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FOTO•TOUR•2026: Polen

Unterwegs mit Kamera und Interesse an Begegnungen. Landschaften, Tiere und Menschen – stille Momente dazwischen. Fotografie ist mein Versuch, Wahrnehmungsfragmente festzuhalten. Reisebasis: alter Pickup, kleine Kabine. Read more
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    🇵🇱 Bralin, Polen

    kurzes Update

    Today in Poland ⋅ ☀️ 18 °C

    Vor zwei Tagen habe ich meine Zelte bei Biebrzanskie Safarli abgebrochen und war in Richtung Mitte des Nationalparks aufgebrochen. Dort gibt es einen weiteren Campingplatz, der sehr rudimentär ist. Dieser sollte mein letzter Stop sein vor meiner Heimreise.

    Hatte Zeit. Genoss die beinahe 10°C und beschloss mir die Bunkerruinen von Osowiez anzusehen, bevor ich zum Campingplatz fahre.

    War auch dort. etwa zwanzig Minuten. Dann habe ich auf einer der brüchigen Treppen überknöchelt.

    Nun habe ich einen leicht geschwollenen rechten Fuß, einen heftigen Bluterguß. Ich kann zwar auftreten, aber es schmerzt. Denke es ist nicht schwerwiegend. Ich habe mir dann erst mal ein Zimmer genommen. Schonung und Kühlung war angesagt.

    Tja - gestern dann habe ich entschieden in die Heimat zurück zu kehren. Das ist jetzt auch der Grund warum mein Punkt sich auf Find Penguin relativ schnell und weit bewegt.

    Wäre jedenfalls spätestens in zehn bis zwölf Tagen abgereist. Nur aktuell macht vieles gehen gar kein Sinn. Ich muß zwar das Gaspedal bedienen, aber das geht halbwegs schmerzfrei.

    Ich bin mir sicher ich habe alles leicht überdehnt. Eine Wanderung oder ähnliches kann ich derzeit nicht machen. Wäre es mir am Anfang passiert - ich hätte auch nicht umgedreht. Denke bis in fünf, sechs Tagen wird es wieder in Ordnung sein. Also so gesehen noch Glück gehabt.

    Demnach kann ich den Rest meines Sabbaticals eben von zu Hause aus genießen.
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  • Bis hierher. Nicht weiter.

    April 24 in Poland ⋅ ☁️ 14 °C

    24.04.2026

    So wie gestern Adam gesagt hat: Stiefel an die Latschen. Bis knapp unters Knie. Ungewohnt. Trage sonst Barfußschuhe. Heute Klötze an den Beinen. Als hätte ich Ziegel drunter. Rucksack auf. Kamera umgehängt. Monopod als Stütze. Für die Kamera – und für mich.

    Dort, wo ich gestern stehen bleiben musste, gehe ich heute drüber. Sinke etwas ein. Passt. Ab hier Wasser. Taste mit dem Monopod. Dreißig Zentimeter. Sollte gehen. Mit dem ersten Schritt werden daraus vierzig. Bin kein Leichtgewicht. Mehr sollte es nicht werden. Sonst läuft’s über.
    Der Boden trägt – kurz. Drei Meter weiter nicht mehr. Zum ersten Mal zieht es mir den rechten Stiefel fast aus. Gut, dass ich mein drittes Bein dabei habe. Kurz innehalten. Nächster Schritt. Shit. Nicht mehr viel bis zur Oberkante. Den anderen Fuß bekomme ich kaum heraus.

    Soll ich das wirklich riskieren? Ich drehe um. Versuche es weiter links.

    Dort ist der Boden zunächst fester. Mehr Pflanzen. Die ersten Bülten noch flach, fast angenehm zu gehen. Schritt für Schritt verändert sich das. Die Bülten werden höher, die Abstände größer. Dazwischen mehr Wasser. Und Tiefer. Ich komme noch vorwärts. Zunehmend strauchelnd als gehend. Bleibe hängen. Mit dem Fuß. Mit dem Monopod. Die Bülten geben nach, wackeln.

    Ich stehe irgendwann oben. Und rundum wird es weit. Zu weit. Hier geht es nicht weiter.

    Ich weiß: Ich bin im Nationalpark. Wegegebot. Abseits verboten. Ein bisschen habe ich schon überzogen. Mehr geht nicht. Ich gehe zurück.

    Halte mich am Rand. Lausche. Bekassine. Eindeutig. Kiebitz. Kraniche. Wasserläufer. Merlin bestätigt: Bruchwasserläufer, Rotschenkel, Waldwasserläufer … beeindruckend. Ich setze mich an ein Gebüsch. Naja – eher zwischen Äste. Keine Blätter. Knospen. Kein gutes Versteck. Muss reichen.
    Die Vögel kommen näher. Ich sehe sie. Ich drücke auf den Auslöser. Die Fotos? Beweise. Keine Bilder. Nicht mit Licht gemalt heute.

    Ich stehe auf, greife den Hocker. Was ist das jetzt?! Zwei Gummifüße fehlen. Im Morast geblieben. Suche. Nichts. Ohne die Dinger ist das Teil unbrauchbar. Wie ein Zahnstocher im Moor.

    Zurück bei Pflaume. Frühstück um halb elf. Danach Recherche. Erst: Hocker retten. Dann: Weg finden. Internet miserabel. Bricht immer wieder weg. Wenn’s läuft: drei bis fünf MBit.

    Am Abend ist klar: Ich will rüber. Aber nicht so. Ich vertage es. Plane für morgen einen Ansitz. Mit dem Eckla-Trolley. Zwei Kameras. Wetter checken. Schon wieder eine Front. Morgen Nachmittag Böen bis 70 km/h. Brauch ich nicht nochmal.

    25.04.2026

    Kurz nach fünf. Diesmal vorbereitet. Mit dem Eckla-Trolley am selben Gebüsch. Auf dem Weg: Elchkot. Keine siebzig Meter vom Camp. Schön. Ich baue auf. Zwei Kameras ins Seggenmoor. Ich dahinter. Tarnnetz. Tarnkleidung. Äste davor, was halt da ist. Kein Lehrbuch. Aber auch nicht nichts.
    Sitzend geht. Aber nicht unsichtbar. Ich merke es. Die Vögel kommen nicht näher. Nicht wegen mir. Wegen dem, was ich verändere. Skeptiker! Quasi "Querläufer".

    Bekassine. Rotschenkel. Waldwasserläufer. Kraniche. Dauerbeschallung. Ich merke wieder: Mit einem Ohr ist Orten schwierig. Besonders bei der Bekassine. Kraniche gehen - die sind laut genug.

    Im Laufe des Vormittags kommt eine Frau. Will auch rüber. Sie sieht mich. Also doch nicht so gut getarnt. Sie schaut kurz ins Moor. Zögert.
    Dann geht sie los. Nicht am Weg. Etwa vierzig Meter ins Schutzgebiet hinein, im großen Bogen um die tiefsten Stellen. Keine zehn Minuten später ist sie drüben. Ich sehe sie nicht wieder.

    Ich bleibe. Und denke: "Versager! Nicht mal diesen Weg schaffe ich."

    Ich rede mir ein: Mit leichterem Gepäck würde ich das schon machen. Ohne Kamera. Ohne Rücksicht. Stimmt nicht ganz. Ich bin gehbehindert. Wenn ich mit dem guten Fuß stecken bleibe und mit dem schlechten keine Kraft mehr habe, komme ich hier nicht raus. Ich bin diese Belastung nicht gewohnt. Jeder Schritt kostet. Und ich muss den Rückweg mitdenken. Was, wenn ich zurück nicht mehr kann? Im Moor übernachten. Wind. Null Grad. Notruf. Nein!

    Das mit dem Naturschutz ist nur die halbe Wahrheit. Punkt.

    Ein Trupp Bruchwasserläufer kommt näher. Besser. Für Video bin ich zufrieden.

    Ich breche ab. Für den Nachmittag ist Sturm angesagt. Ich will vorher sichern. Und kochen.

    Der Nachmittag rüttelt an Pflaume. In der Nacht sollen es 90 werden. Ich parke um – mehr in den Wind. Weniger Schaukeln. Mehr Sicherheit. Die Nacht wird lang.
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  • Am Arsch der Welt

    April 23 in Poland ⋅ 🌬 14 °C

    23.04.2026

    Abfahrbereit. Alles gecheckt. Alles gesichert. War nochmals auf dem "Töpfchen". Muss die letzten Tage noch bezahlen. Gestern schon angefragt per WhatsApp – keine Antwort bekommen. Tomek ist kein Mensch vieler Worte. Etwas mehr dürften es aber schon sein.

    Ich klopfe, weil die Klingel nicht zu funktionieren scheint. Tomeks Vater macht auf. Spricht nur Polnisch. Mache die weltweit gültige Handbewegung, indem ich Daumen und Zeigefinger aneinanderreibe. Werde verstanden. Ist also auch in Polen gültig. Er telefoniert und sagt dann: „Wait. Tomek coming.“ Also warte ich.

    Gehe nochmals die geplante Strecke durch. Überlege, ob ich noch etwas brauche. Steige wieder aus und gehe ein paar Schritte hin und die selben wieder zurück. Kein Tomek. Den Vater nerven bringt auch nichts. Esse einen Apfel. Den letzten. Hätte ich noch kaufen sollen.

    Tomeks Frau fährt vor. Sie meint zehn Tage, ich bestehe auf neun. Sie zeigt mir die WhatsApp-Nachrichten. Dann sieht sie ein, dass ich nicht am 13. um 20:30 Uhr gekommen bin, sondern erst am nächsten Tag. Zahle und verabschiede mich. War gern hier. Mal schauen, ob ich woanders auch gern bin.

    Habe etwa 80 Kilometer zu fahren und es ist erst kurz vor zehn. Genug Zeit. Hey – den Turm kenne ich doch – da bin ich mit Oliwier gewesen. Halte an und erklimme abermals die Verheißung auf Elch. Schaue intensiv in alle Richtungen. Am Status hat sich nichts geändert: „No Elk.“

    Es wird urbaner – fahre um eine Kurve: Kraniche. Ultranahe. Vorsichtig rolle ich etwas weiter an den Straßenrand und halte an. Shit – schon fast vergessen: das rechte Fenster öffnet seit Wiznaport nicht mehr, das linke zickt. Ich muss aussteigen. Kraniche noch da. Hoffentlich bleibt es dabei.

    Lehne mich über die Motorhaube.
    Tack – tack – tack.
    Hätte nie gedacht, dass ich Kraniche mal so nahe erleben darf.

    Pause. Bei einem Steg, der in das Schilf führt. Etwa einen Kilometer. Wollte mir ja die Beine vertreten. Mache das nun mit der Kamera und immer noch in stiller Hoffnung auf Elch. Der Steg führt fast kerzengerade durch Schilf, das an einen Birkenwald angrenzt. Tolle Stimmung. Nur Wildlife sehe ich nicht viel.

    Kurz vor 14:00 Uhr. Komme am letzten Dorf an. Navi meint: In 200 m links abbiegen. Jetzt links abbiegen. Es hat verschwiegen, dass es da ein Hindernis gibt – in Form einer Spursperrung und einem Riesenschild. Rund. Weiß mit rotem Rand. Drunter ein Zusatzschild.

    Ich versuche Google Maps klarzumachen, dass es hier nicht weitergeht. Keine Chance. Maps findet keine Alternativroute. Fotografiere das Zusatzschild und frage Deepl: „ausgenommen Baustellenfahrzeuge und Anrainer“. Fühle mich als Anrainer. Will ja zum Campingplatz. Eine andere Strecke finde ich nicht.

    Direkt nach dem Schild eine Brücke. Allein diese Brücke ist schon das Fahrverbotsschild wert und eine Verheißung auf das, was noch kommt. Hätte ich eine Alternative gehabt, hätte ich gezögert, da drüber zu fahren.

    Schotterstraße entlang der Biebrza. Schotterpiste. Aus Schotter wird Sand. Allrad wird aktiviert. Steige aus: Der Sand wirkt tragfähig. Soweit ich das beurteilen kann. Je weniger das alles nach Straße aussieht, umso mehr sieht es nach Baustelle aus. Drei, vier Kipper und ein paar Bagger – etwa 500 Meter vor mir. Da komme ich nie durch. Bleibe hinter dem ersten Kipper stehen. Gehe nach vorne. Ein paar Arbeiter stehen zusammen und palavern.

