• Maria Uhlig
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Baltikum & Skandinavien

Diesmal nur mit etwas Plan...und dann,dahin wohin die Nase mich führt.
Mit Zug und Bus durchs Baltikum
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    🇱🇹 Klaipėda, Litauen

    Klaipėda setzt die Segel in den Sommer

    5 hours ago in Lithuania ⋅ ☁️ 10 °C

    In Klaipėda war heute „Keliame bures į vasarą“ — frei übersetzt: Wir setzen die Segel in den Sommer. Kurz gesagt: der offizielle Beginn der Sommersaison. Etwas genauer: ein Fest zwischen Hafen, Musik, Meer, Essen, Straßenkultur und Klaipėda zum Anfassen und genießen.

    Das Wetter hatte davon allerdings nur bedingt gehört. Der Tag war grau, kühl und vor allem ganztägig neblig. Die Stadt wirkte dadurch weniger nach Sommerbeginn, eher nach „Ostsee überlegt noch“.

    Schön war trotzdem, dass die Stadt lebendig war. Musik auf den Straßen, Stände in der Altstadt, Menschen unterwegs zwischen Theaterplatz, Hafen und Meridianas. Auch Vėlunga, das traditionelle Tanzensemble aus Klaipėda, passte gut in diesen Tag: Reisen, Meer und Heimat sind hier keine großen Worte, sondern irgendwie Alltag. Man kommt an, man fährt weiter, und trotzdem bleibt etwas hängen. Und so bekam die Gruppe zurecht (okay...ich hab keine Vergleiche gesehen) einen Preis, nämlich den Goldenen Vogel).

    Beendet wird das Fest heute Abend mit der Schiffsparade auf dem Kurischen Haff — und für die ganz Motivierten anschließend mit gemeinschaftlichem ESC-Schauen auf dem Theaterplatz. Ich gehöre vermutlich eher zur Kategorie: kurz schauen, dann irgendwann zeitig ins Bett.

    Denn morgen geht die Reise weiter. Ich verlasse Litauen — und fahre in ein neues Land: nach Riga in Lettland.
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  • Tiere und Pflanzen

    Yesterday in Lithuania ⋅ ⛅ 11 °C

    Die Kurische Nehrung ist nicht nur Strand und Dünen, sondern ein empfindlicher Lebensraum zwischen Ostsee und Kurischem Haff.

    Typisch sind die vielen Kiefernwälder. Sie wurden teilweise angepflanzt, um die wandernden Dünen zu befestigen.

    In den Dünen wachsen vor allem robuste Pflanzen: Strandhafer, Gräser, Moose, Flechten und kleine Blütenpflanzen. Sie müssen mit Wind, Trockenheit und sandigem Boden klarkommen.

    Auffällig sind auch die Kormorane, besonders bei Juodkrantė. Dort sitzen sie in großen Kolonien in den Bäumen (und kacken dir auf den Kopf, wenn du nicht aufpasst). Der Wald wirkt an manchen Stellen dadurch fast gespenstisch, weil viele Bäume weiß verfärbt oder abgestorben sind. Und es ist sehr sehr laut.

    Mit etwas Glück sieht man unterwegs auch Hasen, Rehe oder Füchse. Dazu kommen viele Vogelarten, denn die Nehrung liegt auf einer wichtigen Route für Zugvögel.

    Auch die Mücken haben den Weg zu mir gefunden... also sowas ähnliches zumindest... zumindest gibt es einige Flatschen :)
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  • Kleine Radtour auf der Kurischen Nehrung

    Yesterday in Lithuania ⋅ ⛅ 9 °C

    Heute ging es mit dem Fahrrad auf die Kurische Nehrung, einmal bis zur russischen Grenze und zurück. Am Ende standen laut Komoot 102 Kilometer auf dem Tachot.

    Von Klaipėda aus setzt man mit der Fähre über und ist plötzlich in einer anderen Welt. Auf der einen Seite liegt das Haff, auf der anderen die offene Ostsee. Dazwischen: Kiefernwälder, Sandwege, Dünen, kleine Orte und immer wieder dieser weite Himmel. Die Kurische Nehrung gehört zum Nationalpark Kuršių nerija und ist UNESCO-Welterbe — nicht wegen "großer" Städte oder lauter Sehenswürdigkeiten, sondern wegen dieser außergewöhnlichen Kulturlandschaft.

    Die Nehrung war lange durch Fischerei geprägt. Kleine Fischerdörfer entstanden entlang des Haffs, viele Häuser wurden aus Holz gebaut. Gleichzeitig war das Leben hier nie ganz einfach: Wind und Sand formten die Landschaft ständig neu. Früher wanderten große Dünen über die Nehrung und verschütteten sogar ganze Dörfer (da war der Mensch allerdings selber etwas schuld).Deshalb wurden später viele Bereiche aufgeforstet, um den Sand zu stabilisieren. Heute fährt man mit dem Rad oft genau durch diese Kiefernwälder — ohne sofort zu merken, dass sie auch Teil dieser Schutzgeschichte sind.

    Unterwegs wechseln sich die Landschaften ständig ab: Wald, Strand, Dünen, Haffblick, Holzstege, kleine Pflanzen im Sand und endlose Wege. An der Ostsee ist es offen und windig, am Haff wirkt alles ruhiger. Gerade dieser Wechsel macht die Strecke besonders.

    Ein wichtiger Ort auf der Nehrung ist Nida. Der Ort wurde nicht nur durch seine Dünen und Lage bekannt, sondern auch durch Thomas Mann. Der deutsche Schriftsteller kam 1929 nach Nida und ließ sich dort ein Sommerhaus bauen. In den Jahren 1930 bis 1932 verbrachte er hier mehrere Sommer mit seiner Familie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kehrte er nicht mehr zurück. Heute befindet sich in dem Haus das Thomas-Mann-Kulturzentrum beziehungsweise ein Museum. Dass ausgerechnet dieser stille Ort zwischen Haff, Wald und Dünen einen Nobelpreisträger anzog, passt irgendwie gut zur Atmosphäre der Nehrung.

    Kulinarisch gehört zur Kurischen Nehrung natürlich auch Fisch. Geräucherter Fisch ist hier typisch: einfach, salzig, noch etwas warm — passend zu einer Landschaft, in der Wasser und Fischerei immer eine große Rolle gespielt haben.

    Die Kurische Nehrung ist also kein Ort, der viel erklären muss. Man fährt, läuft, schaut aufs Wasser, wieder in den Wald, wieder auf Sand. Ein schmaler Streifen Land — aber mit erstaunlich viel Weite.
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  • Klaipėda – angekommen am Meer

    May 14 in Lithuania ⋅ ☀️ 11 °C

    Nach der frühen Zugfahrt bin ich in Klaipėda angekommen. Die Stadt liegt direkt am Kurischen Haff und ist Litauens wichtigste Hafenstadt. Früher war sie unter dem Namen Memel bekannt und lange durch deutsche und preußische Geschichte geprägt. Genau deshalb wirkt Klaipėda etwas anders als Vilnius oder Kaunas: weniger barock, dafür maritimer, windiger und rauer.

