• Michael-wandert
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E1‘‘ 🇮🇹 (10) ⛰️Cilento

durch den Cilento Read more
  • Trip start
    March 7, 2026

    Prolog

    March 3 in Germany ⋅ ☁️ 14 °C

    Weiter auf meinem E1‘ Richtung Süden.
    Die zehnte Wanderung durch Italien!

    Nun werde ich das Cilento Gebiet durchwandern, das in der Provinz Salerno (Region Kampanien) liegt und damit bereits recht weit im Süden Italiens. Es erstreckt sich zwischen Paestum im Norden und Sapri im Süden. Im Westen begrenzt durch die 100 km lange Küste des Tyrrhenischen Meeres, im Osten von einem reizvollen Hinterland mit hohen Bergen, alten Pilgerwegen und kleinen Dörfern in idyllischer Kulturlandschaft. Es scheint eine schöne Gegend zu sein.

    Die Tour startet in Salerno und wird nach Sapri führen, wo der Cilento endet. Womöglich geht es noch ein Stück weiter, wer weiß. Reservetage sind vorhanden. Hundertsechzig Kilometer liegen nun vor mir - mindestens. Meine Etappen folgen dem Schienenstrang, der mitten durch den Cilento verlegt ist. Gut so, denn das gibt mir wieder die Gelegenheit, von einem festen Basecamp aus zu starten. Ich mag das gerne in Italien. Das bedeutet, jeden Morgen mit dem Zug zum Ausgangspunkt und abends vom Etappenende wieder zurück zu fahren. Jeden Tag ein Stückchen weiter. In Italien geht das, ist TrenItalia doch viel preiswerter als die Deutsche Bundesbahn.
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  • Anreise ➡️ Salerno

    March 7 in Italy ⋅ ☁️ 14 °C

    Um 8 Uhr geht es los. Die Anreise ist relaxed und damit unspektakulär.
    Vieler Verkehrsmittel bedarf es, bis ich um 19:30 Uhr wohlbehalten in Salerno im Hotel einchecken kann. Alles greift wunderbar ineinander, es gibt fast keine Wartezeiten. Das ist auch der Grund, warum ich den Alibus vergessen habe, auf ein Foto zu bannen. Der Bus ist das einzige Verkehrsmittel, mit dem man vom Flughafen zum Zentralbahnhof kommt. Er fährt nun sogar elektrisch. Man kann die 4km alternativ auch zu Fuß gehen. Das habe ich ja auch schon gemacht auf früheren Besuchen. Heute steht der Bus allerdings abfahrbereit da. Rein und los. Prima!
    Gleich werde ich mir noch Salerno bei Nacht anschauen. Das Hotel liegt günstig dafür mitten in der Fußgängerzone.
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  • Salerno di notte

    March 7 in Italy ⋅ ☁️ 12 °C

    Nach einer kurzen Pause geht es noch einmal raus in die Nacht von Salerno. Es ist Samstag, die Einwohner sind auf den Straßen, genießen die laue Luft. Viele junge Leute sind unterwegs, die Röcke der Mädels sind so kurz, kürzer geht nicht. Die vorherrschende Farbe ist schwarz, auch bei den Jungs. Ist das die Mode der Saison?
    Auch ich genieße den immer länger werdenden Spaziergang. Hin geht es am Mittelmeer entlang auf dem Lungomare, der letztes Jahr noch restauriert wurde. Jetzt ist er fertig. Mein Wendepunkt ist das Halbrund des prunkvoll angeleuchtete riesigen Gebäudes hinter der Piazza della Libertà. Hier kann man wohnen und, wie jetzt, das Nachtleben in einem der Restaurants am Yachthafen genießen. Von dort geht es über viele Treppen hinauf und wieder hinab, schließlich die belebte Via Mercanti, die Haupteinkaufsstraße Salernos, entlang zurück zum Hotel. Ein guter Start.
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  • Salerno ▶️ Pontecagnano

