• Maya Uramowicz
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Via Francigena-Franziskusweg

Et eventyr med en åben slutning af Maya Læs mere
  • 70. Etappe-San Gimignano-Monteriggioni

    25. september 2023, Italien ⋅ ☀️ 14 °C

    Gestern Abend war das Abendessen mit Liebe von den hospitaleros, den Ehrenamtlichen, die hier wochenweise für Pilger da sind, gekocht worden. Kein Vergleich zum bezahlten Abendessen von gestern. Es gab Bruschetta mit Olivenöl und Rosmarin, Caprese, Pasta mit Hackfleisch und Zucchini, Backofenkartoffeln, Kuchen. Es ist schön mit den Pilgern zusammen zu essen, eine Pilgerfamilie. Die Frau hat aber sehr viel gesprochen und ich wurde komatös müde nach dem Essen, so dass ich mehrmals am Tisch eingeschlafen bin, dann kann ich auch dem Kontext nicht mehr folgen.
    Am nächsten Morgen frühstückten wir alle um sieben und gingen gemütlich los. Das Dorf war noch völlig unbelebt und ich machte noch einige Fotos. Auf dem Weg traf ich den Norweger und wir liefen eine Weile gemeinsam hintereinander. Der Weg ging auf und ab durch Wald und neben großen Wiesen. Eins fehlte: keine Mücken, keine Fliegen, keine Bremsen. Es kamen mir das erste Mal Gedanken über meine Zukunft, aber anders als sonst, aus einer anderen Perspektive. Ich weiß, ich möchte saisonal arbeiten, im Tourismusbereich, aber mich interessieren auch so viele andere Dinge, die ich, wenn die Zeit reif ist, sehr gut kombinieren und erweitern kann. Aber eins war neu: was ist es, was den gemeinsamen Nenner hat und wieso gefällt mir das? Das eine ist die Selbstdarstellung, also Dinge, die ich über mich oder meine Kreativität anderen zeigen kann, wie zb ein Schauspieler oder ein Fotograf. Das andere ist die inhaltliche Vermittlung, wenn man anderen etwas zeigt, wie ein Reiseleiter, das Dritte ist die Dienstleistung für andere, wie eine organisierte Reise für andere oder ein Event. Deswegen finde ich die Rolle eines Guides so interessant und vielseitig, weil es alle drei Kriterien erfüllen muss und kann.
    Kurze Zeit später wurden mein Gedankengut von außen unterbrochen. Ich sah den Norweger mit einem Fotografen und einem anderen Wanderer. Der Fotograf schoss zunächst ohne mich zu fragen ein Frontalbild und erzählte, er arbeite für ein bekanntes amerikanisches Magazin, das einen Bericht über den Via Francigena herausbringt. Er würde von uns paar Fotos machen, während wir laufen. Es gefiel mir nicht, ich wollte weiter nachdenken ohne Paparazzi. Ein paar Kilometer später zweigten auch die Wege und der Norweger ging links und ich rechts, der Fotograf nahm den linken Weg, so dass ich wieder allein war. Auf dem Weg gab es erst nach 18km eine Bar und ich bestellte einen Cappuccino und sah Tuc Kekse, die ich sehr mag für 1€. Sie wollte für beides 3€. Ich sah eine Tafel mit dem Preis für einen Cappuccino, 1,50€. Niemals habe ich mehr bezahlt und wir waren nicht in Florenz auf der Piazza! Die Frau meinte noch etwas von Latte und ich sagte ihr, Frau, ich bin seit drei Monaten in Italien und ich weiß was ein Cappuccino kostet! Sie gab mir murrend 50 Cent zurück. War ich aber stinkig! Im absolut untouristischen Dorf Pilger abziehen, unmöglich!
    Der Weg war wirklich ruhig und ich genoss meinen vorletzten Tag. Unterhalb der Burg aß ich dann groß zu Mittag. Ich hatte sehr dünnes Rindfleisch mit Gorgonzola, mit dem Brot habe ich sozusagen noch Fondue gegessen und sehr leckeres Grillgemüse.
    Die Festung oben ist ein Mini-Dorf mit zwei kurzen Straßen, Wohnhäusern und vielen Touristen-shops, Bars und Restaurants. Ich wollte nach der Dusche zum Besichtigen gehen, wollte aber Mal auf die Bankkonten gucken und hatte Probleme bei der Anmeldung. Danach ging ich an der Wehrmauer entlang und beschloss, einen regionalen Wein zu trinken in der Weinanbau-Region. Hier traf ich den Fotografen und wir tranken einen sehr leckeren Weißwein zusammen, eine Mischung aus Riesling und Weißburgunder. Er war mir dann nicht mehr unsympathisch. Am Ende saßen wir zu fünft zum Abendessen an einem Tisch, mit den neuen Indern, die ich unterwegs traf und dem Priester, den ich vor zwei Tagen im schönen Hostel vor Gambassi Terme kennengelernt hatte. Wir lachten viel und tranken den dort produzierten Hauswein, ich hatte selbstgemachte Nudeln mit Wildschwein und Walnüssen. Die Inder haben uns alle eingeladen, was wirklich sehr großzügig war. Wir haben uns auf morgen früh verabredet, alle gehen nach Siena, meiner letzten Etappe.
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  • 71. Etappe -Monteriggioni-Siena