    Nach der Ankunft ging es zuerst zum Hafen. Von dort hat man den Blick hinüber zur Kurischen Nehrung, die Klaipėda vom offenen Meer trennt. Fähren, Schiffe, Möwen und Wasser bestimmen hier sofort das Bild.

    Danach bin ich mit dem Fahrrad weiter nach Melnragė gefahren, an den Strand nördlich der Stadt. Dort beginnt das eigentliche Ostseegefühl: Sand, Wind, Wellen und viel Himmel.

    Das schöne Wetter hat allerdings nicht lange gehalten. Inzwischen regnet es wieder. Also erst einmal Pause im Lokal. Nebenbei gibt es noch etwas Unterhaltungsprogramm: Zwei Deutsche sitzen hier mit Fahrradhelm am Tisch und setzen ihn einfach nicht ab. Naja — Sicherheit geht vor.
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  • Frühzug Richtung Klaipėda

    May 14–17 in Lithuania ⋅ 🌙 3 °C

    ...einmal quer durch Litauen

    Es ist 4:15 Uhr. Draußen ist es noch dunkel, die Stadt schläft größtenteils noch, und in einer halben Stunde startet der Zug von Vilnius nach Klaipėda. Abfahrt um 4:45 Uhr — eine Uhrzeit, bei der selbst der Kaffee wahrscheinlich noch nicht ganz versteht, was hier gerade passiert.

    Die Strecke führt einmal quer durch Litauen, von der Hauptstadt im Osten bis an die Ostsee im Westen. Ziel ist Klaipėda, Litauens wichtigste Hafenstadt und Tor zur Kurischen Nehrung. Die Stadt hieß früher Memel und hat eine ganz eigene Geschichte: geprägt von deutschem, preußischem, litauischem und baltischem Einfluss. Anders als Vilnius oder Kaunas wirkt Klaipėda weniger barock und weniger großstädtisch, dafür maritimer — mit Hafen, Speicherhäusern, Fachwerkspuren, Wind, Wasser und Ostseeluft.

    Bis dahin liegt aber erst einmal eine lange Zugfahrt vor mir. Die Route führt über mehrere Orte, die fast wie kleine Kapitel litauischer Geschichte wirken. Zuerst geht es über Kaišiadorys und Jonava weiter Richtung Landesmitte. Jonava liegt an der Neris und ist heute eher als Industriestadt bekannt. Danach folgt Kėdainiai, eine der älteren Städte Litauens, die früher stark von Handel und verschiedenen Bevölkerungsgruppen geprägt war — Litauer, Polen, Juden, Deutsche und Schotten hinterließen hier ihre Spuren.

    Weiter geht es nach Radviliškis, einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Von dort aus nähert sich der Zug Šiauliai, der viertgrößten Stadt Litauens. In der Nähe liegt der berühmte Berg der Kreuze, einer der eindrücklichsten Erinnerungs- und Pilgerorte des Landes.

    Danach verändert sich die Landschaft langsam weiter Richtung Westen. Mit Telšiai erreicht die Strecke das Gebiet von Žemaitija, also Niederlitauen beziehungsweise Samogitien. Diese Region hat eine eigene kulturelle Identität, eigene Dialekte und ein starkes regionales Bewusstsein. Später folgen Plungė und Kretinga — Orte mit Gutshäusern, Klöstern und viel westlitauischer Landschaft drumherum.

    Am Ende wartet Klaipėda. Die Stadt liegt am Kurischen Haff, direkt gegenüber der Kurischen Nehrung. Von hier fahren die Fähren hinüber nach Smiltynė, weiter Richtung Nida, Dünen, Kiefernwald und Ostsee. Klaipėda selbst ist aber mehr als nur Durchgangsort: Hafenstadt, ehemalige Memelstadt, Altstadt mit Fachwerkhäusern, Theaterplatz, Skulpturen und dieser etwas raueren Atmosphäre, die viele Küstenstädte haben.

    Jetzt heißt es erst einmal: einsteigen, Platz finden, vielleicht noch ein bisschen schlafen und Litauen beim Hellwerden aus dem Zugfenster beobachten.
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  • Christi-Auferstehungskirche

    May 13 in Lithuania ⋅ ☁️ 10 °C

    Einen besonderen Ausblick über Kaunas gibt es von der Christi-Auferstehungskirche im Stadtteil Žaliakalnis. Schon von unten fällt der helle, hohe Turm auf: streng, modern, fast ein bisschen monumental. Die Kirche wirkt ganz anders als die barocken Kirchen in Vilnius oder die älteren Backsteinbauten der Altstadt. Sie gehört zur modernistischen Architektur der Zwischenkriegszeit und wurde ab 1934 als Symbol der litauischen Unabhängigkeit geplant.
    Ich persönlich muss sagen, schön ist anders...aber naja.

    Die Geschichte des Gebäudes ist allerdings ziemlich wechselhaft. Während der sowjetischen Zeit wurde die Kirche zweckentfremdet und als Radiofabrik genutzt; erst nach der litauischen Unabhängigkeitsbewegung konnte sie wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben werden. Geweiht wurde sie schließlich erst 2004, fertiggestellt 2005.

    Besonders lohnt sich der Weg nach oben auf die Dachterrasse. Von dort öffnet sich ein weiter Blick über Kaunas: über grüne Stadtteile, rote Dächer, moderne Gebäude und hinüber zu den Flusslandschaften.
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  • Am Zusammenfluss von Neris und Nemunas

    May 13 in Lithuania ⋅ 🌧 8 °C

    Ein besonderer Ort in Kaunas ist die Santaka, der Zusammenfluss von Neris und Nemunas. Hier treffen zwei der wichtigsten Flüsse Litauens aufeinander: Die Neris kommt aus Richtung Vilnius, der Nemunas — auf Deutsch auch Memel genannt — fließt weiter Richtung Westen. Genau an dieser Stelle liegt der Ursprung der Stadt Kaunas. Das Gebiet rund um die heutige Altstadt war schon früh besiedelt, und auch die Burg von Kaunas entstand in direkter Nähe zu diesem strategisch wichtigen Punkt.

    Heute befindet sich dort der Santakos Parkas, ein grüner Park am Wasser. Man kann am Ufer entlanglaufen, auf die beiden Flüsse schauen und dabei gut nachvollziehen, warum dieser Ort für Kaunas so wichtig war: Wasser bedeutete Schutz, Handel, Verbindung und Bewegung. Die Burg, die Altstadt und der Zusammenfluss liegen hier ganz nah beieinander — Geschichte und Landschaft greifen also direkt ineinander.

