• Phoenix-on-Tour
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Karibi ahoi!

In ein paar Tagen segle ich dahin, wo der Kalender keine Termine mehr kennt.
Ich freue mich auf genau die Art von Freiheit, die man nicht planen kann 🌊
Wenn du spüren willst, wie sich das wirklich anfühlt – komm mit in den Blog.“
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  • Trip start
    March 20, 2026

    Abflug

    Mar 20–21 in Switzerland ⋅ 🌙 1 °C

    4 Uhr morgens. Der Wecker brüllt wie ein beleidigter Pavian – und ich? Ich ergieße mich aus dem Bett wie lauwarmer Pudding aus ’ner umgekippten Schüssel.

    Milou, der fellige Weckautomat auf vier Pfoten, startet sofort die Standard-Sirene: „Miau! Miau! Weltuntergang! Futtermangel! Sofortmaßnahmen erforderlich!“
    Naya stimmt natürlich direkt mit ein – Doppelkonzert, Kategorie Drama.
    Als hätten die beiden in den letzten 364 Tagen je erlebt, dass der Napf leer bleibt. Drama-Level: olympisch.

    Ich schlurfe in die Küche – Augen im Nachtmodus, Beine auf Sparflamme, optisch irgendwo zwischen Zombie und Waschbär auf Drogen, aber gut… Prioritäten.
    Während ich Dosen aufreiße und Trockenfutter wie Konfetti verteile, starren mich zwei Paar gelbe LED-Scheinwerfer an:
    „Das reicht nicht. Wo ist der Kaviar-Anteil? Wo die Trüffelnote? Betrug!“

    Koffer und Rucksack stehen im Flur wie zwei stumme Bodyguards, bereit für den Abflug.
    Die Katzen checken die Lage in 0,2 Sekunden. Schwanz auf Halbmast, Schnurrhaare im Katastrophenmodus.
    Sie weben Achten um meine Waden – die flauschige Version von: „Bleib. Sofort. Oder wir eskalieren.“

    Ich hocke mich hin, kraule vier samtige Ohren und murmle:
    „Ihr zwei, ich bin in drei Wochen wieder da. Keine Panikorgien, keine Sofazerstörung, keine YouTube-Tutorials, wie man Dosen mit Karate öffnet, okay?“

    Naya schaut beleidigt, Milou wie ein kleiner pelziger Endzeitprophet:
    „Drei Wochen = ewige Finsternis. Wir regeln das hier jetzt selbst.“

    5:45 Uhr. Der Zug gleitet ein wie ein schlaftrunkener silberner Wal.
    Und – oh Wunder – er ist leer.

    Kein Mensch, kein Handylautsprecher, kein Kinderwagen-Rolli-Konzert. Nur ich, mein Kaffee-Thermos und das leise Summen der Neonröhren.
    Für einen Moment fühlt sich die Welt an, als hätte sie beschlossen, einfach mal still zu sein.

    Ich lasse mich auf den Sitz fallen wie ein nasser Sack Glück und denke:
    „Vielleicht überlebe ich diesen Tag ohne Koffein-Notaufnahme.“

    Türen schließen.
    Abfahrt.

    Und irgendwo in Avenches sitzen gerade zwei samtpfotige Tyrannen und planen vermutlich schon sehr konkret die Revolution für die nächsten drei Wochen.
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  • Zwischen Abflug und Ankommen

    March 20 in Switzerland ⋅ ⛅ 6 °C

    Genf Flughafen, irgendwo zwischen Morgennebel und akutem Koffeinmangel. Ich sitze auf einem dieser Plastikstühle, die vermutlich von einem Designer entworfen wurden, der Menschen nicht besonders mag. Der Kaffee schmeckt, als hätte er schon den letzten Flug verpasst, und ich trinke ihn trotzdem, als hinge mein Leben davon ab. Das Safran-Rosinengebäck dagegen ist so gut, dass es fast frech wirkt. Als würde es sagen: „Siehst du, so könnte dein Morgen sein.“

    Die Zeit zieht sich wie Kaugummi unter einem Schuh.
    Richi ist noch unterwegs – nicht, weil er länger geschlafen hätte, sondern weil seine Anreise länger ist. Rein geografisch. Ich werde ihm das trotzdem irgendwann anders auslegen.

    Dann taucht er auf.
    Ein kurzer Blick, dieses „Ah, da bist du ja“, und zack – alles wieder wie früher. Keine große Inszenierung, eher wie zwei, die schon genug gemeinsam erlebt haben, um sich nichts mehr beweisen zu müssen. Einmal drücken, einmal grinsen, läuft.

    Security: erstaunlich unspektakulär.
    Rucksäcke aufs Band wie Opfergaben, wir durch den Scanner, Schuhe aus, Gürtel ab, einmal die übliche Flughafen-Choreografie. Kein Piepen, kein Drama. Fast enttäuschend. Ich war mental auf eine kleine Nebenhandlung vorbereitet.

    Am Gate dann das große Warten.
    Alle starren auf die Anzeigetafel, als könnten sie sie durch pure Willenskraft schneller umspringen lassen.

    Und dann kommt sie.

    Freundlich. Ruhig. Gefährlich.
    „Ihr kleiner Koffer muss leider in den Frachtraum.“

    Ich innerlich sofort im Verteidigungsmodus:
    Excuse me? Dieser Koffer und ich haben eine Beziehung. Vertrauen. Geschichte. Und vor allem: Ich habe Handgepäck bezahlt!

    Ich versuche zu argumentieren. Sachlich. Dann weniger sachlich. Dann mit Blicken.
    Aber sie lächelt dieses Lächeln, das sagt: „Du kannst hier auch einen TED-Talk halten, der Koffer geht trotzdem runter.“

    Und so rollt er davon.
    Mein kleiner treuer Begleiter, jetzt auf dem Weg in die dunklen Tiefen des Gepäcksystems. Ich schaue ihm hinterher wie jemand, der genau weiß: Das hier ist entweder eine kurze Trennung… oder der Beginn einer sehr langen Geschichte mit Formularen.

    Boarding. Abflug.
    Die Maschine hebt ab wie ein sauber gesetzter Punkt hinter das Drama.

    Paris. 11:50. Wir landen zu früh.
    Ein Moment, in dem man kurz denkt: Heute läuft’s.

    Falsch gedacht.

    Terminalwechsel.

    Charles de Gaulle lehnt sich zurück, knackt mit den Fingern und sagt: „Jetzt wird’s interessant.“

    Erst werden wir eingesammelt wie eine leicht planlose Reisegruppe und durch Terminal 1 geschoben. Einmal links, einmal rechts, noch ein Gang, noch eine Rolltreppe – man verliert schneller die Orientierung als im IKEA an einem Samstag.

    Und dann: Shuttlebus.

    Wir stehen da. Und stehen. Und stehen noch ein bisschen mehr.
    Zwanzig Minuten warten, die sich anfühlen wie eine eigene Zeitzone. Menschen um uns herum schauen gleichgültig, resigniert oder so, als hätten sie hier schon mal übernachtet.

    Dann kommt der Bus.

    Die Türen gehen auf und wir werden hineingeschoben wie Tetris-Steine mit Jetlag.
    Drinnen: eng, warm, leichtes Aroma von „internationaler Reiseverkehr“. Der Bus fährt los, biegt ab, fährt weiter, biegt nochmal ab – ich bin mir ziemlich sicher, wir haben zwischendurch Frankreich verlassen und sind wieder eingereist.

    Irgendwann spuckt er uns wieder aus. Wo genau? Unklar. Aber es sieht zumindest nach Flughafen aus.

    Wir laufen weiter.
    Gänge. Rolltreppen. Menschen. Noch mehr Gänge.
    Dieses spezielle Flughafengefühl: Man ist überzeugt, schnell zu sein – bewegt sich aber effektiv wie in einem schlechten Traum.

    30 Minuten? Weg. Einfach weg.
    Unser Zeitpuffer schrumpft von „entspannt“ zu „sportlich ambitioniert“.

    Wir schauen uns an und grinsen.
    Natürlich läuft es genau so. Wäre ja auch langweilig gewesen.

    Und irgendwo da draußen, tief im System, rollt mein Koffer wahrscheinlich gerade völlig entspannt durch sein eigenes Abenteuer.
    Vermutlich sitzt er inzwischen in einer besseren Lounge als wir.

    Wir beschließen, etwas zu essen zu suchen. Suchen ist hier das entscheidende Wort.
    CDG macht aus „Ich hab Hunger“ eine kleine Expedition. Links nur Parfum, rechts nur Luxus, Essen irgendwo zwischen Mythos und Legende.

    Irgendwann finden wir tatsächlich einen Kiosk.
    Keine Offenbarung, aber auch kein kompletter Reinfall. Wir schnappen uns zwei Sandwiches, etwas zu trinken – und natürlich etwas Süßes. Prioritäten müssen sein.

    Mit unserer Beute ziehen wir weiter Richtung Gate M41.
    Dort lassen wir uns nieder wie zwei erschöpfte Entdecker, die gerade noch rechtzeitig Proviant gefunden haben. Das Sandwich schmeckt besser als erwartet – oder wir sind einfach zu müde, um wählerisch zu sein. Egal. Für einen Moment ist Ruhe. Durchatmen. Ankommen im Chaos.

    Dann: Boarding.

    Natürlich Gruppe 5.
    Also die Kategorie: „Ihr dürft rein, wenn alle anderen schon sitzen und ihr euch fühlt wie die Nachzügler auf einem Klassenausflug.“

    Aber dann kommt der Plot-Twist.

    Der Bodensteward am Gate ist… eine Wucht.
    Gut gelaunt, wach, präsent – und vor allem: menschlich. Er schaut auf die Bordkarte, sagt jeden Namen laut und sauber, lächelt dabei und wünscht jedem einzelnen eine gute Reise. Kein Abfertigen, kein Durchschleusen. Kurz innehalten, Blickkontakt, ein echter Moment.

    Und plötzlich fühlt sich dieser ganze durchgetaktete Flughafenbetrieb für ein paar Sekunden… angenehm an.
    Unsere müden Seelen nehmen das dankbar mit.

    Im Flugzeug dann zurück zur Realität:
    Air France hat das Raumkonzept „wir testen, wie viel Mensch auf wie wenig Platz passt“ ziemlich ernst genommen.

    Platz 48 B und C.
    Wir falten uns hinein wie zwei übermotivierte Origami-Projekte und richten uns mental für die nächsten acht Stunden ein. Bewegungsfreiheit ist jetzt eher ein theoretisches Konzept.

    Zeit vergeht. Irgendwie.

    Und dann: Ankunft.
    18:30 Uhr Ortszeit, 23:30 Schweizer Zeit. Pointe-à-Pitre. Warm. Schwer. Tropisch. Ein anderes Kapitel.

    Direkt weiter zum Gepäckband.
    Ich stehe da, beobachte die Koffer, die vorbeiziehen wie eine Modenschau für strapaziertes Reisegepäck.

    Und dann kommt er.

    Mein Koffer.
    Verspätet. Verdreckt. Sieht aus, als hätte er unterwegs ein kleines Abenteuer im Schlamm gehabt. Ich mustere ihn kurz und denke nur: Ernsthaft, Air France?

    Aber gut. Er ist da. Das zählt.

    Raus. Taxi. Hafen.

    Und dann das Beste des Tages:
    Eva und Markus.

    Ein Wiedersehen, das alles davor plötzlich relativiert. Müdigkeit, Chaos, Kofferdrama – alles kurz egal.
    Man steht da, grinst sich an und weiß: Jetzt beginnt der gute Teil.
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  • Von Postkartenidylle zu Plan B

    March 21 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 25 °C

    Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht stehen wir um 7:30 auf. Shorts, T-Shirt, fertig. Mehr ist heute nicht drin. Jetlag, Reise und Job-Erschöpfung haben uns in zwei weichgekochte Nudeln verwandelt, die irgendwie funktionieren, aber ohne klare Struktur.

    Dann Vorbereitung für den Segeltag: Rettungsweste anpassen, Sonnencreme drauf, Haare stramm zusammen – alles, was zwischen uns und Sonnenbrand, Wind und Chaos auf dem Wasser steht.

    Wir segeln los.

    Das Wetter wirkt auf den ersten Blick fast zu freundlich. Warm, hell, diese trügerische Ruhe, bei der man kurz denkt: Ach, wird schon entspannt.
    Der Atlantik hat dazu eine andere Meinung.

    Kaum draußen, merkt man, dass hier andere Regeln gelten. Der Himmel ist weit, offen, fast grenzenlos – und genau so fühlt sich auch das Wasser an. Keine geschützte Bucht, kein sanftes Dahingleiten.

    Diese langen Dünungswellen rollen an wie wandernde Hügel aus Wasser. Schwer, gleichmäßig, mit einer Ruhe, die fast einschüchternd ist. Das Boot wird angehoben, getragen, wieder abgesenkt – rauf, runter, rauf, runter – als würde man auf dem Atem eines riesigen Tieres treiben.

    Der Wind passt sich nicht dem Postkartenwetter an.
    Er kommt, wie er will. Mal von der Seite, mal schräg von vorne, manchmal so, als hätte er sich einfach umentschieden. Nichts Gleichmäßiges, nichts, worauf man sich einfach einstellen kann.

    Und genau das ist der Punkt:
    Es sieht friedlich aus. Aber es ist es nicht.

    Segeln hier fühlt sich weniger nach Urlaub an und mehr nach einem stillen Aushandeln mit den Elementen.
    Man wird nicht getragen – man wird beschäftigt.

    Wir segeln auf Terre-de-Bas zu, und plötzlich wird alles ruhig. Nicht das Meer – das bleibt in Bewegung – aber dieser Moment im Kopf, wenn man etwas sieht, das so schön ist, dass es einen kurz still werden lässt. Der Strand liegt da wie gemalt, hell und weich, das Wasser in diesem fast übertriebenen Blau, das man sonst nur von Postkarten kennt. Es sieht aus, als müsste man nur reinspringen und alles wäre leicht.

    Genau das haben wir auch vor.

    Während wir näher kommen, malt man sich innerlich schon aus, wie man gleich im Wasser liegt, salzig, müde, zufrieden. Doch der Atlantik hat eine andere Idee davon, wie dieser Moment weitergeht.

    Die Untiefe kommt schneller als gedacht. Aus den angekündigten drei Metern wird plötzlich deutlich weniger, und ehe wir uns versehen, meldet sich der Kiel. Kein dramatischer Aufprall, eher ein klares, unmissverständliches Streifen: Hier ist Schluss.

