Besuch bei einer Schamanin
14 aprile 2023, Nepal ⋅ ☁️ 28 °C
Ihr Lieben,
ich lese aktuell ein Buch mit dem Titel
"Sieben Häuser der Angst" von der Psychotherapeutin Delia Müller. Ich habe es von ihr geschenkt bekommen nachdem ich an ihrem Kurs zur Entspannungstherapeutin in Berlin teilgenommen habe. Was soll ich sagen, sie ist eine coole Socke!
Delia hat uns damals von ihren Erfahrungen mit Schamanismus erzählt und mir empfohlen, dass wenn ich schon nach Indien fliege, ich doch auch gleich nach Nepal beim shamanic research institute in Kathmandu vorbeischauen könne. "Das wäre bestimmt was für dich", sagt sie zu mir.
Ich liege im Bett und lese ihr Buch. Sie erwähnt das Institut. Ich suche nach der Nummer und rufe an. Ich spreche auf Deutsch mit Dirk. Ich erzähle ihm von der Begegnungen mit Delia und der Empfehlung. Er fragt mich ob ich Probleme habe. Ich antworte belustigt: "die haben wir doch alle." Er stimmt zu: "Ja, jeder auf seine Weise."
Ich vereinbare einen Termin zu einer schamanischen Diagnose für morgen zwischen 11 und 12 Uhr und bin mir unsicher darüber was mich erwartet. Er gibt mir die Nummer seines Kollegen Subin der vor Ort sein wird.
Ich organisiere mir ein Moped Taxi über die App "Indrive" und sause in ein mir bereits bekannten Stadtteil von Kathmandu. Google führt mich zu einem orangefarbenen Tor und ich bin mir unsicher ob ich richtig bin. Ich rufe Subin an. Subin ist Nepalese und Sohn des Gründer des Institutes und des Schamanen Mohan. Er scheint ungefähr mein Alter zu sein. Lange schwarze Haare und ein ruhiges Wesen. Wir setzen uns auf den Hof und reden ein bisschen über dies und das.
Er führt mich in den Raum, wo ich auf Parvati - die älteste Schamanin in der Familie treffe. Sie ist seine Tante. Eine kleine, rundliche und faltige Frau in nepalesischer Kleidung steht vor mir. Ich sitze auf einem Kissen auf dem Boden. Sie spricht kein Englisch. Subin übersetzt.
Er fragt ob es etwas bestimmtes gibt. Ich sage, dass ich mich manchmal wie blockiert fühle und oft eine große Traurigkeit spüre, die ich nicht zuordnen kann. Er nickte und übersetzt. Wir beginnen mit der Diagnose.
Parvati nimmt meinen Arm und hält mich an der Hand und fühlt meinen Puls. Sie murmelt etwas. Plötzlich schreit sie und schüttelt meinen Arm. Sie spricht mit Subin. Subin sagt ganz ruhig:
"Deine Vorfahren sind nicht zufrieden mit dir. Es kann sein, dass sie traurig sind, darüber dass du sie nicht beachtest.
...und Mutter Natur ist auch nicht glücklich. Wir müssen schätzen und dankbar sein für das was Mutter Natur uns gegeben hat. Das was wir haben."
Okaaaaay denke ich etwas beunruhigt und höre weiter zu.
"Da ist noch was. Eine Kinderseele besetzt dich. Hat jemand in deiner Familie ein Kind verloren? Auf natürliche Weise oder durch einen Abtreibung?"
Mir fällt auf die schnelle nichts ein. Erst später erinnere ich mich an meine Cousine mütterlicherseits.
"Ein Teil deiner Seele fehlt. Das kann passieren wenn man etwas traumatisches erlebt hat oder etwas nicht verarbeitet hat. Wir müssen ihn zurückholen."
Boah denke ich wieder und frage mich was noch alles nicht bei mir stimmt ..
"Da ist auch ein Vorfall von schwarzer Magie aufgrund von Neid. Das passierte vor drei Jahren."
Ich schluchse und antworte mit einem ironischen Lachen "Na toll". Das ist ein Haufen Zeug denke ich ohne alles genau zu verstehen.
"Wir müssen ein Ritual durchführen. Aber nicht jetzt. Es ist 12 Uhr, da führen wir keine Rituale durch. Du kannst hier warten oder rausgehen. Fühl dich wie zuhause. Wir beginnen um 13:00 Uhr."
Ich bleibe im Raum und heule. Das tut gut.
Dann beruhigt sich mein Gemüt und ich schaue mich im Raum um. Vor mir verschiedene Skulpturen, Trommeln, Fotos ...
Draußen isst die Familie Mittag.
Dann geht es los. Ich schließe meine Augen. Sie trommelt, schüttelt sich, hüpft, schüttelt mich, singt und murmelt in einem besonderen Ton der mich an Indianerfilme erinnert, sie benutzt Räucherwerk und andere Dinge. Ich soll mich zur offenen Tür hin drehen. Ich blicke in die Küche wo Gäste sitzen und essen. Sie sind unbeeindruckt von dem was passiert. Ich glaube sie sind Schamanismus Lernende. Irgendwann gehen wir nach draußen. Ich muss mich auf Zuruf umdrehen und in eine andere Richtung laufen.