    March 8 in Italy ⋅ ⛅ 17 °C

    E1´ Tag 231, 18 knallharte Km.
    Es sollte ein Tag zum Einwandern werden. Es geht auch gut los. Den Berg hinauf zu einem mächtigen Friedhof. Es gibt viel zu schauen und ich bleibe lange dort. Der Weg weiter ist easy. Italien, wie ich es mag. Hundegebell in der Ferne, Hühnergegacker, Hahnenschrei - sonst Stille. Über den Müll am Wegesrand allerorten schaue ich dezent hinweg. Dann ein Hof, durch den die Straße führt. Ein großer Bernhardiner. Kläfft, fletscht die Zähne, kommt lautstark langsam näher. Mir bleibt nur der Rückzug, an dem Hof komme ich nicht vorbei, muss in den Wald ausweichen, oberhalb. Dort gibt es Wildschweinspuren. Viele! Mit den Gesellen möchte ich keine Bekanntschaft machen. Mühsam bahne ich mir meinen Pfad durch das Unterholz, bis ich schließlich wieder auf den Weg stoße, von dem mich der Hund drängte.
    Noch einmal gerate ich vom rechten Pfad ab, dieses Mal bin ich selber schuld. Ein toller Ausblick ist es und da es danach so harmlos weiter geht, wandere ich einfach weiter den Berg hinab und nicht zurück. Denk‘ noch, was für eine schöne Abkürzung. Doch dann ist er weg, der Weg. Auf terrassiertem Bergrücken geht es nun weglos steil hinab, die Terrassen sind zugewuchert. Es fordert viel Kraft, aber da muss ich nun durch. Mit einem Mal liege ich lang, eine Fußangel ist schuld. Passiert ist nicht viel, ein paar Schrammen nur, doch der Schreck währt lang. Aufpassen! Hier darf ich mich nicht verletzen. Am Ende, am Fuße des Hügels, ein Zaun und dann ein Tor, beides verschlossen. Auch da komm’ ich durch bzw. rüber. Danach Asphalt und ein endloses Gewerbegebiet. Nicht schön! Auch der Ort Pontecagnano am Ende der Etappe ist farblos und trist. Wie gut, dass der Zug gleich kommt und mich nach Salerno zurück bringt.
    Er hatte es ganz schön in sich, der Monte Giovi.
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  • Paestum

    March 9 in Italy ⋅ ☀️ 17 °C

    Mit dem Zug überbrücke ich die Sele-Ebene, was ich auf meinem E1‘ nicht oft mache. Der Blick aus dem Fenster zeigt: ich habe es richtig gemacht. Industrielle Agrokultur reiht sich eintönig eins nach dem anderen. Keine Gegend zum Wandern.
    In Paestum steige ich aus. Hier erwartet mich ein kultureller Höhepunkt, auf den ich mich besonders freue: die historische griechische Siedlung aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Drei Tempel sind noch übrig, das Amphitheater, der Versammlungsplatz und die Grundmauern einst prächtiger Häuser. Der Ort kam durch Ackerbau und Handel zu Wohlstand. Die Stadt ist geprägt von Ordnung und geometrischen Formen. Doch dann übernahmen 273 v. Chr. die Römer die Stadt. Wie an vielen anderen Stellen der italienischen Küste versumpfte später auch hier die Gegend. Die Menschen zogen landeinwärts. Paestum geriet allmählich in Vergessenheit. Im 17. Jahrhundert wurde nichtsahnend eine Straße gebaut mitten durch das Amphitheater. Damit war der Ort wiederentdeckt, etwa zeitgleich mit Pompeji und Herculaneum, jenen Orten, die der Vesuv einst verschüttete.
    Noch heute wird in Paestum gegraben und geforscht. Ein Leckerbissen wohl für Historiker, doch ich fühlte mich schließlich historisch etwas überfordert.
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  • Agropoli

    March 9 in Italy ⋅ ☀️ 14 °C

    E1‘Tag 232 - zähe 10km
    So interessant Paestum, so langweilig der Weg nach Agropoli. Der Mittelmeerstrand bleibt meist auf Distanz, es wird Asphalt getreten. Dabei folge ich doch heute der Route des Fernwanderwegs E12. Erst in Agropoli versöhnt mich die endlos lange Strandpromenade mit dieser Etappe. Hell scheint die Nachmittagssonne über Strand und Cilento.
    Ein gemütliches Appartement wird hier für die nächsten zehn Tage mein Basecamp sein.
    Der Rucksack drückte heute bei vollem Gepäck ungewohnt schwer auf meinem Rücken. Ab morgen wird es mit Tagesgepäck weiter gehen. Gut so!
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  • Agropoli ➡️ Omignano-Salento

