Abflug
Mar 20–21 in Switzerland ⋅ 🌙 1 °C
4 Uhr morgens. Der Wecker brüllt wie ein beleidigter Pavian – und ich? Ich ergieße mich aus dem Bett wie lauwarmer Pudding aus ’ner umgekippten Schüssel.
Milou, der fellige Weckautomat auf vier Pfoten, startet sofort die Standard-Sirene: „Miau! Miau! Weltuntergang! Futtermangel! Sofortmaßnahmen erforderlich!“
Naya stimmt natürlich direkt mit ein – Doppelkonzert, Kategorie Drama.
Als hätten die beiden in den letzten 364 Tagen je erlebt, dass der Napf leer bleibt. Drama-Level: olympisch.
Ich schlurfe in die Küche – Augen im Nachtmodus, Beine auf Sparflamme, optisch irgendwo zwischen Zombie und Waschbär auf Drogen, aber gut… Prioritäten.
Während ich Dosen aufreiße und Trockenfutter wie Konfetti verteile, starren mich zwei Paar gelbe LED-Scheinwerfer an:
„Das reicht nicht. Wo ist der Kaviar-Anteil? Wo die Trüffelnote? Betrug!“
Koffer und Rucksack stehen im Flur wie zwei stumme Bodyguards, bereit für den Abflug.
Die Katzen checken die Lage in 0,2 Sekunden. Schwanz auf Halbmast, Schnurrhaare im Katastrophenmodus.
Sie weben Achten um meine Waden – die flauschige Version von: „Bleib. Sofort. Oder wir eskalieren.“
Ich hocke mich hin, kraule vier samtige Ohren und murmle:
„Ihr zwei, ich bin in drei Wochen wieder da. Keine Panikorgien, keine Sofazerstörung, keine YouTube-Tutorials, wie man Dosen mit Karate öffnet, okay?“
Naya schaut beleidigt, Milou wie ein kleiner pelziger Endzeitprophet:
„Drei Wochen = ewige Finsternis. Wir regeln das hier jetzt selbst.“
5:45 Uhr. Der Zug gleitet ein wie ein schlaftrunkener silberner Wal.
Und – oh Wunder – er ist leer.
Kein Mensch, kein Handylautsprecher, kein Kinderwagen-Rolli-Konzert. Nur ich, mein Kaffee-Thermos und das leise Summen der Neonröhren.
Für einen Moment fühlt sich die Welt an, als hätte sie beschlossen, einfach mal still zu sein.
Ich lasse mich auf den Sitz fallen wie ein nasser Sack Glück und denke:
„Vielleicht überlebe ich diesen Tag ohne Koffein-Notaufnahme.“
Türen schließen.
Abfahrt.
Und irgendwo in Avenches sitzen gerade zwei samtpfotige Tyrannen und planen vermutlich schon sehr konkret die Revolution für die nächsten drei Wochen.Read more



