• Wind, Wellen und ein perfekter Tag

    March 25 in Guadeloupe ⋅ ☀️ 27 °C

    Am Vorabend lassen wir uns noch einen letzten, feuerroten Sonnenuntergang schmecken. Der Himmel zieht alle Register: glühendes Orange, dramatisches Pink und ein bisschen Gold, als wollte er uns persönlich verabschieden. Wir sitzen da, Gläser in der Hand, und genießen das Spektakel wie ein teures Kinoticket, das man nicht pausieren kann.
    Danach tuckern wir mit dem Dingi wieder im samtschwarzen Dunkeln zurück zum Schiff. Nur das leise Brummen des Motors und das Glitzern der Sterne über uns – als würde der Himmel uns mit einer Million kleiner Lampen den Weg leuchten.

    Die Nacht verläuft ruhig.
    Kein wildes Schaukeln, kein Wind, der uns durch die Kojen wirbelt. Nur das sanfte Atmen des Meeres und das leise Knarzen der Leinen. Wir schlafen wie Babys in einer schwimmenden Wiege – tief, fest und selig.
    Am nächsten Morgen wacht der Wind allerdings wieder auf… und bringt neue Abenteuer mit.

    Wir lichten den Anker und segeln weiter. Adieu wundervolles Terre-de-Haut!

    Unser Schiff gleitet durchs Meer, schneidet durch die Wellen, als hätte es genau darauf gewartet. Der Wind steht gut, kräftig und konstant, die Segel sind weit offen – dieses leise, kraftvolle Vorwärtskommen, das nur Segeln kann.

    Neben uns schießen fliegende Fische aus dem Wasser, als hätten sie es eilig, irgendwo anders hinzukommen. Kurze silberne Blitze über der Oberfläche, dann wieder weg.

    Wir folgen der Küste von Guadeloupe bis zur Bucht Malendure. Dort lassen wir den Anker fallen. Direkt gegenüber liegt das Réserve Cousteau – einer der bekanntesten Spots hier, wenn es unter Wasser spannend werden soll.

    Der Wind ist längst da. Und er hat nicht vor, weniger zu werden.

    Auch in der Bucht bleibt er kräftig, schiebt an, zerrt, spielt mit dem Boot, als würde er testen, wie ernst wir es meinen. Unser Schiff schaukelt von links nach rechts wie eine Nussschale – mal nur ein Wiegen, mal ein deutlicher Stoß, der einen kurz aus dem Gleichgewicht bringt.

    Und trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – zeigt sich, was diesen Ort besonders macht: Immer wieder tauchen Schildkröten auf. Erst ein Schatten unter der Oberfläche, dann ein ruhiger Atemzug an der Luft. Während um sie herum alles in Bewegung ist, wirken sie, als hätten sie mit dem ganzen Trubel nichts zu tun.

    Richi, Markus und Eva sind unbeeindruckt. Flossen an, Maske auf, ab ins Wasser. Die drei verschwinden Richtung Riff, bereit für bunte Fische, Korallen und Begegnungen auf Augenhöhe mit den Schildkröten.

    Ich bleibe an Bord.

    Und plötzlich ist da etwas, das im Alltag selten geworden ist: Ruhe. Kein Gespräch, kein Plan, kein Müssen. Nur das Knarzen des Boots, der Wind in den Wanten und dieses unermüdliche Schaukeln, das irgendwann nicht mehr stört, sondern fast wie ein eigener Rhythmus wird.
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