    „Dobre.“

    Nach längerem Hin und Her – keiner spricht Deutsch oder halbwegs Englisch – heißt es: „Street free and good.“ Hoffe, sie wissen, was sie da sagen. Sie rangieren etwas mit ihren Fahrzeugen. Jetzt komme ich zumindest vorbei. Mit einem nicht sehr guten Gefühl steige ich ein und starte Pflaume. Sind ja genug Menschen und Maschinen da, die mich retten können. Im Schritttempo an den Fahrzeugen vorbei. Tatsächlich: keinen Kilometer danach wird die Baustelle wieder zur Schotterstraße. Allrad raus. Weiter.

    Bin da. Biebrzańskie Safari.

    Adam Raczkowski empfängt mich. Er fährt einen aufwändig folierten Defender, trägt Camouflage und einen Buff am Kopf. Ebenfalls Camouflage. Das Camp wirkt irgendwie anders. Es gibt sogar einen Elchturm. Alles mit viel Liebe zum Detail gebaut. Heißwasser kommt über Sonnenkollektoren. Reicht derzeit nicht weit. Wenn Naturcamping – dann eindeutig Biebrzańskie Safari.

    Adam deutet mir mit weitausholenden Gesten irgendetwas an. Dann verstehe ich: Um hier weiterzukommen, brauche ich Gummistiefel. Ich nicke – habe ich. Beschließe, mir das anzusehen.

    Tatsächlich: Nach knapp 300 Metern mit meinen Wanderstiefeln geht nichts mehr. Das ist also das Gelbe Moor. Jeder Schritt ein schmatzendes Geräusch. Zwischen den einzelnen Bülten glänzt Wasser. Da geht definitiv nichts ohne Gummistiefel.

    Bin überzeugt, im wilden Zentrum des Nationalparks angekommen zu sein. Angrenzend folgt das Rote Moor. Innerhalb des Nationalparks hat es den höchsten Schutzstatus. Wird streng kontrolliert. Hunde sind dort strikt untersagt.
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  • E L K

    April 21 in Poland ⋅ ☀️ 13 °C

    20.04.2026

    Wer kennt sie nicht: „zu vergessen“-Tage.
    Anscheinend ist das so einer. Ich kann mich nicht erinnern. Ausgelöscht von den Erlebnissen der Tage davor und danach. Schon seltsam …

    Ah ja: Regen. Schon frühmorgens. Und ab Mittag. Nicht durchgehend, aber immer wieder. Dazu wieder Wind. Unangenehmer, kalter Wind. Das alles bei etwa 9°. Hab für morgen meine Ausrüstung überprüft. Gereinigt. Aufgeladen. Umgeräumt. Es gab kalte Küche. Ich glaube nicht mal einen warmen Kaffee. Bin mir aber nicht sicher.

    Aber sonst?

    21.04.2026

    04:45 Uhr. Null Grad. Elk-Guiding. Gespannt, aufgeregt. Der Guide heißt Oliwier. Sicher. Hab seine Karte, da steht’s drauf. Wir sind mit einem Pajero unterwegs.

    Erster Spot. Grandiose Aussicht über das Biebrza-Tal Richtung Sonnenaufgang. Intensiv schön. Der Fluss, als auch die Altarme treten glänzend aus der dunklen Landschaft hervor. Etwas Dunst sorgt für Mystik. Darüber brennt der Himmel. Dieses Feuchtgebiet ist ein Juwel.

    Oliwier sucht mit Fernglas, dann mit Wärmebildgerät und Spektiv. „No Elk.“

    Mir gerade egal, kann mich an dem Licht nicht sattsehen. Wir steigen ins Auto und fahren noch zu zwei Spots. Unterwegs sehen wir ein Rebhuhn, ein paar Rehe, Limikolen. Der Himmel wechselt langsam Richtung Blau. Von hier aus wäre jeder Elch im Gegenlicht aus drei Kilometern zu sehen. Wie gesagt – wäre. „No Elk.“

    Wir wechseln auf die andere Seite der Biebrza. Die Flora verändert sich: von offenem Schilf und Seggen mit Fluss und Altarmen hin zu immer wieder Wald – dominierend Kiefern und Birken –, Strauchwerk und ebenfalls Schilf mit den Füßen im Wasser. Am Rand steht eine Aussichtsplattform.

    Gespannte Erwartung lässt uns hinaufsteigen. Die Weite der Sumpf- und Moorflächen ist beeindruckend. Das Schilf scheint bis an den Horizont zu reichen. Wir sehen Limikolen, Goldammern, Feldlerche, Tümpel und Traktorspuren. Aber: „No Elk.“ Deutlich ernüchterter geht es wieder hinunter.

    Das wiederholen wir noch zweimal. Fahren. Rauf. Schauen. „No Elk.“ Runter.

    Neuer Ansatz. Wir fahren etwa zwei Kilometer in den Nationalpark hinein. Dann einen Kilometer zu Fuß. „No Elk.“ Nichts. Weder nah noch fern.

    Dann meint Oliwier: „Last Chance!“ Wir sind lange unterwegs. Wieder außerhalb des Schutzgebietes. Viel Landwirtschaft. In der Ferne die Biebrza. „No Elk.“

    Zwanzig Minuten später zurück nach Wiznaport. Oliwier wundert sich. Ist ihm noch nie passiert. Er schlägt vor, den Preis zu halbieren.

    „Nichts da.“ Ich gebe ihm 700 Zloty statt der vereinbarten tausend. Erscheint mir fair.

    Kurz vor elf wieder bei Pflaume. Koche mein Lieblingsgericht: Eintopf in sämtlichen Variationen. Diesmal mit Baked Beans und viel Chili. Nichts übergekocht, nichts runtergefallen, nichts angebrannt. Bin zufrieden. Grenzwertig scharf, grenzwertig gut. „No Elk“.

    22.04.2026

    Die Sonne steht schon höher. Heißer Kaffee und Müsli sorgen für das erste Wohlgefühl. Einkaufsliste schreiben.

    09:45 Uhr. Einkaufen. Für die nächsten vier bis sechs Tage. Morgen verlasse ich Wiznaport Richtung Nordost. Ziel: Campingplatz „Biebrzańskie Safari“. Der nächste Laden dort ist etwa zehn Kilometer entfernt. Ich muss mit dem klarkommen, was ich heute einkaufe.

    Am Nachmittag wird Pflaume ausgeräumt. Gesaugt. Gelüftet. Feucht gewischt. Eingeräumt. Wasser nachgefüllt. Umgeräumt. Faltrad und Hänger verstaut. Fotoequipment entstaubt. Nochmals umgeräumt. Markisen eingeklappt.

    Pflaume ist ready. Ich auch.
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  • Fotografenleid

    April 19 in Poland ⋅ ☁️ 15 °C

    04:00 Uhr. Wie am Freitag eingestellt: Der Wecker zwitschert. Drehe mich noch einmal um. Welcher Idiot steht um diese Zeit auf, nur um ein paar Lichtphotonen auf photosensible Dioden treffen zu lassen?
    Zehn Minuten später: Der Idiot klettert aus seiner Koje. Gähnt ausgiebig. Kratzt sich bei den Worki. Anziehen. Wasserflasche auffüllen. Hänger beladen und ankoppeln. Der Idiot ist abfahrbereit.

    Eine halbe Stunde später trifft der eine Idiot auf andere Idioten. Polnische Angler. Genau dort, wo der erste hinwollte. Hier hatte ich den Eisvogel gesehen und den Wiedehopf gehört. Ein Stück weiter: weitere Angler. Positioniere mich möglichst nah an dem Ort, an dem ich mit dem Eisvogel rechne.

    Er ist auch da. Nur dass die Angler mit ihrem Lagerfeuer für romantische Stimmung sorgen, imponiert dem Eisvogel so gar nicht.
    Ich kann ihn mehrfach hören und sehen. Er umfliegt in weitem Bogen auf der anderen Flussseite die Idioten, weit an mir vorbei, und verschwindet um die nächste Biegung.

    Migriere Richtung Biegung. Keine Chance. Den Wiedehopf höre ich kein einziges Mal. Nach zwei Stunden stehe ich auf und klopfe mir den Sand aus den Klamotten. Das war ein Satz mit X.

    Ich packe zusammen und radle weiter. Zwei zwerg­huhn­große, braun-weiße Vögel werden aufgeschreckt. Mit einem deutlichen Laut des Missfallens zischen sie in etwa einem Meter Höhe davon. Keine Ahnung, was das war. Dann ein Sprung Rehe. Etwa zehn Stück. Sie verteilen sich in alle Richtungen.

    Da es hier recht flach ist, mit wenig Struktur, habe ich so gut wie keine Deckung. Die einzige: ein Gebüsch. Etwa fünfzig Meter von einem mittelgroßen, bereits verlandenden Altarm entfernt. Besser als nichts. Sicherlich kein Eisvogel – aber vielleicht Kampfläufer, Wiedehopf und Co?

    Zwei Stunden später: Was mache ich hier eigentlich?

    Wäre ich zuhause an einem vertrauten Spot, hätte ich wahrscheinlich ein paar Aufnahmen. Oder würde vor dem Kamin sitzen und heiße Schokolade trinken. Oder ich hätte den hier allseits bekannten Guide buchen können. Den mit dem Katamaran. Der fährt bis in den Nationalpark hinein.

    Aber nein!

    Ich quäle mich mit dem Fahrrad durch eine Sandpiste. Bin schon zweimal gestürzt. Hab mir das Schienbein ziemlich derbe angeschlagen.
    Ich friere. Der Wind pfeift mir um die Ohren. Keine Deckung. Zu flach hier. Das Schienbein schmerzt. Die Augen tränen.

    Was mache ich hier eigentlich? Für … ein paar Graugänse aus 100 Meter Entfernung?

    Ich gebe auf. Quäle mich zurück Richtung Wiznaport. Richtung Pflaume. Der Frust fährt mit.

    Frage mich, warum ich hier bin. Wegen der Fotos schon mal nicht.
    Klar – ich habe Wisente fotografiert.
    Einen Sperlingskauz. Grauspecht.
    Kampfläufer im Prachtkleid.
    Kraniche beim Tanz.

    Aber Fotos, auf die ich wirklich stolz bin?

    Keine.

    Warum tue ich mir das an? Sicherlich nicht wegen der Fotos. Hätte längst im Donaudelta sein können. 25 Grad. Stattdessen: knapp über Null.

    Komme bei Pflaume an. Esse die Gaben von gestern. Ach ja – gestern .....

    Das war schon nett. Ich als total Fremder – und doch offen empfangen. Neugier. Freundlichkeit. Irgendwie integriert.

    Der Blick hier ist herrlich. Das Leben in den Tag hinein tut mir gut. Draußen sein. Auch bei Minusgraden. Hat was. Und dann wieder in die warme Kabine. Das auch. Streiche mit der Hand über das Mobiliar. Pflaume. Bin stolz darauf. Und dankbar denen gegenüber, die mitgeholfen haben.

    War richtig, hier zu bleiben. Nicht nach Rumänien weiterzufahren. Wollte das Land kennenlernen. Die Menschen. Und genau das passiert gerade. Fünf Tage schon hier. Noch drei vor mir. Weil ich gefragt habe. Weil jemand jemanden kannte. Weil ich zugesagt habe.

    Die Damen im Tourismusbüro. Diese Selbstverständlichkeit zu helfen. Hatte Klasse.
    Und Ikeaman. War bemüht. Hat nicht viel gebracht. Aber war gut.

    Das hat nichts mit Fotografie zu tun. Und doch ist es das, was bleibt.

    Erinnerungen.

    Die nehme ich mit nach Hause. Darauf bin ich stolz.

    Klar wären ein paar erstklassige Fotos schön.
    Aber mal ehrlich: Was sind schon Fotos?
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  • ten gość z kamperem, którego trzeba nakarmić

    April 18 in Poland ⋅ ☀️ 16 °C

    Verschlafen. Vier Uhr war der Plan. Wie dumm: den Wecker für Sonntag gestellt. Da merke ich: Es beginnt das langsame Vergehen des Gefühls für Zeit und Raum. Datum und Wochentag sind inzwischen egal (außer Brot oder Klopapier sind fertig).

    Darum entscheide ich hier und jetzt: ich genieße den traumhaftesten aller polnischen Sonnenaufgänge von Pflaume aus, mit dampfendem Kaffee an der Abbruchkante. Lasse den Blick über die Narew schweifen. Von links nach rechts, zur Mitte und dann in die Ewigkeit.