    Wir versuchen es nochmal, tasten uns vorsichtig über einen anderen Weg heran, ein bisschen weiter außen, ein bisschen optimistischer. Aber auch dort macht uns das Wasser einen Strich durch die Rechnung. Die Passage zwischen den Inseln bleibt uns verschlossen, die Boje, die wir ansteuern wollten, rückt in die Kategorie „gute Idee, falscher Tag“.

    Also Planwechsel. Ankern.

    Der Anker fällt, wir atmen kurz durch, denken: gut, dann eben so. Doch kaum liegt er, taucht ein Katamaran auf, gleitet an uns vorbei, und der Kapitän ruft uns zu, dass Ankern hier verboten ist. Naturschutz.

    Natürlich ist es das.

    Also wieder alles zurück. Anker hoch, Gedanken neu sortieren. Kein Plan B, zumindest keiner, den wir vorbereitet hätten. Nur dieses typische „Na gut, dann schauen wir mal weiter“.

    Marie-Galante.

    Wir drehen ab, lassen die Inseln hinter uns und nehmen Kurs auf die nächste. Und als hätten Wind und Wellen nur darauf gewartet, zeigen sie jetzt, was sie wirklich können.

    Die Dünung hat zugelegt. Was vorher noch wie Bewegung wirkte, kommt jetzt mit Wucht. Von hinten rollen die Wellen an, groß und kraftvoll, wie eine Herde wilder Pferde, die direkt auf uns zurennt. Man sieht sie kommen, baut innerlich schon Spannung auf – und im letzten Moment heben sie uns an, tragen uns kurz und ziehen dann unter uns hinweg, als wäre nichts gewesen. Dieses Spiel wiederholt sich, immer wieder. Bedrohlich im ersten Moment, fast elegant im nächsten.

    Der Wind hat sich inzwischen auch neu sortiert. Er kommt jetzt aus einer anderen Richtung, völlig unbeeindruckt davon, was die Wellen gerade machen. Kein Zusammenspiel, kein Rhythmus, eher ein wildes Durcheinander, als hätte jeder beschlossen, einfach mal sein eigenes Ding zu machen.

    Und wir mittendrin, irgendwo zwischen Konzentration, Respekt und diesem leisen Staunen darüber, wie viel Kraft in allem steckt.

    Die Zeit vergeht anders auf dem Wasser. Die drei Stunden bis Marie-Galante ziehen sich und vergehen gleichzeitig. Irgendwann taucht die Insel vor uns auf, erst nur als Kontur, dann klarer, näher, real.

    Der Himmel beginnt zu glühen, warm und weich, als hätte jemand einen Filter über alles gelegt. Die Wellen beruhigen sich nicht wirklich, aber sie wirken plötzlich sanfter. Das Wasser nimmt die Farben auf, spiegelt sie zurück, und alles, was vorher anstrengend war, tritt einen Schritt zurück.

    Wir fahren in diesen Sonnenuntergang hinein, müde, durchgeschüttelt, ein bisschen salzig – und ziemlich zufrieden.

    Manchmal braucht es genau diesen Umweg, damit sich ein Ankommen wirklich wie eins anfühlt.
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  • Zwischen Stillstand und Spektakel

    Mar 22–26 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 25 °C

    In der Bucht von Vieux Fort verbringen wir die Nacht.
    Draußen arbeitet der Atlantik weiter. Die Brandung klatscht mit Nachdruck an den Strand, Welle für Welle, als würde jemand regelmäßig die Tür zuschlagen. Und trotzdem: Dieses gleichmäßige Schaukeln des Bootes hat etwas Hypnotisches. Ich schlafe rasch ein.
    Ob es am Rhythmus lag oder am Rum… schwer zu sagen.

    Am Morgen dann die Überraschung: grau. Nass.
    Ich blinzle in den Himmel und denke nur: Entschuldigung, wir sind hier in der Karibik, oder?
    Die Sonne scheint das Memo nicht bekommen zu haben.

    Wir stehen auf, noch etwas zerknittert, und das Erste, was zählt: Kaffee.
    Ohne Diskussion.

    Während wir langsam in den Tag finden, ist Markus schon im Einsatz. Unser Boot sieht aus, als hätte über Nacht eine kleine, sehr entschlossene Fliegenarmee eingecheckt. Er putzt sich durch wie jemand, der genau weiß: Entweder wir – oder sie.

    Nach der großen Vertreibungsaktion ist klar: Raus hier.

    Wir nehmen Kurs auf eine kleine Insel in der Nähe. Ziel: Schnorcheln.
    Mal sehen, was unter Wasser auf uns wartet – über Wasser hat der Tag ja noch Luft nach oben.

    Wir springen ins Wasser – hochmotiviert, bereit für ein kleines Unterwasser-Abenteuer.
    In der Theorie.

    In der Praxis fühlt es sich eher an wie ein Wettkampf gegen die Strömung. Wir strampeln, ziehen, kämpfen – und kommen dabei ungefähr so schnell vorwärts wie zwei Leute auf einem Laufband ohne Strom. Jeder Meter will verdient sein.

    Unter uns: viel Grün. Sehr viel Grün.
    Algen in allen Variationen. Dazwischen ein paar Korallen, eher zurückhaltend. Und Fische? Sagen wir so: Wenn das hier ein Konzert wäre, hätte die Band abgesagt.

    Ich tauche auf, schaue mich um und denke nur: Wo zum Teufel seid ihr alle?
    Die Unterwasserwelt wirkt… leer. Fast wie nach Feierabend.

    Irgendwann geben wir auf. Nicht dramatisch, eher kollektiv beschlossen: Das hier wird heute nichts mehr.
    Also zurück zum Boot.

    Der Nachmittag läuft dann deutlich besser. Die Sonne schein, es wird heiss.
    Lesen, ins Wasser springen, wieder raus, irgendwo zwischen Sonne, Müdigkeit und diesem angenehmen „Wir müssen gerade gar nichts“. Zwischendurch dösen wir weg, lassen uns treiben, körperlich und gedanklich.

    Die Dämmerung setzt ein – und plötzlich ist das Wasser nicht mehr leer.

    Überall Bewegung.
    Fische schießen aus dem Wasser, als hätten sie einen geheimen Termin. Turtles tauchen auf, strecken kurz ihre Köpfe aus dem Wasser, schauen sich um, verschwinden wieder. Pelikane gleiten vorbei, stürzen sich mit beeindruckender Präzision ins Wasser.

    Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

    Was tagsüber wie ausgestorben wirkte, wird jetzt zur Bühne.
    Und wir sitzen mittendrin und schauen zu.
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  • Seehund-Paddeln und fliegende Fische

    March 23 in Guadeloupe ⋅ ☀️ 27 °C

    Wer früh ins Bett geht, steht auch wieder früh auf. So läuft das hier.
    Spätestens um 18:30, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, macht es zack – dunkel. Aber nicht gemütlich-dunkel, sondern richtig. Als hätte jemand den Stecker gezogen. Zappenduster.
    Also landen wir meistens gegen 21:00 im Bett. Nicht aus Disziplin – aus Mangel an Alternativen.

    Am nächsten Morgen geht’s wieder raus aufs Wasser.

    Eigentlich war der Plan, in St. Louis an Land zu gehen. Ein bisschen festen Boden unter den Füßen, vielleicht ein Kaffee, vielleicht sowas wie Zivilisation. Aber der Atlantik flüstert uns was anderes zu. Wir segeln einfach vorbei. Neuer Kurs: Les Îles des Saintes.

    Das Meer ist heute in Fahrt.
    Es bewegt sich nicht, es atmet. Die Strömung ist so stark, dass man sie fast greifen könnte. Wellen rollen nicht von der Seite, nein – sie kommen von unten, als würde der Meeresboden selbst sie hochdrücken. Konfus, unberechenbar, ein bisschen wie ein betrunkener Riese, der im Schlaf zuckt.

    Dazwischen treiben dicke Teppiche aus Sargassoseealgen, goldbraun und leuchtend, als hätte jemand den Atlantik mit einem riesigen Salat bestreut. Mal gleiten wir durch offenes Wasser, mal pflügen wir durch diese schwimmenden Inseln – das Boot raschelt und knistert, als würden wir über knusprige Cornflakes fahren. Der Ozean hat heute wirklich Lust auf Abwechslung.

    Und plötzlich – fliegende Fische!
    Silberne Pfeile schießen aus dem Wasser, gleiten meterweit durch die Luft, glitzern im Morgenlicht wie kleine fliegende Diamanten, bevor sie wieder eintauchen.

    Der Atlantik zeigt Zähne und gleichzeitig seine schönste Zaubershow.
    Und wir mittendrin – müde vom frühen Aufstehen, wach vom Salz in der Luft, glücklich, weil genau das der Grund ist, warum wir hier sind.
    Les Saintes, wir kommen. Mit fliegenden Fischen als Eskorte.

    Nachmittags gleiten wir in Terre-de-Haut ein – und holy Guadeloupe, was für ein Postkarten-Traum!

    Die Bucht beim Pain du Sucre liegt da wie ein verstecktes Juwel: türkisfarbenes Wasser, das fast leuchtet, drumherum grüne Hügel, die sich an den Himmel kuscheln, und kleine bunte Häuser, die wie hingetupft wirken. Wir werfen den Anker, das Boot schaukelt sanft wie in einer Wiege aus Karibik-Sehnsucht, und vor uns breitet sich dieser winzige Strandort aus – Palmen, Sand wie Puderzucker, das volle Programm. Einfach traumhaft. Man möchte aussteigen und nie wieder weg.

    Der Nachmittag gehört dem Wasser. Eva, Markus und Richi verschwinden wie Delfine – elegant, schnell, mit diesem selbstsicheren „Ich bin eins mit dem Ozean“-Grinsen und schnorchel um die Wette.
    Ich? Ich starte als ambitionierte Seehund-Dame: paddel-paddel-paddel, ab und zu ein heldenhafter Unterwasserblick, dann wieder hoch, Luft schnappen, Flossen wie zwei übermotivierte Propeller. Eleganz? Null. Anmut? Fehlanzeige. Die Strömung hier ist ein echter Biest – sie zieht und schubst, als wollte sie sagen: „Willkommen im echten Atlantik, Süße, hier gibt’s keine Kuschelbucht!“ Ich kämpfe wie eine nasse Katze gegen einen Staubsauger, aber hey: es lohnt sich.

    Unter mir explodiert die Farbenwelt: Schwärme von Fischen in Neon-Gelb, Electric-Blau, knalligem Orange – wie Konfetti auf Speed. Korallen in allen Schattierungen von Feuerrot bis giftgrünem Smaragd, weich und hart, lebendig und uralt. Und dann – jackpot! – eine Schildkröte. Sie gleitet vorbei, gemächlich, als würde sie spazieren gehen, während ich mich abmühe wie ein Hamster im Laufrad. Delfine gegen Seehund? Der Delfin gewinnt haushoch. Aber ich hab’s gesehen. Und das zählt.

    Abends dann der Hafen-Showdown: Wir legen an einer Boje an – und prompt taucht die deutsche Konkurrenz auf. Gleiche Boje, gleicher Plan.
    Aber wir sind schneller, geschickter, koordinierter. Im Nu ist unser Schiff fest wie ein alter Seebär – Leinen gespannt, Knoten perfekt, Crew zufrieden grinsend.

    Bei den Deutschen? Hafenkino pur.
    Der Haken plumpst ins Wasser – einer der Mitsegler konnte ihn nicht mehr halten (vielleicht war’s der Schock vor so viel Karibik-Kompetenz). Boje und Haken weg. Fünf Mann stehen rum, starren ins Blau, beratschlagen wie bei einer UN-Sitzung. Einer opfert sich heldenhaft, springt baden, fischt den Haken raus. Neustart. Alle umliegenden Boote gucken gebannt zu – Popcorn fehlt nur noch.

    20 Meter Seil werden irgendwie dran geknotet, gezogen, geflucht, neu versucht. Wir auf unserem Boot? Grinsen bis zu den Ohren. Untauglichkeit-Level: Weltmeister. Tollpatschigkeit: Oscar-würdig.
    Nach 25 Minuten haben sie’s geschafft – Applaus im Geiste. Respekt, Jungs, Durchhaltevermögen ist auch eine Kunst.

    Nebenan auf einem anderen Schiff: Party pur, Tanzen, Musik, Lachen.
    Unser direkter Nachbar? Lässt sich nicht stören. Er holt seine Hang raus und spielt – diese sanften, meditativen Töne schweben über das Wasser wie ein Kontrapunkt zum ganzen Chaos.

    Ja ja, so ein Hafen wird’s nie langweilig.
    Hier mischen sich Delfin-Traum, Strömungs-Kampf, Schildkröten-Magie und slapstick-deutsches Anlegedrama zu einem einzigen, perfekten Karibik-Abend.

    Und wir mittendrin – müde, salzig, glücklich.
    Morgen? Wer weiß. Aber heute? Heute war alles richtig.
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  • Hitze, Humor und ein letzter Rum

    March 24 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 26 °C

    Der Tag explodiert mit Sonnenschein und sofort guter Laune. Wir frühstücken wie hungrige Piraten, springen ins Dingi und düsen an Land.

    Wow. Terre-de-Haut Iles Saint ist ein echtes Schmuckstück – ein winziges Karibik-Juwel, das sich selbst nicht ganz sicher ist, wie es eigentlich heißt. Egal. Es ist schon brütend heiß, deshalb werfen wir 15 Euro in den Touristen-Topf und besteigen Bedes rollenden Comedy-Club.

    Bede ist ein Genie am Steuer: Er schlängelt uns durch die Gassen wie ein Aal durch Tang, erzählt mit Witz und Charme Geschichten, die selbst die Palmen zum Schmunzeln bringen, weicht Mofas, Autos und Golfbuggys aus, als wäre es ein Videospiel auf höchstem Schwierigkeitsgrad, und plaudert gleichzeitig mit jedem zweiten Freund durchs Fenster – Multitasking auf karibischem Niveau.

    Die Küstenstraße malt sich wie ein Aquarell vor uns aus: türkis blitzendes Wasser, Palmen, die lässig winken, bunte Häuschen wie hingetupfte Bonbons. Terre-de-Haut ist malerisch bis zum Anschlag.