    Um die Santaka ranken sich auch einige Legenden. Der Ort wird manchmal als Geburtsort von Kaunas bezeichnet. Einer Sage nach soll hier der Fürst Kūnas die Stadt gegründet und eine Burg errichtet haben. Außerdem heißt es, dass sich an der Stelle früher ein Hain der Göttin Milda befunden haben soll — der litauischen Göttin der Liebe, Freundschaft und Freiheit. Vielleicht passt deshalb auch die Tradition, sich an der Santaka zu verabreden: Der Zusammenfluss gilt bis heute als ein romantischer Ort in Kaunas.

    Die Symbolik ist ziemlich eindeutig: Wo Neris und Nemunas zusammenfließen, beginnt Kaunas. Zwei Flüsse, zwei Richtungen, ein gemeinsamer Weg — das passt gut zu einer Stadt, die immer wieder von Verbindung, Handel, Geschichte und Neubeginn geprägt war.
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  • Die Burg von Kaunas

    May 13 in Lithuania ⋅ ☁️ 8 °C

    Die Burg von Kaunas gehört zu den ältesten erhaltenen Steinburgen Litauens und liegt an einem historisch besonders wichtigen Ort: nahe dem Zusammenfluss von Nemunas und Neris. Genau diese Lage machte Kaunas schon im Mittelalter strategisch bedeutsam. Wer diesen Punkt kontrollierte, konnte Handelswege, Flussverbindungen und Zugänge ins Landesinnere überwachen.

    Die Burg entstand im 14. Jahrhundert und war Teil der Verteidigung des Großfürstentums Litauen. Immer wieder spielte sie eine Rolle in den Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Orden, der im Mittelalter versuchte, seinen Einfluss im Baltikum auszuweiten. Kaunas lag dabei an einer wichtigen Grenze und wurde mehrfach angegriffen. Die ursprüngliche Burg wurde im Laufe der Zeit beschädigt, zerstört und später wieder aufgebaut.

    Heute ist nur noch ein Teil der Anlage erhalten, vor allem der runde Turm und Abschnitte der Mauern. Trotzdem lässt sich noch gut erkennen, welche Bedeutung dieser Ort früher gehabt haben muss. Die roten Backsteine, die massiven Mauern und die Lage am Fluss geben der Burg ein eher schlichtes, aber eindrückliches Erscheinungsbild. Sie wirkt nicht wie ein überladenes Schloss, sondern eher wie ein funktionaler Wehrbau — gebaut zum Schutz, nicht zum Prunk.

    Die Burg von Kaunas erzählt damit von einer älteren Schicht der Stadtgeschichte: von Verteidigung, Flüssen, Handelswegen und der Zeit, in der Litauen ein mächtiges Großfürstentum war. Sie ist kein riesiger Ort, aber ein wichtiger Einstieg, um Kaunas nicht nur als moderne Zwischenkriegshauptstadt zu sehen, sondern auch als mittelalterliche Stadt mit langer Geschichte.
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  • Medizin und Pharmazie Museum

    May 13 in Lithuania ⋅ ☁️ 8 °C

    Um den medizinischen Bildungsauftrag auch etwas zu verfolgen, ging es noch in das Medizin und Pharaziemuseum. Das Museum gehört zur Litauischen Universität für Gesundheitswissenschaften und liegt in der Altstadt von Kaunas am Rathausplatz. Gezeigt wird dort unter anderem, wie eine litauische Stadtapotheke Ende des 19. Jahrhunderts aufgebaut war — mit Verkaufsraum, Labor, Vorratsräumen, Keller und historischen Arztzimmern.

    Besonders spannend ist, dass Medizin hier nicht nur als Wissenschaft gezeigt wird, sondern auch als Alltagsgeschichte. Alte Apothekenschränke, Waagen, Gefäße, Instrumente, Rezepturen und medizinische Geräte erzählen davon, wie Krankheiten früher behandelt wurden und wie eng Pharmazie, Handwerk und Erfahrungswissen miteinander verbunden waren. Auch die Entwicklung der höheren medizinischen Ausbildung in Kaunas wird thematisiert.
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  • Kaunas -Litauens zweite Hauptstadt

    May 13 in Lithuania ⋅ ☁️ 8 °C

    Heute geht es nach Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens. Nach Vilnius wartet damit eine Stadt, die historisch eine ganz eigene Rolle im Land spielt. Kaunas liegt am Zusammenfluss von Nemunas und Neris und war schon im Mittelalter ein wichtiger Handels- und Verteidigungsort. Die Lage an den Flüssen machte die Stadt strategisch bedeutend — davon zeugt bis heute die Burg von Kaunas, eine der ältesten Steinburgen Litauens.

    Besonders prägend wurde Kaunas aber im 20. Jahrhundert. Als Vilnius zwischen den Weltkriegen unter polnischer Kontrolle stand, wurde Kaunas von 1920 bis 1939 zur provisorischen Hauptstadt Litauens. In dieser Zeit entwickelte sich die Stadt rasant: Ministerien, Schulen, Museen, Wohnhäuser und Kulturgebäude entstanden. Viele dieser Bauten prägen bis heute das Stadtbild und gehören zum bekannten modernistischen Kaunas.

    Anders als Vilnius wirkt Kaunas weniger barock und verwinkelt, dafür geradliniger und etwas kantiger. Die lange Laisvės alėja, die Freiheitsallee, bildet eine zentrale Achse der Stadt. Von dort gelangt man in Richtung Altstadt mit Rathausplatz, Kirchen, Kopfsteinpflaster und alten Bürgerhäusern. Das weiße Rathaus wird wegen seiner Form auch gerne als „weißer Schwan“ bezeichnet.

    Neben der Architektur spielt auch die Geschichte des 20. Jahrhunderts eine große Rolle. Ein wichtiger, aber schwerer Erinnerungsort ist das Neunte Fort, das an Besatzung, Verfolgung und nationalsozialistische Verbrechen erinnert (da geht es heute aber aufgrund des bahnbrechenden Wetters nicht hin). Gleichzeitig zeigt Kaunas heute auch eine kreative Seite: Street Art, Museen, kleine Cafés und Kulturorte gehören inzwischen genauso zur Stadt wie die historischen Gebäude.
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  • Trakai

    May 12 in Lithuania ⋅ ☁️ 17 °C

    Heute ging es raus aus Vilnius und nach Trakai — und schon die Anreise fühlte sich ein bisschen nach „Litauen außerhalb der Hauptstadt“ an. Weniger Großstadt, mehr Holzhaus, See, Wald und grauer Himmel, der zwischendurch ziemlich überzeugend so tat, als hätte er schlechte Laune (warum auch immer). Es gab immer wieder Schauer, aber ehrlich gesagt: Zu Trakai passte dieses Wetter irgendwie. Die Burg wirkt mit dunklen Wolken fast noch dramatischer.