    Sinniere. Lese im Buch. Genieße die wärmende Sonne. Lausche dem frühmorgendlichen Konzert. Mache Aufnahmen. Für sentimentale Momente. Heute ist so einer.

    Schön.
    Kitschig.
    Bis der Magen grummelt.

    Schau, was da ist, und entscheide: Zwiebel-Lauch-Maroni-Linsen-Eier-Eintopf. Zu Fuß zum Supermarkt. Die Pentax KP mit dabei. Auf Motive fokussiert komme ich nur langsam voran. Was das Dorf wohl denkt, wenn ich Mülleimer fotografiere?

    Lauch gekauft. Eier. Brot. Joghurt. Den Rest weiß ich nicht mehr. Beginne Zwiebeln zu schnipseln. Gemütlich. Ein Reisebus fährt vor. Lauch schnipseln. Ein zweiter Bus. Musik schallt irgendwo her. Oldies but Goldies. Zum sentimental werden. Oder zum Kotzen. Bin unentschlossen – sentimental war ich heute schon.

    Die letzten Tage zwischen Haus und Fluss alleine. Unbekannt. Unerkannt. Ungesehen. Ungestört. Heute ein Gewusel vor und neben Pflaume. Packe meinen polnischen Wortschatz aus: „Dobre“, nicke und winke. Es wird zurückgegrüßt. „Dobre“. Manche sprechen mich an. Der Moment für meinen Standardsatz: „Es tut mir sehr leid, aber ich spreche leider gar kein Polnisch!“. Nie kommt als Antwort: „Egal, dann sprechen wir eben Deutsch.“

    Ein Mischlingsrüde zieht schnurstracks auf mich zu. Am anderen Ende der Leine eine ältere Dame. Er beschnuppert mich. Sie spricht mich an. Ich greife zu meinem polnischen Standardrepertoire, da sagt sie: „Mein Mann kann sehr gut Deutsch“ und deutet nach hinten. Ich schaue sie relativ perplex an. Der Rüde zieht weiter und beendet so das Gespräch.

    Ich koste: mein Zwiebel-Lauch-Maroni-Linsen-Eier-Eintopf – superb! Lehne mich zurück und entspanne. Shit. Habe dabei auch die Hand entspannt, die den Klemmgriff hält. Der Topf rutscht raus und die Hälfte kippt über Hose und Schuhe. AAAAHHHHHH!!

    Keiner lacht. Keine grinsenden Gesichter. Der Bürgermeister hält gerade eine der Würde seines Amtes entsprechende Ansprache vor dem Zelt (ja – inzwischen auch ein Zelt aufgebaut).

    Schwein gehabt! Bin ich Schmach und Schande gerade noch entkommen. Schleiche mich in die Kabine – Hose wechseln, Schuhe abspülen. Das Malheur am Boden wird vom Gras getarnt. Weitgehend.

    Nach der Ansprache verteilt sich wieder alles. Der besagte Gatte spricht vor. Hat die letzten fünfzehn Jahre in Wien gelebt. War selbstständig. Monteur für Fenster und Türen. Pendelt mehrmals im Jahr nach Wien. Ist in Pension, hat aber Stammkunden, die er weiterhin beliefert. Hat in Wien eine kleine Wohnung. Wir kommen etwas ins Gespräch. Er hat sich gefreut, als er mein Nummernschild sah. Reden über Orte in Wien, die er kennt.

    Langsam wechselt alles Richtung Zelt. Dem Ursprung der Oldie-Musik. Bis auf diese wird es wieder ruhiger.

    Jetzt endlich kann ich essen. Es reicht gut für einmal. Das Essen für Sonntag liegt leider am Boden oder klebt in der Hose. Bin satt. Sitze im Stuhl vor Pflaume und verdau.

    Da stehen Tomek und seine Frau vor mir. Er mit einer Schüssel aus Pappe, sie mit einem Teller. Sie erklären mir, was drinnen ist, und machen ein zufriedenes Gesicht. Von meinen früheren Reisen weiß ich definitiv: Ablehnen verboten. Sich herzlich freuen, mehr oder weniger intensiv bedanken und Fragen stellen – erlaubt.

    Ich koste. Der Eintopf ist köstlich – fast so gut wie meiner. Löffle ihn aus. Die Knödel auf dem Teller mit dem Kraut lasse ich. Ich kann nicht mehr.

    Ich ziehe mich in meine Kabine zurück. Zum Verdauen. Da ruft jemand. Der polnische Wiener. Er schiebt mir einen üppig beladenen Teller entgegen. Knödel, Schmalzbrot, Kartoffelauflauf, Kraut. Hoffe, man hat mir nicht angesehen, was ich wirklich denke. Bedanke mich herzlich und koste etwas. Zufrieden zieht er ab. Ich lege mich aufs Bett und verdau weiter.

    Plötzlich Livemusik. Eine Quetsche und irgendwas Blechernes. Eifriges Geplapper. Gelächter. Dazwischen Kindergetümmel. Die komplette Wiese ist wieder aufgefüllt. Die Leute sitzen und stehen im Kreis. Am Rand zwei Musiker. Die Menschen beginnen zu singen. Wow. Folklore auf Polnisch.

    Der Bürgermeister kommt auf mich zu. Mit einem Teller in der Hand. NEIN! Polnische Desserts. Wieder bedanke ich mich artig. Ich kann nicht mehr. Ich weiß jetzt auch, wofür ich mich entscheiden würde, sollte ich jemals wieder etwas essen müssen: fürs Kotzen. Sentimental geht eindeutig nicht mehr.

    Nach etwa zwei Stunden mehr oder weniger ergreifender Darbietungen auf dem Platz entschließen sich einige, mit dem Katamaran noch eine Runde zu fahren. Die Musiker müssen natürlich mit. So klein das Ding ist. Es wird gesungen und getanzt. Ich habe inzwischen ein Gutteil verdaut und kann mich auch daran erfreuen.

    Wie mit allem geht auch dieses Event langsam zu Ende. Die Musiker stellen das Musizieren ein. Ich stehe gerade bei Pflaume, da kommt der Quetschenmann auf mich zu. Er begrüßt mich auf Deutsch. Darius hat jahrelang in Meckenbeuren gelebt und gearbeitet. Hausmeister. Seine Frau arbeitet derzeit in Biberach. Im Juni wird er sie besuchen. Er meint, dann könnte er mich ja auch besuchen. Wir tauschen Telefonnummern aus. OK – jetzt habe ich was im Juni?

    _________________________

    Auflösung: „ten gość z kamperem, którego trzeba nakarmić“ heißt auf Deutsch „der Typ mit dem Camper, den man füttern muss“. Den Eindruck hatte ich zumindest.
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  • Reise nach ... Jaroslaw

    April 17 in Poland ⋅ ☁️ 11 °C

    Gestern angefragt – heute unterwegs. Auf der Narew.

    Tomek und seine Frau (den Namen weiß ich leider nicht mehr) fahren mit mir die Narew hinab. Total entspannt. Schön, wieder einmal in einem Boot zu sitzen. Ich mag das. Die stetige Brise im Gesicht. Das Schlagen der Wellen im wechselnden Rhythmus. Mal langsam, fast meditativ. Dann auffordernd, fast drängend. Je nach Strömung und Windrichtung.

    Hoffe, die Narew besser kennenzulernen. Ich sitze in einem einfachen Boot. Wenn ich mich hinauslehne, kann ich ins Wasser greifen. Wir tuckern leise und entspannt vor uns hin.

    Tomek ruft. Ja – auch ich habe ihn gesehen. Graureiher. Er uns leider auch. Starrt mir ungläubig durch das Objektiv entgegen, zögert kurz und hebt ab. Zu schnell für mich. Ist doch erst 06:00 Uhr morgens.

    Dann, etwa dreißig Meter vor uns: eine Linie wandert von rechts nach links. Wir halten darauf zu. Biber. Ich kann ihn gut sehen. Er mich auch. Zögert kurz – und wählt den Weg nach unten. Verflixt.

    Hier ist es ideal für Biber. Tomek bietet Biber-Touren an. Er meint, es gibt eine Familie mit inzwischen über zehn Tieren. Selbst die Zweijährigen wurden noch nicht vertrieben. Das sei ungewöhnlich.

    Wir tuckern weiter die Mäander entlang. Die Abbruchkanten sind eindrucksvoll. Immer wieder Löcher zu erkennen. Nisthöhlen.

    „Kingfisher?“, frage ich Tomek. Er nickt und schüttelt gleichzeitig den Kopf. Seine Frau übersetzt: Der Winter war sehr kalt. Viele Tage unter minus 20 Grad, auch minus 30. Es gibt Abschnitte, da sind alle verschwunden. Gestorben oder abgewandert. Es dauert, bis sie wieder zurückkommen.

    Langsam wird die Abbruchkante niedriger. Waren es anfangs mehr als drei Meter, sind es jetzt etwa einer. Dann geht die Narew teilweise fließend ins Land über. Das, was hier erst weiter unten zu sehen ist, ist in einem guten Frühjahr weiter oben schon so. Derzeit eher Niedrigwasser.

    Langsam beginnen die Wellen schneller an den Bootsrumpf zu schlagen. Der Wind frischt auf. Die Sonne verschwindet. Ich werde sie heute wohl nicht mehr oft sehen. Wir beginnen zu frieren. Bis auf Tamas. Ich ziehe die Jacke zu. Wir drehen um. Genauso langsam tuckern wir wieder zurück.

    Wir unterhalten uns dabei. Zunächst Unverfängliches. Irgendwann kommt das Thema Vergangenheit auf. In diesem Dorf wohl allgegenwärtig. Sie will wissen, wie ich das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen sehe. Bin froh klarstellen zu können, dass ich Österreicher bin. Habe aber das Gefühl, dass das keinen großen Unterschied macht. Für mich eigentlich auch nicht – aber dieser kleine Notausgang ist manchmal ganz angenehm. Bei „Austria“ reagieren einige deutlich entspannter als bei „Niemcy“.

    Ich meine, dass die ältere Generation damit sicher noch ringt. Die Nazis haben dieses Dorf faktisch ausgeblutet. Doch in ein paar Generationen wird das weniger Thema sein.
    Das Problem sind nicht die jeweils lebenden Menschen. Sondern die, die Not und Leid für ihre Zwecke missbrauchen. Die Feindbilder erschaffen. Und in Zeiten von Unsicherheit das Heil im Faschismus predigen. Das kann überall passieren. Die aktuellen Entwicklungen zeigen das deutlich.

    Wir werden uns einig: Der Mensch ist anfällig für Hetze und Propaganda. Egal wann. Egal wo.

    Wir steuern langsam wieder in ruhigere Gewässer. Sie erzählt, dass sie ihre Pension ausbauen wollen. Ich schlage vor, sich bei Park4night einzutragen. Ich würde sofort eine positive Bewertung schreiben. Sie nickt. Das würde ihnen helfen.

    Am Wizna-Port angekommen verabschieden wir uns.

    Zurück in Pflaume. Aufwärmen. Hinlegen. Dann lesen. Ein Buch, das ich vor Jahren schon einmal gelesen habe und das mir wieder untergekommen ist. Für die Reise mitgenommen. Passt irgendwie: „Die Reise nach Jarosław“ von Rolf Schneider.

    Ich mag seine Art zu schreiben. Kurz. Prägnant. Humor, der sich versteckt und dann plötzlich zuschnappt. Immer auch gewürzt mit Rebellion und Aufbruch. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich kein Ende finde, wenn ich einmal zu lesen beginne?
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  • Kampfläufer

    April 16 in Poland ⋅ ⛅ 14 °C

    Widme mich meiner Hygiene. Etwas intensiver als bisher. Hier gibt es eine WARME Dusche. Mir friert schon beim Gedanken an Białowieża. Ich bin und bleibe ein Warmduscher. Wenn ich schon nicht nur sauber, sondern rein bin, muss die Trockentrenntoilette auch dran glauben. Geleert und gereinigt ist sie für die nächsten Wochen wieder zumutbar. Die TROBOLO WandaGO macht es einem leicht: Entsorgung, Reinigung, Handling – alles simpel. Wenn der Deckel aufgeht riecht es etwas nach … Land. Hält sich aber in Grenzen.

    Vorbereiten für heute. Kamera und Akkus checken. Mikro anschließen.

