• Glow Worm Caves

    2. januar, New Zealand ⋅ ☁️ 22 °C

    Die Abholung des kompakten Toyota Hiace verlief ohne Zwischenfälle. Vorne muss ich als Beifahrer schräg sitzen, damit meine Knie nicht gegen das Armaturenbrett drücken. Den Fahrersitz kann man etwas nach hinten schieben, da habe ich deutlich mehr Platz. Hinten gibt es eine Sitzecke, die man zum Bett umbauen kann, zwei Schiebetüren, einen Kühlschrank, eine Spüle mit Frischwassertank und sogar eine Toilette – wir haben uns nämlich einen Camper mit Self-Contained-Zertifikat („selbstversorgt“) ausgesucht. Seit 2024 braucht man das in Neuseeland, um auf den kostenlosen Campingplätzen stehen zu dürfen.

    Kurz noch in den Supermarkt: ein paar Früchte, Käse, Wurst, Brot, Nudeln, Soße und ein paar Flaschen Bier gekauft, alles im Kühlschrank verstaut – und ab ging’s Richtung Süden.

    Unser erstes Ziel waren die Waitomo Glowworm Caves. Die Höhle ist besonders wegen ihrer einheimischen Glühwürmchen bekannt. Es sind winzig kleine Mückenlarven, die tatsächlich leuchten und damit Beute anlocken. Es ist eines der wenigen Orte weltweit, wo man dieses Naturphänomen so beeindruckend sehen kann.

    Die Tour begann mit einer Führung durch den begehbaren, oberen Teil der Höhle. Schön beleuchtet und wirklich eindrucksvoll waren die Felsformationen, Stalagmiten und Stalaktiten, die von Boden und Decke an vielen Stellen wuchsen und für die man sich – wie fast überall in Höhlen – die witzigsten Namen ausgedacht hatte. In einem besonders hohen Teil, der etwa 12 Meter hohen „Kapelle“, schaltete der Guide das Licht aus und meinte, jemand könnte hier ein bisschen Gesang zum Besten geben, die Akustik sei hervorragend - hier haben schon Weltstars, die ihr alle kennt gesungen. Anonym im Schutz der Dunkelheit traute sich tatsächlich eine Frau aus der Gruppe ein sehr gut gesungenes Stück Operngesang zu trällern. Ein unerwarteter, richtig Gänsehaut bringender Moment.

    Im hinteren Teil der Höhle leuchtete es bereits an vereinzelten Stellen schwach unter der Decke. Der Guide erklärte uns den Lebenszyklus der Glühwürmchen: Sie spinnen klebrige Fäden von der Decke, leuchten und locken damit Insekten an, die sich verfangen und gefressen werden. Nach ausreichend Nahrung spinnen sie einen Kokon, verwandeln sich selbst in fliegende Insekten und haben dann etwa eine Woche Zeit, um sich zu paaren, Eier zu legen und ihr Leben zu beenden – ohne die Höhle in dieser Zeit auch nur einmal zu verlassen.

    Im zweiten Teil der Führung setzten wir uns in Boote, die der Guide mit Hilfe von am Fels befestigten Seilen durch den gefluteten unteren Teil der Höhle bis zum Ausgang steuerte. Hier sahen wir die Hauptansammlung der einzigartigen Insekten. Im Gegensatz zu den fliegenden Glühwürmchen, die man von warmen Sommernächten kennt, leuchten diese hier durchgehend. Mir kam es so vor, als würde die Leuchtkraft langsam zu- und wieder abnehmen, ohne je ganz zu erlöschen. Die tausenden kleinen blauen Punkte entlang der hohen Höhlendecke über dem Wasser erinnerten an einen Nachthimmel – wunderschön, unwirklich, fast schon künstlich sah das aus. Die Fotos aus der Höhle sind ziemlich verschwommen, weil man nicht, bzw. nicht mit Blitz fotografieren durfte – zum Schutz dieses empfindlichen Ökosystems sehr nachvollziehbar. Das Eintrittsticket war zwar nicht billig, aber es hat sich gelohnt.

    Draußen spazierten wir vom Parkplatz noch einen kleinen Wanderweg durch ein Stück Wald und auf einen Hügel mit Aussichtspunkt. Die Landschaft ringsum war durchgehend hügelig, mal bewaldet, mal von Wiesen bedeckt. Hier und da schauten schroffe Felsen unter dem weichen Grün hervor. Ab und zu stand ein sehr alter, beeindruckend großer, freistehender Baum. Es fühlte sich wirklich an wie im Auenland aus dem Herrn der Ringe.

    Die erste Nacht verbrachten wir noch ein Stück weiter südlich, nahe dem Mount Ruapehu, den wir uns am nächsten Tag anschauen wollten. In einem großen Wald entlang einer Schotterstraße beim Pokaka Mill Campingplatz fanden wir ein ungestörtes Plätzchen. Die Umgebung und die nahegelegene Okupata Höhle erkundeten wir kurz zu Fuß. Hinein trauten wir uns ohne ordentliche Ausrüstung nicht – was vermutlich auch besser so war.
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