    March 10 in Italy ⋅ ☁️ 15 °C

    E1‘ Tag 233, 22km. Die Burg auf dem Berg
    Es dauert etwas, bis ich Agropoli hinter mir lassen kann und der Verkehr ist lästig und laut. Aber während ich immer höher steige, wird es immer ruhiger. Ein bisschen Hundegekläff und Hahnengeschrei auf den Höfen, an denen ich vorbei komme, sonst Stille. Und Weite, die immer weiter wird, je höher ich auf der schmalen Asphaltpiste hinauf komme.
    Ein streunender Hund will nicht weichen. Er bellt nicht, er lauert nur. Ich warte. Lange dauert die Begegnung. Schließlich trollt er sich und ich kann endlich vorbei.
    Das erste Highlight heute: Convento Francesco. Ein Kloster, vor dem ein Mann auf der Mauer lehnt und die Weite schaut. Ich tue es ihm gleich. Er spricht mich an, auf italienisch natürlich. Englisch versteht er nicht. Trotzdem unterhalten wir uns. Er sei der Pfarrer und lädt mich ein, das Kloster zu sehen. So werfe ich einen kurzen Blick hinein.
    Weiter geht es hinauf. Endlos., so scheint es. Doch schließlich ragt sie auf über mir: die Burg. Rocca Cilento liegt auf dem höchsten Berg der Umgebung, das ist ja klar. Eine Tür im Tor steht offen, ich habe Glück. Denn es ist ein Hotel, für die Öffentlichkeit nur selten zugänglich. Ich hoffe, im Bistro einen Kaffee zu bekommen, doch hier ist alles noch verschlossen. Keine Saison, stattdessen wird renoviert. Plötzlich versperrt ein Herr mir den Weg, weist mich erst von der Burg, lässt mich dann aber doch gewähren. So kann ich einen unbeobachteten Rundgang machen. Alles ist schick und so neu. So mögen Burgen nach ihrer Fertigstellung ausgesehen haben: mächtig und prunkvoll. Nun, hier und da hat der neue Besitzer ein paar Veränderungen vorgenommen…
    Das unter der Burg liegende Dorf wurde ebenfalls liebevoll restauriert, mit den herunter gekommenen Bergdörfern Italiens nicht vergleichbar. Alles hell und schick, eine Augenweide. Ob das früher überall so aussah?
    Damit beginnt der lange und bisweilen auch steile Abstieg. Immer auf Asphalt. Eine dunkle Wolke bleibt am Berg nebenan hängen, doch wo ich gehe, scheint weiter die Sonne. Bis ich in Omignano den Bahnhof erreiche. Der Zug zurück nach Agropoli ist grad weg, ich muss über eine Stunde auf den Nächsten warten. Da fängt es an zu regnen, dann zu schütten, dann knallen dicke Hagelkörner auf das Dach des Wartehäuschen. Mir wird kalt und ich denke, hätte ich doch vorhin das Eis nicht genossen …
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  • Cala Pàstena

