Im Affenzahn nach Famagusta
1. februar, Cypern ⋅ ☁️ 17 °C
Bafra - Famagusta
Apartment
41 km
Um 5.37 Uhr dröhnte die Stimme des Muezzins genau über uns vom Minarett. Vor Schreck konnten wir zum Glück nicht aus den Betten fallen, nur von unseren Matten rutschen. Ich hielt mir die Ohren zu. Bald kamen die ersten Moslems zum Gebet. An Schlaf war nicht mehr zu denken.
Der Nette von gestern Abend wartete schon, dass wir aus unserer Stoffhütte kriechen. "All ok, my friend?" rief er, als Werner zum Vorschein kam. Unser Zelt war außen pitschnass, obwohl es nicht geregnet hatte. Aber es war neblig. Wir mussten unsere Behausung nass einpacken.
Als wir starteten, lichtete sich der Nebel. Ein paar km ging es hügelig über eine Nebenstrecke, dann kamen wir an die Hauptstraße. Vierspurig mit breitem Seitenstreifen. Und am Sonntag wenig Verkehr. Da wir uns an der Moschee keinen Kaffee kochen und Aufmerksamkeit erregen wollten, hielten wir an einem kleinen Café. Wie die Preise zustande kommen, ist uns ein Rätsel. Wir zahlten für zwei türkische Kaffee 1,20 €. Woanders pro Kaffee teils über 2 €. Der Wirt wünschte uns "Save travels" und wir fanden eine Bushaltestelle, wo wir unser Frühstück verdrückten.
Leider gibt es hier wie in der Türkei die Marotte, leere Flaschen aus dem Auto zu werfen. Wie schnell bohrt sich ein Glassplitter in die Fahrradreifen. Bei jedem Stopp nehmen wir deshalb die Reifen unter die Lupe. Und siehe da, ein Splitter steckte im hinteren Reifen von Werners Rad. Rechtzeitig entfernt spart man sich oft die Schlauch-OP.
Wie hinter Girne schießen Apartmenthäuser aus dem Boden. Baustellen über Baustellen. Wir bogen ab nach Iskele zum Supermarkt. Viele Leute winkten aus den Autos. Manche sprachen uns an. Wir redeten mit Händen und Füßen und manchmal klappte es mit englisch. Ein junger Mann kam zum Beispiel gerade aus Nürnberg. Wir sollen zur Geisterstadt Varosha fahren, meinte es. Genau da wollen wir auch hin.
Varosha ist ein Stadtteil von Famagusta. Bis heute ein Zankapfel im Zypern-Konflikt und seit etwa fünfzig Jahren dem Verfall preisgegeben. Seit ein paar Jahren darf man dieses Gebiet wieder besuchen. Es ist nicht mehr weit bis dorthin. Im Affenzahn sausten wir über den glatten Asphalt. Kein Berg ist im Weg. Wir konnten auf einen Radweg ausweichen. Doch den nahmen die Fußgänger ein und reagierten nicht auf unser Klingeln. Nach einem km mussten wir eh wieder auf die Straße und düsten zügig weiter. In Famagusta angekommen suchten wir ein Restaurant und fanden auf der Karte mehrere in einer Nebenstraße. Doch alle waren geschlossen und hier wohnten die von der Gesellschaft Abgehängten. Ein trauriger Anblick.
Wir radelten zurück zur lauten Hauptstraße und fanden was wir suchten. Gut gesättigt schauten wir uns den Wetterbericht an. Morgen Sturmböen und Gewitter. Außerdem war klar, dass wir hier im Stadtgebiet keinen Zeltplatz finden können. Bei booking buchten wir ein Apartment für zwei Nächte. Günstig und nur einen knappen km entfernt. Bis zum Einchecken kurbelten wir zu einem kleinen See voller Flamingos. Das Seeufer übersät mit Plastikmüll, worin Hunde nach Essensresten stöberten.
Nun sind auch wir in einem dieser Apartmenthäuser mit gutem Komfort im 7. Stock. Die englische Anleitung zum Einchecken konnten wir entschlüsseln. Das Haus hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Doch der Fahrstuhl ist neueste Technik mit Fahrstuhlkarte. Nur wer diese besitzt kann ihn benutzen.Læs mere










Rejsende
Sogar mit Waschmaschine!
Rad oder RucksackDie erste komfortable Unterkunft auf dieser Reise. Küche ist voll ausgestattet und alles sauber.