• Von Null auf Sechshundertsechzig

    23. februar, Cypern ⋅ 🌙 13 °C

    Polis - Paphos
    Apartment
    47 km

    Wir haben gut geschlafen an unserem wilden Zeltplatz am Strand. Niemand hustete in der Nähe als es dunkel war. Oder erschreckte uns auf andere Weise.

    Unser Zelt packten wir mal wieder nass ein. Zum Frühstück radelten wir zur Strandpromenade. Dann ging es Richtung Paphos den Berg hoch. Zum Glück nicht gleich in die vollen, doch 11% Steigung ließen nicht lange auf sich warten. Gestern hätten wir uns bei
    Gegenwind schrecklich gequält. Der Wetter-App sei Dank, die recht zuverlässig den Wind anzeigt. Heute war es fast windstill. Schön langsam schoben wir uns den Berg hoch. Hielten an, manchmal schon nach 500 m. Aßen Cookies, tranken Energiedrinks, genossen die Aussicht, stiegen wieder in die Sättel. Wenn es nicht ganz so steil war, schafften wir einen km oder mehr.

    Heute früh hatten wir auf Kaffee verzichtet, wir wollten erstmal den Berg hinter uns bringen. Als ein Café auftauchte, gönnten wir uns eine Pause. Ein älteres Paar trank Kaffee und begrüßte uns nett. Er aus London, sie aus Schottland. Doch schon 20 Jahre leben sie auf Zypern. Zuerst versuchten sie es mit Malta und fühlten sich nicht wohl. Zu viele Hochhäuser, die Natur wird zugebaut, meinte sie kopfschüttelnd. Auf Zypern wurden sie sofort heimisch. Nach Groß Britannien wollen sie auf keinen Fall zurück. Wir plauderten eine ganze Weile während auch wir guten Kaffee tranken. Aus Porzellantassen sogar, und dazu gab es eine Kostprobe vom leckeren Zitronenkuchen. Homemade natürlich.

    Wir schlichen weiter den Berg hoch. Wie auf der Herfahrt wurde es immer kälter, je höher wir kurbelten. Nur im T-Shirt froren wir trotz der Anstrengung plötzlich und fischten unsere Jacken aus der Tasche. Die letzten Höhenmeter schob uns sogar leichter Rückenwind bis zum höchsten Punkt auf 660 m. Dass hier kein Gipfelkreuz auf uns wartete, wussten wir. Trotzdem klopften wir uns gegenseitig auf die Schultern, dass wir ziemlich zügig die vielen Höhenmeter unter die Reifen genommen hatten.

    Zur Belohnung machten wir nun Strecke ohne uns anzustrengen. Aber es war lausig kalt, trotz Jacke. Das Café, wo es auf der Herfahrt so leckere Pommes gab und Mona Lisa über der Damentoilette wachte, war leider geschlossen. Auf Homemade Pommes mussten wir verzichten. Alles klar, heute ist ja Green Monday, wo die Zyprioten Picknick in der Natur genießen.

    Wir schossen weiter den Berg runter und fragten uns, wie wir es vor ein paar Tagen schafften, hier hochzukurbeln. Es war erheblich anstrengender als heute, trotz Rückenwind. Vielleicht sind wir inzwischen besser trainiert. Ich musste einmal anhalten, weil mir schlecht wurde von der rasanten Geschwindigkeit und den Kurven. Bloß nicht dran denken, was passiert, wenn die Bremsen versagen....

    In Pegeia, fast unten, war es wieder schön warm. Wir stoppten kurz am kleinen Supermarkt an der Kirche und rollten die letzte Abfahrt runter zur Hauptstraße, die parallel zum Strand nach Paphos führt. Unzählige Drachen stiegen in den Himmel, Volksfeststimmung nach dem Karneval. Dicht an dicht drängten sich die Autos, alle wollten zum Wasser zu den Picknickplätzen. Wir wurden tatsächlich mal angehupt und knapp überholt.

    Lidl hatte geöffnet, die Restaurants auch. Doch die einheimischen Supermärkte waren geschlossen. Wir hatten Hunger und holten uns ein paar Snacks bei Zorbas, einem Backshop.

    Gestern hatten wir uns ein Apartment gebucht. Wir müssen wieder Wäsche waschen. Und auch nicht schlecht: Wir können endlich duschen.
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