    March 11 in Italy ⋅ ☁️ 16 °C

    Eine bahnbrechende Begegnung
    Die Bahn streikt. Auch hier in Italien. Oder besser, besonders hier. So komme ich heute nicht zu meinem Startpunkt. Macht aber nichts, rechte Lust auf die vielen Höhenmeter habe ich eh nicht. So bleibe ich heute in der Gegend, schaue mir die Altstadt von Agropoli an, das Castell, das restauriert wird (2€ nimmt man trotzdem), den Hafen. Dann geht’s etwas ziellos in ein Wandergebiet rund um den Mt. Tresino, Trentova-Tresino genannt. Auf den Berg zieht mich nichts, der Küstenweg ist auch ganz schön.
    Dort habe ich eine, wie sich für mich im nachhinein herausstellt, bahnbrechende Begegnung. Ich treffe auf Marc. Lange kann ich ihn und seine fließenden Bewegungen beobachten, denn ich nähere mich ihm von hinten. Er steht mitten auf dem Weg und macht seltsame Übungen. Ein eigenartiger Typ, schon alt, aber drahtig, braungebrannt, seine Bewegungen ruhig und fließend. Beim Vorbeigehen wünsche ich ein „Buon Giorno“ und frage spontan auf Englisch nach seinen Übungen. Das sei eine Mischung aus Karate und Qigong, meint er. Es stellt sich heraus, er stammt aus Österreich, reist mit einem umgebauten Lieferwagen durch die Gegend. „Seit 16 Jahren schon“, meint er. Wir kommen auf Paestum zu sprechen, doch er finde Velia viel interessanter. Dort liege eine Wiege der Philosophie, gibt er mir wissend zu verstehen. Und kommt ins philosophieren. Redet von Angst und Nichtangst, von Zeit und ihrer Realität und vom einfachen Leben. Er hat meine Neugier geweckt. Doch auf einen Kaffee möchte ich mich von ihm nicht einladen lassen, will lieber weiter. Er ist mir doch etwas zu sonderbar. Damit endet wieder einmal eine Wanderbegegnung. Doch diese hallt in mir nach. Macht was mit mir. Und am Ende des Weges hat sie etwas verändert. Ein Paradigmenwechsel scheint anzustehen, so wird es mir nach und nach klar. Wie schon einmal in Mora (s. https://findpenguins.com/7jc2jk51k9zyj/footprin…). Das Wandern auf meinem E1 wird sich wieder wandeln. Und wie der Wandel ausschaut, das beschließe ich beim Americano in der Bar „Düsseldorf“. Eigentlich war es mir längst schon klar, wollte es nur noch nicht wahr haben.
    Diese Begegnung war ein Zufall. Doch Zufälle gibt es nicht.
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  • Ja, wie schaut’ er nun aus, mein Paradigmenwechsel? Mancher wird es wohl schon erraten haben.
    Die Erkenntnis ist: meine Zeit für Fernwanderungen ist vorbei. Nicht mehr erstrebenswert scheint mir, Kilometer für Kilometer zu fressen, um einmal längs, möglichst ohne Lücke, auf eigenen Beinen durch Europa gewandert zu sei.
    Am nördlichen Ende habe ich ja auch bereits Schluss gemacht, dort wurde es mir zu karg und der Pfad zu weglos. Hier im Süden, dachte ich bisher, wird es noch weiter gehen.

    Doch ein Sturz, ein mahnender Hund, der mich aufhaltende Bahnstreik und nicht zuletzt die denkwürdige Begegnung mit dem philosophischen Lebenskünstler Marc sind mir nun genug Zeichen, meine bisherige Form des Fernwanderung aufzugeben. Es wird mir zu beschwerlich, die mentale Kraft dafür ist dahin.
    Mich reizt es nun viel mehr, Land und Geschichte kennen zu lernen. Voller Muße, ohne Hetze. In Ruhe schaun‘, wo es etwas zu entdecken gilt, ohne das Muss, weiter zu wollen. Damit wird mein E1‘ nun Lücken kriegen. Das macht aber nichts.
    Ich nenn‘ mein neues Wanderkonzept E1‘‘, also die zweite Abwandlung eines ursprünglichen Konzeptes. Vom starren Folgen eines Wanderweges E1 über die Erlaubnis, auf dem Weg längs durch Europa eigene Wege (E1’) zu beschreiten, nun also der Paradigmenwechsel hin zum mußevollen Wandern E1‘‘, das mir gewährt, an Orten zu wandern, die schön und interessant sind, ohne dorthin immer zu Fuß gelangt zu sein. Natürlich geht es weiter gen Süden, das Ziel hat mich noch nicht los gelassen.

    So siehts also aus. Und nun weiter.
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  • Velia (Elea)

    March 12 in Italy ⋅ ⛅ 15 °C

    Auf den Spuren der Griechen

    Heute will ich Elea entdecken - und das geht sogar noch mit dem Ticket, dass ich in Paestum löste, denn es gilt für drei Tage. Ganz alleine streife ich durch die alte griechische Stadt, über die es so viel zu sagen gäbe. Aber das kann man alles auch gut nachlesen. Ich hatte die App <Paestum&Velia> runter geladen, die mir auf dem Rundgang viel Informatives erzählen kann.
    Der Ort Elea war Paestum ähnlich, aber an einem Hang errichtet, aus dem eine reichliche Quelle sprudelte. Sie gab der Stadt ihren Namen. Später übernahmen die Römer die Herrschaft, aus Elea wurde Velia.

    Mir bleibt von diesem Tag: mein Interesse für Philosophie wurde wiedererweckt. Denn zwei bedeutende griechische Philosophen entstammen Elea, die hier auch eine Philosophenschule errichteten. Die Lehre vom „Sein und Nichtsein“ hat hier seinen Ursprung. Und vieles mehr, für deren Recherche erst zu Hause Zeit sein wird.

