• Sannyasin Initiation und Pilgerreise

    12 maggio 2023, India ⋅ ⛅ 35 °C

    Leute? Was soll ich sagen... Das Leben ist verrückt 😄. Lasst mich das genauer erläutern...

    Im Osho Ashram treffe ich Bhupendra einen ü60 Inder, der mit Anfang 20 im Osho Ashram in Pune lebte. Er wurde von Osho persönlich als Sannyasin getauft und sozusagen "neugeboren". Wir kommen ins Gespräch und nach dem üblichen woher kommst du und so weiter, kommt er direkt zum Thema:

    "I see you. I see that you are running. Thats why I want to tell you, you become a Sannyasin now. Don't wait. You know, I had everthing in this moment when I looked into Oshos eyes, but I went on looking for happiness in the outside...in marriage and jobs...now I am old, I wasted so much time. I don't have much time left. I only want to die as a happy man. I tell you this because you don't make the same mistake."

    Der bärtige Mann hat mehere Stants im Herzen und sein Arzt meinte er müsste eigentlich nur noch im Bett liegen können. Er selbst sagt, dass sein materieller Körper zwar schwach sei er aber auf einer anderen energetischen Ebene stark sei - er meditiert, schläft, isst und macht was er will - das hält ihn fit. Immerhin plant er mit einer Gruppe entlang des Ganges zu reisen und nach Nepal zu fliegen 😄.

    Auf meine Frage was Sannyasin sein für ihn bedeutet, antwortet er energisch: "YOU STOP RUNNING AND STAY HOME - HOME INSIDE... WITHIN YOU. You can do anything, you go on doing your Yoga and so on. But when you become a Sannyasin something will change."

    Ich wusste nicht, dass es eine Option ist, sich von diesem Swami einweihen zu lassen und denke darüber nach..

    Der Swami der mit der Gruppe weiterziehen wird, ruft mich zu sich und fragt mich ob ich mit auf die 4-tägige Reise entlang des Ganges mitkommen möchte. Ich muss nichts bezahlen und sage ja 😄.

    Ich denke über die Worte Bhupendras nach und rede mit anderen Osho Sannyasins. Ursprünglich bedeutete es Sannyasin zu sein, der materiellen Welt zu entsagen und sich ganz dem spirituellen Weg zu widmen. Menschen verließen Familie, Haus und Hof und lebten im Freien, verzichten auf jeglichen Besitz, meditierten in der Natur, pilgerten zu heiligen Plätzen und ernährten sich von den Gaben der Mitmenschen, die den spirituellen Weg bewunderten aber selber den Schritt nicht wagen. Sannyasin konnte nicht jeder werden nur diejenigen die wirklich den Drang nach Erleuchtung und Selbstverwirklichung zeigen. Erst dann wurde man vom Guru eingeweiht.

    Osho hat das ganze neu erfunden. Seine Vision war the new man "Zobra the Bhudda" - ein ganzheitlich lebender Mensch, der sich nicht der materiellen Welt entzieht sondern sie genießt aber eben nicht dort stehen bleibt und dem Hedonismus verfällt sondern spirituell wächst. Beides - ohne wählen zu müssen.

    Das Meditationscamp endet und ich bitte den Swami mich einzuweihen. Die Feier ist zauberhaft. Man tanzt zusammen, heißt mich willkommen im Kreis der Lebenskünstler und teilt Umarmungen oder Namaste gesten. Eine tolle Erfahrung.

    Jetzt habe ich endlich offiziell die Erlaubnis für das was sowieso schon immer in mir war - Freiheit 😄. Ich habe mich so oft im Leben gefragt warum Karriere, Haus, Kind und Hof für mich irgendwie nie große Lebensziele waren und die Antwort ist, das dies keine Frage ist die man sich überhaupt stellen muss. Es ist egal. Oder mit den Worten die auf dem T-Shirt des Ashram Managers stehen: just do what you like!
    😄 🙏🥰🤩🙉🤸💃😁

    Das ist unsere Lebensaufgabe: seine kreative Einzigartigkeit zu leben - ohne Angst und voller Vertrauen, sich frei zu machen von den gesellschaftlichen und familiären Konditionierungen, die der eigene Geist aufgenommen hat. Dem Herzen vertrauen und ein Leben zu leben was sich "echt" anfühlt. Leichter gesagt als getan, was? 🙉 Es ist ja auch eine Lebensaufgabe 😄.