    Die Stadt Trakai liegt zwischen mehreren Seen und ist vor allem für ihre berühmte Inselburg bekannt.

    Die Burg von Trakai liegt auf einer Insel im Galvė-See und ist über eine Holzbrücke erreichbar. Mit ihren roten Backsteintürmen und der Lage mitten im Wasser gehört sie zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Litauens. Ihre Geschichte reicht bis in die Zeit des Großfürstentums Litauen zurück. Besonders verbunden ist Trakai mit Vytautas dem Großen, einem der bedeutendsten Herrscher Litauens. Im Mittelalter war die Stadt ein wichtiges politisches und militärisches Zentrum.

    Heute kann man die Burganlage besichtigen, durch die Innenhöfe laufen und sich einen Eindruck davon verschaffen, welche Bedeutung dieser Ort früher hatte. Durch die Lage zwischen den Seen war Trakai strategisch gut geschützt und zugleich ein repräsentativer Herrschaftsort.

    Rund um die Burg liegen mehrere Seen, darunter der Galvė-See, der Luka-See und weitere kleinere Gewässer. Dadurch eignet sich Trakai nicht nur für einen kurzen Burgbesuch, sondern auch für einen Spaziergang am Wasser. Wege führen entlang der Ufer, durch kleine Waldstücke und vorbei an Stegen, Holzhäusern und Aussichtspunkten.

    Typisch für Trakai sind auch die Häuser der Karaimen, einer kleinen ethnisch-religiösen Gemeinschaft, die seit Jahrhunderten mit der Stadt verbunden ist. Ihre Geschichte reicht bis in die Zeit Vytautas’ zurück. Viele der traditionellen Holzhäuser stehen mit der schmalen Giebelseite zur Straße und prägen bis heute das Ortsbild.

    Kulinarisch kommt man in Trakai kaum an Kibinai vorbei (lange genug von Egle beworben...musste ich sie natürlich probieren). Die gefüllten Teigtaschen stammen aus der karaimischen Küche und sind heute eine der bekanntesten Spezialitäten des Ortes. Klassisch werden sie mit Fleisch gefüllt, es gibt sie aber auch mit Käse, Pilzen oder Gemüse. Warm serviert, oft zusammen mit Brühe oder Suppe, passen sie perfekt zu einem Ausflug zwischen Burg, See und Spazierwegen.
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  • Jerusalem des Nordens

    May 11 in Lithuania ⋅ ☁️ 16 °C

    ....das jüdische Vilnius

    Vilnius war über Jahrhunderte nicht nur eine Stadt der Kirchen, sondern auch ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens. In der jüdischen Tradition wurde die Stadt Vilna genannt und galt als eines der wichtigsten geistigen und kulturellen Zentren Osteuropas. Oft wird Vilnius als „Jerusalem des Nordens“ oder „Jerusalem Litauens“ bezeichnet — manchmal begegnet einem auch die Formulierung „Jerusalem des Ostens“. Gemeint ist immer diese besondere Rolle der Stadt als Ort jüdischer Gelehrsamkeit, Religion, Druckkunst und Bildung.

    Vor dem Zweiten Weltkrieg war jüdisches Leben in Vilnius überall präsent. Es gab zahlreiche Synagogen und Gebetshäuser, jüdische Schulen, Bibliotheken, Verlage und ein lebendiges kulturelles Leben. Besonders berühmt war der Vilna Gaon, einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten des 18. Jahrhunderts. Auch der jüdische Buchdruck spielte eine große Rolle: Vilnius war ein Zentrum für religiöse und wissenschaftliche Texte, und das YIVO-Institut, eines der wichtigsten Institute zur Erforschung der jiddischen Kultur, wurde 1925 in Vilnius gegründet.

    Heute sieht man diese Geschichte nicht immer auf den ersten Blick. Viele Orte sind verschwunden, überbaut oder nur noch durch Gedenktafeln markiert. Gerade das macht einen Spaziergang durch das ehemalige jüdische Viertel so eindrücklich: Man läuft durch hübsche Altstadtgassen, vorbei an Cafés, Boutiquen und Kopfsteinpflaster — und merkt erst beim genaueren Hinsehen, dass hier früher ein ganzes jüdisches Stadtleben existierte. Besonders rund um die Žydų-Straße, die Gaono-Straße und die ehemaligen Ghetto-Bereiche wird diese Vergangenheit spürbar.

    Ein schwerer, aber wichtiger Teil dieser Geschichte ist der Holocaust. Während der deutschen Besatzung wurden die Jüdinnen und Juden von Vilnius in Ghettos gezwungen, entrechtet, ausgebeutet und ermordet. Der nahe gelegene Ort Paneriai/Ponar wurde zu einem der zentralen Mordorte; dort wurden zehntausende Menschen ermordet, darunter sehr viele jüdische Bewohnerinnen und Bewohner aus Vilnius und Litauen.

    Trotzdem ist jüdisches Vilnius nicht nur eine Geschichte des Verlustes. Es gibt heute wieder Orte der Erinnerung und Kultur, zum Beispiel das Vilna Gaon Museum of Jewish History, die Holocaust-Ausstellung, die Choral-Synagoge und kleine Spuren im Stadtbild. Auch kulinarisch taucht diese Vergangenheit wieder auf — etwa durch Bagels, die an die jüdische Esskultur Osteuropas erinnern.
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  • Nationale Bibliothek u. Lukiškės-Gefängn

    May 11 in Lithuania ⋅ ☁️ 15 °C

    Die Litauische Nationalbibliothek Martynas Mažvydas liegt an der Gediminas-Allee und ist viel mehr als nur ein Ort für Bücher. Sie bewahrt litauisches Kulturerbe, bietet Lesesäle, Ausstellungen und Arbeitsbereiche — und wirkt dabei fast wie ein modernes Wissenszentrum mitten in der Stadt.

    Ganz anders, aber mindestens genauso spannend, ist das ehemalige Lukiškės-Gefängnis. Über mehr als ein Jahrhundert war es ein abgeschlossener, düsterer Ort hinter hohen Mauern. Heute ist daraus Lukiškės Prison 2.0 geworden: ein Kulturort mit Künstlerateliers, Konzerten, Führungen, Ausstellungen, Bars und Veranstaltungen. Man kann das Gelände besuchen, an Touren teilnehmen und dabei einen Eindruck von der schweren Geschichte des Ortes bekommen.
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  • Essen in Litauen

    May 11 in Lithuania ⋅ ☁️ 15 °C

    Was man in Litauen isst und essen sollte, das haben mir meine zwei Lieblingslitauerinnen schon zuhause verraten.