    Viel mehr Bilder hier:
    https://www.komoot.com/tour/2823795817?ref=itd&…
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  • Il Borgo di San Severino

    March 13 in Italy ⋅ ☀️ 16 °C

    1000 Jahre Geschichte

    Oberhalb des Dorfes San Severino auf einem Fels vor dem Massiv des Monte Bulgheria thront eine Burg, die vor tausend Jahren errichtet, fortan die Teufelsschlucht bewachte, durch die der Fluß Mingardo fließt. Nach und nach entstand dort oben auch ein Dorf, das so angelegt wurde, dass es die Burg zusätzlich schützte. Die Burg verfiel ab dem 18. Jahrhundert, weil sie nicht mehr gebraucht wurde; das Dorf aber war bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts noch bewohnt. Dann zogen die Einwohner Parterre, in die Nähe des Bahnhofs. So sind Burg und Dorf heute verfallen und wurden zu einem einsamer Hotspot, den zu besichtigen sich lohnt.
    Ich war heute ganz alleine dort oben.
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  • Auf den Spuren des San Nilo

    March 14 in Italy ⋅ ☀️ 13 °C

    Eine halbe Etappe auf einem Pilgerweg
    „Der einzig funktionierende Fernwanderweg im Cilento ist der 103 km lange Cammino di San Nilo“, meint Andreas Haller in seinem Buch „Cilento“, das mir auf dieser Tour als Informationsbasis dient. Er startet im Küstenort Sapri, was mit dem Zug von Agropoli, meinem Basecamp, schon eine gute Stunde entfernt liegt. Heute bin ich für eine halbe Etappe dem Cammino gefolgt. Es waren lediglich fünf Kilometer, allerdings ging es beharrlich bergan und das über Stock und Stein, mit Schatten nur im letzten Drittel. Man kann also ahnen, wie froh ich war, endlich das Refugio erreicht zu haben. Es liegt auf 580m üNN, für mich der Wendepunkt. Fortan ging‘s auf gleichem Wege bergab, aber teils so steil und steinig, das es auch keine Erholung war.

    Für einen Pilgerweg ist das ein knackiger Einstieg.

    Nach dem Abstieg war noch Zeit für einen Stadtrundgang.
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  • Il Cammino di San Biagio

    March 15 in Italy ⋅ ☁️ 15 °C

    Cristo Redentore, San Biagio und Graf Mandarin

    Lang ist die Zugfahrt und führt durch viele Tunnel. Heute erreiche ich den südlichsten Punkt meiner Tour. Maratea ist ein kleines Bergdorf. Doch deshalb bin ich nicht hier. Hoch oben auf dem Monte San Biagio ragt eine enorme Christusstatue, die ich mir ansehen möchte. Man kann sie schon vom Bahnhof erkennen. Es ist, als grüße sie mich mit ausgebreiteten Armen. Doch das ist pure Illusion, denn sie schaut in die andere Richtung - Richtung Basilica.
    Der Weg hinauf ist gut gepflegt, aber auch beschwerlich, ragt der Fels doch bald 800m hoch über dem Meer. Der Cammino di San Biagio ist dem Schutzpatron der Stadt gewidmet, dem auf dem Monte im 7ten Jahrhundert eine Basilica errichtet wurde, die über die Zeit ihr heutiges Aussehen erreichte. Auf diese Basilica ruht der Blick des Christo Redentore und ein langer Treppenweg ist das verbindende Element. Ist man endlich erschöpft am Ziel, liegt der ganze Golf von Policastro zu Füßen. Was für ein grandioser Ausblick! Der kurze, steile Pilgerweg hinauf hat sich gelohnt.