Ich weiß nicht wie lange das alles gedauert hat. Am Ende schaue ich sie an. Sie lächelt und ist völlig verschwitzt und außer Atem. Sie sagt: "Jetzt ist alles gut.'
Subin und ich trinken Tee. Er erzählt mir von der Familie und dem Schamanismus, zeigt mir Fotos. Er zeigt mir ein Foto wo er als 17 jähriger in einer Höhle 6 Stunden im Stehen meditiert. Aus Delias Buch weiß ich, dass die Jhankri Schamanen Prüfungen ablegen müssen, in denen sie ihre Geistesstärke beweisen. Das krasseste ist wohl in einem Sarg unter der Erde verbuddelt zu liegen mit einem Strohhalm im Mund der an die Oberfläche reicht und als einzige Luftzufuhr für die nächsten 8 Stunden dient. Das erfordert einen enorm starken Geist.
Ich erzähle ihm, dass ich morgen mein Trekking beginne und er sagt, dass mein Etappenziel der Gosaikunda See ein heiliger Ort sei zu dem er auch mit anderen Schamanismus interessierten reise. Er wanderte dorthin schon barfuß.
Parvati sitzt draußen und raucht. Sie lächelt als ich mit dem Hundewelpen spiele. Ich bleibe eine Weile auf dem Hof. Es ist schön hier. Subin ist in der Nähe.
Ich frage ihn noch recht unsortiert wie es kommt das Mutter Natur und die Vorfahren unzufrieden mit mir seien. Auch was schwarze Magie in diesem Sinne bedeute und wie ich mich schützen kann.
Er hört mir ruhig zu. Dann antwortet er klar und mit authentischer Präsenz:
"Unsere Vorfahren der Vergangenheit und der Zukunft - wir müssen sie ehren. Sieben Generationen der Vergangenheit und sieben Generationen der Zukunft. Sonst werden sie unglücklich oder traurig. Es kann sein, dass wir diese Unzufriedenheit und Trauer dann selber spüren. Wir müssen ihnen Rituale oder Gaben widmen. Es ist egal wie wir das machen. Du kannst einfach deiner Intuition folgen."
"Mutter Natur. Sie ist auch ein Wesen. Wir müssen sie achten. Die meisten Menschen vergessen das. Wir müssen dankbar dafür sein, dass sie uns schon alles gegeben hat."
"Schwarze Magie, ja sie kann auch durch die eigene Gedanken entstehen. Wenn man selber Neid oder andere negative Gedanken hegt. In deinem Fall kam sie aber von außen. Du kannst dich schützen indem du deine Spiritualität weiter entwickelst."
Wir schweigen. Irgendwann finde ich die Muße mich zu verabschieden. Wir umarmen uns. Parvati drückt mich und lacht. Alles wird gut.
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Ich fühle mich leer und ohne Gedanken. Es geht mir gut. Ich weiß nicht ob sich was verändert hat. Dennoch: die Präsenz und das Gespräch mit Subin hat etwas in mir angeregt. Irgendwie macht es Sinn. Dankbar zu sein für das was ist und seine Vorfahren der Vergangenheit dafür zu danken, dass man existiert. Welch ein Wunder ist das überhaupt wenn man sich das mal bewusst macht. Ich muss gestehen ich kennen gerade mal zwei Generationen und die nicht mal komplett. Ich nehme es einfach für selbstverständlich, dass ich hier bin. Ist es aber nicht.
Ich fühle mich inspiriert und nehme die Dankesrituale mit in meine tägliche Meditationspraxis mit auf. Meine Vorfahren der Vergangenheit schenken mir Schutz, Vertrauen und Geborgenheit, die der Zukunft führen mich auf meinem weiteren Weg und geben mir die Inspirationen und Visionen für die Zukunft.
Mutter Natur danke ich von nun an für all das was ich als Kind erfahren durfte, für all die Menschen die mich auf meinem Weg begleitet haben, für meine Erlebnisse und die Herzensmenschen, die um mich herum da sind und mich lieben - das berührt mich und öffnet mein Herz und damit zeigt es schon seine Wirkung.
Danke für diese Erinnerung an die Dankbarkeit und Wertschätzung dessen was war und ist. Für den Weckruf zu vertrauen in das was kommt.
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FOTOS: außer von dem Hund der mir den Weg gezeigt hat, habe an dem Tag keine Fotos gemacht. Es hat einfach nicht zur besonderen Situation gepasst.
Für diejenigen die mehr über sie Arbeit und über Schamanismus wissen wollen, poste ich hier den Link zur Webseite: https://www.himalayanshamans.com/studies-in-nepal/Leggi altro


Liebe Josi ich denke viel an dich , deinen Mut und deine Entschlossenheit weiter zu gehen. Ich drück dich aus der Ferne 😘 [Peggy]
Josephin Dahlenburg❤️❤️❤️❤️❤️ danke für deine lieben Worte ❤️ Mir fehlt das gemeinsame Musizieren 🥰 und ein gemeisnsamer Wein oder Tee Abend steht noch aus 😁