    Litauen schmeckt nach Kartoffeln, Dill, Sauerrahm und dunklem Brot — also nach ehrlicher, bodenständiger Küche, die satt macht und perfekt zu langen Wintern passt. Viele Gerichte sind einfach, aber richtig gemütlich: warm, kräftig und oft mit viel Tradition auf dem Teller.

    Ein Klassiker sind Cepelinai, große Kartoffelklöße, meist mit Fleisch, Quark oder Pilzen gefüllt. Dazu gibt es Sauerrahm und oft Speck-Zwiebel-Soße. Leicht ist das nicht gerade — aber sehr litauisch. Nach einem Teller versteht man ziemlich gut, warum Kartoffeln hier fast schon Nationalheiligtum sind.

    Das genaue Gegenteil wirkt auf den ersten Blick Šaltibarščiai, die berühmte kalte Rote-Bete-Suppe. Sie ist knallpink, wird mit Kefir, Gurke, Dill und Ei zubereitet und meistens mit heißen Kartoffeln serviert. Optisch fast absurd, geschmacklich aber herrlich frisch — besonders im Sommer.

    Auch Kibinai sollte man probieren, vor allem in Trakai. Die gefüllten Teigtaschen stammen aus der Küche der Karaimen und sind ein perfekter Snack nach einem Ausflug zur Wasserburg. Dazu kommen litauisches Roggenbrot, Kartoffelauflauf wie Kugelis, Quarkgerichte, viel Dill und süße Spezialitäten wie Šakotis, ein festlicher Baumkuchen.

    Spannend ist in Vilnius auch die jüdische Essgeschichte. Die Stadt war früher als „Jerusalem des Nordens“ bekannt und hatte eine bedeutende jüdische Kultur. Dazu gehören auch Bagels, deren Wurzeln eng mit jüdischen Gemeinden in Osteuropa verbunden sind. Heute werden sie in Vilnius wieder bewusster aufgegriffen — nicht nur als Frühstück, sondern auch als Stück Erinnerung an die multikulturelle Geschichte der Stadt.

    skanaus!
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  • Die Drei Kreuze und der Kalnai Park

    May 11 in Lithuania ⋅ ☁️ 13 °C

    Wer Vilnius nicht nur zwischen Kirchen, Kopfsteinpflaster und Altstadtgassen erleben möchte, sollte unbedingt hinauf zu den Drei Kreuzen laufen (so die Worte von Egle und Jurgita). Sie stehen hoch über der Stadt im Kalnai Park und gehören zu den schönsten Aussichtspunkten von Vilnius. Schon von unten sieht man die drei weißen Kreuze über der Altstadt aufragen — schlicht, aber sehr eindrucksvoll.

    Der Weg dorthin ist fast genauso schön wie der Blick von oben. Besonders stimmungsvoll ist der Aufstieg vom Bernhardinergarten aus. Unten läuft man noch durch einen gepflegten Park, am Fluss und zwischen Bäumen entlang, dann wird der Weg langsam steiler. Über Treppen und Waldpfade geht es hinauf in den Kalnai Park, dessen Name übersetzt etwa „Hügelpark“ bedeutet. Richtige Berge sind es natürlich nicht (wie in ganz Litauen eigentlich nicht), aber mitten in der Stadt fühlt sich dieser grüne Hügelrücken trotzdem erstaunlich wild und ruhig an.

    Das Besondere am Kalnai Park ist der schnelle Wechsel der Atmosphäre. Eben noch steht man in der Altstadt zwischen Cafés, Kirchen und Touristengruppen — wenige Minuten später läuft man über Waldwege, hört Vögel, sieht Baumwipfel und bekommt durch die Äste immer wieder kleine Ausblicke auf die roten Dächer von Vilnius. Der Park liegt direkt hinter dem Bernhardinergarten und grenzt an die Altstadt, Užupis, die Vilnelė und die Gegend rund um den Gediminas-Hügel. Dadurch wirkt er wie eine grüne Rückseite der Stadt.

    Der Aufstieg zu den Drei Kreuzen ist nicht besonders lang, aber man sollte ihn nicht ganz unterschätzen.

    Oben angekommen stehen die drei weißen Kreuze vor einem, groß und klar gegen den Himmel. Der Ort ist nicht nur ein Aussichtspunkt, sondern auch ein Erinnerungsort. Der Legende nach sollen hier Franziskanermönche als Märtyrer gestorben sein. Das heutige Denkmal geht auf einen Entwurf aus dem frühen 20. Jahrhundert zurück, wurde während der sowjetischen Zeit zerstört und 1989 wieder aufgebaut — kurz vor der Wiedererlangung der litauischen Unabhängigkeit. Dadurch haben die Drei Kreuze für Vilnius nicht nur eine religiöse, sondern auch eine symbolische Bedeutung.

    Die Aussicht ist wunderschön. Von oben blickt man über die Altstadt, die vielen Kirchtürme, den Gediminas-Turm, die Kathedrale und die grünen Flächen rund um Vilnius.

    Weiter ging es, durch den Kalnai Park. Neben dem Hügel der Drei Kreuze gibt es weitere Anhöhen und Wege, zum Beispiel den sogenannten Table Hill, ein flacheres Plateau im Park. Im Sommer finden im Kalnai Park außerdem Konzerte und Veranstaltungen statt, sodass dieser Ort nicht nur Aussichtspunkt, sondern auch ein lebendiger Teil der Stadt ist.
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  • Gediminas-Turm

    May 11 in Lithuania ⋅ ☁️ 12 °C

    Der Gediminas-Turm gehört zu den Orten in Vilnius, die man eigentlich nicht auslassen kann. Nicht, weil es der spektakulärste Turm Europas wäre — sondern weil man von dort oben die Stadt plötzlich versteht. Vilnius liegt einem zu Füßen: die roten Dächer der Altstadt, die vielen Kirchtürme, die engen Gassen, die grüne Umgebung und dahinter die moderneren Stadtteile mit ihren Glasfassaden.

    Der Turm steht auf dem Gediminas-Hügel, direkt oberhalb der Kathedrale. Schon von unten sieht man ihn über der Stadt thronen. Er ist der erhaltene Teil der ehemaligen Oberen Burg von Vilnius und gilt heute als eines der wichtigsten Symbole Litauens. Auf vielen Bildern von Vilnius ist genau dieser Turm zu sehen — mit der litauischen Flagge oben im Wind.

