No foto, no video
11. februar, Cypern ⋅ ☁️ 14 °C
Episkopi Cantonment - Paphos
Apartment
30 km
Wie durch ein Wunder war unser Zelt heute früh trocken. Das Wunder war der stürmische Wind, der uns gestern Abend das Fürchten lehrte. Plötzlich fing das Zelt an sich zu schütteln. Was ist das denn, wir stehen doch recht windgeschützt? Ja, vor dem Wind am Wasser. Jetzt kamen Böen von den Bergen. Und zwar aus wechselnden Richtungen. Werner kroch aus dem Schlafsack und spannte Sturmleinen. Unsere Stoffhütte wackelte weniger. Dass kürzlich die Zeltstange am Eingang brach, hat unser Vertrauen in die Haltbarkeit unserer transportablen Behausung ziemlich erschüttert. Und sofort kam uns Kroatien in den Sinn, als 2023 unsere stabile Vorgänger-Stoffhütte nach acht Jahren intensiven Gebrauchs zusammen brach. Bei Böen mit 90 km/h. Wenn das hier zum Sturm wird, haben wir das große Los gezogen. Es war nur Regen angesagt. Wieder mal hatte der Brite recht mit seiner Ansage, dass der Wetterbericht auf Zypern selten stimmt.
Wir konnten nichts tun und nur abwarten. Tatsächlich ließ der Wind nach und wir schliefen irgendwann ein. Regen weckte uns nachts jedenfalls nicht. Heute früh rief Werner: "Alles einpacken ehe es doch noch regnet, das Zelt ist trocken!" So schnell es ging rafften wir unser Zeug zusammen und standen mit den Rädern an der Straße. Hier, auf der Steilküste, blies uns der Wind wieder ins Gesicht. Von oben schaute ich mir den Felsen der Aphrodite an. Dann kurbelten wir los Richtung Paphos.
Nach zehn km kochte Werner in einer Bushaltestelle bei Sonnenschein Kaffee. Heute haben wir es nicht weit. Und vor allem gibt es nur Hügel statt Berge. Gestern waren wir noch fest überzeugt, im Regen nach Paphos zu radeln. Jetzt verteilen wir großzügig Sonnencreme. Die nächsten Tage soll es regnen, deshalb wartet in Paphos ein Apartment auf uns. Werden wir wirklich Regen aussitzen oder bei Sonne am Strand sein?
Ziemlich schnell waren wir in Paphos und hielten an einer orthodoxen Kirche. Unglaublich, hier waren wir Ende 2024. In der Nähe hielt der Bus und unser Wanderweg startete an der nächsten Straßenecke. Heute war die Kirche offen, weil eine Frau gerade drinnen Kerzen entzündete. Ich schaute kurz rein. Wir radelten zum Startpunkt unserer Wanderung, einer Orangenplantage. Das Tor war offen. Werner stibitze zwei Früchte. Wir standen auf dem Weg und genossen das außergewöhnliche Aroma. Ein bisschen süß, ein bisschen sauer, ein bisschen bitter. Genau in dem Moment kommt ein Auto um die Ecke, der Fahrer blickte verärgert. Weil wir den Weg versperrten mit den Rädern oder er uns beim Mundraum erwischte?
Nach ein paar km weiter stoppten wir an der nächsten Kirche. Hier ging es anders zu, irgendwie touristisch. Die Tür war offen. Ich trat ein und erschrak. Aus dem Halbdunkel knurrte eine alte Frau: "No foto, no video." Eintritt wollte sie nicht. Aber man hätte ihr allerhand unnützes Zeug abkaufen können. Die Kirche war hübsch, aber ich vermisste die natürliche Freundlichkeit, die uns sonst hier entgegen gebracht wird.
Unsere nächste Station war ein Fahrradladen. Nicht weil wir eine Panne hatten. Wir fragten nach Kartons für unsere Räder, weil wir von hier zurück fliegen wollen. Der nette Mann hatte nur kleine Boxen, war aber sehr bemüht uns mehrere zu besorgen und für uns aufzuheben. Er war erstaunt, dass wir die Fähre nach Kyrenia nahmen. Dort stammt er her.
Für alle Fälle besuchten wir einen zweiten Radladen. Die kannten sich aus und hatten schon oft Radlern mit Kartons für den Flug geholfen. Auch hier können wir fragen, wenn es nach Hause geht.
Wir rollten durch hübsche Wohngebiete, wo anscheinend keine Einheimischen wohnen. "For Residents" stand dran.
Dann waren wir wieder an dem Einkaufszentrum, wo wir 2024 so leckeres Essen bekamen. Heute leider nur kalt und die Kartoffeln waren nicht mal gar. Etwas enttäuscht radelten wir zu unserem Apartment. Und die Suche ging wieder los, wie in Larnaka. Nur dass niemand da war den ich fragen konnte. Google zeigte mir jedenfalls ein Haus in der Parallelstraße, wo auch Schlüsselboxen angebracht waren. Hier war ich aber falsch. In einem schmaler Gang zwischen zwei Häusern fanden wir endlich was wir suchten. Heute war wieder Räder die Treppe hoch schleppen angesagt.
Das Apartment ist hübsch, doch das Fenster lässt sich nicht öffnen. Hätte Werner es mit Gewalt getan, wäre uns vielleicht die Wand entgegen gekommen. Dann eben lüften mit Klimaanlage.
Es gibt keine Mikrowelle, aber eine Waschmaschine. Darin dreht sich jetzt unsere Wäsche. So sparen wir uns wenigstens den Weg zum Waschsalon.Læs mere







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