• 22. Etappe-Pavia-Belgioioso

    July 29, 2023 in Italy ⋅ ☀️ 28 °C

    Meine Auszeit von der Via Francigena ging länger als geplant-zum einen war es einfach schön mit meiner Familie und meinen Nichten, zum anderen wollte ich eigentlich am Comer See eher die Nacht verbringen als in Pavia, da ich nicht dachte, ich könne nochmal bei den Schwestern in der Herberge in Pavia übernachten. Aber mein Handy ging nicht mehr an vor drei Tagen, so dass ich gezwungen war, in Pavia diese Zeit zu investieren, um ein Reset im Shop durchführen zu lassen. Das hat dann auch geklappt, auch wenn ich alles neu installieren musste (das macht mir wirklich keinen Spaß, zumal ich das das dritte Mal in einem halben Jahr tun musste). Immerhin habe ich seit dem letzten Handy-Tod eine Cloud eingerichtet, damit die Fotos gesichert werden. Ich bin nur kurz durch die Stadt gelaufen und wollte mir ein Top kaufen, da ich nur ein kurzes Shirt habe, aber erfolglos. Statt durch die mir bekannte Gasse in der Altstadt zu laufen, nahm ich einen Parallelweg und stieß kurz darauf auf eine von Polizisten bewachte Absperrung, guckte in die Gasse und sah eine mit einem Tuch bedeckte Leiche. Na toll, ich muss immer so komische Wege gehen, wie in Lateinamerika auch in die Ghettos und Slums zu geraten. Später las ich, dass eine Frau aus dem zweiten Stock beim Fenster putzen herunter gefallen war.
    Ich habe nochmal eine Nacht in Pavia bei den Schwestern übernachtet. Ich habe einfach verschwiegen, dass ich schon mal da war... Abends war ich in einer Osteria essen, ein Menü für Pilger, die Kellner waren immer auf Achse und wuselten um mich herum. Ich dachte nach der Pasta mit Tomatensauce und dem Risotto wäre Schluss, aber da kam noch ein großer Teller mit Fleisch, Kartoffeln und Roastbeef. Das habe ich mir einpacken lassen. Ich beobachtete eine große Gruppe nebenan, die nach den Antipasti aus einem Riesenleib Parmesankäse Risotto aufgetischt bekamen. Danach ein Monster-T-Bone-Steak bzw Tomahawk. Ein Pärchen aß auch erst Pasta, danach ein Hauptgericht und einen großen Nachtisch. Haben die Italiener denn zwei Mägen oder wie geht das?!
    Jedenfalls unterhielt ich mich mit einigen Kellnern kurz und ging anschließend zurück. Morgens aß ich ein sehr leckeres Croissant mit Pistaziencreme, was hier in der Region Brioche heißt. Kurz vor acht war ich auf dem Weg. Kurze Zeit später stieß ich auf eine Pilgerfamilie, die aber einen anderen Weg liefen und unterhielt mich mit ihnen. Der Weg war wirklich sehr unspektakulär, sehr viel Asphalt, Moskitos in der ersten Hälfte, Sojafelder, Maisfelder und vereinzelt noch Reisfelder. Ich war etwas nervös, da ich nicht wusste, ob es in dem 17 km entfernten Ort tatsächlich noch eine offene Herberge oder ein Hotel gibt. Ich lief zum Hotel-Restaurant, auf dem stand, es hätte in einer halben Stunde geöffnet und rief nach einer halben Stunde an, als niemand auftauchte. Gegenüber machte eine Pizzeria auf und ich fragte, ob es die Herberge überhaupt noch gäbe -ja. Ein anderer Mann tauchte kurze Zeit später auf und wollte auch dort übernachten. Er lud mich zu einem Bier ein und gab mir 3/4 seiner Pizza. Überhaupt traf ich heute auf sehr nette Menschen. Das erste Mal auf meinem Weg fragte mich ein Mann aus einem Dorf unterwegs, ob ich bei ihm einen Kaffee oder ein kaltes Getränk möchte, ich lehnte aber ab, da ich weiter laufen wollte.
    Jedenfalls rief der Mann hier den Besitzer an, konnte ihn später erst telefonisch erreichen, er käme erst in zwei Stunden zum Hotel für den Check-in. Ich unterhielt mich mit dem Mann und fragte ihn, woher er kommt und was er denn hier in diesem kleinen Ort tun würde. Er antwortete, er käme aus Rumänien, wohne 20km entfernt und zeigte auf seine Nase. Hab ich das richtig verstanden, Drogen? Ich fragte natürlich nicht nach. Später kam noch ein anderer Rumäne dazu und ich ging in die Stadt, wo ich in einer anderen Bar Internet hatte. Dort sah ich auch zwei Rumänen mit einem Koffer und einer Rose in der Hand. Ganz offensichtlich gehören die dazu, dachte ich. Beim Einchecken bezahlte der Mann entweder für 10 Nächte (350€) oder für alle Zimmer, denn es sind 11 Zimmer. Ich dachte, na toll, du bist mitten in einem Drogendeal oder sonst was und die Einzige, die da noch in dem Hotel ist. Immerhin kam ich vor ihm, so dass ich noch einen Platz ergattert habe. Wer weiß, ob er sonst das ganze Hotel gemietet hätte -sehr wahrscheinlich. Mal gucken, was heute Nacht hier passiert. Hoffentlich keine Party oder so a la Pablo Escobar...
    Das Hotel ist sehr spooky, ich hab kein Fenster, das ich aufmachen kann, da sie mit einem Brett zugenagelt sind. Hier ist kein Personal und es wurde Cash bezahlt ohne Registrierung. Ominös alles. Maya und die rumänische Mafia. Tolles Filmmaterial. Aber wie ein Pilger mir auf dem Weg sagte: Es passieren unglaubliche Dinge.
    Jedenfalls haben sie sehr viel Mozzarella und Zigaretten eingekauft und werden wahrscheinlich heute Abend im Zimmer ein Festmahl machen. Und bestimmt sind die nicht nur zu zweit.. Ich berichte morgen.
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