• Der Snack beim Barber

    6. februar, Cypern ⋅ ⛅ 18 °C

    Larnaka
    Apartment

    Heute früh ist Werner nochmal eine OP an der Zeltstange gelungen. Wir haben Ersatzelemente dabei und er tauschte das gebrochene Teil aus. Jetzt passt die Zeltstange wieder in den Packsack und muss nicht wie eine Angel am Oberrohr hängen.

    Ja, heute früh regnete es heftig. Schon gestern Nachmittag zeigten sich die ersten dunklen Wolken. Als wir mit einem großen Beutel dreckiger Wäsche losliefen, tröpfelte es nur noch. Wir umrundeten Pfützen und sprangen zur Seite, als Autos durchbretterten.

    Mit unserem Wäschebeutel hielten wir erstmal beim Barber. Im November 2024 waren wir schon mal hier, als wir auf Zypern wanderten. Damals bot man uns leckeren Käse an. Heute eine Spezialität, die an eine Kartoffel erinnert und sich Gubis (wenn ich richtig verstanden habe) nennt. Innen gefüllt mit Fleisch und Zwiebeln. Sehr lecker mit Zitronensaft. Es dauerte nicht lange und der kleine Laden füllte sich. Die Männer futterten Gubis und redeten durcheinander. (Vielleicht auch über uns.) Geduldig warteten sie, bis der Barber mit Werner fertig war und er Gubis probierte. Niemand hatte es eilig.

    Wir trabten mit unserem Wäschebeutel weiter zum Waschsalon. Ein Franzose mühte sich mit der Waschmaschine ab. Uns ging es gleich genauso. So einen runtergekommenen Waschsalon hatten wir noch gar nicht, und wir nutzten schon viele. Nur zwei kleine Waschmaschinen waren noch in Ordnung, an den meisten stand "out of order". Eine Anleitung in englisch war vorhanden, aber die Reihenfolge passte nicht. Irgendwie bekamen wir die Maschine doch zum Laufen. Es gab nur einen schmierigen Wäschekorb, und auf den dreckigen Tischen mochte ich die Wäsche nicht zusammen legen. Mit unserem Beutel jonglierten wir die Fracht zum Trockner, der unkompliziert zu bedienen war. Zumindest zahlten wir für alles nur 7 €.

    Wir brachten erstmal die saubere Wäsche zurück. Dann wanderten wir nochmal los. Wo der Wochenmarkt war, wussten wir noch. Und wieder erzählte die Obstverkäuferin, dass die Mandarinen von ihrem eigenen Baum sind. Ich nahm auch einen Granatapfel mit. Inzwischen komme ich an die Kerne ohne die Küche rot zu sprenkeln.

    Als wir am Strand zurück liefen, wurde es bereits dunkel. Neben dem Eingang zu unserem Apartment ist ein Restaurant. Wir schauten hinein und überlegten laut, ob wir hier morgen essen gehen sollen. Im dem Moment kam ein Pärchen raus. "Hier können Sie gut essen, das ist unser Lieblingsrestaurant" sprach uns die Frau auf deutsch an. Die beiden sind im Oktober aus Deutschland hierher gezogen. Ihr Mann ist Grieche. 23 Jahre lebten sie am Chiemsee. Wir unterhielten uns eine ganze Weile und vielleicht treffen wir die beiden morgen wieder.

    Irgendwann werden wir uns nicht mehr an die sogenannten Sehenswürdigkeiten erinnern, aber an die netten Männer an der Moschee und die Deutsche und den Griechen, die jetzt hier leben, ganz bestimmt. Eine Reise ohne Begegnungen ist wie ein Krimi ohne Musik. Wir hören immer wieder andere Songs.
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