New Zealand
Ho Ho

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4 travelers at this place:

  • Day150

    Alice im Wunderland

    May 26, 2019 in New Zealand ⋅ 🌧 12 °C

    Auf dem Weg nach Hokitika halten wir an allen möglichen Stränden, weil ab hier eine größere Chance besteht, Jade zu finden, die vom Fluss aus den Bergen an den Strand gespült wird. Wir finden eine ganze Menge potentieller Steine und da wir eigentlich keine Ahnung haben, werden alle erst einmal eingesackt. Die Wälder, die uns zu den Stränden führen lassen unserer Fantasie freien Lauf und so entdecken wir sogar ein Kiwi inmitten des Tageslichts. Wer hätte das gedacht?
    Hokitika erreichen wir bei Sonnenuntergang. Der künstlerische Faden zieht sich hier durch alle Gassen. Ein bisschen wirkt die Stadt wie eine ausgestorbene Westernstadt. Am Strand liegt massenweise Treibholz aus dem zum Teil ganze Kunstwerke zusammen gebaut wurden - so auch der Hokitika-Schriftzug. Im roten Sonnenuntergangslicht bewundern wir diese verrückte aber schöne Konstruktion.
    Am berühmten Aussichtspunkt kaufen wir ein paar Fish-Bites und sehen die Sonne hinter einem alten gestrandeten Schiff ins Meer eintauchen.
    Wir lesen, dass sich ein kostenloser Campingplatz für die Nacht etwas außerhalb auf dem Parkplatz einer kleinen Brauerei befindet. Wir fahren durch kleine Dörfer in die Dunkelheit um auf das einzig beleuchtete Haus weit und breit zu treffen. Das gemütliche Gasthaus empfängt uns freundlich und Seb testet gleich einmal das hausgebraute Bier. Im Gespräch mit den Kellnerinnen erfahren wir von einer Glühwürmchenhöhle keine 500 Meter von hier. Wir stiefeln also mit Taschenlampe gewappnet los um uns das mal anzusehen. Ein kleines unscheinbares Zeichen am einsamen Straßenrand weist uns durch einen baum-und moosbedeckten Felsbogen - so klein, dass wir uns beide bücken müssen um hindurch zu treten. Wir tauchen in eine andere Welt, einen Dschungel direkt neben der Straße, können uns im Dunkeln zunächst kaum orientieren und als wir uns umdrehen und auf die Innenwand unseres Eingangstores blicken sehen wir sie. Zunächst nur schwach, doch einige Sekunden nachdem die Taschenlampe aus ist und unsere Augen sich an die komplette Dunkelheit gewöhnt haben, werden es mehr und mehr. Die ganze Wand leuchtet bis in den Dschungel hinein wie ein funkelnder Sternenhimmel. Es ist ein Zauber! Wir scheinen zu groß für diese versteckte Welt und fühlen uns wie Alice im Wunderland. Es fehlen nur noch die Grinse-Katze und der weiße Hase mit seiner Ticktack-Uhr. Am liebsten würden wir unsere Schlafsäcke hierher holen und dieses Wunder die ganze Nacht anstarren. Hier sind die Glühwürmchen nicht wie in Europa kleine fliegende Wesen sondern eine Art Pilz, der fest an der Wand sitzt - aber das klingt viel zu unromantisch, um es weiter zu erforschen. Schon verrückt - nun haben wir mittlerweile nicht nur die schönsten Sterne am Himmel, sondern auch unter Wasser in Thailand und im Dschungel von Neuseeland sehen dürfen.
    Mit diesen Gedanken schlafe ich in meinen Geburtstag hinein.
    Am nächsten Morgen werde ich glücklicherweise von meiner Stimme überrascht, die wieder aufgetaucht ist. Wir fahren gleich vom Brauerei-Parkplatz ans Meer um diesen etwas windig-schmuddeligen Burzeltag mit Sicht auf den Ozean zu beginnen. So frühstücken wir mit offener Campertür und dem Rauschen der Wellen abseits vom Wind, der draußen tobt.
    Damit wir vor eventuellen Regengüssen etwas geschützt sind, entscheiden wir uns für eine Waldwanderung. Es geht tief hinein in ein altes Goldminenareal der 1860er Jahre. Das Wetter macht die Wanderung nur noch spannender. Mitten im Regenwald klettern wir durch alte Schächte, Tunnel und Kanäle an uralten Rimu-Bäumen vorbei. Das sind Harzeiben, die bis zu 900 Jahre alt und bis 50 Meter hoch werden können bei einem Stammdurchmesser bis 1,5 Meter. Auf den Spuren der Minenarbeiter geht es an abgesperrten tiefen Einbrüchen zurück.
    Wir bringen unseren Charly an einen Schlafplatz am Meer, nehmen eine heiße Geburtstagsdusche und schlendern am Strand entlang zwischen riesigem Treibholz in die Stadt.