    26. september 2023, Italien ⋅ ☀️ 15 °C

    Heute morgen traf ich um acht alle gestrigen Gesellen plus die Deutsche, die ich in San Gimignano kennengelernt habe, zum italienischen Frühstück in einer Bar, die tatsächlich um acht auf hatte. Wir saßen draußen und ich bestellte wie immer ein Café americano, Croissant und nochmal ein Espresso. Da ich den ersten Kaffee draußen trank, musste ich dafür unschlagbare drei Euro bezahlen! Da konnte ich leider nicht diskutieren. Unterwegs traf ich so viele Pilger und Tagestouristen wie auf meinem gesamten Weg nicht. Schon morgens war ich ziemlich wehmütig, war es doch nun wirklich meine allerletzte Etappe! Unterwegs war ich aber noch in Gedanken wegen meiner blöden Bank Konten (ich frage mich dann immer, wie das die älteren Leute kapieren sollen, wenn das schon für uns jüngere Leute manchmal schwer zu verstehen ist). Jedenfalls war ich viel am Handy und so passierte es, dass ich genau, wie es einen Stand mit Essen und Trinken für Pilger gegen Spende gab, falsch Bürger abbog. Landschaftlich war es nicht so interessant, ich hab nur das Pferd von Pippi Langstrumpf gesehen, also so ein weißes mit schwarzen Punkten.
    In Siena, vor der Altstadt, traf ich den Norweger und trank mit ihm ein Bier, danach aß ich in einem Imbiss Auberginen- Salat und dünne Rindersteaks. Hier lief klassische Musik, ein bisschen auch schnulzig, und als ich mit dem netten Mann, dem der Laden gehörte ins Gespräch kam, kamen mir die Tränen, ja heute ist finito, der Weg ist hier zu Ende!
    Durch ein großes Stadttor erreichte ich Siena, auf den ersten Blick waren die Gassen sehr eintönig, alles Backsteinhäuser. Dafür sind die Plätze, der Dom und die Aussichten fantastisch! Ich wollte im Dom beten, das ist eigentlich immer möglich, aber die Frau schickte mich in die Kirche gegenüber. Also konnte ich nicht im Dom meine Dankesworte an meine Familie und Freunde richten, sondern eben in der anderen Kirche. An der Unterkunft traf ich den Italiener, der mich von der Stimme her an meinen Onkel erinnert, ich dachte, er sei Ordensbruder, aber er arbeitete stattdessen in der Elektronik-Industrie.
    Da der Priester noch im Gottesdienst war, gingen wir noch was trinken. Der Ausblick von meinem Fenster war atemberaubend schön, vor allem die Sonnenaufgänge! Abends gingen wir zu zehnt etwas essen, das war ziemlich chaotisch, aber ein schöner, multikultureller Abend.
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