• Wellengang nicht nur am Strand

    18. februar, Cypern ⋅ 🌬 12 °C

    Polis
    Apartment

    Letzte Nacht waren wir lange wach. Weil es so laut war. Nicht dass eine Party uns den Schlaf raubte. Es waren die Naturgewalten.

    Regen klatschte gegen das Fenster, Blitze zuckten, es donnerte gewaltig. Der Sturm jagte Palmwedel durch die Luft. Werner öffnete vorsichtig die Tür zur Terrasse. Eine Wasserwand versperrte die Sicht auf das Nachbargebäude. Es war wie im schlechten Film mit gutem Ende: Die Campingplätze sind geschlossen und uns blieb nur ein Apartment. Diese Nacht in unserem filigranen Zelt? Wäre garantiert nicht gut ausgegangen. Alles Schlechte hat was Gutes - und umgekehrt. Man versteht es oft erst im Nachhinein.

    Angekündigt waren nur Windböen bis 77 km/h, alles andere wieder das typische unvorhersehbare Inselwetter. Heute früh fischte der Hotelbesitzer unter anderem Palmwedel aus dem Pool. Darin war letzte Nacht bestimmt ordentlich Wellengang.

    Wir wollten heute zum Aphroditebad radeln, verschoben es aber auf morgen. Es stürmte noch den ganzen Tag, und immer wieder regnete es kurz und heftig. Der Wind soll nachlassen und morgen die Sonne scheinen. Hoffentlich.

    Werner war hier 2024 beim Barber, und ein Besuch bei ihm war wieder fällig. Dieser Barber arbeitet noch ganz old school mit dem Rasiermesser. Er ist schon lange Rentner und hat noch eine ganz ruhige Hand. Ganz sicher liebt er seine Arbeit. Eindeutige Öffnungszeiten gibt es nicht. Wir hatten Glück, dass er gerade da war.

    Werner hatte keine Lust, doch ich lief noch zum Strand und wurde nass und trocken. Der kürzeste Weg führt über den geschlossenen Campingplatz. Der ist tatsächlich zugänglich. Warum eigentlich? Es existiert sogar eine Webseite, die den Platz in höchsten Tönen anpreist. Ich schrieb einfach eine Nachricht und fragte, ob wir hier zelten können. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, sie kam von der Stadtverwaltung. "Der Platz wird zur Zeit renoviert und ist in dieser Saison leider nicht geöffnet." 2024 sah es hier allerdings schon genauso aus. Wenn das so ist, gibt es noch eine Menge zu tun bis zur Wiedereröffnung. Zumindest einen Bagger habe ich entdeckt. Der Hauptweg zum Strand war dermaßen überflutet, dass ich mir einen anderen Zugang suchen musste.

    Auch der Weg am Strand lag teils unter Wasser, irgendwie schaffte ich es trockenen Fußes durchzukommen. Wellen krachten an die Küste, Gischt spritze auf, die Luft voller Salz. Ich sah mir das Schauspiel eine ganze Weile begeistert an, wurde dabei wieder nass vom Regen und trocken vom Wind. Dann bog ich ab und wanderte durch Orangenplantagen und uralten Oliverbäumen zurück zur Hauptstraße.

    Am Busbahnhof nutzte ich die Toilette. Diesmal stand kein Bild auf dem Spülkasten, aber ein wichtiger Spruch an der Tür. Wer will hier schon die Kanalisation sabotieren? Übrigens sind die öffentlichen Toiletten meist in gutem Zustand. Mit Papier, Seife und wichtigen Hinweisen zur Entsorgung des Klopapiers.
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