• Farbenfroher Tag

    March 26 in Guadeloupe ⋅ ☀️ 27 °C

    Die Nacht war unruhig. Wir wurden durchgeschüttelt wie ein billiger Cocktail – nur leider ohne Schirmchen, ohne Olive und ohne Happy Hour.
    Entsprechend zerzaust hocken Richi und ich am Morgen auf der Bettkante in der Kombüse, starren uns an wie zwei überfahrene Waschbären und versuchen herauszufinden, wer von uns beiden zuerst wieder als funktionierender Mensch durchgeht.
    Wir schauen uns an, prusten los – vermutlich, weil alles andere zu anstrengend wäre – und beschließen wortlos: hilft nichts.

    Rein in die Badeklamotten, rauf an Deck. Augen zu und durch.

    Das Wetter ist unverschämt gut. Geradezu frech blau.

    Zusammen mit Markus tuckern wir mit dem Dingi zur Îlet Pigeon, mitten hinein in die berühmte Réserve Cousteau. Eva bleibt an Bord.
    Markus und Richi springen ins Wasser wie zwei Profis in einem Werbespot: elegant, sportlich, fast schon beleidigend geschmeidig.
    Ich folge mit der Anmut eines nassen Mehlsacks, der beschlossen hat, Tauchen zu lernen.

    Und dann bin ich drin.

    Und plötzlich ist alles egal.
    Unter mir explodiert eine Farbwelt, als hätte jemand den Sättigungsregler auf „Karibik-Maximum“ gedreht und dann vergessen, ihn wieder runterzudrehen. Fische überall – Schwärme in Neon-Gelb, Electric-Blau und knalligem Orange schwirren um mich herum, mustern mich kurz und entscheiden offenbar: „ungefährlich, aber seltsam“.

    Dazwischen stolzieren Seeigel wie kleine schwarze Igel auf Stacheln, Kofferfische paddeln gemütlich vorbei, Regenbogenfische ziehen leuchtende Spuren, und Schildkröten gleiten mit einer Seelenruhe durchs Wasser, als hätten sie einen wichtigen Termin – und wären trotzdem nie zu spät.

    Ich treibe einfach nur da, schaue, hole zwischendurch Luft und vergesse die Zeit komplett.
    Bis mein Körper irgendwann höflich, aber bestimmt meldet: „Festen Boden wäre jetzt wieder eine hervorragende Idee.“
    Der Ausstieg ins Dingi ist dann deutlich weniger elegant als der Einstieg. Mit Richis Hilfe werde ich zurück an Bord gehievt – halb Mensch, halb Walross, komplett erledigt, aber mit einem Grinsen, das nicht mehr runtergeht.
    Glücklich. Salzig. Lebendig

    Zurück an Bord fallen wir wie ausgehungert Wölfe über die Lebensmittel her. Der Kühlschrank hat keine Chance. In Rekordzeit sind Brot, Käse, Früchte und alles, was nicht schnell genug wegschwimmen kann, vernichtet.
    Der Nachmittag verläuft dann herrlich entspannt: baden, lesen, dösen – das Boot schaukelt sanft wie eine Wiege, und wir lassen uns treiben wie faule Seehunde in der Sonne.
    Später tuckern wir mit dem Dingi wieder an Land. In « Le Rocher de Malendure » genehmigen wir uns einen richtig guten Cocktail – kalt, fruchtig, mit genau dem richtigen Kick und einer Aussicht bei der einem die Spucke wegbleibt; beides macht den Tag noch ein bisschen goldener.

    Danach schlendern wir durch die Artboutique, wo Kunst, Handwerk und karibische Farben explodieren. Wir gucken, staunen, berühren hier und da – und verlassen begeistert den Laden.

    Zum krönenden Abschluss landen wir in der Pizzeria Oganic und gönnen uns eine Pizza, die einfach nur „ja“ schreit. Knuspriger Boden, frische Zutaten, geschmolzener Käse – pure Glückseligkeit auf einem Teller.

    Satt, zufrieden und ein kleines bisschen klebrig vom Salz und Sonnencreme machen wir uns später wieder auf den Rückweg zum Schiff.
    Perfekter Tag.

    Mehr braucht’s manchmal nicht. .
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