    Nach einer Stunde spuckt uns Bede am Fort Napoleon aus. Warum es so heißt? Weil irgendwer irgendwann beschloss, es ihm zu Ehren umzutaufen. „Hmm… so einfach geht’s also“.

    Das Fort selbst ist pure Magie: der Garten ein grünes Paradies, die Aussicht so grandios, dass sie einem glatt den Atem klaut. Im Museum erfährt man alles – nur nicht über Napoleon. Dafür umso mehr über die Inseln. Passt irgendie, irgendwie auch nicht.

    Zurück im Ort plündern wir einen kleinen Früchteladen, bis die Tüten platzen, und tuckern mit dem Dingi wieder zum Schiff.

    Der Nachmittag? Reines Überlebensprogramm: Baden, faulenzen, Hafenkino deluxe. Die Hitze macht uns zu weichgekochten Nudeln mit Sonnencreme.

    Abends geht’s nochmal raus. Dingi ins Wasser, Beiboot fix an der Anlegestelle vertäut wie ein braver Hund. Im Le Perchoir lassen wir uns bei feuerrotem Sonnenuntergang einen kühlen Apero schmecken – die Stimmung ist so entspannt, man könnte sie glatt in Flaschen abfüllen und als „Karibik-Glück“ verkaufen.

    Danach schlendern wir ins Restaurant und lassen uns richtig verwöhnen.

    Im samtschwarzen Dunkeln tuckern wir zurück zum Schiff, fallen in die Cockpit-Sessel und krönen den Tag mit einem köstlichen Rum als süßem Nachtschmaus – warm im Bauch, salzig auf den Lippen, pure Karibik-Seeligkeit.

    Perfekter Tag.

    Ende.

    Rum.

    Gute Nacht, ihr Lieben.
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  • Wind, Wellen und ein perfekter Tag

    March 25 in Guadeloupe ⋅ ☀️ 27 °C

    Am Vorabend lassen wir uns noch einen letzten, feuerroten Sonnenuntergang schmecken. Der Himmel zieht alle Register: glühendes Orange, dramatisches Pink und ein bisschen Gold, als wollte er uns persönlich verabschieden. Wir sitzen da, Gläser in der Hand, und genießen das Spektakel wie ein teures Kinoticket, das man nicht pausieren kann.
    Danach tuckern wir mit dem Dingi wieder im samtschwarzen Dunkeln zurück zum Schiff. Nur das leise Brummen des Motors und das Glitzern der Sterne über uns – als würde der Himmel uns mit einer Million kleiner Lampen den Weg leuchten.

    Die Nacht verläuft ruhig.
    Kein wildes Schaukeln, kein Wind, der uns durch die Kojen wirbelt. Nur das sanfte Atmen des Meeres und das leise Knarzen der Leinen. Wir schlafen wie Babys in einer schwimmenden Wiege – tief, fest und selig.
    Am nächsten Morgen wacht der Wind allerdings wieder auf… und bringt neue Abenteuer mit.

    Wir lichten den Anker und segeln weiter. Adieu wundervolles Terre-de-Haut!

    Unser Schiff gleitet durchs Meer, schneidet durch die Wellen, als hätte es genau darauf gewartet. Der Wind steht gut, kräftig und konstant, die Segel sind weit offen – dieses leise, kraftvolle Vorwärtskommen, das nur Segeln kann.

    Neben uns schießen fliegende Fische aus dem Wasser, als hätten sie es eilig, irgendwo anders hinzukommen. Kurze silberne Blitze über der Oberfläche, dann wieder weg.

    Wir folgen der Küste von Guadeloupe bis zur Bucht Malendure. Dort lassen wir den Anker fallen. Direkt gegenüber liegt das Réserve Cousteau – einer der bekanntesten Spots hier, wenn es unter Wasser spannend werden soll.

    Der Wind ist längst da. Und er hat nicht vor, weniger zu werden.

    Auch in der Bucht bleibt er kräftig, schiebt an, zerrt, spielt mit dem Boot, als würde er testen, wie ernst wir es meinen. Unser Schiff schaukelt von links nach rechts wie eine Nussschale – mal nur ein Wiegen, mal ein deutlicher Stoß, der einen kurz aus dem Gleichgewicht bringt.

    Und trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – zeigt sich, was diesen Ort besonders macht: Immer wieder tauchen Schildkröten auf. Erst ein Schatten unter der Oberfläche, dann ein ruhiger Atemzug an der Luft. Während um sie herum alles in Bewegung ist, wirken sie, als hätten sie mit dem ganzen Trubel nichts zu tun.

    Richi, Markus und Eva sind unbeeindruckt. Flossen an, Maske auf, ab ins Wasser. Die drei verschwinden Richtung Riff, bereit für bunte Fische, Korallen und Begegnungen auf Augenhöhe mit den Schildkröten.

    Ich bleibe an Bord.

    Und plötzlich ist da etwas, das im Alltag selten geworden ist: Ruhe. Kein Gespräch, kein Plan, kein Müssen. Nur das Knarzen des Boots, der Wind in den Wanten und dieses unermüdliche Schaukeln, das irgendwann nicht mehr stört, sondern fast wie ein eigener Rhythmus wird.
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  • Guadeloupe: Zwischen Wind und Wunder

    March 25 in Guadeloupe ⋅ 🌙 24 °C

    Guadeloupe hat so seine Eigenheiten. Dinge, die man nicht sofort erwartet – und die sich auch nicht groß erklären lassen.

    Zum Beispiel der Fisch. Man ist in der Karibik, schaut aufs türkise Meer, sieht Fischerboote schaukeln und denkt automatisch: „Heute Abend gibt’s fangfrischen Fisch, direkt aus dem Ofen, mit Knoblauch und Limette.“

    Die Realität? Ein müdes Schulterzucken. Frischer Fisch ist hier überraschend schwer zu kriegen. Vieles kommt importiert oder tiefgekühlt daher – als hätte der Atlantik beschlossen, seine besten Stücke für sich zu behalten und den Touristen nur die Tiefkühltruhe zu gönnen. Dafür gibt’s dann aber legendäre accras (knusprige Fischfrikadellen) und bokit – die gefüllten Frittierten, die einen glücklich machen, auch ohne frischen Fang.

    Guadeloupe ist sowieso kein simples Postkarten-Klischee. Die beiden Hauptinseln liegen da wie zwei völlig unterschiedliche Geschwister, die man versehentlich nebeneinandergelegt hat – und aus der Luft sieht die ganze Inselgruppe aus wie ein Schmetterling mit ausgebreiteten Flügeln.

    Grande-Terre ist das flache, trockene, fast schon geschniegelte Flügel: weiße Sandstrände, Korallenriffe, Zuckerrohrfelder und die lebhaften Touristen-Hotspots.

    Basse-Terre hingegen ist der wilde, grüne, üppige Flügel – über die Hälfte der Fläche, bergig, mit dichtem Regenwald, über 40 Wasserfällen und einem Nationalpark, der sich anfühlt wie ein ungezähmter Dschungel.

    Dort thront La Soufrière („La Vieille Dame“ – die alte Dame), der höchste Berg der Kleinen Antillen mit 1.467 Metern. Ein aktiver Stratovulkan, der regelmäßig Dampf und Schwefelgase ablässt, als wollte er allen höflich, aber bestimmt mitteilen: „Denkt dran, wer hier eigentlich das Sagen hat.“ Die letzte große phreatische Eruption war 1976/77 – damals wurden rund 72.000 Menschen evakuiert. Heute dampft er meist nur friedlich vor sich hin, mit heißen Quellen und Fumarolen, die wie natürliche Saunen wirken. Respekt einflößend und gleichzeitig faszinierend.

    Rundherum der Regenwald: dicht, laut, lebendig und vollkommen uneitel. Hier wächst nichts, weil es hübsch aussehen soll – es wächst einfach, weil es kann. Mahagoni, Farne, Orchideen und riesige Bäume kämpfen um jeden Zentimeter. Kein Instagram-Filter nötig.

    Und das Wetter? Das spielt nach eigenen, ziemlich chaotischen Regeln.

    Die Temperaturen bleiben brav im „angenehm bis leicht klebrig“-Bereich (durchschnittlich 27 °C), immer gemildert durch die beständigen Passatwinde. Aber alles andere ist Drehbuch mit spontanen Änderungen: Sonne, kräftiger Wind, plötzlicher Regenguss, dann wieder Sonne – als würde da oben jemand ständig am Regler drehen und „mal schauen, was passiert“ rufen.

    Der Regen kommt nicht leise angekrochen. Er fällt einfach. Kurz, heftig, kompromisslos – wie ein warmer Eimer Wasser, den jemand aus dem Himmel kippt. Fünf Minuten später ist er wieder weg und hinterlässt diesen schweren, erdigen, salzigen Duft von nasser Erde und Meer. (Und ja, an der Atlantik-Seite kämpft man mancherorts mit Sargassum-Algen, die in manchen Jahren die Strände braun färben.)

    Der Wind hingegen ist der zuverlässigste Mitbewohner: Er ist einfach immer da. Mal streichelt er sanft, mal packt er das Boot und rüttelt daran wie ein übermütiger großer Bruder: „Hey, nur zu Besuch hier, oder?“ Selbst in geschützten Buchten flüstert er nie wirklich leise.

    Und das Licht… das ist besonders. Der Tag knipst sich morgens früh an und abends genauso entschlossen wieder aus. Kein langes, romantisches Ausklingen, kein goldenes Abendleuchten. Die Sonne taucht ab – zack – und mit ihr der ganze Tag. Als hätte jemand den Stecker gezogen.
    Guadeloupe macht kein sanftes, gefälliges Wetter.

    Es macht echtes.

    Und genau das – die zwei Gesichter des Schmetterlings, der dampfende Vulkan, der eigensinnige Fisch, die wilden Wasserfälle und das unberechenbare Karibik-Temperament – macht es so verdammt liebenswert.
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  • Farbenfroher Tag

    March 26 in Guadeloupe ⋅ ☀️ 27 °C

    Die Nacht war unruhig. Wir wurden durchgeschüttelt wie ein billiger Cocktail – nur leider ohne Schirmchen, ohne Olive und ohne Happy Hour.
    Entsprechend zerzaust hocken Richi und ich am Morgen auf der Bettkante in der Kombüse, starren uns an wie zwei überfahrene Waschbären und versuchen herauszufinden, wer von uns beiden zuerst wieder als funktionierender Mensch durchgeht.
    Wir schauen uns an, prusten los – vermutlich, weil alles andere zu anstrengend wäre – und beschließen wortlos: hilft nichts.

    Rein in die Badeklamotten, rauf an Deck. Augen zu und durch.

    Das Wetter ist unverschämt gut. Geradezu frech blau.

    Zusammen mit Markus tuckern wir mit dem Dingi zur Îlet Pigeon, mitten hinein in die berühmte Réserve Cousteau. Eva bleibt an Bord.
    Markus und Richi springen ins Wasser wie zwei Profis in einem Werbespot: elegant, sportlich, fast schon beleidigend geschmeidig.
    Ich folge mit der Anmut eines nassen Mehlsacks, der beschlossen hat, Tauchen zu lernen.

    Und dann bin ich drin.

    Und plötzlich ist alles egal.
    Unter mir explodiert eine Farbwelt, als hätte jemand den Sättigungsregler auf „Karibik-Maximum“ gedreht und dann vergessen, ihn wieder runterzudrehen. Fische überall – Schwärme in Neon-Gelb, Electric-Blau und knalligem Orange schwirren um mich herum, mustern mich kurz und entscheiden offenbar: „ungefährlich, aber seltsam“.

    Dazwischen stolzieren Seeigel wie kleine schwarze Igel auf Stacheln, Kofferfische paddeln gemütlich vorbei, Regenbogenfische ziehen leuchtende Spuren, und Schildkröten gleiten mit einer Seelenruhe durchs Wasser, als hätten sie einen wichtigen Termin – und wären trotzdem nie zu spät.

    Ich treibe einfach nur da, schaue, hole zwischendurch Luft und vergesse die Zeit komplett.
    Bis mein Körper irgendwann höflich, aber bestimmt meldet: „Festen Boden wäre jetzt wieder eine hervorragende Idee.“
    Der Ausstieg ins Dingi ist dann deutlich weniger elegant als der Einstieg. Mit Richis Hilfe werde ich zurück an Bord gehievt – halb Mensch, halb Walross, komplett erledigt, aber mit einem Grinsen, das nicht mehr runtergeht.
    Glücklich. Salzig. Lebendig

    Zurück an Bord fallen wir wie ausgehungert Wölfe über die Lebensmittel her. Der Kühlschrank hat keine Chance. In Rekordzeit sind Brot, Käse, Früchte und alles, was nicht schnell genug wegschwimmen kann, vernichtet.
    Der Nachmittag verläuft dann herrlich entspannt: baden, lesen, dösen – das Boot schaukelt sanft wie eine Wiege, und wir lassen uns treiben wie faule Seehunde in der Sonne.
    Später tuckern wir mit dem Dingi wieder an Land. In « Le Rocher de Malendure » genehmigen wir uns einen richtig guten Cocktail – kalt, fruchtig, mit genau dem richtigen Kick und einer Aussicht bei der einem die Spucke wegbleibt; beides macht den Tag noch ein bisschen goldener.

    Danach schlendern wir durch die Artboutique, wo Kunst, Handwerk und karibische Farben explodieren. Wir gucken, staunen, berühren hier und da – und verlassen begeistert den Laden.

    Zum krönenden Abschluss landen wir in der Pizzeria Oganic und gönnen uns eine Pizza, die einfach nur „ja“ schreit. Knuspriger Boden, frische Zutaten, geschmolzener Käse – pure Glückseligkeit auf einem Teller.

    Satt, zufrieden und ein kleines bisschen klebrig vom Salz und Sonnencreme machen wir uns später wieder auf den Rückweg zum Schiff.
    Perfekter Tag.

    Mehr braucht’s manchmal nicht. .
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  • Durch Regenvorhänge nach Dominica

    March 28 in Dominica ⋅ ☁️ 26 °C

    Gestern Morgen starteten Richi und Markus mit einer Runde Schnorcheln, während Eva und ich an Bord blieben und das Schiff hüteten wie zwei faule Kapitäne.

    Danach hieß es: Anker los für die Fahrt nach Basse-Terre – Rivière Sens. Dort hatten wir einen Hafenplatz reserviert.

