• Als Belohnung ein Omelette

    10. februar, Cypern ⋅ ⛅ 17 °C

    Limassol - Episkopi Cantonment
    wilder Zeltplatz
    48 km

    Gekochte Eier, Oliven, Roggenbrot (von Lidl) mit Butter und Frischkäse, Briekäse, Nüsse. Und Werners guten Kaffee aus unserer Espressokanne. So sah unser Frühstück aus. Um genug Kraft für die Höhenmeter zu haben, die auf uns warten.

    Zuerst mussten wir aus Limassol raus, was schneller ging als gedacht. Komoot schickte uns durch die Limassol Greens, mit Golfplatz und Waterpark. Und durch ein britisches Gebiet mit britischem Supermarkt. Es gab nichts anderes als in anderen Märkten auch. Noch war die Strecke eben. Wir rollten durch Orangenplantagen. Die Berge waren greifbar nahe.

    Die erste lange Steigung kurbelten wir problemlos hoch, da uns der Wind keine Schwierigkeiten machte. Dann ging es durch Serpentinen wieder runter auf Meeresniveau. Was für traumhafte Aussichten! Ein Auto blieb hinter uns, wir mussten ständig bremsen, um die Kurven zu kriegen. Kein Hupen, kein ungeduldiges Gas geben. Der Autofahrer respektierte - wie fast alle hier - uns Radfahrer. Der Asphalt war gut. Das war bestimmt der Grund, warum uns so viele Rennradfahrer begegneten. Sie kamen uns entgegen und winkten oder überholten uns mit erhobenen Daumen.

    Die nächste Steigung ging teils 10 % hoch. Sie war zum Glück nicht sehr lang. Wieder britische Kasernen. Ein Schild zeigte zur Offiziers Messe. Hier könnten wir uns zum Essen anmelden, meinte Werner. Doch niemand war zu sehen, den wir spaßeshalber hätten fragen können. Wir hielten an einem Buswartehäuschen. Verschließbar mit einer Glastür, innen konnte man eine Neonröhre anschalten und Steckdosen gab es auch. Ein Brett an der Wand diente als Tisch. Wir nahmen auf den beiden uralten Stühlen Platz und futterten Riegel und gekochte Eier.

    Wieder ging es runter und hoch. Jetzt setzte er ein, der gefürchtete Gegenwind. Und der Wetterbericht hatte sich plötzlich geändert. Heute schon Regen? Rechts von uns wurde der Himmel fast schwarz. Kein sicherer Zeltplatz in Sicht, wir kurbelten weiter, stemmten uns gegen den Wind und hofften das Beste. Die längste Steigung hatten wir noch vor uns. Ein kleines Café tauchte auf. Die alte Frau hatte nur wenig anzubieten. Wir kauften Getränke und Kekse. Erleichtert stellten wir fest, dass der Wind die dunklen Wolken weg geschoben hatte.

    Dass wir die nächste lange Steigung bei Gegenwind mit Bravour meistern würden, hatte ich nicht erwartet. Wir brauchten nur zwei Pausen. Kurz bevor wir das erste Mal hielten, hatten uns zwei Rennradfahrer überholt. Der eine meinte auf deutsch "viel Gepäck" und zog lachend an uns vorbei. Jetzt saßen die beiden ein Stück weiter auf der Leitplanke und winkten. Als wir wieder stoppen wollten, tauchte wie aus dem Nichts ein kleines Restaurant auf. Wir waren hungrig, und wie. Werner gönnte sich ein English Breakfast, das gibt es hier den ganzen Tag. Und hatte ich mir mein Omelette nach den vielen Steigungen nicht ehrlich verdient?

    Gesättigt schafften wir die letzten Höhenmeter. Die Abfahrt bot wieder atemberaubende Aussichten. Unten angekommen ging es am Wasser auf der Steilküste weiter. Hier drehte der Gegenwind erst richtig auf. Und wieder ging es steil hoch. Ich dachte ich stehe und musste vom Rad. Ehe mich der Wind wieder auf die Seite legt, wie in Mexiko. Werner stieg auch ab. Wir schoben unsere Stahlrösser nach oben.

    Langsam wurde es Zeit für einen Zeltplatz. Doch nur Wind, Wasser und Berge. Vom Berg kam eine Frau einen Wanderweg hinunter. Werner besah sich die Gegend genauer. Zwischen Weg und Straße ging es in eine mit Gras bewachsene Senke. Wie für uns gemacht. Windgeschützt und von der Straße sieht uns niemand. Nur zwei Wanderer kraxelten auf einen Berg über uns. Und als wir schon im Zelt lagen, hörten wir Stimmen vom Wanderweg.

    Dass noch ein Gewitter aufzieht, hatte der Wetterbericht nicht auf dem Schirm, nur Regen. Es blitzte, donnerte und regnete. Jetzt ist endlich Ruhe eingekehrt. Über Nacht ist wieder Regen angekündigt. Was soll's, das Zelt war morgens sowieso immer nass.
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