#09 Ankunft Höglund und Abreise
July 18 in Sweden ⋅ 🌧 14 °C
Wie ihr auf der Wetterübersicht sehen könnt, hatten wir heute einen rapiden Temperatursturz: von rund 30 °C auf gerade einmal 14 °C. Unsere dicken Pullis kamen also doch noch zum Einsatz. Aber alles der Reihe nach.
Der Wecker klingelt bereits um 5:30 Uhr – schon ein bisschen fies. Doch der Gedanke an das bevorstehende Unwetter lässt uns schnell aufstehen und zusammenpacken. Bereits kurz nach 6 Uhr sind wir auf dem Wasser.
Zwischen den Inseln ist es noch halbwegs ruhig, doch der Wind nimmt immer mehr Fahrt auf. Als wir schließlich den Foxen überqueren müssen, um ans andere Ufer zu gelangen, wird es richtig wild. Der Wind drückt das Wasser in den schmalen Teil des Sees, und die Wellen werden immer höher. Wir müssen ordentlich paddeln, um das Boot auf Kurs zu halten. Zum Glück liegt das Camp Höglund in einer geschützten Bucht, wo das Wasser deutlich ruhiger ist. Wir sind sehr froh, dass wir nicht später losgefahren sind. So erreichen wir unseren Ausgangspunkt bereits kurz nach 7 Uhr – trocken und sogar noch bei den letzten Sonnenstrahlen, bevor das Wetter endgültig umschlägt.
Wir reinigen das Kanu, geben unsere geliehene Ausrüstung zurück und gönnen uns sogar noch eine heiße Dusche. Danach heißt es, ein trockenes Plätzchen zu finden, an dem wir die nächsten zwölf Stunden verbringen können, bis am Abend unser Bus fährt.
Eigentlich hätten wir die Zeit gerne genutzt, um uns Lennartsfors anzusehen oder noch ein wenig die Gegend zu erkunden. Doch bei diesem Wetter haben wir dazu überhaupt keine Lust. Eine Handvoll anderer Paddler hat denselben Plan wie wir. Als der Himmel schließlich aufreißt und der Regen herunterprasselt, sind wir umso glücklicher, dass wir nicht mehr auf dem Wasser sind. Später hören wir von vielen, wie heftig es draußen tatsächlich war: Wellen schwappten in die Kanus, und sogar einige Boote kenterten.
Der Abreisetag ist gleichzeitig auch Anreisetag im Camp Höglund. Die Gäste, die heute ankommen, dürfen aufgrund des Unwetters nicht nach Norden aufbrechen und ausnahmsweise im Camp übernachten – normalerweise ist das nicht erlaubt. Da das Wasser in der geschützten Bucht vergleichsweise ruhig aussieht, können viele die Entscheidung zunächst nicht nachvollziehen und reagieren frustriert.
Irgendwann sind aber alle Neuankömmlinge mit Material versorgt, und nach und nach treffen die Rückkehrer ein, die mitten in das Unwetter geraten sind. Es werden Geschichten und Erlebnisse ausgetauscht. Zwischendurch kuscheln wir uns sogar in unsere Schlafsäcke, weil es inzwischen wirklich kalt geworden ist.
Am späten Vormittag lernen wir ein junges Pärchen aus Koblenz kennen. Zu unserer eigenen Überraschung verstehen wir uns so gut, dass wir tatsächlich den ganzen Tag miteinander verquatschen. Dabei sind wir alle vier eigentlich eher introvertiert und nicht besonders gesprächig. Vielleicht harmonieren wir gerade deshalb so gut.
So vergeht die Zeit bis zum Abend wie im Flug. Um 19:30 Uhr steigen wir schließlich in den Bus, der uns zurück nach Köln bringt. Die Fahrt geht durch die Nacht.
Wir fahren über die Öresundbrücke, sodass uns nur noch eine Fährüberfahrt nach Puttgarden bevorsteht. Gegen 6 Uhr morgens sind wir wieder in Deutschland. Tatsächlich kann ich danach noch einmal bis zur großen Frühstückspause gegen halb neun weiterschlafen. Am frühen Nachmittag erreichen wir Köln. Gegen halb drei erwischen wir den Zug nach Koblenz und von dort geht es weiter nach Trier.
Ein langer Reisetag liegt hinter uns, und wir sind froh, endlich wieder im eigenen Bett zu schlafen. Schweden vermissen wir trotzdem jetzt schon sehr. Uns hat diese Reise wirklich gut getan.
Unser Fazit:
Auf der Hinfahrt waren wir ehrlich gesagt ziemlich skeptisch, wie dieser Urlaub werden würde. Er hat uns deutlich mehr gekostet, als wir normalerweise für eine Woche Urlaub ausgeben. Außerdem haben wir uns gefragt, ob wir bei den vielen Menschen überhaupt die Ruhe finden würden, die wir uns erhofft hatten. Zum Glück hat sich die Gruppe aber gut verteilt, sodass wir die meiste Zeit ungestört unterwegs waren.
Wir hatten bewusst das Komplettpaket gebucht, weil wir das Material testen und herausfinden wollten, was wir für zukünftige Touren wirklich brauchen. Das war bequem und praktisch, hatte aber auch seine Nachteile. Mit dem alten, stark genutzten Kocher sind wir zum Beispiel überhaupt nicht zurechtgekommen. Auch unser Entschluss, von Anfang an unser eigenes Zelt mitzunehmen, hat sich als richtig erwiesen. Das Zelt des Veranstalters war deutlich schwerer und ließ sich nicht so schnell auf- und abbauen.
Im Nachhinein würden wir einige Ausrüstungsgegenstände aussortieren und nur noch das mitnehmen, was wir wirklich benötigen. Mittlerweile würden wir uns auch zutrauen, bei einem lokalen Kanuverleih ein Boot zu mieten und die Anreise selbst zu organisieren – zum Beispiel mit dem FlixBus oder der Bahn. Durch unsere Rad- und Wandertouren achten wir ohnehin schon darauf, nach und nach möglichst leichte Ausrüstung mit kleinem Packmaß anzuschaffen. Das macht beim Kanufahren mindestens genauso viel Sinn – vor allem, wenn wir künftig einmal mit einem Kanuwagen unterwegs sind und längere Umtragestellen bewältigen müssen.
Für den Einstieg und zum Kennenlernen des Kanuwanderns können wir den Reiseanbieter aber durchaus empfehlen. Wir ärgern uns zumindest nicht, dass wir so viel Geld für diese Reise ausgegeben habe. Wir haben allerdings auch von einer Konkurrenz gehört, die ähnliche Leistungen für etwa den halben Preis anbietet. Beim nächsten Mal würden wir deshalb wahrscheinlich eher individuell planen.
Anbei noch ein paar Fotos von Marius. Der nächste Urlaub steht im September an, wobei wir überlegen, dass dieser mal ruhiger werden wird. Hab aber auch überlegt, demnächst ein paar Micro Adventures hier zu teilen, weil wir ja auch häufiger von Trier aus Tagesausflüge machen. Doch bis dahin bleibt mir nur zu sagen: Dankeschön für alle Herzchen, Kommentare und das stille Mitlesen ❤️Read more















Traveler
So schön ❣️
Traveler
Mega
TravelerDanke das ihr uns wieder mitgenommen habt, für mich eine ganz andere Reise, die Landschaften waren so schön für Auge und Herz
TravelerSehr gerne 😇
Traveler+1