    Wir durchqueren einen Squall – diese plötzlichen, dunklen Regenschauer, die aus dem Nichts kommen und uns ordentlich nass machen. Mal prasselt es nur leicht, mal werden wir richtig durchgeweicht, als wollte der Atlantik uns persönlich abduschen. Salzwasser von unten, Süßwasser von oben. Karibik-Dusche deluxe.

    Nach knapp zwei Stunden segeln legen wir an, vertäuen das Schiff und fühlen uns kurz wie Profis.

    Als Erstes steht die Ausklarierung an. Wir wollen morgen weiter nach Dominica – außerhalb Europa – also müssen wir uns offiziell abmelden. Papierkram auf Karibisch.

    Dann folgt das volle Programm: Wäsche waschen, einkaufen, Schiff putzen, Wasser bunkern und alles für die nächste Überfahrt vorbereiten. Ein richtiger „Hausputz auf hoher See“-Tag.

    Die Nacht wird laut. In einer Hafenbar findet Karaoke statt – und die Sänger meinen es ernst. Mir bluten teilweise die Ohren. Von 1 bis 3 Uhr nachts liege ich wach, lese bei Taschenlampenlicht und habe das Gefühl, die Party findet direkt in unserer Kabine statt. Schlaf? Fehlanzeige.

    Morgen früh ist Tagwacht. Wir wollen zeitig los. Etwas müde quäle ich mich aus der Koje, schlüpfe in Shorts und T-Shirt und hole mir als Erstes mein Lebenselixier: Kaffee. Ohne den läuft gar nichts.

    Um 8:45 Uhr legen wir ab. Es hat Wind – juhuuu! Wir segeln richtig, die Segel sind prall. Die Wellen sind noch klein und freundlich. Wir kommen gut voran.

    Doch sobald wir die Îles des Saintes (Terre de Bas und Terre de Haut) hinter uns lassen, ändert sich das Meer schlagartig. Die Wellen kommen jetzt frontal und werden deutlich größer. Unser Schiff schaukelt auf und ab wie eine Nussschale auf der Achterbahn.

    Um 16:00 Uhr erreichen wir Portsmouth auf Dominica. Als Erstes geht’s zum Zoll zum Einchecken. Danach tuckern wir mit dem Dingi an Land, klettern an den Ponton und marschieren los.

    Wir sind hier die einzigen Weißen im Umkreis von Kilometern. Aber: Hier lebt die Insel! Musik dröhnte aus Häusern und aus getunten Autos, die mit wummernden Bässen durch die engen Gassen bretterten. Die Häuser strahlten bunt und trotzig – aber man sieht überall die Narben der letzten Hurrikane.

    Wir spazieren durch den pulsierenden Ort, melden uns bei der Polizei an und suchen einen Rent-a-Car-Laden. Ganz hinten im Dorf werden wir fündig. Ab morgen sind wir zwei Tage mit dem Auto unterwegs – Freiheit pur.

    Zum Abschluss des Tages landen wir in einem Steakhouse, genehmigen uns einen kühlen Apero und bestaunen einen grandiosen Sonnenuntergang über dem Hafen.

    Müde, aber zufrieden.
    Dominica, wir sind da.
    Und morgen geht’s richtig auf Entdeckungstour.
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  • Von der Kirchenparty zur Krimi-Rallye

    March 29 in Dominica ⋅ ☀️ 26 °C

    Punkt 9 Uhr stehen wir am Fischmarkt von Portsmouth und warten auf unser Mietauto.

    Während wir noch gelangweilt auf den Suzuki warten, trudeln nach und nach die Inselbewohner ein – und zwar in Schale geworfen, als ginge es zum roten Teppich statt zum Sonntagsgottesdienst. Frauen in knallbunten Kleidern, mit Hüten, elegant wie Models auf dem Laufsteg. Die Männer in gebügelten Hemden und Hosen, lässig, aber schick. Viele schwenken stolz einen Palmwedel oder ein Buchsbaumästchen in der Hand wie eine Siegesflagge.

    Wir starren mit offenen Mündern.
    „It’s Palm Sunday“, klärt uns eine Dame lächelnd auf. „A special day!“
    Ach so. Okay. Dann schauen wir eben weiter zu wie bei einer Live-Show.
    Immer mehr Leute strömen zusammen. Die Stimmung wird immer ausgelassener. Genau in diesem Moment rollt unser Miet-Mini SUV an – ein kleines, knackiges Suzuki-Schnittchen mit japanischem Navi, das stur Japanisch spricht und sich weigert, die Sprache zu wechseln.
    „Willkommen in Dominica, wo selbst das Auto seinen eigenen Kopf hat.“
    Aber der Suzuki muss erstmal auf dem Parkplatz warten. Denn jetzt ist der Pastor eingetroffen.

    Der Mann betritt die Bühne (also den Platz) mit der Energie eines Rockstars. Voller Elan, Begeisterung und karibischer Lebensfreude predigt er über Gott, die Welt und wahrscheinlich auch über den besten Weg, Mangos zu schneiden. Die Gemeinde macht mit – ruft, klatscht, singt.

    Dann setzt sich der ganze Zug singend in Bewegung Richtung Kirche, die Palmwedel werden rhythmisch auf und ab geschwungen, als wären wir auf einem besonders frommen Popkonzert.
    Eine nette Dame dreht sich zu uns um und winkt uns freundlich zu: „Come! Come with us!“

    Die Leute hier sind so aufgeschlossen und herzlich, dass man sich fast schämt, nur zuzuschauen. Also folgen wir einfach mit – vier Segler in Shorts und T-Shirt inmitten einer farbenfrohen Prozession.

    In der Kirche setzen wir uns ganz hinten in die letzte Reihe, wie brave Schüler, die zu spät zum Unterricht gekommen sind. Die Kirche füllt sich blitzschnell. Es wimmelt, singt, klatscht und wogt in allen Ecken. Der Gottesdienst ist lebendig, laut und voller Musik – kein steifes europäisches „Setzen, Aufstehen, Amen“, sondern echtes karibisches Leben.
    Nach einer Stunde schleichen wir uns leise raus, bevor wir noch selbst mitsingen (was niemandem guttun würde).

    Eva übernimmt das Steuer. Und heilige Dominica – die Frau fährt Linksverkehr wie eine Einheimische! Sie lotst uns souverän durch die engen, kurvigen Küstenstraßen Richtung Norden, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

    Wir fahren hoch in Richtung Penville, schießen Fotos von der atemberaubenden Landschaft – steile, grüne Berge, die direkt ins Meer stürzen, versteckte Buchten und Urwald, der so dicht ist, dass man fast glaubt, er würde die Straße jeden Moment zurückerobern.

    Dominica zeigt uns gerade sein wildes, echtes Gesicht – und wir sind mittendrin. Mit einem japanisch sprechenden Auto, Palmwedeln im Kopf und dem Gefühl, dass dieser Sonntag schon jetzt legendär ist.

    Weiter ging’s auf der anderen Seite der Insel wieder runter Richtung Thibaud.

    Unterwegs machten wir einen kleinen Abstecher zu den Nwa Bef Falls – zumindest wollten wir das. Kaum angekommen, tauchte ein selbsternannter „offizieller“ Insel-Guide auf und verlangte mit wichtiger Miene Geld für den Wasserfall. Der eigentlich gratis ist. Klassischer Karibik-Trick: „Pay me or I make the waterfall disappear.“ Wir schauten uns an, rollten mit den Augen, drehten auf dem Absatz um und marschierten zurück zum Auto. Man muss seine Prinzipien haben – auch wenn sie nur aus Trotz bestehen.

    Zwischen Margot und Pont Cassé hielten wir zum Mittagessen an einem kleinen Straßenstand. Die Location war… authentisch: streunende Hunde und Katzen schlichen um unsere Beine wie hungrige Leibwächter und hofften auf Beute. Die gekochten Bananen waren ein kulinarisches Verbrechen – absolut geschmacklos, als hätte jemand eine Kartoffel in heißes Wasser gehalten und „Fertig!“ gerufen. Dafür war das Poulet ein Gedicht: saftig, würzig, mit diesem gewissen karibischen Feuer, das einem die Tränen in die Augen treibt und gleichzeitig „mehr!“ schreien lässt.

    Gestärkt (und leicht enttäuscht von der Banane) fuhren wir weiter zur Chocolat Factory. Dort roch es nach purem Glück und Kakao. Danach ging’s ins Kalinago-Barana-Aute, das traditionelle Urdorf der Kalinago – dem indigenen Volk der Insel. Ein ruhiger, würdiger Ort, der einen kurz innehalten lässt.

    Dann begann die eigentliche Krimifahrt.

    Ab Pont Cassé durch den Nationalpark Richtung St. Joseph. Die Straße war schon vorher schmal und löchrig, aber dieser Abschnitt? Das war kein Weg mehr, das war ein Hindernisparcours mit sadistischem Humor. Löcher so tief, dass man Angst hatte, das Auto würde einfach verschwinden. An manchen Stellen fehlte der Asphalt komplett, die Straße wurde enger als der Gürtel nach Weihnachten und wand sich wie eine betrunkene Schlange durch den Urwald.

    Wir wurden durchgeschüttelt wie ein Martini – nur ohne Olive und ohne dass es danach besser schmeckte. Eva saß am Steuer wie eine professionelle Rallye-Fahrerin. Sie umkurvte Gräben, sprang über Schlaglöcher und hielt das kleine Suzuki-Schnittchen zusammen, als wäre es ihr eigenes Kind. Wir anderen klammerten uns am Griff fest und gaben abwechselnd „Ohje!“, „Ohweh!“ und „Pass auf!“ von uns – eine Mischung aus Gebet und Panik.

    „Das soll die Hauptstraße sein?!“, rief jemand irgendwann fassungslos.

    Dominica hatte offenbar beschlossen, uns eine Lektion in Demut zu erteilen. Und wir nahmen sie an – mit weißem Knöcheln, schweißnassen Händen und dem stillen Schwur, dem Auto später eine Kerze anzuzünden, falls wir heil ankommen.
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  • Insel Dominica

    March 29 in Dominica ⋅ ☀️ 26 °C

    Dominica wird nicht umsonst „The Nature Island“ genannt. Und das ist keine Marketing-Lüge.

    Diese Vulkaninsel ist ein grünes, dampfendes, wildes Paradies: dichter Dschungel, neblige Berghänge, tosende Wasserfälle und Küsten, die so schroff und ungezähmt sind, als hätte der Atlantik sie persönlich mit der Faust geformt. Viele Strände bestehen aus dunklem Vulkansand – schwarz, geheimnisvoll und oft nur schwer erreichbar. Genau das macht sie so besonders.

    Im Vergleich zu den anderen Karibik-Inseln ist Dominica deutlich weniger „fertig poliert“. Klar, Kreuzfahrtschiffe spucken regelmäßig Tagesausflügler aus, die dann in geführten Gruppen zwei Highlights abklappern und wieder verschwinden. Wer aber länger bleibt und sich traut, abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs zu sein, wird mit echten Entdeckungen belohnt.

    Auf den Straßen wird eigentlich immer gehupt – in allen Situationen: beim Überholen, beim Begrüßen, beim Warnen vor engen Kurven oder einfach nur, weil man jemanden kennt. Das Leben findet draußen statt: Menschen sitzen vor ihren Häusern, unterhalten sich lautstark, verkaufen Früchte am Straßenrand oder spielen Domino. Die Armut ist sichtlich – viele einfache Holzhäuser, marode Dächer, Kinder, die barfuß spielen. Gleichzeitig sind die Inselbewohner unglaublich hilfsbereit und freundlich. Ein Lächeln, ein „Good morning!“ oder ein spontanes Angebot, dir den Weg zu zeigen, gehört hier zum Alltag. Genau diese Mischung macht die Insel so besonders menschlich.

    Wenn man gerne wandert, kein Problem damit hat, nass, verschwitzt und schlammbespritzt nach Hause zu kommen, und sich auch mal richtig anstrengen will – dann ist Dominica genau das richtige. Hier fühlt man die Natur noch richtig, nicht nur durch die Windschutzscheibe.

    Besonders spannend: Viele der schönsten Orte sind (noch) nur zu Fuß erreichbar. Das macht jedes Erlebnis intensiver. Gerade wird allerdings eine Seilbahn zum berühmten Boiling Lake gebaut. Einerseits schafft das Jobs – andererseits bin ich zwiespältig. Denn am Ende profitieren davon vor allem die Kreuzfahrttouristen, die dann in 20 Minuten oben sind, ein Selfie machen und wieder weg sind. Der echte Abenteurer wird ein bisschen traurig dabei.

    Ein Mietwagen ist auf Dominica unabdingbar. Ohne eigenes Auto ist man auf die lokalen Minibusse oder teure Privatfahrer angewiesen. Mit eigenem fahrbaren Untersatz ist man frei – und das ist hier Gold wert.

    Achtung: Linksverkehr! Aber außerhalb der Hauptstadt ist kaum was los, sodass es erstaunlich entspannt ist. Die Straßen allerdings… nun ja. Besonders im Inselinneren und im Nordosten sind sie ein Abenteuer für sich – löchrig, eng und manchmal mehr Idee als Straße.

    Bezahlt wird hier mit dem Ostkaribischen Dollar (XCD). Bargeld ist King – besonders bei lokalen Restaurants, Eintritten oder wenn (wie so oft) das Internet mal wieder streikt und Karten nicht funktionieren. US-Dollar werden meist akzeptiert, aber der Wechselkurs ist schlechter. Euro? Selten gern gesehen und teuer umzutauschen. Am besten immer etwas Bargeld dabeihaben.

    Für die Autovermietung brauchst du:
    • Einen gültigen Führerschein (oft zusätzlich einen internationalen)
    • Eine Kreditkarte auf den Namen des Fahrers
    • Mindestens 25 Jahre alt sein
    Und vor Ort musst du für 15 USD noch einen lokalen Führerschein kaufen, der einen Monat gültig ist. Karibik-Bürokratie at its finest.

    Kurz gesagt: Dominica ist kein Easy-Going-Strandurlaub. Es ist wild, echt, manchmal anstrengend – und genau deshalb so verdammt beeindruckend.
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  • Roseau: Chaos mit Charme

    March 30 in Dominica ⋅ ☀️ 27 °C

    Wir fahren hupend die Küstenstraße entlang nach Roseau – der Hauptstadt von Dominica. Hier hupt man nicht, weil man wütend ist, sondern weil es zur Begrüßung, dem Überholen oder manchmal auch zum Spass gehört. Es ist quasi die karibische Version von „Hallo, hier bin ich!“.

