• Tag 88 - Comyns Hut - Manuka Hut

    December 28, 2024 in New Zealand ⋅ ☁️ 26 °C

    Eine epische Wasser- und Hitzeschlacht!

    Früh um 5:30 Uhr ging der Wecker, denn zum einen ist der Weg der vor mir liegt lang und zum anderen soll es heute sehr warm werden. Wie sich am Ende rausstellte, der heißeste Tag seit Monaten.

    Um 6:20 Uhr ging es nach einem lustlosen Frühstück los, zunächst über einen kleinen Hügel der direkt an die Hütte angrenzte und dann stand ich vor einem Fluss. Dies musste ich überqueren, wollte aber meine Schuhe nicht fluten, da ich wusste, wie viele Kilometer heute noch vor mir liegen würden. So zog ich meine Schuhe aus und watete in Schlappen durch den Fluss. Nach fünf weiteren Flussüberquerung entschied ich mich, meine Stiefel wieder anzuziehen und mit dem Schicksal des Flusses zu ergeben.😅

    Nach geschlagenen sieben Kilometern und gut drei Stunden konnte ich den Fluss endlich hinter mir lassen. Mit so einer Hausnummer habe ich nicht gerechnet.
    Nicht nur, dass mir das eiskalte Wasser manchmal bis zum Hintern stand, auch die starke Strömung des Flusses machte ein schnelles Vorankommen unmöglich, denn ich musste gegen den Strom laufen. Jeden Schritt konzentriert in das Flussbett setzen, nicht ausrutschen, die Wanderstäbe bildeten wieder das zweite Paar Beine um mich abzusichern.

    Zweimal zog ich zwischendurch die Schuhe aus, um Steinchen auszuschütten.

    Meine Füße, meine Zehn, meine Beine spürte ich da schon lange nicht mehr, so kalt war das Wasser.

    Zwischenzeitlich wurde es immer und immer wärmer und die Sonne lugte über die hohen Gipfel in die Schlucht des Roundhill Creek hinein.

    Mit einer gewaltigen und ungeplanten Verzögerung des heutigen Vorankommens erreichte ich einen Hügel, der mich weg vom Fluss zu einem Kamm bringen sollte.

    Mit quietschend nassen Schuhen schlurfte ich zwischen teils meterhohem Buschgras noch ca. 1 km bergauf. Das Papmpasgras war so hoch, dass man hin und wieder den Überblick verlor, wo man sich befand. Man muss dabei höllisch aufpassen, denn die Wurzeln der Gräser bilden so tiefe löcher, dass beim 'Antesten der Tiefe' teils der ganze Wanderstab darin versank.

    Angekommen auf dem Kamm, völlig matsch im
    Kopf wegen der ganzen Konzentrationsarbeit, sah ich was nun vor mir lag.

    Getreu dem Motto des Tages, episch.

    Epische Weiten, sängende Hitze.

    Mittlerweile war es nach Mittag und die Sonne drehte noch weiter auf.

    Ab hier oben (und nach einer längeren Verschnaufpause) ging es weitere 8km bergab, an Steilhängen entlang, durch sehr hohe Gräserpfade, entlang sehr robuster, dorniger Büsche und der hübschen aber 5-10cm langstachelig gelben Pflanze. Manchmal waren die Gräser so hoch, dass man die Marker des TA nicht mehr sah und blind lief, was auch zu der ein oder anderen Detour am Hang, mal rauf, mal runter, fühlte.

    Auch hier, immer wieder der Blick nach unten wegen der Löcher.

    Nach weiteren drei Stunden und mittlerweile getrockneten Schuhen und Socken kam ich in einem gigantischen, ausgetrockneten Flussbett an. Hier war schon lange kein großer Strom mehr vorhanden, das verieten auch die Spurrillen für Allradfahrzeuge, welche mir den Weg ebneten.

    So ganz trocken war das Flussbett dann doch nicht und ich setzte zur letzten Flussüberquerung für heute an (dachte ich). Der knapp 5m breite und recht schnelle Fluss, der sich durch das trockene Tal schlängelte, forderte wieder höchste Aufmerksamkeit beim Durchwaten.

    Ohne Schatten und ohne Gnade der Sonne, die nicht nur von oben brannte sondern auch von den Steinen reflektiert wurde, brannte die Sonne erbarmungslos.

    Hier, mitten im Nichts, ein Schild zur 'Double Hut' (20min 1km) oder zu meinem eigentlichen Ziel für heute, der 'Manuka Hut' (5km 1,5h). Es war Zeit für die fünfte Lage Sonbencreme am heutigen Tage. Dazu trug ich Hut, Sonnenbrille, Armlinge die bis ans Shirt reichten und ein Halstuch, um mich vor der Sonne zu schützen.

    Immer ein Schlückchen trinken, immer und ständig. Immer den Blick auf kleine Flüsse gerichtet, etwas Wasser nachzufüllen - dabei die Frage, filtern oder nicht, oder mit Chlortablette? Letzteres dauert 30min zum einwirken.

    Die Hitze brennt, die Schuhe sind auch nach der letzten Flussquerung binnen 30 Minuten innen wie außen furztrocken.

    Nach knapp 9 1/2 Stunden an der 'Manuka Hut' angekommen, davor, natürlich ein Fluss... sch... drauf, schnell durch... da...angekommen...Feierabend für heute!

    In der Mauka Hut, das Grauen. Zwei 5jährige ständig plappernde und nervende Buben. Und zwei Hunde (die waren knuddelig).
    Glücklicherweise hatten die Kinder viel mehr Spaß daran am Fluss zu spielen, als in der Hütte. Draußen baute die Mutter auch ein Zelt auf, in dem sie mit einem der Kinder (und den beiden Hunden) die Nacht über schlief.

    In einem unbeobachteten Moment zog ich mir die Shorts an und ging zurück zum Fluss und setzte mich erstmal ins eiskalte Wasser um mich abzukühlen und zu waschen. Dass der Vater der Kinder Flussabwärts seine Getränkeflaschen auffüllte, bemerkte ich erst hinterher.

    Kurz darauf kamen auch die drei Auckländer, mit denen ich mir gestern die Hütte teilte. Sie machten das was ich nicht konnte, eine lange Pause in der 'Double Hut'. Mit im Schlepptau, Luke, ein voll tätowierter Jesus-Verschnitt, voller Haare, voller Armbämder und Halsketten, mit einem viel zu kleinen Rucksack an dem außen ein monströser Schlafsack, Zelt und weitere Habe geschnallt waren. Regendicht? Sicher Fehlanzeige. Aber immerhin hatte er drei Bücher dabei 😅!

    Zum Abendessen gab es traditionell wie immer an heißen Tagen Suppe mit Knoblauch, dehydrierten Erbsen, Öl und Cayennepfeffer.

    Heute schlafe ich oben im Stockbett. Mein Körper ist nach wie vor am Ende, die Gelenle sehr steif und ich laufe wie ein 90jähriger. Bücken, schwierig. Treppenstufen, schmerzhaft. Der Puls auf Dauerfeuer.

    Gute Nacht aus dem Backofen, denn die Hütte wird nur langsam kühler...
    Christian 🪅🌋

    P.s. Wenn das Plumsklo-Häuschen ebenfalls den ganzen Tag in der Sonne steht, macht man business eben mit offener Tür 😅
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