• San José

    14. december 2025, Costa Rica ⋅ 🌧 22 °C

    An diesem Sonntagmorgen fuhren Fabiola und ich zunächst ins Zentrum von San José, das ich noch nicht gesehen hatte. Die Suche nach einem Parkplatz dauerte etwas länger als gedacht und wir drehten ein paar Runden um die Blocks. Dann fing es an, ziemlich stark zu regnen und trotz der Regenschirme wurden wir gut nass auf dem Weg zum Nationaltheater. Fabiola hatte uns eine Führung gebucht, die eigentlich von Schauspielern in Kostümen veranstaltet werden sollte – leider war dem nicht so, dennoch war die entspannte kurze Führung interessant und mir hat es gefallen, das Nationaltheater von innen zu sehen.

    Im Anschluss bummelten wir etwas durch die Innenstadt und landeten in einem bekannten, traditionellen Restaurant im Markt des Zentrums, wo wir mit fremden, aber netten, Leuten an einem Tisch saßen und Talá Pinto aßen. Das ist eine spezielle, sehr beliebte Variante des costa-ricanischen Nationalgerichts Gallo Pinto. Hierbei kombiniert man den klassischen Reis-und-Bohnen-Mix (Gallo Pinto) mit einem Spiegelei und frischen Tortillas auf einer Bananenblatt-Basis. Darauf Eintopf-Fleisch oder gegrillte Fleischwurst. Dazu gab es Fresco de Cas (Cas-Limonade), aus der heimischen Cas-Frucht, einer Art Guave. Giftgrün, süß-säuerlich und herrlich erfrischend.

    An diesem Sonntag spielte der Lieblingsfußballverein von Fabiola – Deportivo Saprissa – ein sehr wichtiges Heimspiel. In der Costa Rica Primera División (Apertura) finden am Ende der Saison Final-Playoffs statt, bevor die Meisterschaft entschieden ist. Leider hatte Fabiola schon Tickets für ein Theaterstück einer Freundin und so beschloss ich, ohne sie ins Stadion zu gehen.

    Eigentlich wollte ich in Lateinamerika mehr Fußballspiele im Stadion sehen und habe auch ab und zu danach gesucht, doch oft leider Pech gehabt. Entweder war gerade bei dem Verein in der Stadt, in der ich war, das Auswärtsspiel oder ich habe es um wenige Tage verpasst und wollte dann dafür meine Pläne nicht ändern. Umso mehr freute ich mich darauf, dass es heute nun endlich wieder klappen würde. Fabiola half mir, die Tickets online zu kaufen, und empfahl mir, nicht in der Heimkurve zu stehen, weil das gefährlicher sei – na klar, das verstehe ich, es geht schließlich um Fußball und man ist immer noch in Lateinamerika.

    Sie brachte mich zum Stadioj und als ich zum Anpfiff in der Kurve gegenüber den Heim-Fans saß, wusste ich, dass ich mir das falsche Ticket gekauft hatte. Die Stimmung hinter der anderen Torlinie war einfach viel viel besser. In der Halbzeitpause entdeckte ich zu meiner Enttäuschung, dass es im Stadion kein Bier zu kaufen gab. So was aber auch, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ein bisschen frustriert und angestachelt entdeckte ich stattdessen, dass die gegenüberliegende Seite des Stadions nicht durch Zäune abgetrennt, sondern direkt zugänglich war. Lediglich einen Stempel trugen die Fans auf der Innenseite des rechten Unterarms, die hier über die Treppe auf die Heimtribüne – La Curva – gingen. Im Gedränge der Halbzeitpause war es leicht, mich hier mit reinzumogeln.

    Ich stand in der letzten Reihe und machte schnell neue Freunde, die es alle nicht zu stören schien, dass ich nicht nur kein Saprissatrikot trug, sondern auch noch Ausländer war. Die Stimmung war super und kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit ging Saprissa mit 1:0 in Führung. In der 83. Minute wurde die Führung durch einen Elfmeter ausgebaut und die Stimmung entlud sich weiter. Ich versuchte, die Lieder aufzuschnappen und gröhlte mit, was ich verstand. In der Nachspielzeit gab es einen Elfmeter für das gegnerische Team, das den Endstand 2:1 zur Folge hatte – egal. Wir hatten gewonnen!

    Nach dem Spiel ging ich auf ein Bier in die Kultbar "El Bar de Mata", die schon vor dem Spiel voller Fans war. Dann mit einem Uber in die Nähe des von Fabiola, wo ich in einem Restaurant eine sehr gute Pizza aß und witzigerweise jemanden von meiner Firma kennenlernte. Das Theaterstück, welches Fabiola sich anschaute, war wohl sehr lange und es wurde keine Pause gemacht. Anschließend sammelte sie mich ein und wir fuhren nach Hause. Ich glaube, sie war ein bisschen neidisch darauf, dass ich an diesem Tag deutlich mehr Spaß hatte, als sie. Ich glaube aber sie hat es mir gegönnt.
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