Einblicke in die Tibetische Medizin
14 luglio 2023, India ⋅ ⛅ 13 °C
So - jetzt bin ich krank... 🥵🤧
Eine schöne Erkältung habe ich mir unterwegs weggeholt...jetzt heißt es Pause einlegen und erholen. Ich bin froh das ich mich wieder in Padum bei der muslimischen Familie befinde. Hier bleibe ich eine ganze Woche.
Nun da ich huste und mir die Nase läuft, habe ich auch die Gelegenheit das regionale Medizinsystem genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich besuche eine Amchi - so heißen die Naturheiler*innen die die traditionelle Tibetische Medizin praktizieren. Fast jedes Dorf hat eine*n Amchi. Der Dalai Lama auch. Die Menschen können kostenlos Konsultationen und Medikamente bekommen, denn die Zentren werden vom Dalai Lama gefördert.
Neben dem Naturheiler gibt es auch:
*Lhamo - Schamanen,
*Onpo - Astrologen,
*Duba Lamas, Ngakpas und Kandomas - Mönche und spirituelle die die tantrischen (Heil -)Praktiken beherrschen.
... und bestimmt noch weitere. Es ist nicht einfach diese Infos herauszufiltern, denn Sprachen und Verständnis sowie Kenntnisstand und Interessen sind sehr unterschiedlich hier in der Region.
Ich besuche die Amchi in Padum. Das Haus ist groß und gleich am Eingang gibt es zwei Apotheken - eine Amchi Apotheke und eine Allopathie (westliche Medizin) Apotheke. Von Flur aus erkenne ich Zeichen auf denen Labor, Umkleide und X-ray zu sehen ist. Das Zentrum scheint gut ausgestattet zu sein. Nur die Menschen inkl. Personal fehlen 😄.
Ich treffe auf eine Nonne, die Arzthelferin ist und die Amchi. Eine modern gekleidete junge Frau. Sie spricht Englisch. Ich erkläre ihr was mir fehlt und sie fühlt meinen Puls. Dann fragt sie mich ob ich tibetische Medizin oder westliche Medizin möchte. Ich bekomme loses Pulver und festes Pulver in Form von Kugeln. Die Inhaltsstoffe sind Pflanzen aus dem Himalaya. Diese sollen übrigens eine ganz besondere Wirkkraft haben aufgrund der Höhe auf der sie zu finden sind. Später erfahre ich, dass die Frauen des Dorfes die Gräser und Pflanzen sammeln wenn sie ihre Yaks oder Kühe zum Weiden in die Berge bringen. Hier im Zentrum werden sie dann zu Medikamente verarbeitet. An den Wänden im Flur hängen Grafiken alter Zeichnungen die das Medizinsystem beschreiben: von Chakren, Traumdeutung, Mineral-und Energiesystemen bis hin zu konkreten Beschreibungen für chirurgische Eingriffe.
Ähnlich wie im Ayurveda lernt ein*e Amchi mehrere Jahre - entweder direkt von der Familie oder in einer Amchi Schule. In Phugtal traf ich auf einen Franzosen der mir von einer Einrichtung erzählte, die den Austausch zwischen westlicher und östlicher Medizin fördert und westliche Ärzte hier in Zanskar dazulernen können.
Leider ist meine Amchi nicht besonders gesprächig als ich nach den Details zur Art der Diagnose und zu meinem Energiesystem frage. Sie meint nur, dass man viel lesen muss wenn man das verstehen möchte...
Ich werde sie definitiv noch nach den Büchern fragen 😁. Der Besuch und die Medikamente sind übrigens kostenlos - auch für mich. Ich hinterlasse trotzdem eine kleine Spende.
Nach ein paar Tagen schneit es unverhofft - das ist auch in dieser Gegend im Juli ungewöhnlich. Die Straßen sind gesperrt und in in den Bundesstaaten Himachal Pradesh und Utrakand (südlich unter Ladakh) gibt es starke Überschwemmungen. Die Hauptader, die uns mit ihnen verbindet führt über Manali und ist komplett gesperrt. Die Stadt steht unter Wasser und Straßen sind weggeschwemmt. Der Pass nach Leh ist gesperrt. Ich kann also erstmal sowieso nicht weg. Ein komisches Gefühl. Die Natur hat hier so viel Macht und man spürt sie so viel mehr als in den von uns erbauten und kontrollierten Städten.
Nach ein paar Tagen bin ich gesundheitlich bereit mich in Richtung Leh zu begeben - hier liegt ja noch Gepäck von mir im Guesthouse.. der Bus fährt einmal pro Woche - das wäre morgen und die Tickets sollen bereits ausverkauft sein. Ich frage also fremde Menschen auf der Straße nach Mitfahrgelegenheiten 😁. So macht man das hier. Man wird von A nach B geschickt, C telefoniert dann und irgendwann landet man am richtigen Ort oder hat den richtigen Kontakt. Das kann schonmal einen ganzen Tag dauern. Ich sitze in einem Geschäft und bekomme Chai, dann lande ich bei einem Handwerkszeug Verkäufer der früher europäische Touristen als Guide durch die Berge geführt hat und sich scheinbar sehr verbunden mit der Region fühlt. Ende vom Lied: ich kann umsonst bis nach Kargil bei einem Bekannten mitfahren, so erfahre ich um 21:00 Uhr über einen Dritten am Telefon 😄😄😄.
Früh um 4:30 geht es los. Die Karre ist anders als erhofft kein Jeep sondern ähnelt vom Aussehen eher meinem alten Renault Twingo 😅😳😭. Außerdem geht nur ein Licht. Mir wird etwas flau im Magen.
Dennoch, es stellt sich heraus, dass der Herr Lehrer ist und gebürtig und wohnhaft aus Zanskar stammt - das heißt er kennt sich aus! Er sagt, dass dieses Auto das beste sei und meint es käme vor allem auf den Fahrer an. Viele Leute kommen aus Delhi nach Zanskar mit dicken Karren um Offroad zu fahren und auf social Media zu prahlen..und dann stecken sie bei der ersten Hürde fest. Er sagt dazu: "Ich kenne nichts anderes als Offroad fahren 😄." Definitiv ist er ein Genie! Ob dicker Schlamm, enge sandige Straßen mit Abgrund oder Flusslauf - er schafft alle Hindernisse 🙏😄🙏😜. Wir überqueren einen fast 5000m hohen Pass und passieren Gletscher - wahnsinn, die Aussicht! Unterwegs spendiere ich ihm sein Mittagessen - Maggie ( ja die fünf Minuten Tütensuppe - die wird hier überall verkauft und die Leute fahren total darauf ab. Ich habe sogar schon Leute gesehen die das Zeug wie Chips knabbern )
In Kargil angekommen fahre ich dann mit dem "shared Taxi" weiter bis nach Leh und komme spät abends in der Stadt und in meinem gebuchtem Hostel an. Hier unterhält man sich über Treks und Reiseerfahrungen. Ich treffe Inder die aus der Stadt und von ihrem stressigen Job (oder Familie) geflohen sind und sich in Ladakh vom Motorradwind auf andere Gedanken bringen lassen wollen. Sie leiden also auch an der "westlichen Zivilisationskrankheit..." - Gedanken, Stress und Druck.
Komisch ist es jetzt hier zu sein - alles ist plötzlich verfügbar. Die Gespräche haben sich verändert - von mystischen und spirituellen zu weltlichen Themen.
Die Berge scheinen zwischen den Cafés und Restaurants weit weg, doch wenn ich nach oben schaue wird mir klar das ich immer noch in der Hochwüste bin...Leggi altro






