    Gemeinsam mit einer gemischten Gruppe indischer Osho Sannyasins und Otto-Normal-Verbraucher*innen fahre ich nun entlang des Ganges bis nach Uttarkashi und Gangotri - 18km von der Quelle des Ganges entfernt. Hier ist der Fluss schmal und Bergbachklar 🤩. Der Ort ist bekannt bei Babas, Sadhus ( Sannyasins und Heilige) und Hinz und Kunz 😃😂. Auf dem Weg sehen wir sie zu Fuß pilgern. Menschen in organge gekleidet (Farbe der Lebensfreude und Kreativität, der Lebenskraft) mit natürlichen Rastalocken und das ganze Hab und Gut an einem Stock gebündelt. Beeindruckend!!

    Auf der Reise lerne ich auch David aus Deutschland kennen. Er war mit Mitte zwanzig ein Jahr lang in Indien und hat mit Babas für fast 3 Monate auf der Straße gelebt. In Rishikesh am Ganges haben sie gemeinsam meditiert und auf einer Matte unter freien Himmel übernachtet. Ein einfaches Essen gibt es umsonst in jeglichen Ashrams, die diese Lebensweise unterstützen, erzählt er. Mit David verbringe ich dann noch zwei zusätzliche Tage in Haridwar - einer ebenso heiligen Stadt wie Rishikesh nur weniger touristisch. Danach fahren wir gemeinsam wieder nach Rishikesh in unsere "Base" - Osho Ashram. Von ihm lerne ich viel, vor allem durch gemeinsames Schweigen. Nach einem Bad im Ganges sitzen wir inmitten der Massen der Ganga Aarti Veranstaltung im Stillen und meditieren oder rauchen Ganja (ich nicht) mit "halb echten" Babas im Schatten unter Bäumen. Wenn wir gemeinsam durch die Straßen gehen grüßen uns Menschen mit dem hier gängigen "Hari Om" - "Werde eins mit der Einheit" und bezeichnen uns als Hindu Götter Shiva und Parvati... Wir müssen viele Fotos mit unbekannten Menschen machen 😂😅...

    Gemeinsam machen wir uns am Abend auf die Suche nach echten Babas, denn bereits im Beisein der Menschen kann man viel lernen, sagt David. Wir laufen am ersten Abend die Straße hinunter Richtung Ganges und David sagt plötzlich: "Oh das ist mal ein richtiger Baba." Ich drehe mich um und blicke in die strahlendsten Augen die ich je gesehen habe. Der Mann ist hager -sein Gesicht wunderschön auf eine ganz besondere Weise. Ich habe noch nie jemanden gesehen der so viel Liebe und Mitgefühl ausstrahlt...so sehr dass es im ganzen Körper gekribbelt hat.

    Ich verstehe nun warum die Menschen vor Jesus auf die Knie fielen ohne ihn zu kennen. Es muss etwas ähnliches gewesen sein...im Kontakt mit diesem Menschen fühle ich mich plötzlich wie "zuhause" - damit meine ich nicht das materielle sonder das seelische zuhause. Alles ist plötzlich unwichtig und gleichzeitig ist der Moment so schön. Wahnsinn.

    Indien hat sie also noch...die Heiligen, pure Seelen, frei von Leid und voller Liebe. Mystisch... fantastisch. Das ist ein Schritt hin zur Wahrheit, auf dessen Spur ich mich befinde. Danke David, Danke Baba, Danke Indien!
    🙏🥰😌🧘🕉️
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