    Zielfoto: Kampfläufer. Am Bodensee oft im Winter gesehen. Schlichtkleid. Hier im Prachtkleid. Mit Glück sehe ich einen Kampf in der „Arena“. MMA ohne Käfighaltung ;-)

    Definiere grob eine Strecke anhand Internetrecherche (birdingplaces.eu – klasse Seite dafür).

    Ab geht’s. Diesmal nur ein kurzes Stück die Hauptstraße. Dann links ab Richtung Norden. Am Hügelrücken entlang, um dann bei Ruś zum Fluss ein ordentlich steiles Stück abwärts zu fahren. Fahre vorsichtig. Die Kamera – und ich – sollen unversehrt bleiben.

    Am Ufer: wieder ein ähnliches Bild wie auf der Wizna-Seite. Der Fluss trennt. Hier stehe ich. Dort geht es ab. Fahre weiter und hoffe. Umfahre ein kleines Wäldchen. Was ist mit dem Fluss passiert? Deutlich schmaler. Ich schaue nach. Willkommen zurück an der Biebrza. Die andere Seite ist jetzt deutlich näher. Vielleicht geht doch was. Der Weg führt mal weg vom Ufer und mal wieder hin. Nichts asphaltiert.
    Komme nur langsam voran. Wieder dieser tiefe Sand. Mühsam mit dem Fahrrad.

    Mit dem Monokular beobachte ich. Bewegung über dem Schilf? Im Gras? Im Tümpel? Wenn sie ruhig stochern, habe ich keine Chance.
    Beim Landen oder Wechseln schon. Da. Im Tümpel. Etwas hat sich bewegt. Bin mir nicht sicher. Nähere mich langsam. Geduckt. Da – wieder.

    Kampfläufer.

    Ich reiße die Kamera hoch und drücke ab. Nicht zu früh. Der eine fliegt sofort. Der andere zögert – und ist dann auch weg. Ha. Gefunden.

    Ich suche Deckung. 200 Meter weiter: zwei Felsbrocken und ein Autoreifen (!) am Ufer. Reicht. Ich habe Deckung und überrage nicht sofort wie der Burj Khalifa alles um mich.

    Warten. Beobachten. Lauschen. Auch mit Merlin-APP. Warten. Sichtfeld Scannen. Umsetzen. Beobachten. Lustlos ein paar Enten fotografieren. Wieder warten. Ich senke den Kopf und döse kurz. Unterbrochen alle paar Minuten durch einen Blick in die Umgebung. So halte ich es aus. Die ganze Zeit hochkonzentriert. Mir geht das nicht.

    Wieder ein Blick: Ein Schwarm fliegt ein. Etwa 150 Meter. Sind das? Ja. Zu weit. Ich filme. Fotos machen keinen Sinn. Der Schwarm fliegt wieder auf und … unter 100 Meter. Vielleicht 80. Gut so. Ich filme wieder. Die Kamera macht auch mal tack – tack – tack. Keine Superüberdrüber-Fotos. Aber immerhin.

    Plötzlich Bewegung. Ein Teil fliegt weg. Nein – bitte nicht! Der Fotogott erbarmt sich: der andere kommt näher. Ich drücke mich noch tiefer in den Boden. Werde eins mit dem Fels. Keine schnellen Bewegungen. Nur langsam. Ganz langsam. Es fällt mir schwer. Am liebsten würde ich lachend im Kreis tanzen.

    Kampfläufer in der Arena. Noch nicht voll da. Aber Ansätze.

    Die Zeit vergeht. Nach 18:00 Uhr. Immer mehr Vögel lösen sich und fliegen über meinen Kopf hinweg Richtung Hinterland. Ich kann nicht mehr. Versuche, meine Beine wieder unter Kontrolle zu bringen. Nicht so einfach. Das linke ist komplett eingeschlafen. Ein kribbelnder, vibrierender Knubbel. Auftreten geht noch nicht. Lasse mir Zeit. Trinke. Bin Durstig. Stundenlang nichts getrunken. Zu angespannt. Und jede Bewegung hätte auffallen können.

    Langsam kommt das Gefühl zurück. Ich als Gesamtes will zurück. Eine Stunde später bin ich bei Pflaume. Ich bin erledigt.

    Krass. Genau wegen solcher Momente mache ich das. … und ein kleines bisschen auch wegen der Fotos ;-)
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  • die andere Seite

    April 15 in Poland ⋅ ☁️ 14 °C

    15.04.2026

    Später Vormittag. Erste Tour hier. Heute heißt es: Kilometer machen - Gegend kennenlernen. Sehe perfekte Spots von Pflaume aus. Auf der anderen Seite der Narew. Da muss ich hin. Was mir dabei gar nicht gefällt: muss über einen stark befahrenen engen Abschnitt. Für Radfahrer ein heißer Ritt. Egal wie knapp: Radfahrer müssen immer überholt werden! Bei uns zuhause. Hier nicht anders.

    Zuerst geht es Richtung Zentrum. Der Erste Anstieg. Zuviel für mein Knie. Ein Stich dringt bis in mein Hirn. Das kann ich mir heute nicht oft erlauben. Das weiß ich.

    Nehme Wizna erstmals wahr. Sehe einen Park. Das überrascht mich. In einem so kleinen Dorf? Und eine Riesenkirche. Ob der Ort größer ist als gedacht? Ich frag ChatGPT: da war mal eine Burg und mehrere tausend Einwohner. Seit den Weltkriegen knapp über Tausend. Das Dritte Reich hat hier für eine Halbierung gesorgt. Bin erschüttert. Kein Wunder, dass alles zu groß wirkt.

    Dann eine Brücke. Wird neu Gebaut. Wie befürchtet: im Neuen Abschnitt gibt es eine Radspur, die abrupt endet. Muss auf die enge Straße. Ein LKW donnert mit über 60 an mir vorbei. Es versetzt mich einige Zentimeter. Wie ich das hasse!

    Endlich eine Nebenstraße. Nach 200 Metern dann ein Feldweg. Durchatmen. Entspannen. Marschland. Die Narew mäandert hier stark. Der Boden ist oft sandig. Im Prallhang entstehen steile Abbruchkanten. Ideales Habitat für Vögel. Ich lausche. Manche erkenne ich am Gesang. Der Wiedehopf. Eindeutig. Höre ihn gut. Sehen kann ich ihn nicht.
    Ein lauter Pfiff. Eisvogel. Bei diesen Abbruchkanten hätte es mich gewundert, wenn nicht. Ein blauer Blitz – pfeilschnell vorbei. Höre ihn im Minutentakt. Die Nisthöhle könnte hier sein.

    Den ganzen Tag treffe ich Angler. Die Autos direkt daneben. Fahren alle durchs Marschland. Was ich auch sehe: die ganze Strecke immer wieder Plastikfetzen - volle Säcke - fast Mülldeponien. Find ich Scheiße. Wie Südamerika vor dreißig Jahren. Außerhalb des Nationalparks ist wohl alles erlaubt. Oder Üblich.

    Meine Tour endet heute an einer Wanderdüne. Ja - richtig gehört. Eine Wanderdüne mitten in Polen. Und eine archäologische Fundstätte: Pfeilspitzen und Keramikscherben. Und: Überall Spuren von Fahrzeugen. Und Anglern.

    Auf dem Rückweg höre ich etwas, das ich so noch nie gehört habe. Frösche? Inzwischen weiß ich es: Rotbauchunke. Noch nie gehört, Noch nie gesehen. (Wenn es dich interessiert: https://youtu.be/aji85_JmvX8?si=XWXht2gQd9tEV-R4). Wow! Das war Großartig.

    Insgesamt fast fünf Stunden unterwegs. Genug für einen Nachmittag. Mein Knie muss versorgt werden. Mammutöl. Diclofenac. Ibuprofen. Volles Programm. Hilft nicht 100 % – aber genug. Genug, um mir für morgen Nachmittag noch die andere Seite der Brücke vorzunehmen. Mal schauen, ob ich bis zum Fährübergang komme.
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  • orthodoxe Ostern

    April 14 in Poland ⋅ ☁️ 14 °C

    14.04.2026 – 15:00 Uhr

    Ich sitze an der Narew. Genauer: Wizna. Exakt: Wizna Port. Naja. Port. Ein ziemlich großes Wort für das, was es ist.

    Doch was war seitdem?

    orthodoxer Karfreitag

    Die Bisonsafari war anstrengend. Viele neue Eindrücke. Viele Informationen. Danach war ich einfach nur platt. Ein paar Takte kürzertreten war angesagt.

    Im Laufe des Tages trudeln ein paar Gäste auf dem Campingplatz ein. Ein Wohnwagen mit Vater und Tochter. Zwei Jungs mit Auto und Zelt. Ein Pärchen mit einem Hochdachkombi.

    Winken. Nicken. „Dobre“. Inzwischen fühlt sich dieses „Dobre“ nicht mehr fremd an. Wird langsam normal.

    Am Waschhaus treffe ich das Pärchen wieder. Beide zeigen auf Pflaume und wollen mehr wissen. Mit einem Hauch von Besitzerstolz zeige ich ihnen alles. Sie freuen sich über meinen Trangia, auf dem gerade Wasser heiß wird.
    Dann führen sie mich zu ihrem Berlingo. Matratze im Heck. Kühlbox auf dem Beifahrersitz. Heizung auf dem Dach. So einfach kann Campen sein. Erst neu angeschafft. Wollen über Ostern dem Großstadtstress entkommen. Leben in Warschau. Er kommt aus dem Großraum Warschau. Sie von hier und studiert dort. Psychologie. Er ist Administrator. Nächstes Jahr wollen sie mit dem Gefährt nach Marokko. Mal schauen, wie weit sie kommen – aber Marokko ist ihr Traum. Wir verquatschen uns ein wenig. Es wird schon dunkel.

    Ich verabschiede mich und hau mich aufs Ohr. Wollte eigentlich noch alles herrichten für morgen. Noch einmal zu den Bekassinen. Egal. Bin sowieso zu müde.

    orthodoxer Ostersonntag

    Alles ruht noch, da bin ich schon wach. Ich kann mich zu gar nichts aufraffen und bleibe einfach liegen. Ist ja Sonntag.
    Und ich bin weit weg von allem. Von Verantwortung. Von Terminen. Von Verpflichtungen. Heute wird ein Scheißdrauf-Tag. Gerade beschlossen!

    Naja – ganz ohne geht es nicht. Ich bereite alles vor für meine Abfahrt am Montag. Spätestens Dienstag.

    orthodoxer Ostermontag

    Gleiches Spiel wie am Freitag. 04:05 Uhr – zwitscherts. 04:38 Uhr – ich merke, dass ich los muss. 05:58 Uhr – ich stehe am Tor. Nur Przemek (eigentlich Przemysław) hat etwas Verspätung. Wir fahren los. Ähnliche Richtung.

    Przemek – so heißt er wirklich, gesprochen „Psche-mek“ – ist zuversichtlich und gut gelaunt. Er erzählt von früher. Vor der Wende hat er Mikrochips konstruiert. Für Flugzeuge und so. Dann kam die Wende. Kurz darauf war die Firma weg. Er hat lange gebraucht, um sich neu zu orientieren. Seit Ende der 90er ist er selbstständig als Guide. Mehr als dreißig Jahre Erfahrung. Er stammt aus einer Försterfamilie. Seit Generationen.
    Er kennt hier jeden Winkel.
    Seine Zuversicht springt auf mich über. Drei Stunden später springt sie wieder zurück. Wir haben alles Mögliche gesehen. Nur keine Wölfe. Es ist inzwischen nach neun. Ich deute ihm, dass es für mich reicht. Dass wir zurückfahren können. Wir verabschieden uns. Ich habe mich gut mit Przemek verstanden.

    Den Platz hier hat er mir übrigens empfohlen. Ein Neffe seiner Frau betreibt ihn.

    30 Złoty pro Tag.

    Passt.
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  • Bison - diesmal in Nah

    April 11 in Poland ⋅ ⛅ 1 °C

    11.04.2026

    04:05 Uhr. Mein Wecker zwitschert. Um fünf soll es los gehen. Noch Zeit. Jede Menge. 04:38 Uhr. Shit - schon so spät! Jetzt aber ran. Die Vorbereitung gestern Abend hat sich gelohnt. Um 04:56 Uhr stehe ich vor dem Tor. Mein Guide auch. Stellt sich als Sławomir vor und spricht gutes Deutsch. Das macht es einfacher.