    Die Stadt ist wach, aber ohne jede Eile. Vom Hafen dringen Stimmen herüber, aus einem Laden wummert Musik, Menschen rufen sich quer über die Straße Begrüßungen zu. Es fühlt sich leicht an, fast wie ein entspanntes Straßenfest ohne festes Programm.

    Doch je tiefer wir ins Zentrum vordringen, desto mehr verwandelt sich das Bild. Plötzlich drängen sich Autos, Mofas, Minibusse und Taxis auf Straßen, die eigentlich nur für zwei Ziegen und einen Handkarren gedacht sind.
    Motoren röhren, jemand hupt (natürlich), ein Bus hält mitten auf der Fahrbahn, um Fahrgäste einzusammeln, als wäre das die normalste Sache der Welt. Für einen Moment wirkt alles eng, laut und herrlich chaotisch.

    Und trotzdem funktioniert es irgendwie. Die Stadt hat ihren eigenen Rhythmus entwickelt: warten, ausweichen, weiterfahren, hupen. Niemand regt sich auf. Es ist wie ein kollektiver Tanz, bei dem jeder die Schritte kennt – außer uns.

    Am Markt wird es wieder ganz anders. Hier zählt nicht der Verkehr, sondern der Kontakt. Menschen reden, lachen, feilschen, verkaufen bunte Früchte und Gewürze. Wir werden angeschaut, angelächelt, manchmal angesprochen. Ob wir wollen oder nicht – wir sind plötzlich Teil der Szene.

    Später, wenn die Hitze richtig zubeißt, verlangsamt sich alles. Der Verkehr wird träge, die Stadt fällt zurück in ihren gemütlichen Modus. Und über allem ragt das dichte, feuchte Grün auf – als wollte der Urwald uns leise erinnern: „Denkt dran, ich bin immer noch hier. Ihr seid nur zu Besuch.“

    Roseau ist kein Widerspruch zwischen Ruhe und Chaos.
    Es ist beides gleichzeitig.

    Ein Ort, der entspannt wirkt – und dich im nächsten Moment im Verkehr festklemmt.
    Ein Ort, der unorganisiert aussieht – aber auf seine ganz eigene, chaotisch-charmante Weise perfekt funktioniert.

    Zum Mittagessen landen wir im Fort Young Hotel und stürzen uns auf ein Buffet, das keine Wünsche offen lässt: Suppe, Vorspeisen mit Fisch und Fleisch, kunterbunte Salate, einheimische Gerichte und eine Auswahl an Süßspeisen, die einen schwach werden lässt. Ein Genuss pur – endlich mal etwas, das nicht nach „überlebensfähig“ schmeckt.

    Danach tuckern wir mit unserem tapferen Mini-SUV zum berühmten Champagne Reef. Man hatte uns Blubberbläschen, Vulkanaktivitäten und einen Fischschwarm wie aus dem Aquarium versprochen. Die Realität? Trübes Wasser, ein paar traurige Algen und Fische, die offenbar auch nur ihre Ruhe haben wollten. Marketing 1 : 0 Wirklichkeit. Wir packen enttäuscht zusammen und setzen auf Plan B: Trafalgar Falls.

    Die Straße dorthin ist steil, eng und voller Löcher – unser kleiner Suzuki keucht den Hang hinauf wie ein asthmatischer Esel. Aber die Wasserfälle entschädigen für alles. Zwei mächtige Kaskaden stürzen mitten im dichten Regenwald in die Tiefe – wild, grün, laut und wunderschön. Endlich mal ein Highlight, das hält, was es verspricht.
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  • Schindellegi und Domino im Dschungel

    March 31 ⋅ ☀️ 25 °C

    Wir umkreisen mit dem Schiff den Cabrits Nationalpark und legen auf der anderen Seite an einer Boje an.

    Kaum hängt der Anker, taucht plötzlich Buda auf – in einem umgebauten Segelboot, dem man die Segel und den Mast schon vor langer Zeit abgenommen hat. Jetzt tuckert es nur noch mit einem Außenbordmotor vor sich hin. Immer wieder schöpft Buda fröhlich Wasser aus dem Inneren, als wäre sein Boot ein Sieb mit Charme. Es sieht aus, als würde die Nussschale jeden Moment entscheiden, doch lieber unterzugehen.

    Trotzdem grinst er uns aus seinem schwimmenden Eimer breit an und ruft: „How you doing, Baby? How you doing, Darling?“

    Hier auf Dominica werden alle mit „Baby“ und „Darling“ angesprochen – das ist kein Flirt, das ist einfach die Landessprache der Herzlichkeit.

    Auf Englisch fragt er nach unserer Nationalität. Als wir „Schweiz“ sagen, leuchten seine Augen auf. „Schindellegi!“, ruft er begeistert. „I worked in Schindellegi!“

    Wir starren ihn an. Dann brechen wir alle gleichzeitig in Lachen aus. Ein Dominica-Insulaner, der ausgerechnet den winzigen Ort Schindellegi im Kanton Schwyz kennt – das ist so absurd, dass es einfach nur perfekt ist.

    Eva, Markus und Richi schnorcheln los, während ich an Bord bleibe und die himmlische Ruhe genieße. Jeder verbringt den Vormittag auf seine Art: die einen mit Fischen unter Wasser, ich mit einem Buch und dem sanften Schaukeln der Boje.

    Am späteren Nachmittag werden Eva, Richi und ich von Kelvin mit einem kleinen Ruderboot abgeholt. Wir gleiten leise in den Indian River hinein – ein stilles, fast mystisches Labyrinth aus Mangroven, das sich wie ein grünes, verwunschenes Geheimnis durch den Wald schlängelt.

    Die Luft ist schwer und feucht, der Geruch von Salz, Schlamm und tropischem Grün hängt zwischen den Wurzeln. Die Mangroven stehen wie knorrige Wächter im brackigen Wasser, ihre Luftwurzeln ragen wie verkrümmte Finger heraus und bilden ein undurchdringliches Netz. Das Boot schiebt sich fast lautlos durch die engen Kanäle – kein Motor, nur das sanfte Plätschern der Ruder und Kelvins ruhige Stimme.

    Plötzlich tauchen sie auf: leuchtend orange und rote Landkrabben krabbeln über die Wurzeln, als hätten sie hier das Sagen. Manche sitzen einfach da und starren uns an, als wollten sie sagen: „Touristen? Schon wieder?“
    Hoch oben in den Ästen sonnen sich große grüne Leguane, so reglos, dass man sie fast für Deko halten könnte. Winzige Kolibris schießen wie schillernde Raketen durch das Licht, das durch die Blätter fällt, während Königsfischer und andere Vögel elegant über dem Fluss kreuzen. Unter der Oberfläche huschen kleine Fische durch das Wurzelgewirr.

    Dazwischen erfüllt ein unglaubliches Vogelgezwitscher die Luft – ein wildes, fröhliches Konzert aus Pfeifen, Trillern und Rufen, als würde der gesamte Dschungel mit uns mitsingen.

    Kelvin rudert uns tiefer hinein, zeigt uns versteckte Ecken und erzählt von Piraten, die hier früher Schutz suchten. Der Mangrovenwald schluckt jedes Geräusch von draußen. Für eine Weile existiert nur noch dieses grüne, lebendige Labyrinth – und wir mittendrin, klein und still.

    Dann führt uns Kelvin inmitten des dichten Dschungels an einen versteckten Steg. Wir steigen aus und folgen ihm auf einem schmalen Pfad durch ein wahres Obst-Paradies: Ananaspflanzen mit ihren stacheligen Kronen, schwere Mangos, reife Guaven und Bananenstauden, die sich unter ihren Früchten biegen. Es duftet süß und tropisch, als würde der Wald uns persönlich einladen.

    Zwischendurch bleibt Kelvin stehen, pflückt ein paar Blätter und reibt sie zwischen den Fingern. „Lemongras“, sagt er mit einem Grinsen und hält uns die frischen, zitronig duftenden Blätter unter die Nase. Der intensive, frische Duft steigt sofort auf – pure Karibik in der Hand.

    Am Ende des Pfades taucht Leslie’s Bush Bar auf – eine urige, offene Hütte mitten im Grünen, die aussieht, als hätte sie der Wald selbst gebaut. Dort gönnen wir uns einen ordentlichen Rum-Drink, frisch, stark und mit genau dem richtigen karibischen Kick. Wir sitzen da, lassen die Beine baumeln und spielen noch eine schnelle Runde Domino. Die Steine knallen laut auf den Holztisch, es wird gelacht, geflucht und ordentlich angegeben – typisch dominicanisch.

    Viel zu schnell geht’s zurück ins Boot. Kelvin rudert uns durch das Mangroven-Labyrinth wieder hinaus aufs offene Meer, wo unser Schiff geduldig am Anker wartet.
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  • Wenn das Meer zurücklächelt- Delfinmagie

    April 2 in Guadeloupe ⋅ ☀️ 25 °C

    Ja ja – das Meer hat Humor. Und Ungeschicklichkeit? Wird gnadenlos mit Stil bestraft.

    Wer halb elegant, halb optimistisch ins Dingi steigt, bekommt keine zweite Chance – sondern ein Gratis-Vollbad. Ich rutschte ab wie ein nasser Seestern auf Glatteis, ließ einen kurzen Überraschungsschrei los und landete platschend im warmen Wasser. Einmal untertauchen, kurz die Würde verlieren, wieder auftauchen – prustend, lachend, lebendig.

    Immerhin: Kleidung waschen? Abgehakt. Effizienzlevel Karibik.

    Wie ein tropfender Pudel auf Abwegen zog ich mich zurück aufs Boot, während Markus und Richi schon Richtung Supermarkt verschwanden.

    Aber gut. Wenn man schon aussieht wie ein durchgeweichter Waschlappen, kann man auch konsequent bleiben. Badeanzug? Überbewertet. Ich dachte mir nur: Ach komm – und sprang einfach in Unterwäsche wieder ins Wasser. Minimalistisch, mutig, ein bisschen rebellisch. Karibik-Style eben.

    Kurz darauf hieß es Abschied nehmen. Dominica verschwand langsam hinter uns, während wir den Anker lichteten und Kurs auf Terre de Bas nahmen. Dort wartete eine Bucht, die aussah, als hätte jemand mit zu viel Perfektion gemalt: türkis, still, fast unverschämt schön.

    Der Tag löste sich einfach auf. Baden, schnorcheln, treiben lassen. Zeit wurde weich wie warmer Sand zwischen den Fingern.

    Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Guadeloupe. Anfangs noch freundlich, fast harmlos – doch dann zog sich der Himmel zusammen wie ein schlecht gelaunter Vorhang. Vor uns baute sich eine Regenwand auf, dicht und dunkel, als hätte jemand die Welt in Grau getaucht.

    Ausweichen? Keine Chance. Also geradewegs hinein.

    Und dann – als hätte jemand einen Wasserhahn aufgedreht, aber vergessen, ihn jemals wieder zu schließen – brach der Regen los. Dicke Tropfen trommelten aufs Deck, laut, wild, fast persönlich.

    Und genau in diesem Moment entschied sich das Meer, uns ein Geschenk zu machen.

    Plötzlich: Bewegung im Wasser. Schatten. Dann Rücken. Dann Sprünge.

    Eine ganze Gruppe Delfine tauchte auf – locker zwanzig. Wie ein lebendiger Funkenregen im grauen Chaos. Natürlich zückten wir unsere Handys, völlig sinnlos und komplett durchnässt, aber egal.

    Die Delfine spielten. Sie tanzten um unser Boot, sprangen, drehten sich, glitten durchs Wasser wie flüssiges Silber. Einer davon – ein kleines Baby – flitzte neben seiner Mutter her, als wäre das alles das normalste der Welt.

    Und wir? Standen klatschnass an der Reling, lachten wie Kinder und konnten nicht glauben, was da gerade passierte.

    Es war, als hätte jemand mitten im Sturm ein Fenster aufgerissen – und dahinter war einfach pure Freude.

    Der Himmel grau, das Meer wild, wir durchnässt bis auf die Knochen.
    Und genau da, im unscheinbarsten Moment, zeigte sich das Schönste.

    Timing? Perfekt.

    Und dann – als hätte jemand da oben endlich genug von seinem eigenen Drama – hörte der Regen abrupt auf. Kein langsames Nieseln, kein Ausklingen. Einfach: Hahn zu. Stille. Nur noch das leise Tropfen vom Deck, als würde das Boot selbst einmal tief durchatmen.

    Wir schauten uns an, grinsten – und steuerten weiter Richtung Îlet du Gosier.
    Ein kleines Fleckchen Erde vor Guadeloupe, das wirkt, als hätte jemand ein Stück Postkarte ins Meer gelegt.

    Das Wasser dort? Glasklar. So klar, dass man fast vergisst, dass man überhaupt auf Wasser schaut. Türkis in allen Schattierungen, ruhig wie ein schlafender See. Nach all dem Regen, dem Chaos, den Delfinen – plötzlich einfach nur Frieden. Fast schon unverschämt schön.

    Wir nahmen eine Boje, ließen den Anker-Alltag los und uns einfach treiben.
    Die Nacht kam leise, ohne großes Spektakel. Kein Drama mehr, kein Applaus – nur sanftes Schaukeln, ein paar Sterne und dieses Gefühl, genau richtig zu sein, wo man gerade ist.
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  • Das Paradies und das blaue Gold

    April 4 in Guadeloupe ⋅ ☁️ 26 °C

    Von Îlet du Gosier tuckerten wir entspannt zurück in den Hafen von Bas-du-Fort Marina. Anlegen, festmachen, einmal tief durchatmen – unser letzter Tag an Bord.

    Wir kosteten jede Minute aus wie einen guten, alten Rum: langsam, bewusst, fast ein bisschen ehrfürchtig.

    Im Le Pampan zelebrierten wir unseren Abschied mit einer großzügigen Coupe. Ich blieb mir treu und bestellte meine persönliche Königsdisziplin: Pêche Melba. Cremiges Vanilleeis, saftige Pfirsiche, knackige Mandeln – und… nun ja, statt der klassischen Himbeersoße kam Schokolade ins Spiel. Nicht ganz regelkonform, aber ehrlich gesagt: völlig egal. Für einen kurzen, süßen Moment war die Welt einfach perfekt.

