• das trockene Ried

    July 7 in Germany ⋅ 🌬 30 °C

    Die Radetappe von Sigmaringen nach Ulm zeigt die Donau von einer erstaunlich ursprünglichen Seite: In weiten Schleifen darf sie hier noch natürlicher fließen als nach ihrer Begradigung ab Ulm. Doch wer vom Sattel blickt, sieht im Sommer kein unberührtes Naturparadies, sondern ein Ökosystem im Alarmmodus. Statt eines breiten Stroms zieht sich oft nur ein flaches Rinnsal durch das Bett, flankiert von trocken gefallenen Kiesbänken.
    Dieser Wassermangel ist ein fataler Mix aus Geologie und Klimawandel: Da die Donau weiter oben im Sommer oft komplett versickert, kommt in Sigmaringen kaum noch Wasser an. Der Fluss muss sich über regionale Zuflüsse neu speisen – doch auch diese führen wegen ausbleibender Regen kaum noch Nachschub. Gleichzeitig brennt die Sonne auf das flache Wasser, was die Verdunstung extrem anheizt. Da zudem die Winter immer schneearmer werden, fehlt im Frühjahr die Schneeschmelze, um die Grundwasserspeicher aufzufüllen.
    Das stille Drama dieser Austrocknung zeigt sich in den Riedlandschaften vor Ulm, dem Revier der Weißstörche. Zwar sieht man keine toten Tiere am Wegesrand, doch die Folgen sind existentiell: Die für die Jagd auf Frösche und Insekten nötigen Feuchtwiesen sind knochentrocken und hart wie Beton. Die Störche finden kaum noch Nahrung, müssen immer weitere Wege zurücklegen und die Aufzucht des Nachwuchses wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Kurz vor Ulm endet diese Idylle abrupt und die Donau verschwindet in einem künstlichen Korsett aus Staustufen. Eine wunderschöne Radstrecke, die jedoch wie ein Fieberthermometer zeigt, wie spürbar der Klimawandel unsere Landschaft bereits im Griff hat.
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