    Wuchte meinen Rucksack in seinen Kombi. Mich auf den Beifahrersitz. Stanisław erklärt wie die nächsten Stunden verlaufen werden. Wie wir vorgehen werden. Fahren erst nach Norden. Dann nach Nordost. In die Richtung fahre ich auch am Montag. Ich erfahre etwas über Bisons und die Gegend hier.

    Ich erzähle Władysław von meinen Bisonbegegnungen. Er erklärt mir, dass aktuell die großen Herden auseinanderbrechen. In kleinere Gruppen. Für den Sommer. Die Bullen sind sowieso eher Einzelgänger. Wojciech meint, dass jetzt noch eine gute Zeit wäre. Im Sommer würd er kein Bison-Guiding machen. Kaum eine Chance die Bisons auch wirklich zu finden. Nur Zufälle.

    Marcin biegt in einen Feldweg und dann hält er abrupt. Vor uns nur schwer zu erkennen. Bison! 300 Meter weit weg. Etwa Zwanzig Tiere. Rumpeln den Weg weiter und halten etwa 120 Meter entfernt an. Ich steige aus und bereite meine beiden Kameras her. Es ist noch sehr dunkel. Der ISO liegt bei über 10.000. Über der Grenze für gute Fotos. Egal. Zunächst mal Beweisfotos. Tack - Tack -Tack - Nichts ... Warum? Speicherkarte voll. Nein! Vergessen zu formatieren. Greife zur anderen Kamera. Lasse mich nicht beirren und mache weiter.

    Derweil entfernt sich Michał. Ob er das macht, damit er von einer Stampede nicht betroffen ist? Er zückt sein Fernglas und blickt in alle Richtungen. Er sichert ab. Danke Marek!

    Anfangs haben fast alle Wisente hergesehen. Inzwischen grasen die Meisten wieder. Sitzen herum. Wälzen sich. Oder Kacken. Nur eines nicht. Es mustert mich intensiv. Ich stehe unablässig unter Beobachtung! Es wird heller. Brauchbarer. Beginne zu filmen. Kazimierz will weiter. Ich verneine: Licht wird von Minute zu Minute besser. Kann nicht gehen - muss ich nutzen. Vereinbaren, dass er alleine losfährt. Die Anderen Spots sichern.

    Ich nicke. Fokussiere mich auf die Wisente. Weiß: Keinesfalls Näher als 50 Meter! Halte mich daran. Irgendwann genug fotografiert. Genug gefilmt. Schaue einfach nur zu. Beobachte die Tiere. Ihr Verhalten. Genieße den Moment. Die Wisente beginnen näher zusammen zu rücken. Toller Anblick. Und doch .... wie eine Rinderherde. Irgendwie.

    Krzysztof ist wieder da: "das machen sie immer, bevor sie sich in den Wald zurückziehen". Darum sollten wir jetzt wirklich gehen. Könnte ja sein, dass sie in unsere Richtung wollen. Eher unwahrscheinlich. Aber möglich. Wir ziehen uns zurück und fahren etwa 10 Minuten.

    Noch eine Herde. Diesmal etwas kleiner. Durchqueren zu Fuß einen Waldstreifen. Boden wird immer weicher und tiefer. Es schmatzt bei jedem Schritt. Das Gehen wird anstrengend. Die Spuren der Wisente sind eindeutig. In 200 Metern stehen sie. Ich stakse weiter. Czesław hält mich am Arm zurück und deutet nach links. Da stehen zwei Bisons und schauen sehr aufmerksam herüber. Weniger als 50 Meter entfernt. Nie näher als 50 Meter schießt es mir durch den Kopf. Nicke verstehend und wir gehen rückwärts. Boaaah! Das war schon sehr nahe. Zu Nahe.

    20 Meter weiter rechts wieder rein. Mache Fotos. Filme. Dann Rückzug. Jakub will mir zeigen wo sie im Winter sind. Bis zu 80 Stück. Ich nicke - wir fahren. Können eine größere Herde ausmachen. Mitten im Raps. Sehr weit weg. Zu weit, als dass es Sinn macht. Bin zufrieden. Sag ihm das. Haben aber noch zwei Stunden übrig. Er meint im Wald eventuell Hirsch und Reh. Einen Hirsch finden wir. Hat uns aber zuerst gesehen. Und ein Reh. Tack - Tack - Tack. Das Darf in Form von Bytes mit.

    Unvermittelt deutet Tomasz nach vor. "Zwei!" Zunächst Fragezeichen. Dann sehe ich sie auch. An einer Wegkreuzung sitzen zwei Fotografen sehr gut getarnt. Zielfoto: Wolf. Hier leben etwa 80 Individuen. Ob ich auch einen Fotografieren will? Ich nicke. Doch an diesem Tag ging dann nichts mehr. War dennoch angefixt.

    Habe am Montag einen Termin. Um 05:00Uhr. Mit Wolfguide Szymon. Oder ... doch Sławomir?
    Scheisse - ich kann mir Namen so schlecht merken!
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  • Bisonpech

    April 9 in Poland ⋅ ☁️ 2 °C

    09.04.2026

    Früher Morgen. 7:00 Uhr. Etwa Null Grad. Radfahren hält warm. Weiß ich inzwischen. Also treten. Links. Rechts. Links. Rechts. Diesmal ohne Hänger. Ohne Weitwinkel.
    Nur das Tele. Nordwestlich von Białowieża ist Marschland. Dort will ich hin. Kein Frühnebel. Leider. Dichte Bewölkung. Auch nicht besser. Kein Lichtspektakel heute.

    Ich verlangsame. Halte an. Vor mir die Aussichtsplattform. Pogorzelce Wieża Widokowa. Oben spüre ich den Wind deutlich. Böig, aber auszuhalten.
    Ich lausche. Neben dem Wind: Vögel. Zwitschern. Rufe. Die Merlin-App meint: Bekassine. Dann höre ich es auch. Dieses meckernde Geräusch im Balzflug. Die Himmelsziege.
    Noch nie gehört. Noch nie gesehen. Ich freue mich.

    Zwei Stunden später: Immer wieder gehört. Noch immer nicht gesehen. Der Wind hilft nicht. Und dass ich nur auf einem Ohr höre, auch nicht. Ich versuche es mit dem Audiorekorder. Aus welcher Richtung kommt das Meckern? Ich gehe über die Plattform. Alle Ebenen. Lege mich sogar auf den Boden. Ich sehe Vögel. Oft zu weit weg. Aber keine Bekassine.

    Dann: Bisons.

    Ganz weit weg. Kaum zu erkennen. Un-fotografierbar. Ich mache trotzdem ein Foto. Als Beweis. Aber zum Wegwerfen. Zwei Stück. Wirklich. Ich versuche näher ranzukommen.
    Radle los. Um es kurz zu machen: Nö. Keine Bisons mehr. Nicht einmal Spuren.

    Gegen Mittag bin ich zurück im Camp. Unterkühlt. Und hungrig. Sehr hungrig. Ich mache Feuer. In Alter Bushcrafter-Manier: mit Feuerstahl und Messer. Der Zunder ist schlecht.
    Der Wind auch. Spiritus. Ein paar Spritzer. Das geht. Kurz. Am Ende doch das Feuerzeug. Ich bin eben ein Kind des 20. Jahrhunderts. Auf dem Feuer: eine polnische Wurst. Und die Polenta von gestern. Die Hälfte esse ich. Der Rest ist für morgen.

    10.04.2026

    07:30 Uhr. Wieder auf dem Rad. Diesmal mit Hänger. Verdammt kalt. Ich hoffe auf Sonne. Die Jacke liegt bei Pflaume. Fehler Nummer 1. Das große Tele auch. Fehler Nummer 2.

    Heute Slow-Fotografie mit Weitwinkel. Ich trete trotzdem schneller. Die Landschaft zieht vorbei.

    Eine Brücke. Ich halte. Der Verschluss klackt.

    Ein Stück weiter: wieder ein Turm. Ich gehe hoch. Auf halber Höhe sehe ich sie. Bisons!

    So nah war ich noch nie dran. Und ich habe kein Tele dabei. Nur das kleine. 200 mm. Reicht für nichts. Ich schraube es trotzdem drauf. Sie verschwinden zwischen Büschen.
    Ich warte. Sie kommen wieder raus. Etwas näher. Wieder zwei. Dieselben? Wahrscheinlich nicht. Ganz andere Richtung.

    Mann. Hätte ich doch nur…

    Ich bleibe stehen. Beobachte. Dann lass ich es. Bringt heute nichts. Morgen erwische ich euch besser. Ich fahre weiter. Das Wetter bleibt mau. Aber ich habe noch einen Spot im Kopf.

    Ein alter Bahnhof. Zaristische Eisenbahnromantik. Restaurant in alten Waggons. Man kann dort essen. Sogar schlafen. Ich bleibe draußen. Mache Fotos.
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  • Aushalten

    April 6 in Poland ⋅ 🌫 2 °C

    06.04.2026

    War eine „interessante“ Nacht. So interessant, dass ich frühmorgens einmal rund um Pflaume gehe, um nachzusehen. Alles noch am Platz. Auch Pflaume hat sich nicht bewegt. Gut. Zwei Leinen nachgespannt. Der Rest ist straff.

    Kann ich von mir nicht behaupten. Ich fühle mich zerknittert. Kaum geschlafen. In der Nacht klang es, als würde ich auf einer Landebahn liegen und die Flugzeuge direkt über mir durchstarten.

    Heute ist nichts mit draußen sitzen. 5 °C. Der Wind geht durch alles durch. Windchill. Bis auf die Knochen. Hell. Dunkel. Schauer. Wieder hell. Wechsel im Minutentakt. Und dazu dieses permanente Durchstarten. Immer wieder bewegt sich Pflaume. Beeindruckt von der Wucht der Böen.

    Ich gehe heute definitiv nicht in die Nähe des Waldes. Wald ist immer gefährlich bei Sturm. Dieser hier noch mehr. Ich will nicht wissen, wie viele Bäume heute Äste verloren haben. Oder sich gleich ganz hingelegt haben. Ich werde es sehen. Morgen. Übermorgen. Oder wann auch immer der Spuk vorbei ist.

    07.04.2026

    Letzte Nacht habe ich auf einem Flugzeugträger im Atlantik geschlafen. Definitiv. Ich schaue auf meine Wetter-App. Sie macht ihrem Namen alle Ehre: Windy. Für heute sind wieder Böen bis zu 80 km/h vorhergesagt. Später am Nachmittag.

    Ich überlege, ob ich das Dach zuklappen soll. Ich entscheide mich dagegen. Das muss es halten. Weiß ich. Denke ich. Hoffe ich. Ich habe ja noch bis Nachmittag Zeit.

    Am Vormittag entscheide ich mich fürs Faltrad. Ich muss raus. Das Wetter lässt es gerade zu. Spätestens ab 13:00 Uhr will ich wieder bei Pflaume sein. Dann setzen die Böen wieder ein. Meint Windy.
    Überall liegen die Überreste der letzten Nacht. Es ist deutlich kälter geworden. Vor zwei Tagen noch 15 Grad. Jetzt knapp über null. Radfahren hält mich warm. Wie muss ich jetzt weiter? Shit. Nicht schon wieder. Diesmal habe ich alles dabei. Wirklich alles. Bis auf mein Smartphone. Ich hasse es.

    Ich fahre hoch bis zum Eingangstor in den innersten Bereich des Białowieski Park Narodowy. Ab hier darf man nur noch mit Guide hinein. Ohne ist es strengstens verboten. Und heute bringt mich da wirklich nichts rein. Nicht zehn Pferde. Nicht fünf Elefanten. Und auch kein Bison. Obwohl … Ein Bison wäre schon gut.
    Vor ein paar Tagen habe ich zwei gesehen. Nur aus der Entfernung. Die Silhouette war eindeutig.

    Ich entscheide mich, einen Guide zu engagieren. Während draußen wieder die F-16 starten und landen, suche ich einen Kontakt. Ich schreibe ein Mail. ChatGPT übersetzt ins Polnische und Englische. Praktisch.
    Die Antwort kommt schnell. Ja – geht. Zeit klären wir noch. Yeah - Hoffnung!

    Bei Interesse: https://wildlifeguide.pl

    Am Abend fixiere ich die Guiding-Tour. Garantien gibt es keine. Aber die Chancen steigen. Bilde ich mir ein.

    Die Gedanken an die Bisons lassen mich ruhig einschlafen. Bis ich auf der Startrampe liege. Artemis II. Pflaume hebt gleichzeitig ab. Werde nervös. Doch zuklappen? Windy behauptet, dass es ab etwa 22:00 Uhr abflachen soll. Morgen nur noch Böen bis 50 km/h. Ich lass es.

