Pelikan-Zauber und Leguan-Ruhe
April 11 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 28 °C
Es gießt in Strömen. Nicht einfach Regen – eher so, als hätte der Himmel beschlossen, sich heute emotional zu zeigen. Als würde er ein bisschen mittrauern, weil unsere Reise zu Ende geht.
Und wir? Ziehen durch. Letzter Tag hin oder her.
Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Le Gosier. Ziel: die kleine Insel vor der Küste. Das Wetter bleibt… sagen wir interessant. Heiß, fast schwül, dann wieder Regen. Sonne, Wolken, Tropfen – alles im schnellen Wechsel, als könnte sich der Tag nicht entscheiden.
Einen Parkplatz finden wir überraschend schnell – selten genug, um es kurz zu feiern. Dann geht’s Richtung Strand. Unterwegs stoßen wir auf eine Pelikan-Statue. Ironie des Schicksals: Seit Tagen versuche ich, einen echten Pelikan vor die Linse zu bekommen. Sie fliegen ständig irgendwo herum – nur nie dann, wenn ich bereit bin. Entweder zu schnell, zu weit weg oder einfach besser organisiert als ich.
Also gut. Heute eben die Statue. Und kurz darauf noch ein Graffiti. Man nimmt, was man kriegt.
Am Strand steigen wir in das kleine Shuttleboot und lassen uns zur Îlet du Gosier übersetzen. Diese winzige, unbewohnte Koralleninsel, nur etwa 500 Meter vom Festland entfernt ist schnell erreicht. Vor einer Woche waren wir schon einmal hier, allerdings nur im Wasser – diesmal schauen wir sie uns richtig an.
Sie ist gerade mal 250 Meter lang und 150 Meter breit, besteht aus weißen Sandstränden im Norden und Kalksteinklippen im Süden und wird seit 2003 als Naturschutzgebiet geschützt.
Die Insel ist ein kleiner Robinson-Crusoe-Traum: Kokospalmen, kristallklares Wasser, gutes Schnorcheln an den Riffen und ein markanter roter und weißer Leuchtturm aus dem Jahr 1932 (der dritte an dieser Stelle – die beiden Vorgänger haben Stürme nicht überlebt). Es gibt sogar ein kleines Restaurant mit Seafood und eine verlassene Leuchtturm-Wärter-Hütte. Die Insel fühlt sich wild und gleichzeitig nah genug an, um sich sicher zu fühlen.
Rundherum kann man schwimmen, schnorcheln oder einfach im Sand sitzen und nichts tun – sofern die Natur mitspielt.
Tut sie heute nur bedingt.
Auch hier haben sich Sargassum-Algen breitgemacht. Nicht dramatisch, aber genug, um die Badefreude etwas zu dämpfen. Nach etwa zwei Stunden packen wir wieder zusammen und fahren zurück ans Festland.
Und dann passiert es.
Als hätte jemand den perfekten Moment bestellt.
Am Pier sitzt plötzlich ein Pelikan. Einfach so. Direkt vor uns. Als hätte er gewartet. Ich brauche einen Moment, um zu begreifen, dass das kein weiterer verpasster Versuch wird. Kamera raus – diesmal rechtzeitig.
Er sitzt da wie ein Profi. Posiert fast. Lässt sich Zeit. Und dann, völlig lässig, hebt er ab. Ein paar Flügelschläge, ein eleganter Bogen – und zack, kopfüber ins Wasser. Ein perfekter Sturzflug, begleitet von einem satten Platschen.
Show geliefert. Applaus innerlich vorhanden.
Ich kann mein Glück kaum fassen!
Wir bleiben noch eine Weile stehen, schauen zu, machen Fotos, grinsen.
Und als wäre das noch nicht genug, wartet schon das nächste Highlight: Auf einer Wiese entdecken wir einen grünen Leguan. Ganz entspannt, völlig unbeeindruckt von uns, zieht er sein Ding durch. Kein Stress, kein Fluchtreflex. Einfach da.
Wir schauen zu. Wieder still. Wieder dieses Gefühl, genau im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.
Manchmal kommt am Ende doch noch alles zusammen.Read more





























