• Himalaya Trekking (Teil 2) - Gosaikunda

    April 23, 2023 in Nepal ⋅ ☁️ -7 °C

    Auf zum heiligen See Gosaikunda (4380m)

    Nachdem wir gestern den Tserko-Ri (4985m) erklummen und eine Nacht in Kyangjin verbracht haben (3880m) geht es heute wieder runter ins Tal. Die Vegetation verändert sich alle halbe Stunde. Die Kargheit wird von grünen Bäumen, blühenden Rohdedendron, Bienensummen, Vogelgezwitscher, Bächen und Wasserfällen abgelöst. Die Stimmung ändert sich. Es fühlt sich lebendig an.

    Wir schlafen eine Nacht im Lama Hotel - eine dunkle Bude aus Holz. Wärme gibt es wie bei allen Teehäusern (so heißen die einfachen Unterkünfte die man unterwegs trifft) nur am Ofen im Gemeinschaftsraum. Die handgroße Spinne, die plötzlich hinter mir auftaucht, als ich auf meinem Bett sitze, lässt mich - trotzdem ich sie aus dem Fenster in die Freiheit setzen konnte- nicht mehr so ganz entspannen 😅. Es gibt aufgrund der undichten Fenster, Wände und Böden einfach zu viele Rückkehrmöglichkeiten 🤪.
    Ich schlafe so lala. Wenigstens ist es in dieser Höhe nicht so kalt. Die Wärme steigt vom Ofen im Gemeinschaftsraum auf und hilft zusätzlich.

    Am nächsten Tag gehts wieder bergauf. Unser Ziel ist das Dorf Thulo Syabru (2200m). Kurz vor dem Ziel gewittert es. Komisches Gefühl bergauf zu laufen wenn der Himmel brennt. Es hagelt plötzlich. Wir finden einen Unterschlupf im Dorf. Unser Gasthaus ist ein echtes Gasthaus und ich genieße ein schönes Zimmer mit Blick auf die Berge. Die Zimmertemperatur ist zum ersten Mal perfekt ☺️. Ich schlafe wie ein Baby. Wir frühstücken auf der Terrasse und genießen den Blick. Heute geht es weiter bis nach Laurebina (3900m). Hier ist es wieder kalt. Als wir ankommen sitzen die Gäste, Guides und Porter um den Ofen herum und wir setzen uns dazu.

    Zum Schlafen ziehe ich mir 3 Jogginghosen, Hemd, Longsleve, ein T- Shirt, ein Fleecepulli und eine dicke Fleece Jacke an. Ich krabble in meinen Sommerschlafsack und lege zwei dicke Decken und zwei Kuscheldecken über mich. Es dauert bis es warm wird in meinem Fuchsbau. Ich höre die Nachbarn quatschen, pupsen und schnarchen weil uns nur eine Presspappenwand trennt. Es knistern im Raum. Ich schalte meine Stirnlampe an und finde in der Ecke des Zimmers eine kleine Maus. Sie zittert als ich sie anleuchte. Irgendwie schaffe ich es dass sie in den Flur entflieht. Ich schalfe. Nach 2 Stunden wache ich auf und habe das Gefühl wenig Luft zu bekommen. Hier oben sind nur 60 Prozent des Sauerstoffes verfügbar. Ich kenne das unangenehme Gefühl vom letzten Mal. Der Körper muss sich wieder dran gewöhnen. Ich gehe aufs Klo welches am anderen Ende des Ganges ist und kühle sofort aus. Ich bin froh als um 5 Uhr die Nacht vorbei ist.

    Heute gehts zum Gosaikunda See auf 4380m. Der Weg ist schön. Ich genieße die Ruhe, den leichten Wind und die kühle Luft die mir hier in die Nase weht. Ich lasse die anderen hinter mir und gehe alleine voran.