    Und Morgen? 50kmh. Easy!
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  • Ostersonntag ist Ruhetag

    April 5 in Poland ⋅ ☁️ 16 °C

    04.04.2026 - Nachtrag

    Am Nachmittag frischt der Wind auf. Am Abend gibt's Regen. Ich muss alles sichern.

    Am Abend fährt ein Wohnmobil auf den Platz. Eine polnische Familie. Mutter mit zwei Kindern. Vermute ich. Man winkt sich ein Hallo zu. Das war’s. Schlicht. Einfach. Mehr braucht es nicht.

    05.04.2026

    Bin zeitig wach. Mache mir einen warmen Kaffee. Der Trangia Kocher ist genial. Bin froh diesen damals für meine Radreisen angeschafft zu haben. Einfach. Rudimentär. Funktional. Es ist frisch. Ich wärme mich am Kaffee.
    Merke gerade, wie froh ich bin, dass ich mich dazu entschlossen habe, das Roadbook Roadbook sein zu lassen. Werde weniger sehen. Weniger erleben. Und doch gewinne ich. Ich gewinne ein Innehalten. Ich gewinne Ruhe. Gelassenheit. Ein Verweilen im Moment.

    So kann Leben.

    Ich lese ein wenig. Dann beginne ich, Wäsche zu waschen. Mehr als fünf Shirts und etwas Unterwäsche ist noch nicht zusammengekommen. Ich nutze erstmals den Waschsack. Das funktioniert gut. Mit Aleppo-Seife. Alte Tradition. Passt. Die Wäsche wird länger brauchen, bis sie trocknet. Kein Schleudergang.
    Jetzt fehlt nur noch, dass ich sie am Fluss ausklopfe. Alles hängt. Bin zufrieden mit mir.

    So kann Leben.

    Ich sitze wieder im Stuhl und lese. ChoChoChoChO. Das kenne ich doch. Der Camper nebenan hat Startprobleme. Mache mich bemerkbar und frage, ob ich helfen kann. Die Frau spricht nur Polnisch. Der Sohn ein wenig Englisch. Ich biete Starthilfe an.
    Shit! Ich habe doch gerade alles aufgebaut. Hilft nichts. Wäsche wieder abgenommen. Markise eingerollt. Ein kurzer Blick in die Kabine – ob etwas herunterfallen könnte. Laptop verstaut. Passt. Ich fahre rüber. Klemme die Batterie an. Ein paar Minuten später läuft der Motor wieder.

    So kann Leben.

    Ich rücke das Faltpanel ein Stück weiter, für eine bessere Ausrichtung. Mehr als 160 Watt. Perfekt. Und trotzdem: irgendetwas passt nicht. Die Bordbatterie verliert weiter Strom.
    Obwohl die Sonne knallt. Ich schalte alles aus. Sogar die Heizung. Trotzdem geht mehr raus als rein. Ich verstehe es nicht. Dann plötzlich doch. Der Kippschalter. Irgendwann habe ich ihn umgelegt. Versehentlich.

    So kann Leben.

    Was gehört zu Camping dazu? Genau. Feuer. Ich suche mir ein paar Äste. Möglichst trocken und beginne zu Sägen. Habe den X-fire dabei. Der verträgt ca. 20cm lange Stücke. Wenn es klappt will ich grillen. Muss nur noch Würstchen, Fleisch kaufen. Am Ostersonntag schwierig. Mal schauen. Habe genug Holz. Auch das Anzündholz müsste Reichen. Lehne mich zufrieden zurück.

    So kann Leben.
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  • Bialowieza - Tour 1

    April 4 in Poland ⋅ 🌙 1 °C

    Wieder mal zwitschert mein Wecker sehr früh. Leises Ratschen des Reißverschlusses. Die Zeltbahn Richtung Süden öffnet sich. Wolken und Sonne. Genau wie erhofft. Perfektes Fotowetter.
    Ich rühre mir einen kalten Kaffee an und sammle mich. Langsam. Überprüfen, was ich mitnehmen will. Alles in den Hänger packen.
    Und ja – auch diesmal muss ich noch zweimal umdrehen.
    Und ja – auch diesmal habe ich etwas vergessen.

    Am Vorabend habe ich mir eine Route erstellt. Diese Fahrt dient primär dem Kennenlernen der Gegebenheiten vor Ort. Zunächst geht es Richtung Norden. Raureif liegt über dem Land. Um die Null Grad. Es läuft. Bis es rumst und ich einen umgekippten Hänger hinter mir her schleife. Ich muss vorsichtiger fahren. Darf nicht so über schräge Kanten fahren!

    Eine Gruppe Jogger kommt mir entgegen. Ansonsten treffe ich keine Menschen. Am Ortsrand: kläffende Hunde. Überall. Um halb sieben Uhr morgens. Einer verfolgt mich ein Stück. Das nervt. Denn ich will nicht auffallen.
    Will beobachten und dokumentieren, aber nicht das Zentrum der Aufmerksamkeit sein.

    In einem Bogen komme ich im Osten der Stadt an. Brücke. Aussichtsturm. Beides gefunden. Die Stimmung ist herrlich. Bis sich die Sonne hinter einer dicken Wolkenbank versteckt. Dann wird es schnell trist. Fotografisch nicht optimal. Aber diese akustische Kulisse!! Ich lausche. Typisch: meinen Audio-Rekorder vergessen!

    Die Route führt mich vom Ort weg in den Wald. Waldameisen. Ein Haufen. Noch einer. Mehr. Innerhalb kurzer Strecke mehrere Nester. Es wuselt. Trotz drei Grad.

    Ich komme immer tiefer in den Wald. Die Sonne ist immer noch verschwunden. Es ist düsterer als ich dachte. Dann lockert der Wald auf. Es wird nass und sumpfig. Die Bäche und Flüsse dürfen hier mäandern, über die Ufer treten und Raum einnehmen. Nicht wie bei uns. Das Bächlein hier hat eine Breite von Maximal 5 Metern. Gelassen hat man ihm etwa 50 und mehr. Ich bin mir sicher, ab und an wird es diesen auch brauchen. Das ist Natur- und Hochwasserschutz. Nicht gebaut. Zugelassen.

    Ich bin im Kerngebiet angekommen. Ab hier dürfen die Wege nicht mehr verlassen werden. Zeit, kurz innezuhalten. Etwas sitzen, Nüsse knabbern. Lauschen. Einfach sein.

    Ich atme tief ein.
    Und wieder aus.

    Ruhe. Frieden. Dann ein Geräusch. Es gehört nicht hierher. Ich brauche einen Moment, um es zuzuordnen. Ein Fahrzeug. Von rechts. Direkt auf mich zu. Militärpolizei. Schluss mit Ruhe. Aus mit Frieden. "Dobre!" Ich werde kontrolliert. Freundlich und bestimmt.

    Ein Kilometer weiter: überfluteter Auwald. Ich bleibe stehen. Das Wasser. Überall. Weiter unten wird gestaut. Natürlich. Hier steht das Wasser nicht nur. Es bleibt. Wochenlang, vermutlich. Die Sonne bricht sich wieder Bahn und überall schimmert, strahlt und Glitzert es. Ich setze mich auf meinen Hänger. Schaue. Lausche. Genieße.

    Zeit zurück zu kehren. Seit knapp vier Stunden unterwegs. Ich komme mit dem Hänger langsam voran. Muss nicht schneller. Doch jetzt wird es mühsam. Tiefer sandiger Boden prägt diesen Abschnitt. Ich entscheide mich zu schieben.

    Bisher keine Spuren von größerem Wild. Alte Losung. Nichts Frisches. Keine klaren Wechsel. Kein Ort, der danach aussieht, als würde hier regelmäßig etwas passieren. Wenn sich das nicht ändert, bleibt nur eines: Ansitzen. Auf gut Glück.

    Gegen 14:00 Uhr bin ich zurück. Erschöpft. Und zufrieden. Ich mache mir eine kräftige Suppe. Lasse den Tag ausklingen. Passt!
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  • Geschafft

    April 3 in Poland ⋅ ⛅ 13 °C

    Ich wollte schon fast aufgeben, noch zwei, drei Spots anfahren und dann weiterziehen. Doch dafür bin ich nicht hier.

    Also: Wie weiter?

    Heute in der Früh habe ich einen Entschluss gefasst. Ich schreibe ein Mail an die Gemeinde. Mit der Bitte um eine Lösung.

    Um 13:40 Uhr kommt die Antwort. Die erlösende.

    Ich stehe jetzt alleine auf einem Campingplatz, der gerade nach dem Winter instand gesetzt wird. Eigentlich noch geschlossen. Ende April, Anfang Mai sollen hier wieder Gäste kommen.

    Klar, es wird gehämmert, geschraubt und gebohrt.
    Klar, es sieht etwas wild aus.
    Klar, sind die Sanitäranlagen schmutzig und die gesamte Anlage noch ohne Strom.

    Denn für mich hat der Besitzer aufgemacht. Kaltwasser geht. Sonst nichts. Ich nehme es. Dusche auch kalt, wenn es sein muss.

    Ha. Geschafft.

    Zum ersten Mal seit Tagen kann ich die seitliche Markise wieder ausrollen. Ich sitze darunter in meinem Stuhl. Einfach sitzen. In der Sonne. Das reicht gerade.

    Ha.

    Heute Abend gehe ich zur Feier des Tages in ein Restaurant. Vielleicht gönne ich mir auch eine Zigarre. Ob es welche hier gibt? Na ja. Egal.

    Und morgen früh versuche ich es im südlichen Teil. Ein paar Fotos. Vielleicht

    Ha!
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  • Rezerwat Pokazowy Żubrów

    April 2 in Poland ⋅ ☁️ 14 °C

    Ich bin mit Pflaume wieder in Białowieża. Genauer: am Bisongehege. Ich war auch gestern schon drinnen. Leider hat es mich eher traurig gestimmt. Meiner Ansicht nach gibt es deutlich bessere Orte.

    Ich hatte eigentlich gedacht, dass das hier stärker dem Bisonschutz und dem Arterhalt dient. Draußen große Plakate mit WWF, dazu allerlei Informationen. Drinnen habe ich einen Wolf gesehen, der auf mich verhaltensauffällig wirkte, und auch eine Hirschkuh, die sich ähnlich verhielt. Die Elche wirkten eher gleichgültig. Die Bisons standen weiter weg. Und die Pferde waren Konik-Ponys – die kommen hier in der Gegend ohnehin halbwild vor.

    Ich bin derzeit etwas ratlos, denn auch hier kann ich längstens bis kurz nach Mittag stehen bleiben. Länger will ich ohnehin nicht bleiben. Dazu deprimiert mich das nahe Gehege zu sehr. Gleichzeitig finde ich nur Plätze, an denen man maximal 24 Stunden stehen darf, oder Campingplätze deutlich außerhalb der Region. Die Campingplätze in und rund um Białowieża öffnen frühestens im Mai. Dann bliebe mir wieder nur ein Zimmer zu nehmen.

    Es ist frustrierend.

    Egal wen oder wo ich anfrage – telefonisch oder per Mail – es kommen immer dieselben Antworten. Was soll ich mit einem Platz, den ich am nächsten Morgen wieder verlassen muss? Ich will die Gegend erkunden. Schauen, was es zu entdecken gibt. Auch einmal zwei bis fünf Tage an einem Ort bleiben können.

    Als ich gestern rund um Białowieża gefahren bin und ein paar Seitengassen genommen habe, habe ich Wege gefunden, die ich gerne erkunden würde. Frühmorgens. Doch genau das ist mir so verwehrt.

    Ja – gut. Heute hätte ich gekonnt. Shit.

    Ich muss meinen Zugang dazu ändern. Mir eine andere Strategie einfallen lassen. Vielleicht einfach darauf ankommen lassen und mich irgendwo für mehrere Tage hinstellen. Aber ich kann dort dann weder draußen sitzen noch irgendetwas tun. Und an solchen Plätzen kontrollieren anscheinend regelmäßig Grenzpolizei und Militär.

    Vielleicht einfach draufscheißen?

