Tag- und Nachtgleiche, im Frühjahr und Herbst, die Sonne exakt im Osten des Kölner Doms aufgeht. Und so fluten die Sonnenstrahlen durch das Fenster im Chorraum den Altarraum und das Kirchenschiff in einer klaren Linie.

    Leider war es ihm selbst nicht vergönnt, dieses wunderbare Spiel des Lichts selbst zu erleben. Uns aber haben er und die nach ihm kommenden Generationen eine Kathedrale hinterlassen, in der es uns möglich ist, dieses wunderbare Lichtspiel zu geniessen. So fern die Sonne scheint...

    Bis bald
    eure Ramona
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  • St. Maria Ablass

    20 april 2019, Duitsland ⋅ ☀️ 21 °C

    Ich denke seit Tagen darüber nach, worüber es sich gut zu Ostern schreiben lässt. Etwas, dass nicht auf jeder Seite zu finden ist. Das ist manchmal nicht ganz einfach. Da kommt mir ein Zufall in der Mittagspause zur Hilfe, ein Gespräch mit einer Kollegin.
    Das Gespräch beginnt in etwa so: „Ich bin am Sonntag mit meinem Mann spazieren gegangen. Wir biegen so um eine Ecke, weißt Du, zwischen den neuen Bauten der 50’er, hinten am Börsenplatz und stehen auf einmal vor einer schnuckeligen, kleinen Kirche. Habe ich noch nie gesehen…“
    Schnell ist geklärt, dass wirklich nicht der Bau des Priesterseminares gemeint ist, den ja wohl keiner „schnuckelig“ und „klein“ nennen würde. Eine Idee habe ich zu dem Zeitpunkt aber auch nicht, also Fotoapparat eingesteckt und nachgeschaut.
    Das kleine Gebäude wird der ein oder andere kennen, wenn ich einen Namen sage: Sankt Maria Ablass. Die kleine Kapelle wirkt tatsächlich versteckt, so zwischen den ganzen höheren Gebäuden. Sie ist aber frei zugänglich. Eine Zeugin aus einer anderen Zeit.
    An dieser Stelle stand einst eine große, dreischiffige Basilika mit diesem Namen „Sankt Maria Ablass“. Sie wurde im 927 das erste Mal erwähnt und war die Kirche, die zum Damenstift Sankt Ursula gehörte. Die Nonnen haben in ihr gebetet. Als dann die Franzosen in Köln an der Regierung waren, wurde der Stift Sankt Ursula aufgelöst und die Basilika im Jahr 1808 niedergelegt. Man kann auch ganz unromantisch „abgerissen“ sagen, weil die Kirche Sankt Ursula Pfarrkirche wurde und Sankt Maria Ablass eben nicht.
    Stehen geblieben ist aber diese kleine Marien-Kapelle, die zur Basilika gehörte und seit 1527 belegt ist. Sie wurde gebaut, um das Marien-Fresko zu schützen, dass sich vorher an der Außenwand von Sankt Maria Ablass befand.
    Heutzutage ist sie eine die „Hll.-Konstatin und Helena Kirche“ der Gemeinde der russisch-orthodoxen Christen. Sie wird genutzt und steht offen. Fotos vom etwas dunklen, aber wunderschönen Innenraum habe ich aber nicht. Als ich die Kirche betreten habe, probten gerade drei Damen Gesänge. Ich fühlte mich freundlich empfangen, wollte aber nicht stören. Warum auch? Geht selbst mal spinksen.
    Und was hat das jetzt mit Ostern zu tun? Na, im Mittelalter gab es eine Prozession am Palmsonntag, der ja letzte Woche war. In Sankt Gereon fand die Palmweihe an diesem Sonntag statt. Daraufhin bewegte sich die Prozession zum Dom, wo das Hochamt stattfand. Zwischendurch hielt sie aber in Sankt Maria Ablass. Dort wurde gepredigt und die Gemeinde erhielt eben einen Ablass. Natürlich die, die an der Prozession teilgenommen haben. Ihnen wurden also ihre aktuellen Sünden vergeben. Das ging nicht nur über die Ablassbriefe, die alle so skandalös finden. Und diese Geschichte, finde ich, kann man auch eine Woche später gut erzählen.
    Wir wünschen Euch ein frohes Osterfest!