    Interessant ist die Geschichte:
    Auf dem Gipfel des Monte San Biagio gab es nicht nur die Basilico, sondern auch ein Schloss. In dieses hatte sich Oberst Mandarin, Gouverneur von Maratea, während der Kalabrischen Aufstände am 4.12.1806 zurück ziehen müssen, um sich gegen heranrückende napoleonische Truppen zu verschanzen. Sieben Tage dauerte die Belagerung gegen die übermächtigen Franzosen und sie muss sehr heldenhaft gewesen sein, endete aber schließlich mit der Kapitulation. Für die tapfere Verteidigung soll Graf Mandarin von seinem französischem Widersacher, General Lamarque, selbst erfahrener Soldat, seinen Säbel als Auszeichnung zurück bekommen haben. Da waren zwei gegnerische Menschen womöglich auf Augenhöhe? Diese Geschichte faszinierte mich.
    Von dem Schloss sind heute nurmehr Ruinen übrig, die vermutlich von den wenigsten Touristen überhaupt wahrgenommen werden, weil der Blick fasziniert von dem Christusmonument angezogen wird. Ein einfaches eisernes Kreuz stand vormals zum Gedenken an die Schlacht an seiner Stelle, das aber, wiederholt vom Blitz getroffen, mehrmals umkippte. 1965 dann wurde die Statue errichtet, nicht ohne Streit in der Gemeinde verursacht zu haben. Zu einer Einweihungsfeier kam es deshalb nicht.
    Wer denkt heut‘ noch dran, wer hier oben dem Jesus ins freundliche Gesicht schaut? Eine Informationstafel über die Geschichte jedenfalls sucht man vergebens.
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  • Salerno sacre

    March 16 in Italy ⋅ ☁️ 13 °C

    Das heilige Salerno
    Für heute ist Regen angesagt, da ist der Wille zum Wandern nicht so ausgeprägt. Ein Besuch der Kathedrale in Salerno scheint mir da lustvoller zu sein. In einer dreiviertel Stunde mit TrenItalia bin ich schon da.
    Den Gang über die Via dei Mercanti, der Haupteinkaufsstraße der Stadt, habe ich nach den Tagen in der Privinz geradezu genossen. Quirliges Leben, Cafés an jeder Ecke…
    Mein Plan: Ich kauf‘ mir ein Kombiticket, um Dom, Chiesa San Giorgio und dann noch das Museum anzuschauen. Das wird ein Tagesprogramm sein. Und das war es dann auch. Es gibt viel zu schauen - und voll war es nirgends.
    Ach übrigens: geregnet hat es heute nicht 😉

    Die Bilder der Stadt finden sich hier:
    https://www.komoot.com/de-DE/tour/2830217880?re…

    Wer mehr Hintergrundinformationen wünscht, für den gibt es virtuelle Rundgänge:
    https://web.amuseapp.art/de/WFOFPW6E?tab=itinerary
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  • Salerno kunterbunt

    March 17 in Italy ⋅ ☁️ 14 °C

    StreetArt und so
    Regen ist vorher gesagt. Für den ganzen Tag! Statt zu Wandern fahre ich noch einmal nach Salerno. Einen richtigen Plan habe ich nicht, so lasse ich mich durch die Altstadt treiben und entdecke so allerlei. Das StreetArt Projekt „Muri d‘Autore (Wände der Poesie) begeistert mich am Meisten. Das kann man in den paar Bildern gar nicht einfachen. Wie würde Spock es ausdrücken: faszinierend. Und geregnet hat es in Salerno auch nicht. Alles richtig gemacht 😁Read more

  • Pisciotta medievale

    March 18 in Italy ⋅ ⛅ 11 °C

    Ein mittelalterliches Bergdorf
    Es regnete die ganze Nacht und der Morgen zeigt mir die kalte Schulter 🥶 Doch die Sonne scheint und ein schöner Tag macht seine Aufwartung. So nehme ich noch einmal den Zug Richtung Süden. In Pisciotta erwartet mich ein pittoreskes Bergdorf, das jedenfalls schwärmt mir mein mittlerweile sehr geschätzter Reiseführer „Cilento“ von Andreas Haller vor. Und so ist es denn auch. Seht selbst! Die Bilder sprechen für sich. Und wem‘s nicht reicht, schaut sich meine Komoot-Tour an:
    https://www.komoot.com/de-DE/tour/2832967736?re…

