• Der Preis der Leichtigkeit

    4. februar, Cypern ⋅ ⛅ 12 °C

    Achna - Achna
    wilder Zeltplatz
    42 km

    Heute früh war klar. Dieser Zeltplatz ist zu schön, um nur ein Mal genutzt zu werden. Wir radeln durch die umliegenden Orte und kommen zurück. Jetzt steht unser Zelt wieder an der gleichen Stelle und die Sterne leuchten auf uns herab. Doch von vorn.

    Wir schliefen wie die Murmeltiere. Unser Zelt war heute früh nass bei 5 Grad. Wir ließen es in der Sonne trocknen, ehe wir unseren Kram einpackten. Dann kurbelten wir nach Avgorou, dort kauften wir gestern ein. Vor einem Restaurant saßen alte Männer. Sie tranken Kaffee, spielten Karten und laberten. Wir orderten auch Kaffee. Zum Essen gab es dort morgens noch nichts. Wir radelten zu einer Bäckerei und einem Café. Es gab nur Süßes, wir wollten was Herzhaftes. Also zurück zum Supermarkt, wo Werner aus Brötchen und Fisch Fischbrötchen bastelte. Ein junger Inder arbeitet hier und sprach mich an. Er zeigte mir Videos von seinem Freund aus der Heimat, der durch Europa radelte. Mit Turban statt mit Fahrradhelm.

    Wir radelten zu einem Kloster, dicht an der Grenze zu Nordzypern. Außer uns waren keine Besucher da. Wir konnten eine kleine Kirche besichtigen. Man konnte Tee, eingelegtes Obst und Honig kaufen. Alles hier im Kloster hergestellt. Hätten wir gerne gekauft, aber wie transportieren? Der Klostergarten war sehenswert. Eine junge Frau öffnete ein Gitter und zeigte mir ein Grab mit mehreren Marmorplatten und Bildern von Frauen. Wenn ich sie richtig verstanden habe, waren es alles Heilerinnen. Auf der unteren Platte war nur ein Bild, noch keine Daten. Sie zeigte auf diese Frau, die hier die Klostermedizinerin ist. Wenn wir krank sind, könnte sie uns behandeln. Ich bedankte mich und ging. Im Garten saß eine alte Frau. Sie sah aus wie auf dem Bild am Grabstein und war vielleicht die Klostermedizinerin.

    Wir kurbelten nach Xylotymvou. Die Straße führte mehrere km direkt an der Grenze zu Nordzypern entlang. Auf einem Grenzturm stand ein Soldat und spähte durch ein Fernglas. Gleich neben der Straße wurden Kartoffeln geerntet. Bei uns kommen die Erntehelfer aus Polen, hier aus Indien.

    In Xylotymvou führte uns Komoot durch nette Wohngebiete. Die Grundstücke waren gepflegt, kein Müll lag rum. Weiter ging es nach Ormideia zu Lidl. Hier gab es deftiges Roggenbrot. Das weiche Weißbrot ist uns gründlich über.

    Komoot jagte uns eine steile Rampe hoch, dann über eine
    Schotterpiste. Wieder Kartoffelernte. Die Felder werden bewässert. Der Boden ist rotbraun vom Lehm. Zurück in Avgorou war es nicht mehr weit bis zu unserem Zeltplatz. Im fast ausgetrockneten See standen zwei Autos. Und ein paar Männer schossen auf was auch immer. Ein Geländewagen kam den Weg zu unserem Zelt hoch, bog dann aber ab und kraxelte einen steilen Weg auf ein Plateau hoch. Uns beachtete niemand. Jetzt wurde unten und oben geballert. Warum? Keine Ahnung. Machtdemonstration an der Grenze, die nicht weit ist?

    Als Werner ins Zelt kam, krachte es. Die Zeltstange über dem Eingang war gebrochen und bohrte sich durch den Kanal nach außen. Schöner Mist. Ich kroch wieder aus dem Schlafsack. Es war schon kalt und dunkel. Mit Stirnlampen suchten wir Reparaturhülsen und Klebeband. Nun musste die kaputte Stange erstmal aus dem Kanal gefummelt werden. Dann Hülse rüberschieben und festkleben. Und wieder in den Kanal, der nun ein fettes Loch hat.

    Unser Zelt ist noch ziemlich neu. Das Vorgängermodell war robust und acht Jahre unser sicheres Unterwegs-Zuhause. (Während unseres Sabbaticals 2016/2017 war es 250 Tage im Einsatz. Das war erst der Anfang der intensiven Nutzung.) Doch 2023 in Kroatien im Borasturm brachen die Stangen und wir kauften im guten Glauben das Nachfolgemodell. Und haben uns so richtig angeschmiert. Dieses Zelt ist leichter und so filigran, dass es für drei Wochen Nutzung im Jahr plus ein paar Wochenendausflüge gebaut ist. Dann hält es vielleicht drei Jahre durch. Schon nach zehn Wochen Nutzung hatte der Zeltboden Löcher. Wir reklamierten und bekamen ein neues Innenzelt. Das Zeltmaterial ist jetzt sehr dünn und dehnt sich bei Nässe stark aus. Wenn es regnet, haben wir eine Pfütze im Zeltdach. Da kann man noch so gut abspannen, bei starkem Regen muss einer von uns immer den Teich über uns entleeren und kann nicht schlafen.
    Wir zahlen den Preis der Leichtigkeit...
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