    Michael
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    Ich denke zick Dage drüvver noh, wodrüvver et sich god zo Pooschte schrieve lööt. Jet, dat nit op jeder Sigg ze finge es. Dat es mänchmol nit ganz einfach. Do kütt mer ene Zofall zo Hölp, ene Klaaf met ener Kollegin.
    Dä Klaaf fängk etwa esu aan: „Ich ben am Sonndag met mingem Kääl spazeere gegange. Mer beege su öm en Eck, weiß do, zwesche dä neu Baute us de 50’er, hingen am Börseplatz un stonn op eimol vür ener schnuckelige, klein Kirch. Han ich noch nie gesinn…“
    Flöck es geklärt, dat wirklich nit der Bau vum Priesterseminar gemeint es, dä jo wall keiner „schnuckelig“ un „klein“ nenne dät. En Idee han ich zo däm Ziggpunk ävver och nit, alsu Fottoapparat engestoche un nohgeluurt.
    Dä kleine Bau weed der ein ov andere kenne, wann ich ene Name sage: Zint Marie Avlass. Die klein Kapell wirk tatsächlich verstoche, esu zwesche all dä huhe Baute. Mer hät ävver freie Zogang. En Zeugin us en andere Zigg.
    An dä Stell stundt ens en große Basilika, die dreischeffig wor, met däm Name „Zint Maria Avlass“. Se woodt em Johr 927 et eeschte Mol erwähnt un wor die Kirch, die bei der Damesteff Zint Ooschel gehürte. De Nonne han en ehr gebedt. Wie dann die Franzuse en Kölle et Regalt hatte, woodt der Steff Zint Ooschel opgelüs un de Basilika em Johr 1808 niddergelaht. Mer kann och ganz unromantisch „avgeresse“ sage, weil die Kirch Zint Ooschel Farrkirch woodt un Zint Maria Avlass evvens nit.
    Stonn geblevve es ävver dat klein Marie-Kapellche, dat bei de Basilika gehürte un zick 1527 belaht es. Et woodt gebaut, öm et Marie-Fresko zo schötze, dat vürher an der Ussewand vun Zint Maria Avlass wor.
    Hüggzedags es et de „Hll.-Konstatin un Helena Kirch“ vun der Gemeinde vun de russisch—othodoxe Chreste. Se weed genötz un steiht offe. Fottos vum jet düstere, ävver wunderschöne Enneraum han ich ävver nit. Wie ich die Kirch betrodde han, wore grad drei Fraue et Singe am Probe. Ich föhlte mich fründlich emfange, wollt ävver nit stüre. Woröm och? Goht selvs ens spinkse.
    Un wat hät dat jetz met Pooschte ze dun? No, em Meddelalder gov et en Goddesdraach am Palmsonndag, dä jo letzte Woch wor. En Zint Gereon fung de Palmweih an däm Sonndag statt. Dodrop bewägte sich die Goddesdraach nohm Dom, wo et Huhamp stattfung. Zweschedurch heeldt se ävver en Zint Maria Avlass. Do woodt geprädig un de Lück us der Gemeinde erheeldte evvens ene Avlass. Natörlich die, die bei der Goddesdraach metgemaht han. Inne woodte alsu de Sünde vergovve, die se grad neu hatte. Dat ging nit nor üvver de Avlassbreefe, die all su aanröchig finge. Un dat Kreppche, finge ich, kann mer och en Woch späder god verzälle.
    Mer wünsche Üch e fruh Pooschfess!