    Und damit geht nun meine Zeit im Cilento zu Ende. Zwar anders als geplant, aber auch irgendwie intensiver. Nicht das Wandern stand dieses Mal im Vordergrund, sondern die Auseinandersetzung mit der süditalienischen Geschichte. So habe ich z.B. gelernt, dass hier Griechen vor den Römern siedelten und daß das Römische Reich erst Jahrhunderte später die mittlerweile gut entwickelten griechischen Städte (gewaltfrei) annektierte. Ich sah Burgen und Stätten, die in späterer Zeit von Normannen gegründet wurden, ich besichtigte mittelalterliche Kirchen und Kathedralen voll barockem Prunk sowie Museen von regionaler und überregionaler Bedeutung. Das alles hat mir sehr gut gefallen, ich werde, wieder zu Hause, wohl einige Hausaufgaben machen müssen, um mehr über die Hintergründe zu lernen - und ja, ich werde wohl meinen weiteren Weg gen Süden auf meinem - nun E1“ - ähnlich ausgestalten. Bis ich hoffentlich irgendwann auf Sizilien den südlichen Terminus meiner langen und wunderbaren Reise längs durch Europa glücklich erreichen werde.
    Aber noch ist es ja nicht so weit. Morgen reise ich erst einmal zurück nach Neapel, wo hoffentlich noch Spannendes auf mich warten wird.
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  • Frecciarossa

    March 19 in Italy ⋅ ☁️ 10 °C

    Mit dem roten Pfeil nach Neapel
    Das wollte ich immer schon mal machen, seitdem ich in Italien mit dem Zug fahre. Die roten Züge sehen aber auch verboten gut aus. Heute gab es die Gelegenheit, statt mit einem Regionalzug den Frecciarossa zu wählen. Das Geschoss kostet etwa drei Mal so viel wie der Regionalzug, liegt damit aber preislich immer noch auf dem Niveau eines Regionalzuges der DB. Zumindest, wenn man sich mit den beiden unteren Klassen (Standard oder Premium) begnügt. Man kann aber auch die Executive-Kategorie buchen. In der Klasse verfügt ein Waggon dann nur über 10 Sitze und der Preis ist 4x so hoch. Wer‘s braucht 🤔. Ich habe mich für Premium entschieden, ist mit unserem ICE 1. Klasse zu vergleichen. Um es kurz zu machen: das Reisen wird angenehmer, doch schneller als mit den Hitachi-Regionalzügen geht es auch nicht. Das liegt vermutlich an den schlechten Gleisen.
    Ein Erlebnis der pfeilroten Art.
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  • Neapel: Pedamentina

    March 19 in Italy ⋅ ☀️ 15 °C

    Ein Spaziergang durch Neapel: la Pedamentina
    Aus dem übergroßen Angebot, dass Neapel zu bieten hat, habe ich mir nach der Zugfahrt für den Nachmittag einen kurzen Fußweg ausgesucht. Er beginnt im noblen Stadtteil Vemero auf dem Hügel direkt unter dem Castell St. Elmo und führt auf 414 Stufen hinab nach Downtown zur Straße „Pignasecca“. Die enge Einkaufsstraße scheint bei Touristen wohlbekannt zu sein, denn es war unglaublich voll.
    Natürlich bin ich trotzdem weiter zu Fuß Richtung Zentralbahnhof geschlendert, wo ich wieder in dem mir bereits bestens bekannten Hotel Saint Angelo abgestiegen bin.
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  • im Untergrund von San Lorenzo Maggiore

    March 19 in Italy ⋅ ⛅ 15 °C

    Ausgrabungen in der Klosterkirche San Lorenzo Maggiore

    Unter dem Centro Storico von Neapel befindet sich ein Netzwerk an alten Straßen und Plätze. Man kann es an mehreren Stellen besuchen.
    Auf eine dieser Stelle stieß ich heute zufällig, als ich dem Touristengewimmel entweichen wollte und Ruhe in einer Kirche suchte. Es war ausgerechnet das Kloster San Lorenzo, wo ich landete und erkannte: hier gibt es etwas Spannendes zu entdecken.
    Man kann es nachlesen : „Das antike Neapolis Sotterrata wurde im Jahr 470 v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet. Innerhalb dieser antiken Stadt steht heute die monumentale Anlage von San Lorenzo Maggiore auf einem ganz besonderen Platz. Hier befand sich einst die Agora, das Zentrum der griechischen Siedlung, und später das römische Forum. Bei verschiedenen Ausgrabungen konnten die übereinander liegenden Schichten identifiziert werden. So kann der Besucher die verschiedenen Siedlungen sehen, die im Laufe der Zeit aufeinander gefolgt sind. Von den griechischen zur römischen Epoche und vom Mittelalter bis zur Neuzeit.
    La Neapolis Sotterrata ist an der Piazza San Gaetano neben der Kirche San Lorenzo Maggiore zu finden. Man kann die unterirdische Welt auf eigene Faust erkunden, oder sich einer Führung anschließen.“
    Ich tat‘s auf eigene Faust. So habe ich zwar nichts von den geschichtlichen Hintergründen erfahren, konnte die alten Mauern aber in Ruhe auf mich wirken lassen.
    Es hat gewirkt!
    Die Quelle: https://neapeltipps.de/unterirdisches-neapel.html
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  • Metro Art Napoli