    Das bin ich eigentlich nicht. Ich versuche normalerweise, die Gepflogenheiten in der Gegend, in der ich bin, zu respektieren und zu befolgen. Weil ich Gast bin. Doch hier wird es mir schwer gemacht. Es bräuchte hier dringend jemanden, der dafür sorgt, dass es im Ort die Möglichkeit des ganzjährigen Campierens gibt. Der Ort hätte Potenzial. Absolut. Genauso wie rund um die Biebrza.

    Doch so …

    Was tun?

    Ich werde heute noch einmal den Ort wechseln. Weg von diesem Gefängnis hier. Ich schwanke zwischen einem Platz tiefer im Wald – näher an der Grenze zu Belarus, mit entsprechend mehr Polizei auch tief in der Nacht – oder einem Ort näher am Fluss, zugänglicher, offener - für Alle und Jeden.

    Und ich ringe noch mit der Option, mich über die 24-Stunden-Regel hinwegzusetzen.
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  • Pflaume lebt

    April 1 in Poland ⋅ ⛅ 13 °C

    Ganz kurz: Pflaume lebt und ruht sich nach all der Aufregung bis morgen noch auf dem Hotelparkplatz aus.

    Habe Pflaume gerade geholt und es war - tatatataaaaaa - ein Kabelbruch und ein stark oxidierter Pin eines Steckers. Hat mich alles zusammen (inklusive ikea-män) knappe 500 EUR gekostet. Wenn das so weitergeht schaffe ich es zwar bis ins Donaudelta, aber retour wird schwierig.

    Hinweis:
    Sollten diesen Post also meine werten Arbeitskolleg(inn)en (allen voran Mathias), die mich soo tapfer unter Aufbietung all ihrer Professionalität und Gelassenheit vertreten, das zufällig lesen, so kann man mir per Paypal gerne was zukommen lassen, damit ich eine rechtzeitige Rückkehr garantieren kann!

    Vorerst muss ich mich noch um eine kleine Geste kümmern für die Damen von der Touristinfo ...
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  • Bialystok - die Geschichte einer Huckepackreise

    March 31 in Poland ⋅ ☁️ 9 °C

    Ich bin in Białystok. In einem Hotel. Pflaume steht ein paar hundert Meter weiter in einer Ford-Werkstatt.

    Es scheint, dass der Mechaniker, den mir die nette Dame von der Touristinfo besorgt hatte – sagen wir mal – eher kreativ freischaffend als Mechaniker tätig ist. Sein eigentlicher Brotberuf: Schichtarbeiter bei IKEA.

    Das erklärt einiges. Zum Beispiel, warum es ein bisschen gedauert hat, bis er Zeit hatte. Warum er zwar mit durchaus professionell anmutendem Equipment auftauchte, insgesamt aber eher dürftig ausgestattet war. Warum er sich Werkzeug – bis hin zum Akkubohrer – von mir ausleihen musste. Und möglicherweise erklärt es auch, warum er zwar wusste, wie der Sensor zu tauschen ist, danach aber nicht mehr weiter wusste. Oder warum er zwischendurch im Auto saß und YouTube-Videos ansah. Oder warum er keine Rechnung stellen wollte und das bis dahin Geleistete gerne bar bezahlt haben wollte.

    Möglicherweise hängt das alles zusammen. Möglicherweise auch nicht.

    Jedenfalls teilte ich ihm gestern Abend mit, dass ich heute abschleppen lasse. Schutzbrief habe ich ja. Gottseidank. Allerdings scheine ich etwas abseits der üblichen Wege zu stehen. Mitten in einem der wildesten Wälder Europas. Gegen Mittag erst kommt ein Abschleppwagen auf den Parkplatz. Zwei Männer steigen aus. Tatkräftig. Zielgerichtet.

    Erste Maßnahme: Batterie laden.

    Ich halte ihnen mehrmals mein Tablet unter die Nase. Alles übersetzt. Alles erklärt. Sauber vorbereitet. Keine Wirkung. Mit wissender Miene und einem Grinsen beginnen sie, Starthilfe zu geben. "ChoChoCho". Nichts. Noch einmal. "ChoChoCho". Nichts.

    Erst dann schauen sie auf das Tablet.

    In solchen Momenten fällt mir auf, wie es vielen Frauen tagtäglich geht. Zu Hause. Bei der Arbeit. Überall dort, wo dieses stille Einverständnis herrscht, dass schon der Mann wissen wird, was er tut. Dieses Auftreten. Dieses Selbstverständnis. Dieses „ich mach das“. Ich kenne das ja selbst. Denn was Fahrzeuge angeht, bin ich auch nicht viel mehr als wissend nickend überfordert. Ich stehe daneben, nicke, tue so, als würde ich verstehen – und hoffe, dass es schon irgendwie passen wird. Dann ertappe ich mich dabei, dass ich genau dieses Verhalten mittrage. Dieses Nicht-Hinterfragen. Dieses Abnicken. Dieses "Männer machen. Männer wissen. Männer haben das im Griff." Und wenn es nicht funktioniert, wird es noch einmal probiert. "ChoChoCho". Es wird beraten, gerüttelt, diskutiert. Und schließlich verkündet, dass man mich nach Białystok zu einem Fordhändler bringen wird.

    Hätten sie das Tablet gelesen – ganz unten hätte genau das gestanden. Aber gut.

    Kaum ist diese Erkenntnis gefallen, zeigt sich, dass es ein eingespieltes Team ist. Innerhalb von zwanzig Minuten ist alles erledigt. Abfahrbereit.

    Ich verabschiede mich von der Touristinfo. Die Damen waren die letzten Tage bemerkenswert bemüht. So sehr, dass ich es dort wohl noch länger ausgehalten hätte. Sogar eine Dusche wurde mir angeboten. Ich habe dankend abgelehnt. Sicherheitshalber.

    Jetzt bin ich hier. Im Hotel. Und hoffe darauf, dass diesmal tatsächlich jemand weiß, was er tut.
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  • Insel

    March 29 in Poland ⋅ ☁️ 10 °C

    Mein Leben hat sich verlangsamt, seit ich hier gestrandet bin. Wesentlich.
    Und irgendwie fühlt sich das seltsam an.

    Ich bin an diesen Ort gebunden. Relativ zumindest.
    Hundert Meter weiter gibt es eine Bushaltestelle. Am Wochenende fährt zweimal am Tag ein Bus. Kurz vor acht kannst du in die nächstgelegene Stadt fahren. Um halb fünf kommt er wieder zurück. Wochentags etwas häufiger.

    Das war es dann auch schon mit der Verbindung zur Außenwelt.
    Białowieża liegt etwa acht Kilometer entfernt. Die nächste Stadt, Hajnówka, zehn.
    Nicht weit. Und doch weit genug. Gab es da nicht einmal einen Film mit Tom Hanks und einem Flughafenterminal?

    Heute Vormittag bin ich losgegangen. Mit dem Ziel, Fotos zu machen.
    Am Ende waren es vielleicht sechs Kilometer. Sicher nicht mehr. Ich war fast fünf Stunden unterwegs. Sechs Kilometer in fünf Stunden. Das sagt eigentlich schon alles.

    Der Wald wird hier nicht aufgeräumt. Nur die Wege werden freigehalten. Alles andere bleibt liegen. Sobald du den Weg verlässt, wird es mühsam. Umwege. Umgestürzte Bäume. Sackgassen. Bücken. Ausweichen. Hängen bleiben. Du gehst, bleibst stehen, gehst zurück, suchst einen anderen Zugang.

    Für ein Foto.

    Ziel heute war es, den Kontrast zwischen Verfall und Frühling darzustellen. Mal schauen, ob es mir gelungen ist.

    Ich bin auch auf einen Rehbock gestoßen. Der erste, den ich hier sehe. Haben die Wölfe wohl noch nicht alle erwischt.
    Das war bei einer Futterstelle – ich vermute für Wisente. Mitten auf einer Freifläche steht ein offenes Gebäude, vollgepackt mit Streu und Heu. Ich bin nicht näher hingegangen. Wollte keine Tiere vertreiben, die vielleicht im dahinterliegenden Dickicht stehen.

    Den Rehbock habe ich dankbar angenommen.

    Er äste im offenen Feld. Und ich habe mein Tele nicht dabei.
    Nun ja. Gefilmt mit dem 150 mm auf MFT ging es auch. Eher dokumentarisch. Aber immerhin.

    Ein polnischer Rehbock.

    Ich glaube, es hat sich heute gelohnt.
    Ich bin gerade dabei, die Fotos zu sichern.

    Nachtrag 1:
    Ich konnte einen Marienkäfer auf meiner Fototasche beobachten. Das habe ich aufgenommen.
    Er soll Glück bringen. Dir. Mir. Allen.

    Nachtrag 2:
    Das Internet hier ist durchwachsen. Ich kämpfe gerade damit, den Film mit dem Marienkäfer hochzuladen. Aber immerhin: Ich habe Internet. Dafür bin ich dankbar.
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  • Warteschleife

    March 28 in Poland ⋅ ☁️ 9 °C

    Der Mechaniker war da. Er ist auch wieder weg. Der Sensor wurde eingebaut. Doch – es funktioniert immer noch nicht. Diesmal ein anderer Fehler.

    Alles in allem waren wir gute drei Stunden dran. Er weiß derzeit nicht, was es sein könnte. Ich schon gar nicht. Es bleibt mir nur zu warten und zu hoffen, dass ab Montag der Motor wieder läuft.

    Den ganzen Tag fuhren Autos auf den Parkplatz. Manche stiegen auch aus. Ein Paar wechselte die Schuhe und zog dann los Richtung Wald. Sie kamen erst vor ein paar Minuten wieder zurück. Alle anderen hielten kurz und fuhren wieder weiter.

    Warteschleife.

    Es geht noch. Ich bin noch guter Dinge – doch wie lange noch?

    Die nächste Fordwerkstatt ist gut 80 Kilometer entfernt. Sollte er es am Montag nicht hinbekommen, lasse ich mich dorthin abschleppen. Ich hoffe, dass sie mir dort weiterhelfen können.

    Warteschleife.

    Aktuell kann ich damit noch umgehen. Ich kann mich ausreichend selbst beschäftigen. Es geht alles recht gemächlich. Kein Zeitdruck. Kein „das muss ich jetzt noch schaffen“ oder „das noch erledigen“. Vielleicht ist es genau das, was mir gerade guttut.

    Gestrandet auf einem Parkplatz mitten im Naturschutzgebiet. Mehrere Kilometer entfernt von jeglicher Zivilisation.

    Warteschleife.

    Ab und an sogar so etwas wie Naturgefühl. Bis der nächste Militärlaster vorbeifährt. Oder der nächste PKW. Dazwischen Vogelgezwitscher, Blätterrauschen, das Tippen auf meiner Tastatur.

    LKWs. Diesmal ein Konvoi.

    Einmal sogar zwei Radfahrer. Hier eher ein seltener Anblick.

    Warteschleife.

    Ich sitze hier mit einer Decke um die Schultern. Tagsüber hatte es noch 15 Grad, jetzt sind es wieder unter zehn. Der Tee dampft. Heute Morgen hat auch mein Atem gedampft.

    Ich höre das übliche Vogelgezwitscher in der Dämmerung. Die Sonne ist schon hinter den Bäumen verschwunden. Es wird bald dunkel.

    Dann geht es wieder rein in die Kabine.

    Warteschleife.

    Morgen plane ich eine längere Wanderung. Diesmal mit Weitwinkel und der Pentax, Stativ und der OM-1 mit dem 10–150 für Details. Das könnte interessant werden. So hoffe ich.
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  • verlorener Tag?

    March 27 in Poland ⋅ ☁️ 12 °C

    Am Anfang jedes Eintrages bei Find Penguin steht die Frage: „Was hast du so gemacht?“

    Bezogen auf den gestrigen Tag müsste ich normalerweise sagen: Nichts.

    Ich war auch kurz davor, dieses Nichts gelten zu lassen und einfach keinen Eintrag zu machen – wie schon vor ein paar Tagen. Doch dieses Nichts ist nicht korrekt. Dieses Nichts stimmt überhaupt nicht. Komisch. Ich habe gestern einiges gemacht.

    Nichts Besonderes?

    Auch das ist nicht korrekt. Was ist denn schon besonders? Um meine Fragezeichen aufzuklären, schreibe ich einfach mal auf, was ich gemacht habe. Ein paar Dinge lasse ich aus – eher privater Natur, hier haben sie keinen Platz.

