• Vilnius und seine Kirchen

    11 Mei, Lithuania ⋅ ⛅ 7 °C

    ​Dass Vilnius heute die unbestrittene Hauptstadt des Barocks in Osteuropa ist, verdankt sie einer ziemlich feurigen Vergangenheit. Im 17. und 18. Jahrhundert fegten verheerende Großbrände durch die damals noch hölzerne Stadt. Was damals eine Katastrophe war, wurde zur Geburtsstunde des heutigen Stadtbilds: Italienische und litauische Baumeister bauten Vilnius aus Stein neu auf – und tobten sich im damals brandneuen, dramatischen Barockstil so richtig aus.
    ​Das Geniale hier ist die absolute Ehrlichkeit der Architektur. Hier ist nichts für die Postkarte steril zurechtgeputzt. Neben frisch gestrichenen, schneeweißen Fassaden blättert an anderen Ecken ungeniert der Putz. Diese Mauern verstecken ihre Narben nicht. Sie erzählen dir ganz offen von Kriegen, sowjetischer Zweckentfremdung als Lagerhalle und Jahrzehnten der Vernachlässigung.

    ​Ein ganz bestimmter Ort hat mich auf meiner Tour besonders berührt: die Marienkirche – genauer gesagt die Kirche der Tröstenden Muttergottes. Wer hier ein stilles, staubiges Kirchenschiff erwartet, wird komplett überrascht.
    ​Im Erdgeschoss dieses historischen Raums befindet sich heute das Restaurant Pirmas Blynas. Der Name bedeutet übersetzt „Der erste Pfannkuchen“ (ihr wisst schon, der, der in der Pfanne meistens erst mal schiefgeht). Das Besondere ist hier aber nicht nur die spektakuläre Kulisse, sondern die Crew: Das Restaurant ist ein Gastronomieprojekt mit einer wunderbaren sozialen Mission, bei dem Menschen mit Behinderung Hand in Hand im Service und in der Küche arbeiten. 🤝❤️
    ​Auf der Karte stehen fantastische, frisch gebackene süße und herzhafte Blinys (die osteuropäische Antwort auf Pfannkuchen) – absolutes Wohlfühlessen! Das Projekt nutzt die alte Kirche nicht als hippe Kulisse aus, sondern bricht ganz konkret Barrieren in den Köpfen ab.
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