Karneval 1952
19 lutego 2020, Niemcy ⋅ ☁️ 6 °C
Liebe Kölschgänger-Freunde, heute präsentieren wir euch einen Gastbeitrag von Hans-Jürgen Fischer, dem Cousin von Johann Maria Farina. Er hat uns einen kleinen Rückblick in die Karnevalstage des Jahres 1952 gewährt, und einige spannende Eckdaten der Familie Farina in Erinnerung gerufen.
Wir bedanken uns bei Hans-Jürgen für den Beitrag und die schöne Fotocollage und wünschen euch viel Spaß beim lesen.
„Och wat wor dat fröher schön doch in Colonia“
1952 kurz nach dem Krieg: Was war geschehen?
Johann Maria Wolfgang Farina (1927 - 2005) war Fabrikant von Eau-de-Cologne und mit der Designerin und Parfümeurin Tina Farina verheiratet. Er war der Nachfahre des Gründers der ältesten Eau-de-Cologne-Fabrik „Johann Maria Farina 1709 gegenüber dem Jülichs-Platz“.
Im Jahr 1952 wurde er mit 24 Jahren der bis heute jüngste Prinz Karneval von Köln. Zu Ehren von Johann-Maria I. verwandelte man die durch den Krieg in Trümmern gelegte Stadt mit roten und weißen Zinnen zur Hofburg seiner Tollität.
Prinz Johann Maria I. warf unter anderem 120.000 Fläschchen Kölnisch Wasser unter die Zuschauer des Rosenmontagsumzuges. Auch ich ergatterte einen ganzen Karton davon.
Johann Maria I. machte sogar Schlagzeilen in der New-York-Times im April 1952: „Eau de Cologne verwandelte Trümmer in Duft.“
Übrigens war unser Ururgroßvater Johann-Baptiste-Farina (1758 – 1844) Mitbegründer des Festordenden-Komitees 1823, dem späteren Festkomitee Kölner Karneval und damit einer der Gründerväter des heutigen Kölner Karnevals.
Auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts war ein Farina der vierten Generation federführend an der Durchsetzung des modernen Markenschutzrechts beteiligt (1875).
Dies war ein kleiner Einblick mit einigen Daten, demnächst werden wir euch die Geschichte der Familie Farina erzählen und euch das Duftmuseum vorstellen. Ein spannendes Stück Geschichte, untrennbar mit unserer Stadt verbunden,
seid gespannt... Czytaj więcej
Königsweg
18 lutego 2020, Niemcy ⋅ ☁️ 10 °C
Der Platz, auf dem ich mich befinde, ist einer meiner persönlichen Lieblingsorte. Der Heinrich-Böll-Platz, mit dem Zugang zur Hohenzollernbrücke mit ihren unendlich vielen Liebesschlössern, den wunderbaren Ausblick auf den Rhein und das Panorama und auch die angrenzende Treppe direkt hinunter in die Stadt und zum Rheinufer.
Der Platz, der nach dem 1985 verstorbenen Ehrenbürger Kölns, und nicht zu vergessen auch Literaturnobelpreisträger, Heinrich Böll, benannt wurde, umfasst eine Fläche von ca. 5000 Quadratmetern. Für die Platzgestaltung zeichnet Dani Karavan verantwortlich, der die Umgebung zwischen dem Domchor, dem Museum Ludwig, dem Bahnhof und dem Rheingarten "Ma'alot" nennt, was auf hebräisch soviel die Stufe oder Terrasse bedeutet.
Was ich interessant finde: an dieser Stelle ging im mittelalterlichen Köln der Königsweg entlang. Mit dem Schiff kamen sie über den Rhein, schritten über Treppen hinauf zum Domhügel, wo sich damals noch die Kirche St. Maria ad Gradus befand (erinnert ihr euch? Eine Säule dieser Kirche befindet sich noch immer auf dem Domherrenfriedhof vor dem Domchor). Danach ging es dann weiter zum Dom.
Aber kommen wir wieder in die Gegenwart. Bei der Gestaltung des Areals hat sich der israelische Künstler Karavan etwas besonderes einfallen lassen, nämlich einen 10,80 m hohen Turm im Nordosten des Platzes. Auf einer Fläche von 2,70 m mal 2,70 m finden wir auf Vorder- und Rückseite Treppenstufen, das heißt, diese Skulptur ist begehbar. Wenn man den Turm auf der Seite mit der Hohenzollernbrücke im Rücken besteigt, bekommt man durch einen Schlitz einen mal etwas ungewöhnlicheren Blick auf den Dom. Absolut empfehlenswert!
Ihr seht, Köln hat so viele schöne Kleinode zu bieten, man muss sie nur sehen. Einzig ärgerlich an diesem Platz ist für mich und bestimmt viele andere auch der Umstand, dass man weite Teile nicht betreten darf, sobald der Konzertsaal der darunterliegenden Philharmonie genutzt wird. Aber wie heißt es so schön? Irgendwas ist ja immer...
In diesem Sinne bis bald
eure Ramona Czytaj więcej
Wassertreten im Königsforst
16 lutego 2020, Niemcy ⋅ ⛅ 9 °C
Auch heute möchte ich mit euch weiterhin den Königsforst durchstreifen. Konntet ihr letzten Sonntag erfahren, Rath - Heumar liegt am Königsforst und es gibt dort noch echte Hügelgräber, wenden wir uns heute dem Wasser zu. Davon gibt es so einiges im Forst. Immer wieder findet man Bachläufe oder kleine Seen/Teiche/Weiher, im größten zusammenhängenden Forst der rechtsrheinischen Mitteltrasse. Ihn zu erkunden habe ich mir vorgenommen.
Ein Wasserlauf bekam meine besondere Aufmerksamkeit. Hierbei handelt es sich um den Giesbach, der von Forsbach kommend bis zum Gestüt Röttgen fließt, wo er dann versickert.
Da hat er schon ein beachtliches Stück durch den Königsforst hinter sich gebracht.
Genaugenommen 7,3 Kilometer ab Quelle, die ja zum Stadtgebiet Rösrath gehört. Jetzt möchtet ihr bestimmt wissen, wieviel Kilometer des Baches denn überhaupt zu Köln "gehören". Darüber gibt der Wasserverband Auskunft und beziffert diese auf 4, 1 Kilometer.
Der Giesbach bietet somit Lebensraum für viele Wassertiere und Amphibien. Zahlreiche Libellen umflattern ihn. Doch auch sumpfige Pflanzen gedeihen in seinem Umfeld wieder prächtig. Eine Wanderung entlang des Giesbachs, vor allem im späten Frühjahr ist ein Erlebnis für Naturfreunde.
Am Rath- Forsbacher Weg wird er dann plötzlich gestaut. Damit er dort aus einem Staubecken heraus, weiterfließen kann, in ein Wassertretbecken. Diese beliebte Art des Wassertretens nach Sebastian Kneipp, kann mancher Königsforst Wanderer dort bestimmt gut gebrauchen. Kühlend und erfrischend ist das Wasser des Giesbachs. Und natürlich immer frisch, durch das Fließgewässer, wenn es auch dort kurzzeitig gestaut wird. Schaut euch die Fotostrecke an.
Anschließend am Rastplatz eine Brotzeit? Oder nur eine Trink - oder Verschnaufpause? Hier im 3 Städte Eck! Denn der Königsforst vereint Köln--Rösrath - Bergisch Gladbach.
Harmonisch fügt sich alles ineinander. Ein paar Meter weiter setzt der Giesbach seinen normalen Lauf fort. Bevor er auf dem Gelände des Gestüts/Schloss Röttgen in die dortigen Teiche sickert, teilt er sich übrigens noch einmal.
Seid ihr jetzt auch schon ganz gespannt, wie es dort sein wird? Noch ein wenig Geduld, denn zunächst sollte SABINE's Wirken wieder großflächig beseitigt werden. Aber dann...... Viel Spaß!
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth. Czytaj więcej
Dores met däm naaße Plagge - Haus Töller
15 lutego 2020, Niemcy ⋅ ⛅ 9 °C
Ich habe Lust auf Hämmchen. Wo kann ich da gut hingehen? Richtig: Haus Töller. Und das bringt mich zur Geschichte eines liebenswerten Originals: "Dores met däm naaße Plagge" – „Theodor mit dem nassen Lappen“, Theodor Töller.
Theodor Töller wird 1854 in Köln geboren. Er ist eine kleine gemütliche Erscheinung mit spiegelnder Glatze und einem Schnäuzer.
Bereits im Jahr 1871 gründet er eine Brauerei direkt neben der Brennerei seines Vaters und schenkt sein Bier aus. Rechnen - er ist zu diesem Zeitpunkt siebzehn Jahre alt. Ich denke, sein Vater wird ihm geholfen haben. Richtig ist aber, dass er früh seinen Lebensweg gefunden hat.
Ein herzlicher Mensch ist er. Seine Gäste empfängt er mit Handschlag, nimmt ihnen die Mäntel ab, hängt sie auf, um kurz darauf ein frisch gezapftes Kölsch mit einem freundlichen "Wohl bekomms" oder "Prosit" zu überreichen. Mit den Jahren entwickelt er zu vielen Stammgästen ein fast familiäre Freundschaft.
Er wäre keine Original, wenn seinen Zeitgenossen nicht Eigenarten aufgefallen wären, die sie als besonders empfunden hätten: bei aller freundlichen Gemütlichkeit, ist er höchst reinlich. Die Stühle haben in Reih und Glied zu stehen. Gegenstände auf dem Tisch, wie Glasfilze oder Streichholzständer haben ihre Position, die Tische sind stets sauber geputzt.
Wehe, ein Gast stößt gegen einen Stuhl - sofort biegt er um seine Theke und rückt diesen mit leicht vorwurfsvollem Blick unter deutlich hörbarem Rucken gerade. Wehe auch dem Gast, der ein Glas umkippt - sofort ist er mit einem nassen Lappen zugegegen und beseitigt die Lache, oft nicht ohne deutlichen Spruch "Gestern hat hier auch so ein Ferkel gesessen". Er ist so penibel reinlich, dass es ihm eben den Spitznamen "Dores met däm naaße Plagge" einbringt. Ständig gibt es in einer Wirtschaft etwas zu putzen.
Zigaretten, die zu dieser Zeit in Mode kommen, sind sein Todfeind. Ständig aschen diese unkontrolliert herum, versauen Tische und Böden, stinken und werden anfangs von jüngeren Leuten - er nennt sie Labertaschen - oder von Älteren mit eher unstetem Leben geraucht, wie er findet. Diese Kunden bevorzugt er nicht. Er führt ein ordentliches Haus. Zu kaufen gibt es sie bei ihm nicht. Wer sie raucht, fängt sich auch gern eine Bemerkung zu diesem "Stinkkram" ein.
Als diese aber immer mehr in Mode kommen, müssen ihn seine Stammgäste letztendlich mit Gewalt überzeugen, dass es so nicht mehr weitergeht: mittags, es ist wenig zu tun, kommen elf von ihnen in die ansonsten leere Stube. Sie bestellen elf Kölsch und elf "Halve Hahn". Natürlich muss Theodor in die Küche und sie zubereiten. Als er wieder zurückkommt, ist die ganze Stube mit Zigarettenreklame behangen und die elf sitzen da und trinken ihr Kölsch... Ein paar Tage schmollt er, dann ist das Ding geregelt.
Er ist über Jahrzehnte beliebt. Und sind wir mal ehrlich: bis auf seine manchmal unwirsche Art, ist er doch ein Muster-Wirt. Wer hat als Gast nicht gern Aufmerksamkeit und Sauberkeit? Heutzutage wird Leuten so etwas in langen Jahren der Lehre mühsam beigebracht. Was die Zigaretten betrifft, kann man sogar die Meinung vertreten, dass Theodor seiner Zeit ein Jahrhundert voraus ist.
Das Haus Töller ist voller Geschichten um ihn, als er nach vierzehn Jahren im Ruhestand, im Jahr 1926 in seiner Wohnung in Köln-Sülz stirbt.
Tja, und phantastischerweise steht dieses Haus Töller immer noch an Ort und Stelle in der Weyerstraße, in der Nähe des Barbarossaplatzes. Wenn Du diese Gaststätte betrittst, siehst Du doch diese aufgeräumte, saubere Ordnung, hörst das Knarzen der jahrzehntealten Dielen unter Deinen Füßen und wenn dann der Kellner mit dem Hämmchen kommt, verstehst Du, dass sich wenig geändert hat. Der Geist vom Theodor ist allgegenwärtig. Was heißt "der Geist"? Du hebst den Blick und auf einmal siehst Du ihn vor Dir. Sieh nur genau hin.
Michael
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Ich han Loss op Hämmche. Wo kann ich do got hingonn? Richtig: Haus Töller. Un dat brängk mich op dat Krätzche vun däm Orgenal: "Theodor mit dem nassen Lappen" – „Dores met däm naaße Plagge“, Dores Töller.
Der Dores Töller weed 1854 en Kölle gebore. Hä es ene kleine genögliche Kääl met ener blänkige Pläät un enem Schnurres.
Ald em Johr 1871 mäht hä en Bräues tirek nevven der Brennerei vun singem Papp, dem Pitter Töller, op un schenk si Kölsch us. Rechene - hä es do sibbzehn Johr ald. Ich nemmen aan, singe Papp weed im jet geholfe han. Klor es ävver, dat hä ziggig singe Levvenswäg gefunge hät.
Ene hätzliche Minsch es hä. Sing Gäss emfängk hä met Handschlag, nimmp inne de Mäntele av, deit se ophänge, nor öm koot drop e fresch gezapp Kölsch met nem fründliche "Wohl bekomms" ov "Pross" op der Desch ze stelle. Met de Johre entweckelt hä för vill Stammgäss en fass familliär Fründschaff.
Hä wör kei Orgenal, wann sing Zigggenosse nit Eigenaate opgefalle wöre, die se för besonders gehalde hätte: bei all dä fründliche Genöglichkeit, es hä hühs reinlich. De Stöhl han en Reih un Gleed ze stonn. Saache om Desch, wie Deckelcher ov Schwävelchsdöppcher han all ehr Stell, de Desche sin luuter nettches geputz.
Wih, ene Gass stüss gäge ene Stohl - tirek kütt hä hinger singer Thek hervür un röck dä Stohl met leich vürworfsvollem Bleck un esu, dat mer et hööt, widder grad. Wih och däm Gass, dä e Glas ömkipp - tirek es hä mem Plagge do un wisch die Pohl fott, off nit ohne e fies Wood "Gestere hät hee och esu e Firke gesesse". Hä es esu pingelig reinlich, dat et im evvens dä Spetzname "Dores met däm naaße Plagge" enbrängk. Luuter gitt et en ener Weetschaff jet ze fäge.
Zibibbcher (e ald Wood för „Zigarett“), die zo dä Zigg en Mode kumme, sin singe Dudfeind. Luuter äsche se unkontrolleet eröm, versaue Desch un Boddem, stinke un weede aanfangs vun jung Lück - hä nennt se Lällbecke - ov vun Äldere, die mih e lodderig Levve han, gerauch,wie hä fingk. Esu en Kunde trick hä nit grad vür. Hä föht en ööntlich Huus. Ze kaufe gitt et Zigarette bei im nit. Wä se rauch, fängk sich och gään e wölle Wood för dä "Stinkkrom" en.
Wie die ävver luuter mih en Mode kumme, müsse in de Stammgäss am Engk met Gewalt üvverzeuge, dat et esu nit mih wiggergeiht: meddags, et es winnig ze dun, kumme elf vun inne en die söns leddige Stuvv. Se bestelle elf Kölsch un elf "Halve Hahn". Natörlich muss der Dores en de Köch öm se ze maache. Wie hä widderkütt, es de ganze Stuvv met Zibibbchereklame behange und die Elf setze do un drinke ehr Kölsch... E paar Dag deit hä muule, dann es dat Ding geretz.
Hä es üvver Johrzehnte god geledde. Un sin mer ens ihrlich: bes op die mänchmol rüh Aat, es hä doch ene Muster-Weet. Wä weed als Gass nit gään beaach un hät et sauber? Hüggzedag weed Lück su jet in lange Lihrjohre beigebraht. Wat de Zibibbcher aanbelangk, kann mer esugar de Meinung vertredde, dat dä Dores singer Zigg e Jorhundert vörus wor...
Dat Huus Töller es voll vun Kreppcher öm in, wie hä, noh veerzehn Johre em Rauhstand, em Johr 1926 en singer Wonnung en Sölz stirv.
Tja, un phantastischerwies steiht et „Haus Töller“ immer noch an Oot un Stell en der Weyerstroß, en der Nöh vum Barbarossaplatz. Wann Do die Weetschaff betridds, sühs Do noch die ööntlich geputzte Oodenung, hürs et Kritsche vun dä johrzehnteaale Dille unger dinge Föß un wann der Köbes mem Hämmche kütt, versteihs Do, dat sich winnig geändert hät. Der Geis vum Dores es üvverall. Wat heiß der Geis? Do luurs op un op einmol sühs do in vür dir stonn. Luur nor genau hin.