    Der Aufstieg ist nicht besonders lang, aber doch etwas anstrengend, vor allem wenn es warm ist oder man schon den ganzen Tag durch die Altstadt gelaufen ist. Der Weg führt über Kopfsteinpflaster und teilweise recht steile Abschnitte nach oben. Es ist also kein Bergabenteuer, aber auch nicht ganz „mal eben nebenbei“. Festes Schuhwerk ist definitiv angenehmer als glatte Sandalen — die Steine haben nämlich durchaus eigene Pläne ( so wie bei einigen asiatischen Touristen...die sind ganz schnell unten gewesen)

    Oben angekommen wird man aber sofort belohnt. Die Aussicht ist wirklich wunderschön: Auf der einen Seite sieht man die Kathedrale von Vilnius und den großen Platz davor, auf der anderen Seite die Dächer und Türme der Altstadt. Besonders schön ist der Blick auf die vielen Kirchen, die sich wie helle Punkte zwischen die Häuser schieben. Vilnius wirkt von oben gleichzeitig groß und klein, lebendig und ruhig.

    Man merkt dort oben auch, wie grün die Stadt eigentlich ist. Zwischen Altstadt, Fluss und Hügeln liegt immer wieder Natur. Gerade bei blauem Himmel oder spätem Nachmittagslicht ist das ein perfekter Ort für Fotos.
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  • Vilnius und seine Kirchen

    May 11 in Lithuania ⋅ ⛅ 7 °C

    Zwischen Himmel, Geschichte und Pfannkuchen

    Vilnius ist eine Stadt, in der man eigentlich gar nicht gezielt nach Kirchen suchen muss — sie stehen einfach überall. Hinter fast jeder Straßenecke taucht ein Turm auf, mal weiß und streng, mal rosa und verspielt, mal bröckelnd und wunderschön gealtert.

    Beim Spaziergang durch die Stadt merkt man schnell: Die Kirchen sind hier nicht nur religiöse Orte, sondern auch Orientierungspunkte. Man läuft durch enge Gassen, plötzlich öffnet sich ein Platz, und da steht wieder eine Kirche — manchmal frisch gestrichen, manchmal mit abblätterndem Putz, manchmal halb versteckt zwischen Bäumen. Gerade diese Mischung fand ich schön. Nicht alles ist glattgebügelt. Einige Fassaden erzählen eher: „Ich habe Kriege, Besatzungen, Umbauten, Vernachlässigung und trotzdem noch Sonne gesehen.“

    Besonders eindrucksvoll ist, wie unterschiedlich die Kirchen wirken. Es gibt die eleganten weißen Kirchen mit roten Dächern, die fast märchenhaft aussehen. Andere sind eher schwer und barock, mit großen Fassaden und dramatischen Schatten. Wieder andere wirken stiller, fast versteckt, als würden sie gar nicht darauf warten, fotografiert zu werden.

    Ein ganz besonderer Ort ist für mich aber die Marienkirche, genauer die Kirche der Tröstenden Muttergottes — auf Litauisch Švč. Mergelės Marijos Ramintojos bažnyčia. Dort befindet sich heute im Erdgeschoss das Pirmas Blynas, ein soziales Blynirestaurant. Der Name bedeutet sinngemäß „der erste Pfannkuchen“ — und ja, allein das ist schon sympathisch.
    Das Besondere daran ist aber nicht nur die Kulisse. Pirmas Blynas ist ein Restaurant mit sozialer Mission: Dort arbeiten Menschen mit Behinderung im Service und in der Küche. Serviert werden vor allem süße und herzhafte Pfannkuchen — also genau diese Art Essen, bei der man eigentlich schon beim Lesen der Karte innerlich kurz „ja gut, ich bleibe“ sagt.

    Und genau deshalb passt dieser Ort so gut zu Vilnius. Eine Kirche, die nicht nur Denkmal ist. Ein historischer Raum, der nicht leer bleibt. Ein Restaurant, das nicht nur hübsch aussieht, sondern etwas verändert. Es ist kein typischer Touristenstopp nach dem Motto „schnell Foto machen und weiter“. Es ist eher ein Ort, an dem man merkt, dass Stadtgeschichte nicht nur aus alten Steinen besteht, sondern auch daraus, was Menschen heute daraus machen.

    Zwischen all den Kirchen, Türmen und Fassaden wird Vilnius dadurch sehr menschlich. Die Stadt erzählt viel von Religion, Macht, Kunst und Geschichte — aber eben auch von Neuanfang, Gemeinschaft und kleinen guten Ideen. Vielleicht ist das der schönste Eindruck: Vilnius wirkt wohl manchmal feierlich, manchmal etwas rau, manchmal sehr still. Und dann sitzt man plötzlich in einer Kirche und isst Pfannkuchen. Viel besser kann eine Stadt ihre Eigenart eigentlich nicht zusammenfassen.
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  • Labas Litauen!

    May 10–15 in Lithuania ⋅ ☁️ 10 °C

    Litauen so ein Land, das nicht laut „Hier bin ich!“ schreit, sondern eher neben dir steht, dir einen rosa Teller Suppe hinstellt und sagt: „Guck mal genauer.“ Und dann merkt man: Da ist unfassbar viel Geschichte, Natur, Melancholie, Stolz und ziemlich gutes Essen.

    Das südlichste der drei baltischen Staaten, mit der Hauptstadt Vilnius, hier wird litauische gesprochen und mot dem Euro bezahlt. Außerdem ist das Land Mitglied der EU sowie des Schengen-Raums...also keine großen Passkontrolle. Achso Litauen ist auch eine Stunde voraus...also Uhren umstellen. :)

    Litauen war im Mittelalter keineswegs klein. Das Großfürstentum Litauen gehörte im 14.–16. Jahrhundert zu den wichtigen Mächten Osteuropas und reichte zeitweise weit über das heutige Staatsgebiet hinaus. Der litauische Staat wird oft mit der Krönung von Mindaugas im Jahr 1253 verbunden.

    Später verband sich Litauen eng mit Polen; daraus entstand die Polnisch-Litauische Adelsrepublik, ein riesiger Vielvölkerstaat. Nach den Teilungen Polens-Litauens Ende des 18. Jahrhunderts geriet Litauen lange unter russische Herrschaft. Im 20. Jahrhundert folgte eine kurze Unabhängigkeit von 1918 bis 1940, danach sowjetische Besatzung, deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und erneut Eingliederung in die Sowjetunion. Am 11. März 1990 erklärte Litauen als eine der ersten Sowjetrepubliken seine erneute Unabhängigkeit.

    Litauen wirkt modern und europäisch, aber darunter liegen viele Schichten — mittelalterliches Großreich, jüdisches Vilnius, polnisch-litauische Geschichte, sowjetische Spuren, Freiheitsbewegung. Es ist kein „einfaches“ Reiseland im besten Sinne.

