• Polizeischutz für unsere Räder

    3. februar, Cypern ⋅ 🌙 14 °C

    Famagusta/Türkische Republik Nordzypern - Achna/Republik Zypern
    wilder Zeltplatz
    32 km

    Gegen neun Uhr verließen wir das wirklich nette Apartment. Gleich nebenan gab es einen Spielplatz. Hier wollten wir unser nasses Zelt trocknen. Wie kann so ein Platz voller Glasscherben und Plastikmüll sein? Wir entschieden uns für die freie Fläche davor und bauten unsere Stoffhütte auf. Wind und Sonne trockneten sie im Handumdrehen. Besonders der Wind, der immer noch oder wieder stärker blies als erwartet. Schnell noch zum Supermarkt und dann rollten wir wieder im Linksverkehr.

    Wir geben es zu. Ich schrie ein paar Mal Werner an, dass er links radeln muss. Und er brüllte ich soll gefälligst die Straßenseite wechseln. Zurück in Deutschland müssen wir wieder umdenken...

    Wir stoppten an der Burg, unser Ziel war aber der seit etwa fünfzig Jahren verlassene Stadtteil Varosha. Ein Polizist erklärte, dass wir uns Räder ausleihen oder Varosha zu Fuß erkunden können. Mit eigenen Rädern darf man nicht hinein. Doch er würde unsere Räder bewachen. Wir durften sie neben dem Polizei-Container abstellen und liefen mit einem guten Gefühl los. Uns wunderte, dass der Eintritt gratis ist.

    Wie war unser Eindruck? Interessant und bedrückend zugleich. Im mondänen Varosha lebten fast 32.000 Menschen, der Tourismus boomte. Bis die Stadt 1974 besetzt und zum Sperrgebiet erklärt wurde. Alles im Internet nachzulesen. Seit 2020 kann Varosha wieder besucht werden. Die Straßen wurden erneuert, sogar mit Radspur. Wir kamen zum Beispiel am Café Edelweiss vorbei. Daneben eine Station der UN, die wie die UN Fahrzeuge nicht fotografiert werden darf. Die Gebäude sind abgesperrt, man kann aber meist reinschauen. Glasbruch und Rost, zugewucherte Treppen und Eingänge, löchrige Dächer, brüchige Reklame, von Pflanzen aufgebrochener Asphalt. Dass Wissenschaftler hier forschen, wie die Welt ohne Menschen irgendwann aussehen wird, wundert nicht.

    Der Polizist hatte Wort gehalten, unsere Räder waren unversehrt. Etwas bedrückt radelten wir los. Komoot schickte uns über etwas kaputte Nebenstraßen. Dort fanden wir genau, was wir suchten. Ein kleines Restaurant, wo wir die einzigen Ausländer waren. Ich weiß nicht, wie viele Menschen uns hier angelächelt haben. Ich weiß nur, unsere leckere Henkersmahlzeit Köfte in der Türkischen Republik Nordzypern werde ich nie vergessen wegen der freundlichen Leute.

    Noch eine ganze Weile radelten wir am Zaun zu Varosha entlang, mit Schildern dass es sich um eine verbotene Zone handelt und fotografieren verboten ist. Drinnen darf man knipsen, durch den Zaun nicht.

    Und dann war sie auch schon da, die Grenze. Zwei mal Passkontrolle und schwupps waren wir zurück in der EU. Alles etwas teurer hier, stellten wir im ersten Supermarkt fest. Jetzt wird wieder mit Euros bezahlt und weiterhin auf der linken Seite gefahren.

    Erstaunlich dass hier meine sim card von Nordzypern weiterhin funktioniert. Nur an der Grenze war sie tot und ich wollte sie schon austauschen, da erwachte sie plötzlich zum Leben.

    Der Wind war heute immer noch böig und kam - wie soll es anders sein - von vorn. Deshalb sind wir weg von der Küste ins Inland zu einem kleinen See gekurbelt. Zu unserem Entsetzen war das Internet zeitweise ganz weg oder so schwach, dass nichts mehr ging. An einem Supermarkt grüßte ein Mann freundlich und ich fragte ihn, ob es eine besseren Internet Anbieter gibt. Doch er zeigte genau in Richtung unseres Sees, immer geradeaus, dort wird es besser. Tatsächlich tauchte ein Internet Turm auf und mein Handy zeigt wieder 4G. Das ist wichtig, denn heute Abend sind wir nochmal bei Sven Globetrotter im Livestream. Und ohne Internet können wir das schließlich vergessen.

    Der See ist allerdings fast versiegt. Doch wir fanden wir geplant einen guten Platz für unser Zelt. Jetzt scheint der Vollmond bei sternklaren Himmel. So warm wie es am Tag war so kühl ist es jetzt am Abend. Und endlich ist der Wind weg. Da helfen nur die warmen Schlafsäcke.
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