Mechel Czytaj więcej
Gang von Südbrücke nach Maria im Kapitol
13 lutego 2020, Niemcy ⋅ 🌧 4 °C
Kölschgänger - Spaziergänge
Von der Südbrücke zu St. Maria im Kapitol
Heute wollen wir eine Tour vom Rhein aus quer durch einige Parks machen, bevor wir dann später in Richtung City abbiegen. Wir besuchen am Rhein die berühmte „Tatort-Wurstbude“, spazieren durch den Friedenspark und haben die Gelegenheit, uns die Südstadt ein wenig anzusehen.
Der Volksgarten spielt im Freizeitbereich eine große Rolle und nachdem wir ihn besucht haben und vielleicht sogar eine kleine Pause im sehr gelungenen Biergarten eingelegt haben (leider ist dieser momentan natürlich geschlossen, aber der nächste Sommer kommt bestimmt) verstehen wir auch, warum dieser Park so beliebt ist.
Danach wird es Zeit für die Kultur. Beginnen wir mit der Kirche St. Panthaleon, einer früheren Benediktinerabtei.
Von hier aus geht es ein Stückchen weiter in Richtung Innenstadt zur Kirche St. Maria im Kapitol. Wir schauen uns diese sehr schöne Basilika und das Dreikönigenpförtchen an.
Nach dem Besuch dieser beiden wunderbaren Kirchen wird es Zeit, sich noch einmal einem anderen Kölner Kulturgut zu widmen, dem Kölsch. Also spazieren wir ein kleines Stückchen in Richtung Rhein und Altstadt und besuchen die Malzmühle, ein altes traditionelles Brauhaus. Hier lassen wir unseren Spaziergang gemütlich ausklingen.
Unsere Tour beginnt heute an der Südbrücke, oder wegen der besseren Aussicht, auf der Südbrücke.
Seit 1910 rollen Züge über die 536 Meter lange und etwa 10 Meter breite Südbrücke. Im 2. Weltkrieg wurde sie zerstört und 1950 wieder aufgebaut. Leider nicht original, denn die beiden Westtürme waren etwa doppelt so hoch. Wenn wir uns umschauen, sehen wir auf der anderen Rheinseite die Poller Wiesen.
Durch die unmittelbare Nähe des Rheins war das Fischerdorf Poll früher natürlich vom Fischfang geprägt, besonders der Maifisch war hier im Frühjahr eine wichtige Einnahmequelle. Desweiteren waren die Wiesen für die Viehhaltung ebenfalls ein Segen. Heute wird dieses Areal eher für die Freizeitgestaltung genutzt. Von joggen, Hundeauslauf, grillen, Drachensteigen und vielen anderen Sachen ist für jeden etwas dabei.
Auf unserer Rheinseite schauen wir auf den Rheinauhafen mit seinen Kranhäusern und dem „Siebengebirge“. Direkt neben der Brücke sehen wir den Skaterpark und die „Tatort- Wurstbude“ (saisonabhängig). Sie ist jetzt unser Ziel und in wenigen Schritten erreicht.
Bereits seit 1997 wird in Köln ermittelt und seit vielen Folgen ist auch die Wurstbraterei dabei. Aber wie so häufig im Fernsehen ist nicht alles so, wie es scheint. Im Tatort steht die Bude immer auf der „Schäl Sick“, damit der Dom mit im Bild ist. Ansonsten finden wir sie am Ende des Rheinauhafens. Die alte Wurstbude hat übrigens schon mehr als sechzig Jahre auf dem Buckel. Eine Zeitlang stand sie am Malakoffturm, musste dort aber aus Denkmalschutzgründen weichen. Wenn ich mir dann die jetzige Bude am Malakoffturm ansehe, frage ich mich wirklich, was die Herren im Rathaus sich da eigentlich gedacht haben. Geöffnet hat die Wurstbude von Ostern bis Oktober.
Wir wollen aber nun in den Friedenspark, den wir von hier schon sehen können, denn das Fort I. mit dem Adler auf dem Dach ist gut sichtbar. Also überqueren wir die Straße und laufen direkt auf den Friedenspark zu.
Der Friedenspark hieß früher Hindenburgpark, hat eine Größe von knapp 5 Hektar und gehört für mich zu den interessantesten Parks in Köln. Was natürlich zu einem großen Teil am wunderschön integrierten Fort liegt. Neben einem Bauspielplatz für die Kinder gibt es hier einen kleinen Rosen-, einen Stauden-, sowie den Schattengarten. Leider wurde die Pflege in den letzten Jahren ein wenig vernachlässigt. Zu sehen ist außerdem eine Wandskulptur und eine kleine John Lennon „Gedenkstätte“.
Wir verlassen den Friedenspark und gehen die Titusstraße entlang. Rechts sehen wir den Römerpark, eine kleine Parkanlage von ca. 2 Hektar mit einem schönen Spielplatz als Mittelpunkt. Angelegt wurde er um 1895, denn zu dieser Zeit wurde das Werthchen auf der Rheinauinsel versandet und der Römerpark sollte als Ersatz dienen. Da ihm ein aufgeschütteter dreieckiger Baublock zugrunde liegt, ist der Park in Form eines Dreiecks angelegt. Nun laufen wir auf einen kleinen Kreisverkehr zu. Die Kölner haben diesen „Eierplätzchen“ getauft. Wir biegen auf die Rolandstraße ab und folgen ihr. Nach einer Weile geht sie in die Volksgartenstraße über und wir erreichen den selbigen.
Bereits seit 1890 existiert der etwa 15 Hektar große Volksgarten und ist damit einer der ältesten Parkanlagen Kölns, entstanden auf dem Gelände des ehemaligen Fort IV. Dieses Fort wurde in der Zeit von 1816-1825 erbaut. Am Rand des Volksgartens und direkt in Nachbarschaft zu den letzten Resten dieses Forts liegt ein kleiner, aber wunderschöner Rosengarten. Dazu gibt es im Park einen Weiher mit Tretbootverleih. Mitten in diesem Weiher schießt eine Wasserfontäne rund 15 Meter in die Höhe. Seit den 1980er Jahren wird der Park als Liegewiese und Grillplatz genutzt. Bei schönem Wetter besuchen täglich bis zu 10.000 Menschen den Volksgarten.
Mitten im Garten, wunderschön neben dem kleinen See gelegen, befindet sich der Heller‘s Biergarten mit rund 600 Sitzplätzen. Kein Straßenlärm stört, herrlich. Ausgeschenkt wird süffiges Heller‘s. Nebenan kann man Böötchen fahren. Am Südende des Parks fällt ein kleines rotes Holzhaus ins Auge. Hier handelt es sich um „Haus Gotland“, ein Geschenk des schwedischen Staates an die Stadt Köln nach dem Krieg, um hier einen Kindergarten einzurichten.
Wir verlassen nun den Volksgarten und gehen nach rechts in Richtung Eifelplatz und überqueren ihn. Folgen dann weiter der Eifelstraße, die nach einer Weile in die Waisenhausgasse übergeht. Dieser folgen wir, bis es links in die Straße am Panthaleonsberg geht. Wir biegen hier ab und erreichen St. Panthaleon.
St. Panthaleon war früher eine Benediktinerabtei, die 972 von Erzbischof Bruno zum Andenken an Panthaleon eingerichtet wurde. Der Legende nach war dieser der Leibarzt des römischen Kaisers Maximilian. Panthaleon war Christ und wurde dabei belauscht, wie er versuchte, seine Frau zum Christentum zu bekehren. Er wurde verraten und als Märtyrer hingerichtet. In der Krypta befindet sich sein Grab.
St. Panthaleon galt als sehr wohlhabend und hatte zahlreiche Güter im ganzen Rheinland. Dadurch war sie eine der reichsten Kirchen in Köln. Der wichtigste Produktionszweig war der Weinanbau. Da er sehr sauer war, bekam er schon mal Namen wie „Kirchweg Schattenseite“.
Wir gehen nun wieder ein Stück zurück bis zur Waisenhausgasse, der wir jetzt weiter folgen. Im Jahre 1800 wurde in dieser Straße ein Waisenhaus errichtet, deshalb der Name. Nach dem Überqueren der B 55 folgen wir der Straße Blaubach, biegen später links in die Straße Hohe Pforte ein und kurz danach rechts zum Marienplatz. Links sehen wir bereits die Kirche St. Maria im Kapitol, unser nächstes Ziel.
Etwa um 1065 wurde diese dreischiffige Basilika erbaut. Auffällig ist das dominante Mittelschiff, welches von eher schmalen Seitenschiffen unterstützt wird. Am auffälligsten aber ist zweifellos das kleeblattförmige Chorhaupt. Man kann sicher behaupten, dass die Bauherren von St. Aposteln und auch von Groß St. Martin hier inspiriert wurden. Aber lasst uns noch in den Hinterhof der Kirche gehen, denn hier sehen wir dann das Dreikönigenpförtchen und die Skulptur "Die Trauernde".
Durch das Dreikönigenpförtchen sind der Legende nach die Gebeine der Heiligen Drei Könige gebracht worden. Am Torbogen sehen wir eine Darstellung der Heiligen aus dem Morgenland. Gehen wir nun durch das Tor und betreten den Lichhof, was soviel wie Leichhof, also Friedhof bedeutet. Hier im Lichhof steht eine Statue. Sie stellt „die Trauernde“ dar und erinnert an die Toten des zweiten Weltkrieges.
Spazieren wir nun wenige Meter den Lichhof entlang, biegen links in die Straße im Malzbüchel ein und erreichen unser letztes Ziel für heute, das Brauhaus zur Malzmühle.
Es gibt in Köln ja leider nur noch zwei traditionelle Hausbrauereien, das Päffgen in der Friesenstraße und eben die Malzmühle. Früher stand an der Kreuzung Malzbüchel und Mühlenbach eine Malzmühle. Daher der Name des Brauhauses. Wie dieser es ja bereits erahnen lässt, schmeckt das hauseigene Mühlen- Kölsch etwas malziger und kommt farblich ein wenig dunkler daher. Aber es ist ein Genuss, keine Frage. Mittlerweile gibt es dieses schöne Brauhaus bereits über 150 Jahre und es ist eine der letzten Brauereien, die wirklich noch an ihrem Ursprungsort produziert. Im Brauhaus selbst wird Tradition großgeschrieben. So ist der „Beichtstuhl“, oder auch „Thekenschaf“ genannt, immer noch in Betrieb, was leider selbst in einer Stadt wie Köln sehr selten geworden ist. Die Köbesse sind freundlich und haben immer einen Spruch auf den Lippen. Auf die Frage: „Was habt ihr denn für Knödel ?“ bekommt man schon mal die Antwort „runde“. So sind sie, die kölschen Köbesse. Hier wollen wir unsere Tour für heute auch beenden. Wir bleiben lieber noch ein wenig sitzen und genießen das eine oder andere süffige Mühlen-Kölsch.
Lauft die Strecke gerne nach, noch mehr Strecken und vieles mehr findet ihr auf unserer Homepage
www.koelschgaenger.net
Viel Spaß wünscht euch Ronald Czytaj więcej
Die Straße, die keine ist
11 lutego 2020, Niemcy ⋅ 🌬 6 °C
Nein, ich rede nicht von dem kölschen Versuch, etwas rechtzeitig fertig zu bauen, was dann aber aufgrund der allzu langen Bauzeit zum scheitern verurteilt war. Dieser - ich nenne es mal "liebenswerte Wesenszug" dieser Stadt - bietet doch immer mal wieder den Anreiz, einen Scherz daraus zu machen. Aber diesen beiseite...
Die Rede ist von der alten römischen Hafenstraße. Oder eben dem, was man bei Ausgrabungsarbeiten 1969/1970 davon freigelegt hat. Etwa 65 Meter lang und ca. 5,5 Meter breit, ist dieses Teilstück der alten Hafenstraße eines der ältesten Teile Kölns. Diese Straße wirkt erst mal nicht besonders auffällig, jedoch entsprach sie den damals höchsten technischen Möglichkeiten. Durch eines der an der Rheinseite gelegenen Stadttore führte sie in den römischen Hafen, ebenso verlief unter ihr ein Abwasserkanal, an welchen die dort angesiedelten Häuser mit Leitungen aus Holz angeschlossen waren. Sogar einen Gully für das Abwasser war angelegt, sowie ein Brunnen mit dem Relief einer Flussgottmaske. Einen kleinen Teil dieses Abwasserkanals hat man neben dem Brunnen an der Straße wieder aufgebaut.
Irgendwie hat man das Gefühl, dass die alten Römer bautechnisch zu mehr in der Lage waren als die Bautechniker der heutigen Zeit. Erstens ging es wahrscheinlich schneller, sogar in Köln (da war es wieder), und zweitens gab es keinerlei computerbasierte Berechnungen oder Werkzeuge, die mit den heutigen vergleichbar gewesen wären. Von schwerem Gerät ganz abzusehen.
Sehr beachtlich, wenn man bedenkt, dass man hier immerhin von einer Zeit von vor über 2000 Jahren ausgehen muss.
Was jetzt aber interessant zu wissen ist: da, wo wir heute über dieses Stück römische/kölsche Geschichte gehen können, lag es gar nicht. Dieses Stück Straße wurde etwa 5 - 6 Meter weiter südlich verlegt, weil sie den Arbeiten zum Bau der Tiefgarage unter dem Dom im Weg war. Ich weiß nun nicht, wie ich folgendes nennen soll, ob peinlich, kurios oder schlicht und einfach nur lustig. Die Archäologen nummerierten damals die ausgegrabenen Steine, um später zu wissen, wo denn nun welcher Stein wieder hingehört, um dieselbe...oder eben das Stück dieser Straße zu ergeben, wie sie im Ursprung vorgefunden worden war. Nur taten sie dieses (zum Schutz des Materials) unseligerweise mit Kreide. Und was passiert mit Kreidezeichnungen auf der Straße, wenn es regnet? Sie...verschwinden.
Schon ein bisschen seltsam, dass man nicht einkalkulierte, dass es auch in Köln mal regnen könnte. So. Jetzt lagen da ein Haufen Steine und irgendwie versuchte man nun, da wieder was draus zu bauen. Was daraus entstanden ist, sieht zwar einigermaßen ähnlich aus, entspricht aber nicht mehr der römischen Straßenbaukunst, da weder die Anordnung der Steine stimmt und dementsprechend natürlich auch nicht die Verfugung.
Trotz allem hat dieses Stück Geschichte ihren Flair. Wenngleich ich persönlich die Stelle ihres Verbleibs als unangemessen empfinde. Ich könnte mir den Teil der römischen Hafenstraße gut als Verlängerung des Eingangs zum Römisch-Germanischen Museums vorstellen.
Was meint ihr?
Eure Ramona Czytaj więcej
Colonius - Nichts dreht sich
10 lutego 2020, Niemcy ⋅ 🌧 7 °C
Colonius – Nichts dreht sich
An der Inneren Kanalstraße steht er, stolz und weit sichtbar. Am 03.06.1981 eingeweiht, gehört er seitdem zur Kölner Skyline und ist für viele Menschen unterwegs ein guter Orientierungspunkt mit seiner stolzen Höhe von rund 243 Metern.
Was waren das für Zeiten, als man noch oben im Panorama-Restaurant in 175 Metern Höhe sitzen konnte und den unglaublichen Ausblick über die Stadt und bei schönem Wetter auch auf das Kölner Umland genießen durfte. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich das erste Mal da oben war, es war gigantisch. Während wir in der Cafeteria bei Kaffee und Kuchen saßen, drehte sich das Restaurant innerhalb einer Stunde einmal komplett um die eigene Achse. Es war zu keiner Zeit langweilig da oben.
Wie gerne würde ich das noch einmal erleben. Auch heute noch erwische ich mich ab und an dabei, wie ich hinauf schaue und mich in Gedanken da oben sitzen sehe. Schade, in anderen Städten bekommt man das hin, wir schaffen das leider nicht. Also schwelge ich weiter in Erinnerungen an diese schönen Momente längst vergangener Tage. Colonius, ich mag dich.
Euer Ronald Czytaj więcej
Rath -Heumar liegt am Königsforst
9 lutego 2020, Niemcy ⋅ 🌬 9 °C
Als Naherholungsgebiet ist der Königsforst schon seit Jahrzehnten beliebt. So liefen dort schon unsere Urgroßeltern auf der Suche nach Entspannung, zum Sonntagsvergnügen durch den Wald. Er erstreckt sich sozusagen über 3 Stadtgebiete, nämlich dem von Köln, Rösrath und Bergisch Gladbach. Heute möchte ich euch einen kleinen Teil des Königsforstes in Rath Heumar vorstellen. Rath Heumar ist eines der rechtsrheinischen Kölner Stadtteile, welches im Verkehrsfunk vorwiegend durch das "Heumarer Dreieck" bekannt sein dürfte.
