• Biały Grąd wieza

    20 marzo, Polonia ⋅ ☀️ 10 °C

    Die Nacht habe ich nicht besonders gut geschlafen. Ich bin wohl normale Betten nicht mehr gewohnt. Ich liege auch zuhause recht hart. Darum und weil ich genug zu tun hatte, blieb ich am Vormittag im Zimmer. Bilder und Videos sichten, entscheiden, löschen, übertragen, sichern, ... - das ist sehr zeitintensiv. Vor Allem das Überspielen auf mehrere Festplatten zur Sicherung. Parallel habe ich mir auch angesehen, wo ich heute hin will. Habe mir zwei Bereiche ausgesucht.

    Der eine recht nah (keine 3km weg). Da will ich mal sehen, was entlang des Wanderweges zu finden ist. Es gibt auch einen Aussichtsturm dort. Das Ergebnis vorneweg: enttäuschend. Der angelegte Holzsteg war gesperrt wegen Einbruchgefahr. Und das Wasser war vom Aussichtsturm zu weit weg, als das sich gute Fotos ergeben könnten.

    Da muss wohl Destination 2 liefern. Angekommen weiß ich natürlich nicht was mich erwartet, aber sobald ich das Dorf verlassen habe und das erste Mal über das Marschland blicke wird mir klar: riesig, enorm! und: Wunderschön. Beeindruckend. Vielfalt und einzigartige Stimmung. Bin immer noch ganz begeistert .... Da reichen mir fünf Tage nie und nimmer, um dieses Gebiet zu erfassen und kennen zu lernen!

    Ich gehe also die 3,3 Kilometer Richtung Aussichtsturm. Mir ist von Anfang an klar, dass ich diese drei Kilometer nicht einfach gehe - nein - ich erlebe diese. Jeder Schritt bringt mich einem neuen Blickwinkel näher. Hinter jedem Gebüsch ergeben sich neue Eindrücke, die phantastischer sind, als die davor. Die ersten zwei Kilometer erscheinen für mich schon recht natürlich, doch in Wirklichkeit ist dieser Bereich noch landwirtschaftlich genutzt, sobald es der Wasserstand zulässt. Das Ackerland ist derzeit mit einer geringen Wasserschicht von teilweise nur wenigen Zentimetern bedeckt. Überall lugen schon die Pflanzen heraus.

    Nach etwa zwei Kilometern betrete ich das Kerngebiet des Nationalparks. Bis hierher fahren sogar manche mit ihren Autos. Der letzte Kilometer ist jedenfalls zu Fuß zurück zu legen. Was ich jetzt auch weiß: es hätte sein können, dass auch jetzt der Punkt erreicht gewesen wäre, an dem ich entweder umkehren hätte müssen, oder aber sowohl Schuhe, als auch Socken auszuziehen gehabt hätte, wenn das Wasser, das über den Weg gelaufen ist, nur unwesentlich höher gewesen wäre. Hmmm - darum sind hier alle mit Gummistiefeln unterwegs.

    Am Aussichtsturm begegne ich einem Polen. Aus Warschau. Er kommt fast jede Woche zusammen mit seiner Frau hierher, um der gemeinsamen Leidenschaft des Birding zu frönen. Er wirkt offen und erzählt gerne, teilt sein Wissen ohne Zögern. Seine Frau bleibt im Hintergrund, nickt mehrmals zustimmend – sie versteht offensichtlich Englisch, beteiligt sich aber nicht am Gespräch. Sie bereiten sich gerade ihr Abendessen auf einem Gaskocher. Wir kommen in einen Austausch und er erklärt mir die Gegend etwas. Auch was ich die nächsten Tage noch ansehen soll. Die ersten Kampfläufer sind bereits im Gebiet angekommen – der Wappenvogel des Nationalparks. Seiner Meinung nach gibt es derzeit kaum einen besseren Zugang zur Beobachtung als genau den Weg, den ich heute gegangen bin. Das hängt jedoch stark vom Wasserstand ab. Heuer ist dieser günstig, mit dem Beginn des Balzgeschäftes ist jederzeit zu rechnen.

    Es wird bereits dämmrig, als ich mich entschließe zurück zu gehen. Komme erst im Dunkeln am Fahrzeug an und muss die Rückfahrt ohne Ortskenntnisse im Dunkeln wagen. Das mache ich nicht gerne, denn sowohl Straßenbeleuchtung, als auch die Bodenmarkierungen entsprechen nicht gewohntem Standard zuhause. Ich verfahre mich auch einmal und lande in einem Feldweg. Hatte gut zu tun da wieder rauszukommen.

    Fazit: Der Tag heute war ein schöner Tag und ich bin froh darüber wie er verlaufen ist!

    INFO 1:
    Biebrzański Park Narodowy ist ein Feuchtgebiet enormen Ausmaßes und unterliegt starken jahreszeitlichen Schwankungen. Hinzu kommen auch Schwankungen von Jahr zu Jahr - je nach Wetterentwicklung vor Ort (schneereicher Winter oder kalter und trockener Winter, usw.) . Laut Auskunft des Warschauers haben wir heuer einen mittleren Wasserstand. Es gab schon Zeiten, da ist man nicht mal mehr mit Wathose durch gekommen. Aber auch schon Zeiten - wie vor zwei Jahren - da war das alles extrem trocken und die Vögel haben sich zwar mehr auf wenige Stellen konzentriert, aber es haben auch einige die Biebrza gar nicht aufgesucht und sind direkt weiter geflogen.

    INFO 2:
    Was mir besonders gut gefällt: die einzelnen Felder sind zwar durch erhöhte Wege miteinander verbunden, doch es gibt sehr viele Rohre, die es dem Wasser ermöglichen von einem in das Andere zu fließen und somit ist bei entsprechendem Wasserstand das komplette Gebiet überflutet, auch wenn die Wege noch befahrbar sind. Einerseits sorgt dieses System für eine regelrechte Durchnässung der Böden und erhöht durch den Nährstoffeintrag wesentlich den Ertrag der Äcker, andererseits ist so garantiert, dass das Wasser länger zurückgehalten wird, sodass es im Unterlauf der Biebrza weniger zu Hochwässern kommt. Nicht zu vergessen sorgt diese Vorgangsweise auch für einen Übergang vom Kerngebiet des Nationalparks zum Siedlungsgebiet des Menschen.
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