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  • Day227

    Graaff Reinet

    April 19, 2019 in South Africa ⋅ ⛅ 31 °C

    Nachdem wir am Nachmittag Oudtshoorn verlassen hatten, fuhren wir in den kleinen Ort Graaf-Reinet im Eastern Cape. Dort wollten wir Ostern mit der Familie von Mila, der Austauschschülerin, die im Dezember bei meiner Familie gewohnt hatte, feiern. Für Mutti war das besonders spannend, da sie bereits viel Kontakt mit Milas Mutter Elsona hatte, die ich sogar bereits kannte (Siehe Blogeintrag „Ferientrip – Mossel Bay“). Aber auch ich war gespannt, Mila kennenzulernen, die für einen Monat bei mir zuhause gewohnt und mit meiner Familie gelebt hatte.

    Als wir gegen Abend ankamen, wurden wir herzlich von der ganzen Familie begrüßt. Die beiden Eltern Elsona und Grappie fingen direkt an, mit Mutti und Vattern über die Fahrt zu schnacken, während ihre Kinder Liebe, Mila und Frederik uns Kids hineinbaten. Insgesamt war die Personenkonstellation ziemlich glücklich, denn Elsona und Grappie waren in etwa in dem Alter von meinen Eltern, weshalb sie ähnliche Interessen und Ansichten zu vielen Themen teilten. Aja und Mila waren ohnehin befreundet und hockten schnell zusammen und ich hatte das Glück, dass Liebe nur ein knappes Jahr älter war, weshalb wir ebenfalls sehr gut miteinander auskamen.

    Nachdem wir unsere Zimmer in einem kleinen Gästehaus bezogen hatten, welches auch über Airbnb vermietet wird, ging es zurück ins Esszimmer, wo Elsona bereits einen leckeren traditionellen Kuduauflauf zubereitet hatte. Mir hat der Auflauf sehr gut geschmeckt und ich freute mich, endlich mal wieder etwas aus der traditionellen Küche Südafrikas probieren zu dürfen. Kudufleisch liegt bei mir ohnehin hoch im Kurs und ist im Gegensatz zu Krokodil definitiv unter den Top Five meiner lokalen Lieblingsspeisen.

    Zum Nachtisch gab es sogenannte Koeksisters, was im Prinzip nichts anderes als fritierter Schmalzkuchen ist, der in eine sirupartige Flüssigkeit eingelegt und kaltgefroren wurde. Es gibt sie auch in einer ungekühlten Version, wie ich vor kurzem festgestellt habe, aber kalt schmecken mir die Koeksisters wesentlich besser.

    Am nächsten Morgen ging es verhältnismäßig früh los. Grappie hatte bei einem der Pickups ein Sitzgestell auf die Ladefläche montiert und bis auf Liebe fuhren wir alle gemeinsam in den nahegelegenen Nationalpark. Der Camdeboo Nationalpark begeisterte meine ganze Familie, als sie plötzlich das erste Mal (abgesehen der vereinzelten Tiere am Kap der Guten Hoffnung) Antilopen, Zebras, Affen und Strauße in freier Wildbahn sahen. Ich bin zwar mittlerweile von meinen Erlebnissen aus dem Krüger und Addo Nationalpark etwas verwöhnt, was Tierbeobachtungen angeht, aber ich genoss den frischen Fahrtwind und die ungehinderte Sicht von dem Sitzgestell aus, das ich mir mit Aja, Mila und Frederik teilte.

    Nachdem wir aus dem Park wieder herausgefahren waren, ging es weiter zu einem kleinen Berg, den wir hochfuhren und an dessen Spitze wir die Aussicht über die Stadt genossen, während uns Grappie und Elsona die Gegend zeigten. Auf dem Rückweg zum Haus fuhren wir noch an einem Staudamm vorbei. Zuhause machten alle eine Mittagspause, während ich mit Liebe zusammen einkaufen fuhr. Wir hatten im Anschluss daran noch ein langes Gespräch über die politische Situation Südafrikas, das Leben und Aufwachsen in dem Land und wie es war, auf einer Farm großgeworden zu sein. Für mich war das Gespräch sehr interessant und aufschlussreich, denn es zeigte mir eine Seite Südafrikas, die ich bisher noch nicht kannte. Dazu wird es auch noch ein eigener Blogeintrag geben, denn der Besuch in Graaf-Reinet hat meinen Blick auf das Zusammenleben der vielen Kulturen in diesem Land verändert und mich Vorurteile, denen ich Zuhause und auf der Arbeit immer wieder begegnet bin, anzweifeln lassen.

    Am Abend packten wir unsere Sachen, denn wir wollten alle gemeinsam am nächsten Tag auf eine Farm der Familie fahren, um dort inmitten afrikanscher Steppe Ostern zu feiern. Das es ein nicht ganz normales Ostern werden würde, lässt sich jetzt schon ahnen...:).
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