Wenn man mit der Linie 9 zur Endhalte Königsforst fährt, sieht man ein Schild der KVB. Auf diesem steht..."nur 23 Minuten vom Neumarkt bis in den Königsforst". Mit dem Auto von Höhenberg kommend, dürfte ich nicht viel weniger gebraucht haben.
Zunächst fällt einem das alte Lokal "Schwalbennest" auf, wo schon Oma Elisabeth dereinst ihren sonntags Piccolo genossen haben soll. Der gemütliche Biergarten lädt zum Verweilen ein.
Doch verweilen wollte ich gerade nicht. Dies wäre auch nicht im Sinne meines Söhnchens gewesen, der unbedingt und möglichst schnell weiter wollte. Weiter zur grünen Lunge Kölns, wie man den Königsforst auch nennt.
Kurz blickte ich rüber zur "Schmitzebud", dem legendären Radrennfahrer Imbiss. Doch dies ist eine andere Geschichte, welche ich gerne beizeiten mal beleuchte.
Weiter ging es also in den Königsforst, der fußläufig in 5 Minuten zu erreichen ist. Gleich hinter der größtenteils unter Denkmalschutz stehenden Göttersiedlung, beim Alten Forsthaus, erwartet einen ein ausgedehntes Waldgebiet, welches schon von Menschen aus der Hallstatt Zeit besiedelt wurde. Man stelle sich das einmal vor, im 6. Jahrhundert vor Christus. Davon zeugen jedenfalls die Hügelgräber, die hier vor mehr als einem halben Jahrhundert bereits untersucht wurden.
Das Gebiet trägt den Namen "Rabenbruch". Bisserl unheimlich! Oder? 50 Grabhügel, heute nur noch knapp 1 m hoch, sind erhalten. Berg und Tal Lauf für den Kleinen. Würde man nicht wissen was hier zu finden ist, man würde es nicht erkennen. Zum Glück hat man aber Schilder aufgestellt.
Die Grabbeigaben dieser Hügelgräber umfassten vorwiegend Tongefäße. Diese befinden sich mittlerweile linksrheinisch im Römisch Germanischen Museum.
Das Gebiet, auf dem ich mich befunden habe, ist also eine ehemalige Grabstätte. Überhaupt findet man im Königsforst noch mehrere davon, auch auf Rösrather und Bergisch Gladbacher Gebiet. Ein wenig innehalten und die Geschichte auf mich wirken lassen konnte ich auch. Denn gerade rund um die Grabhügel gibt es einige neue Holzbänke. Schautafeln erklären viel zur Flora und Fauna, die auch von besonderer Art ist. Seltene Pflanzen und Vogelarten findet man im Naturschutzgebiet Königsforst. Doch das würde jetzt zu langatmig werden.
Auf der Rückfahrt schaute ich noch einmal zur Schmitzebud herüber. Dort gibt es übrigens auch ein Hügelgrab.
Irgendwie wurde mir dabei bewusst, den Königsforst muss ich insgesamt für euch mal etwas genauer beleuchten. Da gibt es noch viel zu entdecken, z.B. den einzigartigen Kölner Berg - anerkannt durch den Alpenverein, nicht zu verwechseln mit dem Kölnberg. Auch das Wassertretbecken, Holzskulpturen, alte Mühlenteiche, ein Hundedoppelgrab und ihr Besitzer, alte Bahntrassen, Bunker, Bombentrichter, Bergwerke, u.v.m. sind nur ein paar der Sehenswürdigkeiten in diesem Forst.
Ich gerate bei dem Gedanken schon fast ins Schwärmen. Doch zunächst ist es mal genug für heute. Es würde mich freuen, wenn euch diese kurze Beleuchtung gefallen hat und ihr sie weiterteilt.
Habt eine angenehme Woche und bis nächsten Sonntag,
eure Elisabeth Czytaj więcej
Johannes Duns Scotus
8 lutego 2020, Niemcy ⋅ ☁️ 7 °C
Mein Altargeschenk – da ist es wieder, das Wörtchen -und ich, wenn wir sonntags einen Spaziergang machen, sehen wir nicht selten Sachen, bei denen bei mir der Groschen pfennigweise fällt.
Hier, das Kerlchen auf dem Foto, habe ich vor Jahren schonmal gesehen, als ich die Wilhelm-Backhaus-Straße entlanggegangen bin. Dort steht die Figur im Vorgarten der theologischen Institute. Das fand ich zuerst drollig und dachte „musst du dich mal drum kümmern, wer das ist“.
Monate später war ich in der Minoritenkirche und da hörte ich mit halben Ohr von einem Schotten, der hier gelehrt hat und hier liegt. Jetzt war ich mit dem Kopf nicht bei der Sache und dachte mir „musst du dich mal drum kümmern, wer das ist“.
Ja und dann komme ich zwei Jahre später bei einem Gang mit dem Altargeschenk schon wieder bei der Figur vorbei, mache wieder ein Foto und gucke zufällig auf das Schild im Hintergrund „Johannes Duns Scotus“. Ist klar, dass ich da denke „Das ist doch der von da, was macht der hier? Warum ist er hier und auch da? Und hast du ihn nicht noch ganz woanders gesehen? Wo war das?“ – Das war ganz oben auf dem Rathausturm, da wo die Hände nicht zittern dürfen, wenn du ein Bild machen willst. Und am Südportal vom Dom ist er als Relief zu finden, habe ich gerade gelesen.
Johannes Duns Scotus, warum ist er so oft in der Stadt zu finden? Kennt Ihr den? Ich hatte noch nie von ihm gehört.
Er ist ein Theologe, der in Duns in Schottland geboren wurde. Man vermutet, dass er im Jahr 1266 an das Licht der Welt kam. Da kommt man hin, weil er im Jahr 1291 die Priesterweihe empfängt und die bekommt man zu der Zeit nicht bevor man 25 Jahre alt ist. Man glaubt, dass er schon im Jahr 1280 dem Franziskaner-Orden beitritt. Die Franziskaner haben zu dieser Zeit in Oxford in England eine Schule, in der sie ihm Philosophie und Theologie beibringen. Er ist pfiffig, Priester wird er sicherlich im Mindestalter.
Aber die Priesterweihe ist nicht das Ende der Ausbildung. Diese zieht sich noch bis 1301. Man weiß nicht genau, ob Johannes Duns Scotus am Ende schon in Paris war, aber ganz sicher ist er das ab 1302. Er lehrt ab dann bis 1307 dort. In dieser Zeit wird er berühmt. Sein Ruhm ist sogar mit dem von Albertus Magnus und von Thomas von Aquin zu vergleichen. Wenn er lehrt, erklärt er, wie die großen Philosophen der Antike, zum Beispiel Aristoteles und Augustinus mit dem katholischen Glauben zusammenpassen. Ich meine, das musst du erstmal hinbekommen, die unbefleckte Empfängnis mit der Logik von Aristoteles zu vereinbaren. Weil er das so feinsinnig macht, nennen sie ihn „Doctor subtilis“ und, weil er es so mit der Jungfrau hat und das mit der Empfängnis erklären kann, auch „Doctor Marianus“.
Unterbrochen wird die Zeit nur von einem Jahr im Exil. Grund war, dass Papst Bonifatius VIII. und König Philipp IV. von Frankreich sich streiten und der König von den Gelehrten will, dass sie zu ihm halten. Johann möchte das aber nicht und so muss er flüchten. Wo genau er war, weiß man nicht, aber es könnte sein, dass er da das erste Mal in Köln war. Ich glaube auch, dass er hier war und nicht woanders, weil:
Im Jahr 1307 wollen die Franziskaner, dass er hier in Köln das Generalstudium leitet und schicken ihn hierhin. Hier wirkt er aber nur etwas mehr als ein Jahr. Am 8. November 1308, er ist gerade 42, stirbt er – und man weiß nicht weshalb… Sicher, das gibt in der Folgezeit Spekulationen. Man sagt sogar, dass er nur krank war und lebendig ins Grab gelegt wurde – unheimlich, was?
Weil er nur so kurz gelebt hat, es sein wissenschaftliches Werk eine Sammlung von Manuskripten und Mitschriften. E geordnetes Gesamtwerk gibt es so nicht. Und weil recht wenig von ihm bekannt ist, man zwar die Schriften hat, aber sonst vom Menschen Johannes Duns Scotus so viel um Dunklen liegt, schaffen es gute Christen im Jahr 1706, 1710 und 1905 nicht, ihn selig sprechen zu lassen. Bewegung kommt in die Sache erst als wir am 15. November 1980 Besuch von Papst Johannes Paul II. hier in Köln haben. An diesem Tag geht er an den Sarkophag, der in der Minoritenkirche steht und kommt wohl ans Nachdenken. Am 20. März 1993 feiert der Papst für den Seligen Johannes Duns Scotus die Vesper im Petersdom.
Johannes Duns Scotus war ja, als er noch gelebt hat, nur kurz in Köln. Aber irgendwie sind wir stolz drauf. Auf dem Grab steht „Schottland hat mich geboren, England hat mich aufgenommen, Frankreich hat mich gelehrt und Köln behält mich“. – Auf Latein naürlich.
Michael
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Ming Altargeschenk un ich, wann mir sonndags e Gängelche maache, sinn mir nit selde Saache, bei denne bei mir der Grosche penningwies fällt.
Hee dat Käälche om Fotto, han ich vür Johre ens gesinn, wie ich de Wilhelm-Backhaus-Stroß elans gegange ben. Do steiht do die Figur em Vürgaade vun de theologische Institute. Dat fung ich zoeesch luus un daach „muss do dich ens dröm kömmere, wä dat es“.
Monate späder wor ich en der Minorittekirch un do hürte ich met halvem Uhr jet vun enem Schotte, dä hee geleht hät un do litt. Jetz wor ich mem Kopp nit bei der Saach un daach mir „muss do dich ens dröm kömmere, wä dat es“.
Jo un dann kumme ich zwei Johr späder bei enem Gängelche mem Altargeschenk ald widder bei dä Figur vörbei, maache widder e Fotto un luure zofällig op dat Scheld em Hingrund „Johannes Duns Scotus“. Es klor, dat ich do denke „Dat es doch dä vun do, wat mäht dä hee? Woröm es hä hee un och do? Un häs do dä nit noch ganz woanders gesinn? Wo wor dat?“ – Dat wor ganz bovve om Rodhuusturm, do wo de Häng nit ziddere dürfe, wann do e Bild maache wells. Un an der Pooz em Süde am Dom es hä als Relief ze finge, han ich grad gelese.
Der Johannes Duns Scotus, woröm es dä esu off en der Stadt ze finge? Kennt Ehr dä? Ich hatt noch nie vun im gehürt.
Hä es ene Theologe, dä en Duns en Schottland gebore woodt. Mer vermod, dat hä öm 1266 gebore es. Do kütt mer hin, weil hä em Johr 1291 de Priesterweih emfängk un die kritt mer zo dä Zigg nit bevür mer 25 Johr ald es. Mer gläuv, dat hä ald em Johr 1280 dem Franziskaner-Orde beitridd. De Franziskaner han zo dä Zigg en Oxford en England en Schull, en dä sei im Philosophie un Theologie beibränge. Hä es op Zack, Priester weed hä ganz secher mem Mindesalder.
Ävver die Priesterweih es nit et Engk vun der Usbildung. Die trick sich noch bes 1301. Mer weiß nit genau, ov der Johannes Duns Scotus am Engk ald en Pariss wor, ävver ganz secher wor hä dat av 1302. Hä leht av dann bes 1307 do. En dä Zigg weed hä bekannt. Singe Ruhm es esugar, dä met däm vum Albertus Magnus un vum Thomas vun Aquin ze vergliche es. Wann hä leht, verklört hä, wie die große Philosophe vun der Antike, för e Beispill der Aristoteles un der Augustinus, met der katholische Üvverzeugung zesammepasse. Ich meine, dat muss do eesch ens hinkrige, de unbefleckte Emfängnis met der Logik vum Aristoteles ze vereinbare. Weil hä dat esu feinsennig mäht, nenne se in „Doctor subtilis“ un, weil hä et esu met der Juffer hät un dat met der Emfängnis verklöre kann, och „Doctor Marianus“.
Ungerbroche weed die Zigg nor vun enem Johr em Exil. Grund wor, dat der Paps Bonifatius VIII un der Künning vun Frankreich Philipp IV. sich am Strigge sin un der Künning vun de Gelehte well, dat se zo im halde. Der Schäng mööch dat ävver nit un esu muss hä flüchte. Wo genau hä wor, weiß mer nit, ävver et künnt sin, dat hä do et eeschte Mol en Kölle wor. Ich gläuve och, dat hä hee wor nit woanders, weil:
Em Johr 1307 wolle de Franziskaner, dat hä hee en Kölle dem Generalstudium vürsteiht un schecke in heehin. Hee wirk hä ävver nor jet mih wie ein Johr. Am 8. November 1308, hä es grad ens 42, stirv hä - un mer weiß nit woröm… Secher, do kom mer en der Folgezigg an et Spekuliere. Mer saht esugar, dat hä nor krank wor un lebendig en et Grav gelaht woodt – gruselig, wat?
Weil hä nor esu koot geläv hät, es si wesseschaftlich Werk en Sammlung vun Manuskripte un Metschrefte. E geoodent Gesampwerk gitt et su nit. Un weil rääch winnig vun im bekannt es, mer zwor de Schrefte hät, ävver söns vun däm Minsch Johannes Duns Scotus su vill em Düstere litt, schaffe et gode Chreste em Johr 1706, 1710 un 1905 nit, in sillig spreche ze looße. Bewägung kütt en die Saach eesch wie mer am 15. November 1980 Besök vum Paps Johannes Paul II. hee en Kölle han. An däm Dag geiht hä an der Sarkophag, dä en der Minorittekirch steiht un kütt wall en et Simeliere. Am 20. Määz 1993 fiert der Paps för der Sillige Johannes Duns Scotus de Vesper em Petersdom.
Der Johannes Duns Scotus wor jo, wie hä noch geläv hät, nor koot en Kölle. Ävver irgendwie sin mer stolz drop. Op der Dudelad steiht: „Schottland hät mich gebore, England hät mich opgenomme, Frankreich hät mich geleht un Kölle behäld mich“. – Op Lating natörlich.
Mechel Czytaj więcej
Petrus von Mailand
6 lutego 2020, Niemcy ⋅ ⛅ 4 °C
Ich denke, jeder in Köln kennt das Brauhaus Früh am Dom und hat es schon einmal betreten. Aber längst nicht jedem ist Petrus von Mailand aufgefallen, obwohl das Relief direkt über dem Eingang hängt. Verständlich, auch ich habe anderes im Sinn, wenn ich ein Brauhaus betrete.
Eigentlich denkt man bei einem Brauhausbesuch ja an positive Sachen, aber ich erzähle euch jetzt eine Geschichte von Ketzern und Mönchen, trotzdem steht die Geschichte in direktem Zusammenhang mit eurem leckeren Kölsch.
Dieses Relief über dem Eingang zum Früh zeigt einen Mönch bis zur Brust. In dieser steckt ein Messer und zu allem Überfluss steckt auch noch ein Schwert im Schädel. Nein, es ist nicht der Schutzheilige gegen Kopfschmerzen, das ist, wie wir ja wissen, der gute Gereon, das aber nur nebenbei. Zurück zum Relief. Der Mönch schaut ziemlich griesgrämig drein, wer will es ihm verdenken, der Tag scheint ja auch mies zu laufen. Es handelt sich hier um Petrus Martyr, oder besser Petrus von Mailand. Dieser lebte im 13. Jahrhundert und entstammte einer Kartharerfamilie, diese Leute waren...sagen wir mal...etwas extrem. In diesem Milieu war die Ketzerbewegung weit verbreitet. Nun merkte Petrus aber, dass er eigentlich ganz anders drauf war und schloss sich den Dominikanern an. Ausgerechnet, denn diese waren wiederum bekannt als der Orden, aus dem die meisten päpstlichen Ketzerverfolger kamen. Ihr Ordensname "domini cani" wurde damals gerne als "die Hunde des Herrn" übersetzt. Also alles nette Gesellen in dieser Geschichte.