    Ich bin relativ früh aufgewacht. Generell war es eine unruhige Nacht. Ich befinde mich in Grenznähe zu Belarus. Die ganze Nacht fuhren Militärfahrzeuge vorbei. Ich habe sie nicht gesehen, aber am Geräusch war es eindeutig. Kaum eine ruhige Minute, in der dieses Brumm-Rauschen nicht zu hören war, während gleichzeitig Licht- und Schattenspiele über den Zeltstoff wanderten. Gerade schon wieder. Hätte ich nicht damit gerechnet, ich würde vermutlich deutlich nervöser reagieren.
    Ich schälte mich also aus meinem Bett und kletterte in die untere „Etage“. Was tun? Ich habe ja noch Zeit bis neun Uhr. Dann soll der Mechaniker kommen – mit dem bestellten Teil. Wenn alles passt, bin ich ab Mittag wieder unterwegs.

    Gestern Abend bin ich in die eine Richtung gegangen. Also heute früh in die andere. Fotosachen zusammengesucht: das 600er Tele, Equipment für Tonaufnahmen, auch die Insta kommt mit. Doch zuerst meine Ferse auf Belastbarkeit prüfen. Müsste gehen. Noch etwas Diclofenac drauf. Los geht’s.

    Dieser Wald ist komplett anders als der an der Moose Road. Viel wilder. Es gibt offizielle Wege, auch Straßen führen hindurch – und trotzdem wirkt er ursprünglicher, chaotischer. Je tiefer ich hineingehe, desto wilder wird es. Einige der angelegten Wege sind inzwischen nicht mehr begehbar. Zu viele umgestürzte Bäume, die alles blockieren.
    Kurze Pause. Blick aufs Smartphone. Noch in der Zeit. Verlaufen habe ich mich auch noch nicht. Hier merke ich: Jetzt bin ich wirklich im Wald angekommen. Ich lasse den Blick schweifen und treibe gedanklich vor mich hin.

    Da lässt mich ein seltsames Geräusch aufhorchen. Irgendwo ein Zwischending aus Knurren, Scharren und Schnaufen. Alles gleichzeitig. Vorsichtig sehe ich mich um. Weder Wisente noch Elche sind ungefährlich. Respekt ist angebracht. Ich kann jedoch nichts erkennen und entspanne mich wieder.

    Kurze Zeit später – erneut diese Geräuschkombination. Diesmal eindeutig. Shit. Ich verlängere mein Monopod, um im Zweifel reagieren zu können. Schaue mich um. Nichts. Keine Bewegung.

    Da – wieder. Es kommt aus einer dicht stehenden Baumgruppe vor mir. Mit Abstand gehe ich leicht seitlich, um dahinter sehen zu können. Ich denke, ich kann ausschließen, dass dort etwas ist.

    Doch was ist das?

    Ich gehe näher.

    Da – wieder! Aber diesmal … eher von oben. Ich blicke hoch und erkenne die Ursache: Der Wind hat aufgefrischt. Die Bäume stehen hier so eng, dass sie bei stärkeren Böen aneinanderreiben – und genau dieses Geräusch entsteht.

    Einerseits bin ich erleichtert. Kein wildes Tier, das es auf mich abgesehen hat. Andererseits bin ich ab jetzt deutlich vorsichtiger. Ich habe einmal gehört, dass mehr Menschen durch Bäume sterben als durch Tiere. Und ich sehe: In den Baumwipfeln ist ordentlich Bewegung. Am Boden kommt davon kaum etwas an.

    Es ist ohnehin Zeit zur Umkehr. Also doppelt vorsichtig zurück – und soweit möglich Abstand zu hohen Bäumen mit toten Ästen halten.

    Als ich zurückkomme, ist es kurz vor neun. Ich war etwa zweieinhalb Stunden unterwegs.

    Habe ich danach noch etwas getan? Klar. Aber war es besonders? Nein. Ich habe nichts besichtigt, konnte kaum etwas fotografieren. Ich sah weder Elche noch Wisente. Dennoch war die Zeit nicht vertan und auch nicht nichts.

    Später halte ich noch einen Schwatz mit der netten Dame, die sich um einen Mechaniker kümmert und mir mitteilt, dass es heute doch nichts mehr wird. Naja – wie war das noch einmal mit „shit happens“? Ich lasse mich nicht drausbringen. Ich lache mit ihr, sie lädt mich auf einen Kaffee in ihr Büro ein. Sie erklärt mir, was sie zu tun hat. Gegen 16:00 Uhr geht sie nach Hause.

    Ich mache mir etwas zu essen und gehe noch einmal eine kurze Runde. Die drei Stunden vom Vormittag spüre ich wieder an der Achillessehne. Ich gehe früh schlafen und sehe noch ein paar Videos.

    Das war es.

    Was habe ich getan? Nicht nichts. Genug für mich.
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  • Shit happens ... aber dann so richtig!

    March 26 in Poland ⋅ ☁️ 7 °C

    Gestern war noch REHA angesagt. Was heißt das bei der Achillessehne? Genau: faul herumliegen, leichte kreisende Bewegungen, immer wieder kühlen und ein schmerzlinderndes Gel auftragen.

    Wie und warum das passiert ist – ich kann nur vermuten. Aber es war schmerzhaft.

    Umso mehr bin ich heute froh, dass ich sofort reagiert habe. Aktuell bin ich größtenteils schmerzfrei. Ich hoffe, das bleibt so.
    Das hat mich aber zurückgeworfen. Nicht nur in Tagen oder finanziell, sondern auch in Erlebnissen.

    Dafür hatte ich heute ausreichend davon. Wenn du jetzt annimmst, dass ich Wisente gesehen habe, durch den Urwald bei Białowieża geschlichen bin und auf die Verursacher der riesigen Kackhaufen aus dem letzten Bericht gestoßen bin, dann muss ich dich enttäuschen …

    Nö. Ich hatte Erlebnisse ganz anderer Art.

    Doch von Anfang an:

    Ich musste meinen Aufenthalt natürlich um einen Tag verlängern. Nochmals sechzig Euro, die nicht eingeplant waren.

    Aber gut. „Egal“, um einen großen deutschen Intellektuellen zu zitieren.

    Ich bin aufgestanden. Zeitig. Ich habe alles zusammengepackt, nachdem ich festgestellt hatte, dass ich den Fuß wieder belasten kann.
    Alles runtergetragen und wieder an seinen Platz geschlichtet. Noch einmal kontrolliert. Den Müll vor dem Haus entsorgt. Mich vom Vater des Vermieters verabschiedet. Ich bin eingestiegen, habe den Schlüssel gedreht – und zu hören war nur ein angestrengtes:

    CHOCHOCHOCHOCHO.

    Mehr nicht. Noch einmal: "chochochochooochoooo". Schluss.

    Shit. Das war mir vor drei Tagen schon einmal passiert. Ich war nach meiner Fototour einkaufen gewesen. Hatte mir auch zwei typische polnische Leckerbissen geholt – so halbfertiges Zeug mit Pilzen und Kraut. Setze mich in den Ranger, drehe den Schlüssel: "CHOCHOCHOCHOCHO". Mehrmals.

    NEIN! Nicht wirklich. Warum mir? Und warum jetzt? Ich rief den Pannendienst in Wien.
    Ich hatte ja vorgesorgt. Mir war vor der Abfahrt klar: Das Einzige, was ich technisch sicher hinbekomme, ist eine Glühbirne einzudrehen. Und das hier ist ein anderes Kaliber. Also: ÖAMTC-Schutzbrief.
    Ich erklärte der Dame am Telefon mein Problem. Sie sicherte mir unverzügliche Hilfe zu.

    Während ich wartete, kam ich auf die glorreiche Idee, es noch einmal zu versuchen. Was soll ich sagen – der Wagen sprang beim ersten Versuch an. Kein CHOCHOCHO. Er nagelte, wie er sollte. Ich rief nochmals in Wien an und bestellte den Pannendienst wieder ab. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

    Heute Morgen lief der Wagen zwar wieder. Doch dann funktionierte plötzlich der rechte Fensterheber nicht mehr. Kurz darauf leuchtete die ESP-Warnung auf –
    dafür ging der Fensterheber wieder. Hä?

    Tja. Ich stehe gerade mit Pflaume vor der Verwaltung des Nationalparks von Białowieża. Seit etwa 13:00 Uhr. Und komme keinen Millimeter mehr weiter. Der Motor ist wieder chochocho-heiser.

    Kurz bevor ich hier ankam, wurde ich – das erste Mal seit über zwanzig Jahren – ein wenig zu schnell erwischt. 100 Złoty. (Und ja: da sprang der Motor natürlich sofort wieder an.)
    Ich bin etwa zehn Kilometer von der nächsten Werkstatt entfernt. Der Mechaniker meinte, er würde morgen vorbeischauen. Wenn es das ist, was er vermutet, könnte es länger dauern. Das Teil hat er nicht lagernd.

    Na bumm. Shit happens … aber dann so richtig.
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  • Elchwald

    March 23 in Poland ⋅ ☁️ 12 °C

    Vormittags war ich einkaufen. Muss ja auch mal sein. Nachmittags stand mir der Sinn nach Elch.

    Daher war klar, dass ich den Straßenabschnitt und den Wald drumherum aufsuchen will, der unter Einheimischen „Łosiowa Droga“ genannt wird. Unter Fotografen auch als „Moose Road“ bekannt. In der Hoffnung, dass ich dort sowas antreffe wie auf dem Foto. Ich habe meine Phantasien der KI übergeben und sie gebeten, mir ein Bild zu erstellen – das kam dabei raus. Was sagt das jetzt über mich aus?

    Nun ja. Ich sah einen stark forstwirtschaftlich genutzten Wald. Teilweise sehr aufgeräumt. Mit einigen durch schwere Maschinen zerfurchten Wegen.
    Ich sah einen endlosen, über zwei Meter hohen Zaun mitten im Wald. Auf der anderen Seite gewaltige Kackhaufen, die auch einen Elefanten stolz gemacht hätten.
    Ich sah fein säuberlich getrennt Kiefern, Erlen, Birken. Vor allem unter den Kiefern wuchs so gut wie nichts. Es war trocken. Staubig.
    Ich hörte kaum Vögel. Es war fast still. Ich sah einzig Meisen. Und ja – ich sah so viele Zitronenfalter wie schon lange nicht mehr.

    Sobald ich den Niederungen näher kam, änderte sich das Bild drastisch. Der Boden wurde fett und tief. Es wurde unordentlicher. Ich sah keine 50 Meter mehr weit. Es roch. Es zwitscherte. Es schnatterte. Und dann stand ich unverhofft vor dem Fluss. Ja. Besser.

    Ich habe heute eine wichtige Lektion gelernt: Nur weil Nationalpark draufsteht, ist nicht zwingend kompromissloser Naturschutz drinnen.

    Nachtrag 1: Elch gesehen? Nein. Wie auch – der sieht mich aus zwei Kilometern kommen. Was allerdings auf der anderen Seite des Zauns wohnt, habe ich nicht ergründen wollen. Ich bin ja nicht lebensmüde.

    Nachtrag 2: Ich habe kaum Fotos gemacht. Drum die KI.

    Nachtrag 3: Heute (24.03.2026) blieb ich den ganzen Tag ruhig. Ich habe mir wohl den Ansatz der Achillessehne entzündet oder sowas. Habe jedenfalls nichts Besonderes gemacht.
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  • Tanz der Kraniche

    March 22 in Poland ⋅ ☀️ -3 °C

    22.03.2026

    Noch vor sechs Uhr unterwegs. Scheiben gefroren.

    Am Parkplatz hole ich das Faltrad raus, um die zwei Kilometer bis zum Spot schneller zu schaffen. Außerdem bin ich damit im Gebiet beweglicher. Ich war ja schon einmal hier. Heute will ich gezielt an Plätzen ansitzen, die ich für geeignet halte.

    Ich suche mir einen Platz mit Blick in die Fläche, bei der ich aber durch vorhandenes Gebüsch doch noch Deckung habe. Ziel wären Limikolen – idealerweise Kampfläufer in der Balz – oder Kraniche.

    Beides ist aktuell nicht ganz einfach. Die passenden Stellen zu finden ist das eine, dass die Vögel sie zur gleichen Zeit nutzen, etwas anderes. Viel basiert auf Einschätzung, ein Teil bleibt Zufall. Mit Planbarkeit hat das wenig zu tun.

    Nebenbei habe ich versucht, das Ganze auch filmisch festzuhalten. Ein kleines Amateurvideo ist entstanden. Technisch eher durchschnittlich, aber es hat Spaß gemacht.
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