    Vilnius ist vermutlich der beste Einstieg für meine Reise. Die Altstadt ist UNESCO-Welterbe; Litauen hat insgesamt fünf UNESCO-Welterbestätten, darunter Vilnius, die Kurische Nehrung, Kernavė, den Struve-Bogen und seit 2023 das modernistische Kaunas.
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  • Von Warschau nach Vilnius

    May 10 in Poland ⋅ ☀️ 12 °C

    ...mit Spurwechsel ins Baltikum 🚆🇵🇱🇱🇹

    Heute Früh ging es um 8:50 Uhr in Warschau los – weiter Richtung Norden, weiter Richtung Baltikum. Die Strecke führt zunächst durch den Nordosten Polens, vorbei an Białystok und Suwałki, bevor es immer näher an die litauische Grenze geht.

    Je weiter der Zug Warschau hinter sich lässt, desto ruhiger wird die Landschaft. Aus Großstadt und Vororten werden Felder, Wälder, kleine Orte und weite grüne Flächen. Besonders Richtung Suwałki wirkt alles schon etwas nordischer: weniger dicht bebaut, weniger laut, dafür viel Natur, viel Weite und immer wieder kleine Bahnhöfe, die eher nach Zwischenstopp als nach Großstadt klingen. 🌿🌲

    Geschichtlich fährt man hier durch eine spannende Region. Polen und Litauen waren über Jahrhunderte eng miteinander verbunden – besonders zur Zeit der polnisch-litauischen Adelsrepublik. Gleichzeitig war diese Gegend immer wieder Grenzraum: zwischen Polen, Litauen, Russland und später geprägt durch Kriege, Besatzungen und politische Umbrüche. Man fährt also nicht nur von einer Stadt zur nächsten, sondern durch eine Region, in der sich europäische Geschichte ziemlich deutlich überlagert.

    In Trakiszki gab es dann allerdings einen längeren, eher unfreiwilligen Aufenthalt. Ein Passagier weigerte sich offenbar, ein fehlendes Ticket nachzukaufen – wollte aber gleichzeitig auch nicht aussteigen. Nach einer gefühlt endlosen Diskussion wurde die Sache irgendwann sehr konsequent gelöst: Nicht die Polizei, sondern das Militär trug ihn schließlich aus dem Zug. Naja … wer nicht hören will, wird offenbar ausgesetzt. 😅🚉

    Danach ging es weiter nach Mockava – und dort wurde die Reise plötzlich sehr bahntechnisch. Der kleine Bahnhof liegt kurz hinter der Grenze in Litauen und ist einer dieser Orte, an denen man merkt, dass Europa zwar zusammenwächst (alles gute nachträglich zum Europatag), aber die Eisenbahngeschichte trotzdem ihre Spuren hinterlassen hat. In Polen fährt die Bahn auf der europäischen Normalspur von 1.435 mm. In Litauen ist historisch jedoch vielerorts die breitere 1.520-mm-Spur verbreitet – ein Erbe des russisch-sowjetisch geprägten Eisenbahnnetzes.

    Deshalb hieß es in Mockava: umsteigen wegen Spurwechsel. Eigentlich ein kleiner Moment, aber irgendwie auch ziemlich symbolisch. Man wechselt nicht nur das Land, sondern auch das Bahnsystem. Die Grenze zeigt sich hier also nicht nur auf der Karte oder an der Sprache, sondern ganz praktisch an den Schienen. 🚆

    Gleichzeitig ist genau diese Strecke Teil einer größeren europäischen Verbindung: Mit Rail Baltica soll das Baltikum langfristig besser an das europäische Normalspurnetz angebunden werden. Mockava wirkt dadurch zwar klein und unscheinbar, ist aber bahntechnisch ein ziemlich interessanter Punkt auf der Reise.

    Über Kaunas ging es schließlich weiter Richtung Vilnius. Nach einem langen Reisetag endet die Etappe in der litauischen Hauptstadt – einmal quer durch den Nordosten Polens, über die Grenze und hinein ins Baltikum. 🇱🇹✨
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  • Warschau

    May 9 in Poland ⋅ ☁️ 14 °C

    Am Nachmittag bin ich in Warschau angekommen – nach der Zugfahrt quer durch Polen ging es direkt hinein in eine Stadt, die auf den ersten Blick ziemlich gegensätzlich wirkt: modern, groß, geschäftig – und gleichzeitig voller Geschichte. 🏙️🌆🏛️ Zwischen Hochhäusern, breiten Straßen und monumentalen Gebäuden merkt man schnell, dass Warschau keine Stadt ist, die einfach „nur schön“ sein will. Sie erzählt ständig etwas. 🗣️📖

    Kaum zu übersehen ist der Kultur- und Wissenschaftspalast. Er steht mitten in der Stadt wie ein riesiges steinernes Ausrufezeichen. 🗿❕ Gebaut wurde er in den 1950er-Jahren in der Zeit des sozialistischen Polens – bis heute ist er eines der bekanntesten Wahrzeichen Warschaus. 🇵🇱 Er wirkt streng, mächtig und ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber genau deshalb bleibt man automatisch davor stehen. 🕰️ Rundherum wachsen moderne Glasfassaden in die Höhe – dieser Kontrast macht Warschau ziemlich spannend. 🤩

    Mein Hauptziel war dann die Altstadt. 🏘️ Und gerade dort wird die Geschichte der Stadt besonders greifbar: Warschau wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, große Teile der historischen Altstadt lagen in Trümmern. 💣💥 Dass man heute wieder über den Schlossplatz, vorbei an der Sigismundsäule, zum Königsschloss und durch die bunten Gassen laufen kann, ist eigentlich beeindruckend. 🚶‍♀️🏰 Vieles wurde nach dem Krieg detailreich wieder aufgebaut – nicht als Kulisse, sondern als Zeichen dafür, dass diese Stadt sich ihre Geschichte zurückgeholt hat. 📜✨
    Ein bisschen wie Dresden also … nur mit seiner ganz eigenen, sehr polnischen Geschichte. Und irgendwie schließt sich der Kreis ja sogar: Unser Kurfürst August der Starke war schließlich auch König von Polen. 😀

    Besonders präsent ist dabei auch die Erinnerung an den Warschauer Aufstand von 1944. Damals erhob sich die polnische Heimatarmee gegen die deutsche Besatzung – in der Hoffnung, die Stadt vor dem Eintreffen der Roten Armee selbst zu befreien. Der Aufstand dauerte über zwei Monate und endete tragisch: Zehntausende Menschen starben, und Warschau wurde anschließend systematisch zerstört. Wenn man heute durch die wiederaufgebaute Altstadt läuft, sieht man also nicht einfach nur schöne Häuser – man sieht auch den unglaublichen Willen einer Stadt, nach Zerstörung, Verlust und Gewalt wieder aufzustehen. 🕯️🏚️➡️🏘️

    Auch die Geschichte des Warschauer Ghettos gehört zu dieser Stadt. Schon 1943 leisteten jüdische Bewohnerinnen und Bewohner dort verzweifelten Widerstand gegen die Deportationen und die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten. Diese Orte und Erinnerungen machen Warschau zu einer Stadt, die nicht nur beeindruckt, sondern auch nachdenklich macht.