Unser Petrus machte in diesem Orden jedenfalls ganz gut Karriere und war schon bald als Inquisitor zuständig für ganz Oberitalien und verfolgte mit ganzer Kraft und Härte seine ehemaligen Glaubensgenossen. Aber natürlich hat so jemand nicht nur Freunde, und so kam, was kommen musste. Eines Tages im Jahre 1252, auf einer Landstraße bei Mailand, wurde er überfallen und übel zugerichtet, wie uns das Relief ja deutlich zeigt. Dieser feige Mord rief nun Papst Innozenz IV. auf den Plan. Da es unruhige Zeiten für die Kirche waren, konnte der Papst noch ein paar Heilige gebrauchen. Nachdem er also vom Mord an unserem Petrus hörte, wusste er diesen für sich zu nutzen. Er sprach Petrus von Mailand heilig, hatte nun einen neuen Märtyrer und sorgte dafür, dass sein Bild, so wie am Früh zu sehen, schnell verbreitet wurde.
Verlassen wir nun Italien und kommen zu uns nach Köln.
Nun wird vermutet, das die Dominikaner ihre Finger im Spiel hatten und gerne im kölschen Klüngel mitmischen wollten. So "überredeten" sie die Brauerzunft, zu dieser Zeit eine der mächtigsten Zünfte, diesen Petrus von Mailand zu ihrem Schutzheiligen zu machen. Denn die rheinischen Schutzheiligen waren in Köln sehr hoch im Kurs und erfreuten sich größter Beliebtheit. Da wollten die Dominikaner auch gerne mitmischen. Aber gegen Severin, Gereon und Ursula hatten sie keine Chance, und so ist Petrus von Mailand auch heute eher unbekannt in unserer Stadt.
Im Jahre 1797 wurden unter französischer Besatzung die Kölner Zünfte aufgelöst. Die St. Peter von Mailand-Bruderschaft überstand dies, umbenannt in „Cölner Brauer-Cooperation“, unbeschadet als einziger Handwerkerverband Kölns. Nach Ende der Franzosenzeit lebte die Bruderschaft als Traditions- und Gemeinschaftspflegeverein wieder auf.
Eigentlich hatte die Bruderschaft ihren geistlichen Mittelpunkt in der Kirche des Dominikanerklosters Heilig-Kreuz in der Stolkgasse. Dort war Petrus von Mailand ein eigener Altar gewidmet und es gab sogar eine Darstellung dessen mit klaffender Kopfwunde in Farbe. Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1802 durch die Franzosen zog das Bild in die Kirche St. Andreas um, die bis heute Patronatskirche des Ordens ist. Seit dem Jahre 1895 ist dem Heiligen Petrus von Mailand dort eine eigene Kapelle gewidmet, die von der Bruderschaft mit einem Altar, einem Glasfenster und einem Reliquiar, einem Aufbewahrungsbehälter für Reliquien, ausgestattet wurde.
Die Kölschbrauer pflegen auch heute noch die Tradition der Bruderschaft und feiern am 29. April das Patronatsfest in St. Andreas. Man trifft sich außerdem zu geselligen Gesprächsrunden und betätigt sich als Stifter. So schenkten die Kölner Bierbrauer ihrer Patronatskirche etwa im Jahre 2001 eine „Brauerkrippe“.
Die Interessen der Kölschbrauer vertritt seit 1948 der „Kölner Brauerei-Verband e. V.“, der sich historisch auf die Tradition der St. Peter von Mailand-Bruderschaft beruft.
Was es nicht alles gibt in Kölle. Also, wenn ihr das nächste mal ein Kölsch trinkt, dann gedenkt dem Schutzheiligen der Brauer.
Prost,
euer Ronald Czytaj więcej
Wie die Jungfrau zu dem Kinde
4 lutego 2020, Niemcy ⋅ 🌧 5 °C
So kam auch Köln zu den vielen Sagen und Legenden.
Aber wo wir gerade bei Jungfrau sind...bleiben wir doch gleich dabei. Und weil eine allein langweilig ist, nehmen wir gleich derer elf, nämlich die heilige Ursula und ihre Gefährtinnen.
Das Grab der Märtyrerinnen soll sich unter der romanischen Basilika St. Ursula befinden, ihnen zu Ehren ist diese seinerzeit erbaut worden.
Im 5. Jahrhundert in England...König Deonetus, inzwischen Christ geworden, und seiner Frau wurde nach langem Warten eine Tochter geschenkt. Ursula. Dieses Kind wurde im christlichen Glauben erzogen. Immer wieder liess sie sich die Geschichten von Jesus Christus erzählen, und als sie zur jungen Frau herangewachsen war, las sie die Geschichten selbst in der Bibel. Sie war vom Leben und Wirken Christi derart ergriffen, dass sie erklärte, nur diesem einen König des Himmels gehören zu wollen, und ebenso Gutes zu tun.
Man sagt, sie sei von außerordentlicher Schönheit gewesen, doch jeder Prinz aus nah oder fern, der an den Hof kam und um ihre Hand anhalten wollte, musste unverrichteter Dinge und ohne Ursula wieder von dannen ziehen.
Nun gab es im nordischen Hochland, einen äußerst kampfwütigen König, dessen Sohn Ätherius das wilde und kriegerische Leben allerdings verabscheute. Er war eher sanfter Natur. Auch er hörte von der schönen Prinzessin und wollte um sie werben, also begab er sich auf die Reise durchs Land zu ihr. Als er sie gefunden hatte, erkannte Ursula ihn wieder, denn sie hatte ihn seit langer Zeit im Herzen, obwohl sie ihn nie zuvor gesehen hatte (ja, so sind Legenden).
Aber auch ihn schickte sie fort, mit der Erklärung, sich Jesus Christus versprochen zu haben.
Wieder im Norden angekommen, sah Ätherius' Vater das Leid seines Sohnes und fragte, was geschehen war. Ätherius berichtete ihm von der schönen Ursula in die er sich so sehr verliebt hatte, die sich aber dem König der Christen versprochen hatte. Der Vater, selbst Heide und dem Christentum alles andere als zugetan, versprach seinem Sohn die Heirat mit der schönen Prinzessin. Er schickte einige Abgesandte auf die Reise zum englischen Hof, um bei König Deonetus um die Hand seiner Tochter Ursula anzuhalten, gleichzeitig aber mit der Drohung, sollte er nicht einwilligen, würde es Krieg geben und Ursula mit Gewalt geholt. Die Tochter gab zunächst den flehenden Bitten des Vaters, angesichts des drohenden Krieges, nicht nach, entschied sich aber nach einem Traum in der folgenden Nacht dann doch dazu, Ätherius zu ehelichen. Allerdings stellte sie drei Bedingungen...
Sie wolle mit 10 weiteren Jungfrauen, die allesamt aus vornehmen Häusern stammen sollten, eine Pilgerreise nach Rom unternehmen, die 3 Jahre dauern würde und Ätherius solle auf sie warten. Des Weiteren würden elf Schiffe ausgerüstet werden müssen und Bedingung Nummer drei war, dass ihr zukünftiger Gemahl den christlichen Glauben annehmen solle.
Nachdem in alle Bedingungen eingewilligt worden war und die Vorbereitungen einige Monate später abgeschlossen waren, begann die Pilgerreise mit elf Schiffen, von denen jedes einzelne von einer Jungfrau geführt wurde. In Basel schließlich wurden die Schiffe vertäut und der Weg nach Rom zu Fuß fortgesetzt. Dort angekommen, erhielten die Gefährtinnen den Segen vom Papst. Ausgeruht und gestärkt, begannen sie den anstrengenden Rückweg über die Alpen bis nach Basel, wo sie die Reise dann mit den dort wartenden Schiffen fortsetzen konnten.
Ätherius, dessen Vater kurz zuvor verstorben war, hatte sich indes auf den Weg zu seiner Liebsten gemacht, ohne die Wartezeit von 3 Jahren abgewartet zu haben. Als er Ursula versprechen musste, vollends zu ihr zu gehören, setzten sie die Fahrt gemeinsam fort in Richtung Köln, wo sie auf dem Hinweg nur kurz Rast gemacht hatten. Attila, König der Hunnen aber war in die Stadt eingefallen und sorgte dort für Tod und Verwüstung. Am Ufer stehende Menschen warnten laut rufend davor, in Köln anzulegen, doch die Jungfrauen taten genau das. Ursula hatte zuvor in einem Traum den himmlischen Auftrag erhalten, dies zu tun und ihre Gefährtinnen folgten ihr...
Eine nach der anderen wurde getötet. Von Pfeilen durchbohrt endete ihr Leben. Auch Ätherius wurde getroffen und starb.
Als Attila Ursula erblickte, hielt er inne. Sie, so sagte er, wolle er verschonen und zur Frau nehmen. Als sie sich ihm verweigerte, kannte er keine Gnade und tötete auch sie.
Des Nachts im Traum erschien sie ihm. Sie und tausende bewaffnete Jungfrauen. Um genau zu sein...elftausend.
Von Angst gepeinigt, verschwanden Attila und seine Männer noch in derselben Nacht aus Köln. Die Stadt war gerettet.
Ob die Zahl elftausend nun tatsächlich Attilas Traum von elftausend Jungfrauen oder doch eher dem viel späteren Verkauf von "Knöchelchen" geschuldet ist...wer weiß das schon. Wir werden es nie erfahren. In diesem Sinne...träumt schön kommende Nacht...
Eure Ramona Czytaj więcej
Der dicke Herkules (Dinge kurz erklärt)
3 lutego 2020, Niemcy ⋅ ⛅ 10 °C
Sechs unter Denkmalschutz stehende Hafenkräne erinnern an die frühere Hafenfunktion des Rheinauhafens mit ehemals sagenhaften 41 Kränen.
Fast ganz am Ende steht er, am Südkai, hübsch parat gemacht, längst unter Denkmalschutz und oft nur von Besuchern der in unmittelbarer Nähe stehenden "Tatortfrittenbude" beachtet, oder zumindest betrachtet. Dabei ist er für mich ein Wahrzeichen längst vergangener Zeiten hier am Rheinufer. Harte Zeiten, da bin ich mir sicher.
Der Herkuleskran, 1897, ein Jahr vor der Eröffnung des Rheinauhafens erbaut und anfangs von sechs Mitarbeitern (dank eines Übersetzungssystems) mit Muskelkraft bedient. Was muss das für eine Plackerei gewesen sein, unglaublich.
Dann 1906 auf Elektrobetrieb umgestellt, erbrachte er eine Hebelast von satten 30.000 Kilogramm, was sich 1924 ganz besonders bewährt hat: Bei der Anlieferung des "Dicken Pitters", der mit 24 Tonnen schwersten Dom-Glocke. Denn der "dicke Pitter", die Petersglocke wurde von ihm entladen.
Schaut ihn euch an, den alten Kraftprotz, wenn ihr das nächste mal dort spazieren geht. Er ist ein altes Stück Kölle und hat es verdient, beachtet zu werden.
Viel Spaß dabei wünscht euch Ronald. Und wenn euch unsere kleinen Storys gefallen, schaut doch mal auf unserer Homepage vorbei.
www.koelschgaenger.net Czytaj więcej
Das Odysseum in Kalk
2 lutego 2020, Niemcy ⋅ 🌧 9 °C
Auch heute nehme ich euch mit nach Köln Kalk. Ihr wisst ja, ich behaupte: "Kalk hat viel zu bieten!" Wenn man rechtsrheinisch unterwegs ist, kommt man an Kalk eigentlich kaum vorbei. Ich sag nur: "Köln Arcaden", "Zechenbrauerei" und "Historischer Friedhof".
Doch was gibt es sonst noch dort? Etwas, was ganze Busladungen hinbringt! Ein sogenannter außerschulischer Lernort. Ganze Heerscharen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen konnten und können dort in Clever Labs, Experimenten beiwohnen. Die Rede ist vom Science Center, dem Odysseum. Einem Wissenschaftsmuseum!
Doch sind die Experimentiershows längst nicht alles, was es zu bieten hat. Man kann dort vieles begreif- und erlebbar machen, was mit der Erdgeschichte zu tun hat. Vor allem mit Hinblick auf die Zukunft. So findet man dort zahlreiche Erlebnisstationen für Jung und Alt. Man darf selbst Hand anlegen. Hier ein Knöpfchen, dort ein Hebel. Zugegeben, auch ich war neugierig und hab fleißig mitgemacht.
Die Kleinsten sollten eigentlich ihren Spaß an der Maus und dem Elefanten finden, welche seit 2013 dort zu finden sind. Die meisten schaffen das auch. Nur mein Kleiner hatte mehr Interesse an den wissenschaftlichen Dingen und gesellte sich zum Dinosaurier, vorzugsweise, wenn dieser seine Stimme erschallen ließ. Er durchwanderte den Erdkern und betrachtete neugierig den schiefen Boden eines Hauses. Ist halt ein Techniker. Dabei hätte ich gern mehr Zeit mit der Maus verbracht.
Dieser sind nämlich einige Stationen auf ca. 800 qm vorbehalten. Es gibt dort Erlebnisstationen, die man nirgendwo anders findet. Und wer kennt sie nicht, die liebenswerte WDR Maus? Ihr Erklärbär wurde doch gerade erst 80 Jahre jung.
Erbaut wurde das Odysseum übrigens auf dem Gelände der ehemaligen Chemischen Fabrik Kalk. Gar nicht so abwegig, denn auch dort wurde mit Sicherheit schon experimentiert. In der CFK, so die Abkürzung für die einstige Chemiefabrik Kalk, wurde Soda hergestellt. Auch das neue große Polizeipräsidium und die Arcaden liegen auf ihrem ehemaligen Gelände.
Die Eröffnung des Odysseums fand im Jahre 2009 statt. Damals war ich mit einem unserer anderen Söhne so ziemlich einer der ersten Besucher. In den 10 Jahren unterlief es einigem Wandel. Der große T-Rex ist aber immer noch dort. Übrigens scheint er jedes Kind zu begeistern, denn damals musste ich dort auch eine Zeit verweilen.
Und ganz wichtig war der Flugsimulator. Wollte er doch damals unbedingt Pilot werden.
Im Museum gibt es eine Halle mit ca. 1000 qm Fläche, die den Wechselausstellungen vorbehalten ist. Zur Zeit sind es übrigens auch die Dinosaurier, die dort die Besucher in ihren Bann ziehen. Die Ausstellung nennt sich Brickosaurus und beinhaltet zum Teil lebensgroße Dinomodelle aus Legosteinen.
Heutzutage gibt es draußen auch einen Hof, mit allerlei Spielgeräten. Diese waren 2009 so noch nicht vorhanden und 2019 war er wegen Regenwetter geschlossen. Dort gibt es u. a. eine Kletterwand und einen Wasserspielplatz.
Gesamt hat das Odysseum eine Erlebnisfläche von 5500 Quadratmetern. Eine spannender als die andere.
Etwas unglücklich gewählt ist allerdings die Lage. Man muss von der Linie 1, Kalk Post, noch etwas laufen, eh man dort ist. Wahrscheinlich wissen viele Leute nicht einmal von seiner Existenz.
Doch dafür sind wir Kölschgänger ja da, die Stadt nach alten und neuen Sehenswürdigkeiten zu durchstreifen. Schaut mal hin!
Ich wünsche euch einen angenehmen Sonntag.
Eure Elisabeth Czytaj więcej
Wegekreuz am Schiffhof
1 lutego 2020, Niemcy ⋅ 🌧 12 °C
Aus dem Nähkästchen: Wie mache ich so einen Beitrag? Habt Ihr da Lust drauf? Ja? Dann weiterlesen.
Zuerst brauche ich einen Einfall, was ich so erzählen möchte. Es kommt vor, dass das nicht einfach ist. Schreiben will ich immer viel, nur der Beitrag, den ich schreibe, muss sich „richtig“ anfühlen. Meist kommt er aus dem Bauch. Das kann ich jetzt nicht recht erklären, aber es fühlt sich so an, als ob der Beitrag zu mir kommt. Das ist wie ein Besuch. Wenn er nicht klingelt, kannst du ihn nicht hereinlassen. Wobei die Klingel alles sein kann: eine Nachricht im Fernsehen, eine Geschichte, die ich gelesen habe, ein Mensch, der mir in den Sinn kommt oder ich komme an einen Ort, sehe etwas und will wissen, warum das da steht. Das mag ich sogar am meisten, weil das Herausfinden, das Neue entdecken, oft so viele neue Hinweise gibt.
Am Sonntag, bei einem Spaziergang durch den Grüngürtel, komme ich zum Beispiel an diesem Kreuz auf dem Bild an. Es steht da, leicht lädiert, an der Brühler Landstraße kurz vor Höningen im Verkehr, kein Mensch zu sehen, im Hintergrund rechts der Parkplatz, da finden sich abends die leichten Mädchen ein und warten auf Kundschaft. Das Kreuz muss bessere Zeiten gehabt haben. Für diese Stelle war es so nicht gedacht. So etwas macht mich neugierig. Aber wie finde ich das jetzt heraus?
