Von der Kirchenparty zur Krimi-Rallye
March 29 in Dominica ⋅ ☀️ 26 °C
Punkt 9 Uhr stehen wir am Fischmarkt von Portsmouth und warten auf unser Mietauto.
Während wir noch gelangweilt auf den Suzuki warten, trudeln nach und nach die Inselbewohner ein – und zwar in Schale geworfen, als ginge es zum roten Teppich statt zum Sonntagsgottesdienst. Frauen in knallbunten Kleidern, mit Hüten, elegant wie Models auf dem Laufsteg. Die Männer in gebügelten Hemden und Hosen, lässig, aber schick. Viele schwenken stolz einen Palmwedel oder ein Buchsbaumästchen in der Hand wie eine Siegesflagge.
Wir starren mit offenen Mündern.
„It’s Palm Sunday“, klärt uns eine Dame lächelnd auf. „A special day!“
Ach so. Okay. Dann schauen wir eben weiter zu wie bei einer Live-Show.
Immer mehr Leute strömen zusammen. Die Stimmung wird immer ausgelassener. Genau in diesem Moment rollt unser Miet-Mini SUV an – ein kleines, knackiges Suzuki-Schnittchen mit japanischem Navi, das stur Japanisch spricht und sich weigert, die Sprache zu wechseln.
„Willkommen in Dominica, wo selbst das Auto seinen eigenen Kopf hat.“
Aber der Suzuki muss erstmal auf dem Parkplatz warten. Denn jetzt ist der Pastor eingetroffen.
Der Mann betritt die Bühne (also den Platz) mit der Energie eines Rockstars. Voller Elan, Begeisterung und karibischer Lebensfreude predigt er über Gott, die Welt und wahrscheinlich auch über den besten Weg, Mangos zu schneiden. Die Gemeinde macht mit – ruft, klatscht, singt.
Dann setzt sich der ganze Zug singend in Bewegung Richtung Kirche, die Palmwedel werden rhythmisch auf und ab geschwungen, als wären wir auf einem besonders frommen Popkonzert.
Eine nette Dame dreht sich zu uns um und winkt uns freundlich zu: „Come! Come with us!“
Die Leute hier sind so aufgeschlossen und herzlich, dass man sich fast schämt, nur zuzuschauen. Also folgen wir einfach mit – vier Segler in Shorts und T-Shirt inmitten einer farbenfrohen Prozession.
In der Kirche setzen wir uns ganz hinten in die letzte Reihe, wie brave Schüler, die zu spät zum Unterricht gekommen sind. Die Kirche füllt sich blitzschnell. Es wimmelt, singt, klatscht und wogt in allen Ecken. Der Gottesdienst ist lebendig, laut und voller Musik – kein steifes europäisches „Setzen, Aufstehen, Amen“, sondern echtes karibisches Leben.
Nach einer Stunde schleichen wir uns leise raus, bevor wir noch selbst mitsingen (was niemandem guttun würde).
Eva übernimmt das Steuer. Und heilige Dominica – die Frau fährt Linksverkehr wie eine Einheimische! Sie lotst uns souverän durch die engen, kurvigen Küstenstraßen Richtung Norden, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.
Wir fahren hoch in Richtung Penville, schießen Fotos von der atemberaubenden Landschaft – steile, grüne Berge, die direkt ins Meer stürzen, versteckte Buchten und Urwald, der so dicht ist, dass man fast glaubt, er würde die Straße jeden Moment zurückerobern.
Dominica zeigt uns gerade sein wildes, echtes Gesicht – und wir sind mittendrin. Mit einem japanisch sprechenden Auto, Palmwedeln im Kopf und dem Gefühl, dass dieser Sonntag schon jetzt legendär ist.
Weiter ging’s auf der anderen Seite der Insel wieder runter Richtung Thibaud.
Unterwegs machten wir einen kleinen Abstecher zu den Nwa Bef Falls – zumindest wollten wir das. Kaum angekommen, tauchte ein selbsternannter „offizieller“ Insel-Guide auf und verlangte mit wichtiger Miene Geld für den Wasserfall. Der eigentlich gratis ist. Klassischer Karibik-Trick: „Pay me or I make the waterfall disappear.“ Wir schauten uns an, rollten mit den Augen, drehten auf dem Absatz um und marschierten zurück zum Auto. Man muss seine Prinzipien haben – auch wenn sie nur aus Trotz bestehen.
Zwischen Margot und Pont Cassé hielten wir zum Mittagessen an einem kleinen Straßenstand. Die Location war… authentisch: streunende Hunde und Katzen schlichen um unsere Beine wie hungrige Leibwächter und hofften auf Beute. Die gekochten Bananen waren ein kulinarisches Verbrechen – absolut geschmacklos, als hätte jemand eine Kartoffel in heißes Wasser gehalten und „Fertig!“ gerufen. Dafür war das Poulet ein Gedicht: saftig, würzig, mit diesem gewissen karibischen Feuer, das einem die Tränen in die Augen treibt und gleichzeitig „mehr!“ schreien lässt.
Gestärkt (und leicht enttäuscht von der Banane) fuhren wir weiter zur Chocolat Factory. Dort roch es nach purem Glück und Kakao. Danach ging’s ins Kalinago-Barana-Aute, das traditionelle Urdorf der Kalinago – dem indigenen Volk der Insel. Ein ruhiger, würdiger Ort, der einen kurz innehalten lässt.
Dann begann die eigentliche Krimifahrt.
Ab Pont Cassé durch den Nationalpark Richtung St. Joseph. Die Straße war schon vorher schmal und löchrig, aber dieser Abschnitt? Das war kein Weg mehr, das war ein Hindernisparcours mit sadistischem Humor. Löcher so tief, dass man Angst hatte, das Auto würde einfach verschwinden. An manchen Stellen fehlte der Asphalt komplett, die Straße wurde enger als der Gürtel nach Weihnachten und wand sich wie eine betrunkene Schlange durch den Urwald.
Wir wurden durchgeschüttelt wie ein Martini – nur ohne Olive und ohne dass es danach besser schmeckte. Eva saß am Steuer wie eine professionelle Rallye-Fahrerin. Sie umkurvte Gräben, sprang über Schlaglöcher und hielt das kleine Suzuki-Schnittchen zusammen, als wäre es ihr eigenes Kind. Wir anderen klammerten uns am Griff fest und gaben abwechselnd „Ohje!“, „Ohweh!“ und „Pass auf!“ von uns – eine Mischung aus Gebet und Panik.
„Das soll die Hauptstraße sein?!“, rief jemand irgendwann fassungslos.
Dominica hatte offenbar beschlossen, uns eine Lektion in Demut zu erteilen. Und wir nahmen sie an – mit weißem Knöcheln, schweißnassen Händen und dem stillen Schwur, dem Auto später eine Kerze anzuzünden, falls wir heil ankommen.Read more




























TravelerSo nä läbigi Predigt tuät doch guät..i heti o nu gsungä....😉