• Wikingermuseum – Mythos und Wirklichkeit

    December 27, 2025 in Sweden ⋅ 🌬 3 °C

    Das Viking Museum auf Djurgården klang für mich zuerst nach Helmen mit Hörnern und viel Folklore. Umso überraschender war, wie ruhig und differenziert der Ort erzählt, wer die Wikinger eigentlich waren – und wer eben nicht.

    Die Wikingerzeit dauerte ungefähr vom späten 8. bis ins 11. Jahrhundert, also grob von 800 bis 1050. Die Menschen, die wir heute Wikinger nennen, kamen aus dem Gebiet des heutigen Schwedens, Norwegens und Dänemarks. Sie waren Seefahrer, Händler, Entdecker – und ja, auch Krieger. Aber eben nicht nur das.
    Das Museum zeigt sehr klar: Die meisten Wikinger waren Bauern, Handwerker und Kaufleute. Sie lebten in kleinen Gemeinschaften, hatten klare soziale Strukturen und ein erstaunlich weitreichendes Handelsnetz. Ihre Reisen führten sie über die Ostsee, nach Byzanz, in den arabischen Raum und bis nach Nordamerika – Jahrhunderte bevor Kolumbus dort ankam.

    Was gut funktioniert, ist der Fokus auf den Alltag. Auf Kleidung, Glauben, Familie, Rituale. Die nordische Mythologie mit Odin, Thor und Freyja taucht auf, aber nicht als Fantasy, sondern als Teil einer Welt, in der Götter, Natur und Menschen eng miteinander verbunden waren. Der Tod war präsent, genauso wie die Idee von Ehre und Gemeinschaft.
    Besonders eindrücklich ist die Erzählung darüber, wie sehr das Bild der Wikinger im Laufe der Jahrhunderte verzerrt wurde. Die berühmten Hörnerhelme sind ein Mythos des 19. Jahrhunderts, entstanden aus Opern, Nationalromantik und Projektionen – nicht aus archäologischen Funden.
    Das Museum schafft es, diesen Schleier langsam abzulegen. Am Ende bleibt kein martialisches Bild, sondern das einer komplexen, erstaunlich offenen Gesellschaft, die neugierig auf die Welt war, technisch versiert und kulturell vernetzt.
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