Bildung ist, wenn man weiß, wo man nachschlagen muss. Hier habe ich Glück. Es ist ein Wegkreuz und dafür habe ich das kleine Büchlein von Christa Zingsheim „Wegekreuze und Bildstöcke in Köln“ von 1981. Das ist perfekt, um anzufangen. Da finde ich, dass der Pächter vom „Schiffhof“ im 18. Jahrhundert das Kreutz hier in Zollstock gestiftet hat und dass der Schiffhof zum Kloster Sankt Mauritius gehörte. Dann steht da, dass es zerstört wurde und 1949 vom letzten Pächter des Schiffhofes, Matthias Kraff, wieder aufgestellt wurde, bevor er 1960 die Landwirtschaft aufgeben musste, weil er so viel Land an Grünflächen und Straßenanlagen verloren hat. Dat macht mich etwas traurig, aber ich habe Stichworte, um zu suchen und Fragen, die sich stellen. Warum heißt der Hof „Schiffhof“, wenn es hier kein Wasser gibt? Was ist da passiert, dass es den Hof nicht mehr gibt?
Jetzt ist der Zeitpunkt der Suchmaschinen im Netz. Hier findet man diesmal nicht viel. Aber einer hat doch etwas über den Schiffhof geschrieben: der Kleingärtnerverein „Am Schiffhof“ e.V. hat auf seiner Seite die Geschichte der Gegend zusammengetragen. Der Schiffhof liegt bei Höningen, welches bis in die 1980’er Jahre nur aus Höfen besteht. Der Name des Viertels „Höningen“ kommt, obwohl hier schon Römer gesiedelt haben, aus dem Fränkischen, weil „-ingen“ auf ein fränkisches Wort schließen lässt. Es bedeutet soetwas wie „zu etwas gehören“. Das erste Schriftstück ist aus dem Jahr 941, als Erzbischof Wigfried etwas Land dem Stift Sankt Cäcilien verschenkt. Es ist ja immer so, Land wird übertragen und die Kirche schreibt es zu der Zeit auf.
So ist es auch mit dem Schiffhof. Er ist der größte und wichtigste Hof an dieser Stelle. Er gehört der Kirche und der „Halve“, der Pächter, hat einen Teil des Ertrags an eben diese abzugeben, über Jahrhunderte. Von Krieg, Zerstörung, neuen Aufteilungen und von der Zeit von 1860 bis 1875, als er eine Zuckerrübenfabrik war, wird auf der Seite erzählt. Und da steht, warum er so heißt: „Schiffhof“ kommt vom Wort „Scheif“ oder „Schaif“, womit Schafe gemeint sind. Damals werden hier Schäfchen gezüchtet, damit man Wolle an die Kölner Tuchmacher verkaufen kann – und Kölner Tuch war begehrt in der Welt. Ah! Damit ist das geklärt, finde ich.
Im Krieg 1945 das Übliche: eine FlAK steht im Hof, die Militärringstraße und die Autobahn sind in der Nähe. Also wird der Hof zerbombt. Matthias Kraff pachtet den Hof danach und baut ihn wieder auf und mit ihm das Kreuz. Er bekommt von Konrad Adenauer, als dieser nach dem Zweiten Weltkrieg kurz das Oberhaupt der Stadt ist, den Auftrag, den Grüngürtel im ganzen Gebiet von Müngersdorf bis Rodenkirchen wiederaufzubauen. Das ist kein schlechtes Geschäft. Aber 1957 muss man auch das Land aufgeben und den Grünflächen zuschlagen, das direkt zum Hof gehört. Und ein großer Teil vom letzten Rest wird Matthias Kraff für Kleingärten abgenommen, so dass der Hof nach Jahrhunderten aufgeben muss.
Da hab ich aber Glück, so viel Fakten auf einmal. Das ist genug für eine Seite und spannend ist es ja auch, oder? Welche Quelle haben sie? „Zollstock, wie es war und wie es wurde“ von Josef Rosenzweig. Das klingt zuverlässig. – Wenn die Quelle nicht stimmt, merken die Kölner das. Aber das hier kann man schon nehmen, um eine nette Geschichte zu schreiben. Das Büchlein muss ich mir übrigens bei Gelegenheit mal genau angucken. Das steht bestimmt in der Bibliothek der „Akademie för uns kölsche Sproch“.
Liebe Leute, mehr ist das echt nicht. Ich bin kein Wissenschaftler, nehme mir aber gern ein paar Stündchen, um zu recherchieren, damit ich etwas über meine Heimatstadt lerne und suche mir ein paar Wörtchen, um es aufzuschreiben. Ein Kreuz am Weg als Anstoß, ein Foto, etwas suchen und schreiben. – Wisst Ihr was? Sowas könnt Ihr auch. Versucht es mal…
Michael
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Usem Nihkessche: Wie maache ich esu ene Beidrag? Hat Ehr do Loss drop? Jo? Dann wiggerlese.
Zooesch bruche ich ene Enfall, wat ich esu verzälle well. Et kütt vür, dat dat ech nit einfach es. Schrieve well ich luuter vill, nor dä Beidrag, dä ich schrieve, muss sich och „richtig“ aanföhle. Miets kütt dä usem Buch. Dat kann ich jetz nit rääch verklöre, ävver et föhlt sich esu aan, wie wann der Beidrag bei mich bei kütt. Et es wie ene Besök. Wann dä nit schelle deit, kanns do en nit erenlooße. Wobei die „Schell“ alles sin kann: en Nachrich en der Flimmerkess, e Kreppche, dat ich gelese han, ene Minsch, dä mer en der Senn kütt ov ich kumme an ene Oot, sinn jet un well wesse, woröm dat do steiht. Dat mag ich esugar am mihste, weil et Eruszefinge, et Neue endecke, off esu vill neue Hinwies gitt.
Am Sonndag, bei enem Gängelche durch der Gröngöödel, kumme ich för e Beispill an däm Krütz om Beld aan. Dat steiht do, leich lädeet, an der Bröhler Landstroß koot vür Höninge em Verkehr, kei Minsch ze sinn, em Hingergrund rähts dä Parkplatz, do finge sich ovends de Tottoirschwalve en un waade op Kundschaff. Dat Krütz muss bessere Zigge gehat han. För die Stell wor et esu nit gedaach. Sujet mäht mich neugierig. Ävver wie finge ich dat jetz erus?
Beldung es jo, wann mer weiß, wo mer nohschlage muss. Hee han ich Glöck. Dat es e Wägkrütz un doför han ich dat klei Böchelche vum Christa Zingsheim „Wegekreuze und Bildstöcke in Köln“ vun 1981. Dat es perfek, för aanzefange. Do finge ich, dat der Päächter vum „Schiffhof“ em 18. Jorhundert dat Krütz hee en Zollstock gesteff hät un dat der Schiffhof nohm Kluster Zint Mauritius gehürte. Dann steiht do, dat et kapoddgegange wor un 1949 vum letzte Päächter vum Schiffhof, dem Mattes Kraff, widder opgestallt woodt, bevür hä 1960 de Landweetschaff opgevve moot, weil hä esu vill Land an Grönfläche un Stroßeaanlage verlore hät. Dat mäht mich jet bedröv, ävver ich han Stechwööder, för ze söke un Froge, die sich stelle. Woröm heiß ene Hoff „Schiffhof“, wann hee kei Wasser es? Wat es do passeet, dat et dä Hoff nit mih gitt?
Jetz es der Zeitpunk för de Sökmaschine em Netz. Hee fingk mer dismol nit vill. Ävver einer hät doch jet üvver der Schiffhof geschrevve: der Kleingärtnerverein „Am Schiffhof“ e.V. hät op singer Sigg de Historie vun der Gägend zesammegedrage. Der Schiffhof litt bei Höninge, dat bes en de 1980’er Johre nor us Höff besteiht. Dä Name vun däm Veedel „Höninge“ kütt, ovschüns hee ald Römer gesiedelt han, usem Fränkische, weil „-ingen“ op e fränkisch Wöödche schleeße lööt. Et bedügg sujet wie „bei jet bei gehüre“. Et eetste Schreffstöck es usem Johr 941, wie der Ääzbischoff Wigfried jet Land an der Steff Zinter Cäcillie verschenk. Et es jo luuter esu, Land weed üvverdrage un de Kirch schriev et zo dä Zigg op.
Esu es et och mem Schiffhof. Hä es der größte un wichtigste Hoff an dä Stell. Hä gehürt der Kirch un der „Halve“, der Pächter, hät ene Deil vum Erdrag an evven die avzegevve, üvver Johrunderte. Vun Kreeg, Zerstörung, neue Opdeilunge un vun der Zigg vun 1860 bes 1875, wie hä en Zuckerknollefabrik wor, weed op dä Sigg verzällt. Un do steiht, woröm hä esu heiß: „Schiffhof“ kütt vum Wöödche „Scheif“ ov „Schaif“, womet Schof gemeint sin. Anno dozomol weede hee Schöfcher gezüch, domet mer Woll an kölsche Dochmächer verkaufe kann – un kölsch Doch wor begehrt en der Welt. Ah! Domet es dat geklärt, finge ich.
Em Kreeg 1945 et Übliche: en FlAK steiht om Hoff, de Militärringstroß un de Autobahn sin en der Nöh. Alsu weed der Hoff zerbomb. Der Mattes Kraff paach dä Hoff donoh un baut en widder op un met im och dat Krütz. Hä kritt vum Konrad Adenauer, wie dä nohm Zweite Weltkreeg koot der Baas vun Kölle es, der Opdrag, der Gröngöödel em ganze Gebiet vun Müngersdorf bes Rudekirche widder opzebaue. Dat es kei schlääch Geschäff. Ävver av 1957 muss mer och dat Land opgevve un bei de Grönfläche dun, dat tirek bei der Hoff gehürt. Un ene große Deil vum letzte Ress weed dem Mattes Kraff för Kleingääde avgenomme, esu dat dä Hoff noh Johrhunderte opgevve muss.
Do han ich ävver Glöck, esu vill Fakte op eimol. Dat es genog för en Sigg un spannend es jo och, oder? Wat han die för en Quell? „Zollstock, wie es war und wie es wurde“ vum Josef Rosenzweig. Dat klingk zoverlässig. – Wann die Quelle nit stemme, merke de Kölsche dat. Ävver dat hee kann mer ald nemme, öm e nett Kreppche ze schrieve. Dat Böchelche muss ich mir üvvrigens bei Gelägeheit ens genau aanluure. Dat steiht bestemmp en der Bibliothek vun der „Akademie för uns kölsche Sproch“.
Leev Lückcher, mih es dat ech nit. Ich ben keine Wesseschafftler, nemme mer ävver gään e paar Stündcher, för ze Recherchierche, domet ich jet üvver ming Heimatstadt liere un söke mer e paar Wöödcher, för et för uns opzeschrieve. E Krütz am Wäg, dat mich aanstüss, e Foto, jet söke un schrieve. – Wesst Ehr wat? Sujet künnt Ehr och. Versökt et ens…
Mechel Czytaj więcej
Gegenkaiser Postumus
30 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ⛅ 7 °C
Gegenkaiser Postumus - Regiere großzügig oder stirb
Früher waren die Sitten rauer, das werdet ihr jetzt gleich feststellen. Mit früher meine ich seeehr viel früher, nämlich die Zeit 259-269 n. Chr., denn in dieser Zeit regierte Marcus Cassianius Latinius Postumus hier in Köln. Kennt ihr nicht? Nicht schlimm, aber die Geschichte dahinter ist recht spannend und hat ja auch mit unserer Heimatstadt zu tun. Aber erstmal zum Hauptdarsteller.
Er stammte aus Gallien, kam, wie man heute sagen würde, aus einfachem Hause und war wohl Soldat mit Leib und Seele. Dies sah man später auch während seiner „Regentschaft“, wann immer er sich in der Öffentlichkeit zeigte, trug er militärisches Dienstgewand mit Schild, Brustpanzer und Mantel. Dieser Postumus war der Gründer und damit erster Kaiser des sogenannten Gallischen Sonderreiches (Imperium Galliarum). Er regierte von 259 bis 269.
Nun zu unserer kleinen Geschichte. Der rechtmäßige Kaiser Gallienus weilte in Odessa zu Kriegszwecken und hatte „zuhause“ seinen Sohn Saloninus als Unterkaiser eingesetzt. Ihm standen einige erfahrene Berater zur Seite, unter anderem auch unser Postumus. Dieser hatte die Rheingrenze zu schützen, was viel Arbeit war, da sie sich ständig Angriffen zu erwehren hatten. Dann, eines Tages stellten Postumus und seine Soldaten eine Truppe fränkischer Plünderer, die sich gerade über den Rhein davonmachen wollten. Sie hatten aber die Rechnung ohne unseren Helden gemacht. Postumus als überaus fairer Kommandant bekannt, teilte den Schatz mit seinen Soldaten. Wie gesagt, er war Soldat mit Leib und Seele und wusste, was er an seinen Leuten hatte. Na ja, vielleicht, ganz vielleicht war er aber auch ein gewiefter Taktiker, der etwas verschlagen war und seine „Nächstenliebe“ war wohlüberlegt.
Denn, es kam, was kommen musste. Der Unterkaiser erfuhr davon und beanspruchte die Beute für sich. Postumus, ganz folgsamer Soldat, teilte seinen Leuten nun mit, sie müssten den Schatz leider wieder hergeben, da der „Ersatzkaiser“ dies so verlangte. Nun meuterten seine Männer wie erwartet, sagten sich vom „Möchtegernkaiser“ los und riefen den guten Soldaten Postumus zum Gegenkaiser aus. Was für ein Zufall. Nun, unser kluger Taktiker wehrte sich nicht lange und nutzte die Stimmung für sich, denn die Kölner wendeten sich von Gallenius Sohn ab und gaben Postumus „ihre Stimme“. Waren dann wohl vorgezogene Wahlen.
Dieser zieht nun unter dem Jubel der Kölner in seine neue Residenz. Und da man damals etwas anders drauf war, als wir heute, machte man mit dem Kaisersohn kurzen Prozess und lieferte ihn Postumus aus. Postumus, nun ganz Herrscher ließ den armen Saloninus dann auch hinrichten. Damals verlor man nicht sein Amt und ging dann mit schöner Pension in den Ruhestand, sondern man verlor auch gleich seinen Kopf. Schont die Pensionskasse ungemein.
Postumus aber macht tatsächlich einen richtig guten Job. Er installiert einen Senat, lässt prächtige Häuser und Verwaltungsgebäude bauen und merkt selbst wohl nicht, wie er sich immer weiter vom Volk und seinen Soldaten entfernt und beginnt ein protziges Leben zu führen. So legt er sich eine eigene Garde zu und lässt eigene Goldstücke, natürlich mit seinem Portrait, schlagen. Wenn schon, denn schon. Aber er ist erst einmal sehr erfolgreich. So kann er das Imperium stark erweitern, indem er im Westen große Gebiete dazugewinnt.
Es dauerte nicht lange, bis ganz Gallien, Spanien und sogar Britannien von Köln aus regiert werden.
Dann, 269, begeht er einen kleinen, aber sehr folgenschweren Fehler. Als seine Soldaten das gerade eroberte Mainz plündern wollen, verwehrt er ihnen dies und veranschlagt alles für sich, denn er hatte etwas über seine Verhältnisse gelebt, was man an den immer wertloseren Münzen erkennen konnte, die er prägen ließ. Nun ja, nachdem er wie bereits erwähnt seinen Soldaten die Plünderung untersagt, wird er von seinen wohl etwas enttäuschten Soldaten schlicht und ergreifend erschlagen und damit ebenfalls seiner Pension beraubt.
Am Ratsturm könnt ihr ihn sehen, denn dort steht er in seiner ganzen Pracht gleich neben Constantin dem Großen. (Siehe Bild)
So, oder zumindest so ähnlich wird es sich zugetragen haben. Ganz bestimmt. Okay, vielleicht ist mir hier und da etwas der Gaul durchgegangen und ich habe die Geschichte etwas ausgeschmückt. Aber nur, weil ja bald Kommunalwahl in Köln ist und ich mir da so meine Gedanken gemacht habe.
Euch eine gute Zeit, behaltet den Kopf oben,
euer Ronald Czytaj więcej
St. Maria ad Gradus
28 stycznia 2020, Niemcy ⋅ 🌧 4 °C
St. Maria ad Gradus
Es gibt Geschichten über Köln, so wie die heutige, die sind vielleicht nicht so lang, was aber nicht an Zeitmangel meinerseits liegt, sondern dass sie schlicht nicht so viel Raum in der Geschichte einnehmen. Und dennoch, oder gerade deshalb, ist es mir wichtig, von einem vielleicht schon längst vergessenen Bauwerk zu erzählen...