    Danach schlenderten wir noch ein bisschen herum, ließen den Tag ausklingen und kehrten zurück aufs Schiff. Dort wartete ein Luxus, den man erst auf See wirklich zu schätzen lernt: eine lange, ausgiebige Dusche. Endlich kein Salz mehr im Haar, kein Gefühl mehr, selbst Teil des Meeres zu sein. Vom wandelnden Fischbrötchen zurück zum halbwegs zivilisierten Menschen – ein Fortschritt.

    Am Abend zog es uns noch einmal los, und wir landeten im Le 9. Auf den Tisch kam Magret de Canard mit Kartoffelgratin – zart, saftig, knusprig, ein kleines kulinarisches Finale. Ein Gericht, das ganz klar sagt: So verabschiedet man sich ordentlich.

    Zurück an Bord gab es dann noch den letzten Akt: ein guter Rum. Kein großes Drama, keine großen Worte – einfach ein stiller, warmer Abschluss. Danach fielen wir satt, glücklich und ein bisschen wehmütig ins Bett.

    Am Samstagmittag hieß es dann wirklich von Eva und Markus Abschied nehmen. Umarmungen, Schulterklopfen, dieses kurze Wegschauen, wenn die Augen doch ein bisschen zu glänzen anfangen.

    Richi und ich machten uns auf zur Autovermietung und übernahmen unseren kleinen Kia – ein tapferes Auto, das noch keine Ahnung hat, was die Straßen von Guadeloupe mit ihm vorhaben.

    Erster Halt: Supermarkt. Wasser, Brot, Früchte, Wein – eingepackt wie für eine kleine Expedition. Danach ging es quer über die Insel Richtung Saint-François. Nach ein bisschen Suchen erreichten wir gegen 17 Uhr unser Ziel.

    Und dann: wow.

    Die Anse des Rochers liegt direkt am Meer, eingebettet in eine ruhige Anlage. Unsere Wohnung: hell, geschmackvoll, mit einer großen Terrasse. Der Meerblick versteckt sich ein bisschen hinter den Häusern – aber ehrlich, bei 30 Metern bis zum Strand, Palmen und türkisfarbenem Wasser beschwert sich hier niemand. Wir waren sofort verliebt.

    Und dann kam die überraschende zweite Ebene dieses Ortes.

    Was heute aussieht wie ein entspanntes Postkartenidyll, war im 18. Jahrhundert eine sogenannte Indigoterie – eine Produktionsstätte für Indigo, damals „blaues Gold“. In steinernen Becken wurde hier die Pflanze verarbeitet, der Farbstoff war in Europa extrem wertvoll. Diese Becken existieren noch heute, versteckt zwischen den Villen – unscheinbar, fast zufällig.

    Doch die Geschichte dahinter ist alles andere als idyllisch. Versklavte Afrikaner arbeiteten hier unter harten Bedingungen in feuchten, stickigen Anlagen. Ein Kapitel, das leicht in den Hintergrund rückt, wenn man barfuß durch warmen Sand läuft.

    Mit dem Aufstieg des Zuckerrohrs verlor Indigo an Bedeutung. Die Anlage wurde aufgegeben, vom Dschungel überwuchert und geriet in Vergessenheit – bis man sie Anfang der 2000er Jahre wieder entdeckte.

    Heute bewegt man sich also durch Palmen, Sonne und Urlaubsruhe – und stolpert plötzlich über Relikte von vor 300 Jahren.

    Wie ein Zeitreise-Sandwich:
    oben Leichtigkeit, unten Geschichte.

    Und genau dieser Kontrast gibt dem Ort Tiefe.

    Zwischen Pêche Melba und Rum-Punsch bleibt leise die Erkenntnis:
    Die Schönheit der Karibik hat oft Wurzeln, die weit tiefer gehen, als man auf den ersten Blick sieht.
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  • Le Moule - wo Geschichte leise nachhallt

    April 6 in Guadeloupe ⋅ 🌬 27 °C

    Ostern lief bei uns genau so ab, wie man es sich insgeheim erträumt: langsam, warm und komplett frei von allem, was nach „muss“ klingt.

    Mal lagen wir am Pool herum wie zwei überbezahlte Seehunde im Wellnessurlaub, mal hüpften wir ins Meer, mal versackten wir mit einem Cocktail in der Hand an der Strandbar – und mal saßen wir einfach auf unserer Terrasse und beobachteten, wie der Tag ganz gemütlich an uns vorbeischlenderte, als hätte er alle Zeit der Welt.

    Kurz gesagt: Wir haben nichts getan.
    Und darin waren wir super talentiert.

    Am Ostermontag meldete sich dann doch so ein leises Bedürfnis nach Bewegung. Ziel: Pointe de la Grande Vigie – der nördlichste Zipfel von Guadeloupe, wo die Insel plötzlich sagt: „So, das war’s jetzt mit Land“ – und dahinter nur noch Atlantik wartet. Als hätte jemand die Weltkarte mit einer etwas zu enthusiastischen Schere bearbeitet.

    Wir fuhren los, Richtung Norden. Die Straße zog sich durchs Land wie ein gut gelauntes Versprechen: kein Stress, keine Eile – einfach rollen lassen und schauen, was kommt.

    Erster Halt: Le Moule.

    Le Moule ist so ein Ort, der dich nicht anschreit. Kein „Willkommen! Schau mich an!“, kein großes Tamtam. Eher ein lässiges „Wenn du willst, bleib kurz stehen.“ Und genau deshalb bleibt man.

    Denn unter dieser entspannten Oberfläche steckt Geschichte. Früher war Le Moule einer der wichtigsten Häfen der Insel. Hier wurde das „weiße Gold“ – Zucker – verladen und in die Welt geschickt. Im 18. und 19. Jahrhundert war das hier kein verschlafener Ort, sondern ein geschäftiger Knotenpunkt. Plantagen, Handel, harte Arbeit. Reichtum auf der einen Seite, Ausbeutung auf der anderen. Heute ist davon nur noch ein leises Flüstern übrig, das sich zwischen bunten Fassaden und ruhigem Alltag versteckt.

    Wir machten einen kurzen Boxenstopp: einmal durchstrecken, einmal tief durchatmen, ein bisschen schauen, ein bisschen aufsaugen – und dann wieder weiter.

    Und plötzlich begann die Landschaft, sich zu verändern, als hätte jemand langsam den Filter gewechselt.

    Endlose Zuckerrohrfelder zogen sich entlang der Straße wie grüne Ozeane, die im Wind sanft hin und her schwappten. Dazwischen tauchten kleine Dörfer auf – bunt, ruhig, ein bisschen verschlafen, als würden sie kollektiv noch im Mittagsschlaf stecken.

    Die Straße wurde zur Bühne, wir zu ziemlich entspannten Statisten.
    Kein Drama, keine Explosionen – eher ein Roadmovie, das sich Zeit lässt, mit Sonne im Gesicht und einem leisen karibischen Soundtrack im Hintergrund.
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  • Zwischen Eindruck und Nachklang

    April 6 in Guadeloupe ⋅ 🌬 27 °C

    Wir treffen in Pointe de la Grande Vigie ein.

    Schon die Straße dorthin war spektakulär – kurvig, steil und mit Ausblicken, die einem den Atem rauben. Aber was uns dann erwartete, war noch eine ganz andere Liga.

    Der nördlichste Zipfel von Guadeloupe fühlt sich an, als hätte die Insel hier einfach beschlossen: „So, jetzt ist Schluss mit lustig.“ Plötzlich endet das Land abrupt, und vor uns liegt nur noch der offene Atlantik – wild, ungezähmt und endlos. Die Kalksteinklippen stürzen bis zu 80 Meter tief ins Meer, als hätte ein Riese mit der Axt zugeschlagen. Wellen krachen mit voller Wucht gegen die Felsen, spritzen meterhoch in die Luft und lassen den Boden leicht vibrieren.

    Der Name „Grande Vigie“ (große Wacht) kommt nicht von ungefähr: Schon im 17. Jahrhundert nutzten französische Siedler diesen strategisch erhöhten Punkt als Aussichtsposten, um herannahende Schiffe frühzeitig zu entdecken. Heute bietet er bei klarem Wetter grandiose Panoramablicke – nach Süden über die flachen Ebenen von Grande-Terre, nach Norden Richtung Antigua und Barbuda und sogar bis Montserrat im Westen.

    Es ist ein Ort der Extreme: Auf der einen Seite die sanfte, grüne Insel, auf der anderen die pure, rohe Kraft des Atlantiks. Man steht da oben wie am Rand der Welt – windumtost, salzig und mit diesem ehrfürchtigen „Wow, wir sind wirklich ganz oben“-Gefühl.

    Kein Sandstrand, keine Liegestühle, kein Souvenir-Shop. Nur Wind, Wellen, Weite und das Gefühl, dass hier die Natur noch das Sagen hat.

    Ein Ort, der nicht freundlich lächelt, sondern einem mit voller Wucht ins Gesicht brüllt: „Schau her, das bin ich wirklich!“

    Und genau deswegen ist Pointe de la Grande Vigie so verdammt beeindruckend.

    Ganz oben, am Ende der Welt, warten zwei kleine, einfache Stände. Der eine ist ein winziger Glacestand, der vor allem für sein hausgemachtes Glace Coco (Kokos-Eis) bekannt ist – cremig, intensiv und bei vielen Besuchern als eines der besten auf ganz Guadeloupe verschrien. Daneben findet sich meist ein kleiner Essensstand, an dem man frische Bokit bekommt – das klassische guadeloupische Streetfood: knusprig frittierter Teig, gefüllt mit Fleisch, Fisch, Gemüse oder Käse.

    Wir setzten uns kurz hin, genossen das Eis und einen warmen Bokit und schauten zu, wie der Atlantik weiter seine Show abzog. Zwei kleine Inseln der Zivilisation am Rand des Nichts – perfekt, um den dramatischen Ausblick mit etwas Karibik-Geschmack zu kombinieren.

    Nach diesem grandiosen Schauspiel verfolgten wir die Route weiter zur Porte d’Enfer – dem „Höllentor“.

    Der Name klingt dramatisch, fast bedrohlich, und doch erwartet einen hier ein paradiesischer Kontrast. Die Porte d’Enfer liegt in der Gemeinde Anse-Bertrand und ist ein geschützter Naturort mit einer ruhigen, türkisfarbenen Lagune, die von hohen Kalksteinklippen und Korallenriffen umarmt wird. Früher gab es hier einen natürlichen Felsbogen am Eingang der Bucht, der dem Ort seinen Namen gab – dieser ist im Laufe der Zeit durch die Kraft der Wellen verschwunden.

    Wir parkten oben und schauten nur von der Klippe hinunter. Plötzlich öffnete sich vor uns die Szene: kristallklares Wasser, das eigentlich eine idyllische Lagune sein sollte… doch mittendrin lag ein riesiger, brauner Algenteppich, der die schöne türkise Farbe großflächig überdeckte. Wie ein unordentlicher Teppich, den jemand vergessen hatte aufzurollen.

    Wir standen eine Weile da, ließen den Wind durch die Haare wehen und schauten zu, wie die Lagune friedlich dalag – oder zumindest das, was von ihr noch zu sehen war. Draußen tobte der Atlantik weiter gegen die Klippen, während hier drinnen die Algen gemütlich ihr eigenes Ding machten.
    Ein perfekter karibischer Kontrast: Hölle draußen, Algenteppich drinnen.

    Wir lachten kurz über die Ironie, machten ein paar Fotos und fuhren weiter – ohne den Abstieg zu wagen. Manchmal reicht es auch, einfach nur von oben zu schauen und die Natur machen zu lassen.

    Unsere Fahrt führt uns weiter, vorbei an bunten Dörfern, die wirken, als hätten sie sich extra hübsch gemacht – pastellfarbene Häuser, kleine Gärten, ein bisschen Karibik-Leichtigkeit im Vorbeifahren.

    Und dann kippt die Stimmung.

    Wir halten am Slave Cemetery Anse Sainte-Marguerite – oder besser gesagt: an dem, was davon übrig ist.

    Kein würdevoller Ort, kein Gefühl von Schutz oder Erinnerung. Eher das Gegenteil. Das Gelände wirkt vernachlässigt, fast vergessen. Gras überwuchert die Fläche, nichts ist wirklich gepflegt, nichts erklärt sich von selbst. Man steht da und fragt sich unwillkürlich: War’s das?

    Dabei liegt hier Geschichte. Schwere Geschichte.

    Hier wurden versklavte Menschen begraben – oft namenlos, oft ohne jedes Zeichen. Menschen, deren Leben schon zu wenig zählte und deren Tod offenbar bis heute nicht viel mehr Aufmerksamkeit bekommt.

    Und genau das macht es so bedrückend.

    Es ist nicht nur die Vergangenheit, die traurig ist –
    es ist der Umgang damit heute.

    Der Ort fühlt sich still an, aber nicht ruhig. Eher wie ein leises, unbeantwortetes Fragen. Ein Platz, der mehr Respekt verdient hätte, mehr Sichtbarkeit, mehr Sorgfalt.

    Wir bleiben nicht lange.
    Nicht, weil es uns egal ist – sondern weil es schwer auszuhalten ist.

    Man fährt weiter durch die farbenfrohen Dörfer, sieht wieder Palmen, Meer, Leben.
    Aber irgendetwas bleibt hängen.

    Wie ein Schatten, der sich nicht ganz abschütteln lässt.

    Wir fahren zurück in unser Appartement in der Anse des Rochers – noch ein bisschen durchgepustet vom Atlantik, noch mit dem Kopf irgendwo zwischen Klippen und Horizont.

    Kaum treten wir auf die Terrasse, ging sie los: die abendliche Show.

    Erst leise. Dann lauter. Dann… überall.

    Was man in Guadeloupe bei Einbruch der Dämmerung hört, klingt nicht nach dem gemütlichen „Quak“ aus heimischen Teichen. Nein, das hier ist eher ein hochfrequentes Pfeifen, ein schrilles Zirpen, ein fast schon elektronisch wirkendes „tick-tick-tic“ – als hätte jemand tausende winzige Synthesizer im Gebüsch verteilt.

    Die Hauptdarsteller: winzige Frösche aus der Gattung Eleutherodactylus. Allen voran der Eleutherodactylus martinicensis und sein Kollege, der Eleutherodactylus johnstonei.

    Zwei bis drei Zentimeter klein – aber mit der Bühnenpräsenz eines Rockkonzerts.

    Sobald die Sonne untergeht, drehen die Männchen auf. Und zwar richtig. Besonders nach Regen oder bei dieser warmen, feuchten Luft, die sich anfühlt wie eine tropische Umarmung. Dann wird aus ein paar vereinzelten Stimmen ein ganzes Orchester.