    Diesmal ist es anders als beim letzten Aufstieg. Ich fühle mich stärker und mehr in Balance. Kindheitsgefühle begleiten mich und ich freue mich über dieses natürliche Sein. Ich begrüße Buddha der kurz vor dem Ziel als Statur vor mir auftaucht und spüre diese besondere Ruhe. Die letzen Meter zum Bergdorf und See laufe ich mit Leichtigkeit. Wir finden uns als Dreiergespann wieder zusammen und laufen um den See.

    Madan - unser Guide - erzählt mir die Legende vom See und dass hier Gott Shiva verehrt wird. Brahman, Vishnu und Shiva sind die drei Gottheiten im Hinduismus. Sie stehen für die Qualitäten des erschaffenden, des erhaltenen und des zerstörenden Prinzips. Shiva ist der Zerstörer. Man könnte auf sagen er steht für die Vergänglichkeit, die notwendig ist um Neues zu erschaffen. Es erklärt den Kreislauf des Lebens.

    Gläubige pilgern hierher, beten, läuten Glocken und tauchen kurz in den See. Die hinduistischen Rituale sind mir befremdlich. Ich halte mich zurück. Dann merke ich, dass es egal ist welche Religion hier praktiziert wird. Es ist ein heiliger Ort für Menschen. Ich entscheide mich für eine kleine Kopftaufe und tropfe mir das Wasser auf die Stirn und verbinde mich mit der Idee der natürlichen Vergänglichkeit.

    Beim Mittagessen treffen wir wieder auf die Gruppe Potsdamer. Sie amüsieren sich über meine Erzählungen der vergangen Nacht. Wir verabschieden uns und wünschen einander eine gute Reise. Ich freue mich über die Begegnung.
    Auf dem Rückweg gewittert und hagelt es. Gleichzeitig weht der Wind und die Sonne scheint.

    Eine weitere kalte Nacht in Laurebina. Ich schlafe erstaunlich gut. Am Abend sitzen wir wieder um den Ofen herum. Diesmal mit einer Gruppe Franzosen und Israelis. Die Franzosen sind zwischen 60 und möglicherweise sogar über 70 Jahre alt. Ich habe Respekt. Sie haben auch eine Dolmetscherin dabei und bekommen zum Abendbrot ein drei Gänge Menü 😁.

    Draußen schneit es jetzt. Die ersten sind besorgt, dass sie den Pass morgen nicht überqueren können. Wir sind davon nicht betroffen da wir eine andere Richtung einschlagen.

    Am Morgen sitze ich neben einem älteren französischen Herren am Ofen und frage ihn ob er gut geschlafen hat. Er schaut mich nicht an und antwort etwas mürrisch "No, not well". Er hat außerdem Husten sagt er. Ich verschwinde in meinem Zimmer packe alles zusammen und lege dem Herren zum Abschied ein paar Hustenbonbons auf den Tisch bevor ich gehe. Er freut und bedankt sich. Ich freue mich auch und wünsche eine "Bon voyage"! Die Gruppe lächelt und winkt mir zu. Ich freue mich über die kurze Begegnung und verschwinde nach draußen in den Schnee.

    Vorletzte Station auf dieser Reise ist der Ort Chandanbari (2400m). Auf dem Weg nach unten laufen wir durch Nadelwälder
    Ich fühle mich wie zuhause. Es kommen uns zwei Herren entgegen. Ich erkenne sie und rufe laut "nooo way". Wie schön! Wir treffen auf Shai und Didi aus Israel, die wir das letzte Mal in Langtang gesehen haben. Keiner hätte gedacht, dass wir uns nochmal über den Weg laufen würden. Wir fallen uns in die Arme und tauschen uns aus. Ein Erinnerungsfoto entsteht. Beschwingt laufe ich weiter und freue mich erneut über diese Begegnung.

    Ich bin wirklich zufrieden und glücklich. Was für eine wundervolle Reise! Am Ende ist auch jede Anstrengung und Unannehmlichkeit ein wichtiger Bestandteil der Reise. Ich lache über meine leidvollen Momente und bin berührt über die vielen Begegnungen. Ich bin auch ein bisschen stolz auf mich es geschafft zu haben 💪😌🙏☺️!
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