Zwei Treppen führten einst zu der zwischen dem Rhein und dem damaligen Domhügel erbauten Kirche. Dort, auf dem Gelände des heutigen Domherrenfriedhofes stand sie. Die Stiftskirche St. Maria ad Gradus, was übersetzt "Maria zu den Stufen" bedeutet, was auf ihre Lage hindeutete.
Wie ihr Name schon sagt, stand sie unter dem Patrozinium der Gottesmutter Maria, des Weiteren aber auch unter dem der weiteren Patrone Anno und Agilolf. Der Name Anno taucht in der Kölner Geschichte ja oft auf, aber auch der Name Agilolf sagt euch etwas? Ich schreibe gleich noch etwas dazu...
Zu jener Zeit stand noch der sogenannte Alte Dom, an dessen Rückseite der Erzbischof Hermann II. begann, ein Chorherrenstift zu planen und aufzubauen, welches aber erst durch Hermanns Nachfolger, Erzbischof Anno II. vollendet wurde. Dieser weihte die Kirche auch ein, es wird vermutet, dass dieses im Jahre 1057 geschah. Nachdem Papst Nikolaus II. 1059 die Gründung bestätigt hatte, zogen die ersten Kanoniker aus Dortmund in das Kloster ein. Der Geschichtsschreiber Lampert von Hersfeld schrieb einst nieder, dass dort die Unterbringung von 30 Chorherren geplant war.
Besonders hervorzuheben ist bei dieser Kirche, dass Anno II. im Jahre 1062 die Gebeine des Erzbischofs Agilolfs (hier taucht dieser Name wieder auf), der um 748 gestorben ist, hier beisetzte, und ein Jahr später die verstorbene Richeza, Königin von Polen und Enkelin Kaiser Otto II. und der Kaiserin Theophanu. Michael hat ja am vergangenen Samstag über Theophanu berichtet. Der jüngste Bruder Richezas war übrigens jener Erzbischof Hermann II. der den Bau des Chorherrenstiftes Maria ad Gradus begann, das aber nur am Rande. Hier alle weiteren Verwandschaftsverhältnisse Richezas aufzuzählen, würde meine Einleitung bezüglich des kürzeren Beitrages zunichte machen.
Wie bei so vielen Bauwerken des Mittelalters blieben auch hier Katastrophen nicht aus. Im Jahre 1080 vernichtete ein verheerender Brand die Gebäude, die aber wieder aufgebaut wurden und 5 Jahre später von Erzbischof Sigewin eingeweiht wurden.
Jahrhunderte vergingen...dann, im Jahre 1817 wurde das Stift infolge der Säkularisierung (1802) nicht mehr benötigt und abgerissen. Als man 10 Jahre später den Domhügel abtrug, verschwanden mit ihm auch die Fundamente dieses Zeugnisses aus alter Zeit. Einzig eine einzige Säule aus dem Säulengang, die "Domsäule", blieb erhalten (auf dem Foto die dunkle Säule). Sie wacht nun auf dem Domherrenfriedhof über die dort Bestatteten.
Kommen wir zum Schluss noch zu jenem Namen, der mehrfach fiel. Agilolf. Dieser Name begegnet uns heute im Kölner Dom wieder. Wenn ihr den Dom betretet, euch rechts haltet und dann geradeaus blickt, seht ihr vor dem Eingang zum Kapellenkranz den "Agilolphusaltar". Warum die Schreibweise hier vom ursprünglichen Namen abweicht, kann ich euch leider nicht sagen. Dieser bedeutende, vermutlich aus dem Jahr 1520 stammende Antwerpener Schnitzaltar war einst der Hauptaltar in der Kirche St. Maria ad Gradus...und gelangte ebenso wie die wenigen sterblichen Überreste der Richeza von Polen im Jahre 1817 in den Kölner Dom...
An dieser Stelle endet meine Reise in die Vergangenheit...für dieses Mal...
Bis bald, eure Ramona
(Das Foto des Modells hat uns freundlicherweise Ellen Hachfeld zur Verfügung gestellt, herzlichen Dank hierfür) Czytaj więcej
Das Severinstor - Kurz erklärt
27 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ☁️ 8 °C
Das Severinstor
Die am Chlodwigplatz gelegene Torburg hat ihren Namen von der Pfarrei St. Severinus. Das Severinstor oder „Vringspooz”, wie sie auf kölsch genannt wird, ist eine der Stadttorburgen der mittelalterlichen Stadtmauer.
Im 13. Jahrhundert errichtet, diente sie der Verteidigung des Toreingangs, und war gleichzeitig ein wichtiger Standpunkt zur Sicherung einiger Klöster und der Straße in Richtung Bonn.
Nachdem 1881 die Stadtmauer eingerissen wurde, verlor die Torburg ihre Funktion und beherbergte lange Zeit verschiedene Museen.
Heute kann man sich in der Torburg trauen lassen und verschiedene Räumlichkeiten können für private Feiern gemietet werden.
Traditionell wird hier jedes Jahr an Weiberfastnacht die Geschichte von Jan und Griet aufgeführt.
Ich wünsche euch allen eine gute Woche.
Euer Ronald Czytaj więcej
Schloss Arff
25 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ☀️ 1 °C
Am äußersten Stadtrand, zwischen Wald und Feld, liegt das Kölner Barockschloss Schloss Arff, welches seinen Namen den Rittern van der Arffe verdankt.
Früher diente es den Adelsfamilien, die es im Besitz hatten, als Sommerresidenz.
Um genau zu sein, es ist zu finden in Roggendorf-Thenhoven. Aber fast in Dormagen Hackhausen.
Umgeben von einer weitläufigen Parkanlage nebst altem Baumbestand liegt es da. Nach Dormagen ist es von dort aus kürzer als in die Kölner City, die ca. 20 Kilometer entfernt liegt. Und dennoch ist man auch hier, mitten auf dem Feld immer noch in Köln.
Einst war es ein Wasserschloss, doch die Grabenanlage war schon lange ausgetrocknet, da die Quelle des Pletschbachs versiegt ist. Der Wassergraben wurde zugeschüttet.
Das heutige Gebäude von Schloss Arff ist bereits der 2. oder gar 3. Bau an dieser Stelle. Im Mittelalter gab es dort einen Vorgängerbau, der ganz anders ausgesehen haben dürfte als das Lustschloss, was dort heute steht.
Letzteres wird dem Architekten Leveilly zugeordnet, der auch beim Schloss Brühl und dem Rathaus in Bonn Hand angelegt hat.
Zu Beginn des 19.Jahrhunderts wurde die Familie Geyr von Schweppenburg Eigentümer.
Seit 2015 ist es im Besitz einer Verwandten der Schweppenburgs, die es mit ihrem Ehemann von Landsberg-Velen kaufte. Diese bauten es zu einer Eventlocation aus, welche für allerlei Festlichkeiten und Events angemietet werden kann.
Doch auch für Dreharbeiten ist es bestens geeignet, denn man kann die Anlage nicht nur als Schloss, Landsitz oder Gutshof betrachten, sondern auch als Kloster. Der Fantasie der Produktion wären dort nur wenig Grenzen gesetzt. Zumal es auch eine eigene Pferderennbahn auf Schloss Arff gibt. Diese wurde zwar wegen der notwendigen Umbauten, insbesondere auch eines sehr geräumigen Parkplatzes, um knapp 30 Meter gekürzt, ist aber nach wie vor dort. Überhaupt wird in dieser Ecke Kölns sehr viel geritten und es finden sich dort bei Roggendorf einige bekannte Stallungen.
Das Schloss nebst Anlage steht seit 1981 unter Denkmalschutz.
Wer also gerne in der Natur ist, umgeben von Wiesen, Feldern, Bachläufen und Pferdekoppeln, dem lege ich diese Ecke Kölns nah.
Vielleicht ja auch zu einem Sonntagsspaziergang.
Es grüßt euch Elisabeth Czytaj więcej
Theophanu
25 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ☀️ 1 °C
Wisst Ihr, dass wir hier bei uns in Köln eine Dame habe, die früher einmal die mächtigste Frau von Europa war, wohl sogar von der ganzen Welt? Wie werde ich so einer Person bei Kölschgänger gerecht? – Es geht nicht.
Jetzt habe ich die Tage die Bücher von Rebecca Gablé über Otto I. gelesen „Das Haupt der Welt“ und „Die fremde Königin“. Da wurde mir klar, dass sie alle einfach auch Menschen waren, die geliebt haben, Freunde hatten, ihre Sorgen auch, Angst kannten und irgendwie nur das Beste für die Familie wollten. Gut, wenn du ein König bist und später auch Kaiser, muss man den Begriff „Familie“ etwas weiter fassen.
Otto I., auch der Große genannt, war ja der, der das ostfränkische Reich ab dem Jahr 936 groß gemacht hat. Er hat es im Osten abgesichert, die Ungarn auf dem Lechfeld nach Hause getrieben und sich Italien bis hinter Rom dazu geholt. Das kann man alles vergnüglich bei Rebecca Gablé nachlesen.
Das Reich ist so groß, dass es nur noch eins gibt, das Otto I. gefährlich werden kann: Byzanz. Und das byzantinische Reich, liegt ja zu der Zeit mit einem kleinen Teil im heutigen Italien. Otto hat auf einmal eine Grenze mit dem byzantinischen Reich. Ihr könnt Euch vorstellen, dass das der Kaiser von Byzanz nicht gut findet, dass Otto an der Türe steht und man nicht weiß, ob er herein kommt.
Das will aber Otto I. gar nicht. Er will Frieden für seinen Sohn Otto II. Also schickt Otto I. seinen Bruder nach Konstantinopel, um mal vorsichtig nachzufragen, ob man gut Freund sein könne und das mit einer Heirat von Otto II. und einer byzantinischen Prinzessin besiegeln kann. Der Bruder war Erzbischof Bruno von Köln. Erfolg hat er nicht, er verstirbt im Jahr 965, ohne dass man sich einigen kann. Aber es könnte sein, dass die kleine Theophanu, die um 959 geboren ist, da das erste Mal einen Mann aus Köln gesehen hat. Erst der Nachfolger, Erzbischof Gero von Köln, hat Erfolg. Byzanz hat gerade interne Querelen und ein neuer Kaiser ist an der Macht, arg unsicher die Lage in dem Reich. Dadurch kommt Bewegung in die Verhandlungen. Nur eine echte Prinzessin will man selbst dann den Ottos nicht geben. Eine Nichte vom Kaiser muss reichen, Theophanu.
Als sie zwölf ist, führt unser Erzbischof Gero Theophanu nach Rom. Hier heiratet sie am 14. April 972 Otto II. Er ist zu der Zeit 16 und seit 967 auch Kaiser, neben seinem Vater Otto I. Und auf einmal war das kleine Mädchen, das in Byzanz irgendwie „übrig war“ jetzt ganz oben hier im Westen. So geht das zu der Zeit auch mal – zack Kaiserin. Wer jetzt schreit „Skandal“ – mit Kindern warten sie noch fünf Jahre, bis sie „soweit ist“. Ist ja sinnvoll.
Und irgendwie hat Otto II. echt Glück – und wir auch. Theophanu ist gut erzogen worden und hat Bildung. Sie bringt byzantinische Kultur nach Ostfranken. Künstler, Kunsthandwerker und Architekten aus Konstantinopel schaffen auf einmal hier und bringen Schwung und neue Ideen mit. Und sie regiert auf Augenhöhe mit Otto II. Er lässt Erlasse von ihr mit unterschreiben – mehr ist zu der Zeit für Frauen ganz oben noch nicht zu machen. Aber sagt man nicht auch, dass hinter jedem starken Mann meist auch eine starke Frau steht? Hier ist es so und das ist gut, denn Ottos Vater, Otto I., stirbt im Jahr 973.
Oft kommen sie nach Köln und ins Rheinland. Theophanu mag Köln. Zum einen hat die Familie, weil ja Bruno der Bruder von Otto I. war, ein gutes Verhältnis zu den Erzbischöfen – auch Brunos Nachfolger, Erzbischof Gero, danach auch Erzbischof Warin und danach noch Erzbischof Everger sind Freunde der Familie. Und wenn du die Menschen gut leiden kannst, besuchst du sie oft. Das ist zu der Zeit nicht so einfach, weil es zur der Zeit keinen festen Regierungssitz gibt, wie wir es heute kennen. Das Oberhaupt ist immer im ganzen Reich von einer Pfalz in die nächste Pfalz gereist. Aber, gerade im Winter ist Theophanu gern im Rheinland. Muss man sich mal vorstellen. Sie kommt aus dem warmen Süden in das Rheinland und mag den Winter hier – kann man es glauben?
Was aber eine Tatsache ist, ist das der alte Erzbischof Bruno, der ja 965 verstarb, auf einem alten römischen Hof ein Benediktiner Kloster bauen lässt. Eine große romanische Kirche plant er mit dazu: Sankt Pantaleon. Und er, der heilige Pantaleon, ist ein Heiliger aus Byzanz, aus der Heimat von Theophanu. Er war Arzt und wird gerade in Byzanz sehr verehrt. Ist das Absicht? Theophanu ist begeistert. Sie stellt den Bau fertig, das Mittelschiff wird 980 geweiht. Das Westwerk aber, lässt sie neu mit byzantinischem Wissen planen. Es ist das Werk von Theophanu.
Und: auch im Jahr 980, sie ist 20, bekommt sie auch – endlich – einen Sohn, Otto III. Kann ja nicht anders sein, als dass das auch ein Otto ist. Otto II. ist glücklich, der Erbe! Braucht er auch, denn schon 983 wird er krank und stirbt.
Theophanu lernt jetzt die Ostfranken kennen. Gut, vielmehr gibt es Ärger mit Heinrich von Bayern, genannt „der Zänker“. Er entführt das Kind und sieht sich selbst als Kaiser. Ich habe ja gesagt, wir haben alle unsere Sorgen. Die Ostfranken lernen aber auch Theophanu kennen. Sie braucht zwei Jahre und hat dann Otto III. wieder und ist an der Macht, bis er erwachsen ist. Die Macht teilt sie sich mit der Schwiegermutter, Adelheid, die ja auch noch lebt. Zusammen mit ihr führt sie das Reich und sicher die Grenze, eigentlich wie Otto I., der dafür der Große wurde. Lothringen, Italien, die Ostgrenze, überall schaffen diese Zwei Ruhe. Ein Reich, das sicher ist für Otto III.
Und sie hat Selbstbewusstsein. Sie emanzipiert quasi Kaiserinnen. Im Jahr 990 gibt sie den Anstoß, dass die Titel Kaiser und König vererbt werden. Davor musste der Herrscher immer sagen, wer denn der Nachfolger wird. Ihr wisst ja., wofür man zu der Zeit schnell gestorben ist, wenn es Streit zwischen den Häusern gab, die meinten, das erste Anrecht zu haben.
Im Jahr 991, als sie sich in der Pfalz in Nijmwegen aufhält, stirbt sie schon mit 32 Jahren, in denen sie viel für das Reich und Köln getan hat. Einen anderen Ort für die letzte Ruhe als Köln, gibt es für sie nicht. Hier liegt sie in Sankt Pantaleon.
Das Grabmal ist leicht zu finden. Direkt links, wenn man hereinkommt. Auf der Stirnseite ist Sankt Pantaleon zu sehen und die Hagia Sophia aus Konstantinopel. In der Mitte aber, ist sie wiedervereint mit ihrem Otto II. Das Paar wird von Jesus gesegnet.
Dieses kleine Mädchen kam mit 12 aus Byzanz, hat nur so kurz gelebt, war ein Leben lang auf Reisen, um ein großes Reich, das gesichert ist, an ihren Sohn zu übergeben, und wollte am Ende nur das Eine: hier in Köln sein, an der Stelle, an der Ostfranken und Byzanz sich vereinen.
Michael
-
Wesst Ehr, dat mer hee bei uns Kölle e Frauminsch han, dat anno dozomol die mächtigste Frau vun Europa wor, wall esugar die vun der ganze Welt? Wie weede ich su ener Person beim Kölschgänger gerääch? - Et geiht nit.
Jetz han ich die Dage die Böcher vum Rebecca Gablé üvver der Otto I. gelese, „Das Haupt der Welt“ un „Die fremde Königin“. Do woodt mer klor, dat dat all einfach och Minsche wore, die gään gehatt, Fründe hatte, die ehr Püngelche drage moote, Kadangs kannte un irgendwie nor et Beste för de Famillich wollte. God, wann do ene Künning un späder och Kaiser bes, muss mer dä Begreff „Famillich“ jet uswigge.
Der Otto I., och „der Große“ genannt, wor jo dä, dä et ossfränkische Rich av dem Johr 936 groß gemaht hät. Hä hät et noh Oste avgesechert, de Ungare om Lechfeld noh Hus gedrevve un sich Italie bes hinger Rom dobei gehollt. Dat kann mer alles vergnöglich beim Rebecca Gablé nohlese.