    Und das hört man.
    Weit. Wirklich weit.

    Am Anfang denkt man noch: „Grillen?“
    Dann: „Zikaden?“
    Und irgendwann: „Okay… das sind viele.“

    Sehr viele.

    Ein kollektives Froschkonzert, das die Nacht übernimmt wie ein gut eingespieltes Festival-Line-up. Erst ungewohnt, dann irgendwie charmant. Und irgendwann fehlt es sogar, wenn es mal still ist.

    Und als hätte die Natur beschlossen, heute wirklich alles aufzufahren, kamen auch noch ein paar stattliche Kakerlaken über die Terrasse spaziert. Ganz entspannt. Ohne Einladung. Mit der selbstverständlichen Haltung von Hausbesitzern, die nur kurz nach dem Rechten sehen.

    Wir schauten uns an, lachten – und zuckten mit den Schultern.

    „Karibik halt.“

    Kein geschniegelt sauberes Hochglanzparadies.
    Sondern echtes Leben.

    Frösche als Background-Sänger,
    Kakerlaken als unangekündigte Mitbewohner,
    und irgendwo im Hintergrund das leise Rauschen des Meeres, keine 30 Meter entfernt.
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  • Schachmatt

    April 7 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 28 °C

    Ja ja, so ein Mietauto ist immer so eine Sache.
    Wenn man den Schlüssel übernimmt, hofft man inständig: „Bitte, lass mich die Mietdauer ohne Drama überstehen.“ Aber Ferien ohne Pleiten, Pech und Pannen? Das bleibt wohl Wunschdenken – selbst in der Karibik.

    Unserem kleinen Kia-Picanto-Truckchen wurde es dann doch zu heiß. Wir wollten gerade zum Marché de la Darse fahren, als die Kühlertemperatur plötzlich auf 130 Grad schoss und sämtliche Alarme losgingen wie ein defektes Feuerwerk. Das Auto kochte förmlich vor sich hin.

    Der Zufall – oder das Schicksal mit karibischem Humor – wollte es, dass wir genau vor einer kleinen Garage zum Stehen kamen. Mit letzter Kraft rollten wir auf den Hof.

    Die Guadeloupianer haben es bekanntlich nicht eilig. Ganz entspannt setzte sich der Boss in Bewegung, schlenderte heran, öffnete die Motorhaube und betrachtete das Elend in aller Ruhe. Nach ein paar Sekunden nickte er wissend:
    „Ah… Schlauch defekt. Kühlflüssigkeit kann nicht mehr durch.“

    Eine halbe Stunde später war alles geflickt. Mit einem breiten Lächeln verabschiedete er uns – und gab uns noch den freundlichen Rat, vorsichtshalber beim Vermieter vorbeizuschauen.

    Das hatten wir ohnehin vor. Also wieder rein in unseren Schuhkarton auf vier Rädern und mit leichtem Herzklopfen Richtung Hertz – in der Hoffnung, dass er die nächsten 30 Minuten noch durchhält.

    Er tat es. Gerade so.

    Bei Hertz dann das übliche Procedere: Auto ausräumen, Schlüssel abgeben, neues Fahrzeug übernehmen. Und diesmal ganz genau hinschauen: Richi filmte, ich fotografierte – jede Seite, jeden Kratzer, sogar die Reifen.

    Same procedure as every time.

    Nach dem ganzen Umtausch-Drama fuhren wir endlich zum Markt. Das neue Kia-Truckchen wurde brav geparkt, und wir beschlossen, zu Fuß weiterzugehen – schließlich sind wir im Urlaub und nicht auf der Flucht.

    Wir suchten den berühmten Marché de la Darse – eine überdachte Markthalle direkt am Hafen von Pointe-à-Pitre. Vor allem bekannt für Gewürze, Rum, lokale Spezialitäten und Souvenirs. Ein eher strukturierter, klassischer Markt, der als feste Adresse für Besucher gilt.

    … fanden ihn auch … und standen dann etwas verdutzt davor.

    Kein Markt.

    Die große Halle war gähnend leer. Nicht mal eine einsame Mango lag herum. Dabei stand draußen groß und deutlich: Montag bis Freitag, 8:00–20:00 Uhr.

    Tja. Heute lief offenbar nichts so richtig nach Plan.Plan A: offiziell gestorben.

    Also auf zu Plan B. Wir spazierten weiter in die Innenstadt und landeten plötzlich auf dem Dorfplatz – wo ein großer, bunter Markt stattfand. Nur … nicht da, wo er eigentlich hingehörte.

    Er war einfach verlegt worden. Auf einen anderen Platz. Ohne Vorankündigung.Karibik-Logik eben.

    Wir zuckten mit den Schultern, grinsten uns an und gingen trotzdem durch.

    Und plötzlich waren wir mittendrin.

    Zwischen dicht gedrängten Ständen stapelten sich Mangos, Ananas, Papayas und Bananen in allen Größen und Reifestufen. Es roch nach reifen Früchten, nach Gewürzen und irgendwo auch nach frisch Gebratenem. Händler riefen ihre Angebote, irgendwo lief Musik, Kinder rannten zwischen den Ständen hindurch.

    Auf improvisierten Tischen lagen Gewürzmischungen in kleinen Plastiktüten, daneben selbstgemachte Chilisaucen in recycelten Flaschen – von „mild“ bis „besser nicht ohne Mut probieren“. Frauen boten frisch gemachte Accras an, noch warm, direkt aus der Fritteuse.

    Kein großer, organisierter Hallenmarkt – sondern lebendig, laut, ein bisschen chaotisch und genau deshalb so besonders.

    Zwischendurch warfen wir uns noch schnell einen Fajita ein – weil wir großen Hunger hatten.

    Danach fielen wir über die Souvenir-Stände her wie zwei hungrige Möwen. Wir kauften hübsche Tücher mit niedlichen Schildkrötenmotiven für unsere Liebsten zu Hause – eine kleine Erinnerung an die Schildkröten, die wir beim Schnorcheln so elegant und gelassen durchs Wasser hatten gleiten sehen.

    Mit vollen Tüten beschlossen wir, nach dem Shopping noch einen Abstecher nach Morne-à-l’Eau zu machen.

    Morne-à-l’Eau ist eine kleine, ruhige Gemeinde auf Grande-Terre, die ihren Namen nicht umsonst trägt: „Morne“ bedeutet Hügel, „à l’eau“ bedeutet „am Wasser“. Der Ort liegt etwas erhöht inmitten einer sumpfigen, von Mangroven und feuchten Böden geprägten Landschaft.
    Der berühmte Friedhof von Morne-à-l’Eau entstand im 19. Jahrhundert, nach der Abschaffung der Sklaverei 1848. Weil der Boden hier feucht und instabil ist, wurden keine klassischen Erdgräber angelegt, sondern massive oberirdische Familien-Mausoleen aus Stein und Beton.

    Im Laufe des 20. Jahrhunderts griffen immer mehr Familien auf robuste, pflegeleichte Keramikfliesen zurück – vor allem in Schwarz und Weiß. So entstand nach und nach das markante schwarz-weiße Schachbrettmuster, das den Friedhof heute weltweit bekannt macht.

    Wir fuhren hin und schauten uns das Ganze in Ruhe an. Es ist kein touristisches Highlight im klassischen Sinne, sondern ein lebendiger, aktiver Friedhof, auf dem Familien ihre Gräber pflegen und an Feiertagen wie Allerheiligen zusammenkommen.

    Die Atmosphäre ist still, fast andächtig – und gleichzeitig ein beeindruckendes Zeugnis davon, wie Landschaft, koloniale Geschichte und kulturelle Praxis hier über Generationen hinweg zusammengewirkt haben.
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  • Lightseeing im Dschungel

    April 8 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 28 °C

    Wir beschließen, der Cascade aux Écrevisses einen Besuch abzustatten – einmal quer rüber von Grande-Terre nach Basse-Terre. Ein Inselwechsel mit Ansage, nur dass sich das Ganze weniger wie ein Ortswechsel anfühlt und mehr wie ein Level-Up.

    Kaum die unsichtbare Grenze überschritten, fällt uns der erste Unterschied ins Auge: Die Straßen sind hier tatsächlich besser. Glatter, gepflegter – fast vertrauenswürdig. Ein kurzer Moment der Hoffnung. Dann geht es los. Rauf. Runter. Rauf. Runter. Achterbahn trifft Rallyeprüfung.

    Man fährt Hügel hinauf, ohne zu wissen, ob dahinter Straße oder Jenseits wartet. Kuppen, so steil, dass man kurz denkt: Das war’s jetzt. Und auf der anderen Seite geht es genauso kompromisslos wieder runter. Unser Kia gibt alles. Wirklich alles. Er klingt dabei wie ein Asthmatiker beim Berglauf und kämpft sich mit letzter Würde diese Hänge hoch.

    Und dann dieser Wald.
    Wir sind mitten im Guadeloupe National Park, und plötzlich wirkt alles dichter, wilder, lebendiger. Der Regenwald hier hat nichts von dem, was man von Grande-Terre kennt. Er ist üppig, feucht, fast schon aufdringlich grün. Pflanzen wachsen hier nicht – sie explodieren. Riesige Farne, verschlungene Lianen, Bäume, die eher Kathedralen sind als Gewächse. Die Luft ist so schwer, dass man sie fast schneiden könnte, und riecht nach Erde, Wasser und Leben.

    Nach etwa 90 Minuten erreichen wir unser Ziel. Oder besser: fast. Denn vorher beginnt das eigentliche Abenteuer – einen Parkplatz finden. Der Ort ist überlaufen. Touristen überall. Autos überall. Hoffnung: kurz weg. Dann – Halleluja – eine Lücke. Klein, aber ausreichend. Wir nehmen sie, als hätten wir im Lotto gewonnen.

    Zu Fuß geht es weiter. Der Weg ist angenehm ausgebaut, Holzstege führen durch den Wald, als hätte jemand beschlossen, dem Dschungel wenigstens ein bisschen Struktur beizubringen. Es ist feucht, leicht rutschig, aber machbar. Und dann hört man es schon: Wasser.

    Die Cascade aux Écrevisses taucht auf wie ein gut gehütetes Geheimnis, das leider alle kennen. Kein gigantischer Niagarafall, kein dramatisches Naturwunder – eher ein kompakter, fast bescheidener Fall, der über dunkle Felsen in ein klares Becken stürzt.

    Das Wasser ist kühl, fast überraschend frisch, typisch für die Flüsse aus den Bergen von Basse-Terre. Man kann hineingehen, sich treiben lassen, kurz durchatmen. Der Name „Écrevisses“ kommt übrigens von Flusskrebsen, die hier früher lebten – heute sieht man sie eher selten – wahrscheinlich haben sie sich angesichts der vielen Touristen dezent zurückgezogen. So wie oft in der Karibik: Die Geschichte bleibt, auch wenn das Detail verschwindet.

    Wir beschlossen, das mit dem Baden heute einfach sein zu lassen. Zu viele Leute, zu wenig Ruhe – und wir waren gerade nicht in der Stimmung für ein fröhliches Gemeinschaftsbad im Regenwald. Also machten wir die Fliege.

    Stattdessen wurde die Straße zu unserem Programm. Rein, raus, rein, raus – wie bei einem organisierten Speed-Dating mit der Natur. Immer wieder hielten wir an, stiegen aus, machten Fotos, staunten kurz und kletterten wieder ins Auto.

    Der Regenwald lieferte zuverlässig wie ein gut gelaunter DJ: Hinter jeder Kurve ein neues Grün, ein neuer Blick, ein Moment, der einen kurz innehalten ließ.

    Es gab unzählige kleine Wege, die tiefer in den Wald führten – Pfade, die aussahen, als würden sie irgendwohin führen, wo es noch stiller, noch dichter, noch geheimnisvoller wird. Aber unsere Schuhe waren eher Kategorie „mehr Catwalk als Urwald-Workout“. Also blieben wir beim Lightseeing: angucken, staunen, weiterfahren.

    Und ganz ehrlich: Die vielen Menschen machten es auch nicht besser. Der Regenwald wirkt am stärksten, wenn er ein bisschen für sich bleiben darf – wie ein introvertierter Künstler, der gerade keine Selfies mit Fremden möchte.

    Also fuhren wir weiter, einmal quer über die Insel – und kamen schließlich bei Mahaut wieder heraus. Der Wald lichtete sich langsam, die Straße wurde ruhiger. Ein leiser, fast sanfter Übergang zurück in die Zivilisation, als würde der Dschungel uns höflich zur Tür bringen: „War schön mit euch, aber jetzt geht’s wieder raus ins Licht.“
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  • Kirmesstraße und Küchenstopp

    April 8 in Guadeloupe ⋅ ☀️ 28 °C

    In Mahaut spuckt uns der Dschungel wieder aus und übergibt uns direkt an die Küstenstraße. Von „alles wächst wild“ zu „alles fährt kurvig“ – denn geradeaus ist hier eher ein Gerücht. Es geht rauf, runter, links, rechts, und wir mittendrin, irgendwo zwischen Rallyegefühl und stillem Vertrauen darauf, dass der nächste Hügel nicht das Ende der Straße ist.

    Die Landschaft zieht vorbei wie ein Film, der sich nicht entscheiden kann, ob er Meer oder Dschungel sein will. Dazwischen: Bananenplantagen, endlos und ordentlich, als hätte jemand dem Chaos kurz Struktur verordnet. Und plötzlich Häuser – modern, groß, geschniegelt. Alles wirkt überraschend aufgeräumt, fast gelassen.

    Die Straße bleibt verspielt. Rauf, runter – huiii – und wir lassen uns einfach mitnehmen. Kurz nach Malendure landen wir eher zufällig bei Chez Mème. Ein kleines Familienrestaurant am Straßenrand, unscheinbar, aber genau richtig. Bokits und Accras, heiß, knusprig, würzig – kein großes Tamtam, einfach verdammt lecker.

    Zurück im Auto geht es weiter Richtung Grande-Terre. Die Straße denkt gar nicht daran, sich zu beruhigen. Eher Kirmes als Küstenfahrt, nur ohne Sicherheitsbügel.

    In Vieux-Habitants legen wir noch einen kurzen Stopp ein, bei La Maison du Chef. Ein alkoholfreier Drink, mehr Hoffnung als Lösung. Denn die Hitze ist nicht einfach da – sie klebt. Die Luft steht, wir auch fast, und schwitzen um die Wette.

