• Im Regen nach Anamur

    January 22 in Turkey

    Gazipasa - Anamur
    Hotel Yagmur
    8 km geradelt, 80 km im Bus

    Vielleicht hätten wir das Ding mit dem Bus auch alleine gedreht, aber dank Leilas Hilfe war es wirklich einfach. Heute Vormittag telefonierte sie nochmal mit Herrn Ahmet vom Busunternehmen. Wir wussten also, wen wir ansprechen sollten.

    Sehr rechtzeitig - also typisch deutsch - radelten wir im Regen zur Busstation. Herr Ahmet erwartete uns schon. Wir bezahlten den vereinbarten Preis und bekamen als Ticket einen handgeschriebenen Zettel. Unser Bus hält aber an der Hauptstraße. Zum Glück hatten wir noch genug Zeit um Tee zu trinken, uns leckeres Essen zu besorgen und die richtige Haltestelle zu finden.

    Yilmas wartete auch auf den Bus. Er wollte nicht mitfahren, sondern seine Gäste abholen. Sollten wir zurück kommen, sind wir bei ihm eingeladen. Er kocht gern und will uns mit Kebab bewirten. Ich habe seine Telefon Nummer. Er liebt Deutschland, denn sein Sohn ist seit drei Jahren dort und kommt bald zurück.

    Der Reisebus kam pünktlich. Zuerst wurden jede Menge Gemüsekisten eingeladen. Ich fragte mich, ob noch Platz für unsere Räder bleibt, aber ein Fach war fast frei. Die Männer wollten die Räder gewaltsam rein schieben und unser Gepäck einfach oben rauf donnern. Wir mussten sie ausbremsen und verluden unser Zeug selbst.

    Was für eine gute Entscheidung, diese Strecke nicht zu radeln. Die Straße ist schmal, kurvig, viel befahren, die Steigungen und Abfahrten heftig. Es regnete, doch der angekündigte Sturm blieb aus. Auch bei gutem Wetter ist diese Strecke für Radfahrer gefährlich. Die vielen LKWs kamen gerade so aneinander vorbei. Wohin soll man sich als Radfahrer flüchten? Kriecht man die Steigungen hoch, verursacht man einen Stau. Drängeln sich Autos vorbei, wird's so richtig brenzlig.

    Erleichtert holten wir Räder und Taschen in Anamur aus dem Bus. Im Regen düsten wir zu einem Hotel in der Nähe. Geschlossen wegen Renovierung. Wann auch, natürlich im Winter. Beim nächsten haben wir Glück. Außer uns sind ein paar nette Männer hier, die bei einem Institut in Adana beschäftigt sind. Einer hat sogar als Kind in Lübeck gelebt, sein Vater arbeitete auf einer Werft. Natürlich brachte man uns Tee. Und niemand regte sich auf, als wir die dreckigen Räder durchs frisch geputzte Restaurant in die Lobby schoben.

    Jetzt machen wir es uns in unserem netten Zimmer gemütlich. Der Regen peitscht an die Fenster. Wenn der Wetterbericht stimmt, radeln wir morgen noch nicht wieder los...
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