Et Rich es esu groß, dat et nor noch eins gitt, dat dem Otto I. gefährlich weede kann: Byzanz. Un et byzantinische Rich, do litt zo dä Zigg ene kleine Deil vun och em hüggige Italie. Otto hät op eimol en Grenz mem byzantinische Rich. Ehr künnt Üch vürstelle, dat der Kaiser vun Byzanz dat nit god fingk, dat dä Otto an der Pooz steiht un mer nit weiß, ov hä eren kütt.
Dat well ävver der Otto I. gar nit. Hä well Fridde för singe Sonn Otto II. Alsu scheck der Otto I. singe Broder noh Konstantinopel, för ens vürsichtig nohzefroge, ov mer god Fründ sin künnt un dat met ener Hierod vum Otto II. met ener byzantinische Prinzesin besiegele künnt. Dä Broder wor dä Ääzbischoff Bruno vun Kölle. Erfolg hät hä nit, hä stirv em Johr 965, ohne dat mer sich einige kann. Ävver et künnt sin, dat et klei Theophanu, dat öm 959 gebore es, do et eetzte Mol ene Kääl us Kölle gesinn hät. Eesch der Nohfolger, dä Ääzbischoff Gero vun Kölle, hät Erfolg. Byzanz hät grad jet Brasel un ene neue Kaiser hät et Regalt, ärg unsecher die Lag en däm Rich. Dodurch kütt Bewägung en de Verhandlunge. Nor ene echte Prinzesin well mer selvs dann dä Ottos nit gevve. En Neech vum Kaiser muss recke, et Theophanu.
Wie et zwölf es, föht unse Ääzbischoff, der Gero, et Theophanu noh Rom. Hee hierodt et am 14. April 972 der Otto II. Hä es zo dä Zigg ald 16 un zick 967 och Kaiser, nevve singem Papp dem Otto I. Un op eimol wor dat klei Weech, et Theophanu, dat jo en Byzanz irgendwie „üvverig wor“ jetz ganz bovve hee em Weste. Esu geiht dat zo dä Zigg och ens – zack, Kaiserin. Wä jetz schreit „Skandal“ – met de Puute waade se noch fünf Johr, bes et „esu wigg es“. Hät jo Senn.
Un irgendwie hät der Otto II. ech Glöck – un mir och. Et Theophanu es god ertrocke woode un hät Beldung. Et brängk byzantinische Kultur noch Ossfranke. Künsler, Kunshandwerker un Architekte us Konstantinopel schaffe op eimol hee un bränge Schwung un neue Idee met. Un et regeet mem Otto II. zosamme. Hä lööt Erlasse vun im met ungerschrieve – mih es zo dä Zigg för Fraulück do bovve noch nit ze maache. Ävver säht mehr nit och, dat hinger enem starke Mann miets och en starke Frau steiht? Hee es et su un dat es god, dann dem Otto singe Papp, der Otto I., stirv em Johr 973.
Off kumme se noh Kölle un en et Rheinland. Et Theophau mag Kölle. Eeschtens hät die Famillich, weil jo dä Brun der Broder vum Otto I. wor, e god Verhäldnis zo de Ääzbischöff – och der Nohfolger vum Bruno, der Ääzbischoff Gero, donoh der Ääzbischoff Warin un donoh noch der Ääzbischoff Everger sin Fründe vun dä Famillich. Un wann do de Minsche god ligge kanns, deis do se off besöke. Dat es zo dä Zigg nit esu leich, weil et keine Setz för de Regierung gitt, dä fass es, wie mer et hügg kenne. Der Baas es luuter em ganze Rich vun einer Falz noh der nöchste Falz gereis. Ävver, grad em Winter es et Theophanu gään em Reinland. Muss mer sich ens vürstelle. Et kütt usem wärme Süde en et Rheinland un mag der Winter hee - kann mer et gläuve?
Wat ävver stemmp, es, dat dä aale Ääzbischoff Bruno, dä jo 965 en et Gras gebesse hät, op enem aale römische Hoff e Benediktiner Kluster baue lööt. En große romanische Kirch plant hä met dobei: Zint Pantaleun. Un hä, der Zinter Pantaleun, es ene Hellige us Byzanz, us der Heimat vum Theophanu. Hä wor Aaz un weed grad och en Byzanz ärg verihrt. Es dat Avsich? Et Theophanu es begeistert. Et mäht der Bau fäädig, et Meddelscheff weed 980 geweiht. Dat Wesswerk ävver, lööt et neu met byzantinischem Wesse plane. Et es et Werk vum Theophanu.
Un: och em Johr 980, et es 20, kritt et och - endlich – ene Sonn, der Otto III. Kann jo nit anders sin, wie dat dat och ene Otto es. Der Otto II. es glöcklich, der Erve! Bruch hä och, dann ald 983 weed hä malad un stirv.
Et Theophanu liert jetz die Ossfranke kenne. God, villmih gitt et Knies mem Heinrich vun Bayern, genannt „der Zänker“. Hä entföht dat Kind un süht sich selvs als Kaiser. Ich han jo gesaht, mer han all uns Püngelche ze drage. De Ossfranke liere ävver och et Theophanu kenne. Et bruch zwei Johr un hät dann der Otto III. widder bei sich un et Regalt, bes hä erwahße es. De Maach deilt et sich met der Schwigermooder, Adelheid, die jo och noch läv. Zesamme met ehr föht et dat Rich un sechert de Grenze, eigentlich wie der Otto I. dä doför der Große woodt. Lothringe, Italie, de Ossgrenz, üvverall schaffe die Zwei Rauh. E Rich, dat secher es för der Otto III.
Un et Theophnau hät Selvsbewossin. Et emanzipeet quasi Kaiserinne. Em Johr 990 es et de Triebfedder, dat de Titele „Kaiser“ un „Künning“ vererv weede. Dovör moot der Herrscher luuter sage, wä dann der Nohfolger weed. Ehr wess jo, woför mer zo dä Zigg flöck gestorve es, wann et Kasalla zwesche der Hüüser gov, die meinte, et eeschte Aanrääch ze han.
Em Johr 991, wie et Theophanu sich en der Falz en Nijmwegen ophäld, muss et ald noh 32 Johr, en dä et vill för et Rich un och för Kölle gedon hät, dran gläuve. Ene andere Oot för de letzte Rauh wie Kölle, gitt et för it nit. Hee litt et en Zint Pantalon.
Et Gravmol es leich ze finge. Tirek links, wann mer erenkütt. Op der Steensigg es Zint Pantaleun ze sinn un de Hagia Sofia us Konstantinopel. En der Medde ävver es et widder vereint mem Otto II. Dat Paar weed vun Jesus gesähnt.
Dat kleine Weech kom met 12 us Byzanz, hät nor esu koot geläv, wor e Levve lang op der Reis, öm met Wiggseech e groß Rich, dat gesechert es, an der Sonn zu üvvergevve, un wollt am Engk nor dat Eine: hee en Kölle sin, an dä Stell, an dä Ossfranke und Byzanz sich vereine.
Mechel Czytaj więcej
Tünnes und Schäl – Zwei Kölner Kultfigur
23 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ⛅ 0 °C
Tünnes und Schäl. jeder Kölner und sogar vielen „Auswärtigen“ sind die beiden ein Begriff. Ihre Späße im Hänneschen-Theater sind legendär und ihre Witze in allen möglichen Zeitungen, auch überregional erschienen. Vielen Künstlern, besonders im Karneval dienten sie als Vorbild.
Soweit, so gut. Aber jetzt mal Hand aufs kölsche Herz, was wissen wir den eigentlich über die beiden „Helden“. Da werden einige Zeitgenossen schnell die Backen aufblasen und sparsam schauen, oder? Ich jedenfalls war erschrocken, wie wenig ich wusste. Tja, kaum macht man sich Gedanken, paff, schon fällt einem nichts ein. Also habe ich mich auf Spurensuche begeben und möchte heute gerne mein, größtenteils neu erarbeitetes Wissen mit euch teilen. Vielleicht ist ja auch euch das ein-oder andere neu.
Schauen wir uns die beiden Herrschaften mal etwas genauer an. Tünnes steht für Antonius (Anton) und der Schäl hat seinen Namen weg, weil er so schielt, allerdings bedeutet ja Schäl im kölschen auch schlecht, falsch. Und da sind wir schon bei den Charaktereigenschaften der beiden. Der schlanke Schäl, ordentlich im Frack mit Hut, allerdings eher als „halbseidener“ Gauner zu sehen, gilt als schlitzohrig und manchmal sogar hinterlistig.
Tünnes, rothaarig, immer in blauem Kittel mit rotem Halstuch, heller Hose und Holzschuhen die nicht nur in Holland getragen wurden, sondern auch hier bei der Feldarbeit zur damaligen Zeit. Es soll die Bekleidung eines Fuhrmannes der Kohlbauern darstellen. Er ist eher von einfacherem Gemüt, gilt auch als bequem und ist einer gewissen „Bauernschläue“ ausgerüstet. Dazu lässt seine Art und sein eher liebenswürdiger, knollennasiger Gesichtsausdruck ihn völlig harmlos erscheinen. Und so fällt ihm die Rolle des eigentlich harmlosen und gutmütigen Zeitgenossen zu, der zwar dauernd etwas anstellt, aber nicht aus Böswilligkeit, sondern weil er eher unglücklich in eine Situation „reinschlittert“. Seine meist rot dargestellte Nase soll zeigen, dass er einem guten Tröpfchen eher nicht abgeneigt ist.
Wer jetzt aber, so wie ich, glaubt, die beiden wären schon immer ein Team gewesen, der irrt. Seit 1803 gibt es den Tünnes. Von Johann Christoph Winters, dem Gründer des Kölner Hänneschen-Theaters wurde die Figur in sein „Team“ aufgenommen und recht schnell etablierte der Tünnes sich dort. Schäl kam erst viel später, nämlich in den 1850er Jahren zum Theater. Grund soll der dauerhafte Streit mit einem konkurrierenden Puppenspieler Namens Millewitsch gewesen sein, und die Figur des Schäl eine Art Parodie auf ihn.
Als kölsche Originale werden sie bezeichnet, da sie angeblich viele Eigenarten der Menschen in diesem Kosmos namens „Köln“ wiederspiegeln, natürlich mit viel Humor und einem Augenzwinkern.
So haben wir in unserer Stadt zwei Originale, die es nie wirklich gegeben hat. Eventuelle Ähnlichkeiten mit Menschen in eurem Bekanntenkreis sind also rein zufällig und haben mit diesen Figuren nichts zu tun. Wollte das nur zur Sicherheit klarstellen.
Die beiden begegnen uns in Köln fast überall, ich persönlich habe meine Favoriten gefunden. Zum einen am Neumarkt in der Kreissparkasse, dort stehen die vom Kölner Bildhauer Hein Derichsweiler gestalteten Bronzeköpfe. Diese waren am 14.02.1973 im Beisein des Dreigestirns der Öffentlichkeit übergeben worden. Schon vorher hatte Derichsweiler die Köpfe der beiden als Vorlage für Spardosen geschaffen.
Mein anderer Favorit, wie kann es anders sein, steht im Brigittengäßchen in Altstadt. Dieses wunderbare Denkmal wurde im April 1974 enthüllt und ist sehr gut gelungen, wie ich finde, gerade der Gesichtsausdruck der beiden gefällt mir gut.
Aber egal ob am Neumarkt oder in der Altstadt, wenn ihr den beiden begegnet, vergesst nicht die Nase vom Schäl zu reiben, es soll Glück bringen. Garantieren kann ich nix, aber schaden kann`s ja nicht.
Und zum Schluss noch drei Tünnes und Schäl Witze. Und falls ihr einen guten Tünnes und Schäl Witz kennt, schreibt ihn in die Kommentare. Ich würde mich sehr darüber freuen.
--Tünnes will direkt nach der Arbeit auf der Baustelle irgendwohin gehen, aber nicht seine „Schöpp“ mitnehmen. Also steckt er die Schaufel gut sichtbar in die Erde und heftet einen Zettel daran: „Leeven Schäl, bräng mer die Schöpp met! Ich han se vergesse! Dinge Tünnes.“ Am nächsten Tag steckt die Schaufel noch immer in der Erde, aber auf den Zettel ist zusätzlich gekritzelt worden: „Leeven Tünn, dat kann ich net. Ich han die Schöpp nit gesinn. Dinge Schäl.“
--Tünnes gesteht dem schäl: Ming schönste Stunde verdanken ich dem Thiater. --- erstaunt fragt schäl: Woröm? Geihs do do esu off hin? --- Ich nit, ävver ming frau!
--Tünnes steht an der Theke und macht ein betrübtes Gesicht. Schäl fragt was ihm fehlt. Tünnes antwortet: "Ich han mi Levve lang nor Alkohol getrunke und kann nit begreife, dat ich jetzt Wasser en de Bein han soll."
Euch eine gute Zeit, bleibt gesund und neugierig.
Euer Ronald Czytaj więcej
Die (wahrscheinliche) Rettung des Domes
21 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ☀️ 1 °C
Die (wahrscheinliche) Rettung des Kölner Domes
"Rettung?" fragt sich jetzt vielleicht manch einer, oder "war der Dom denn in Gefahr?", "schließlich wird doch seit so vielen Jahren unermüdlich an ihm gearbeitet, um ihn zu erhalten. Und im zweiten Weltkrieg wurde er doch fast gar nicht getroffen"...
Das, ihr Lieben, ist ein Trugschluss. Denn auch, wenn er im fast völlig zerstörten Köln wie eine Trutzburg aus den Trümmern herausragte, war auch er viel schwerer getroffen worden, als es von außen aussah, von dem Loch, welches eine Bombe in den Nordturm gerissen hatte, einmal abgesehen. Aber wußtet ihr, dass, wohlgemerkt NACH Kriegsende, eine große Gefahr bestand, dass der Kölner Dom doch noch einstürzen könnte?
Dass diese Katastrophe abgewendet wurde, haben wir möglicherweise einem besonderen "Schutzengel" unseres Domes zu verdanken. Einem englischen Offizier namens Michael Ross. Aber wie kam es eigentlich dazu?!
Major Michael Ross gehörte eher nicht zu den Grobschlächtigen, er selbst war von Beruf Maler und war im besetzten Deutschland als Kunstschutzoffizier im Dienst. Diesen tat er in seinem Büro, wenn man dieses Kämmerlein so nennen mag, in Düsseldorf, wo sich das Hauptquartier der britischen Rheinarmee befand. Bis zu dem Tag, als sein Vorgesetzter ihn in eben dieser Eigenschaft nach Köln schickte. Zur selben Zeit waren schon Kameraden von ihm, englische Pioniere, damit beschäftigt, Teile der zerstörten Hohenzollenbrücke aus der Fahrrinne zu sprengen, um die Aufnahme des Schiffsverkehrs wieder möglich zu machen.
Was diese Detonationen unter Wasser auch an Land anrichten konnten, und das die Erschütterungen eine ernste Gefahr für den nahegelegenenen Kölner Dom darstellte, war den Pionieren offenbar nicht klar oder es war ihnen angesichts der sonst sowieso nur noch vorhandenen Trümmern in der Stadt schlicht egal.
Hier nun kommt wieder einer der wohl großherzigsten Erzbischöfe ins Spiel, die es in Köln je gegeben hat. Kardinal Frings. Denn Informationen über den Zustand des Kölner Domes zufolge, die der damalige Dombaumeister Willy Weyres Kardinal Frings hatte zukommen lassen, ersuchte dieser den Vorgesetzten des Kunstschutzoffiziers Michael Ross um Hilfe, der diesen daraufhin, wie eben erwähnt, nach Köln entsandte.
Dort angekommen, verabredete sich Major Ross mit dem Dombaumeister, sowie einem Franziskanerbruder, der bereits gemeinsam mit anderen Männern während des Krieges das Dach des Domes bewacht hatte, ja sogar Brandbomben löschen musste, an der Kathedrale.
Der Dombaumeister und der Ordensbruder sollten eventuell auftretende Ereignisse, aufgrund der kommenden Sprengung im Rhein, in der Kathedrale selbst beobachten, wohingegen der Major selbst auf den Südturm stieg. Geheuer war ihm das laut eigener Aussage in seinen Aufzeichungen so hoch oben allerdings nicht.
Während er dort oben auf die nächste Sprengung wartete, offenbarte sich ihm das ganze Ausmaß der Dachschäden, die bei weitem schlimmer waren, als bisher immer weisgemacht wurde. Die eiserne Dachkonstruktion war noch da, aber viele der Bleiplatten fehlten oder waren krumm geworden. Regenwasser konnte ungehindert in den Dom gelangen.
