Wenn die Erde bebt und die Stille bleibt
September 9, 2025 in Greece ⋅ ☀️ 26 °C
Manchmal sind es die unspektakulären Tage, die uns das Leben am deutlichsten fühlen lassen.
Gestern nach dem Aufwachen verbringen wir noch eine Weile an unserem einsamen Strand, bevor wir eine Bucht weiterziehen. Dort liegt der kleine Beachclub, auch hier ist es ruhig. Das Meer ist vielleicht nicht ganz so klar wie an unserem Strand aber auch wunderbar – dafür stehen wir hier unter Pinienbäumen, deren Kronen so tief hängen, dass sie uns wie schützende Dächer umfangen. Ihr Schatten macht den Ort gemütlich, beinahe romantisch. Die Luft ist allgemein etwas kühler geworden, das Wetter angenehmer – alles lädt zum Verweilen ein.
Später spazieren wir in den Ortskern. Zwei handgemachte Tabletts springen mir sofort ins Auge – eines für Zuhause, eines für mein Studio. Ich bin überglücklich über diesen Fund. Doch dann schlägt die griechische Siesta zu: die meisten Läden haben geschlossen. Sven meint, wir könnten am nächsten Tag wiederkommen. Ich aber denke: vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich habe schon gefunden, was mein Herz wollte.
Ein kleines Essen darf nicht fehlen. Wir suchen nach etwas abseits des allzu Touristischen, Burger & Fast Food. Schließlich landen wir bei einem griechischen Salat und fluffigem Brot, gefüllt mit Käse. Einfach und köstlich. Danach noch kurz in den Supermarkt. Zum Glück sind wir satt, so wandern nur die wirklich nötigen Dinge in unserem Wagen. Ein Brot aus der Bakery noch und zurück geht es zu unseren einsamen Strand.
Der Abend senkt sich langsam. Wir hören das Meer rauschen, während die Hitze des Tages nachlässt. Ich klappe den Laptop auf, arbeite ein wenig und schneide an einem Video, während Sven sich einen Film anmacht.
Learning by doing – manchmal mühsam, manchmal komisch. Vor allem, wenn die Aufnahmen von Sven mehr von seinem Zeh, der Tischkante oder meinem Hintern zeigen, als mir lieb ist. 🙈 Er findet das witzig, ich verzweifle ein wenig – und doch lachen wir beide darüber. 😀
Dann – plötzlich – ein Rucken. Für einen Moment scheint es, als würde Hulk, der Riese, unser Auto aus den Federn heben. 5-10 Sekunden, gefühlt doch endlos. Vier Tonnen Metall, die wackeln. Wir schrecken auf, Sven greift zur Taschenlampe, läuft ums Auto, sieht niemanden. Wir begreifen: es war ein Erdbeben. Erinnerungen steigen in mir auf, vertraut und doch erschreckend. Später lesen wir: Magnitude 5,2. In der Nacht vom 8. auf den 9. September, um 00:27 Uhr, gespürt auf ganz Euböa und bis nach Athen. Unser Vermieter meldet sich, fragt, ob es uns gut geht – auch sie wurden in der Hauptstadt aus dem Schlaf gerissen.
Wir brauchen eine Stunde, vielleicht länger, bis die Unruhe weicht. Sitzen, lauschen dem Meer, lassen die Angst sich in Wellen auflösen. Erst gegen zwei Uhr finden wir Schlaf – mit dem stillen Gebet, am Morgen gesund und heil wieder aufzuwachen.
So war es 🙏🏻. Der Schlaf tief, wenn auch kurz. Am Morgen schwimmen wir im klaren Wasser, wechseln wieder zu den Pinien und frühstücken. Sven gönnt sich einen Mittagsschlaf, ich arbeite noch etwas, dann lege auch ich mich in den Schatten, lausche der Musik und dem Leben um mich herum.
Da ist er wieder – dieser tiefe Grundton: Dankbarkeit. Für den Schutz der Pinien, für das Meer, für das Leben, das uns gestern kurz erschüttert und heute wieder getragen hat. Vielleicht war es genau das, was wir brauchten, um noch deutlicher zu spüren: Wir sind getragen und am richtigen Ort. 🙏🏻Read more