    Mechel
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  • Hansa-Hochhaus

    13 april 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 4 °C

    Mama wird 75 – auf geht’s, zum Familien-Brunch ins Osman30. Tolle Idee von Ihr! Der Brunch ist für meinen Geschmack richtig gut. Aber ich persönlich bin tatsächlich auch mal nicht nur am Essen interessiert. Das Restaurant befindet sich immerhin in der 30. Etage des Köln-Turms im Media-Park. Der Überblick über ganz Köln, den man auf der großzügigen Terrasse in aller Ruhe genießen kann, wie eben die ausgedehnte Völlerei, ist sagenhaft!
    Ich stehe also auf der Terrasse und schaue über den Mediapark hinweg nach Nordwesten, als ich einen Sehnsuchtsort meiner Jugend wieder entdecke: das Hansahochhaus.
    Benannt ist es nach seiner Lage auf dem Grundstück des Hansahofs. Dieses Baugrundstück heißt schlichtweg so, weil es am Hansaring liegt, den man zur Erschaffung im Jahr 1882 so nannte, weil man der Bedeutung der Hanse für Köln Rechnung tragen wollte.
    Das Hansahochhaus verschwindet ja mittlerweile etwas im Häusermeer. Aber wusstet ihr, dass das Haus zwei Rekorde gehalten hat?
    Der Bau wird in den Jahren 1924 und 1925 in einer Bauzeit von 15 Monaten errichtet. Große Häuser haben in Köln ja gern mal ihre Baupausen, wie Ihr wisst. Die 135 Arbeitstage, die man für die Fertigstellung des doch recht großen Baus benötigt, finde ich nämlich noch beeindruckender.
    Möglich ist dies, weil der Architekt, Jacob Koerfer, eine neuen Technik aus Amerika übernimmt. Ihr kennt doch alle dieses Bild, wo die Bauleute freischwebend, in luftiger Höhe auf einem Stahlträger sitzen und frühstücken. Genauso ist es hier. Zuerst wird ein Stahlskelett hochgezogen. Neben der typisch kölschen Unterbrechung, muss man sagen, dass wir in Köln tatsächlich auch mal effektiv gebaut haben. Wir sind schneller, als die Amerikaner zu der Zeit vergleichbares bauen.
    Der Stahlbeton des Gebäudes wird von Backsteinklinkern verhüllt, was der fremden Bauweise ein typisch deutsches Aussehen gibt. Der Bau ist im expressionistischen Stil gehalten, der fast nur in Deutschland angewendet wird. Meistens sind es Backsteinbauten, die sehr plastisch wirken und damals mit dem Stil der „Neuen Sachlichkeit“ konkurrierten. Der Unterschieden liegt in den eher verspielten Spitz- und Rundbögen, die man im unteren Teil des Hauptgebäudes noch erkennt. Früher, vor dem Zweiten Weltkrieg war die Fassade zudem noch mit Tier- und Menschenköpfen geschmückt und fünf schmale Figuren repräsentierten die fünf Kontinente. Das stelle ich mir sehr interessant vor. Schade, dass sie nicht rekonstruiert wurde.
    In dem Gebäude läuft heute noch ein Paternoster, den aber, wenn ich richtig informiert bin, nur Gewerbekunden nutzen dürfen, die sich im Haus ab der achten Etage eingemietet haben. Die Zugänge zum Hotel Azimut vom Paternoster aus, dass sich in der ersten bis sechsten Etage befindet, sind durch Glastüren verschlossen. Ich bin noch nie Paternoster gefahren. Wie geht das denn jetzt, wenn man oben ist?
    Der zweit Rekord ist: wir hatten mit dem Hansahochhaus, dass 65 Meter hoch ist, für kurze Zeit das höchste Hochhaus in Europa hier in Köln.
    Warum das jetzt aber ein Sehnsuchtsort meiner Jugend ist? Na, weil im Jahr 1961 Anni und Fritz Waffenschmidt die Firma Saturn Elektro-Handelsgesellschaft GmbH & Co. KG gründeten. 1977 zogen sie in das Erdgeschoss des Gebäudes ein und sind bis heute dort nicht mehr ausgezogen. Und weil ich schon damals einiges an Taschengeld dahin getragen habe, wenn ich konnte, und weil gleich einige hier „Ich doch auch!“ kommentieren werden, ist die Firma Saturn heute so groß. So ist das nämlich.

