• Osho Ashram in Rishikesh

    May 2, 2023 in India ⋅ ☁️ 23 °C

    Ich will in den größten Yoga Ashram der Welt! Aber der ist bis Juli ausgebucht. Was nun? Heute geht mein Flug nach Rishikesh und ich habe keine Unterkunft. Ich erinnere mich an meine Begegnung mit Samitha in Sri Lanka vor zwei Jahren. Sie ist Deutsche und hat in der Hippiezeit in der Osho Gemeinschaft in Pune, Indien und später in den USA gelebt. Sie ist jetzt in ihren siebzigern und fährt immer noch auf Sri Lanka mit dem Moped durch die Gegend. Oshos Einfluss kann nicht verkehrt gewesen sein 😄! Ich verlasse Nepal und buche also am selben Tag kurz vor knapp meinen Aufenthalt im Osho Ashram in Rishikesh. Ich werde es nicht bereuen.

    Mein Flug geht über Dheli nach Dehradun Airport. Nachdem alle Passagiere an Bord sind verspätet sich unser Flug um eine Stunde weil es eine laute Auseinandersetzung zwischen einem Nepalesen und einem Inder gibt 😅. Der betrunkene Nepalese wird aus dem Flugzeug entfernt und alle klatschen. Neben mir sitzt ein Inder der für das internationale Unternehmen PwC arbeitet. Er evaluiert Projekte der Entwicklungshilfe und wir unterhalten uns natürlich angeregt. Ich frage ihn ob er mein Handy mit Guthaben aufladen könnte sobald wir ankommen, denn ich brauche ja die UBER App um mir bei der Ankunft ein Taxi zu organisieren. Wir landen.

    Am Flughafen in Delhi treffe ich dann auf Mateo einen Italiener dessen Heimat Italien und Belgien ist, wie er sagt. Ich habe ihn bereits in Kathmandu am Flughafen gesehen, denn westliche Ausländer fallen in Indien immer noch auf. Dann steht er in Dheli zur selben Zeit am Immigration Counter und ruft mir rüber dass wir im gleichen Flugzeug sitzen werden. Ich verliere ihn aus den Augen und treffe ihn erst bei unserer Ankunft wieder. Er ist schon mind. 3 Monate in Rishikesh und nimmt an einem Yoga Training oder Retreat oder sowas teil und war schon öfter hier.

    Wir wollen uns ein Taxi teilen, denn zufälligerweise wollen wir in die gleiche Richtung - außerhalb von Rishikesh. Wir stehen am Gepäckband unseres Zielflughafens. Plötzlich taucht mein Sitznachbar wieder auf und erinnert mich daran, dass ich mein Handy aufladen wollte. Ah, da war ja was! Wie nett von ihm mich an dieses essentielle Vorhaben zu erinnern 🫣😊🙏. Er lädt schell Guthaben von seinem Konto auf mein Handy und winkt das Bargeld was ich ihm dafür hinhalte ab. "No, no. I invite you. You are the guest! Have a save trip!".
    Danke! ☺️

    Mein Koffer kommt nicht... Ich hätte es in Delhi aus- und wieder einchecken müssen 😅🙄🙃. Nun gut. Mateo ist gut organisiert. Ich fühle mich behütet weil wir gemeinsam ankommen und er mir von Rishikesh erzählt. Er hat schon einen Fahrer der auf ihn wartet und Menschen an seinem Zielort die gemeinsam mit ihm essen wollen. Und überhaupt sieht er sehr gepflegt und sortiert aus, während ich eher die Aussage "Ich habe eine Wassermelone getragen" verkörpere 😄. Er sagt, er kommt hier nie an ohne einen Fahrer organisiert zu haben. Mmm naja, ich setze auf die App UBER und schicke ihn los um ihn nicht wegen der Koffer Formalitäten warten zu lassen.

    UBER funktioniert nicht sagen mir verschiedene Taxifahrer.....Es stimmt. Ich stehe nun im Dunkeln am Flughafen und spreche mit einem Taxifahrer dem ich schließlich mein Vertrauen schenke. So ganz geheuer ist es mir dennoch nicht alleine ins Taxi zu steigen. Mein Geist denkt sich die schönsten Krimis aus, während wir los düsen. Naja ich hab ja Mateos Nummer, beruhige ich mich und kann meinen Standort im Notfall schnell teilen - Irgendwer wird mich dann schon finden ...😅😱🤪🫣.

