Der besondere Zeltplatz
Yesterday in Cyprus ⋅ ⛅ 17 °C
Tatlisu - Bafra
Zeltplatz neben der Moschee
42 km
Letzte Nacht schien der Mond so hell, dass wir keine Stirnlampen brauchten und Schatten warfen. Mystische Stimmung an diesem einmalig schönen Platz
Ohne zu frühstücken radelten wir zehn km bis Kaplica. Das Beach Resort hier empfahl uns gestern der Brite. Wir allerdings hatten einen 1000 Sterne Camp Spot for free. Weil am Resort ein Market ausgeschildert war, radelten wir dorthin und fanden nur ein Restaurant. Doch erstmal frühstückten wir auf dem Hotelparkplatz. Kaffee tranken wir im Restaurant, denn wir brauchten Toiletten.
Heute kam der Wind aus Osten. Also Gegenwind, und nicht zu knapp. Und es sind nicht nur Hügel zu bewältigen. Keine gute Kombination. Sollen wir voll im Wind die Küstenstraße der langgestreckten Halbinsel weiterfahren? Oder das Küstengebirge überqueren und zur anderen Seite der Halbinsel radeln? Wind ist überall, aber an der Küste am meisten.
Wir entschieden uns den Berg übers Gebirge in Angriff zu nehmen. Um an den Abzweig zu gelangen, ging es entweder 10 km auf der Küstenstraße weiter oder parallel dazu eine Nebenstraße nahe der Felsenküste. Komoot wusste nicht, dass die Nebenstrecke immer rauf und runter geht. Komoot zeigte eine fast ebene Strecke. Wir wissen es jetzt besser. Schließlich hatten wir fantastische Aussichten und schon ordentlich Höhenmeter in den Beinen, als es übers Gebirge teils 12 % hoch ging.
Die Steigung war nicht mein Problem, mein Feind war der Gegenwind. Eine ganze Weile schob ich mein Rad, ich kam nach einer Pause nicht wieder in den Sattel. Nach einer Kurve war der Wind fast weg und das steilste Stück kurbelte ich doch noch. Dann kam die rasante Abfahrt bis Büyükkonuk.
Ohne Autos und Kartenzahlung wäre hier die Zeit vor fünfzig Jahren stehen geblieben. Im kleinen Laden gab es kein Obst und Gemüse, ansonsten von jedem etwas. In der Bäckerei gegenüber erstand ich zwei Brötchen. Abends merkten wir, dass sie ganz lecker mit Fleisch gefüllt waren. Wir hatten Hunger aber es gab kein Restaurant. Nur eine Moschee natürlich, eine geschlossene Kirche am kleinen Marktplatz und eine orthodoxe Kirche, ebenfalls zu. Hier flossen 2015 sogar EU-Gelder rein. Als wir das lasen und davor ein Reisebus stand, vermuteten wir eine Reisegruppe in der Kapelle. Träume weiter....
Fünf km weiter das nächste Dorf, fast das gleiche Bild. Eine riesige orthodoxe Kirche dem Verfall preisgegeben, gegenüber eine schmucke Moschee. Auch hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein.
Das nächste Dorf war hergerichtet, der Supermarkt größer und gut bestückt. Alle Restaurants hatten Samstag Nachmittag bereits geschlossen. Ein netter Mann sprach gut englisch und verhandelte mit dem Fischhändler. Der sollte uns einen Fisch braten. Doch wir kamen langsam in Zeitdruck und mussten weiter. Ein Schlafplatz musste her. Wir kurbelten weiter, aber kein Camp Spot in Sicht. Hier in Bafra fiel uns am Ortseingang der Friedhof auf. Hinter der Mauer war nur lehmiger Acker. Wir kurbelten weiter, in einer Kurve war die Moschee. Ein Mann werkelte an einer Bank, sah uns, riss die Arme auseinander und rief "Welcome". Wir rollten vor die Moschee und wurden überschwänglich begrüßt. Der Mann konnte ganz gut englisch und Werner fragte gleich, ob wir hier unser Zelt aufstellen können. Natürlich. "One God" betonte der Nette immer wieder. Und dass alle Menschen gleich sind, egal welche Religion. Mit einem jungen Helfer, der sich als Mustafa vorstellte, pinselte er die Bänke. Er zeigte Werner das Toilettenhaus. Sauber mit Papier und Seife. Außen sind Seifenbehälter und Wasserhähne für die Fußwaschung.
Der Nette verschwand recht schnell mit seinem Helfer und kam mit seinem Cousin Erkan wieder. Der wohnt in der Nähe und hilft uns bei Problemen. Ob wir Hunger haben. Nein, wir haben gerade unsere ganzen Vorräte verdrückt. Die beiden zogen ab und wir bauten das Zelt auf. Kaum stand es, rief der Muezzin über uns. Der Nette war wieder da mit noch ein paar anderen Männern. Sie standen um unser Zelt und redeten aufgeregt durcheinander. Sie sahen das erste Mal so eine Stoffhütte und wollten alle reinsehen. Einer meinte, wir könnten auch in der Moschee schlafen, im Vorraum auf den Teppichen. Und wieder wollten sie uns zum Essen einladen, wir lehnten höflich ab. Ich kam erst im Dunkeln dazu, die Matten und Schlafsäcke auszupacken. Die Männer gingen endlich beten.
Der Nette kam wieder. Zusammen mit Werner stellte er eine Bank hinter unser Zelt. Weil manche Leute den Weg abkürzen und gegen unser Zelt laufen oder radeln könnten.
Später kam er nochmal und brachte uns kleine Getränkepackungen.
Mal sehen, wie oft der Muezzin noch ruft. Genau unterm Minarett ist man wie vom Donner, oder besser Allah, gerührt.Read more