    Mein Geburtstagsgeschenk ist neben all den Wundern, die wir erleben dürfen, einen Anhänger aus Jade zu schleifen. Natürlich entscheide ich mich für mein Lieblingstier - ein Kiwi. Wir haben einen ganzen Sack voller potenzieller Jadesteine mit, um sie auf Echtheit überprüfen zu lassen. Leider war jedoch kein einziger dabei. So müssen wir uns Stücke aus der hauseigenen Sammlung aussuchen und schleifen mit liebevoller Hilfe einen kleinen Kiwi und einen Pinguin, die uns für immer an diesen schönen Tag und Neuseeland erinnern werden.
    Nach einem weiteren Strandpaziergang bei aufgeklartem Wetter gehen wir in ein richtig schickes Restaurant und essen hervorragenden Lachs und Haxe (ratet mal, wer was hatte?!). Wir lassen den Abend bei wohltuenden Gesprächen mit der Heimat ausklingen.
    Bis zur Kreuzung wissen wir am Folgetag nicht genau, ob wir durch die Berge zurück gen Osten fahren oder weiter der Westküste gen Norden folgen wollen. Das Wetter trifft wieder einmal die Entscheidung und wir folgen dem Meer.
    Auf dem Weg nach Westport liegen die Pancake-Rocks. Dies sind eigenartige Kalksteinformationen am Meeresufer, die sich vor 35 Millionen Jahren gebildet haben. Wieso genau und warum an dieser Stelle sich diese Schichten aufeinander legen, kann bisher keiner so genau sagen aber wie immer gibt es viele unterschiedliche Theorien, die mit verschiedensten physikalischen Prozessen zusammen hängen. Wahrscheinlich schichten sich Kalksedimente auf Tonablagerungen und die Pfannkuchen entstehen durch unterschiedlich schnelle Erosion. Die Küste formt hier Höhlen, Rohre und Löcher durch die das Wasser pfeift. Manche große Wellen verschwinden zunächst leise unter die Felsböden, um dann mit voller Kraft wieder heraus gepustet zu werden. An anderen Stellen spritzt das Wasser die steilen Abhänge fast bis zu unseren Gesichtern hinauf.
    Etwas enttäuscht sind wir darüber, dass das anliegende Pancake-Café keine Pfannkuchen mehr serviert. So gibt es eben auch Schattenseiten der einsamen Nebensaison.
    Westport wirkt auf uns nicht wirklich attraktiv, aber es gibt eine Brauerei, die wir besuchen und die Stadt stellt einen wirklich tollen kostenlosen Stellplatz direkt am Meer bereit - so nutzen wir die Zeit am Wasser und zur Aufstockung unseres Campers.
    Je nach Wetter entscheiden wir morgen, ob wir der einsamen Straße weiter an die nördlichste Spitze des Westens folgen oder wieder gen Inland fahren.
    Wir fordern das Wetter heraus und trotzen den typischen Regentagen an der Westküste. Nördlich von Westport scheint die Zivilisation ausgestorben. Auch Touristen sind um diese Jahreszeit hier nicht anzutreffen. Wir fahren eine steile enge Serpentinenstraße nach Denniston hinauf, um uns ein altes Kohlebergwerk und das für die Menschen hier berühmte 8.Weltwunder - den Denniston Abhang anzusehen. Er war einer der steilsten Gleise der Welt und hat vielen Menschen zu Betriebszeiten des Bergwerkes zwischen 1879-1967 das Leben gekostet. Bis zu 350 Tonnen Kohle wurden hier im Jahr aus der Höhe ans Meer transportiert. Wir sehen die Überreste der Gleise und können sie zwischen den Regenwolken bis ins Tal verfolgen. Ganz allein erkunden wir diesen Geisterort voller alter Kohlewagen, Gleise, Drähte und weiterem Baumaterial in der Gegend verteilt. Auch früher herrschte wie heute oft dauerhafter Nieselregen, dichte Wolken und Nebel. Auf 548m und zum Teil 80% Gefälle transportierten ein bis zwei Arbeiter pro Wagen die Kohle vom Berg hinab. Es gab zwei wasserbetriebene Bremsen für die im Gegengewicht-Prinzip gezogenen Wagen. Für das Land war es das produktivste Kohlegebiet, für die Arbeiter hier jeden Tag die Hölle. Auch heute hängt ein gruseliger Schleier über diesem verlassenen Ort im Regen und Wind.
    Völlig durchnässt fahren wir die steile Serpentinenstraße hinab und treffen im Nirgendwo auf einen kleinen Wohnwagen und eine nette Frau winkt uns heran, uns bei einer heißen Schokolade aufzuwärmen. Obendrein verkauft sie uns noch die leckersten Pies der Welt und einige Minuten wunderbar herzliche Unterhaltung.
    Draußen schüttet es weiter und wir genießen Schokolade und Pie in unserem Charly.
    Wir übernachten heute auf einem der schönsten Campingplätze des Landes, der leider erneut hinter einer langen Schotterpiste liegt - diesmal muss ich aber durch, denn bei “Gentle Annie” muss ich einfach übernachten. Wir sind die einzigen Camper heute Nacht hier am Meer bei strömendem Regen, Kilometer entfernt von Zivilisation. Es gibt einen wunderschönen Aufenthaltsraum, in dem wir ein Feuer machen, uns aufwärmen und die Gemütlichkeit genießen.
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