• Ein Tisch aus Colaflaschen

    January 30 in Cyprus ⋅ ☁️ 16 °C

    Girne - Tatlisu
    48 km
    wilder Zeltplatz

    Heute morgen gab es im Hotel noch Frühstück. Dann trug Werner die Räder runter und wir kurbelten endlich los. Stoppten noch kurz beim Supermarkt und dann ab in den Linksverkehr.

    Etwa 10 km brauchten wir um aus Girne rauszukommen. Baustellen, schmale Straße, viel Verkehr. Die Straße wurde besser, nicht mehr so holprig und breiter. Erst jetzt bemerkten wir, dass die Berge im Dunst fast verschwanden. Staubregen sagte die WetterApp. Als wir an einem kleinen Laden hielten und uns auf eine Bank setzten, hatten wir diese mit unseren Hinterteilen vom Staub befreit. Es war warm wie im deutschen Sommer. 20 Grad. Werner radelte im T-Shirt, ich hatte nur noch die Windjacke an.

    Die Steigungen waren heute zum Glück fast nur langgezogene Hügel. Und der Wind schob uns auch noch hoch.

    Unglaublich, wie viele Apartmenthäuser hier gerade gebaut werden. Bauarbeiter lachten aus ihrem Fahrzeug heraus und hoben für uns die Daumen. Sie oder ihre Vorfahren stammen aus Afrika, Indien, Pakistan oder vom anderen Ende der Welt.

    In einem Supermarkt gab es leckeres Essen. Wir setzten uns auf eine Kiste am Getränkelager und futterten. Ein junger Mitarbeiter, vermutlich Inder, brachte uns eine Großpackung Colaflaschen als Tisch und wollte wissen, wo wir herkommen. Was für eine nette Geste!

    Ein paar Hügel weiter fanden wir ein Restaurant für indisches und europäisches Essen. "All what we need is coffee" erklärte ich dem jungen Mann. Wir setzten uns zu dem einzigen Gast, einem Briten, der uns freundlich zu sich bat. Der türkische Kaffee kam und der Kellner, vermutlich auch Inder, besah sich unsere Räder. Der Brite plauderte drauflos. Er konnte sogar etwas deutsch, war Soldat in Frankreich, Düsseldorf und Limassol. Jetzt ist er Mitte siebzig und lebt schon über zwanzig Jahre hier in seiner Villa mit Pool und drei Schlafzimmern. Er empfahl uns ein Hotel in Kaplica, 15 km weiter. Denn es soll morgen wieder regnen. Muss aber nicht stimmen, meinte er. Das ist Zypern. Warum hier so viel gebaut wird, wusste er auch nicht. Nur dass es sich meist um kleine Ein-Zimmer-Apartments handelt, die verkauft werden sollen. Nur an wen? Als er von Politik anfing, hatten wir zum Glück unseren Kaffee auf und konnten uns verabschieden. Wenn der wüsste, dass wir viel lieber zelten als ins nächste Hotel zu ziehen.

    Wir kurbelten ein paar km weiter und hielten für eine Pinkelpause. Eigentlich noch zu früh, aber hier waren tatsächlich keine Häuser und keine Baustelle. Dafür alles grün. Werner machte einen kleinen Rundgang und kam mit erhobenen Daumen zurück. Er hatte den perfekten Zeltplatz gefunden. In der Nähe einer kleinen Kapelle. Neben ein paar Mauerresten stellten wir unsere Stoffhütte auf. Schneller als gedacht kam die Dämmerung. Also doch nicht zu früh angehalten. Jetzt liegen wir im Zelt und hören der Brandung und den Grillen zu.

    Plötzlich kurz laute Musik. Wo kam die denn her? Von dem Weg, der zur Kapelle führt? Ich mache sofort das Handy aus. Da wir nichts verdächtiges mehr hören, schreibe ich weiter.
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