Dalai Lama, Sachsenmönch und Mandala
23. juli 2023, Indien ⋅ ☀️ 15 °C
Der Dalai Lama kommt und hält ein drei tägiges teaching in Choglamsar - der tibetischen Enklave in Ladakh. Hier leben ehemals geflüchtete Tibeter*innen die gemeinsam mit "His Holyness" nach Indien geflohen sind.
Ich leihe mir ein Moped, packe meine sieben Sachen und fahre in das 10km entfernte Dorf. Hier suche ich eine Bleibe und finde eine Familie bei der ich einen Tag lang umsonst übernachten kann. Am Tag darauf kommen die Verwandten und der Platz wird knapp. Sie vermittelt mir ihre Bekannte. Die Wohnräume der beiden sind interessant. Die Inneneinrichtung gleicht westlichen Standard dich beim genaueren Hinsehen ändert sich der Eindruck. Fließendes Wasser ist trotz vorhandener Waschbecken und Duschen im Haus nicht verfügbar - der Anschluss und das Rohrsystem fehlt gänzlich. Somit greift man wieder auf den Bach im Dorf zurück. Die älteren Damen bevorzugen es auf dem Boden anstelle im Bett zu schlafen und das Klo ist draußen - zumindest im ersten Haushalt. In der zweiten Familie wird sogar löslicher Café aus Holland getrunken.
Die nächsten drei Tage findet gerade rüber auf einem großen Fußballplatz ähnlichem Gelände das teaching des Dalai Lamas statt. Es geht um die Lehren des Bodhisattvas (Wege der Erleuchtung) und um die Mitgefühlspraxis. Ausländer sitzen im Block 2. Es wird über Lautsprecher hier auf Englisch übersetzt. Im Block 1 neben uns sitzen alte Ladahkis und Tibeter*innen.
Fun fact: der Dalai Lama ist 88 Jahre alt und hat noch alle seine natürlichen Zähne! Sein Leibarzt soll gesagt haben dass seien inneren Organe der. Status eines Mitte Dreißigjährigem gleichen. Auf Bildern sieht er oft so zerbrechlich aus aber seine Stimme kommt klar und deutlich rüber. Es ist beeindruckend. Dieser Mensch verbringt mehrere Stunden am Tag damit zu beten und zu meditieren. In der buddhistischen Lehre wird viel melodisch rezitiert - die Texte erinnern an die buddhistischen Tugenden die man leben möchte ( vor allem Mitgefühl mit allen Lebewesen, Freiheit von Neid, Gier und Hass etc.).
Tag zwei fällt aus - es hat stark geregnet und Lehs Straßen stehe unter Schlamm und Wasser. Die Einsatzkräfte werden gebraucht. Ich fahre mit dem Moped 50 km in die nachsten Dörfer und schaue mir die Klöster an. In Thikse treffe ich einen Mönch mit dem ich ein interessantes Gespräch beginne. Er lädt mich in sein Haus auf einen Tee ein. Wir reden über Mediationspraxis, Erleuchtung und das Leben als Mönch. Ich erfahre dass er schonmal in Deutschland zu Besuch war und muss schmunzeln als ich sein Fotoalbum sehe. Ich freue mich über die Begegnung und darüber das es ernsthaft praktizierende Mönche gibt. Ich lerne so einiges über das Leben als Mönch von ihm.
Ich fahre weiter und halte in Chemry, Shakti und Hemis - alles bedeutende Klöster in der Region. In Shakti steht das wohl einzige der Nygma Tradition gehörige Kloster. Sie ist wohl am nächsten um ursprüngliche. Schamanismus dran und praktiziert den Tantrismus. Tantra hat ubrigens nichts mit Erotik zu tun, so wie es häufig in Seminaren, Workshops oder als Behandlung in Massagehäusern angepriesen wird. Die großen Tantriker der Vergangenheit sind Menschen die den Geist kontrollieren können und mentale Kräfte entwickelt haben. Tantra zu praktizieren ohne einen trainierten Geist, kann Menschen psychisch schaden. Daher ist es wichtig zunächst mit Entspannungs- und Konzentrationsübungen zu beginnen. Mein Sachsenmönch bestätigt dies: Tantra ist die hohe Schule. Im Buch von Alexandra David Neel über Tibet wird schön beschrieben welche Tests die angehenden Mönche bestehen mussten mussten und welche Übungen praktiziert wurden.
Am letzten Tag will ich mich mit Marjerie an einer heiligen Quelle treffen ( ja die belgische Motorrad Marjerie - sie ist wieder nicht nach Hause geflogen. Das Motorrad gab auf dem Weg zurück nach Leh den Geist auf, mit dem Visum und der Ausreise gab es immer noch ein Problem und so verweilte sie bei einer Familie in einem aryischen Dorf auf dem Land - auch eine spannende Geschichte 😆).
Stattdessen machte ich aber erstmal einen Abstecher in eine andere Richtung und treffe hier zufällig auf eine besondere Puja (Ritual) in einem kleinen Kloster. Ein von Mönchen über mehrere Tage gelegtes Sonnen-Mandala aus verschieden farbigem Sand wird wieder zerlegt und soll alle die dabei sind davor bewahren nicht als Mensch wiedergeboren zu werden. Ein wichtiger Rinproche (=ein reinkarnierter Lama) hält die Zeremonie. Außer sind nicht zwei ältere westliche Herren dabei. Einer davon aus Deutschland mit extrem viel buddhistischen Wissen. Er ist erstaunt, dass ich zufällig hier sei. Er meint sowas passiert nicht zufällig...jemand muss dich hergeführt haben. Wie dem auch sei. Ich muss nochmal genaueres recherchieren worum es sich handelt 😉.
Dann gehts für mich zurück nach Leh und nach einigem Hin und Her entschließe ich mich nach Delhi zu fliegen um dann mit dem Zug Überland nach Nepal zu reisen. Denn meien 90 Tage sind schon wieder um und Indien verlangt, dass man das Land verlässt und wieder legal in Indien einreisen zu können...also los ( ..und ich wollte nieeee nach Delhi 😅)Læs mere






