    Um mich aus den verrückten Gedanken zu holen, fange ich ein Gespräch mit dem Fahrer an und entspanne mich schnell wieder. Kapil heißt er, ist extrem nett und bringt mich für die Hälfte des Preises ans Ziel als Mateos organisierter Fahrer. 💪👍 Wir fahren durch Rishikesh und ich sehe die leuchtenden Ashrams die sich im Ganges spiegeln - toll 🤩🥰🤩🥰🤩.

    Das Osho Zentrum liegt ca. 4km außerhalb - direkt am Ganges!!!! Mateo sagte, dass es ein besonderer Ort sein soll.
    Ich bin gespannt! ☺️😌

    Ich komme an und darf erstmal was gutes und gesundes essen. Es finden sich auch gleich andere Gäste, die mich in die Abläufe einweisen und mir zeigen wo alles wichtige und mein Schlafplatz ist.

    Natürlich habe ich das günstigste Bett gebucht und so bin vorerst das einzige weibliche und westliche Wesen in einem 15 Personen Zimmer 😅🫣. Eine kleine Aufruhr startet weil einige Leute sagen, das es doch bessere Räume für mich gäbe. Ich bin verwirrt und bekomme das erste Bett am Eingang. Ich schlafe so lala und bin noch etwas skeptisch ob ich im Schlafsaal bei den Jungs bleiben soll. Mein Bild ändert sich nach ein paar Tagen und ich lerne dieselben Jungs als offene, wundervolle, coole und herzliche Menschen kennen - kein Unterschied or whatsoever zu meinen männlichen Freunden daheim 🙏. Wieder was dazugelernt.

    Morgens um 6:15 Uhr gibt es einen Tee und danach beginnt meine erste dynamische Meditation. Ich weiß, dass wir tanzen und schreien werden 😅🤪. Der Saal füllt sich. Alle, inklusive ich, tragen die obligatorischen weinroten Gewänder. Der Swami (Lehrer) auch. Mit seinen langen weißgrauen Haaren und dem passenden Bart, den Knopfaugen und in seiner rundlichen Gestalt erinnert er mich an einen lustigen Weihnachtsmann. Insbesondere als er beim warm up Lach Yoga einfließen lässt 🎅 😄😂.

    Dann erläutert er in gebrochenem Englisch kurz was zu tun ist: "first stair: fast breathing, second: katharsis, third: huh and jump, then stop, last: dance!"

    Alles klar? 🤔😄

    Seine Mimik und Gestik untermalt das Ganze so dass ich tatsächlich verstehe was zu tun ist. Es geht los. Die Musik dröhnt durch die Halle. 10 min. lang wird nun kräftig ein- und ausgeatmet, jede*r für sich, im Stehen und auf seine*r Matte - die Arme bewegt man zur Unterstützung auf und ab. Das sieht übrigens sehr lustig aus wenn der Swami das vor macht 😄.

    Warum macht man das? Sauerstoff wird durch die Zellen gepumpt und hilft diese zu reinigen (Zellablagerungen können schneller abtransportiert werden und der Körper wird alkalisch - übrigens nutzt Wim Hof - the Ice Man- diese Atemform auch). Das heißt, danach fühlst du dich körperlich freier. Durch die schnelle Atmung und die laute Musik steigt das Adrenalin im Blut was für den nächsten Schritt hilfreich ist : nämlich 15 min. Lebenszeit um seine Dämonen freizulassen 😃. Sprich: alle Emotionen die wir aufgrund gesellschaftlicher Etikette höflich unterdrückt haben, finden jetzt einen Ausgang. Schreien, weinen, lachen und sonstige Geräusche sind ausdrücklich erwünscht! Denn es geht darum die aufgestaute Energie - also die unterdrückten und im Körper gespeicherten Gefühle - aus dem Körper zu entlassen. Geben wir dem Körper Raum um sich auszudrücken, kann die aufgestaute Energie (Wut, Trauer, Euphorie, Lust) -die längerfristig zu Blockaden im Körper führt- frei gelassen werden. Der Körper kann sich dann wieder um die wichtigen Funktionen kümmern wie Verdauung, Zellversorgung und Heilung und wird nicht mehr von den herum irrenden Emotionen okkupiert. Macht Sinn, oder?

