• 🌊 Von Vernunft, Bambusbooten ...

    January 14 on the Philippines ⋅ ☁️ 30 °C

    ... und der Kunst, Pläne loszulassen
    Eigentlich wollte ich hier auf den Philippinen noch ein bisschen mehr Abenteuer. Ich hatte eine Canyoning-Tour gebucht – mit Zipline, Wasserfällen, Abseilen, ordentlich Action – und habe mich wirklich darauf gefreut.

    Erst beim genaueren Hinsehen wurde mir klar, wie weit diese Tour eigentlich entfernt gewesen wäre. Ja, es stand in der Beschreibung, aber man liest ja nicht immer jedes Detail mit hundertprozentiger Aufmerksamkeit.
    Und nachdem ich an meinem zweiten Tag hier bereits 18 Stunden unterwegs war – wovon sich gefühlt der Großteil wie reine Fahrzeit angefühlt hat – meldete sich dann doch die Vernunft. Auch diese Tour hätte mich wieder auf die andere Seite der Insel geführt. Mindestens zehn Stunden Fahrt, für eine Aktivität, die am Ende vielleicht zwei Stunden gedauert hätte. Also habe ich etwas getan, was mir nicht immer leichtfällt: Ich habe abgesagt.

    Stattdessen habe ich mich für etwas entschieden, das sich richtig angefühlt hat. Schnorcheln. Meer, Wasser, Fische – wenn ich irgendwo bin, wo das möglich ist, dann gehört das für mich einfach dazu 🐠
    Ich habe eine Tour gebucht, bei der man mit einem typischen philippinischen Bambusboot mehrere Inseln und verschiedene Schnorchelspots anfährt. Am Mittwoch ging es los, Abholung um 8:30 Uhr, mein Hotel liegt nah am Hafen, also ganz entspannt.
    Im Tuk-Tuk saßen mehrere Gäste und Guides, schnell wurde klar, wer zu welcher Gruppe gehörte. Am Ende war ich mit einem weiteren Alleinreisenden und zwei Guides auf einem Boot – fast schon privat.

    Wir fuhren hinaus aufs Meer, Ziel: die erste Insel. Dort fiel mir ziemlich schnell auf, dass ich meine Actioncam im Hotel liegen gelassen hatte. Kurz geärgert, dann beschlossen, es einfach gut sein zu lassen. Nicht alles muss festgehalten werden. Manches reicht auch im Kopf.

    Der erste Schnorchelspot lag nah an der Insel, das Wasser war relativ flach und man musste aufpassen, sich nicht an den Korallen zu stoßen. Dafür gab es einiges zu sehen: viele bunte Fische, Seesterne, Seeigel – und dieses ruhige Gefühl, einfach im Wasser zu treiben und zu schauen.
    Am nächsten Spot war deutlich weniger los unter Wasser. Während ich schnorchelte, blieb mein Mitreisender auf dem Boot, bis ich irgendwann bemerkte, dass eine Drohne über mir schwebte. Na gut – auch so entstehen Erinnerungen 😅

    Zwischendurch tauchten sogar fliegende Händler auf. Einer wollte Kokosnüsse verkaufen, der nächste Meeresfrüchte, dann kam noch Schmuck dazu. Alles mitten auf dem Wasser. Ein Konzept, das ich bis heute nicht ganz verstehe, aber offensichtlich funktioniert.

    Danach ging es zur nächsten Insel zum Mittagessen. Ich war ehrlich gesagt skeptisch, denn Mittagessen bei Ausflügen ist oft eher zweckmäßig als gut. Aber ich wurde überrascht: Es gab Hähnchen, Bauchspeck, frische Austern und Krebse, gebratene Nudeln und Obst – wirklich lecker. Dazu ein unglaublich süßer Hund, den ich am liebsten eingepackt hätte.

    Direkt nach dem Essen ging es vom Steg aus wieder ins Wasser. Die alte, rostige Steganlage fühlte sich ein bisschen an wie Wracktauchen – natürlich kein echtes Wrack, aber es hatte diesen besonderen Charme. Das war tatsächlich einer der schönsten Schnorchelspots des Tages.

    Geplant war eigentlich noch eine weitere Insel mit einem langen, weißen Sandstrand. Doch während wir aßen, kam die Nachricht, dass dieser Strand nach einem Taifun gesperrt worden war, weil extrem viel Müll angespült wurde. Müll ist hier leider ein großes Thema. Also ging es stattdessen nach San Vincente.

    Wir legten auf der einen Seite der Insel an und liefen zu Fuß quer über die Insel durch das Dorf. Es waren einfache Hütten, überall Müll, vor fast jedem Haus angekettete Hähne, die lautstark auf sich aufmerksam machten. Kleine Kinder spielten im Dreck, Hunde liefen frei herum. Die Menschen wirkten dabei nicht unglücklich – überhaupt nicht – aber für mich, als jemand aus Westeuropa, war dieses Bild schwer auszuhalten und sehr beklemmend. Ich habe bewusst keine Fotos gemacht.

    Am Strand angekommen standen erst ein paar Souvenirstände, an denen ich zwei Magnete gekauft habe, und dann lag er vor uns: der Strand.

    Er war in Ordnung, aber kein Traumstrand. Viel Seegras, grauer Himmel, wenig Licht – der weiße Sandstrand konnte seine Wirkung an diesem Tag nicht richtig entfalten. Ich habe definitiv schon schönere Strände gesehen.

    Dann ging alles plötzlich sehr schnell. Der Wind nahm spürbar zu, die Wellen wurden höher, und es hieß, wir müssten sofort los. Die Rückfahrt nach Cebu war eine Mischung aus Achterbahn und Wasserbahn 🌊 Ich war nasser als nach jedem Bad, aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Mit dem Bambusboot über die Wellen zu gleiten, einzutauchen und wieder aufzutauchen, war für sich genommen schon ein Erlebnis.

    Ja, ich hätte mir noch ein bisschen mehr Korallen und vielleicht einen weiteren Schnorchelspot gewünscht. Aber insgesamt war dieser Tag genau richtig. Ruhiger, ehrlicher, weniger durchgetaktet.

    Und manchmal ist es eben die beste Entscheidung, einen Plan loszulassen, um einen anderen wirklich genießen zu können 💙
    Read more