    Michael

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    De Mamm weed 75 – op, nohm Famillie-Brunch em Osman30. Schön Idee vun ehr! Der Brunch es för minge Geschmack ech god. Ävver ich selvs ben tatsächlich ens nit nor am Esse intersseet. Dat Restaurant befingk sich immerhin en der 30. Etage vum Köln-Turm em Media-Park. Dä Üvverbleck üvver ganz Kölle, dä mer op der staatse Terrass en aller Rauh geneeße kann, wie evvens die usgedehnte Völlerei, es sagehaff!
    Ich stonn alsu op der Terrass un luure üvver der Media-Park fott noh Nordweste, wie ich ene Sehnsuchsoot vun minger Jugend widder entdecke: et Hansahuhhuus.
    Benannt es et noh singer Lag om Grundstöck vum Hansahoff. Dat Baugrundstöck heiß schlich esu, weil et am Hansaring litt, dä mer, wie hä gebaut woodt, esu genannt hät, weil mer et Geweech vun der Hanse för Kölle ungerstriche wollt.
    Et Hansahuhhuus kann mer jo em Hüüsermeer kaum noch usmaache. Ävver wosst ehr, dat dat Huus zwei Rekorde gehalde hät?
    Dä Bau weed en de Johre 1924 un 1925 en ener Bauzigg vun 15 Mond gebaut. Staatse Hüüser han en Kölle jo gään ens ehr Baupause, wie Ehr wesst. Die 135 Arbeidsdage, die mer für de Fäädigstellung vun däm doch ech große Bau bruch, finge ich nämlich noch beendrockender.
    Möglich es dat, weil dä Architek, der Jacob Koerfer, en neu Technik us Amerika üvvernimmp. Ehr kennt doch all dat Beld, wo de Baulück frei am Schwevve, huh en der Luff op enem Stahldräger setze un fröhstöcke. Genausu es et hee. Zoeesch weed e Stahlskelett huhgetrocke. Nevven dä typisch kölschen Ungerbrechung, muss mer sage, dat mer en Kölle tatsächlich och ens effektiv gebaut han. Mer sin flöcker, wie de Amerikaner zo dä Zigg jet baue, dat mer vergliche kann.
    Dä Stahlbeton vun däm Bau weed vun Backsteinklinkere verhüllt, wat dä fremde Bauwies e typisch deutsch Ussinn gitt. Dä Bau es em expressionistische Stil gehalde, dä fass nor en Deutschland aangewandt weed. Miestens sin et Backsteinbaute, die ärg plastisch wirke un domols mem Stil vun der „Neuen Sachlichkeit“ konkerreete. Der Ungerscheed litt en de ihter verspillte Spetz- un Rundböge, die mer em ungeren Deil vum Haupbau noch erkennt. Fröher, vürm Zweite Weltkreeg wor de Fassad zodäm noch met Dier- un Minscheköppe geschmück un fünf schmale Figure stellte die fünf Kontinente dar. Dat stelle ich mer ärg interessant vür. Schad, dat se nit widder hergestallt woodt.
    En däm Bau läuf hügg noch ene Paternoster, dä ävver, wann ich rääch Bescheid weiß, nor Gerwerbekunde notze dürfe, die sich em Huus av der aachte Etage engemeedt han. De Zogäng nohm Hotel Azimut vum Paternoster us, dat sich en der eeschte bes sechste Etage befingk, sin durch Glasdürre verschlosse. Ich ben noch nie mem Paternoster gefahre. Wie geiht dat dann jetz, wann mer bovve es?
    Der zweit Rekord es: mer hatte mem Hanshuhhuus, dat 65 Meter huh es, för koote Zigg et hühste Huhhuus en Europa hee en Kölle.
    Woröm dat jetz ävver ene Sehnsuchsoot vun minger Jugend es? No, weil em Johr 1961 et Anni un der Fritz Waffenschmidt de Firma Saturn Elektro-Handelsgesellschaft GmbH & Co. KG gegründt han. 1977 troke se en et Parterre vum Bau en un sin bes hügg nit mih usgetrocke. Un weil ich ald domols zemlich vill Täschegeld dohin gedrage han, wann ich kunnt, un weil glich en ganze Rötsch hee „Ich doch och!“ kommenteere weed, es de Firma Saturn hügg esu groß. Esu es dat.

    Mechel
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  • Die Rheingarten Skulptur

    11 april 2019, Duitsland ⋅ ☀️ 8 °C

    Wie Rheingarten Skulptur? Wo soll die denn sein?
    So, oder so ähnlich wird der eine oder andere im ersten Augenblick reagieren, dabei kennt sie jeder, nur vielen ist der Begriff nicht geläufig.

    Seit 1986 bereits gibt es diese Skulptur. Geschaffen hat sie der Künstler Eduardo Paolozzi, nicht wenige halten diese Skulptur sogar für das Hauptwerk von ihm schlechthin. Aber welche Skulptur ist denn jetzt gemeint?

    Nun, es handelt sich um die Steinquader unterhalb des Heinrich-Böll-Platzes, dieses schönen kleinen Wasserparks, in dem die Kleinen im Sommer so gerne planschen. Dieses “Gebilde” aus Sitzmöglichkeiten um sich abzukühlen, diese kleine Insel am Rande des Rheingarten, an dem die Zeit für jeden Besucher, der unten am Rhein spazieren geht, für einen kleinen kostbaren Moment stehenbleibt. Dieser Ort, wo man den Kleinen zuschaut, kurz die Hektik des Weges am Rhein entlang vergessen kann, die Fußgänger, Radfahrer, Rollbrett-Fahrer. Die Touristen, die mit einer Fahrkarte in der Hand hektisch Ausschau nach ihrem “Müllemer Böötchen” halten, um sich eine Tour auf dem Rhein zu gönnen.

    Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf die Altstadt mit ihrer Außengastronomie, der Hohenzollernbrücke, auch der Dom oberhalb der Treppen ist zu sehen, einfach schön. Eine eigene kleine Insel im hektischen Treiben am Rande der Altstadt.

    Aber kehren wir noch einmal kurz zurück zum Künstler, dem Erbauer dieser Oase, zu Eduardo Paolozzi. Dieser kam 1924 im schottischen Edinburgh zur Welt, seine Eltern, Italiener führten dort eine, nein, nicht Pizzeria, aber ja, eine Eisdiele. Später zog es ihn dann nach Paris, wo er sich einen Namen als “Pop-Art” Künstler machte. Er nahm mehrmals an der Biennale in Venedig, sowie an der Documenta in Kassel teil.

    Dann, wir schreiben das Jahr 1977, wurde er in Köln sesshaft und lehrte bis 1981 als Professor an der Kölner Fachhochschule. 1986 baute er dann die 20 Meter breite und 50 Meter lange “Rheingarten-Skulptur”.

    Dass er diese Steinlandschaft überhaupt bauen konnte, verdankte er der Umgestaltung des Altstadtufers, denn die Rheinuferstraße wurde unter die Erde verlegt, und so war Platz für den Rheingarten, endlich rückte die Altstadt im Bereich zwischen der Deutzer und der Hohenzollernbrücke näher an den Rhein und am nördlichen Ende des Bereiches entstand sein Werk.

    Ja, bis hierhin alles schön und gut, jetzt wird es etwas knifflig. Denn jetzt kommt die Erklärung, was dieser hübsche Platz uns sagen soll. Die Skulptur soll nämlich an das frühere Aussehen des hiesigen Geländes erinnern. Die Steinformen sollen an Autobatterien und Motorblöcke, stellvertretend für die hier durchfahrenden Autos erinnern, deshalb stammen die Steine auch von der ehemaligen Straßenbahnauffahrt zur Hohenzollernbrücke. Das Wasser umspült diese und stellt natürlich den Rhein dar.

    Die Älteren können sicherlich noch erzählen, wie es hier vor 1984 aussah. Gestank nach Autoabgasen und Lärm ohne Ende prägten hier das Stadtbild. Und heute haben wir eine wunderbare Grünanlage, die die Altstadt mit dem Rhein verbindet. Biergärten sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. Ok, im Sommer ist es natürlich auch nicht immer schön. Touristen überall. Aber allemal besser als vor dem Umbau. Und das ist in Köln ja nicht immer selbstverständlich.

    Und so genieße ich im Sommer dieses großflächige Wasserspiel. Mir ist einigermaßen egal, was es eigentlich darstellen soll. Schön finde ich es, wohl fühle ich mich hier und das reicht mir. Ja, ich bin wohl Kunstbanause, aber wenigstens einer, der die schönen Ecken in unserer Stadt kennt.

    Euch eine schöne Woche, bleibt neugierig,
    euer Ronald.
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  • Melaten

    9 april 2019, Duitsland ⋅ ⛅ 12 °C

    "Hoff to Malaten" - Die Geschichte eines Friedhofs

    ...es ist ein einsamer Weg, der vor ihnen liegt, an diesem kalten Tag im November. Der Weg schlammig vom Regen, Nebel versperrt die Sicht. Eine trübe Stimmung liegt über dem Moment...

    "was machst du für einen Lärm mit deinen Schellen?" ruft ein aufgebrachter Bürger. "Gebt acht, Herr, wollt Ihr Euch nicht anstecken, so haltet Euch fern, lasst Euch warnen".

    So könnte sich eine solche Situation im Köln des 12. Jahrhunderts zur Zeit, als die Lepra wütete, zugetragen haben.

    Der, welcher den Lärm machte, war der Schellenknecht. Er führte die Gruppe der Leprakranken an, die nur an Feiertagen das Leprosenheim verlassen durften, um in der Stadt zu betteln, und warnte so die Bürger vor der drohenden Ansteckung. Aber gehen wir zum Anfang...