    Menschen die nicht still sitzen können, sich ständig unbewusst bewegen, oder emotional leicht gereizt oder aggressiv reagieren haben also einfach zu viel Energie im Körper, d.h. die unterdrückten und nicht gelebten Emotionen stauen sich im Körper an und können zu mentalen, physischen oder psychosomatischen Problemen oder sogar Krankheiten führen. Die unbewusste Agilität der Menschen dient also lediglich als Ventil.

    Wir leiden also an zu viel Energie im Körper wenn wir plötzlich einen Putzfimmel kriegen, ständig zu Kühlschrank laufen oder unserem Gegenüber am liebsten bei der kleinsten Kleinigkeit an die Kehle springen wollen 😃😁. Wer kennt dieses Gefühl nicht?🙉

    Um mich herum beginnt ein Konzert aus hohen, tiefen, kurzen und langen Tönen, Schreien, Kreischen, Jammern, Lachen und Jubeln. So kann man sich wohl die nordische Unterwelt vorstellen!!
    👻😈🤡🥸🤓👹☠️😭🥳😂😠😱🙉🧟.

    Die ersten Tage kommen Weinen, jugendliche Frustration, Lachen und irgendwelche Vokaltöne aus mir heraus. Später überrasche ich mich selber mit Brüllern aus dem Bauch, hohem Gekreische und Jippie Rufen und fühle mich stolz und verlegen zugleich 😂😁😆.

    Dazu bewegt man sich natürlich so wie der Körper es will. Die laute Musik und die anderen Stimmen animieren zusätzlich.
    Ja, es ist wie im Irrenhaus und das ist auch gut so 😄💪! Raus mit dem ganzen Zeug!!!

    Ganz ehrlich, ich dachte ich brauche das eigentlich nicht oder da ist gerade nichts da (schon gar nicht um 6:30 morgens 😄😴) aber das ist alles unfug! Man wird immer besser je öfter man das macht. Es ist nur eine Frage der Zeit bis man die Verlegenheit und den Wiederstand in Form von "ich finde das lustig" beiseite legen kann und den Mut findet mal so richtig nach innen zu schauen und das dann nach außen zu holen. Die Inder sind übrigens richtig gut darin - hätte ich nie gedacht 😄😂👍.

    Im nächsten Schritt wird auf der Stelle gehüpft und gleichzeitig das Mantra "HUH" aus dem Bauch heraus gerufen. Zusätzlich wirft man mit jedem Sprung die Arme in die Luft. Das sieht auch lustig aus aber aktiviert das zweite Chakra (=energetisches Zentrum welches für die Lebensenergie steht). Wenn Leute nicht "ihren Mann" oder "ihre Frau stehen" und die kreative Lebenskraft nicht leben sondern nur tun was alle anderen tun, dann ist das Zentrum meist zu schwach ausgeprägt oder es besteht ein Ungleichgewicht.

    Dafür hüpfe ich doch gerne 😀.

    Nach 15 min. ruft der Swami laut "Stop", die Musik ist aus und alle bleiben wie versteinert stehen. Weitere 15 min. verweilt man so wie man im Stop Moment ist. Arme oben heißt Arme oben lassen. Es werden keine willentlichen Bewegungen ausgeführt - du darfst nur noch beobachten und nach Innen schauen. Das ist die eigentliche Meditation🤸🧎🧘.

    Anschließend spielt sanfte Musik zu der man den Körper bewegen lässt (ohne zu denken wie man jetzt am besten tanzt oder so was - einfach Ego frei und aus dem Körpergefühl heraus)💃. Dann ein paar Minuten liegen und alles wirken lassen. Fertig 😃.

    Ich mache das jetzt schon ein paar Tage und merke wie die Scham verschwindet und das "Kind-ich" wieder Raum bekommt. - gemeinsam mit all den anderen Kindern hier ❤️. Das ist befreiend und wunderschön 🥰🙏.

    Nach den ersten Tagen reist eine Gruppe Inder*innen an, die an einem 4-tägigen Meditations Camp teilnehmen. Ich lerne wieder spannende Menschen kennen und werde vom neuen Swami eingeladen gemeinsam mit der Gruppe auf einen 4-tägigen Trip zu heiligen Orten entlang des Ganges mitzufahren. Aber dazu mehr im nächsten Blogeintrag 🙂🤗😘.
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