    Das Königsschloss erinnert an die Zeit, in der Warschau politisches und königliches Zentrum Polens war. 👑 Auf dem Schlossplatz mit den farbigen Fassaden, den Cafés und den vielen Menschen fühlt sich die Stadt gleichzeitig historisch und lebendig an. ☕👨‍👩‍👧‍👦 Genau dieser Gegensatz macht Warschau für mich spannend: Man spürt die schwere Vergangenheit, aber die Stadt bleibt nicht darin stehen.

    Zwischendurch gab es kleine Entdeckungen: alte Laternen, Plätze, Brunnen, grüne Anlagen und moderne Skulpturen, die zwischen den historischen Gebäuden plötzlich auftauchen. 💡⛲🌳 Warschau ist dadurch nicht nur Denkmal, sondern Alltag – laut, lebendig, manchmal kantig, aber sehr echt.
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  • Quer durch Polen

    May 9–10 in Poland ⋅ ☁️ 9 °C

    ....mit dem Zug Richtung Osten 🚆🇵🇱

    Heute ging es los: von Dresden über Berlin und weiter quer durch Polen bis nach Warschau. Schon auf der Karte sieht man, wie die Strecke einmal wie ein roter Faden durch das Land läuft – vorbei an weiten Feldern, kleinen Orten, Wäldern und Städten, die man vom Zugfenster aus eher vorbeiziehen sieht als wirklich betritt. 🗺️🧡

    Polen fühlt sich dabei ein bisschen wie ein Übergangsland an: vertraut und doch schon deutlich anders. Zwischen Posen, Łódź und Warschau wechseln sich grüne Landschaften, breite Ebenen und historische Städte ab. Immer wieder tauchen Kirchtürme, alte Fassaden, Bahnhöfe und kleine Landschaftsinseln auf – es wirkt schon etwas entschleunigend einfach nur der vorbeifahrenden Landschaft zuzusehen. 🌳⛪🚂
    In Berlin treffe ich Adam mit seinen Großeltern...sie reisen zur Familie nach Posen, die Cousine heiratet...sie berichten von einem großen Fest was es geben wird und geben noch ein paar Warschau-Tipps. 👨‍👩‍👧‍👦🎉💡

    In Warschau endet für heute die Etappe. Die Stadt wirkt groß, lebendig und geschichtsträchtig – mit Altstadt, modernen Gebäuden und diesem besonderen Mix aus Vergangenheit und Aufbruch. Wenn der Rucksack abgestellt ist, werde ich mir die Stadt wohl mal näher untersuchen die Lupe nehmen. 🌆🎒🔍

    Nach der Fahrt quer durch Polen ist Warschau ein perfekter Zwischenstopp, bevor es morgen früh weiter Richtung Nordosten geht.
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  • Die Republik Užupis

    September 10, 2021 in Lithuania ⋅ ☀️ 23 °C

    ...ein kleines Land für Freigeister mitten in Vilnius

    Manchmal reicht es, einmal über eine Brücke zu gehen, und plötzlich ist man in einem anderen Land. Zumindest fühlt es sich in Užupis genau so an. Nur wenige Schritte von der Altstadt Vilnius entfernt liegt dieses kleine, etwas schräge Künstlerviertel auf der anderen Seite der Vilnelė — und nennt sich mit voller Absicht und einem ziemlich breiten Augenzwinkern: Republik Užupis.

    Užupis ist der kleinste Stadtteil von Vilnius, nur etwa 0,6 km² groß, getrennt von der Altstadt durch den Fluss Vilnelė. Früher galt die Gegend als eher heruntergekommen, heute ist sie ein kreatives Viertel voller Kunst, Cafés, kleiner Galerien, Hinterhöfe und Menschen, die offensichtlich beschlossen haben, dass Normalität auch überbewertet sein kann. Am 1. April 1997 erklärte Užupis seine Unabhängigkeit — natürlich am Aprilscherztag. Passender hätte man es kaum planen können.

    Schon der Weg hinein fühlt sich ein bisschen wie ein Spiel an. Über die Užupis-Brücke betritt man die Republik, zumindest symbolisch. Am Unabhängigkeitstag kann man sich dort sogar einen Stempel in den Pass geben lassen. Auf anderen Reisen reicht aber auch ein gedanklicher Stempel: „Ich war da, in diesem kleinen Land der Kunst und komischen Ideen.“

    Im Zentrum steht der Engel von Užupis. Hoch oben auf einer Säule bläst er in seine Trompete, als würde er sagen: „Willkommen, ab hier gelten andere Regeln.“ Und irgendwie stimmt das auch. Die Republik hat eine eigene Verfassung, eine Hymne, einen Präsidenten, eine Regierung, eine Flagge und laut eigener Darstellung sogar einmal eine Armee von ungefähr elf Männern gehabt. Sehr bedrohlich wirkt das alles nicht — eher wie ein liebevoller Protest gegen zu viel Ernsthaftigkeit.

    Am schönsten ist die Verfassung von Užupis, die auf Tafeln in der Paupio-Straße zu lesen ist. Sie ist inzwischen in viele Sprachen übersetzt und besteht aus Sätzen, die gleichzeitig absurd, poetisch und erstaunlich wahr sind. Dort steht zum Beispiel, dass jeder Mensch das Recht hat, einzigartig zu sein. Ein Hund hat das Recht, ein Hund zu sein. Menschen haben das Recht, glücklich zu sein — aber auch das Recht, unglücklich zu sein. Und spätestens bei solchen Sätzen merkt man: Das ist nicht einfach nur ein Touristen-Gag. Das ist auch eine kleine Erinnerung daran, dass Freiheit manchmal ganz leise und ziemlich eigenwillig daherkommt.

    Beim Spazieren durch Užupis entdeckt man überall kleine Details: Skulpturen, bemalte Wände, Galerien, Innenhöfe, Treppen, alte Häuser und diese Mischung aus Bohème, Nachbarschaft und „Wir machen hier einfach unser Ding“. Besonders schön ist der Bereich am Fluss, wo Vilnius plötzlich weniger Hauptstadt und mehr Dorf wird. Unter der Brücke versteckt sich außerdem die kleine Meerjungfrau von Užupis — der Legende nach sollte man sie nicht zu lange anschauen, sonst möchte man vielleicht gar nicht mehr weg.

    Genau das ist wahrscheinlich der Zauber dieses Viertels. Užupis ist keine klassische Sehenswürdigkeit, die man einfach abhakt. Es ist mehr ein Gefühl. Ein bisschen Montmartre, ein bisschen WG-Küche, ein bisschen politische Satire, ein bisschen Poesie an einer Hauswand. Man kommt wegen der kuriosen Republik — und bleibt hängen an der Atmosphäre.
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    Trip start
    May 9, 2026