    Die Insel fährt mit. Und wir fahren einfach weiter.
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  • Vom Souvenir-Flop zum Bade-Himmel

    April 9 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 28 °C

    Sainte-Anne ist genau so, wie man sich eine charmante kleine Karibik-Stadt vorstellt: bunte Häuser, die in der Sonne leuchten wie frisch lackierte Bonbons, nette Restaurants und dieser typisch guadeloupische Mix aus entspannter „Alles-wird-schon“-Haltung und echtem Leben.

    Der Name geht übrigens auf Anne von Österreich zurück (Mutter von Ludwig XIV.), aus der Zeit, als Sainte-Anne noch ein wichtiger Hafen für Zucker und Rum war. Heute ist davon nur noch der Charme übrig geblieben.

    Nach der langen Autofahrt gestern und dem anstrengenden Tag beschlossen wir, Sainte-Anne endlich richtig zu erkunden. Dort soll es einen Markt geben und angeblich den schönsten Strand der ganzen Insel. 15 Minuten später waren wir da – und fanden sogar sofort einen Parkplatz. Ein kleines Wunder!

    Es ist heiß. Sehr heiß. Wir schwitzten wie in einer finnischen Sauna mit defekter Lüftung, liefen aber trotzdem tapfer zum Markt.

    Welche Enttäuschung.

    Der Markt bot exakt dasselbe wie der vor zwei Tagen: Früchte, Gewürze, Rum und denselben Touristenkram, den niemand wirklich braucht.

    „Plan B!“, sagten wir und steuerten direkt den Strand an – und wurden absolut positiv überrascht.

    Plage de la Caravelle (oder einfach „der schönste Strand der Insel“) ist ein echter Traum: feiner, weißer Sand, türkisblaues Wasser, das durch ein vorgelagertes Riff besonders ruhig und flach bleibt. Man kann hier gefühlt 100 Meter weit ins Meer laufen, ohne dass es tiefer als bis zur Brust wird. Kokospalmen spenden großzügig Schatten, und das Ganze sieht aus wie eine Postkarte, die jemand extra für Instagram entworfen hat.

    Besonders nach dem Algenteppich-Drama von Porte d’Enfer und eigentlich fast überall, war es fast schon verdächtig, wie sauber und klar das Wasser hier war.

    Räumt da jemand heimlich nachts auf? Egal – wir stürzten uns ins kühle Nass und ein tiefes, erleichtertes „Aaaahhh“ entwich unseren Lippen. Pure Wohltat.

    Der Strand füllte sich nach und nach, aber es blieb angenehm. Nach drei Stunden beschlossen wir, zurückzufahren und bei uns am Pool weiterzumachen. Dort war es ruhiger, weniger Leute, und wir hatten unseren eigenen kleinen Karibik-Himmel ganz für uns.
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  • Das Ende der Welt

    April 10 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 26 °C

    Die Pointe des Châteaux ist vieles – aber ganz sicher kein Ort für Liegestuhl und Kokosnussromantik.

    Hier fühlt es sich an wie das Ende der Welt.

    Ganz im Osten von Grande-Terre schiebt sich diese schmale Landzunge in den Atlantik, als hätte die Insel selbst noch ein letztes Wort mitzureden. Hier trifft das ruhige Karibikbild von Guadeloupe auf die offene Kraft des Atlantiks. Keine Lagune, kein Schutz – hier kommt alles direkt an.

    Hinter uns: trockene, fast karge Vegetation. Ganz anders als der Regenwald auf Basse-Terre. Weniger üppig, mehr rau. Kakteen, niedrige Sträucher, viel Sonne. Man merkt sofort: Diese Seite der Insel lebt vom Wind und vom Salz in der Luft.

    Ein schmaler Weg führt hinauf zum großen Kreuz auf dem Hügel – ein Punkt, von dem aus man noch weiter schauen kann. Noch mehr Weite. Noch mehr dieses „hier hört’s irgendwie auf“-Gefühl.

    Aber wir bleiben bei den Klippen stehen - und staunen.

    Vor uns donnert der Atlantik mit einer Wucht gegen die Felsen, als hätte er noch eine alte Rechnung mit der Insel offen. Die Wellen brechen sich mit solcher Kraft, dass das Wasser in weißen Fontänen meterhoch in die Luft schießt.

    Die Farbe des Meeres wechselt von tiefem Smaragdgrün zu einem wilden Türkis, je nachdem, wie die Sonne gerade durch die Wolken bricht. Es ist unberechenbar, wild und absolut hypnotisierend.

    Es ist einer dieser riesigen Wow-Momente, bei denen man merkt: Hier hat die Natur das Sagen. Kein Instagram-Winkel, kein Zwang, irgendetwas festzuhalten. Wir stehen einfach nur da, sagen wenig, schauen raus und lassen uns von der rohen Schönheit ein bisschen klein machen.

    Baden?
    Keine gute Idee.

    Die Strömungen sind stark, die Wellen zu unberechenbar. Hier baden zu gehen wäre nicht mutig, sondern leichtsinnig – als würde man freiwillig in eine Waschmaschine auf Schleuderprogramm springen.

    Also bleiben wir einfach stehen.
    Staunen.
    Atmen.
    Und genießen diesen einen, stillen Moment am Ende der Welt.

    Wir beschliessen, ein Stück weiter vorne ins Meer zu gehen. Dort sollte es ruhiger und einfacher sein, ins Wasser zu kommen – ohne dass man sich wie ein nasser Mehlsack über Felsen quälen muss.

    Es war kein entspanntes Planschbecken-Schwimmen, sondern eher eine kleine Wellen-Achterbahn. Das Wasser war jedoch kristallklar und angenehm warm – genau die richtige Temperatur, um die Seele (und den restlichen Schweiß) abzukühlen. Und das Beste: keine Algen! Die lagen brav am Strand wie ein brauner, unordentlicher Teppich, den jemand vergessen hatte aufzurollen.
    Wir mussten unsere Tücher also strategisch zwischen den Algenhaufen platzieren – eine Art Minenfeld aus nassem Seetang. Richi schnorchelte sofort los wie ein Profi auf Mission, während ich fröhlich in den Wellen herumplantschte.

    In der Ferne sah ich die hohen Wellen, die sich mit beeindruckender Wucht brachen, bevor sie als harmlose Rollen ans Ufer kamen. Es war, als würde der Atlantik uns eine kleine Show bieten, aber nur aus sicherer Entfernung: „Schaut her, was ich kann – aber heute seid ihr dran mit Plantschen.“

    Kurz gesagt: Kein ruhiges Bad, aber ein herrlich erfrischendes und echtes Karibik-Erlebnis.

    Wir blieben natürlich nicht einfach nur am Meer und starrten wie Touristen auf einer Postkarten-Safari. Nach dem Baden machten wir uns mit Sand in allen Körperfalten, aber herrlich erfrischt, auf zu den Salinen-Seen.

    Der Weg vom Meer führte durch einen schmalen Waldstreifen. Es war heiß.

    Richtig heiß.

    Hinter den dramatischen Klippen änderte die Landschaft plötzlich ihren Charakter. Weniger „Ende der Welt“, mehr „ruhiges Zen“. Flach, trocken, fast karg – als hätte die Natur beschlossen, nach dem großen Spektakel mal eine Pause einzulegen.

    Und dann lagen sie da: die Salzseen. Ruhig, glatt und spiegelblank, als hätten sie mit dem tobenden Atlantik da vorne absolut nichts zu tun. Ein stiller Gegenentwurf zum wilden Ozean-Drama.
    Das Wasser schimmerte oft milchig, manchmal sogar zartrosa – je nach Licht und Salzgehalt. Hier verdunstet Meerwasser ganz gemächlich, und zurück bleibt reines Salz. Ein Prozess, der so langsam und unspektakulär abläuft, dass man fast dabei zusehen kann, wie die Zeit selbst ein Nickerchen macht.

    Die Luft roch anders. Salziger. Schwerer. Konzentrierter. Als hätte die Landschaft beschlossen, sich auf das Wesentliche zu beschränken und alles Überflüssige einfach wegzulassen.

    Die Sonne brannte erbarmungslos herunter, als hätte sie persönlich eine Rechnung mit uns offen. Jeder Schritt fühlte sich an wie ein kleiner Spaziergang durch die Sauna-Abteilung der Hölle.

    Die Salinen-Seen gehören zum Naturschutzgebiet und sind ein echtes Vogelparadies. Hier nisten und hausen die gefiederten Bewohner in aller Ruhe – Flamingos (früher, heute hat es keine mehr), Reiher und allerlei andere geflügelte Nachbarn, die sich das salzige Biotop zur Heimat erkoren haben.

    Ich fand es faszinierend – dieses stille, fast meditative Zusammenspiel aus Salz, Wasser und Vogelwelt.

    Richi hingegen… nicht so sehr.

    Manche lieben die Poesie der Natur, andere finden sie einfach nur… heiß und etwas langweilig.

    Karibik halt.

    Während vorne der Atlantik noch mit voller Wucht Eindruck schinden wollte, lagen die Salinen da wie sein cooler, gelassener großer Bruder: „Mach du mal dein Theater, ich mach hier einfach Salz.“
    Wir gingen ein Stück, schauten, sagten wenig.

    Und merkten: Auch Stille kann ziemlich viel erzählen. Manchmal sogar mehr als das laute Tosen.

    Nach dem ganzen Wellen-Spektakel und dem großen „Wow-Moment am Ende der Welt“ hatten wir genug frische Atlantik-Luft geschnuppert.

    Zeit für eine kleine Stärkung. Wir kehrten bei Jack Sparrow „La Rhumerie du Pirate“ ein – einem urigen Piraten-Restaurant, das aussieht, als hätte Johnny Depp persönlich die Inneneinrichtung übernommen. Dort ließen wir uns leckere Burger servieren, die so gut waren, dass selbst ein echter Karibik-Pirat dafür sein Schiff verkauft hätte.

    Gestärkt und mit vollem Bauch schlenderten wir anschließend noch zum Village Artisanal, um unsere letzten Souvenirs zu besorgen. Bunte Tücher, kleine Kunstwerke und der eine oder andere Rum, der definitiv nicht mehr ins Handgepäck passen würde.

    Ein schöner, entspannter Abschluss für unseren Ausflug ans wilde Ende von Guadeloupe.
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  • Pelikan-Zauber und Leguan-Ruhe

    April 11 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 28 °C

    Es gießt in Strömen. Nicht einfach Regen – eher so, als hätte der Himmel beschlossen, sich heute emotional zu zeigen. Als würde er ein bisschen mittrauern, weil unsere Reise zu Ende geht.

    Und wir? Ziehen durch. Letzter Tag hin oder her.

    Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Le Gosier. Ziel: die kleine Insel vor der Küste. Das Wetter bleibt… sagen wir interessant. Heiß, fast schwül, dann wieder Regen. Sonne, Wolken, Tropfen – alles im schnellen Wechsel, als könnte sich der Tag nicht entscheiden.

    Einen Parkplatz finden wir überraschend schnell – selten genug, um es kurz zu feiern. Dann geht’s Richtung Strand. Unterwegs stoßen wir auf eine Pelikan-Statue. Ironie des Schicksals: Seit Tagen versuche ich, einen echten Pelikan vor die Linse zu bekommen. Sie fliegen ständig irgendwo herum – nur nie dann, wenn ich bereit bin. Entweder zu schnell, zu weit weg oder einfach besser organisiert als ich.

    Also gut. Heute eben die Statue. Und kurz darauf noch ein Graffiti. Man nimmt, was man kriegt.

    Am Strand steigen wir in das kleine Shuttleboot und lassen uns zur Îlet du Gosier übersetzen. Diese winzige, unbewohnte Koralleninsel, nur etwa 500 Meter vom Festland entfernt ist schnell erreicht. Vor einer Woche waren wir schon einmal hier, allerdings nur im Wasser – diesmal schauen wir sie uns richtig an.

    Sie ist gerade mal 250 Meter lang und 150 Meter breit, besteht aus weißen Sandstränden im Norden und Kalksteinklippen im Süden und wird seit 2003 als Naturschutzgebiet geschützt.

    Die Insel ist ein kleiner Robinson-Crusoe-Traum: Kokospalmen, kristallklares Wasser, gutes Schnorcheln an den Riffen und ein markanter roter und weißer Leuchtturm aus dem Jahr 1932 (der dritte an dieser Stelle – die beiden Vorgänger haben Stürme nicht überlebt). Es gibt sogar ein kleines Restaurant mit Seafood und eine verlassene Leuchtturm-Wärter-Hütte. Die Insel fühlt sich wild und gleichzeitig nah genug an, um sich sicher zu fühlen.

    Rundherum kann man schwimmen, schnorcheln oder einfach im Sand sitzen und nichts tun – sofern die Natur mitspielt.

    Tut sie heute nur bedingt.

    Auch hier haben sich Sargassum-Algen breitgemacht. Nicht dramatisch, aber genug, um die Badefreude etwas zu dämpfen. Nach etwa zwei Stunden packen wir wieder zusammen und fahren zurück ans Festland.

    Und dann passiert es.

    Als hätte jemand den perfekten Moment bestellt.

    Am Pier sitzt plötzlich ein Pelikan. Einfach so. Direkt vor uns. Als hätte er gewartet. Ich brauche einen Moment, um zu begreifen, dass das kein weiterer verpasster Versuch wird. Kamera raus – diesmal rechtzeitig.

    Er sitzt da wie ein Profi. Posiert fast. Lässt sich Zeit. Und dann, völlig lässig, hebt er ab. Ein paar Flügelschläge, ein eleganter Bogen – und zack, kopfüber ins Wasser. Ein perfekter Sturzflug, begleitet von einem satten Platschen.

    Show geliefert. Applaus innerlich vorhanden.

    Ich kann mein Glück kaum fassen!

    Wir bleiben noch eine Weile stehen, schauen zu, machen Fotos, grinsen.

    Und als wäre das noch nicht genug, wartet schon das nächste Highlight: Auf einer Wiese entdecken wir einen grünen Leguan. Ganz entspannt, völlig unbeeindruckt von uns, zieht er sein Ding durch. Kein Stress, kein Fluchtreflex. Einfach da.

    Wir schauen zu. Wieder still. Wieder dieses Gefühl, genau im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.

    Manchmal kommt am Ende doch noch alles zusammen.
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    Trip end
    April 13, 2026