    Woher kommt der Name "Melaten" überhaupt und was bedeutet er? Dieser Begriff "malade" stammt aus dem französischen und bedeutet soviel wie krank sein. Leprakranke Menschen waren Aussätzige, die, in Köln ab dem 12. Jahrhundert in einem Heim für eben diese Kranken, außerhalb der Stadt lebten. Hier befand sich der Hof Melaten. An den Schellenknecht erinnert noch heute ein Denkmal am Eingang zum Friedhof, an der Aachener Straße, mit der Inschrift:

    "Gedenke, dass du sein wirst, was wir sind. Den Kranken Kölns ein Denkmal"

    Urkundlich erwähnt wurde der "Hoff to Malaten" allerdings erst im Jahre 1243.
    Bis ins 18. Jahrhundert zog sich diese Krankheit. Erst, als sie weitestgehend zum Erliegen gekommen war, wurde auch das Heim für die Leprakranken geschlossen, um genau zu sein, geschah dieses im Jahre 1767.

    Als nun am 6. Oktober 1794 Köln durch die Franzosen besetzt wurde, wurde in der Stadt einiges anders gehandhabt. So auch die Art und Weise der Begräbnisse. Napoleon erließ am 12. Juni 1804 ein kaiserliches Dekret, welches Beerdigungen innerhalb von Städten oder Räumen, die geschlossen waren, verbot. Aus hygienischen Gründen. So kam es, dass dort, wo sich einst das Leprosenasyl befand, nun ein Friedhof entstehen sollte. Die Stadtverwaltung ließ die meisten Gebäude auf dem inzwischen von ihr gekauften Grundstück abreißen, nur die Kapelle, auf die ich später noch näher eingehe, blieb, und wurde Teil des Friedhofs, welchen kein Geringerer als Ferdinand Franz Wallraff gestaltete. Der Pariser Friedhof "Père Lachaise" diente hier als Vorbild.

    Als Besonderheit möchte ich hier erwähnen, dass Wallraff diese Umgebung nicht nur als Friedhof, sondern auch als einen Ort der Erholung und als öffentliche Grünanlage plante. Der damalige Dompfarrer Michael Joseph DuMont weihte den neuen Melatenfriedhof am 29. Juni 1810 ein. Nachdem alle anderen Friedhöfe innerhalb der Stadt geschlossen worden waren, wurde die erste arme Seele hier am 01. Juli 1810 beerdigt.

    Nun durfte auf Melaten aber nicht jeder zur letzten Ruhe gebettet werden. Bis zum Jahr 1829 durften dort ausschließlich Katholiken beigesetzt werden. Die "Anderen" (Protestanten und Juden) kamen auf den Geusenfriedhof und nach Deutz.

    Trotz, dass Melaten immer mehr erweitert wurde, reichte der Platz bald nicht mehr aus und man musste in den kommenden Jahrzehnten den Nord-, Süd-, West- und Ostfriedhof eröffnen (wären es Bahnhöfe, könnte es glatt an Monopoly erinnern).

    Im zweiten Weltkrieg hat auch dieser Friedhof, wie fast alles in Köln, gelitten. Vieles wurde zerstört, ausgerechnet auch die eindrucksvolle Grabstätte des Planers dieses Ortes, Ferdinand Franz Wallraff sowie auch Johann Heinrich Richartz. Heute steht dort nur noch ein einfacher Grabstein zur Erinnerung an beide.

    Ach ja, die Kapelle...diese Kapelle, St. Maria Magdalena und Lazarus, stammt noch aus der Zeit des Heims für Leprakranke und wurde 1245 von Konrad von Hochstaden geweiht, bevor dieser 3 Jahre später den Grundstein zum Bau unseres Kölner Domes legte. Sie sah damals noch etwas anders aus und das groteske war, das Hauptschiff war für die Leprakranken bestimmt und es gab ein Seitenschiff für die gesunden Gottesdienstbesucher.

    Heute ist der Melatenfriedhof der Zentralfriedhof Kölns. Er grenzt im Norden an den Stadtteil Lindenthal und im Süden an die Aachener Straße. Mit einer Fläche von 435.000 Quadratmetern und über 50.000 Gräbern ist Melaten nicht nur einer der größten Friedhöfe Kölns, sondern aufgrund der teils monumental gestalteten Grabstätten sicher auch der prachtvollste in ganz Deutschland.

    Ich kann euch einen Spaziergang auf diesem außergewöhnlichen und besonderen Friedhof nur empfehlen.

    Bis bald, eure Ramona
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