• Severin Safari Camp - Resumee

    December 27, 2025 in Kenya ⋅ ☁️ 30 °C

    Das Severin Safari Camp ist eine sehr schöne, äußerst gepflegte Anlage mit großzügigen Zelten, hervorragendem Essen und gut geschultem Personal. Das Camp gehört einer deutschen Familie – und das merkt man in vielen Details: vom köstlichen Brot über die durchdachte Elektrik und Ausstattung der Hütten bis hin zur makellosen Sauberkeit. Alles ist picobello organisiert und wirkt hochprofessionell, fast schon klinisch. Genau darin liegt jedoch auch ein kleiner Nachteil: Trotz des perfekten Ablaufs wirkt das Ganze stellenweise etwas künstlich.

    Zwar fehlt hier das in Kenia sonst häufig spürbare, stark auf Trinkgeld ausgerichtete Verhalten, dafür hat der Service eine eigenartige, leicht distanzierte Note. Alle sprechen perfektes Englisch – allerdings meist nur ihre einstudierten Sätze. Sobald man mit etwas anderem als einer Bestellung oder einem „yes, everything is perfect“ kommt, wird es schwierig. Ein Beispiel: Finn hat beim Abendessen seinen Pullover vergessen. Eine Kellnerin versicherte uns, er sei gefunden worden und wurde am nächsten Morgen an „unseren Tisch“ gebracht. Dummerweise haben wir hier keinen festen Tisch – und der Pullover ist verschwunden. Der dritte Kellner, den ich daraufhin ansprach, meinte nur: „We changed the tables in the morning for other guests, maybe one of them took it, sorry, but thanks for your understanding.“ Ah ja – genau mein Humor. Natürlich ist Finn selbst schuld, trotzdem erwarte ich in dieser Preisklasse ein anderes Handling. Ich schlug vor, Fundsachen künftig einfach an der Rezeption abzugeben. Die Reaktion: „Oh yes, THAT’S a great idea, we make it like that now!“ Gern geschehen – ich helfe ja, wo ich kann 😉.

    Auffällig ist auch die Zusammensetzung der Gäste: Viele große Gruppen und Großfamilien, ausschließlich aus Europa. Das ist ungewöhnlich, da wir in den bisherigen zwölf Unterkünften in Kenia ein deutlich internationaleres Publikum erlebt haben. Insgesamt ist es recht trubelig. Morgens am Buffet fühlte ich mich eher wie in einem AI-Bunker – gut, dass Mittag- und Abendessen à la carte serviert werden. Vor dem Restaurant sind zwei Wasserlöcher, die Tiere kommen aber erst abends ab 22 Uhr. KOMISCH!!! Wer die Stille der Savanne sucht, ist hier definitiv falsch.

    Auch der Kleidungsstil sorgt für unfreiwillige Unterhaltung: Tagsüber laufen manche herum wie am Strand von Mallorca – Crocs, Flipflops, Muscle-Shirt – nachts dann wie im Club auf Ibiza mit Glitzer-Highheels. Keine Ahnung, ob sie sich von einem Massai zum Restaurant tragen lassen, denn hier besteht der Untergrund ausschließlich aus Steppe oder Lavakies. Andere wiederum sind von oben bis unten in Safarikluft aus dem Safari für Dummies-Katalog gehüllt. „Buschtauglich und lässig“ sind eigentlich nur die Guides – und wir 😀. Am witzigsten finde ich die Gruppenreisenden mit 50cm langen Kameraobjektiven, die dann zu sechst damit im Jeep sitzen. Herrlich zu beobachten. 😂Für zwei Nächte ist das Camp in Ordnung, länger würde ich persönlich es nicht aushalten, eine würde reichen.

    Auch der Tsavo West selbst bietet – abgesehen von der beeindruckenden Landschaft – nicht allzu viel. Ein echtes Safari-Feeling will hier irgendwie nicht aufkommen. Für unsere Route passte es dennoch gut: Wir nutzten das Camp für einen Ruhetag, und dafür war es ideal – zumindest solange die anderen Gäste auf Tour waren.

    Unterm Strich ist das Severin Safari Camp ein zu gewissen Uhrzeiten sehr komfortabler, gut geführter Ort, der sich eher als Pool-Hotel-Erholungsstation eignet denn als authentisches Safari-Erlebnis. In meinem persönlichen Kenia-Ranking landet es auf dem vorletzten Platz, knapp vor der Salt Lick Lodge (wir nennen die immer Disneyland) in den Taita Hills. Das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau 😉. Das Severin Camp würde ich nicht noch einmal buchen, aber vor allem, weil ich nicht nochmal in den Tsavo West fahren würde.
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