• Södermalm – Zwischen Weite und Alltag

    December 28, 2025 in Sweden ⋅ ☀️ 1 °C

    Södermalm ist kein Viertel, das laut um Aufmerksamkeit wirbt. Es entfaltet sich beim Gehen, beim Verweilen, im Dazwischen. Wer sich hier bewegt, merkt schnell: Södermalm lebt weniger von Sehenswürdigkeiten als von Stimmung, von Übergängen, von kleinen Beobachtungen.

    Lange war Södermalm ein Arbeiterquartier. Hafenarbeit, Handwerk und einfache Wohnverhältnisse prägten das Bild bis weit ins 20. Jahrhundert. Viele der Häuser, Treppen und Höfe erzählen noch heute davon – auch wenn sich das Viertel in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat.
    Mit der Zeit kamen Künstler*innen, Kreative, Studierende. Kleine Läden ersetzten Werkstätten, Cafés zogen in Erdgeschosse, Innenhöfe wurden belebt. Der Wandel ist sichtbar, manchmal widersprüchlich, aber Södermalm hat sich dabei einen gewissen Eigensinn bewahrt.

    Besonders im SoFo-Viertel (south of Folkungagatan) zeigt sich diese Mischung: Second-Hand-Läden neben schlichten Designstores, kleine Buchhandlungen, Bäckereien, Bars ohne großes Konzept – aber mit Charakter. Vieles wirkt bewusst unfertig, wenig inszeniert.
    Hier scheint das Leben nicht ausgestellt, sondern einfach gelebt zu werden. Menschen sitzen mit Kaffee auf Fensterbänken, schieben Fahrräder über Kopfsteinpflaster, verschwinden in Hauseingängen. Södermalm fühlt sich alltäglich an – und genau deshalb besonders.

    Was Södermalm prägt, ist seine Topografie. Immer wieder führen Wege nach oben – und öffnen plötzlich den Blick. Von den Höhenzügen aus liegt Stockholm weit und ruhig da, das Wasser zieht sich zwischen den Inseln hindurch. Diese Ausblicke geben dem Viertel eine besondere Qualität: Sie schaffen Abstand, ohne zu trennen. Die Stadt wirkt hier nicht überwältigend, sondern überschaubar.
    Södermalm hat den Ruf, politisch, bewusst und manchmal unbequem zu sein. Themen wie Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung und soziale Fragen gehören hier zum Alltag. Nicht als große Geste, sondern als Selbstverständnis.
    Vielleicht wirkt der Stadtteil deshalb auf manche rau, auf andere offen.
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