• Il Cammino di San Biagio

    15. marts, Italien ⋅ ☁️ 15 °C

    Cristo Redentore, San Biagio und Graf Mandarin

    Lang ist die Zugfahrt und führt durch viele Tunnel. Heute erreiche ich den südlichsten Punkt meiner Tour. Maratea ist ein kleines Bergdorf. Doch deshalb bin ich nicht hier. Hoch oben auf dem Monte San Biagio ragt eine enorme Christusstatue, die ich mir ansehen möchte. Man kann sie schon vom Bahnhof erkennen. Es ist, als grüße sie mich mit ausgebreiteten Armen. Doch das ist pure Illusion, denn sie schaut in die andere Richtung - Richtung Basilica.
    Der Weg hinauf ist gut gepflegt, aber auch beschwerlich, ragt der Fels doch bald 800m hoch über dem Meer. Der Cammino di San Biagio ist dem Schutzpatron der Stadt gewidmet, dem auf dem Monte im 7ten Jahrhundert eine Basilica errichtet wurde, die über die Zeit ihr heutiges Aussehen erreichte. Auf diese Basilica ruht der Blick des Christo Redentore und ein langer Treppenweg ist das verbindende Element. Ist man endlich erschöpft am Ziel, liegt der ganze Golf von Policastro zu Füßen. Was für ein grandioser Ausblick! Der kurze, steile Pilgerweg hinauf hat sich gelohnt.

    Interessant ist die Geschichte:
    Auf dem Gipfel des Monte San Biagio gab es nicht nur die Basilico, sondern auch ein Schloss. In dieses hatte sich Oberst Mandarin, Gouverneur von Maratea, während der Kalabrischen Aufstände am 4.12.1806 zurück ziehen müssen, um sich gegen heranrückende napoleonische Truppen zu verschanzen. Sieben Tage dauerte die Belagerung gegen die übermächtigen Franzosen und sie muss sehr heldenhaft gewesen sein, endete aber schließlich mit der Kapitulation. Für die tapfere Verteidigung soll Graf Mandarin von seinem französischem Widersacher, General Lamarque, selbst erfahrener Soldat, seinen Säbel als Auszeichnung zurück bekommen haben. Da waren zwei gegnerische Menschen womöglich auf Augenhöhe? Diese Geschichte faszinierte mich.
    Von dem Schloss sind heute nurmehr Ruinen übrig, die vermutlich von den wenigsten Touristen überhaupt wahrgenommen werden, weil der Blick fasziniert von dem Christusmonument angezogen wird. Ein einfaches eisernes Kreuz stand vormals zum Gedenken an die Schlacht an seiner Stelle, das aber, wiederholt vom Blitz getroffen, mehrmals umkippte. 1965 dann wurde die Statue errichtet, nicht ohne Streit in der Gemeinde verursacht zu haben. Zu einer Einweihungsfeier kam es deshalb nicht.
    Wer denkt heut‘ noch dran, wer hier oben dem Jesus ins freundliche Gesicht schaut? Eine Informationstafel über die Geschichte jedenfalls sucht man vergebens.
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