• Am Schicksalsberg

    3. januar, New Zealand ⋅ ☁️ 10 °C

    Der Mount Ruapehu ist ein aktiver Vulkan und der höchste Gipfel auf der Nordinsel Neuseelands. Den meisten, besonders den Fans von Mittelerde, ist er vermutlich besser unter einem anderen Namen bekannt: Schicksalsberg oder Mount Doom. Hier wurde „der eine Ring“ geschmiedet und auch wieder vernichtet. Silas und ich sind große Fans von J.R.R. Tolkiens Werken rund um Mittelerde. Erst in unserem letzten Urlaub in 2024 haben wir uns auf den langen Fahrten durch die Wüsten Namibias und Botswanas alle drei Teile „Der Herr der Ringe“ als Hörbuch angehört. Auch in diesem Urlaub gibt es wieder Hörbücher für die Fahrt: „Die Kinder Húrins“ und „Der Fall von Gondolin“. Da die Filme zu „Der Herr der Ringe“ alle in Neuseeland gedreht wurden, ist es für uns naheliegend, auf dieser Reise auch zu den wichtigsten und zugänglichsten Drehorten dieser epischen Trilogie zu pilgern.

    Rund um den Mount Ruapehu gibt es direkt mehrere davon. Der erste, den wir sahen, war Gollum’s Pool (Tawhai Falls) – hier fängt Gollum einen Fisch von einem Stein mit einem Wasserfall im Hintergrund.

    Etwas weiter den Berg hoch beginnt ein Skigebiet mit einer Seilbahn, mit der man bis ganz nach oben fahren kann. Weil die Spitze durchgängig in Wolken gehüllt war, als wir dort waren, haben wir das nicht gemacht. Hier gibt es nur wenige hundert Meter vom Parkplatz entfernt die Meads Wall. Das ist eine etwa 45 Meter hohe, 120 Meter lange und an der Basis 5 Meter breite Wand aus einer sehr alten Lavaschicht, die langsamer wegkrümelt als die umliegenden Gesteinsschichten. Vor dieser Wand haben Frodo und Sam den sie verfolgenden Gollum gefangen genommen. Die Wand an sich ist schon ein toller Anblick, aber auch die Felsen drum herum geben einem ein unwirkliches Gefühl eines ausgestorbenen Niemandslandes. Wir kletterten etwas weiter nach oben und betrachteten die Aussicht in das dahinterliegende Tal. Die tiefhängenden Wolken wurden von den starken Winden wie Rauchschwaden einer aktiven Vulkanlandschaft über den Gesteinskamm an uns vorbeigetrieben.

    Etwas unterhalb liegt ein Lavafeld, welches teils von grünem Moos und anderen kleinen flach wachsenden Pflanzen überzogen ist. Kleine Rinnsale fliesen hindurch. Von oben sahen wir zwar die Furchen und kleinen Täler zwischen den Felsen, aber erst beim Durchlaufen merkt man, wie viel Höhenunterschiede dieses zerklüftete Fleckchen hatte. Hier hat Isildur mit seinem Schwert Narsil den Ringfinger von Sauron abgeschlagen. Vielleicht einer der wichtigsten Orte in Mittelerde.

    Wir wanderten noch ein Stück auf dem Pfad, der einmal den Berg umrundet, allerdings nur etwa 45 Minuten in eine Richtung, bis es anfing zu regnen und wir umdrehten.

    Entlang des Volcanic Loop Highway, welcher den Berg umrundet, sahen wir an einem Abschnitt große Flächen, die im letzten November einem Waldbrand zum Opfer gefallen waren. Der Boden war größtenteils schwarz und die meisten noch stehenden Büsche angekokelt, oben hatten sie schon neue grüne Triebe. Diesem Ödland passt erstaunlich gut zum Thema des Schicksalsbergs – denn im „Herrn der Ringe“ ist dieser ein noch aktiverer Vulkan, ohne schneebedeckte Kuppe. Hier ließ ich am nächsten Tag zum ersten Mal meine neue Drohne fliegen.
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