    March 20 in Italy ⋅ ☁️ 15 °C

    An meinem letzten Tag will ich in den Untergrund. Erst dachte ich an die Katakomben von San Gennaro, doch dann gefiel es mir besser, die Metro-Art in Augenschein zu nehmen. Metro - Art habe ich schon einmal gesehen. Es war in Bergen und es gefiel mir gut. Die U-Bahn von Neapel behauptet auf ihrer Site, „mit über 300 Werken, die in den Kunststationen der Linie 1 und 6 installiert sind, das größte Museum für zeitgenössische Kunst im Untergrund“ zu sein. 12 Stationen der Linie 1 und 7 Stationen der Linie 6 sind kunstvoll gestaltet worden, Linie 1 wurde 2001 eingeweiht und ist das Ergebnis eines von der Stadtverwaltung von Neapel geförderten Projekts, „um den Orten der öffentlichen Mobilität ästhetische Qualität zu verleihen, große Gebiete des städtischen Gefüges zu sanieren und die Stadt Neapel mit einer prestigeträchtigen öffentlichen Sammlung zeitgenössischer Kunst auszustatten“ Linie 6 wurde erst 2024 eingeweiht. So verwundert es, dass diese Linie schon wieder „under construction“ ist. Oder auch nicht, ich bin ja in Italien.
    11 Stationen der Linie 1 habe ich mir genau angeschaut. Für eine Station brauchte ich ca. eine halbe Stunde. Mit der Rolltreppe einmal an die Luft und wieder zurück, warten, bis die Menschenmassen verschwunden sind und am Endeauf die nächste Bahn warten, die glücklicherweise oft fahren. Bemerkenswert ist, dass die zentrumsnahen Stationen sehr kunstvoll gestaltet sind, die Ferneren dafür das Gelände um die Station mit integriert haben. Das ist aus Sicht des Städtebaus sicher zu erklären.
    Ich habe etwa 150 Fotos gemacht und die Auswahl viel schwer. Ich habe mich entschieden, den Fokus auf die Rolltreppen zu legen, die (oder auch die Treppen) ich rauf und runter benutzte. Sie alle sind höchst unterschiedlich, jede sehr individuell gestaltet.
    Leider merkt man den Kunstinstallationen den Zahn der Zeit hier und da an. Aber so ist das nun mal in Italien, auf Erhaltung wird nicht so Wert gelegt. Trotzdem ist es eine interessante Reise durch den Untergrund.
    Und wer es genau wissen will, schaut sich die Site der Metro an, die gut gemacht ist:
    https://metroart.anm.it/stazioni-arte/2018-02-1…

    Wie es weiter ging
    🧑‍🦯‍➡️https://www.komoot.com/tour/2836589827?ref=itd&…
    🧑‍🦯‍➡️ https://www.komoot.com/tour/2836845549?ref=itd&….
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  • Rückreise

    March 21 in Germany ⋅ ⛅ 5 °C

    Viele Eindrücke habe ich gesammelt auf dieser Reise, die ganz anders wurde, als ich sie plante. Nun geht es zurück.
    Den Weg vom Hotel nahe des Hauptbahnhofs Napoli Centrale zum Aeroporto di Napoli-Capodichino mache ich, wie so oft (4x) schon, wieder zu Fuß; es sind ja nur 4km und bieten noch so einige pittoreske Eindrücke von der wuselig chaotischen Stadt Neapel.
    Die Flüge Neapel 🛫 München 🛬 Hamburg sind ruhig und angenehm, doch kaum auf heimischem Boden gelandet, wird es schwierig. In Hamburg wird der öffentliche Nahverkehr von Verdi bestreikt, die Bahnen fahren nur vereinzelt. Doch mit in Italien gestärkter Gelassenheit finde ich meinen Weg nach Hause.

    Danke für die virtuelle Begleitung und bis zum nächsten Mal Ciao 👋
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    Trip end
    March 21, 2026