Plötzlich, früher als erwartet, ließ eine gewaltige Detonation den Dom erbeben. Der Turm schwankte, Gesteinsbrocken und Türmchen brachen ab und stürzten in die Tiefe. Michael Ross schrieb später nieder, er habe Todesangst gehabt, schließlich kam es ihm vor, als könnte das Bauwerk im nächsten Moment einstürzen.
Kurz darauf verließ er über die Turmtreppe den Südturm und ging noch einmal ins Innere des Domes, um zu sehen, ob auch dort Schäden entstanden waren, konnte jedoch keine feststellen. Aber gerade, als er durch die Tür ins Freie treten wollte, um sich dort wieder mit den beiden Männern zu treffen, stürzten im Dom große Mengen des Gewölbes ein...
Der Schutzengel des Domes hatte gerade wohl selbst mehrere Schutzengel gehabt. Aber warum rede ich immer von Schutzengel? Nun, Michael Ross ordnete an, dass es mit sofortiger Wirkung nur noch kleine Sprengladungen zu geben hatte, um den Dom zu schützen. Damit bewahrte er ihn wahrscheinlich vor einem undenkbaren Unglück. Und nicht nur ihn...uns alle. Er war es auch, der dann dafür sorgte, dass der Dom wieder ein Dach bekam.
Mit diesem Wissen werde ich meine Besuche im Dom noch mehr genießen und ich bin mir sicher, ihr werdet das auch.
Bis bald, eure Ramona Czytaj więcej
Die kleine Kapelle auf Melaten
18 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ⛅ 6 °C
Heute nehme ich euch mit nach Melaten. Dort auf dem Hauptweg, der sogenannten "Millionenallee", findet man eine kleine Kapelle. Zumindest macht es von weitem den Anschein. Doch ist es auch eine?
Ja, denn sie ist eine Rekonstruktion. Ein Neubau einer bereits früher dort existierenden Kapelle, die wohl im 2.Weltkrieg zerstört wurde. Es war die Grabkapelle der Kaufmannsfamilie Fiévet, die einen Eau de Cologne Handel in Köln betrieb. (Quelle: Melaten Kölner Gräber und Geschichte 1.Auflage Greven Verlag, 1997)
Die in den 90 er Jahren des letzten Jahrtausends in Wesseling ansässige Roma Familie Czory erwarb die Ruine der Kapelle und errichtete diese nach alten Plänen neu. Rund 180.000 DM kostete der Neuaufbau. 1996 in allen Kölner Zeitungen "DAS THEMA". Vielleicht erinnert sich von euch noch jemand an die Schlagzeilen: "Die " Königin," letzte Fahrt in der schwarzen Kutsche!" und einiges mehr titelte man damals beim KstA, Rundschau oder Express.
Wunderschön mit Marienbildnissen in Buntglasfenstern versehen, steht sie nun da, die kleine Kapelle. Ein richtiges Schmuckstück, direkt gegenüber steht die mit einem Adler gekrönte Säule, die an Preußen erinnern soll. Aber auch an die Opfer des 1.Weltkrieges. Ideales Fotomotiv auf Melaten. Vielfach genutzt und doch nur wenige wissen um die Geschichten, die sich hinter den ganzen imposanten Grabmalen abgespielt haben. Auch die v. Langen Familie besitzt ein Grab auf Melaten. Früher gehörte dies schließlich zum "guten Ton" in Köln. Wer adelig war, bekannt, geschäftstüchtig oder sonst irgendwie zu Geld gekommen, der ließ sich auf Melaten bestatten. Aber erst nach der Franzosenzeit, als sich die Kölner anfingen selbst zu inszenieren und Melaten zu einem Kunsthistorischen Ort machten, der er bis heute geblieben ist.
Doch zurück zum Thema, der kleinen Kapelle. Gelegen an der "Millionenallee" zwischen dem Hauptweg und dem Buchstaben H.
Hier ruht seit 1996 die als "Romakönigin" bekannte Sophia Czory. Manche sagten auch "Zigeuner-Königin" oder "Zigeunerbaronin", was ihr, laut privaten Quellen, nicht unangenehm war. Sie konnte damit umgehen und sah es nicht als Schimpfwort. Viele Jahre war sie das Oberhaupt in ihrem Clan. (Manche sagen auch Sippe) Sie lebte vom 10.5.1930 bis 20. 6.1996. Ihre Beisetzung stellte alles was bisher auf Melaten an Beerdigungen stattgefunden hatte in den Schatten. Es kamen mehrere 1000 Gäste.
Jedes Jahr an ihrem Todestag wird die kleine Kapelle fast so etwas wie ein "Wallfahrtsort". Man gedenkt ihrer, wie es sich für die Mentalität ihrer Familie gehört.
Sitten und Gebräuche unterscheiden sich in diversen Kulturen nun einmal. So ist es z. B. nicht unüblich auch mit Freude den Verstorbenen zu begegnen. Die Lebenden lassen sie so an ihrem irdischen Dasein weiterhin teilhaben.
Ein guter Grund für den Ankauf der Kapellenreste und die daraus resultierende Erneuerung, dürfte auch in einem weiteren besonderen Bestattungsverfahren liegen. Es ist nämlich bei Sinti, Lovara, Kelderara und Roma so, dass die Särge nicht einfach in den Boden gelassen werden dürfen. Ein Sarg soll nicht die Erde berühren. Darum gibt es spezielle Holzkonstruktionen, Betonverschalungen oder Kiesbeete in den ausgehobenen Grabstellen. Eine eigene kleine Kapelle bietet da natürlich auch andere Möglichkeiten. So erstrahlt das kleine Kapellchen nach seiner Rekonstruierung im einstigen Glanz und bleibt der Welt erhalten. Sie hat was von einem "kleinen Wohnhaus", denn auch die Türkränze wechseln liebevoll mit den Jahreszeiten.
Vielleicht seht ihr ja diese Kapelle einmal, wenn ihr über Melaten flaniert und Millowitsch, Westerwelle, Ostermann, ZIK oder Dirk Bach besucht. Auch dem Gründer des Hänneschen Theaters, Johann Christoph Winters wurde dort eine Gedenksäule errichtet, da man sein Grab nicht mehr auffinden konnte. Das ist Köln! Anders! Aber liebenswert!
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth. Czytaj więcej
Der Fastnachtsbrunnen
16 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ☀️ 8 °C
Der Fastnachtsbrunnen in Köln
Ihr findet ihn in der Altstadt, am Gülichplatz. Dieser Brunnen wurde bereits 1913 erbaut und erinnert an die Karnevalszeit. Der damalige Oberbürgermeister Wallraf hatte die Idee, hier einen Brunnen aufzustellen. Der Bildhauer Georg Grasegger entwarf ihn.
Eigentlich sollte er ganz anders aussehen. Straßenfiguren und kölsche Originale sollten ihn zieren. Davon nahm man dann Abstand, mir ist leider nicht bekannt warum. Sei's drum.
Der Brunnen hat einen sehr niedrigen Sockel und dafür eine hohe bronzene Brunnenschale, die unten von Tieren, Flaschen, Pokalen und Blumen geschmückt wird. Seine Höhe beträgt satte 3,85 Meter. Außen an der Schale stehen vier tanzende Paare auf kleinen Konsolen.
Diese stellen wohl die "hilligen Knechte und Mägde" dar. Die Geschichte dahinter kennt heute kaum noch jemand. Damals wurden die Kechte und Mägde grundsätzlich aus dem Bauernstand gestellt und waren wichtiger Bestandteil der "Rituale" zu Karneval. So trugen sie während der Prozession die Heiligenfiguren und kirchlichen Geräte. Nachmittags wurde sich zum Reigentanz auf der Kirmes versammelt. Später wurden sie auch in den Rosenmontagszug aufgenommen.
Aus der Mitte der Schale erhebt sich eine lange Spindel mit wasserspeienden Fischköpfen. An ihrem oberen Ende finden wir eine kleine trommelschlagende und pfeifenrauchende Figur. Die Pfeife ist übrigens ein kleiner Hinweis auf den Stifter. Haus Neuerburg war damals ein Tabakhaus.
Früher stand ein reichsstädtischer Adler oben auf der Spindel. Dieser wurde im Krieg zerstört und dann durch den "Kölschen Lotterboowen" ersetzt. Auch dieser wurde wieder von Grasegger entworfen.
1825 weilte Goethe zur Karnevalszeit in Köln. Er schrieb ein Gedicht darüber und vier Verse davon zieren den Beckenrand des Brunnens.
Löblich wird ein tolles Streben,
Wenn es kurz ist und mit Sinn,
Heiterkeit zum Erdenleben
Sei dem flüchtigen Rausch Gewinn.
Scheinbar war Goethe nicht so für den Karneval zu begeistern. Seit 1980 steht der Brunnen unter Denkmalschutz und das ist gut so, finde ich. Denn er ist ein Stück kölsche Geschichte.
Ach ja. Eine neuere Kölner Tradition hat der Brunnen auch zu bieten. Menschen, die sich im Karneval kennenlernen, sich zueinander hingezogen fühlen, sich aber an Karneval dann aus den Augen verlieren, haben die Chance, sich hier wieder zu finden. Denn an den sechs Samstagen nach Karneval treffen sich hier die "Suchenden".
Na, da wünsche ich doch "viel Glück".
Euer Ronald
Teilen erwünscht, erzählt jedem in der Stadt von Kölschgänger, teilt, liked und helft uns damit, unsere Geschichten weiter zu verbreiten. Wir wären euch sehr dankbar. Euch eine gute Woche, bleibt neugierig und aufmerksam, Czytaj więcej
Der Tauzieher
15 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ⛅ 11 °C
Kölschgänger zwischendurch (Dinge kurz erklärt)
Der Tauzieher
Diese Skulptur wurde für die Ausstellung der Vereinigung Kölner Künstler in der Kölner Flora im Jahr 1908 gefertigt. Da sie damals großen Anklang fand, kam irgendwann die Idee auf, eine stark vergrößerte Ausfertigung auf einem ansprechenden Platz in Köln zu installieren. Man entschied sich für eine freie Fläche am Holzmarkt vor dem neuen Kölner Hafen in unmittelbarer Nachbarschaft von Drehbrücke und Malakoffturm.
Die Skulptur aus Muschelkalk gefertigt wurde im Rheinauhafen 1911 aufgestellt. Seit 1980 steht diese Skulptur sogar unter Denkmalschutz. Sie hat eine Höhe von etwa 6,50 Meter, wobei der Sockel etwas mehr als die Hälfte davon einnimmt. Damit ist sie etwa doppelt so groß wie das Original.
Durch die unmittelbare Nähe zur Drehbrücke wird der Tauzieher oft nicht beachtet. Auch finde ich den Platz etwas lieblos und kalt. Irgendwie kommt die Skulptur da nicht zur Geltung und wirkt auf mich schon fast deplatziert. Schade eigentlich, an einem hübscheren Ort und mehr in den Mittelpunkt gestellt bekäme diese Skulptur bestimmt mehr Aufmerksamkeit.
In Köln ist sie übrigens eine der ganz seltenen Figuren, die einen körperlich arbeitenden Menschen zeigen.
Viel Spaß beim Entdecken wünscht euch Ronald Czytaj więcej
Die Geistermesse
13 stycznia 2020, Niemcy ⋅ ⛅ 7 °C
Die Geistermesse
Wir leben in einer Zeit, in der sich für die einen das meiste nur noch um Geld und Macht dreht, während andere sehen müssen, wie sie ihr Leben bestreiten. Eine nüchterne Welt, in der so manches, was früher einmal Bedeutung hatte, nicht mehr zählt, was die ganz Alten vielleicht noch wussten, wovon die Jungen heute aber nichts mehr hören wollen. Aber wer weiß schon, was es zwischen Himmel und Erde so alles gibt und was nicht? Vielleicht ist dem einen oder anderen von euch schonmal etwas widerfahren, wofür er keine logische Erklärung hatte?
So ähnlich ging es auch Berthel, einem jungen Burschen aus Köln. Aber bedenkt eines: in jeder Legende steckt ein Fünkchen Wahrheit...
Es geschah vor langer Zeit. Berthel führte nicht gerade ein sehr gottesfürchtiges Leben, was so viel bedeutete, dass er dem Genuss des Alkohols oft nicht widerstand. Wenn er wieder einmal an einem Abend bei einer Feier im Wirtshaus reichlich getrunken hatte, war am nächsten Morgen an den Besuch der heiligen Messe im Gotteshaus nicht zu denken. So auch an jenem Abend. Berthel hatte mit einigen anderen den Geburtstag eines Freundes gefeiert und begab sich nun, mehr schwankend als geradeaus gehend, auf den Heimweg. Verheiratet war er nicht, die Frau war es also nicht, die zuhause verärgert auf den Trunkenbold wartete, aber er fürchtete die Strafe des Pfarrers, wenn er wieder verschlief und es nicht zum Gottesdienst schaffte.
So in seine Gedanken versunken, stolperte Berthel weiter über den Marktplatz. Auf dem Hügel vor ihm lag die Kirche St. Maria im Kapitol, die sich nun düster im Nachtlicht abzeichnete. Doch was war das? So düster sah sie heute gar nicht aus...
Kerzenschein war zu sehen und auch der Klang von Orgel und Gesang war zu vernehmen. Seltsam. Höchst verwirrt blieb Berthel stehen. Noch nie hatte er einen Gottesdienst um diese Zeit erlebt. Schließlich ging es auf Mitternacht zu. Fast schon hielt er dies für einen Wink des Himmels, jetzt diese Messe zu besuchen, um am nächsten Morgen nicht aufstehen zu müssen.
Von diesem Gedanken beseelt, ging er rasch den Hügel hinauf, öffnete leise die Tür zur Kirche und ging hinein. Damit hatte er nun allerdings nicht gerechnet. Er fand gerade noch ein freies Plätzchen in der letzten Bank, denn die Messe war außerordentlich gut besucht. Durch den Alkohol müde geworden, musste er aufpassen, nicht einzuschlafen, während vorne vertraute Worte gesprochen wurden.
Ein seltsamer Geruch, eine Mischung aus feuchter, vermoderter Erde und Weihrauch drangen an ihn heran und langsam bekam er das Gefühl, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Aber was nur...was passierte hier? Warum kamen derart viele Menschen des Nachts in die Kirche?
Da plötzlich stieß ihn sein Banknachbar mit spitzem Ellbogen an: "Du musst jetzt gehen". Berthel jedoch nahm das gar nicht ernst, erst wollte er schließlich noch den Segen abwarten. Aber eine leichte Furcht machte sich dennoch langsam breit. Kurz danach wieder: "Du musst jetzt wirklich gehen". Diesmal klang die Aufforderung sehr einschüchternd und als Berthel dem Fremden ins Gesicht blickte, erschrak er fürchterlich. Das seltsame Gefühl, welches ihn während des gesamten Gottesdienstes begleitet hatte, wofür er jedoch keine Erklärung gefunden hatte, bestätigte sich jetzt, als er sah, dass die Gottesdienstbesucher allesamt im wahrsten Sinne des Wortes leichenblass waren. Auch sein Sitznachbar, welcher nun mit glühenden Augen und knochigem Zeigefinger zur Tür zeigte. Auch fiel Berthel jetzt erst auf, dass die Kleidung der Leute hier zerschlissen war und Jahrhunderte alt sein musste.
Ihn packte die nackte Angst. Wie vom Leibhaftigen persönlich gejagt, rannte er aus der Tür zur Kirche hinaus, gerade noch im rechten Moment. Denn als er sich noch einmal ganz kurz umdrehte, um sicherzugehen, dass er sich das alles nicht nur eingebildet hatte, löschte ein eisiger Luftzug die Kerzen in der Kirche und die Tür fiel mit einem gewaltigen Krachen ins Schloss.
Berthel machte in jener Nacht kein Auge zu. Bereits zur Frühmesse erschien er dann in der Kirche, und erzählte dem Pfarrer nach dem Gottesdienst, was er nachts erlebt hatte. Der Pfarrer offenbarte ihm, dass er großes Glück gehabt hatte. Denn Berthel war in eine der Geistermessen geraten, von denen man schon so manches mal gehört hatte. Und hätte er dank seines Banknachbarn die Kirche nicht rechtzeitig verlassen, wäre er mit all den Geistern auf ewig verschwunden.
Anstatt sich das eine Lehre sein zu lassen, führte Berthels erster Weg auf diesen Schreck hin direkt...ins nächste Wirtshaus.
Ihr Lieben, solltet ihr irgendwann nachts bzw. um Mitternacht von einer ausgelassenen Feier kommen und Licht in einer Kirche sehen, überlegt euch gut, ob ihr sie betreten wollt. Denn wie ich anfangs sagte: in jeder Legende steckt ein Fünkchen Wahrheit...
Bis bald, eure Ramona Czytaj więcej


































































